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Charité Universitätsmedizin Berlin

Vorschau auf Charité Universitätsmedizin Berlin Die Charité zählt zu den größten Universitätskliniken Europas. Hier forschen, heilen und lehren Ärzte und Wissenschaftler auf internationalem Spitzenniveau. Über die Hälfte der deutschen Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie stammen aus der Charité.
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Kategorie : Linkbuch > Gesundheit und Medizin

  • RSS Feeds: Aktuelle Pressemitteilungen von www.charite.de : Aktuelle Pressemitteilungen von www.charite.de

  • Ein Childhood-Haus für die Hauptstadt - 24-09-2020
    Die Räume des Childhood-Hauses Berlin wurden jetzt im Rahmen einer virtuellen Eröffnungsveranstaltung unter Teilnahme Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden feierlich eingeweiht. Das Childhood-Haus ist eine interdisziplinär arbeitende Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die sexuellen Missbrauch oder schwere körperliche Gewalt erlebt haben. Die neue Einrichtung läuft unter der Trägerschaft der Charité – Universitätsmedizin Berlin und wurde initiiert durch die World Childhood Foundation. Die Zahlen in Berlin Im vergangenen Jahr wurden laut „Polizeilicher Kriminalstatistik Berlin 2019“ im Durchschnitt jede Woche 15 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern in Berlin bekannt. Die Zahlen von Gewalt an Kindern sind um einiges höher. Deutschlandweit wird von rund einer Million Kinder ausgegangen, die sexuellen Missbrauch erlebt haben. Ein Childhood-Haus für Berlin Um den betroffenen Kindern eine möglichst kinderfreundliche Unterstützung im Rahmen des Ermittlungsverfahrens zu ermöglichen, werden zukünftig verschiedene Professionen in den Räumen des Childhood-Hauses zusammenarbeiten: Medizinerinnen und Mediziner, Psychologinnen und Psychologen, Jugendamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die Polizei, die Staatsanwaltschaft, die Familiengerichte und das Amtsgericht Tiergarten. In Berlin kann das Childhood-Haus-Projekt bereits an eine gut funktionierende Vernetzung der Kinderschutz- und der Trauma-Ambulanz mit der Jugendhilfe anknüpfen. Vor Ort im Childhood-Haus sollen betroffene Kinder und Jugendliche zukünftig die Möglichkeit erhalten in kinderfreundlichen Räumen und durch geschultes Personal untersucht, befragt und beraten zu werden. Ziel ist es, das Beste für das Wohl betroffener Kinder zu erreichen. Nach zwei Jahren der Planung und einer Corona-bedingten Verlagerung der Einweihungsfeier in eine digitale Veranstaltung, können die Räume des Childhood-Hauses von den beteiligten Behörden und Institutionen ab sofort genutzt werden. Bis zum Jahresende sollen die entwickelten Konzepte sukzessive umgesetzt sowie Technik und Abläufe erprobt werden. Starke Kooperation mit den Berliner Senatsverwaltungen Das Childhood-Haus Berlin konnte vor allem durch die starken Kooperationspartner der Charité in dieser Form umgesetzt werden: Die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sowie die Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Digitale Eröffnung in Zeiten von Corona In einem Broadcast-Format konnten hunderte Gäste einer Veranstaltung im Zeichen des Kinderschutzes und dem Thema der sexuellen Gewalt an Kindern teilnehmen. Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden sprach von einem Leuchtturm-Projekt für den Kinderschutz: „Noch sind die Childhood-Häuser Leuchttürme im Kinderschutz. Mit dem heutigen Tag und dem Childhood-Haus Berlin ist nun ein weiterer heller Leuchtturm hinzugekommen, der zeigt: Veränderung ist möglich!“. Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, betonte im Kontext des Schutzes von Kindern auch noch einmal ganz stark, wie wichtig es sei, dass die Menschen, die mit betroffenen Kindern in Kontakt sind, speziell geschult werden: „Als Juristin muss ich sagen: das Thema Kindesmissbrauch gehört auf jeden Fall in die juristische Ausbildung! Und natürlich ist auch die Fortbildung im richterlichen Bereich wichtig und notwendig.“ Als Schirmherrin von UNICEF setzt sie sich seit mehreren Jahren für die Rechte von Kindern im In- und Ausland ein. Als Vertreterin des Trägers des Childhood-Hauses richtete auch Astrid Lurati, Vorstand Finanzen und Infrastruktur der Charité, direkte Worte an die Gäste: „Kinder sind eine der sensibelsten Gruppen, vielleicht die sensibelste Gruppe in der Bevölkerung – ihr Wohlergehen ist uns ein besonderes Anliegen. Mit dem Childhood-Haus Berlin leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von betroffenen Kindern und Jugendlichen." Das Projekt in Berlin wurde im Besonderen realisiert durch die starke Kooperation mit den Senatsverwaltungen. Justizsenator Dr. Dirk Behrendt betonte in seiner Live-Rede noch einmal ganz deutlich, wie sehr das Wohl der betroffenen Kinder im Childhood-Haus im Mittelpunkt steht: „Wenn Kinder Opfer von Straftaten werden, dann muss das Kindeswohl bei den Ermittlungen und auch im späteren Prozess in besonderer Weise berücksichtigt werden. Im Childhood-Haus wird genau das ermöglicht. Damit setzt das Berliner Childhood-Haus neue Maßstäbe.“ Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, sprach von einem „Meilenstein in Berlin und für Berlin, der unser Berliner Netzwerk Kinderschutz weiter stärkt“. Auch ein Grußwort von Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, wurde in die digitale Veranstaltung eingespielt. „Als Bundesfamilienministerin sind mir die Kinderrechte und auch eine kindgerechte Justiz sehr wichtig. Wir arbeiten deshalb gemeinsam mit dem Justizministerium daran, dass Richterinnen und Richter im Umgang mit Kindern geschult werden. Auch in unserem nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern setze ich mich für eine kindgerechte Justiz ein, bei der die Interessen und speziellen Bedürfnisse der Kinder stärker berücksichtigt werden.“ Das Childhood-Haus Berlin konnte unter anderem durch die finanzielle Unterstützung der PNB Paribas, Inceptua GmbH, Soundception GmbH, der Wilhelm-Höffner-Stiftung sowie dem Allianz Kinderhilfsfonds Berlin/Leipzig e.V. realisiert werden. Die virtuelle Veranstaltung wurde von der Agentur Bright Media und Pictet unterstützt.

  • COVID-19: Berliner Forschende legen Grundstein für eine passive Impfung - 24-09-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben hochwirksame Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 identifiziert. Sie verfolgen nun die Entwicklung einer passiven Impfung. Gleichzeitig entdeckten sie dabei, dass manche SARS-CoV-2-Antikörper auch an Gewebeproben verschiedener Organe binden, was möglicherweise unerwünschte Nebenwirkungen auslösen könnte. Sie berichten über diese Erkenntnisse jetzt im Fachmagazin Cell*. Aus dem Blut von Menschen, die eine durch SARS-CoV-2 ausgelöste COVID-19-Erkrankung überstanden hatten, isolierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst fast 600 verschiedene Antikörper. Durch Labortests konnten sie diese Zahl auf einige besonders wirksame Exemplare eingrenzen und diese dann mittels Zellkulturen – quasi in der Petrischale – künstlich nachbilden. Die identifizierten sogenannten neutralisierenden Antikörper binden, wie Strukturanalysen belegen, an das Virus und verhindern damit, dass es in Zellen eindringen und sich vermehren kann. Überdies trägt die Virus-Erkennung durch Antikörper dazu bei, dass der Erreger von Immunzellen beseitigt wird. Untersuchungen an Hamstern – diese sind ähnlich wie Menschen anfällig für eine Infektion durch SARS-CoV-2 – belegen die hohe Wirksamkeit der letztlich ausgewählten Antikörper: „Wurden die Antikörper nach einer Infektion verabreicht, entwickelten die Hamster allenfalls milde Krankheitssymptome. Erfolgte die Gabe der Antikörper präventiv – vor einer Infektion –, dann erkrankten die Tiere nicht“, sagt Dr. Jakob Kreye, Koordinator des aktuellen Forschungsprojektes. Der DZNE-Wissenschaftler ist einer der beiden Erstautoren der aktuellen Veröffentlichung. Die Behandlung von Infektionserkrankungen mit Antikörpern hat eine lange Geschichte. Für COVID-19 wird dieser Ansatz auch im Zusammenhang mit der Verabreichung von Plasma aus dem Blut genesener Patientinnen und Patienten untersucht. Mit dem Plasma werden Antikörper der Spender übertragen. „Idealerweise produziert man gezielt den wirksamsten Antikörper im industriellen Maßstab und in gleichbleibender Qualität. Das ist das Ziel, das wir verfolgen“, sagt Dr. Momsen Reincke, ebenfalls Erstautor der aktuellen Arbeit. „Drei der bisher identifizierten Antikörper sind für eine klinische Entwicklung besonders vielversprechend“, sagt Prof. Dr. Harald Prüß, Forschungsgruppenleiter am DZNE und Oberarzt an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité. „Anhand dieser Antikörper haben wir nun begonnen, eine passive Impfung gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln.“ Das geht nur in Kooperation mit einem Partner aus der Industrie. Deshalb arbeiten die Forschenden mit dem Unternehmen Miltenyi Biotec zusammen. Neben der Behandlung von Erkrankten ist auch der vorsorgliche Schutz von gesunden Personen, die Kontakt zu Infizierten hatten, eine mögliche Anwendung. Wie lange der Schutz besteht, muss im Rahmen klinischer Studien untersucht werden: „Denn im Unterschied zur aktiven Impfung werden bei der passiven Impfung fertige Antikörper verabreicht, die nach einer gewissen Zeit abgebaut werden“, so Prof. Prüß. In der Regel ist der Schutz durch eine passive Impfung weniger beständig, als durch eine aktive. Dafür ist die Wirkung einer passiven Impfung quasi sofort vorhanden, bei einer aktiven Impfung muss diese sich erst aufbauen. „Es wäre ideal, wenn es beide Möglichkeiten der Impfung gäbe, um je nach Situation flexibel reagieren zu können.“ Das Team um Dr. Kreye, Dr. Reincke und Prof. Prüß befasst sich für gewöhnlich mit Erkrankungen des Gehirns und mit Antikörpern, die irrtümlicherweise Nervenzellen attackieren. „Angesichts der COVID-19-Pandemie lag es jedoch auf der Hand, unsere Ressourcen auch anderweitig zu nutzen“, sagt Prof. Prüß. Für das aktuelle Vorhaben profitieren die Forschenden von einem Förderprojekt der Helmholtz-Gemeinschaft, dem „BaoBab Innovation Lab“. In dessen Rahmen entwickeln und verfeinern sie Technologien zur Charakterisierung und Herstellung von Antikörpern, die sie nun anwenden. „Jetzt geht es darum, gemeinsam mit unserem Industriepartner die Voraussetzungen zu schaffen, um die von uns identifizierten Antikörper am effektivsten in großen Mengen herzustellen“, so Prof. Prüß. „Der darauf folgende Schritt sind klinische Studien, also die Erprobung am Menschen. Zu rechnen ist damit frühestens Ende dieses Jahres. Die Planungen dafür haben schon begonnen.“ Im Rahmen der Untersuchungen machten die Forschenden eine zusätzliche Entdeckung: Manche der besonders wirksamen Antikörper gegen das Coronavirus hefteten sich spezifisch an Proteine des Gehirns, Herzmuskels und der Blutgefäße. In Tests mit Gewebeproben von Mäusen zeigten mehrere der neutralisierenden Antikörper eine solche Kreuzreaktivität. Sie wurden daher von der Entwicklung einer passiven Impfung ausgeschlossen. „Diese Antikörper binden nicht nur an das Virus, sondern auch an Proteine im Körper, die mit dem Virus nichts zu tun haben. Weitere Forschungen werden nun prüfen müssen, ob die zugehörigen Gewebe damit möglicherweise Ziele von Angriffen des eigenen Immunsystems werden könnten“, erklärt Prof. Prüß. Ob diese Laborbefunde für den Menschen von Bedeutung sind, ist derzeit nicht absehbar: „Auf der einen Seite müssen wir wachsam sein, um eventuell auftretende Autoimmunreaktionen im Rahmen von COVID-19 und von Impfungen früh zu erkennen. Auf der anderen Seite können diese Erkenntnisse dazu beitragen, die Entwicklung eines Impfstoffs noch sicherer zu machen“, so der Wissenschaftler. Für die aktuellen Untersuchungen kooperierte die DZNE-Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Prüß eng mit der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité sowie dem Institut für Virologie am Campus Charité Mitte. Maßgeblich beteiligt waren zudem die Institute für Virologie und Veterinärpathologie der Freien Universität Berlin und das Scripps Research Institute in den USA.

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen in Berlin - 23-09-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung von Charité, BIH und MDC Die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek hat heute bekannt gegeben, dass Berlin einer von vier neuen Standorten für das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) zusätzlich zu Heidelberg und Dresden werden soll. Damit bestätigt sie der Charité – Universitätsmedizin Berlin zusammen mit ihren Partnern, dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in der Helmholtz-Gemeinschaft, ein hohes Potenzial für Krebsbehandlung und Krebsforschung auf Spitzen-Niveau. Dieses Potenzial soll nun verstärkt genutzt werden. Das Land Berlin hat die Bewerbung stark unterstützt und plant unter anderem einen innovativen Neubau für das NCT, der voraussichtlich in Berlin-Wedding entstehen soll. Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs, mit dem Ziel, Ergebnisse der Krebsforschung schneller zu Patientinnen und Patienten zu bringen, fördert das BMBF den Ausbau von vier weiteren Standorten des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen. Hierfür kooperiert das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit herausragenden Standorten der Universitätsmedizin. Im NCT arbeiten Ärztinnen und Ärzte mit Forscherinnen und Forschern eng zusammen, um jeder Patientin und jedem Patienten eine auf die eigene Erkrankung zugeschnittene Krebstherapie anzubieten. Nun fördert das BMBF den Ausbau weiterer Standorte, neben den bestehenden in Heidelberg und Dresden. Die vier neuen NCT-Standorte sollen zukünftig noch mehr onkologischen Patientinnen und Patienten den Zugang zu Innovationen der personalisierten Onkologie ermöglichen. Neben Berlin gingen die Standorte Köln/Essen, Tübingen/Ulm/Stuttgart und Würzburg/Erlangen/Regensburg erfolgreich aus dem kompetitiven Bewerbungsverfahren hervor. Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung Michael Müller gratuliert dem Team von Charité, BIH und MDC und betont: „Die Entscheidung, in Berlin ein Nationales Centrum für Tumorerkrankungen aufzubauen, ist ein großartiger Erfolg für unsere ganze Gesundheitsstadt. Sie unterstreicht die hohe Innovationskraft unserer Forschungseinrichtungen und zeigt, wie richtig unsere Strategie ist, den Wissenschafts- und Medizinstandort konsequent weiterzuentwickeln. Berlin nimmt damit eine Schlüsselstellung ein, um die Krebsforschung entscheidend voranzubringen und neue Ansätze in der Früherkennung und Behandlung von Krebsleiden zu entwickeln.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, sieht die Auswahl Berlins als NCT-Standort als große Chance für alle Beteiligten. „Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung, die uns enorm unterstützt, die Krebsforschung und Krebsbehandlung in Berlin weiter zu stärken. Forschung und Klinik unter einem Dach zu vereinen, ist das übergeordnete Ziel aller Fachbereiche einer Universitätsmedizin. Denn hiervon profitieren Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, aber vor allem die Patientinnen und Patienten.“ Drei leistungsfähige Kooperationspartner haben den NCT-Standort Berlin entwickelt: die Charité, das BIH und das MDC. Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Leiter des Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC) und Koordinator des Berliner NCT-Antrags, freut sich über die Auszeichnung: „Die Charité gewährleistet bereits heute mit seinem CCCC die umfassende Versorgung von Patientinnen und Patienten und führt klinische und translationale Krebsforschung durch. Jeder Patient und jede Patientin erhält einen individuellen Behandlungsplan, der in einem interdisziplinären Team optimiert entwickelt wird. Zusätzlich ermöglichen wir die Teilnahme an klinischen Studien. Als künftiger NCT-Standort Berlin werden wir noch erfolgreicher forschen und behandeln können und unsere Expertise weiter ausbauen. Mitkoordinatorin Prof. Dr. Angelika Eggert leitet die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie an der Charité, ist Berliner Standortsprecherin im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) und gleichzeitig Mitglied im Forschungsrat des BIH. Sie erforscht mit ihrem Team neue molekular gezielte Therapien und Immuntherapien speziell für krebskranke Kinder. „Das körpereigene Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Krebs. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen hier vor Ort in Berlin konnten wir entscheidende Fortschritte erzielen. Gerade bei den doch eher seltenen Krebsfällen im Kindesalter werden wir sehr von der deutschlandweiten Zusammenarbeit mit den anderen NCT-Standorten profitieren." BIH-Chair für Klinisch Translationale Medizin Prof. Dr. Christof von Kalle leitet das Klinische Studienzentrum von BIH und Charité. Bevor er nach Berlin kam, hatte er in Heidelberg das dortige NCT mitgegründet und über zehn Jahre geleitet. Auch er hat das Konzept für den NCT-Standort Berlin mitentwickelt. „Aus meiner langjährigen NCT-Erfahrung in Heidelberg weiß ich, wie entscheidend die enge Verzahnung von Forschung und Klinik, aber auch die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen im Kampf gegen den Krebs sind. Gleichzeitig müssen wir auch die Digitalisierung noch weiter vorantreiben, damit die vielen Daten, die in der Forschung und bei der Behandlung von tausenden Krebspatienten anfallen, den größtmöglichen Nutzen entfalten können. Als NCT-Standort Berlin können wir diese Herausforderungen meistern.“ Prof. Dr. Axel R. Pries, Dekan der Charité und Vorstandsvorsitzender (interim) des BIH ergänzt: „Die medizinische Translation lebt vom stetigen Austausch zwischen Forschung und Klinik. Dies gilt insbesondere in der Onkologie: Krebs stellt uns vor eine der größten medizinischen Herausforderungen mit immer noch dramatischen Verläufen, nur die Hälfte der Krebspatientinnen und Krebspatienten überleben ihre Krankheit. Hier brauchen wir auch dringend neue Konzepte, die wir hier am Berliner NCT-Standort mit Hochdruck entwickeln wollen.“ Das MDC hat seinen Schwerpunkt in der biomedizinischen Grundlagenforschung. Seine Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen grundlegende Mechanismen des Lebens und von Erkrankungen. Ihr Ziel ist, diese Erkenntnisse schnellstmöglich in medizinische Anwendungen zu übersetzen. In der Krebsmedizin entwickeln sie u.a. neue Immuntherapien und innovative Schlüsseltechnologien wie die 3D-Einzelzell-Analyse, Proteomik und Metabolomik, die sie mit Hilfe künstlicher Intelligenz in neue medizinische Konzepte umsetzen. Prof. Dr. Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des MDC freut sich ebenfalls sehr über die Förderung. „Berlin wird ein exzellenter Standort für das erweiterte Nationale Centrum für Tumorerkrankungen: Hier kommt alles perfekt zusammen. Für uns am MDC bedeutet das, dass wir unsere Forschung und Expertise auf dem Gebiet der Immuntherapie,  der Krebsentstehung und der zellbasierten Krebsmedizin weiter vorantreiben können. Und durch die enge Zusammenarbeit mit der Charité und dem BIH möchten wir unsere Erkenntnisse möglichst schnell zu den Patientinnen und Patienten bringen. Es geht um die personalisierte Onkologie der Zukunft.“ Die einzigartige Expertise der drei Kooperationspartner macht Berlin vor allem zu einem international herausragenden Standort für Systembiologie und klinisch angewandte Einzelzell-Technologien. Das NCT-Berlin Team entwickelt hieraus unter Federführung von Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky (MDC) ein wegweisendes Konzept zellbasierter Krebsmedizin. Dieses umfasst neben den klinischen NCT Programmen drei wesentliche Themen. 1: Präzisionsonkologie: Um die Patientinnen und Patienten bestmöglich behandeln zu können, müssen die Tumoren exakt diagnostiziert und in ihrer Entwicklung verstanden werden. Dazu setzen die Partner systematisch umfangreiche Methoden der Präzisionsonkologie ein: Neben Multi-Omics-Technologien finden auch umfassende Patienten-abgeleitete präklinische Modelle sowie Maschinelles Lernen (ML) und innovative Einzelzelll-Technologien mit einzigartiger räumlicher Auflösung Anwendung, die es auch ermöglichen, herauszufinden, gegen welche Behandlungen der Tumor empfindlich oder resistent reagiert. 2: Immuntherapie: Die NCT-Kooperationspartner nutzen die umfassende Berliner Expertise in der Immuntherapie, um neue adoptive T-Zell-Therapien (TCR- und CAR-T-Zellen) auf präklinischer und klinischer Ebene zu entwickeln. Vorhandene ausgedehnte GMP-Flächen erlauben es, die neuen Immuntherapien vor Ort herzustellen. Neue Zielstrukturen für die Immuntherapie können über Einzelzell-Technologien identifiziert werden. Gemeinsam mit den anderen NCT-Standorten entsteht so ein umfassendes nationales Netzwerk der Krebsimmuntherapie. 3: Big Data: Die ausgezeichnete IT-Infrastruktur des Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC), aktuelle Programme des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)/Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) und das BIH Digital Health Programm verfolgen gemeinsam das Ziel, klinische Daten mit molekularer Diagnostik und präklinischen Modellen zu verbinden, um für jeden Patienten und für jede Patientin individualisierte Therapieansätze zu entwickeln und digitale Gesundheitslösungen voranzubringen. Das CCCC koordiniert die Planung des NCT-Partnerstandortes Berlin und wird selbst zukünftig in das NCT Berlin überführt. Im Lenkungsausschuss des NCT Berlin sind alle relevanten Fachgebiete und Patientensprecherinnen und -sprecher vertreten. Ein eigenes NCT-Gebäude ist auf dem neuen klinischen Forschungscampus am Charité Campus Virchow-Klinikum geplant. Auf 10.000 Quadratmetern sollen modernste Forschungslabore, eine Ambulanz sowie ein Informationszentrum für Krebspatientinnen und -patienten entstehen. Das BIH/Charité Clinician Scientist Programm sowie zahlreiche andere Weiterbildungsmöglichkeiten machen Berlin zu einem attraktiven Standort für die Rekrutierung junger Talente in der Krebsforschung. Neben der Hauptstadt wird sich der Einzugsbereich des NCT Berlin mit der Bevölkerung Berlins, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts von insgesamt 8,6 Millionen Einwohnern auf etwa ein Zehntel Deutschlands erstrecken, mit mehr als 55.000 neu diagnostizierten Krebsfällen pro Jahr. --------------------------- Hintergrund: Mit der Gründung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg als gemeinsame Einrichtung schufen das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und die Deutsche Krebshilfe im Jahre 2003 das erste Comprehensive Cancer Center Deutschlands. Ziel des NCT ist es, vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung möglichst schnell in die Klinik zu übertragen und damit den Patienten zugutekommen zu lassen. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch die Behandlung, in der Nachsorge oder der Prävention. Die Tumorambulanz ist das Herzstück des NCT. Hier profitieren die Patienten von einem individuellen Therapieplan, den die fachübergreifenden Expertenrunden, die sogenannten Tumorboards, erstellen. Die Teilnahme an klinischen Studien eröffnet den Zugang zu innovativen Therapien. Das NCT ist somit eine richtungsweisende Plattform zur Übertragung neuer Forschungsergebnisse aus dem Labor in die Klinik. Das NCT kooperiert mit Selbsthilfegruppen und unterstützt diese in ihrer Arbeit. 

  • Siebtes Statement der Charité: Stationäre Behandlung von Alexei Nawalny abgeschlossen - 23-09-2020
    Alexei Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wurde, ist gestern aus der stationären Behandlung entlassen worden. Der Gesundheitszustand des Patienten hat sich soweit gebessert, dass die akutmedizinische Behandlung beendet werden konnte. Alexei Nawalny wurde insgesamt 32 Tage in der Charité behandelt, davon 24 Tage auf einer Intensivstation. Die behandelnden Ärzte halten auf Grund des bisherigen Verlaufs und des aktuellen Zustandes des Patienten eine vollständige Genesung für möglich. Eventuelle Langzeitfolgen der schweren Vergiftung können aber erst im weiteren Verlauf beurteilt werden. Die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand von Herrn Nawalny erfolgt im Einvernehmen mit ihm und seiner Ehefrau.

  • Autoimmunerkrankungen gezielt behandeln - 22-09-2020
    Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Rheumaforschungszentrums Berlin, ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft (DRFZ), konnte die Autoimmunerkrankung systemischer Lupus erythematodes bei zwei Patientinnen erfolgreich behandeln. Mit dem gegen spezielle Immunzellen – sogenannte Plasmazellen – gerichteten Antikörper Daratumumab gelang es, das krankhaft veränderte Immungedächtnis nachhaltig zu beeinflussen und dadurch die Entzündungsprozesse im gesamten Körper zu verringern. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin New England Journal of Medicine* erschienen. Das immunologische Gedächtnis gewährleistet einen Schutz vor Krankheitserregern, die nach überstandenen Infektionen oder Impfungen schnell wiedererkannt und unschädlich gemacht werden. Diese Immunantwort wird vermittelt durch Gedächtnis-T-Lymphozyten sowie durch Antikörper, die von sogenannten Plasmazellen produziert werden. Ausgereifte Gedächtnis-Plasmazellen nisten in spezialisierten Nischen im Knochenmark, wo sie ein ganzes Leben lang große Mengen Antikörper produzieren können. Bei Autoimmunerkrankungen hingegen erkennt das Immunsystem Bestandteile des eigenen Körpers fälschlicherweise als Gefahr und entwickelt – auch mit Hilfe des immunologischen Gedächtnisses – eine Abwehr durch sogenannte Autoantikörper. Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine solche Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen körpereigene Zellkernbestandteile gebildet werden. Dies geht mit einer Entzündung von Haut, Gelenken oder inneren Organsystemen – wie Niere, Herz oder Nervensystem – einher. Herkömmliche Therapieansätze zielen auf eine dauerhafte Unterdrückung von Immunreaktionen, richten sich bislang jedoch nicht gegen ausgereifte Gedächtnis-Plasmazellen. Ein Team der Charité um Dr. Tobias Alexander hat nun – in Zusammenarbeit mit Forschenden vom DRFZ um Prof. Dr. Andreas Radbruch – erstmals die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Plasmazell-gerichteten Therapie bei zwei Lupus-Patientinnen untersucht, die nicht gut auf herkömmliche Therapien angesprochen hatten. „Bei einem gewissen Teil der Betroffenen ist die Krankheit mit den verfügbaren Therapiemöglichkeiten nicht in den Griff zu bekommen. Deshalb ist es dringend nötig, neue Therapieansätze zu entwickeln“, erläutert Studienleiter Dr. Alexander, Leiter der rheumatologischen Fachambulanz an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und klinische Immunologie der Charité, der auch am DRFZ forscht. Für die neuartige Therapie griffen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf den monoklonalen anti-CD38-Antikörper Daratumumab zurück, der bereits seit Jahren erfolgreich als Medikament für Plasmazell-Krebserkrankungen eingesetzt wird. Die Rolle von Plasmazellen bei Autoimmunerkrankungen steht schon seit vielen Jahren im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Dr. Alexander und Ko-Autor Prof. Dr. Falk Hiepe. „Zwar gilt das Oberflächenprotein CD38 als klassischer Plasmazellmarker, unsere Voruntersuchungen zeigten jedoch, dass dieser Marker bei Lupus-Patientinnen und -Patienten auch vermehrt bei anderen aktivierten Immunzellen – etwa Gedächtnis-T-Lymphozyten – im Blut oder im Urin nachweisbar war“, erklärt Dr. Alexander. Das macht CD38 zu einem geeigneten Ziel der Behandlung, um die krankhaft veränderten Immunzellen auszuschalten.  Bei beiden Lupus-Patientinnen hatte die Autoimmunerkrankung einen lebensbedrohlichen Verlauf genommen. Sie litten unter anderem unter Entzündung von Herz und Nieren sowie durch Antikörper verursachte Blutarmut. Durch die Gabe von Daratumumab einmal wöchentlich über vier Wochen verbesserten sich die Krankheitssymptome innerhalb kürzester Zeit deutlich und blieben über mehrere Monate stabil. Darüber hinaus ging die Zahl der Autoantikörper stark zurück. Mit Hilfe modernster immunologischer Methoden – einschließlich Einzelzell-Sequenzierung – konnte das Team zudem einen günstigen Effekt von Daratumumab auf aktivierte T-Lymphozyten nachweisen, denen eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentwicklung zugeschrieben wird. Relevante Nebenwirkungen wiederum traten nicht auf. Zwar kam es zu einem Abfall schützender Antikörper im Blut, dies war jedoch nicht mit erhöhter Infektanfälligkeit verbunden. „Die erfolgversprechenden Ergebnisse bei SLE sind möglicherweise auch auf andere Autoimmunerkrankungen übertragbar, bei denen Autoantikörper eine Rolle spielen“, erklärt Lennard Ostendorf, Nachwuchswissenschaftler am DRFZ und Erstautor der Veröffentlichung. Zunächst soll jedoch die Sicherheit und Effizienz von Daratumumab bei einer größeren Anzahl von Lupus-Patientinnen und -Patienten untersucht werden. Hierfür ist an der Charité eine Pilotstudie unter Leitung von Dr. Alexander geplant.

  • Perspektiven für die Zoonosenforschung in Deutschland – Schubladendenken überwinden - 18-09-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Universität Münster und des Friedrich-Loeffler-Instituts Rund 75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen haben ihren Ursprung im Tierreich*. Die aktuelle Coronavirus-Pandemie zeigt auf eindrückliche Art und Weise die Konsequenzen für die Gesellschaft, wenn ein Erreger aus dem Tierreich auf den Menschen übergeht. Eine gezielte Investition in die Erforschung von Zoonosen erscheint vor diesem Hintergrund folgerichtig, um für die Prävention und die Bekämpfung von Zoonosen bestmöglich aufgestellt zu sein. Vor diesem Hintergrund hat die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen, kurz Zoonosenplattform, zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, um die zukünftige Ausrichtung der Forschung in Deutschland zu diskutieren. Die wissenschaftliche Expertise brachte Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologe der Charité – Universitätsmedizin Berlin, in die Runde ein. Er erklärte, auf Nachfrage von Prof. Dr. Karl Lauterbach, dass die zunehmende Vernetzung in unserer Welt und die anwachsende Populationsdichte das pandemische Gefahrenpotential einer Zoonose erhöht. Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte den Zusammenhang der menschlichen Gesundheit mit der Umwelt, was durch die Corona-Pandemie in der Gesellschaft nun offensichtlich besser verstanden würde. Der Erhalt der Biodiversität und naturbelassener Rückzugsräume seien wichtige Komponenten, die es in Hinblick auf Zoonosenprävention zu beachten gelte. Um dieser komplexen Problematik begegnen zu können, bedürfe es interdisziplinärer Zoonosenforschung und einer nachhaltigen Förderung junger Forschender, bekräftigte Sybille Benning, stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages. Prof. Dr. Veronika von Messling, Abteilungsleiterin der Abteilung 6 „Lebenswissenschaften“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), verdeutlichte, dass Investitionen in die Forschung immer eine Investition in die Zukunft seien. Geschützte Räume wie die Zoonosenplattform böten die Möglichkeit, interdisziplinäre Ansätze zu erforschen, für die es sonst keine Förderquelle gebe. Eine starke Forschungsgemeinschaft und Strukturen wie die Zoonosenplattform hätten in Deutschland die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, dass man in der Forschung schnell, durch rasche Bereitstellung von Mitteln, auf die Krise reagieren konnte. Dr. Kirsten Tackmann, Agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, appellierte daran, das Denken in Schubladen in der Forschung zu überwinden und warb für mehr Kooperation statt Wettbewerb in der Wissenschaft. Zudem müsse man zurück zur präventiven Forschung, statt erst dann zu handeln, wenn es zu spät sei. Eine institutionalisierte Zusammenarbeit sei hier wichtige Voraussetzung, um die notwendigen Räume für interdisziplinäre Forschung zu schaffen. Die Diskussionsrunde bestärkte die Bedeutung interdisziplinärer Zoonosenforschung, um die komplexen Zusammenhänge der menschlichen Gesundheit erfassen zu können. Dies kann nur mit einer Vernetzung der beteiligten Disziplinen und starker Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erreicht werden. Im internationalen Vergleich habe sich in der aktuellen Coronavirus-Pandemie gezeigt, dass Deutschland mit seinen bestehenden Strukturen bereits sehr gut aufgestellt ist. Diese Strukturen müssen in Zukunft erhalten und weiter ausgebaut werden, damit durch sie der Dialog zwischen Forschungsdisziplinen, Öffentlichem Gesundheitsdienst und Politik gestärkt und ausgeweitet wird. Nur so könne man zukünftig präventiv agieren und nicht, wie bisher erst „aus dem Schmerz heraus lernen“, wie Dr. Tackmann es formulierte.

  • Plattform für KI in der Diagnostik - 17-09-2020
    Das Projekt EMPAIA unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat sich im Innovationswettbewerb Künstliche Intelligenz (KI) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) durchgesetzt. Jetzt geht es in die Umsetzung. Ziel des Vorhabens ist es, eine Plattform für KI-unterstützte Anwendungen in der bildbasierten medizinischen Diagnostik aufzubauen. Das Konsortium wird über drei Jahre mit insgesamt 11,4 Millionen Euro gefördert, davon gehen rund 4,6 Millionen Euro an die Charité. Um Patientinnen und Patienten noch individueller behandeln zu können, wird bei vielen Erkrankungen – insbesondere bei Krebs – eine immer aufwändigere Diagnostik durchgeführt. Vor allem die Auswertung von Bilddaten, wie MRT-Aufnahmen oder Gewebeschnitten, ist zeitintensiv und komplex. Methoden der Künstlichen Intelligenz können dabei helfen, die Bilder schneller auf relevante Informationen hin zu analysieren – beispielsweise auf das Vorliegen von Metastasen. „Die Künstliche Intelligenz hat großes Potenzial, in den kommenden Jahren alle Bereiche der bildbasierten medizinischen Diagnostik zu revolutionieren“, sagt Prof. Dr. Peter Hufnagl vom Institut für Pathologie der Charité. Der Koordinator des EMPAIA-Konsortiums („Ecosystem for Pathology Diagnostics with AI Assistance“) erklärt: „Dieses Potenzial lässt sich derzeit jedoch kaum nutzen, weil die Infrastruktur fehlt, es keine Standards gibt und die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht geklärt sind.“ Zusammen mit dem DAI-Labor der Technischen Universität Berlin, dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS, der vitagroup AG und der Qualitätssicherungs-Initiative Pathologie QuIP GmbH möchte Prof. Hufnagl deshalb eine Plattform aufbauen, die Ärztinnen und Ärzten einen leichten Zugang zu zertifizierten und validierten KI-basierten Apps ermöglicht. Die Nutzer sollen beispielsweise vergleichen können, wie verschiedene Programme ein bestimmtes Problem lösen. Gleichzeitig sollen Entwickler von KI-basierten Algorithmen für die Validierung ihrer Software auf Bilddaten zugreifen können. Um die Zertifizierung von Algorithmen für den Einsatz in der Diagnostik zu beschleunigen, wird die Plattform außerdem Entwickler, Referenzinstitute und Zertifizierer zusammenbringen. „Die Spielregeln auf diesem Marktplatz werden sich natürlich nach den geltenden Gesetzen zu Datenschutz und der Zulassung von Medizinprodukten richten“, betont Prof. Hufnagl. „Durch Schaffung dieses Marktplatzes unter klaren rechtlichen Bedingungen möchten wir dazu beitragen, dass Medizinerinnen und Mediziner zugelassene KI-unterstützte Programme in Zukunft routinemäßig für die bildbasierte Diagnostik einsetzen können.“ Das Konsortium plant, die Plattform zunächst auf die Analyse von Gewebeschnitten auszurichten, bevor radiologische Bilddaten in den Fokus genommen werden. Das EMPAIA-Konsortium stellt sich in einem Kick-off-Meeting am Freitag, den 25. September von 10 bis 17 Uhr vor. Medienvertreter sind eingeladen, an der digitalen Veranstaltung teilzunehmen. Sie werden gebeten, sich unter empaia(at)charite.de anzumelden.

  • 150. Geburtstag von Prof. Dr. Rahel Hirsch: Charité gedenkt erster Medizinprofessorin in Preußen - 15-09-2020
    Anlässlich ihres 150. Geburtstags hat die Charité – Universitätsmedizin Berlin Prof. Dr. Rahel Hirsch mit einer Fest- und Gedenkveranstaltung geehrt. Rahel Hirsch zählt zu den Pionierinnen der Medizin in Deutschland und war 1913 die erste Frau, die im Königreich Preußen zur Professorin für Medizin ernannt wurde. Rahel Hirsch war von 1903 bis 1919 in der Charité tätig und leitete ab 1908 die Poliklinik der II. Medizinischen Klinik. Ihre Forschungen zur Durchlässigkeit der Darmschleimhaut stießen bei ihren Kollegen zunächst auf Ablehnung und Unverständnis. Ein halbes Jahrhundert später wurden die von ihr entdeckten Phänomene unter der Bezeichnung „Hirsch-Effekt“ in die Fachliteratur aufgenommen. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, begrüßte die Gäste auf dem Vorplatz der Charité Campus-Klinik, nahe der Bronzebüste von Rahel Hirsch, die anlässlich ihres 125. Geburtstags aufgestellt worden war und betonte: „Als Rahel Hirsch mit 28 Jahren ihr Medizinstudium in Zürich beginnt, hat sie bereits ein Pädagogik-Studium abgeschlossen und einige Jahre als Lehrerin gearbeitet. Nach dem Studienabschluss in Medizin kommt sie 1903 als eine der ersten Ärztinnen an die Charité und wird Assistentin von Friedrich Kraus. Zehn Jahre später wird der Internistin als erster Ärztin in Preußen das Prädikat ‚Professor‘ verliehen. Dies war damals die höchste Anerkennung, die Wissenschaftlerinnen erlangen konnten. Heute erinnern der Rahel-Hirsch-Weg sowie eine Bronzebüste am Campus Charité Mitte an die herausragende Medizinerin. Zudem ist unser sehr erfolgreiches Habilitationsstipendium, das Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen auf dem Weg zur Berufungsfähigkeit fördert, nach Rahel Hirsch benannt.“ Den abschließenden Vortrag „Rahel Hirsch und ihre Bedeutung für heutige Studierende“ hat die Charité-Studentin Cand. med. Friederike Speckmann gehalten. Sie betonte: „Rahel Hirsch war eine Frau, die aufgrund ihrer Forschungsergebnisse nicht nur wegweisend für die Medizin war. Mit ihrer starken Persönlichkeit beschritt sie als Pionierin den Weg der Frau in der Medizin und ebnete ihn für ihre Nachfolgerinnen und somit auch für mich. Für ihre Motivation und Leidenschaft zur Medizin, und ihre Durchhaltekraft neues Denken anzustoßen, empfinde ich Bewunderung und Dankbarkeit. Diese Anerkennung gebührt aber auch den Frauen, die diesen Weg bis heute fortsetzen.“

  • Sechstes Statement der Charité: Gesundheitszustand von Alexei Nawalny weiter verbessert - 14-09-2020
    Der Gesundheitszustand von Alexei Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wird, hat sich weiter verbessert. Der Patient konnte vollständig von der maschinellen Beatmung entwöhnt werden. Er wird zunehmend mobilisiert und kann das Krankenbett bereits zeitweise verlassen. Die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand von Herrn Nawalny erfolgt im Einvernehmen mit ihm und seiner Ehefrau.

  • Gelassen durch die Schwangerschaft - 11-09-2020
    Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnte nachweisen, dass sich das psychische Wohlergehen werdender Mütter während der Schwangerschaft positiv auf die neugeborenen Kinder auswirkt. Längere Telomere – Schutzkappen an den Enden der Chromosomen – weisen darauf hin, dass ihre Zellalterung verringert ist, was sich auf die zukünftige Gesundheit der Kinder auswirken könnte. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin American Journal of Psychiatry* veröffentlicht. Verschiedene Aspekte während der Schwangerschaft können sich auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Bisher wurden vor allem negative Einflüsse von Stress, Übergewicht oder schlechter Ernährung untersucht – etwa auf die Funktion der Plazenta, Frühgeburten oder die allgemeine Kindesgesundheit. Auf zellulärer Ebene können sich verschiedene Einflüsse während der Schwangerschaft direkt auf die Telomere auswirken – spezielle Strukturen, die die Enden von Chromosomen bei der Zellteilung schützen und die durch das Enzym Telomerase verlängert werden können. Die Telomerlänge ist ein molekularbiologischer Marker der Zellalterung, der mit der Lebensdauer und einer Reihe altersbedingter Erkrankungen in Zusammenhang steht. Obwohl der Einfluss von mütterlichem Stress gut untersucht ist, gibt es bisher nur sehr wenige Befunde zu protektiven mütterlichen Faktoren und ihren positiven Effekten auf die Kindesentwicklung. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Sonja Entringer am Institut für Medizinische Psychologie der Charité konnte nun zeigen, dass die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress – die sogenannte Resilienz – während der Schwangerschaft mit der Telomerlänge zusammenhängt. Je positiver die werdenden Mütter eingestellt sind, desto länger sind auch die Telomere in Zellen der Kinder. „Positive mütterliche psychologische Charakteristika werden also biologisch beim Fötus eingebettet und wirken sich protektiv aus“, sagt Prof. Entringer. Bereits in einer vorhergehenden Studie hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersucht, wie sich mütterlicher Stress während der Schwangerschaft auf die Telomerlänge der Nachkommen auswirkt. Für die aktuelle Arbeit konnte das Team um Prof. Entringer – zusammen mit Forschenden um Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn von der University of California sowie einem Team in Finnland – auf eine große Probandengruppe mit über 650 Mutter-Kind-Paaren zurückgreifen. Die Telomerlänge wurde bereits bei Geburt in Zellen des Nabelschnurblutes bestimmt. Die positive Einstellung von Schwangeren trotz Stressbelastung bestimmten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch einen Index der Resilienz, in den auch das psychische Wohlergehen und die wahrgenommene soziale Unterstützung einflossen. „Die Studie unterstreicht die Wichtigkeit des psychischen Wohlergehens der Mutter während der Schwangerschaft für die Programmierung von Krankheit und Gesundheit des Kindes während des gesamten Lebens, sowie die Bedeutung verbesserter Maßnahmen zur psychosozialen Betreuung während der Schwangerschaft“, erklärt Prof. Entringer, die auch Associate Professor an der University of California in Irvine ist. Bereits 2016 war sie mit einem „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats (ERC) ausgezeichnet worden, durch dessen Finanzierung sie eine eigene Forschungsgruppe aufbauen konnte. Aktuell widmet sich die Gruppe molekularen Mechanismen, die bei der Verankerung der psychosozialen Effekte in den Zellen des ungeborenen Kindes zugrunde liegen. In einem weiteren Schritt ist eine Interventionsstudie zur Stressreduktion im Alltag von Schwangeren geplant.

  • Fünftes Statement der Charité: Gesundheitszustand von Alexei Nawalny gebessert - 07-09-2020
    Der Gesundheitszustand von Alexei Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wird, hat sich verbessert. Das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten konnte beendet werden. Der Patient wird schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt. Er reagiert auf Ansprache. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung sind weiterhin nicht auszuschließen. Die behandelnden Ärzte sind mit der Ehefrau von Alexei Nawalny in engem Austausch. Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charité davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist.

  • Dem Ursprung und Wirken zirkulärer DNA auf der Spur - 03-09-2020
    Die Mechanismen der Krebsentstehung und des Voranschreitens der Krankheit noch besser zu verstehen, das hat sich ein Team um den Kinderonkologen Privatdozent Dr. Anton G. Henssen vorgenommen. Der Wissenschaftler am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), vermutet treibende Kräfte auf Ebene der genomischen Anpassung. Ziel des Vorhabens CancerCirculome ist es, mehr über zirkuläre DNA – ringförmige Erbgutteile, die außerhalb der Chromosomen in Zellen vorliegen – herauszufinden, um deren krebszellenspezifische Merkmale für Therapie, Diagnose oder klinische Prognosen zu nutzen. Für den Aufbau der Arbeitsgruppe stehen jetzt rund 1,5 Millionen Euro des Europäischen Forschungsrates (ERC) zur Verfügung. Die Rolle extrachromosomalen Erbmaterials bei der Krebsentstehung rückt zunehmend in den Fokus der Forschung. Offenbar besitzen Krebszellen entsprechend neuesten Untersuchungen die Fähigkeit, kleine Erbgutringe außerhalb der Chromosomen – die sogenannte zirkuläre DNA – selbst zu erzeugen und in das bestehende Erbgut wieder einzugliedern. Wird die ursprüngliche Abfolge der DNA dabei durcheinandergebracht, kann das Zellwachstum außer Kontrolle geraten und Krebs entstehen. „Wir konnten bereits zeigen, dass diese Phänomene bei primären Neuroblastomen, einem vorrangig im Kindesalter auftretenden Tumor, häufiger zu beobachten sind als zunächst angenommen“, bestätigt Privatdozent Dr. Henssen, der als Arzt auch an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité tätig ist. „Die Beobachtung ist ein Hinweis dafür, dass DNA-Zirkularisierung eine wichtige Triebkraft für die Umgestaltung der Krebs-DNA darstellt.“ Mit dem Start von CancerCirculome wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um den Kinderonkologen und Leiter einer Emmy Noether-Nachwuchsgruppe die zugrunde liegenden Prinzipien der Veränderungen in der Krebs-DNA bei kindlichen Tumoren aufdecken. In den kommenden fünf Jahren werden die Mechanismen und Folgen der DNA-Zirkularisierung und Re-Integration von Erbgutteilen in Chromosomen im Zentrum der Arbeiten stehen. „Wie es zur Erzeugung und Vermehrung der zirkulären DNA kommt, ist im Detail noch nicht bekannt. Dem Ursprung der kleinen Ringe wollen wir näherkommen, indem wir die Sequenzinhalte dieser Erbgutteile genau rekonstruieren“, erklärt Privatdozent Dr. Henssen. „Dazu werden wir auf Einzelzellebene molekulare Faktoren bestimmen, die dazu führen, dass zirkuläre DNA überhaupt entstehen kann und vervielfältigt wird.“ Das Team hofft, auf komplett neue Mechanismen zu treffen, die dafür verantwortlich sind, dass Zellen die Kontrolle über ihr Wachstum verlieren. „Diese Mechanismen könnten Angriffspunkt für neue Therapie- und Diagnoseansätze sein – nicht nur für Tumorerkrankungen bei Kindern, sondern als Grundprinzip für Krebserkrankungen insgesamt“, sagt Privatdozent Dr. Henssen, der auch BIH Charité Clinician Scientist und Wissenschaftler des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) ist. Auf Einzelzell-CRISPR basierende Methoden, ein gezieltes Verändern und Stören zirkulärer DNA, sollen ermöglichen, die biologischen Auswirkungen der DNA-Zirkularisierung und Re-Integration aufzuzeigen. Die Forscherinnen und Forscher planen, zirkuläre DNA in menschlichen Zellen gezielt genetisch zu manipulieren, um ihren funktionellen Einfluss auf die Fitness von Krebszellen zu bewerten. Außerdem soll ihr Verhalten, das Vorhandensein und ihre chromosomale Integration während der Krebstherapie auf Einzelzellebene verfolgt werden. Ziel ist es, die krebsauslösenden Funktionen der ringförmigen Erbgutteile aufzudecken und zu ermitteln, was genau zur Re-Integration zirkulärer DNA in Chromosomen führt. Dieses Wissen soll anschließend klinisch nutzbar gemacht werden: „Anhand der aufgedeckten Prinzipien wollen wir neue diagnostische und vorhersagende Marker definieren, die der personalisierten Diagnose, Risikoabschätzung und Behandlung von Tumoren dienen können“, schließt Privatdozent Dr. Henssen. Langfristiges Ziel ist es, das Verständnis über Tumoren nachhaltig zu beeinflussen und klinische Studien mit personalisierten Behandlungen für Kinder mit schwer zu behandelnden Krebsarten zu unterstützen.

  • Viertes Statement der Charité: Gesundheitszustand von Alexei Nawalny weiterhin ernst - 02-09-2020
    Der Gesundheitszustand von Alexei Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wird, ist weiterhin ernst. Die Symptomatik der durch eine nachgewiesene Vergiftung ausgelösten Cholinesterase-Hemmung ist zunehmend rückläufig. Grund dafür ist eine schrittweise Regeneration der Cholinesterase-Aktivität. Alexei Nawalny wird weiterhin auf einer Intensivstation behandelt und maschinell beatmet. Mit einem längeren Krankheitsverlauf ist zu rechnen. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung sind weiterhin nicht auszuschließen. Die behandelnden Ärzte sind mit der Ehefrau von Alexei Nawalny in engem Austausch. Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charité davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist.

  • COVID-19-Risikogruppen: Warum das Immunsystem schlechter gegen das Virus ankommt - 02-09-2020
    Ältere Menschen und Personen mit Grunderkrankungen haben ein besonders hohes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat jetzt herausgefunden, was einer der Gründe dafür sein könnte: Bei diesen Risikogruppen werden wichtige Zellen des Immunsystems, die T-Helferzellen, zwar besonders häufig gebildet, sie sind aber in ihrer Funktion eingeschränkt. Diese „Immunbremse“ zu lösen, könnte ein Therapieansatz beispielsweise bei schweren COVID-19-Verläufen sein. Veröffentlicht ist die Studie im Journal of Clinical Investigation*. Schon früh nach dem ersten Auftreten von COVID-19 wurde flächendeckend dieselbe Beobachtung gemacht: Die Erkrankung verläuft häufig besonders schwer bei älteren Personen und bei Menschen mit Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Wahrscheinlich gibt es eine Reihe medizinischer Gründe dafür, dass der Körper im Alter oder bei bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen schlechter mit einer SARS-CoV-2-Infektion fertig wird. Ein wichtiger Faktor, so wurde vermutet, könnte das Immunsystem sein. Ein interdisziplinäres Team der Charité hat jetzt Erkenntnisse gesammelt, die diese Vermutung unterstützen. Für ihre Studie untersuchte die Forschungsgruppe das Blut von 39 Patientinnen und Patienten, die mit SARS-CoV-2-Infektion in die Charité aufgenommen worden waren. Aus diesen Blutproben gewannen die Forschenden Immunzellen, die sie mit kleinen, künstlich hergestellten Bruchstücken des SARS-CoV-2-Erregers stimulierten. Anschließend machten sie die T-Helferzellen, die auf die Virus-Bruchstücke reagierten, mithilfe von spezifischen Farbstoffen sichtbar und bestimmten ihre Anzahl. Schließlich überprüfte das Forschungsteam, ob es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der aktivierten T-Helferzellen und den Risikofaktoren der Patienten gab. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler belegen konnten, wiesen die COVID-19-Betroffenen umso mehr Virus-spezifische T-Helferzellen in ihrem Blut auf, je älter sie waren. Derselbe Zusammenhang fand sich auch für den sogenannten Komorbiditätsindex – eine Maßzahl für die Schwere von 19 verschiedenen Grunderkrankungen: Je höher der Komorbiditätsindex lag, desto mehr SARS-CoV-2-spezifische T-Helferzellen zirkulierten im Blut der Patientinnen und Patienten. Wie das Team jedoch beobachtete, produzierten mit fortschreitendem Alter der Betroffenen und Gesamtlast ihrer Grunderkrankungen immer weniger dieser Zellen den Botenstoff Interferon gamma (IFNγ). Diesen Botenstoff geben die Zellen normalerweise ab, wenn sie ein Virus erkannt haben, um andere Komponenten der Immunabwehr gegen den Erreger zu stimulieren. „Die übermäßig vielen gegen das neue Coronavirus gerichteten T-Helferzellen, die wir im Blut von COVID-19-Betroffenen mit Risikofaktoren gefunden haben, sind also teilweise nicht mehr richtig funktionstüchtig“, erklärt Dr. Arne Sattler, leitender Erstautor der Studie von der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie der Charité. Der Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Translationale Immunologie resümiert: „Die T-Helferzellen werden bei Menschen mit Risikofaktoren also gewissermaßen ausgebremst. Wir gehen davon aus, dass das hinderlich für eine effiziente Bekämpfung des Erregers sein könnte.“ Eine bekannte molekulare „Bremse“ des Immunsystems ist das Protein PD-1. Es sorgt auf der Oberfläche von T-Zellen normalerweise dafür, dass eine Immunantwort nicht überschießt und sich beispielsweise gegen den eigenen Körper richtet. Tatsächlich konnte die Charité-Forschungsgruppe nachweisen, dass die Virus-spezifischen T-Helferzellen während einer akuten SARS-CoV-2-Infektion deutlich mehr PD-1 bilden als nach einer Infektion mit vergleichsweise milden Symptomen. „Zusammen mit Beobachtungen anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen unsere Daten darauf hin, dass PD-1 mitverantwortlich dafür sein könnte, dass das Immunsystem bei einigen COVID-19-Betroffenen zu wenig Botenstoffe zur Erregerabwehr ausschüttet“, sagt Dr. Sattler. „Möglicherweise könnten COVID-19-Patientinnen und -Patienten von Therapien profitieren, die darauf abzielen, eine solche ‚Immunbremse‘ wieder zu lösen. Um das zu klären, sind aber noch zahlreiche Studien nötig.“

  • Drittes Statement der Charité: Gesundheitszustand von Alexei Nawalny stabil - 28-08-2020
    Der Gesundheitszustand von Alexei Nawalny, der seit dem letzten Wochenende in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wird, ist stabil. Die Symptomatik der durch eine Cholinesterase-Hemmung ausgelösten cholinergen Krise ist rückläufig. Der Patient befindet sich weiterhin auf einer Intensivstation im künstlichen Koma und wird maschinell beatmet. Sein Gesundheitszustand ist unverändert ernst, ohne das akute Lebensgefahr besteht. Nach wie vor sind eventuelle Langzeitfolgen der schweren Vergiftung des Patienten nicht absehbar. Die behandelnden Ärzte sind mit der Ehefrau von Alexei Nawalny in engem Austausch. Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charité davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist.

  • Zweites Statement der Charité: Klinische Befunde weisen auf Vergiftung von Alexei Nawalny hin - 24-08-2020
    Seit dem Wochenende behandeln Ärztinnen und Ärzte der Charité – Universitätsmedizin Berlin Alexei Nawalny. Der Patient befindet sich auf einer Intensivstation und ist weiterhin im künstlichen Koma. Sein Gesundheitszustand ist ernst, derzeit besteht jedoch keine akute Lebensgefahr. Das Ärzte-Team hat den Patienten nach seiner Ankunft eingehend untersucht. Die klinischen Befunde weisen auf eine Intoxikation durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hin. Die konkrete Substanz ist bislang nicht bekannt und es wurde eine weitere breitgefächerte Analytik initiiert. Die Wirkung des Giftstoffes, d.h. die Cholinesterase-Hemmung im Organismus, ist mehrfach und in unabhängigen Laboren nachgewiesen. Entsprechend der Diagnose wird der Patient mit dem Gegenmittel Atropin behandelt. Der Ausgang der Erkrankung bleibt unsicher und Spätfolgen, insbesondere im Bereich des Nervensystems, können zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Die behandelnden Ärzte sind mit der Ehefrau von Alexei Nawalny in engem Austausch. Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charité davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist.

  • Erstes Statement der Charité: Charité-Ärzte behandeln Alexei Anatoljewitsch Nawalny - 22-08-2020
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin bestätigt, Alexei Anatoljewitsch Nawalny zur ärztlichen Behandlung aufgenommen zu haben. Derzeit erfolgt eine umfangreiche medizinische Diagnostik. Nach Abschluss der Untersuchungen und nach Rücksprache mit der Familie werden sich die behandelnden Ärzte zu der Erkrankung und weiteren Behandlungsschritten äußern. Die Untersuchungen werden einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher bitten wir um Geduld; wir informieren Sie, sobald Erkenntnisse vorliegen.

  • Erweiterte Öffnungszeiten an den Flughafenteststellen - 19-08-2020
    Grundsätzlich sind Reiserückkehrende aus Corona-Risikogebieten zu einer 14-tägigen häuslichen Quarantäne verpflichtet. Um diese zu verkürzen, gibt es die Möglichkeit, sich auf COVID-19 testen zu lassen. Seit 8. August besteht für Reiserückkehrende aus Risikogebieten eine Testpflicht – Flugreisende können dieser am Flughafen Tegel und am Flughafen Schönefeld nachkommen. Ab morgen sind beide Teststellen von Charité und Vivantes bis 22 Uhr geöffnet. Das Testangebot richtet sich ausschließlich an Reiserückkehrende, die keine Corona-Symptome zeigen. Mit den verpflichtenden Tests und der Erweiterung der Risikogebiete durch das RKI haben sich die Testzahlen vervielfacht. „Seit Beginn der Pandemie haben wir Maßnahmen und Prozesse regelmäßig neu bewertet und an das dynamische Infektionsgeschehen angepasst. Mit dem Aufbau der Teststellen ist es uns in kürzester Zeit gelungen, gut funktionierende Strukturen zu etablieren, um das Infektionsgeschehen bestmöglich einschätzen zu können“, sagt Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité. Seit dem Start der Flughafentestungen Ende Juli wurden rund 18.000 Personen getestet, davon waren rund 250 positiv. Allein in der Vorwoche wurden circa 8.000 Personen getestet, davon waren 90 positiv. Das erhöhte Testaufkommen erfordert entsprechende Bearbeitungszeiten. Sollte ein Test positiv ausfallen, wird automatisch – wie bei der Testung in anderen Teststellen oder beim Hausarzt auch – das zuständige Gesundheitsamt informiert, das wiederum die betreffende Person benachrichtigt. An den von Charité und Vivantes betriebenen Teststellen für Reiserückkehrende aus Risikogebieten werden die Testwilligen digital erfasst und die Testergebnisse elektronisch an die getestete Person übermittelt. Diesen Weg haben die Betreiber bewusst gewählt, um die Fehleranfälligkeit einer manuellen Erfassung zu vermeiden. Prof. Frei ordnet ein: „Aufgrund des gestiegenen Testaufkommens wurde eine Systemoptimierung notwendig. Die Anpassung hatte keinerlei Auswirkung auf die Abläufe in der Teststelle. Vereinzelt wurden negative Ergebnisse leicht verzögert an die Getesteten übermittelt. Dies betraf nicht die Positivbefunde. Hier war zu jeder Zeit sichergestellt, dass positive Befunde direkt an das zuständige Gesundheitsamt übermittelt wurden.“ Die Flughafentestung ist Teil der breit angelegten Corona-Teststrategie, die die Charité im Auftrag des Berliner Senats entwickelt hat.

  • Langzeitrisiken von Implantaten - 11-08-2020
    Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnte mit Hilfe hochkomplexer Analysemethoden detailliert nachverfolgen, wie verschiedene Metalle aus Endoprothesen freigesetzt werden und sich im umliegenden Knochengewebe anreichern. Auch unabhängig von mechanischer Belastung kann es – anders als bisher angenommen – aus verschiedenen Prothesenteilen zu einer ständigen Freisetzung von Metallen kommen. Die im Fachmagazin Advanced Science* veröffentlichen Erkenntnisse sollen helfen, die Materialien von Implantaten zu optimieren und ihre Sicherheit zu erhöhen. Moderne Endoprothesen sollen Patienten mit chronisch degenerativen Gelenkerkrankungen eine schmerzfreie Beweglichkeit ermöglichen und so ihre Lebensqualität deutlich verbessern. Für solchen künstlichen Gelenkersatz werden Materialien mit verschiedenen Metallverbindungen verwendet, um eine mechanische Stabilität des Implantats möglichst lange zu gewährleisten. Entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Endoprothese ist jedoch eine stabile Integration in das umliegende Knochengewebe. Frühere Arbeiten zur Implantatstabilität belegten, dass es an den Reibungsflächen, so genannte Gleitpaarungen, zu einem Abrieb von Metallen kommen kann. Diese Metallrückstände können zu einer Rückbildung des umliegenden Knochens, der sogenannten Osteolyse, und somit zu einer frühzeitigen Lockerung der Implantate führen. Allerdings wurde eine mögliche ständige Freisetzung von Metallen aus anderen Teilen der Prothese bisher außer Acht gelassen. Die Forschungsgruppe um Dr. Sven Geißler am Julius-Wolff-Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration der Charité und BIH Center for Regenerative Therapies hat nun die räumliche Verteilung und lokale Toxikokinetik von freigesetzten metallischen Verschleiß- und Korrosionsprodukten im umliegenden Knochengewebe unter Verwendung eines einzigartigen Synchrotron-basierten Röntgenfluoreszenz-Bildgebungssystems detailliert untersucht. „Mit unserer Arbeit zeigen wir zum ersten Mal, dass sowohl partikuläre als auch gelöste Metalle, die aus Endoprothesen stammen, im umliegenden Knochen und im Knochenmark in überphysiologischen Konzentrationen vorhanden sind“, sagt Dr. Geißler. „Die kollagenhaltige Schicht, die nach der Operation das Implantat verkapselt, isoliert dieses somit nicht in dem Ausmaß vom menschlichen Gewebe wie bisher angenommen.“ Die Forschenden untersuchten hierfür winzige Knochenproben von 14 Patienten, bei denen ein Hüft- oder Kniegelenk ersetzt werden musste. Sie nutzten hierfür die Röntgenfluoreszenzanalyse, um die elementare Zusammensetzung der Proben qualitativ und quantitativ zu bestimmen. Diese Technik gestattet einzigartige Einblicke hinsichtlich Konzentration, Verteilung, Lokalisierung und Anreicherung von metallischen Abbauprodukten wie Kobalt, Chrom oder Titan im angrenzenden Knochen und im Knochenmark. Die notwendige sehr reine und fokussierte Röntgenstrahlung hoher Intensität wurde durch die Synchrotronstrahlungsquelle des Teilchenbeschleunigers der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) im französischen Grenoble erreicht und erlaubt eine weltweit einmalige Ortsauflösung von bis zu 30 Nanometer. „Im Rahmen unserer Arbeit bringen wir also eine klinisch hochrelevante Fragestellung und einen hochkomplexen experimentellen Aufbau zusammen“, erklärt Dr. Janosch Schoon, Erstautor der Studie. „Unsere Studie leistet einen wesentlichen Betrag zur Verbesserung der Risiko-Nutzen-Bewertung von Medizinprodukten und zeigt, dass diese nicht nur Biokompatibilitätstests von Ausgangsmaterialien, sondern auch von deren späteren Verschleiß- und Korrosionsprodukten umfassen sollte. Auf diese Weise tragen die aktuellen Daten entscheidend dazu bei, die Implantatsicherheit auf dem höchstmöglichen Niveau zu halten“, resümiert Dr. Geißler. Basierend auf den Erkenntnissen sollen in nachfolgenden Untersuchungen die biologischen Konsequenzen der Metallfreisetzung im Knochen und Knochenmark erforscht werden. Zugleich werden neue Ansätze entwickelt, die eine zuverlässige präklinische Testung von Implantatmaterialien in humanen Zellen und im Labor gezüchteten Geweben erlauben. 

  • COVID-19: Immunsystem auf Irrwegen - 06-08-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité - Universitätsmedizin Berlin, der Universität Bonn, des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen, des Helmoltz-Zentrums für Infektionsforschung und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung Bei schweren Krankheitsverläufen von COVID-19 kommt es, anders als bislang allgemein angenommen, nicht allein zu einer starken Immunreaktion – vielmehr ist die Immunantwort in einer Dauerschleife aus Aktivierung und Hemmung gefangen. Fachleute der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Universität Bonn, des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) präsentieren diese Befunde gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eines bundesweiten Forschungsverbundes im Wissenschaftsjournal Cell*. Die meisten Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 verlaufen milde oder gar ohne Symptome. Jedoch entwickeln 10 bis 20 Prozent der Betroffenen im Verlauf der COVID-19-Erkrankung eine Lungenentzündung mit zum Teil lebensbedrohlichen Auswirkungen. „Man weiß noch immer wenig über die Ursachen dieser schweren Verläufe. Die hohen Entzündungswerte, die man bei den Betroffenen misst, sprechen eigentlich für eine starke Immunantwort. Klinische Befunde sprechen aber eher für eine ineffektive Immunantwort. Hier gibt es einen Widerspruch“, sagt Prof. Dr. Joachim Schultze von der Universität Bonn, der auch Forschungsgruppenleiter am DZNE ist. „Wir vermuteten daher, dass Immunzellen zwar in großer Menge produziert werden, sie jedoch in ihrer Funktion gestört sind. Deshalb haben wir das Blut von Patientinnen und Patienten mit unterschiedlicher Krankheitsschwere von COVID-19 untersucht“, berichtet Prof. Dr. Leif Erik Sander von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité. Die Studie erfolgte im Rahmen eines bundesweiten Konsortiums – der „Deutschen COVID-19 OMICS Initiative“ (DeCOI) –, sodass sich die Analyse und Interpretation der Daten auf diverse Teams und Standorte verteilten. Prof. Schultze war als Koordinator in die Umsetzung des Projektes maßgeblich eingebunden. Die Blutproben stammten von insgesamt 53 Männern und Frauen mit COVID-19 aus Berlin und Bonn, deren Krankheitsverlauf gemäß der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation in mild oder schwer eingeteilt wurde. Als wichtige Vergleichsgröße dienten Blutproben von Personen mit anderen viralen Atemwegsinfekten sowie von gesunden Personen. Für die Untersuchungen kamen unter anderem Single-Cell-OMICs-Technologien zum Einsatz: ein Sammelbegriff für moderne Messverfahren, mit denen sich beispielsweise die Genaktivität und das Aufkommen von Eiweißstoffen für einzelne Zellen – und somit sehr präzise – bestimmen lassen. Anhand dieser Daten charakterisierten die Forschenden die Eigenschaften von im Blut zirkulierenden Immunzellen – sogenannten weißen Blutkörperchen. „Diese äußerst umfangreiche Datenerhebung der Genaktivität jeder einzelnen Zelle ermöglichte es uns, mit bioinformatischen Methoden einen umfassenden Blick auf die laufenden Prozesse in den weißen Blutkörperchen zu gewinnen“, erklärt Prof. Dr. Yang Li vom Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin (CiiM) und vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Hannover. „In Kombination mit der Betrachtung von wichtigen Eiweißmolekülen auf der Oberfläche von Immunzellen konnten wir so die Veränderungen im Immunsystem von Patientinnen und Patienten mit COVID-19 entschlüsseln“, ergänzt Prof. Dr. Birgit Sawitzki vom Institut für Medizinische Immunologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité. Das menschliche Immunsystem umfasst ein breites Arsenal von Zellen und anderen Verteidigungsmechanismen, die sich gegenseitig beeinflussen. In der aktuellen Studie lag der Fokus auf sogenannten myeloiden Zellen, zu denen auch Neutrophile und Monozyten gehören. Das sind Immunzellen, die in der Reaktionskette der Immunantwort recht weit vorne stehen, also sehr früh zur Abwehr von Infektionen mobilisiert werden. Sie beeinflussen zudem die spätere Bildung von Antikörpern und anderen Zellen, die zur Immunität beitragen. Dadurch kommt den myeloiden Zellen eine Schlüsselposition zu. „Wir haben bei den sogenannten Neutrophilen und den Monozyten festgestellt, dass diese Immunzellen bei milden Krankheitsverläufen von COVID-19 aktiviert, also abwehrbereit sind. Sie sind auch so programmiert, dass sie den Rest des Immunsystems in Gang setzen. So kommt es letztlich zu einer ausreichenden Immunantwort gegen das Virus“, erklärt Dr. Antoine-Emmanuel Saliba vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg. Anders ist die Situation bei den schweren Fällen von COVID-19, wie Prof. Sawitzki erläutert: „Hier sind Neutrophile und Monozyten zwar zum Teil aktiviert, aber auch in ihrer Funktion gestört. Wir finden deutlich mehr unreife Zellen, die eher hemmend auf die Immunreaktion wirken.“ Prof. Sander ergänzt: „Das Phänomen lässt sich auch bei anderen schweren Infektionen beobachten, der Grund dafür ist jedoch unklar. Es spricht vieles dafür, dass sich das Immunsystem bei schweren COVID-19-Verläufen gewissermaßen selbst im Wege steht. Dadurch kommt es womöglich zu einer unzureichenden Immunantwort gegen das Coronavirus, bei gleichzeitiger starker Entzündung im Lungengewebe.“ Die aktuellen Befunde könnten auf neue Therapiemöglichkeiten hindeuten, meint Dr. Anna Aschenbrenner vom LIMES Institut der Universität Bonn: „Unsere Daten legen nahe, dass man bei schweren Krankheitsverläufen von COVID-19 Strategien erwägen sollte, die über die Behandlung anderer Viruserkrankungen hinausgehen.“ Eigentlich wolle man bei viralen Infekten das Immunsystem nicht unterdrücken, meint die Bonner Forscherin. „Wenn jedoch zu viele dysfunktionale Immunzellen auftreten, wie es unsere Studie zeigt, dann möchte man solche Zellen sehr wohl unterdrücken oder umprogrammieren.“ Prof. Dr. Jacob Nattermann von der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Bonn, der auch Arbeitsgruppenleiter im DZIF ist, erläutert weiter: „Medikamente, die auf das Immunsystem einwirken, könnten vielleicht weiterhelfen. Das ist allerdings ein Balance-Akt. Denn es geht darum, das Immunsystem nicht gänzlich herunterzufahren, sondern nur jene Bereiche, die sich sozusagen selbst ausbremsen. Das sind in diesem Fall die unreifen Zellen. Möglicherweise können wir von der Krebsforschung lernen. Hier gibt es Erfahrung mit Therapien, die bei solchen Zellen ansetzen.“ Angesichts der vielen Beteiligten betont Prof. Schultze die Zusammenarbeit innerhalb des Forschungskonsortiums: „Diese Studie ist nach unserem Wissen eine der bislang umfangreichsten zur Immunantwort bei COVID-19 auf der Grundlage von Einzelzell-Daten. Die parallele Auswertung zweier unabhängiger Patientenkohorten ist eine der Stärken unserer Studie. Wir haben Patientengruppen von zwei unterschiedlichen Standorten mit verschiedenen Methoden analysiert und konnten so unsere Befunde direkt validieren. Das ist nur möglich, wenn Forschungsdaten offen geteilt werden und man vertrauensvoll kooperiert. Dies ist gerade in der aktuellen Krisensituation enorm wichtig.“

  • Charité begrüßt Bestellung von Prof. Dr. Christopher Baum als neuen BIH-Vorstandsvorsitzenden - 05-08-2020
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin freut sich auf die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christopher Baum, der heute vom Aufsichtsrat des Berlin Institute of Health (BIH) zum neuen Vorstandsvorsitzenden des BIH bestellt worden ist. Als Leiter des BIH wird er nach dessen Integration in die Charité Mitglied des Vorstands der Berliner Universitätsmedizin werden. Prof. Baum folgt auf Prof. Dr. Axel Radlach Pries, der das Amt des Vorstandsvorsitzenden des BIH zwei Jahre kommissarisch innehatte und sich nun wieder ganz seiner Aufgabe als Dekan der Charité widmen wird. Prof. Baum ist derzeit Vizepräsident Medizin an der Universität Lübeck und Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Der ausgewiesene Wissenschaftsmanager und Experte für Translation, Molekulare Medizin und Gentherapie wird sein Amt als Vorstandsvorsitzender des BIH zum 1. Oktober 2020 antreten. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, begrüßt die heutige Entscheidung des BIH-Aufsichtsrats: „Christopher Baum verfügt über ein großes Maß an Leitungserfahrung in Universitätskliniken. Ich bin mir sicher, dass er im eigenständigen BIH die Übertragung von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung stark fördern und dabei die Synergieeffekte mit der Charité maximal nutzen wird. Für die Zukunft freue ich mich auf eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit im Charité-Vorstand, sobald das BIH zur dritten Säule der Charité geworden ist.“ Seit der Unterzeichnung der Verwaltungsvereinbarung zur Integration des BIH in die Charité im Juli 2019 steht fest: Das BIH wird neben dem Klinikum und der Medizinischen Fakultät dritte Säule der Charité. Gleichzeitig wird das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) Privilegierter Partner des BIH. Im Zuge der Integration wird das BIH einen Sitz im Vorstand der Charité erhalten. Mit der Integration rückt das BIH noch näher an die Kliniken und Einrichtungen der Charité heran und kann seine Mission der medizinischen Translation noch besser erfüllen: Forschungsergebnisse aus dem Labor in die Anwendung zur Patientin und zum Patienten zu bringen und hierfür durch Beobachtungen aus dem Klinikalltag neue Forschungsansätze im Labor zu stimulieren. Zusammen sollen die gemeinsamen Ziele von Charité und BIH beim Aufbau eines effektiven und erfolgreichen translationalen Ökosystems weiter vorangetrieben werden. Hierbei sollen auch wegweisende Modelle für die Zusammenarbeit von bundesgeförderten Strukturen mit landesgeförderten universitären Einrichtungen etabliert werden.  

  • Michael Potente verstärkt Forschung zu Blutgefäßen an BIH, Charité und MDC - 03-08-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung von Charité, BIH und MDC Mit der Berufung von BIH-Professor Dr. Michael Potente verstärken die Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Berlin Institute of Health (BIH) und das Max-Delbrück-Centrum in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) ihren gemeinsamen Forschungsfokus „Translationale Vaskuläre Biomedizin“. Prof. Potente beschäftigt sich insbesondere mit der innersten Zellschicht der Blutgefäße, dem sogenannten Endothel. Bereits seit 2017 ist der Kardiologe, gefördert durch die Stiftung Charité, regelmäßig als BIH Visiting Professor in Berlin und wird zukünftig im Käthe-Beutler-Haus von BIH und MDC in Berlin-Buch forschen. „Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen nach wie vor zu den häufigsten Krankheits- und Todesursachen“, sagt Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité und Vorstandsvorsitzender des BIH (interim). „Da gerade Veränderungen der Gefäßfunktion an vielen Erkrankungen beteiligt sind, hat sich das BIH schon vor einiger Zeit dazu entschlossen, einen Fokusbereich Translationale Vaskuläre Biomedizin einzurichten, um hier entscheidende Fortschritte und translationale Erfolge zu erzielen. Wir freuen uns sehr, mit der Berufung von Michael Potente diesen Bereich so hervorragend ergänzen und ausbauen zu können.“ Prof. Potente interessiert sich vor allem für den Einfluss des Stoffwechsels (Metabolismus) auf Blutgefäße. „Wir möchten verstehen, wie Stoffwechselprozesse das Wachstum, den Umbau und die Funktion von Blutgefäßen kontrollieren“, sagt der Kardiologe, der am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim die Arbeitsgruppe „Metabolismus und Angiogenese“ leitet. So führen zum Beispiel Sauerstoff- und Nährstoffmangel dazu, dass sich in Tumoren neue Blutgefäße bilden. Die sogenannte Angiogenese spielt auch bei Augenerkrankungen wie der feuchten Makuladegeneration, die unbehandelt zur Erblindung führt, eine zentrale Rolle. „Hier kann bereits erfolgreich therapeutisch eingegriffen werden, indem man Hemmstoffe einsetzt, die das in diesem Fall krankhafte Wachstum der Blutgefäße unterdrücken“, berichtet Prof. Potente. Bei anderen Erkrankungen dagegen, wie der chronisch-ischämischen Herzerkrankung oder bei der Schaufensterkrankheit in den Beinen, führen verstopfte Gefäße zwar ebenfalls zum Sauerstoff- und Nährstoffmangel im Gewebe, aber leider häufig nicht zur ausreichenden Bildung neuer Blutgefäße. „Hier würde man sich das Wachstum neuer, funktionstüchtiger Gefäße wünschen, die die Versorgung wiederherstellen. Dies kommt aber wegen der Grunderkrankung nicht in Gang“, erklärt Prof. Potente. „Wenn man hier gezielt das Wachstum von neuen Blutgefäßen fördern könnte, wäre das natürlich therapeutisch sehr wertvoll.“ Leider haben bisherige Versuche in diese Richtung keinen langfristigen Erfolg erzielt, stattdessen traten Nebenwirkungen auf. Prof. Potente und sein Team wollen deshalb verstehen, wie das organspezifische Milieu die Blutgefäße und insbesondere das Endothel beeinflusst. Denn die Endothelzellen sind verantwortlich für das Neuaussprießen der Blutgefäße. „Die Endothelzellen sind in unterschiedlichen Organen ganz unterschiedlich ausgebildet“, berichtet der 43-Jährige. „Im Gehirn zum Beispiel sind sie besonders eng miteinander verbunden und bilden die Blut-Hirn-Schranke, in der Leber ist das Endothel durchlässig und ermöglicht so die Filterfunktion des Organs.“ Bei Diabetikern, bei denen der Blutzuckerspiegel ständig über den Normwerten liegt, verändern sich die Endothelzellen mit der Zeit und verlieren spezifische Eigenschaften, was zu den häufigen Gefäßproblemen bei dieser Erkrankung führt. Um herauszufinden, welche molekularen und zellulären Mechanismen diesen Unterschieden zugrunde liegen, hat Prof. Potente im Jahr 2017 einen ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates in Höhe von zwei Millionen Euro erhalten. In dieser Zeit kam er auch regelmäßig als BIH Visiting Professor nach Berlin. Diese für die Berufung wichtige Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren hat die Stiftung Charité im Rahmen ihrer Privaten Exzellenzinitiative Johanna Quandt gefördert. Eingeladen hatte ihn BIH-Professor Dr. Holger Gerhardt, der am MDC die Arbeitsgruppe „Integrative Vaskuläre Biologie“ leitet und gleichzeitig Sprecher des BIH-Fokusbereiches „Translationale Vaskuläre Biomedizin“ ist. „Ich kenne nur sehr wenige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Michael Potente, die mit solcher Begeisterung, Neugier und klugem Gespür für die wichtigsten Fragestellungen innovative Forschung auf höchstem Niveau betreiben. Seine Arbeiten decken stets neue Zusammenhänge auf und haben nachhaltigen Einfluss auf unser Verständnis der faszinierenden Biologie der Blutgefäße“, sagt Prof. Gerhardt. „Ich freue mich außerordentlich darauf, mit ihm gemeinsam die Translation dieser Erkenntnisse in Richtung klinischer Anwendung voranzutreiben.“ Als Facharzt für Kardiologie ist Prof. Potente auch klinisch tätig. In Berlin möchte er seine Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und medizinischer Patientenversorgung einbringen und den Schwerpunkt „Translationale Vaskuläre Biomedizin“ so verstärken. „Mich fasziniert die Ästhetik der Blutgefäße, der Erkenntnisgewinn und letztendlich auch die Möglichkeit, die grundlagenorientierte Forschung eines Tages diagnostisch oder therapeutisch anwendbar zu machen.“

  • Rheuma: Mit weniger Kortison auskommen - 30-07-2020
    Müssen Kortisonpräparate bei chronischen Entzündungskrankheiten wie Rheuma langfristig genommen werden? Oder lässt sich die Therapie frühzeitig absetzen, um typische Nebenwirkungen zu vermeiden? Und wie kann man diese Präparate absetzen, ohne dass es zu einem Entzugssyndrom kommt? Das hat ein Forschungsteam unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin jetzt in der großangelegten europäischen SEMIRA-Studie untersucht. Das Ergebnis: Die Fortsetzung der Kortisongabe zeigte zwar einen etwas besseren Behandlungserfolg, aber auch das Absetzen gelang in den meisten Fällen. So könnten langfristige Nebenwirkungen der Behandlung vermieden werden, wie im Fachmagazin The Lancet* beschrieben ist. Glucocorticoide wie Kortison sind hochwirksame Präparate zur Behandlung von Entzündungskrankheiten, die jedoch bei langzeitiger Gabe schwere Nebenwirkungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Infektionen haben können. Darüber hinaus unterdrücken diese Präparate langfristig die Produktion von körpereigenem Kortison in der Nebenniere, was zu Müdigkeit, Übelkeit bis hin zum Blutdruckabfall führen und lebensbedrohlich werden kann. Zur Vermeidung solcher Nebenwirkungen ist eine rechtzeitige Reduktion – das sogenannte Ausschleichen – von Kortisonpräparaten notwendig. Diese erfolgt schrittweise, um den Körper langsam an die veränderte Dosierung zu gewöhnen und ein Entzugssyndrom zu verhindern. Glucocorticoide auszuschleichen, ohne dass die Entzündung wiederkehrt, ist jedoch in vielen Bereichen der Medizin ein häufiges Problem. „Es gab bislang keine Ergebnisse aus doppelblinden, randomisierten, Placebo-kontrollierten Studien, in denen ein niedrig dosiertes Prednison –  das gängigste Kortisonpräparat – in einem Absetz-Schema mit gleichbleibend dosiertem Prednison verglichen wurde. In der SEMIRA-Studie haben wir dies beispielhaft bei dem Krankheitsbild der rheumatoiden Arthritis analysiert, das besonders häufig mit Glucocorticoiden behandelt wird“, erklärt der Erstautor der Studie, Prof. Dr. Gerd-Rüdiger Burmester. Er ist Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie am Campus Charité Mitte. Zusammen mit dem Leitenden Oberarzt Prof. Dr. Frank Buttgereit gehört er zum Team der SEMIRA-Studie (Steroid Elimination In Rheumatoid Arthritis), das an fast 40 Zentren in sechs Ländern über 250 Probanden untersuchte. Alle Patientinnen und Patienten hatten mindestens über sechs Monate hinweg Glucocorticoide erhalten und damit ihre Entzündungserkrankung weitgehend unter Kontrolle. In der Kontrollgruppe wurde die Behandlung mit einer niedrigen Prednisondosis über sechs Monate fortgesetzt, im Absetz-Schema hingegen wurde die Therapie schrittweise reduziert und schließlich nach vier Monaten ganz abgesetzt. Beide Gruppen erhielten darüber hinaus eine Begleittherapie mit dem Interleukin-6-Rezeptor-Antikörper Tocilizumab. Bei 77 Prozent der Patientinnen und Patienten, die eine gleichbleibende Prednisondosis erhielten, gelang es, ein Wiederaufflammen der Entzündungen zu verhindern. Ein solcher Behandlungserfolg stellte sich auch bei 65 Prozent der Betroffenen ein, deren Therapie heruntergefahren wurde. Erfreulicherweise blieben beide Gruppen von klinisch relevanten Veränderungen ihrer Laborwerte, Entzugserscheinungen oder schwerwiegenden Problemen verschont. „Die Behandlungserfolgsrate von 65 Prozent beim Ausschleichen der Kortisonpräparate ist für eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Betroffenen von großer Bedeutung. Es kann nun im Einzelfall beurteilt werden, ob eine weitere Therapie mit Glucocorticoiden sinnvoll ist oder ein Absetzen versucht wird“, sagt Prof. Burmester. „Unsere Ergebnisse bieten zudem einen Rahmen für Untersuchungen zum Absetzen von Glucocorticoiden auch in anderen Therapiesituationen – etwa in der Allergologie, Neurologie oder Dermatologie –, bei denen diese Präparate ebenfalls verabreicht werden und eine Ungewissheit hinsichtlich der Risiken und Vorteile eines Absetzens besteht.“

  • Können frühere Erkältungen die Schwere der SARS-CoV-2-Symptome beeinflussen? - 29-07-2020
    Eine Studie unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik (MPIMG) zeigt: Einige gesunde Menschen besitzen Immunzellen, die das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 erkennen können. Der Grund könnte in vorhergehenden Infektionen mit landläufigen Erkältungs-Coronaviren liegen. Ob sich eine solche Kreuzreaktivität schützend auf den Verlauf einer Infektion mit SARS-CoV-2 auswirkt, soll nun die Studie „Charité Corona Cross“ zeigen. Woran liegt es, dass manche Menschen am neuartigen Coronavirus schwer erkranken, während andere kaum Symptome bemerken? Die Antwort darauf ist vielschichtig und Gegenstand intensiver Forschung. Einen möglichen Einflussfaktor hat ein Forschungsteam der Charité und des MPIMG jetzt identifiziert: frühere Infektionen mit harmlosen Erkältungs-Coronaviren. Darauf deuten Untersuchungen an sogenannten T-Helferzellen hin – spezialisierten weißen Blutkörperchen, die für die Steuerung der Immunantwort essentiell sind. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachteten, verfügt etwa ein Drittel der Menschen, die noch nie mit SARS-CoV-2 in Kontakt gekommen sind, über T-Helfer-Gedächtniszellen, die das neue Virus dennoch erkennen. Der Grund dafür ist vermutlich, dass bestimmte Strukturen von SARS-CoV-2 denen landläufiger Coronaviren ähneln. Für ihre Untersuchungen gewannen die Forschenden Immunzellen aus dem Blut von 18 COVID-19-Erkrankten, die an der Charité zur Behandlung aufgenommen und per PCR-Test positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden waren. Zusätzlich isolierten sie Immunzellen aus dem Blut von 68 gesunden Personen, die nachweislich noch nie mit dem neuen Coronavirus in Kontakt gekommen waren. Die Immunzellen stimulierten sie dann mit kleinen, künstlich hergestellten Bruchstücken des sogenannten Spike-Proteins von SARS-CoV-2. Es bildet die Coronavirus-typische „Krone“ auf der Oberfläche des Virus und ermöglicht ihm den Eintritt in menschliche Zellen. Anschließend überprüfte die Forschungsgruppe, ob die T-Helferzellen durch die Proteinfragmente aktiviert worden waren. Das Ergebnis: Bei 15 der 18 COVID-19-Erkrankten, also 85 Prozent, reagierten die T-Helferzellen auf die Bruchstücke der Virusoberfläche. „Das hatten wir nicht anders erwartet, das Immunsystem der Patientinnen und Patienten bekämpfte das neue Virus ja gerade und reagierte deshalb auch im Reagenzglas darauf“, erklärt Dr. Claudia Giesecke-Thiel, Leiterin der Servicegruppe Durchflusszytometrie am MPIMG und eine der drei leitenden Autorinnen und Autoren der Studie. „Dass die T-Helferzellen nicht bei allen COVID-19-Erkrankten auf die Virusfragmente reagierten, liegt vermutlich daran, dass sich die T-Zellen in einem akuten oder besonders schweren Stadium einer Erkrankung außerhalb des Körpers nicht aktivieren lassen.“ Zur Überraschung des Teams fanden sich aber auch im Blut der Gesunden reaktive T-Helferzellen: Bei 24 der 68 Getesteten (35 Prozent) gab es Gedächtniszellen, die SARS-CoV-2-Fragmente erkannten. Dabei fiel den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf, dass die Immunzellen der COVID-19-Erkrankten und der Gesunden auf unterschiedliche Teilstücke der Virushülle reagierten. Während die T-Helferzellen der Patienten das Spike-Protein über seine komplette Länge erkannten, wurden die T-Helferzellen der Gesunden vor allem von Abschnitten des Spike-Proteins aktiviert, die entsprechenden Abschnitten des Spike-Proteins von harmloseren Erkältungs-Coronaviren ähneln. „Das deutet darauf hin, dass die T-Helferzellen der Gesunden auf SARS-CoV-2 reagieren, weil sie sich in der Vergangenheit mit heimischen Erkältungs-Coronaviren auseinandersetzen mussten“, sagt Dr. Giesecke-Thiel. „Denn eine Eigenschaft der T-Helferzellen ist, dass sie nicht nur von einem exakt ‚passenden‘ Erreger aktiviert werden können, sondern auch von ‚ausreichend ähnlichen‘ Eindringlingen.“ Tatsächlich konnte die Forschungsgruppe nachweisen, dass die T-Helferzellen der gesunden Probanden, die auf SARS-CoV-2 reagierten, auch durch verschiedene Erkältungs-Coronaviren aktiviert wurden – und damit per Definition „kreuzreagierten“. Die Frage, wie sich diese Kreuzreaktivität bei gesunden Testpersonen auf eine mögliche SARS-CoV-2-Infektion auswirkt, kann die aktuelle Nature-Studie nicht beantworten. „Grundsätzlich ist vorstellbar, dass kreuzreaktive T-Helferzellen eine schützende Wirkung haben, indem sie zum Beispiel dazu beitragen, dass der Körper schneller Antikörper gegen das neuartige Virus bildet“, erklärt Prof. Dr. Leif Erik Sander von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité, ebenfalls leitender Autor der Studie. „In diesem Fall würden kürzlich durchgemachte Coronavirus-Erkältungen die Symptome von COVID-19 vermutlich abschwächen. Es ist jedoch auch möglich, dass eine kreuzreaktive Immunität zu einer fehlgeleiteten Immunantwort führt – mit negativen Auswirkungen auf den Verlauf von COVID-19. Eine solche Situation kennen wir zum Beispiel beim Dengue-Virus.“ Um abschließend zu klären, ob in der Vergangenheit durchgestandene Coronavirus-Erkältungen nun tatsächlich vor einer späteren Infektion mit SARS-CoV-2 schützen – und so möglicherweise die unterschiedliche Ausprägung der Symptome erklären –, sind in die Zukunft gerichtete Studien nötig. Eine solche Studie – die Charité-Corona-Cross-Studie – ist jetzt unter Leitung der Charité in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin und dem MPIMG gestartet. Gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geht sie der Frage nach, wie der Verlauf einer COVID-19-Erkrankung durch kreuzreaktive T-Helferzellen verändert wird. „Coronaviren verursachen in Deutschland bis zu 30 Prozent der saisonalen Erkältungen“, sagt Prof. Dr. Andreas Thiel, Charité-Wissenschaftler am Si-M (Der Simulierte Mensch), einem gemeinsamen Forschungsraum der Charité und der Technischen Universität Berlin, und am BIH Center for Regenerative Therapies (BCRT). Er ist der dritte leitende Autor der jetzt erschienenen Nature-Publikation und Koordinator der Charité-Corona-Cross-Studie. „Man schätzt, dass sich ein Erwachsener im Schnitt alle zwei bis drei Jahre mit einem der vier heimischen Coronaviren ansteckt“, erklärt Prof. Thiel. „Wenn wir annehmen, dass diese Erkältungsviren tatsächlich eine gewisse Immunität gegenüber SARS-CoV-2 verleihen können, müssten ja Menschen, die in der Vergangenheit häufig solche Infekte durchgemacht haben und bei denen wir kreuzreaktive T-Helferzellen nachweisen können, besser als andere geschützt sein. Auf diese Personengruppen werden wir in der Charité-Corona-Cross-Studie deshalb besonderes Augenmerk legen.“ Parallel wird das Forschungsteam außerdem COVID-19-Risikogruppen über die nächsten Monate begleiten. Schlussendlich soll die Studie helfen, den Verlauf von COVID-19 in Zukunft sowohl vor als auch nach erfolgter SARS-CoV-2-Infektion besser vorherzusagen. „Das ist sowohl für den Alltag vieler Menschen als auch die Behandlung von Patientinnen und Patienten höchst relevant“, betont Prof. Thiel. Geplant ist, Beschäftigte von Kindergärten und Kinderarztpraxen sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen bis ins nächste Jahr hinein umfassend immunologisch zu untersuchen. Neben einem PCR-Test auf SARS-CoV-2 soll ihr Blut unter anderem auf Antikörper gegen das Virus und die Reaktivität der T-Zellen getestet werden. Kommt es dann bei einigen der Untersuchten zu einer SARS-CoV-2-Infektion, kann die Forschungsgruppe den Verlauf der Erkrankung mit den immunologischen Parametern in Beziehung setzen. Zusätzlich plant das Forschungsteam, das Blut von mindestens 1.000 COVID-19-Genesenen auf verschiedene immunologische Faktoren hin zu untersuchen und diese mit den Symptomen in Zusammenhang zu setzen, die die Menschen erlebt haben. So sollen weitere mögliche Parameter aufgedeckt werden, die die Schwere des COVID-19-Verlaufs beeinflussen. Dafür suchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuell Menschen, die nachweislich an COVID-19 erkrankt und wieder genesen sind. Auch Personen, die in den letzten Jahren nachweislich mit einem Erkältungs-Coronavirus wie 229E, OC43, NL63 oder HKU1 infiziert waren, werden gebeten, sich zu melden. Interessierte können die Studienärzte montags bis freitags zwischen 10 und 17 Uhr unter 030/314 279 12 oder studie@si-m.org erreichen.

  • Berlin und Oxford gründen Centre for Advanced Studies - 29-07-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin Die Berlin University Alliance und die University of Oxford richten ein Centre for Advanced Studies ein, um ihre Wissenschaftskooperation voranzubringen. Das Centre for Advanced Studies fördert Kooperationsgruppen, bei denen bis zu zehn Fellows aus Oxford und Berlin zusammenarbeiten. Diese Kooperationsgruppen sollen zu Themen der Grand Challenge Initiatives der Berlin University Alliance forschen. In den Grand Challenge Initiatives werden besonders relevante globale Herausforderungen, wie aktuell Global Health und Social Cohesion, untersucht. Das Zentrum wird im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern durch die Berlin University Alliance gefördert. Es verbessert die Rahmenbedingungen, um Projekte der Oxford/Berlin Wissenschaftskooperation organisatorisch flexibler auszugestalten und den fachlichen Austausch länderübergreifend zu stärken. Die Kooperationsgruppen sollen interdisziplinär auf enge Weise zusammenarbeiten und gemeinsame Forschungsideen entwickeln. Die erste Gruppe soll 2020 primär virtuell starten und sich auf Fragen zu Social Cohesion konzentrieren. Vorgesehen sind insgesamt drei Kooperationsgruppen, für die die Berlin University Alliance jeweils bis zu 300.000 Euro bereitstellt. Die Förderung soll Fellows des Zentrums und ihre Forschung finanziell unterstützen sowie Sommerakademien und Abschlusskonferenzen ermöglichen. Das Format soll ein Höchstmaß an organisatorischer Flexibilität für die Zusammenarbeit bieten und von den zusammenarbeitenden Gruppen selbst entwickelt werden. Anpassungsfähige Finanzierungsmöglichkeiten sollen den Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Graduierten aus Berlin und Oxford unterstützen, die an gemeinsamen Projekten arbeiten. Der Regierende Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, erklärt: „Es ist großartig zu sehen, wie sich die Kooperation zwischen Berlin und Oxford in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat und wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam zu den großen Themen unserer Zeit wie dem sozialen Zusammenhalt und der globalen Gesundheit forschen. Die beiden Wissenschaftsstandorte bleiben auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union eng verbunden. Ihre gute Beziehung ist ein wichtiger Beitrag für die deutsch-britische Zusammenarbeit. Mit der Berlin/Oxford-Partnerschaft stärken wir unsere Stadt als internationale Forschungsmetropole.“ Prof. Dr. Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin und Sprecher der Berlin University Alliance, hebt hervor: „Oxford und Berlin passen noch besser zusammen als auf den ersten Blick sichtbar ist: Sie zeichnen sich aus durch Spitzenforschung, Vielfalt der Fächer, Verbindung zu Museen und Sammlungen. In beiden Einrichtungen begeistern sich viele exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Zusammenarbeit und den kreativen Austausch – ein ‚match made in heaven‘. Ich bin glücklich, dass die Oxford/Berlin-Partnerschaft jetzt den nächsten großen Sprung macht.“ Prof. Louise Richardson, Vize-Kanzlerin der University of Oxford, sagt: „Die University of Oxford hat schon immer Wert auf ihren Status als internationale Universität gelegt, und jetzt – vielleicht mehr als je zuvor – müssen wir erneut die Bedeutung der Aufrechterhaltung internationaler Beziehungen zwischen Akademikerinnen und Akademikern, Forschenden und Studierenden bekräftigen. Die Partnerschaft zwischen Oxford und der Berlin University Alliance hat bereits wichtige Fortschritte in den Bereichen Forschung und Wissenschaft gebracht und die Gründung eines Centre for Advanced Studies verspricht, noch viel mehr zu erreichen. Wir sind unseren Partnerinnen in Berlin sehr dankbar, dass sie die Führung bei der Gründung des Zentrums übernommen haben und wir freuen uns darauf, dass Kolleginnen und Kollegen aus Oxford an den Aktivitäten des Zentrums in den kommenden Jahren teilnehmen können.“

  • Am Mittwoch öffnet erste Corona-Teststelle am Flughafen Tegel, Flughafen Schönefeld folgt - 28-07-2020
    Am Mittwoch, den 29. Juli 2020 öffnet am Flughafen Tegel die erste Corona-Teststelle für Reiserückkehrende aus Risikogebieten. Damit erhalten sie direkt nach ihrer Ankunft eine Möglichkeit, sich auf COVID-19 testen zu lassen. Die gemeinsam von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH betriebene Teststelle ist im Terminalgebäude A gegenüber dem Gate A00 und A07 eingerichtet und von 8 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Zum Einsatz kommen zunächst 2 Test-Teams, nach einer Pilotphase soll das Angebot weiter ausgebaut werden. In Vorbereitung ist aktuell auch eine Teststelle am Flughafen Schönefeld im Terminalbereich L. Die Inbetriebnahme soll am Freitag, den 31. Juli, ebenfalls mit zunächst zwei Test-Teams erfolgen. Das Testangebot richtet sich ausschließlich an Reiserückkehrende, die keine Corona-Symptome zeigen. Weitere Testmöglichkeiten für symptomfreie Reiserückkehrende aus Risikogebieten bestehen darüber hinaus in allen Berliner Vertragsarztpraxen. Die Tests sind kostenfrei und derzeit noch freiwillig. Grundsätzlich sind Reiserückkehrende aus Corona-Risikogebieten zu einer 14-tägigen häuslichen Quarantäne verpflichtet, sofern sie sich zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb von 14 Tagen vor Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Das schreibt die aktuelle Infektionsschutzverordnung des Landes Berlin vor. Welche Staaten als Risikogebiete mit einer erhöhten Infektionsgefahr gelten, legt die Bundesregierung gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut fest. Von der Quarantänepflicht befreit sind Personen, die einen aktuellen negativen Corona-Test (ärztliches Attest nebst Laborbefund) in deutscher oder englischer Sprache vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist und in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem sonstigen durch das Robert-Koch-Institut veröffentlichten Staat durchgeführt wurde. Wie funktioniert der Test am Flughafen? Für die Durchführung eines Tests ist eine Anmeldung vor Ort an der Teststelle erforderlich. Dies erfolgt digital mithilfe einer WebApplikation. Die Abstriche werden vom medizinischen Personal der Charité und von Vivantes vorgenommen. Die Anmeldung und der Abstrich selbst dauern in der Regel nur wenige Minuten, je nach Nachfrage muss aber mit einer Wartezeit gerechnet werden. Die Übermittlung des Testergebnisses erfolgt innerhalb von 48 Stunden. Die Getesteten erhalten eine E-Mail mit dem Hinweis, dass das Ergebnis in der WebApp abrufbar ist. Bis zur Übermittlung des Testergebnisses sind die Reiserückkehrenden weiterhin an die Einhaltung der häuslichen Quarantäne durch die geltende Verordnung gebunden. Sollte der Test positiv ausfallen, wird automatisch – wie bei der Testung in anderen Teststellen oder beim Hausarzt auch – das zuständige Gesundheitsamt informiert. Müssen sich Rückreisende schon am Flughafen testen lassen? Für Rückreisende aus Corona-Risikogebieten entfällt die 14-tägige Quarantänepflicht, wenn sie ein aktuelles negatives Testergebnis (ärztliches Attest nebst Laborbefund) vorlegen können. Einen Corona-Test können symptomfreie Flugreisende nach Ankunft am Flughafen machen oder einen Testtermin in einer der Berliner Vertragsarztpraxen vereinbaren. Bis zur Übermittlung des Testergebnisses sind die Reiserückkehrenden allerdings weiterhin an die Einhaltung der häuslichen Quarantäne durch die geltende Verordnung gebunden. Für Einreisende mit Symptomen sind die Flughafen-Teststellen nicht geeignet, sie sind verpflichtet, sich schnellstmöglich telefonisch beim zuständigen Gesundheitsamt zu melden, um das weitere Vorgehen zu besprechen und ebenfalls nach telefonischer Anmeldung die Hausärztin/den Hausarzt, eine der von der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin eingerichteten Covid-19-Praxen (www.kvberlin.de/30patienten/39corona/covid_19_praxen/index.html) oder eine der Berliner Untersuchungsstellen (www.berlin.de/corona/untersuchungsstellen/) aufzusuchen. Dabei sind unnötige Kontakte, insbesondere zu Älteren oder chronisch Kranken zu vermeiden und es gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln.

  • Charité und Vivantes vertiefen Kooperation - 28-07-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH Wie sie die bisherige Zusammenarbeit weiterentwickeln und vertiefen wollen, haben die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH in einer gemeinsamen Absichtserklärung festgehalten. Damit folgen die beiden Berliner Gesundheitseinrichtungen der Empfehlung der Zukunftskommission des Berliner Senates mit dem Titel „Gesundheitsstadt Berlin 2030“. Die Kommission hatte empfohlen, beide Unternehmen strukturell und institutionell noch enger miteinander zu verbinden. Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung Michael Müller: „In der vertieften Kooperation der beiden landeseigenen Einrichtungen Charité und Vivantes steckt großes Potenzial für den Gesundheitsstandort Berlin. Eine engere Verknüpfung der beiden Institutionen ermöglicht einen erheblichen Mehrwert für die medizinische Forschung, für Lehre und Ausbildung, und vor allen Dingen für die Krankenversorgung der Berlinerinnen und Berliner. Das erleben wir aktuell auch ganz deutlich bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie. Dass Charité und Vivantes nun ihre Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Erklärung festhalten, ist nicht nur ein wichtiges Symbol der gewachsenen Kooperation, sondern auch ein klares Bekenntnis zum gemeinsamen Weg in den nächsten Jahren. Ich freue mich sehr über diesen weiteren Schritt in unserer Strategie Gesundheitsstadt Berlin 2030.“ Dr. Andrea Grebe, Vorsitzende der Vivantes Geschäftsführung: „In einer zukunftsorientierten „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ steht Vivantes für eine umfassende, sektorübergreifende Gesundheitsversorgung für ganz Berlin. Damit ist Vivantes die ideale Partnerin für die Charité bei translationaler Medizin und Versorgungsforschung. Dabei wird die Digitalisierung eine Schlüsselrolle spielen: Wir versprechen uns von einer gemeinsamen Gesundheitsdatenplattform und gebündelten Forschungsaktivitäten konkrete Erkenntnisse und neue Möglichkeiten, wie wir die Gesundheitsversorgung für die Bürgerinnen und Bürger verbessern können.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité: „Die Charité organisiert in Berlin den Aufgabenverbund von biomedizinischer Forschung und Hochleistungsmedizin und ist eine starke Medizinmarke mit nationaler und internationaler Strahlkraft. Das ergänzt sich optimal mit den Stärken von Vivantes. Wir wollen die Kräfte beider Einrichtungen bündeln, um Berlin als international sichtbare Gesundheitsmetropole zu positionieren. Gemeinsam können wir für Berlin eine noch bessere Gesundheitsversorgung und ein noch attraktiveres Forschungs- und Entwicklungsumfeld schaffen. Das nützt am Ende den Bürgerinnen und Bürgern, Patientinnen und Patienten und der innovativen Gesundheitswirtschaft.“ Geschäftsstelle „Gesundheitsstadt 2030“ gemeinsam eingerichtet Die Geschäftsstelle „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ wurde gemeinsam von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH eingerichtet und unterstützt die Umsetzung der Empfehlungen der Zukunftskommission „Gesundheitsstadt Berlin 2030“. Die Leitung der Geschäftsstelle hat Gesundheitsexperte Boris Velter übernommen. Neben bereits erfolgreichen Kooperationen mit gesellschaftsrechtlicher Verflechtung wie etwa der Tochtergesellschaft Labor Berlin oder der gemeinsamen Strahlenmedizin in Friedrichshain, soll die Zusammenarbeit nun in einem ersten Schritt auf folgenden Feldern intensiviert werden und dabei insbesondere die medizinische Kooperation ausgebaut werden: Das gemeinsame Ausbildungsinstitut für Gesundheitsfachberufe, Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe (BBG) besteht seit 1. Januar 2020 und soll ausgebaut werden, um künftig noch mehr Gesundheitsfachkräfte auszubilden. Eine gemeinsame Gesundheitsdatenplattform soll datenschutzkonform die patientenzentrierte Versorgung verbessern und patientenorientierte Dienste wie etwa Medizin-Apps oder Online-Termine ermöglichen. Durch eine Bündelung der klinischen Forschungsaktivitäten von Charité und Vivantes kann der Forschungsstandort Berlin erheblich profitieren, wenn gemeinsame Forschungsinfrastruktur genutzt wird und Versorgungsdaten in der Forschung genutzt werden, um mit den Erkenntnissen die Gesundheitsversorgung der Metropolregion zu verbessern. Die gemeinsame Koordination der Herzinfarkt-Notfallversorgung auch nachts und am Wochenende soll zu einer schnelleren und damit besseren Versorgung führen. Psychische Krisen bei jungen Menschen sollen früher erkannt werden können: Hierzu sollen gemeinsam berlinweit niedrigschwellige Angebote in neuen Früherkennungszentren und Schwerpunktstationen etabliert werden.  Eine gemeinsame Qualitätsplattform soll entwickelt werden, um Behandlungsergebnisse besser bewerten zu können – mit dem Ziel, die Patientenversorgung weiter zu verbessern. Ein gemeinsames Hygieneportal soll die Erfassung von Krankheitserregern vereinheitlichen und den Infektionsschutz für die Bevölkerung verbessern.

  • Corona-Teststellen an Flughäfen Tegel und Schönefeld in Vorbereitung - 24-07-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg Flugreisende, die aus Corona-Risikogebieten nach Berlin zurückkehren, sollen sich bereits nach Ankunft in den Terminals der beiden Flughäfen Tegel (TXL) und Schönefeld (SXF) auf COVID-19 testen lassen können. Ein entsprechendes Konzept und seine Umsetzung bereiten Experten der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Zusammenarbeit mit der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg GmbH im Auftrag der Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung vor. In dieser Woche haben beide Seiten mögliche Örtlichkeiten an beiden Flughäfen besichtigt. Derzeit laufen weitere Detailabstimmungen. Ziel ist es, mit den Testungen an den beiden Flughäfen in der kommenden Woche zu beginnen. Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller: „Bereits seit vergangener Woche sind wir im Gespräch mit der Charité und dem Betreiber der Flughäfen in Tegel und Schönefeld über die Einrichtung von Teststellen für Reiserückkehrende aus Corona-Risikogebieten und werden damit die heutige Vereinbarung zwischen den Gesundheitsressorts von Bund und Ländern in Berlin zügig umsetzen können. Ich danke allen Beteiligten, die unter Hochdruck daran arbeiten, damit wir in der kommenden Woche schon startklar sind.“ „Die geplanten Testungen an den beiden Flughäfen sind ein weiterer Baustein der Berliner Teststrategie“, sagt Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité. „Die Abstimmungen zwischen allen Beteiligten laufen sehr konstruktiv. Gemeinsam mit Vivantes werden die Voraussetzungen für die Durchführung der Tests geschaffen“, ergänzt er. Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH: „Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH begrüßt die getroffene Entscheidung des Senats. Die Möglichkeit, sich direkt nach der Ankunft am Flughafen testen zu lassen, erhöht die Sicherheit der Passagiere, die für uns höchste Priorität hat. Das wirkt sich positiv auf die Wiederbelebung des Flugverkehrs und die Stärkung der Wirtschaft nach der Corona-Krise aus.“ 

  • Schon die Wikinger hatten Pocken - 24-07-2020
    Das Pockenvirus zirkulierte in Nordeuropa schon im 7. Jahrhundert. Darauf weist die DNA aus Wikingerskeletten hin, die Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der University of Cambridge und der University of Copenhagen jetzt analysiert haben. Das Team hat damit erstmals wissenschaftlich belegt, dass das Pockenvirus Menschen seit mindestens 1.400 Jahren infiziert. Die unerwartete genetische Diversität des Virus könnte auch für die Zukunft relevant sein. Das Variolavirus, welches die Pocken verursacht, gilt als das tödlichste Virus weltweit: Allein im 20. Jahrhundert starben an der Krankheit 300 bis 500 Millionen Menschen, die Sterblichkeitsrate lag bei bis zu 30 Prozent. Das menschliche Pockenvirus wurde 1980 nach einer weltweiten Impfkampagne für ausgerottet erklärt. Dennoch gibt es auch heute noch in Zentral- und Westafrika Fälle, in denen das verwandte Affenpockenvirus auf den Menschen übergeht – mit vergleichbaren Symptomen, aber geringerer Sterblichkeit als bei den Echten Pocken. Ungeklärt war bisher, wie lange das menschliche Pockenvirus vor seiner Ausrottung eigentlich zirkulierte. Historische Schriften deuten darauf hin, dass es die Pocken bereits vor mehr als 3.000 Jahren gegeben haben könnte. Das bisher älteste Skelett, in dem das Virus genetisch nachgewiesen werden konnte, war aber nur etwa 360 Jahre alt. „Es gab also eine Diskrepanz von fast 3.000 Jahren zwischen dem, was gemeinhin über die Historie des Pockenvirus angenommen wird, und dem, was man tatsächlich darüber weiß“, erklärt der Bioinformatiker Dr. Terry Jones, Leiter einer Arbeitsgruppe am Institut für Virologie am Campus Charité Mitte. Zusammen mit Kollegen des Lundbeck Foundation GeoGenetics Centre der University of Copenhagen und der University of Cambridge leitete er die Studie. „Wir haben also versucht, mithilfe moderner molekularbiologischer Methoden wissenschaftliche Belege für die schriftlichen Hinweise auf ein früheres Auftreten der Pocken zu finden“, sagt Dr. Jones. Der Ansatz war erfolgreich: Das Team entdeckte das Variolavirus in bis zu 1.400 Jahre alten Gebeinen aus Wikinger-Grabstätten in Dänemark, Norwegen, Schweden, Russland und England. Für ihre Analyse untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Erbgut von fast 1.900 Skeletten, die zwischen 150 und mehr als 30.000 Jahre alt waren und in Europa und Amerika gefunden wurden. In 13 Fällen gelang es ihnen, aus den Zähnen bzw. einem Teil des Schläfenbeins der Verstorbenen DNA-Fragmente des menschlichen Pockenvirus anzureichern. Dass es sich tatsächlich um alte DNA handelte, belegten die spezifischen Alterungsschäden an dem Erbmaterial. Elf der Menschen, bei denen das Virus nachgewiesen werden konnte, hatten zwischen etwa 600 und 1050 n. Chr. gelebt – also auch während der Wikingerzeit (793 bis 1066 n. Chr.). „Unsere Studie liefert damit zum ersten Mal einen molekularbiologischen Beweis dafür, dass bereits die Wikinger vom Pockenvirus infiziert wurden“, sagt die Erstautorin der Publikation Dr. Barbara Mühlemann, Wissenschaftlerin des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) am Institut für Virologie am Campus Charité Mitte. „Wir konnten so die Diskrepanz zwischen historischen Anekdoten und direktem Pocken-Nachweis um etwa 1.000 Jahre reduzieren. Wir halten es aber für wahrscheinlich, dass es noch frühere Infektionen gab.“ Die neuen Forschungsergebnisse widersprechen verschiedenen bisherigen Annahmen, nach denen die Pocken beispielsweise erst durch zurückkehrende Kreuzritter im 11. bis 13. Jahrhundert nach Europa gebracht wurden. „Auf Basis der jetzt nachgewiesenen Pockenfälle in Nordeuropa und historischer Erzählungen über mutmaßliche Fälle in Süd- und Westeuropa gehen wir davon aus, dass das Pockenvirus spätestens seit dem Ende der Wikingerzeit in Europa weitflächig zirkulierte“, resümiert Dr. Jones, der ebenfalls DZIF-Wissenschaftler ist und als Senior Research Associate an der University of Cambridge forscht. Einige der Proben waren so gut erhalten, dass die Forschenden anhand der extrahierten Fragmente die komplette Sequenz des Virus-Erbguts am Computer rekonstruieren konnten. Die Analyse der Sequenzen ergab, dass sich das Pockenvirus, das zu Zeiten der Wikinger zirkulierte, deutlich vom Variolavirus des 20. Jahrhunderts unterschied – und den Pockenviren, die heute in Kamelen und Rennmäusen zirkulieren, mehr ähnelte. Das alte Virus wies ein ganz anderes Muster aktiver und inaktiver Gene auf. „Einige dieser Gene beeinflussen unter anderem die Spezifität von Pockenviren für ihren Wirt“, erklärt Dr. Mühlemann. „Das Aktivitätsmuster im Pockenvirus der Wikingerzeit könnte bedeuten, dass das Virus damals nicht nur den Menschen, sondern auch Tiere befallen konnte.“ Wie hoch die Sterblichkeit war oder welche Symptome das alte Virus hervorrief, lässt sich allerdings nicht ableiten – auch wenn die genetischen Daten darauf hinweisen, dass das Virus bei den Wikingern auch Fieber hervorgerufen haben könnte. „Wir hatten nicht mit einer solchen genetischen Diversität des menschlichen Pockenvirus gerechnet, das hat uns wirklich überrascht“, sagt Dr. Jones. „Die Evolution des Pockenvirus ist deutlich komplexer, als wir angenommen haben. Wenn das menschliche Pockenvirus in der Vergangenheit so unterschiedlichen genetischen Pfaden gefolgt ist, könnten sich auch die noch immer zirkulierenden Tierpockenviren ähnlich weitgefächert entwickelt haben – mit möglichen Folgen für die Übertragung der Erkrankung vom Tier auf den Menschen. Wir sollten die Tierpockenviren in Zukunft deshalb besser im Blick behalten.“

  • Forschung und Klinik unter einem Dach: Richtfest für das ATIZ-Gebäude von Charité und BIH - 20-07-2020
    Unmittelbar angrenzend an das Charité Bettenhaus Mitte entsteht derzeit das Ambulanz-, Translations- und Innovationszentrum ATIZ. Das frühere Gebäude für Operation, Intensivmedizin und Notaufnahme wurde bis auf den Rohbau entkernt und wird nach der umfangreichen Sanierung künftig gemeinsam von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und vom Berlin Institute of Health (BIH) genutzt. Alle Meilensteine des Bauvorhabens konnten bisher trotz der Corona-Pandemie eingehalten werden. Den erfolgreichen Fortgang der Maßnahmen würdigten die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Regierende Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung Michael Müller bei einem Richtfest. Vor genau einem Jahr waren die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, und Berlins Regierender Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, schon einmal zu Besuch: Am 10. Juli 2019 unterzeichneten sie die Verwaltungsvereinbarung zur Integration des BIH in die Charité. Beim Richtfest des ATIZ-Gebäudes auf dem Gelände der Charité in Mitte konnten sie sich nun davon überzeugen, dass der vertraglichen Zusammenarbeit der beiden Berliner Gesundheitsinstitutionen nun auch die Zusammenarbeit vor Ort folgt: „Mit unserer Idee der Integration des BIH in die Charité wird die innovative und moderne übergreifende – im Fachterminus – translationale Gesundheitsforschung des BIH – von der Grundlagenforschung bis in die Klinik – weiterentwickelt“, sagte die Bundesforschungsministerin. Berlins Regierender Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, ergänzte: „Berlin ist der richtige Ort für die Medizin der Zukunft. Das entstehende topmoderne ATIZ-Gebäude zeigt: Baustein für Baustein setzen wir unser Vorhaben um, Spitzenforschung und beste Patientenversorgung engmaschig zu verknüpfen und unsere Stadt zu einer führenden internationalen Gesundheitsmetropole zu entwickeln. Ich freue mich, dass wir dabei mit dem Bund an einem Strang ziehen können und wünsche allen Baubeteiligten weiterhin viel Erfolg!“ Die Vorstände von BIH und Charité dankten Bund und Land für die großzügige Finanzierung der Kernsanierung des ehemaligen OP- und Intensivtraktes der Charité in ein modernes und großzügiges Forschungs-, Innovations- und Patientenzentrum. Charité-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Heyo K. Kroemer hob hervor: „Die vergangenen Monate der Corona-Krise haben die außerordentliche Bedeutung der Verbindung von Grundlagenforschung mit der praktischen klinischen Anwendung von Forschungsergebnissen aufgezeigt. Das ATIZ bündelt die medizinische Translation der Charité und des BIH und gibt der Integration des BIH in die Charité ein Gesicht.“ „In diesem Gebäude werden Forschung und Klinik unter einem Dach zusammenarbeiten“, freute sich Prof. Dr. Axel R. Pries, Vorstandsvorsitzender des BIH (interim) und Dekan der Charité. „Damit wird die Interaktion der medizinischen Translation am BIH mit den Kliniken und Forschungseinrichtungen der Charité greifbar. Nur wenn alle Partner eng zusammenarbeiten, kann aus Forschung Gesundheit werden.“ Astrid Lurati, Vorstand Finanzen und Infrastruktur der Charité, lobte insbesondere die konstruktive Zusammenarbeit bei diesem anspruchsvollen Bauvorhaben. „Für die Entstehung des ATIZ steuerte das BIH 49 Millionen Euro bei, das Land Berlin für die Charité zusätzliche 32 Millionen Euro, was ein besonderer Ausdruck der Kooperation ist und gleichzeitig die Schnittstellenfunktion des Gebäudes widerspiegelt.“ Das sechsgeschossige, moderne Forschungsgebäude wird auf einer Nutzfläche von insgesamt 14.875 Quadratmetern die innovative, patientennahe und translationale Forschung des BIH mit der medizinischen Versorgung der Charité unter einem Dach vereinen. Geplant sind ein gemeinsames Translationszentrum für internationale Forschungsgruppen mit modernsten Laborflächen, Büros und Technologieplattformen, ein Innovationszentrum mit Flächen für den biomedizinischen Technologietransfer sowie ein Patientenzentrum der Clinical Research Unit des BIH mit Untersuchungs- und Behandlungsräumen für klinische Studien. Die Charité hält komplementäre Forschungsflächen im ATIZ für übergreifende Studien vor. Außerdem werden dort Patientinnen und Patienten auch außerhalb von Studien versorgt, darunter in der tumormedizinischen Portalambulanz und Tagesklinik wie auch im Hauttumorzentrum der dermatologischen Klinik und deren Operations- und Funktionsbereichen. Im Simulations- und Trainingszentrum werden Ärztinnen und Ärzte innerhalb und außerhalb der Charité im Umgang mit Technologien und Verfahren der kommenden Generation geschult. Der Architekt Dr. Alexander Gyalokay vom Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner erläuterte am Modell des ATIZ-Gebäudes, wie der Gedanke der medizinischen Translation aus architektonischer Sicht umgesetzt wurde. „Zentraler Entwurfsgedanke war es, Klinik und Forschung möglichst nah zueinander zu bringen und deren Prozesse wechselseitig transparent werden zu lassen. Die unmittelbare Nähe des ATIZ-Gebäudes zum Charité Bettenhaus Mitte ermöglicht eine direkte Verbindung der beiden Funktionen, auch über die Einrichtung großzügiger Kommunikationsflächen. Die zweigeschossige Eingangshalle bietet Raum für eine Erlebniswelt, mit der Methoden und Ergebnisse aus dem ATIZ-Gebäude in die Öffentlichkeit getragen werden können.“ In einem moderierten Gespräch stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von BIH und Charité ausgewählte translationale Projekte der Coronavirus-Forschung vor. Prof. Dr. Christof von Kalle, BIH-Chair und Direktor des Clinical Study Center von BIH und Charité, berichtete über die Herausforderung, innerhalb kürzester Zeit sämtliche Studien zum neuen Coronavirus bzw. zu COVID-19 zu koordinieren. Als Sprecher des COVID-19-Research Boards von Charité und BIH hatte Prof. von Kalle gemeinsam mit Prof. Dr. Sylvia Thun, BIH-Professorin für Interoperabilität und E-Health, einen Kerndatensatz für COVID-19-Patientinnen und Patienten in allen deutschen Universitätskliniken erstellt. Er enthält unter strengen Datenschutzrichtlinien sämtliche relevanten Informationen, von persönlichen Daten wie Alter, Geschlecht oder Größe über Laborwerte, Risikofaktoren, Medikamenteneinnahme bis zu Symptomen und eingeleiteten Therapieverfahren. Auch Daten aus Forschungslaboren werden entsprechend in einheitlicher Weise erfasst und anschließend auf eigens bereitgestellten Servern geteilt. Prof. Dr. Christine Goffinet, BIH-Professorin für Virologie an der Charité, schilderte ihre Erfahrungen, als AIDS-Forscherin plötzlich im Mittelpunkt der Corona-Forschung zu stehen und neben der Erforschung des Virus auch mit hunderten von Anfragen aus der Bevölkerung und der Politik konfrontiert zu sein. Und Prof. Dr. Roland Eils, BIH-Chair und Gründungsdirektor des BIH Digital Health Center, berichtete von spannenden Erkenntnissen aus der Analyse einzelner Zellen aus dem Atemtrakt von COVID-19-Patientinnen und Patienten. Alle freuen sich darauf, ihre Arbeiten in Zukunft gemeinsam unter dem Dach des ATIZ durchführen zu können. Ein zweites Gebäude für BIH-Forschende entsteht derzeit in Kooperation mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin-Buch: Im Käthe-Beutler-Haus werden auf dem Campus Buch Forschungsgruppen zur Translationalen Vaskulären Biomedizin arbeiten. Der Wissenschaftliche Vorstand des MDC (interim) Prof. Dr. Thomas Sommer freut sich auf die Aufnahme des Forschungsbetriebs im Käthe-Beutler-Haus schon Anfang 2021: „Durch die Zusammenarbeit zwischen MDC und BIH im Bereich Blutgefäßmedizin entsteht in Berlin ein exzellentes Forschungscluster auf diesem äußerst zukunftsrelevanten Gebiet." Im Richtspruch brachte der Baumeister Mehmet Coskun die Freude aller Beteiligten über den gelungenen Bau auf den Punkt: „Stolz, modern und immer mit neuer Idee, dort drüben sehen wir sie, die Charité. Auf ihrem bestehenden Fundament, welches vielerorts der Mediziner kennt, wird ein neuer Ort errichtet, an dem künftig Wissen und Praxis sich verdichtet. Vereint im ATIZ wunderbar Sind Charité und BIH. Nun ist der erste Schritt vollbracht, dass der Bau bald strahlt in neuer Pracht.“

  • Nervenbahnen unter Strom - 03-07-2020
    Einer Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen, die tiefe Hirnstimulation als Therapie bei Zwangsstörungen noch weiter zu verfeinern. Das Team bestimmte die genaue Position der Stimulationselektroden im Gehirn von Patienten und konnte so einen präzisen Fasertrakt identifizieren, der mit optimalen klinischen Ergebnissen bei der Hirnstimulation zusammenhängt. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse könnte die Zwangsstörung künftig zuverlässiger und effektiver behandelt werden, wie jetzt im Fachmagazin Nature Communications* beschrieben ist. Bei einer Zwangserkrankung erleben Betroffene einen Drang, bestimmte Dinge zu tun oder zu denken, dem sie willentlich nur schwer oder gar nicht widerstehen können. Solche Zwangshandlungen und Zwangsgedanken betreffen über zwei Prozent der Bevölkerung und stellen eine starke Beeinträchtigung des täglichen Lebens dar. Eine Behandlungsmöglichkeit in schweren Fällen ist die sogenannte tiefe Hirnstimulation, die auch bei anderen Erkrankungen wie dem Parkinson-Syndrom angewendet wird. Dafür werden feine Elektroden in tief gelegene Hirnstrukturen implantiert und senden dort sehr schwache elektrische Signale aus, um die gestörte Hirnaktivität ins Gleichgewicht zu bringen. Die Stimulation verschiedener Bereiche, so etwa eines Fasertrakts der sogenannten internen Kapsel oder des subthalamischen Kerns, kann in einigen Fällen die klinischen Symptome verbessern. Um Erfolge zu erzielen, ist jedoch eine auf Millimeter genaue Platzierung der Elektroden wichtig. Das optimale Zielgebiet für die Hirnstimulation bei Zwangserkrankungen war bisher nicht genau bekannt. Die Forschungsgruppe um Dr. Andreas Horn an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité konnte nun erstmals einen bestimmten Fasertrakt als optimales Zielgebiet ausweisen. Dafür untersuchte das Team 50 Patienten mit Zwangsstörungen an verschiedenen Zentren weltweit vor und nach Platzierung der Stimulationselektroden mit moderner Kernspin-Tomographie-Methodik. So konnten umliegende Fasertrakte sichtbar gemacht und geprüft werden, welche davon selektiv durch die Elektroden stimuliert wurden. „Diese Analyse zeigt uns, dass ein ganz bestimmtes Nervenbündel mit optimalen Ergebnissen verknüpft ist. Der Zusammenhang zeigte sich zuverlässig über die verschiedenen Patientengruppen aus Köln, Grenoble, London und Madrid hinweg“, erklärt Dr. Horn, der auch Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe „In Richtung netzwerkbasierter Hirnstimulation“ ist. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten zunächst zwei Patientengruppen, bei denen entweder die interne Kapsel oder der subthalamische Kern stimuliert wurde. Obwohl diese Hirnstrukturen ganz verschiedene Verbindungen zu anderen Bereichen aufweisen, erwies sich in beiden Gruppen ein bestimmter Fasertrakt zwischen Frontalhirnrinde und subthalamischem Kern als geeignetes Zielgebiet, um bei den Patienten zu klinischen Verbesserungen beizutragen. Allein durch die Lokalisation der Stimulationselektroden konnten die Forschenden das Behandlungsergebnis in den beiden untersuchten und weiteren unabhängigen Gruppen zuverlässig vorhersagen. Ein Vergleich mit anderen Studien zeigte außerdem, dass sich die darin beschriebenen Zielgebiete ebenfalls im Bereich des neu identifizierten Fasertrakts befinden. „Grundsätzlich ändert sich das Zielgebiet durch unsere Studienergebnisse nicht, wir konnten es aber verfeinern. Man kann es sich etwa so vorstellen: Bislang steuerten wir in den Operationen mit unserem Boot stets auf eine Insel zu, die im Nebel lag, nun können wir die Insel und vielleicht sogar den Anlegesteg erkennen und genauer darauf zusteuern“, beschreibt Ningfei Li, Erstautor der Studie, den Nutzen für künftige Implantationen. Die dreidimensionalen Strukturen hat sein Team dafür offen als Datensatz publiziert und stellt sie so weltweit für Wissenschaftler zur Verfügung. An der Charité selbst werden keine Patienten mit Zwangsstörungen durch das invasive Hirnstimulationsverfahren behandelt. Die forschenden Zentren stehen allerdings weltweit in Kontakt und erarbeiten Protokolle, um die Erprobung des neu definierten Zielgebiets in zukünftigen Studien zu ermöglichen.

  • Neuer Bachelorstudiengang Pflege - 24-06-2020
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin startet einen neuen Studiengang: den Bachelor of Science in Pflege. Ziel ist es, dem steigenden Bedarf an hochschulisch qualifiziertem Personal zu begegnen und die Qualität der Pflege weiter zu verbessern. Studierende erwerben innerhalb von sieben Semestern eine Berufszulassung als Pflegefachperson sowie den akademischen Grad. Der Studiengang beginnt erstmalig ab dem Wintersemester 2020/21 mit 60 Studierenden an der Charité.  Der Bachelor Pflege ist generalistisch ausgerichtet und qualifiziert für die allgemeine Pflege von Menschen aller Altersgruppen in verschiedenen pflegerischen Versorgungssettings, wie beispielsweise im Krankenhaus, im Pflegheim oder in der häuslichen Pflege. Mit diesem Modell soll sich die Pflegepraxis auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen. „Auch die aktuellen Zeiten der Pandemie unterstreichen noch deutlicher, von welch hoher Bedeutung qualifizierte und motivierte Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitssektor sind. Daher sind wir glücklich, mit dem neuen Studiengang einen wesentlichen Beitrag bei der Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssystems liefern zu können“, erklärt Prof. Dr. Joachim Spranger, Prodekan für Studium und Lehre der Charité. Im Rahmen der speziellen Ausbildung sollen die Studierenden mit den Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens vertraut werden. Zu ihren Aufgabenfeldern gehören sowohl die direkte Versorgung als auch die Beratung und Anleitung von Patienten sowie Angehörigen. Zudem koordinieren und steuern sie Versorgungsabläufe. „Der Fokus unseres Studiengangs liegt auf dem interprofessionellen und diversitätssensiblen Lernen. Bei der Konzeption waren uns diese Akzente besonders wichtig. Unser Ziel ist es, dass die Studierenden von Beginn an lernen, mit anderen Berufsgruppen, wie beispielsweise den Ärztinnen und Ärzten, zu interagieren und zusammen zu arbeiten“, sagt Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Wissenschaftliche Leiterin des CharitéCentrums für Human- und Gesundheitswissenschaften. Die Studierenden erhalten zudem über den gesamten Studienverlauf Kommunikationstrainings. Für einen Studienplatz im Bachelorstudiengang Pflege können sich Interessentinnen und Interessenten mit einer in Berlin gültigen Hochschulzugangsberechtigung bewerben. Der Bewerbungszeitraum ist vom 1. Juli bis zum 20. August 2020. Der Studiengang erweitert das bereits bestehende Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten für Pflegende.

  • Lateinamerika: Charité-Experten helfen bei COVID-19-Testung - 23-06-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH Ein Expertenteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin unterstützt in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH lateinamerikanische Staaten bei der Diagnostik von COVID-19. Das Team liefert Laborreagenzien und weitere Ausrüstung, außerdem schulen die Spanisch sprechenden Experten des Instituts für Virologie Laborpersonal vor Ort in der Anwendung der Diagnostika. Die sogenannte Schnell Einsetzbare Expertengruppe Gesundheit (SEEG) war im Zuge der aktuellen Pandemie bereits im afrikanischen Benin, in Kolumbien und Ecuador im Einsatz, weitere Ländermissionen folgen. Die SEEG ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Das BMZ fördert das Vorhaben mit rund einer Million Euro jährlich. Die Charité-Experten engagieren sich zudem beim Pandemie-Dialog mit Staaten Lateinamerikas und der Karibik, der vom Auswärtigen Amt mit 200.000 Euro unterstützt wird. Teams der SEEG helfen seit etwas mehr als fünf Jahren Ländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit dabei, Ausbrüche von Infektionskrankheiten frühzeitig zu erkennen und schnellstmöglich darauf zu reagieren. Ins Leben gerufen wurde die Expertengruppe während der Ebola-Epidemie in den Jahren 2014 bis 2016 in Westafrika im Auftrag des BMZ und des BMG. Derzeit kommen Expertenteams in der COVID-19-Pandemie insbesondere in lateinamerikanischen und afrikanischen Staaten zum Einsatz. Weite Teile der Bevölkerung sind hier besonders von der Ausbreitung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 betroffen, auch zahlreiche indigene Gruppen sind in ihrer Existenz bedroht. Je früher und je mehr COVID-19-Erkrankungen erkannt werden, umso zügiger lassen sich Infektionsketten unterbrechen – und somit Ausbrüche vor Ort, wie auch weltweit eindämmen. Hierfür sind vor allem flächendeckende Ausbruchserkennungssysteme, gut ausgestattete, funktionstüchtige Labore und Gesundheitseinrichtungen sowie ausgebildetes und engagiertes Fachpersonal essentiell. Ein spezialisiertes Team der Charité und der GIZ ist derzeit in Ecuador, Peru und weiteren lateinamerikanischen Ländern vor Ort, liefert Testmaterialien und schult Laborpersonal in der Diagnostik. Entsprechend dem „Train-the-Trainer“-Gedanken wird geschultes Personal ebenfalls in die Lage versetzt, Wissen und Können an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lokaler Labore weiterzugeben. Das Expertenteam um Prof. Dr. Jan Felix Drexler, Leiter der Arbeitsgruppe Virusepidemiologie am Institut für Virologie, Campus Charité Mitte, und Dr. Michael Nagel, Einsatzleiter der SEEG, greift dabei auf langjährige gemeinsame Erfahrungen zurück. So hat das Team unter anderem die Zika-Diagnostik im peruanischen Regenwald aufgebaut – eine Region, die seinerzeit besonders schwer von dem Ausbruch des Virus betroffen war. Einsätze dieser Art und Infrastrukturen vorangegangener Epidemien ermöglichen in der jetzigen Situation schnelles Handeln: „Angesichts des aktuellen COVID-19-Brennpunkts Lateinamerika können wir hier besonders wirksam unterstützen, weil wir schon lange in der Region aktiv sind und zuletzt während des Zika-Ausbruchs gemeinsam mit lateinamerikanischen Partnern gearbeitet haben“, sagt Prof. Drexler, der Projektpartner der GIZ an der Charité ist. Neben einem engen Kontakt zur Universität Salvador/ Bahia, Brasilien und der dortigen Tropenmedizin sprechen viele Mitglieder des Teams fließend Spanisch. „Gute Landes- und Sprachkenntnisse helfen uns, ohne große Barrieren die Referenzlabore vor Ort zu unterstützen und lokale Entscheidungsträger zu beraten“, betont Prof. Drexler. Zehn Labore konnte das Team in den vergangenen drei Monaten bereits ausstatten, drei Referenzlabore ausbauen und etliche lokale Mitarbeiter im sicheren Umgang mit dem Erreger unterweisen. Nach dem Projektstart im afrikanischen Benin folgt die SEEG zunehmend dem Ruf aus Lateinamerika. Aufenthalten in Kolumbien und Ecuador schließen sich Reisen der Expertengruppe nach Peru, Costa Rica, Mexico und Honduras an. Auch Argentinien und Chile haben Interesse signalisiert. Die Lieferlogistik für zunächst bis zu 100.000 Nachweisreagenzien und Laborausstattung, darunter Großgeräte, unterstützt das Epidemie-Präventionsteam der GIZ. Einsatzleiter Dr. Michael Nagel: „Wir liefern zunächst Reagenzien für die Labordiagnostik und tragen somit dazu bei, dass der gordische Knoten der Diagnostik in diesen Ländern gelöst wird. Wenn die Testungen effektiver werden, und das Personal entsprechend geschult ist, können Verdachtsfälle entsprechend identifiziert und isoliert werden. Das ist von zentraler Bedeutung und vor allem für die vulnerable und indigene Bevölkerung entscheidend.“ Im weiteren Verlauf beraten die Expertenteams im Rahmen eines vom Auswärtigen Amt geförderten Pandemie-Dialogs die Partnerländer zu nachfolgenden Maßnahmen, beispielsweise der diagnostischen Strategie, um die epidemiologische Situation besser zu kontrollieren. Durch den wissenschaftlichen Dialog mit der Region wird der Erfahrungsaustausch im Umgang mit der Corona-Pandemie weiter ausgebaut und können Erkenntnisse für das weitere Vorgehen abgeleitet werden. Als ein verlässlicher Partner in der Krise soll beratend mit Fachexpertise gezielt auf den akuten Unterstützungsbedarf in der Region eingegangen werden. Entwicklungspolitische Handlungsempfehlungen werden anhand der vor Ort gesammelten Erfahrungen und Einschätzungen erstellt.

  • Charité erreicht ausgeglichenes Jahresergebnis 2019 - 12-06-2020
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat mit 0,1 Millionen Euro zum neunten Mal in Folge ein positives Jahresergebnis erzielt. Das ausgeglichene Ergebnis konnte trotz zahlreicher Kostensteigerungen und zusätzlicher Belastungen erreicht werden. Der Aufsichtsrat der Charité hat den Jahresabschluss in seiner heutigen Sitzung zur Kenntnis genommen. Das Jahr 2019 war geprägt von Kontinuität und Neuanfang, zugleich wurden wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. So übergab nach elf Jahren an der Spitze von Europas größtem Universitätsklinikum Prof. Dr. Karl Max Einhäupl am 1. September den Staffelstab an seinen Nachfolger, den Pharmakologen Prof. Dr. Heyo K. Kroemer. Zudem hat das Abgeordnetenhaus im Herbst mit der Novellierung des Berliner Universitätsmedizingesetzes wichtige strukturelle Neuerungen bezüglich der Zusammensetzung der Charité-Organe und Gremien auf den Weg gebracht. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Aufsichtsratsvorsitzender der Charité, erklärt: „2019 war in vielerlei Hinsicht ein bewegendes und höchst erfolgreiches Jahr für die Charité. Neue Initiativen wie die Integration des BIH, der Aufbau des universitären Herzzentrums und die Stärkung der Zusammenarbeit mit Vivantes werden unseren gesamten Gesundheitsstandort dauerhaft prägen. Man kann die Bedeutung der Charité für Berlin und für ganz Deutschland nicht oft genug und nicht stark genug betonen. Sie leistet im Alltag und in Krisenzeiten herausragende Arbeit, dafür danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. So wie sie uns helfen, die Corona-Pandemie zu meistern, so wird auch Berlin in diesem turbulenten Jahr fest an der Seite der Charité stehen." Als einen der ersten Schritte im Amt initiierte der neue Vorstandsvorsitzende den Strategieprozess 2030 mit dem Ziel, gemeinsam mit den Beschäftigten und Studierenden eine wegweisende Strategie für die nächsten zehn Jahre in Forschung, Lehre und Krankenversorgung zu erarbeiten. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, betont: „Die Charité hat es erneut geschafft, gegen den Trend der meisten deutschen Universitätskliniken, ein ausgeglichenes Jahresergebnis zu erzielen. Dies ist vor allem der außergewöhnlichen Leistung und dem herausragenden Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken. In diesem Jahr haben sich die Rahmenbedingungen durch die Corona-Krise fundamental geändert, was mit Sicherheit starke Auswirkungen auf das wirtschaftliche Ergebnis der Charité 2020 haben wird.“ Als wichtige strukturelle Entscheidung wurden 2019 die Pläne für ein gemeinsames Herzzentrum der Charité und des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) konkreter: Nach den Investitionen des Landes in Höhe von mehr als 286 Millionen Euro steuert der Bund weitere 100 Millionen Euro für den geplanten Neubau bei. Inzwischen steht fest: Die universitäre Herz-Kreislaufmedizin in Berlin wird in einem Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) gebündelt werden, das Teil der Charité sein wird und zugleich über ein hohes Maß an organisatorischer und wirtschaftlicher Selbstständigkeit verfügen soll. Astrid Lurati, Vorstand Finanzen und Infrastruktur der Charité, erläutert die Einflussfaktoren auf das Jahresergebnis: „Im Jahr 2019 hat die Charité erneut ein positives Jahresergebnis erzielt, zu dem diverse Effekte beigetragen haben. Eine erfreuliche Entwicklung hat sich bei den Umsatzerlösen eingestellt, die gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen sind und damit abermals die Attraktivität der Charité als Gesundheitsversorgerin ausdrücken. Gleichzeitig ist es gelungen, die Aufwendungen trotz des erheblichen Personalaufbaus sowie der Tarif- und Preissteigerungen aufzufangen. Das sich daraus ergebende robuste positive operative Ergebnis ist angesichts des anhaltend schwierigen Marktumfelds und der für Universitätskliniken herausfordernden Vergütungssystematik ein großer Erfolg für die Charité.“ Eine weitere wegweisende Entscheidung für die Charité war der Beschluss, das Berlin Institute of Health (BIH) in das Universitätsklinikum zu integrieren. Mit der im Juli 2019 unterzeichneten Verwaltungsvereinbarung gehen der Bund und das Land Berlin wissenschaftspolitisch neue Wege, um die Translation von Forschungsergebnissen im Interesse der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Das BIH wird ab 2021 neben dem Klinikum und der Medizinischen Fakultät dritte Säule der Charité. Prof. Dr. Axel R. Pries, Dekan der Charité, fasst die Leistungen der Fakultät zusammen, zu denen als besondere Erfolge die Förderung der Berlin University Alliance (BUA) als Verbund im Exzellenzstrategie-Wettbewerb des Bundes und der Länder sowie der neue Rekord bei den Drittmitteleinnahmen zählen: „Die Drittmitteleinnahmen 2019 belaufen sich auf 179,1 Millionen Euro. Dieser Wert stellt einen neuen Maximalwert für die Charité dar, der die Exzellenz der Forschung dokumentiert und auch einen erheblichen Beitrag zur wissenschaftlichen Entwicklung Berlins leistet. Dies wurde möglich durch kontinuierlichen Einsatz und herausragende Qualität der gesamten Fakultät der Charité. Wir hoffen auch in Zukunft diesen so positiven Kurs weiter halten zu können. Die herausragende Forschungsstärke der Berliner Universitätsmedizin spiegelt sich auf nationaler Ebene in der Beteiligung an 21 DFG-Sonderforschungsbereichen und international in 19 EU-Projekten wider.“ Im Rahmen der baulichen Maßnahmen konnten 2019 beispielsweise 4,8 Millionen Euro für die Sanierung der Psychiatrie am Campus Charité Mitte sowie 6,4 Millionen Euro für die Errichtung der Charité Campus-Klinik Süd (CCKS) investiert werden. Die CCKS am Campus Benjamin Franklin besteht aus 71 Modulen und soll ab Sommer 2020 die ersten Pflegestationen während der Modernisierungsmaßnahmen im Hauptgebäude beherbergen. Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité, hebt die Leistungen der Beschäftigten hervor, die im vergangenen Jahr rund 154.000 stationäre und teilstationäre Fälle sowie 700.800 ambulante Fälle versorgt haben: „Medizin im Jahr 2019 bedeutet die bestmögliche Patientenversorgung, verbunden mit größtmöglicher Patientensicherheit. Dafür leisten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Bereichen, aber insbesondere in den Kliniken, jeden Tag hervorragende Arbeit.“ Er ergänzt: „Wir wollen gute Medizin für die Menschen in unserer Stadt und der Region – dafür wollen wir Expertisen bündeln und haben beispielsweise die Kooperation mit Vivantes intensiviert.“ Die Charité engagiert sich verstärkt auch für den Klimaschutz und sichert in der am 1. April unterzeichneten Klimavereinbarung mit dem Land Berlin zu, die Kohlendioxidemissionen bis Ende 2028 um mindestens 20 Prozent, also rund 25.000 Tonnen zu reduzieren. Erreicht werden soll dies mit baulichen und technischen Maßnahmen, dem Ausbau der erneuerbaren Energien, nachhaltiger Mobilität, dem Green-IT-Programm sowie der Stärkung des Umweltbewusstseins der Beschäftigten und Studierenden.

  • Weniger Komplikationen nach Organtransplantation - 10-06-2020
    Eine großangelegte internationale Studie unter Federführung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) hat die Verträglichkeit neuartiger Ansätze für die Zelltherapie bei Nierentransplantationen nachgewiesen. Das Immunsystem muss hierbei zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen weniger stark unterdrückt werden. Somit können Nebenwirkungen wie Virusinfektionen vermieden werden. Die Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin The Lancet* erschienen. Um die Abstoßung von Spenderorganen nach der Transplantation zu verhindern, werden üblicherweise Immunsuppressiva zur Unterdrückung des Immunsystems eingesetzt. Auch mit diesen Medikamenten kann eine spätere Abstoßung nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Hinzu kommen oft starke Nebenwirkungen wie Unverträglichkeiten, Infektionen oder andere Erkrankungen. Eine alternative Behandlungsmöglichkeit bietet die Zelltherapie: Als sogenannte regulatorische Zellprodukte werden bestimmte Immunzellen außerhalb des Körpers vermehrt und dann zur Infusion bei Organempfängern verwendet, um auf diese Weise eine selbsterhaltende Immunregulation wiederherzustellen. Die Charité hat sich mit verschiedenen Einrichtungen an den Arbeiten des internationalen Forschungsverbunds der „ONE-Studie“, koordiniert durch Prof. Dr. Edward K. Geissler vom Universitätsklinikum Regensburg, beteiligt. Insbesondere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in Berlin haben die Sicherheit und Wirksamkeit der Zelltherapie bei Nierentransplantation sowie den Einfluss auf das Immunsystem getestet. In mehreren Zentren weltweit wurden hierfür verschiedene regulatorische Zellprodukte mit einem standardisierten Protokoll entwickelt und dann in getrennten klinischen Studien untersucht. Diese Therapien, die bei Patienten vor oder nach einer Nierentransplantation angewendet wurden, umfassten regulatorische T-Zellen und Makrophagen sowie dendritische Zellen, die entzündungshemmende Botenstoffe produzieren. Die gebündelten Ergebnisse wurden dann mit einer Gruppe von Patienten verglichen, die eine Standardbehandlung mit Immunsuppressiva erhielten. Die Patienten wurden über weitere 60 Wochen betreut und untersucht. „Mit der neuen Zelltherapie konnte die immunsuppressive Behandlung in etwa 40 Prozent der Patienten vermindert und so das Risiko für Nebenwirkungen minimiert werden“, sagt die Erstautorin der Studie, Prof. Dr. Birgit Sawitzki vom Institut für Medizinische Immunologie am Campus Virchow-Klinikum. Zugleich erwiesen sich die regulatorischen Zellen als eine ebenso sichere Behandlung wie die üblichen Medikamente und führten nicht häufiger zu akuten Abstoßungen. „Besonders beeindruckend“, findet Prof. Sawitzki, „dass keiner der Patienten nach Verabreichung der regulatorischen Zellen an einer Infektion mit gefährlichen Herpesviren erkrankte, die nach einer Transplantation oft zu Komplikationen führen.“ Das Team um Prof. Sawitzki war in der Studie vor allem für den Aufbau und die Durchführung eines standardisierten Immunmonitorings zuständig, also einer Beobachtung verschiedener Immunzellen im Blut. „Die Patienten wiesen vor der Transplantation eine veränderte Zusammensetzung der Immunzellen auf, und ihr Normalzustand konnte durch die regulatorischen Zellen deutlich besser als durch eine Standardtherapie wiederhergestellt werden“, erklärt sie und ergänzt: „Es bestehen damit neue, sichere Therapiemöglichkeiten, mit denen die Dosierung der üblichen immunsuppressiven Medikamente reduziert und das Risiko von Virusinfektionen gesenkt werden kann.“ Weitere größere Studien werden folgen, um die Wirksamkeit der regulatorischen Zelltherapie zu bestätigen.

  • Berliner Teststrategie: Charité startet mit Screening von Beschäftigten aus Kitas und Schulen sowie mit Schulstudie - 04-06-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung von Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung und Charité Die Teststrategie für Bildungseinrichtungen setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: Zuerst beginnt die Charité – Universitätsmedizin Berlin, Beschäftigte von 24 Schulen und 24 Kindergärten stichprobenartig auf SARS-CoV-2 zu testen. Dies ist der Start einer breit angelegten Corona-Teststrategie*, die die Universitätsklinik im Auftrag des Berliner Senats entwickelt hat. Für Personal ohne Symptome aus den 48 ausgewählten Bildungseinrichtungen (je 12 Grund- und Sekundarschulen sowie 24 Kitas) werden ab der kommenden Woche an der Charité eigene Test-Zeiten eingerichtet. Im nächsten Schritt startet ab Mitte Juni eine Schulstudie** der Charité. Hier werden Testungen an 24 zufällig ausgewählten Schulen mit mobilen Charité-Teams vor Ort erfolgen. An den Grund- und Oberschulen werden jeweils 20 Kinder und Jugendliche sowie fünf erwachsene Personen innerhalb von zwölf Monaten in regelmäßigen Abständen untersucht. Ziel dieses schrittweisen Vorgehens ist es, die SARS-CoV-2 Situation an Berliner Bildungseinrichtungen bei der graduellen Rückkehr zum Normalbetrieb wissenschaftlich zu begleiten und eventuelle Risiken zu identifizieren. Damit wird eine Datengrundlage geschaffen, die zur epidemiologischen Beurteilung der aktuellen Situation und für die weitere Planung herangezogen werden kann. Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung Michael Müller betont: „Wir haben es in einem großen Kraftakt gemeinsam geschafft, die Ausbreitung des Corona-Virus in unserer Stadt deutlich zu verlangsamen. Diesen hart erarbeiteten und fragilen Erfolg müssen wir weiterhin alle gemeinsam schützen. Mit der Expertise der Charité setzen wir nun eine kluge Teststrategie um, die ein breit gefächertes Frühwarnsystem für das Infektionsgeschehen etabliert und wissenschaftliche Erkenntnisse über das Virus fördert. Die Testungen in Bildungseinrichtungen, Kliniken, Pflegeheimen und in vielen weiteren öffentlichen Bereichen, wie etwa den Verkehrsbetrieben, der Justiz, oder auch in der Gastronomie, sind ein wichtiger Baustein zur Absicherung einer behutsamen Rückkehr zum gesellschaftlichen Leben in Berlin.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, erklärt: „Für das Konzept haben wir uns an den aktuellen wissenschaftlichen Standards orientiert und die bestehenden Optionen zur Pandemiebewältigung integriert. Da beispielsweise noch keine Schnelltests zur Verfügung stehen, haben wir uns für das risiko-adaptierte Stichprobenkonzept entschieden. Die Übertragung der Ergebnisse der ausgewählten Gruppe auf die Gesamtheit hilft uns, das Infektionsgeschehen in Berlin abzubilden“. Er fügt hinzu: „Die Zusammenarbeit zwischen Charité und Vivantes sowie den verschiedenen Teilnehmern aus öffentlicher Gesundheitsversorgung und Behörden ist exemplarisch für den Gesundheitsstandort Berlin und die Vernetzung, die wir anstreben.“ Zur Berliner Teststrategie gehören zudem das Screening von Beschäftigten sowie Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern und die Infektionsüberwachung in Pflegeheimen und risikoadaptierte Stichproben weiterer Gruppen. Ziel ist es, der Pandemie effizient und präventiv zu begegnen sowie neue Infektionsherde zu vermeiden beziehungsweise frühzeitig einzudämmen und damit ein gesellschaftliches Leben zu ermöglichen, ohne unkontrollierbare Risiken einzugehen.

  • Lässt sich der Verlauf von COVID-19 anhand des Blutes vorhersagen? - 04-06-2020
    Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Francis Crick Institute hat im Blut von COVID-19-Patienten 27 Proteine identifiziert, die je nach Schwere der Erkrankung in unterschiedlicher Menge auftreten. Diese Biomarker-Profile könnten in Zukunft zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs genutzt werden und so behandelnden Ärzten die Entscheidung über die Art der Therapie erleichtern. Die Studie ist jetzt im Fachmagazin Cell Systems* erschienen. Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2. Während bei einigen Patientinnen und Patienten keine Symptome auftreten, verläuft die Erkrankung in anderen Fällen schwerwiegender und zum Teil tödlich. Es besteht deshalb ein dringender Bedarf nach biologischen Merkmalen – den sogenannten Biomarkern –, die eine zuverlässige Vorhersage des Erkrankungsverlaufs und eine genaue Bestimmung des Schweregrads erlauben. Für die Suche nach geeigneten Biomarkern nutzte eine Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Markus Ralser, Direktor des Instituts für Biochemie der Charité und Einstein-Professor, nun modernste Analysemethoden, um die Menge verschiedener Proteine im Blutplasma in großer Geschwindigkeit zu bestimmen. Mit diesem Ansatz gelang es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, eine größere Zahl von Protein-Biomarkern im Blutplasma von COVID-19-Patienten zu erkennen, die mit der Schwere der Erkrankung zusammenhingen. Für ihre Analyse entwickelten die Forschenden eine Massenspektrometrie-Plattform zur Hochdurchsatz-Analyse, mit der das Proteom – also die Gesamtheit aller vorhandenen Proteine – von 180 Proben pro Tag sehr präzise gemessen werden kann. Mit dieser Technologie untersuchte das Team das Blutplasma von 31 Frauen und Männern mit unterschiedlich stark ausgeprägten COVID-19-Symptomen, die an der Charité behandelt wurden. So konnten die Forschenden 27 Proteine identifizieren, deren Konzentration im Blut abhängig von der Schwere des Krankheitsverlaufs erhöht oder verringert war. Diese molekularen Signaturen validierten sie dann bei einer Gruppe von 17 COVID-19-Patienten und 15 gesunden Probanden. Dabei zeigte sich, dass die Protein-Signaturen den Schweregrad der Erkrankung – gemäß den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation – bei den Patienten korrekt beschrieben. „Diese Ergebnisse legen die Basis für zweierlei Anwendungsmöglichkeiten: Zum einen könnte unsere Methode in Zukunft zur Vorhersage der Krankheitsprognose genutzt werden“, erklärt Prof. Ralser, der auch Gruppenleiter am Francis Crick Institute in London ist. „Sie soll also behandelnden Medizinern ermöglichen, anhand einer frühen Blutuntersuchung abschätzen zu können, ob ein COVID-19-Patient schwere Symptome entwickeln wird oder nicht. Und das kann potenziell Leben retten: Je früher Ärztinnen und Ärzte wissen, welche Patienten intensive medizinische Behandlung benötigen, desto schneller können sie die verfügbaren Therapiemöglichkeiten ausschöpfen.“ Um diesem Ziel näher zu kommen, werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun untersuchen, wie sich die Signaturen der Biomarker über den zeitlichen Verlauf der Krankheit verändern. „Zum anderen liegt die Nutzung unserer Technologie als diagnostischer Test nahe, der im Krankenhaus Klarheit über den Zustand des Patienten gibt – unabhängig davon, wie der Kranke selbst seine Verfassung beschreibt“, ergänzt der Biochemiker. „Unter Umständen scheinen die Symptome des Patienten nämlich besser, als sein Gesundheitszustand eigentlich ist – da kann eine objektive Einschätzung per Biomarker-Profil sehr wertvoll sein“. Das Forschungsteam wird das Verfahren nun an einer größeren Anzahl von Patienten prüfen, um weiter auf einen solchen diagnostischen Test hinzuarbeiten.

  • Karliczek: Dank an alle Mediziner und Forschenden für ihren Einsatz in der Corona-Pandemie - 03-06-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des BMBF Bundesforschungsministerin Karliczek informiert sich zu COVID-19 über den aktuellen Stand der Krankenversorgung und laufende Forschungsaktivitäten an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Bundesforschungsministerin Karliczek war heute zu Gast an der Charité. Ärztinnen und Ärzte sowie Forschende gaben ihr zu COVID-19 einen Überblick über den aktuellen Stand der Behandlung von Patientinnen und Patienten und über laufende Forschungsaktivitäten an der Charité. Dazu erklärt Bundesforschungsministerin Karliczek: „Deutschland ist bisher verhältnismäßig gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Das haben wir nicht zuletzt dem Einsatz aller Ärztinnen und Ärzte und aller in der Krankenversorgung Beschäftigten, aber auch den Forschenden zu verdanken. Durch ihren Einsatz haben sie die Gesundheit vieler Menschen bewahrt und viele Leben gerettet. Heute hatte ich die Gelegenheit, die Charité in Berlin zu besuchen und habe mich dort stellvertretend für alle im Medizinbereich Tätigen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Charité bedankt. Die Charité Berlin hat als Referenzzentrum für die Region Berlin-Brandenburg für schwerste Fälle eine besondere Rolle und Verantwortung übernommen. Schon sehr früh in der Pandemie wurde hier das Klinik-Management daraufhin umgestellt. Damit hat die Charité erreicht, dass sie bestmöglich für die COVID-19-Patientinnen und -Patienten vorbereitet war. Mir ist bewusst, wie jede Einzelne und jeder Einzelne der Mitarbeitenden an der Charité in allen Bereichen sich in diesen Wochen und Monaten eingesetzt hat und einsetzt. Dafür meinen ganz herzlichen Dank. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit, die sie hier erbracht haben. Universitätsmedizin, das bedeutet nicht nur die Versorgung und Behandlung von Erkrankten auf Spitzenniveau, sondern auch medizinische Forschung und Lehre mit höchstem Anspruch. Da Universitätsmedizin diese Bereiche verbindet, kommt ihr bei der Bewältigung der gegenwärtigen Pandemie eine ganz besondere Rolle zu. Das ist auch der Grund, warum wir aktuell mit 150 Millionen Euro den Aufbau eines Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin in Deutschland zur Behandlung von COVID-19 fördern. Unser Ziel ist es, damit die Forschungsaktivitäten der Universitätsmedizin zur Bewältigung der aktuellen Pandemie-Krise zu bündeln und zu stärken. Heute haben mich hier an der Charité konkret zwei Forschungsvorhaben zum Corona-Virus interessiert, die beide durch mein Haus gefördert werden: Das Verbundprojekt PROVID unter der Leitung von Professor Witzenrath hat zum Ziel, den Verlauf von COVID-19-Erkrankungen im Vergleich zu anderen Lungenerkrankungen besser zu verstehen. Beim zweiten Vorhaben, das Projekt SARS-CoV-2 -KIDS von Professor Drosten, soll herausgefunden werden, wie hoch der Anteil der Kinder in der Bevölkerung ist, die bereits eine Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus durchgemacht haben. Untersucht wird daher, inwieweit Kinder und Jugendliche Antikörper bilden – ein wichtiger Hinweis darauf, inwieweit Heranwachsende das Infektionsgeschehen beeinflussen. Das sind zwei sehr wichtige Forschungsaktivitäten zu COVID-19, über die wir hoffentlich schon bald Weiteres hören werden.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, sagte im Anschluss an den Besuch: „Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat in vielerlei Hinsicht schnell und entschlossen reagiert, um in der Pandemielage Lösungen zu finden und Forschungsvorhaben zu fördern. Darunter sind spezielle Projekte, wie SARS-CoV-2 -KIDS und PROVID beispielsweise an der Charité, und auf der anderen Seite auch systemische Ansätze wie die Förderung des ‚Netzwerkes Universitätsmedizin‘. Das Zusammentreffen von High-end-Krankenversorgung und Forschungsaktivitäten, die dann unmittelbar übertragen werden können, ist das Spezifikum der ganz überwiegend staatlichen Universitätsmedizin. Darin liegt ein großes Potenzial zur Bewältigung aktueller und zukünftiger medizinischer Herausforderungen.“

  • Sibylle Maria Winter übernimmt Professur für Traumafolgen und Kinderschutz - 29-05-2020
    Kinderschutz in Berlin stärken: Sibylle Maria Winter hat jetzt die neue Professur für Traumafolgen und Kinderschutz der Charité – Universitätsmedizin Berlin übernommen. Die Kinderschutzexpertin ist seit 1995 an der Charité, zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin und ab 2017 als Stellvertretende Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Prof. Winter ist Mitinitiatorin und Leiterin der interdisziplinären Kinderschutzgruppe, der Kinderschutzambulanz sowie der Trauma-Ambulanz für Kinder und Jugendliche an der Charité. Die neu geschaffene Professur umfasst zusätzlich zur Aus- und Weiterbildung auch Prävention, Diagnostik und Intervention bei Kindern und Jugendlichen, die von Gewalt betroffen sind. Forschungsschwerpunkte sind die Früherkennung von Risikokindern mithilfe von Screening-Verfahren, Interventionsprogramme für Kinder und Jugendliche nach Gewalterfahrung sowie die Weiterentwicklung von Biomarkern zur spezifischeren Beurteilung des Stressregulationssystems. „Ich freue mich, mit der Professur den Kinderschutz in Berlin nachhaltig zu stärken. Ich möchte den Schutz von Kindern und Jugendlichen sowohl klinisch als auch in unseren Forschungsaktivitäten weiter fördern und unsere Initiativen bündeln“, sagt Prof. Dr. Winter. Sie ergänzt: „Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie zeigt sich, wie wichtig unsere Maßnahmen und Unterstützungsmöglichkeiten zum Schutz der Heranwachsenden, insbesondere vor häuslicher Gewalt sind.“ Dabei geht sie der zentralen Frage nach, wie Traumata und ihre Folgen vermieden und behandelt werden können. Die aktuellen Forschungsprojekte der Expertin reichen von Studien zu Kindern und Jugendlichen mit psychisch kranken und suchtkranken Eltern über den Einfluss von Stress in der Kindheit auf die Gesundheit bis hin zu traumatischen Erfahrungen und ihren Auswirkungen auf die Interaktion von Mutter und Kind.

  • Gezielte Hirnstimulation gegen Bewegungsstörungen - 29-05-2020
    Viele neurologische Erkrankungen gehen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit einher. Durch Neuromodulation, eine gezielte Stimulation von Nervenzellen, kann die dabei veränderte neuronale Netzwerkaktivität reguliert werden. Welche Mechanismen der Neuromodulation bei verschiedenen Erkrankungen zugrunde liegen, untersucht jetzt der neue überregionale Sonderforschungsbereich (SFB/Transregio) „Behandlung motorischer Netzwerkstörungen mittels Neuromodulation“, der von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Universitätsklinikum Würzburg getragen wird. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, innovative Therapiestrategien für Menschen mit bisher nicht-behandelbaren Bewegungsstörungen zu entwickeln. Das Verbundprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zunächst für vier Jahre mit zehn Millionen Euro gefördert. Eine verminderte Bewegungsfähigkeit ist oft Ausdruck einer gestörten Kommunikation zwischen verschiedenen motorischen Hirnregionen. Solche Netzwerkstörungen können beispielsweise nach Schlaganfall, Trauma oder bei neurodegenerativen Erkrankungen auftreten und führen zu starken Einschränkungen im Alltagsleben. Neue Therapiemöglichkeiten bietet die Neuromodulation, bei der die Aktivität des neuronalen Netzwerks mittels invasiver und nicht-invasiver elektrischer oder magnetischer Stimulation gezielt beeinflusst wird. Auf diese Weise lässt sich die gestörte Hirnfunktion wiederherstellen. Patienten mit Parkinsonsyndrom, Dystonie, Tremor und anderen Bewegungsstörungen können schon jetzt erfolgreich mittels der so genannten Tiefen Hirnstimulation mit Schrittmachersystemen behandelt werden. Auf viele andere Hirnerkrankungen lassen sich diese Therapien allerdings bislang nicht übertragen. Ziel des neuen SFB/Transregio – TRR 295 „RETUNE“ – ist es, mögliche Angriffspunkte für eine Neuromodulation bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen zu finden und krankheitsbedingte Veränderungen näher zu bestimmen. Das Verbundprojekt bringt international führende Wissenschaftler aus Grundlagenforschung und Klinik der Charité und des Universitätsklinikums Würzburg, sowie der Hebrew University of Jerusalem, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, der Universität Potsdam und der Universität Rostock zusammen. „Unsere Vision ist es, Neuromodulationsverfahren für die klinische Praxis zu entwickeln, die netzwerkspezifisch ansetzen, um komplexe klinische Syndrome behandeln zu können“, sagt Prof. Dr. Andrea Kühn, Sprecherin des Verbundes und Leiterin der Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité. „Dazu wollen wir mit minimaler Invasivität an spezifischen Knotenpunkten des Netzwerkes im Gehirn angreifen, um die pathologisch veränderte Hirnaktivität selektiv zu unterdrücken.“ Ein Schwerpunkt der geplanten Forschung ist die Entwicklung bedarfsgesteuerter Schrittmachersysteme, die nur beim Auftreten von Krankheitssymptomen aktiv werden. Hierfür sollen die charakteristischen Hirnsignale – bei normalen und krankhaft veränderten Bewegungsabläufen – entschlüsselt und gezielt beeinflusst werden. Darüber hinaus werden grundlegende Mechanismen der Hirnstimulation an Modellsystemen für Bewegungsstörungen untersucht. Diese klinischen und experimentellen Befunde sollen dann in Computermodelle einfließen, um zukünftig individuell optimierte Stimulationsalgorithmen vorhersagen zu können. Die Forschungsarbeiten werden zu einem besseren Verständnis der komplexen Symptome verschiedener Bewegungsstörungen beitragen und helfen, spezifische Behandlungsansätze zu entwickeln. „Die koordinierte Zusammenarbeit von international ausgewiesenen Grundlagenwissenschaftlern, Experten für digitale Medizin und Klinikern – mit dem Ziel einer raschen Translation von Forschungsergebnissen in verbesserte Behandlungsmöglichkeiten – macht diese Verbundinitiative weltweit einmalig“, erklärt Prof. Dr. Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Würzburg und Mitinitiator des SFB/Transregio. Darüber hinaus werden an den beteiligten Standorten auch Strukturen für die Nachwuchsförderung im Bereich der Neuromodulation etabliert.

  • Healthcare Hackathon startet 2020 an der Charité - 15-05-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Universitätsmedizin Mainz und des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands e.V. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Universitätsmedizin Mainz sind am 18. Mai gemeinsame Gastgeber zum Kick-off des diesjährigen Healthcare Hackathons. Der Auftakt zur interaktiven Veranstaltungsreihe wird aus gegebenem Anlass erstmals fast komplett online ausgetragen und hat das Ziel, Expertinnen und Experten aus Universitätsklinika bundesweit zusammen zu bringen. Es gilt, klinikübergreifende Lösungen mit digitalem Schwerpunkt vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie gemeinsamen zu erarbeiten. Der Hackathon ist eines der ersten Projekte im Rahmen des Netzwerkes Universitätsmedizin, Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung und Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, eröffnen die Veranstaltung mit Videobotschaften. Der Healthcare Hackathon widmet sich Vorhaben rund um die Themen digitale Pflege, künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Botsysteme, Notfallmedizin oder auch Apps für Patientinnen, Patienten und Ärzte sowie Prävention. Zusätzlicher Schwerpunkt in diesem Jahr: Projekte zur Unterstützung im Zuge der COVID-19-Situation. Teilnehmende von 23 Universitätsklinika treffen sich im Rahmen des agilen Healthcare Hackathon Online-Formats unter anderem zur Erarbeitung eines Entwurfs, der aufzeigt, wie die Vielzahl bisher lokal entwickelter digitaler Lösungsansätze gebündelt werden können. Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V. (VUD) unterstützt den Hackathon als Mitveranstalter und sieht in dem Format eine Chance, gemeinsam digitale Lösungen zu entwickeln und standortübergreifend umzusetzen. Gerade während der COVID-19-Pandemie wird deutlich: Vielerorts könnten ausgereifte digitale Ressourcen dazu beitragen, in Krisensituationen schnell und flexibel zu handeln. Ob intelligente Informationssysteme für Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende oder die digitale Erhebung wichtiger Daten für die Forschung per App – eine ausgereifte Digitalstrategie und Vernetzung der einzelnen Krankenhäuser untereinander könnte künftig an vielen Stellen für Entlastung sorgen und einen wichtigen Beitrag für die medizinische Versorgung leisten. „Im Rahmen des an der Charité koordinierten Forschungsnetzwerkes der Universitätsmedizin nimmt der Baustein Datenerhebung, Apps und Vernetzung eine wichtige Rolle ein“, sagt Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité. Er ergänzt: „Es freut mich, dass es gelungen ist, Experten vieler Universitätsklinika für dieses Projekt zu gewinnen.“ Während der Auftaktveranstaltung des Hackathons in Berlin widmen sich die Teilnehmenden in fünf untergliederten Kapiteln COVID-19-App- und Datenerhebungsansätzen. Ebenso wird es Ausblicke auf die in kurzem Abstand folgenden Hackathons in Kiel und Mainz geben. Der Healthcare Hackathon bietet Medizinern, Entwicklern und Klinikpersonal gleichermaßen die Möglichkeit, die über die Jahre eingespielten und oftmals veralteten Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. „Die Umsetzung einer übergeordneten digitalen Vernetzung von Kliniken ist gerade in Krisenzeiten enorm wichtig“, sagt PD Dr. Christian Elsner, Kaufmännischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz. „Jedes einzelne Krankenhaus kann davon profitieren, wenn sich Kliniken künftig von digitalen Insellösungen verabschieden und die digitale Zusammenarbeit voranbringen“, schließt Privatdozent Elsner. Der Healthcare Hackathon findet am 18. Mai 2020 von 10 bis 16 Uhr online und mit Basis an der Charité statt. Dabei sein können Universitätsklinika oder interessierte Teilnehmende aus anderen Bereichen. Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.healthcare-hackathon.info/hh-berlin

  • Norditalien: COVID-19-Sterbezahlen bilden Auswirkungen der Pandemie nur unvollständig ab - 15-05-2020
    Einer Untersuchung der Charité – Universitätsmedizin Berlin zufolge sind in der norditalienischen Gemeinde Nembro allein im März 2020 mehr Einwohner gestorben als im gesamten vergangenen Jahr. Nur rund die Hälfte der im Frühjahr verstorbenen Menschen waren jedoch als COVID-19-Todesfälle gemeldet. Die Studie unterstreicht, dass die gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie deutlich über die offiziellen COVID-19-Sterbezahlen hinausgehen können – und ein Blick auf die Gesamtsterblichkeit zur Einschätzung der Situation wichtig ist. Die Untersuchung ist im Fachmagazin The BMJ* veröffentlicht. Die Lombardei in Norditalien gehört zu den am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Regionen in Europa. Trotz der hohen offiziellen COVID-19-Sterbezahlen zum Höhepunkt der Infektionswelle entstand vor Ort der Eindruck, dass diese Zahlen die beobachtete Belastung des Gesundheitssystems nicht vollständig erklären konnten. So auch in Nembro, einer Gemeinde mit rund 11.500 Einwohnern in der Provinz Bergamo. Um die tatsächlichen Auswirkungen der Pandemie auf das dortige Gesundheitssystem besser zu quantifizieren, hat ein Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Tobias Kurth, Direktor des Instituts für Public Health (IPH) der Charité, die lokale Sterblichkeit unabhängig von der Todesursache untersucht. Das Ergebnis der in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Centro Medico Santagostino entstandenen Studie: Während des stärksten Infektionsgeschehens im Frühjahr 2020 starb noch einmal dieselbe Anzahl an Menschen, wie bekanntermaßen im Zusammenhang mit dem Virus verstorben waren. Für die präzise epidemiologische Berechnung der ursachenunabhängigen Sterberate – der sogenannten Gesamtsterblichkeit – nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten aus dem Zeitraum zwischen Anfang 2012 und Mitte April 2020, die aus mehreren Quellen stammten: dem Italienischen Statistikamt (ISTAT), dem Einwohnermeldeamt von Nembro sowie dem COVID-19-Dashboard der Lombardei. „Nembro ist ein kleiner Ort mit einer sehr stabilen Bevölkerungsstruktur und wenig Zu- oder Wegzug“, erklärt Prof. Kurth. „Zusammen mit den sehr guten Datenquellen bot er besonders geeignete Voraussetzungen für eine verlässliche deskriptive epidemiologische Analyse zu der Frage, welche Auswirkungen ein unübersichtliches Infektionsgeschehen während der COVID-19-Pandemie auf die Gesundheit der Bevölkerung haben kann.“ Der statistischen Analyse zufolge waren in den letzten Jahren in der Gemeinde für gewöhnlich etwas mehr als 100 Menschen gestorben. Beispielsweise gab es in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt jeweils 128 bzw. 121 Todesfälle. Dagegen starben in den dreieinhalb Monaten zwischen dem 1. Januar 2020 und 11. April 2020 in Nembro 194 Personen, davon allein 151 im März. Umgerechnet ergibt das eine monatliche Gesamtsterblichkeit von rund 154 Todesfällen pro 1000 Personenjahre im März 2020 – das sind fast elfmal so viele Tote wie im März des Vorjahres, als es 14 Todesfälle pro 1000 Personenjahre gab. Der größte Anstieg der Todesfälle während der Infektionswelle wurde bei Personen ab einem Alter von 65 Jahren verzeichnet, insbesondere bei Männern. 14 der Verstorbenen waren jünger als 65 Jahre. „Diese sehr massive Erhöhung der Sterberate im März 2020 können wir vor dem Hintergrund der sonst sehr stabilen Gesamtsterblichkeit in Nembro nur als Folge der Coronavirus-Pandemie werten“, sagt Marco Piccininni, Wissenschaftler am IPH und Erstautor der Studie. Von den während der Infektionswelle (Ende Februar bis Anfang April) gestorbenen 166 Menschen waren aber nur 85 positiv auf das Coronavirus getestet und offiziell als COVID-19-Todesfälle gemeldet worden. „Das ist eine enorme Diskrepanz, die zeigt: Die Folgen der Pandemie für die Gesundheit der Bevölkerung in Nembro waren deutlich gravierender, als die gemeldeten COVID-19-Sterbefälle andeuten“, erklärt Piccininni. Die Gründe für diese Diskrepanz sehen die Autoren der Studie hauptsächlich in zwei Faktoren: Zum einen ist es wahrscheinlich, dass nicht alle Coronavirus-Infizierten als solche erkannt wurden – etwa weil das Testmaterial knapp war und nicht alle Verdachtsfälle labordiagnostisch getestet wurden. Ein zweiter Grund könnte darin liegen, dass Menschen mit anderen Erkrankungen schlechteren Zugang zur Krankenversorgung hatten: entweder weil die Kapazität des Gesundheitssystems schon durch COVID-19-Fälle ausgeschöpft war oder weil sie aus Sorge vor einer Infektion das Krankenhaus nicht aufsuchen wollten. „Für eine präzise Abschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie dürfen wir also nicht ausschließlich auf die bestätigten COVID-19-Sterbezahlen schauen“, betont Prof. Kurth. „Um vor Ort die geltenden Eindämmungsmaßnahmen besser an die Situation anpassen zu können, sollten zusätzlich aktuelle Daten zur regionalen Gesamtsterblichkeit berücksichtigt werden. Leider sind Daten zur Gesamtsterblichkeit nicht überall zeitnah abrufbar. Ich begrüße, dass vorläufige Daten für Deutschland seit Kurzem zur Verfügung stehen.“

  • COVID-19: Eine Herausforderung für uns alle - 13-05-2020
    Die COVID-19-Pandemie ist eine Herausforderung auf allen Ebenen: Von Beginn an ist es der Charité – Universitätsmedizin Berlin gelungen, ihre Maßnahmen und Prozesse regelmäßig neu zu bewerten und an das dynamische Infektionsgeschehen anzupassen. Versorgung und Schutz von Patienten und Beschäftigten konnten so sichergestellt werden. Wegweisende Projekte* wurden initiiert und Maßnahmen umgesetzt. Auf der heutigen Pressekonferenz hat die Charité gemeinsam mit der Senatskanzlei für Wissenschaft und Forschung eine Zwischenbilanz gezogen. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Aufsichtsratsvorsitzender der Charité, betont: „Viele Maßnahmen, die wir in Berlin zu Beginn der Pandemie eingeleitet haben, haben Wirkung gezeigt: Die Ausbreitung des Coronavirus konnte deutlich verlangsamt werden. Das verdanken wir auch der Charité und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie haben in kürzester Zeit unter schwierigen Bedingungen viele Projekte umgesetzt und begleiten unsere Stadt weiterhin verlässlich durch die Corona-Pandemie. Es zeigt sich wiederholt, wie wichtig die Charité als Partnerin für die Gesundheitsversorgung in unserer Stadt ist und wie sehr ihre herausragende Expertise auch bundesweit gebraucht wird.“ Ergebnis des Mitarbeiter-Screenings Um einen Mitarbeiter- und Patientenschutz während der Pandemie zu gewährleisten, hat die Charité kürzlich eine COVID-19-Querschnittsuntersuchung unter ihren Beschäftigten durchgeführt. Die Testungen bestanden aus einem tiefen Nasen-Rachen-Abstrich zur Untersuchung auf das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 sowie aus einer freiwilligen Serumprobe zur Prüfung auf mögliche Antikörper gegen das Virus. Vor allem Mitarbeitende in der unmittelbaren Patientenversorgung wurden zum Test gebeten – mit großer Beteiligung: In einem Zeitraum von zwei Wochen wurden über 7.500 Beschäftigte getestet, davon waren weniger als 0,5 Prozent SARS-CoV-2-positiv. Zudem konnten keine größeren Häufungen von Infektionen in einzelnen Bereichen festgestellt werden. Weniger als 2 Prozent wiesen Antikörper auf. Mit den Testungen erhebt die Charité die Prävalenz der COVID-19-Erkrankung, das heißt, die Häufigkeit der Erkrankung in einer bestimmten Gruppe der Charité-Beschäftigten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, erklärt: „Unser langfristiges Ziel ist es, auch unbemerkte, symptomarme Infektionen in der Mitarbeiterschaft zu identifizieren sowie zusätzlich das Personal zu erkennen, das bereits Antikörper gegen SARS-CoV-2 aufgebaut hat. Wir konnten nur eine geringe Infektionsquote für COVID-19 bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erkennen.“ Dieses Ergebnis unterstreicht auch die konsequente Umsetzung der Hygienemaßnahmen in den einzelnen Bereichen und die Sicherstellung der Schutzausrüstung. Die Charité setzt auch zukünftig auf regelmäßige Untersuchungen bei Mitarbeitenden, insbesondere für Beschäftige in sensiblen Krankenhausbereichen und in den Zentralen Notaufnahmen. Mitarbeitertestungen werden bereits seit Mitte März an allen Campi in den eigens eingerichteten Untersuchungsstellen für Mitarbeitende durchgeführt. Patienten-Screening im Mai gestartet Ergänzend zum Screening der Mitarbeitenden werden seit Anfang Mai auch alle stationär aufgenommenen Patientinnen und Patienten getestet. Bis das jeweilige Ergebnis vorliegt, besteht eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht.Beide Maßnahmen zusammen – das Screening der Mitarbeitenden und der Patienten – machen das Krankenhaus im Hinblick auf COVID-19-Übertragungen zu einem sicheren Ort. Dies ist wichtig zu betonen, denn seit Beginn der Pandemie verzeichnet die Charité eine rückläufige Anzahl von Patienten mit Schlaganfall oder Herzinfarkt. Diese Beobachtung wird auch in anderen Bundesländern und weiteren europäischen Regionen gemacht. Die Vermutung liegt nahe, dass betroffene Personen – wenngleich unberechtigt – verunsichert sind, ob sie in der aktuellen Situation eine Klinik aufsuchen sollten. Schrittweises Hochfahren mit Reservekapazitäten im Intensivbereich Im März wurde der Klinikbetrieb umstrukturiert, um auf einen Zuwachs an COVID-19-Patienten vorbereitet zu sein: Geplante Eingriffe wurden verschoben, um Betten- und Personalkapazitäten für eine steigende Patientenzahl zu schaffen, und neue ITS-Stationen wurden eingerichtet. Bis jetzt wurden an der Charité 282 COVID-19-Fälle behandelt. 170 Patienten davon waren bzw. sind bis heute insgesamt in intensivmedizinischer Behandlung. 68 Patienten werden aktuell an der Charité versorgt. Auch Länder wie Frankreich konnten bei der Behandlung von Fällen mit schweren Krankheitsverläufen unterstützt werden. Mit Blick auf die rückläufigen Infektionszahlen bereitet sich die Charité jetzt auf die schrittweise Wiederherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung aller Patienten vor. Zugleich werden gesondert Intensivbetten für COVID-19-Patienten vorgehalten. Aktuell behandelt die Charité 53 COVID-19-Fälle auf der Intensivstation, davon 13 Patienten mit der ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung). Zudem werden weitere 15 COVID-19-Patienten auf Normalstationen behandelt. Da die Charité ein Level-1-Zentrum ist und Patienten mit schweren COVID-19-Krankheitsverläufen aus anderen Krankenhäusern übernimmt, weist sie durchgehend einen höheren Anteil an intensivpflichtigen Patienten auf. Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung: „Mit den getroffenen Maßnahmen ist es uns gelungen, die Ressourcen für eine flächendeckende Behandlung von COVID-19-Patienten in relativ kurzer Zeit umzusetzen und entsprechende Kapazitäten zu schaffen. Nun bereiten wir uns schrittweise darauf vor, wieder eine Regelversorgung für Patienten zu ermöglichen und verschobene Operationen durchzuführen. Dabei werden wir aber weiterhin die Situation genau beobachten und bei Bedarf schnell nachsteuern – denn der Schutz und die Versorgung unserer Patienten und Mitarbeitenden hat in all unseren Entscheidungen oberste Priorität.“

  • Covid-19: Telemedizinische Versorgung von Intensivpatienten per Visitenroboter - 07-05-2020
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat zu Beginn der Corona-Pandemie das Save-Konzept* entwickelt. Als Level-1-Klinik steuert die Charité dabei berlinweit die Belegung der Intensivbetten und versorgt die schwersten Fälle. Zusätzlich werden die intensivpflichtigen Patienten in anderen Krankenhäusern der Region telemedizinisch mitbetreut. Das intensivmedizinische Netzwerk der teilnehmenden Kliniken wird stetig ausgebaut: Alle Berliner Level-2-Kliniken wurden mit Telemedizin-Equipment ausgestattet. Es finden derzeit bis zu 60 Visiten pro Tag statt, dabei sind 25 Visitenroboter sind im Einsatz. Die intensivmedizinische Therapie ist für schwer kranke und beatmete Covid-19-Patienten von entscheidender Bedeutung. Die Behandlung ist medizinisch sehr anspruchsvoll und die Erfahrung der Intensivmediziner und Fachpflegekräfte spielt eine zentrale Rolle. Die Berliner Universitätsmedizin ist auf die Behandlung von schwersterkrankten Patienten mit akutem Lungenversagen spezialisiert. Um für alle intensivpflichtigen Patienten einen hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten, unterstützen Charité-Experten die anderen Krankenhäuser per Tele-Visite bei der evidenzbasierten Therapie und tauschen sich mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten aus. „Wir stellen die intensivmedizinische Erfahrung der Charité und den evidenzbasierten Wissensstandard breit zur Verfügung und unterstützen die Versorgung intensivpflichtiger Patienten auf anderen Intensivstationen in der Region – dieser kollegiale Austausch ist im Ernstfall bei Beatmungspatienten enorm wichtig“, betont Prof. Dr. Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin. Die sogenannte telemedizinische Intensivstation basiert auf dem Innovationsfondsprojekt ERIC**. Zu der Kommunikationsplattform gehört auch der Visitenroboter Vita für die Stationen vor Ort. Per Audio- und Video-Übertragung schalten sich die Charité-Experten zur gemeinsamen Visite dazu. „Die Vita kann mit der Kamera nahe an den Patienten heranfahren. Wir erarbeiten gemeinsam mit dem Behandlungsteam vor Ort Strategien und können im Bedarfsfall beraten und unterstützen“, erklärt Dr. Björn Weiß, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin und Koordinator des ERIC-Projekts. Dazu zählen beispielsweise die Anwendung der Bauchlage, die Einstellung des Beatmungsgerätes oder die Dosierung der Medikamente. Das telemedizinische Verfahren hat sich bereits im Rahmen des Innovationsfondsprojekts seit drei Jahren als sicher und zuverlässig erwiesen.

  • Das Mikrobiom reguliert die Fitness des Immunsystems - 07-05-2020
    Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Berlin Institute of Health (BIH) und des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ) Berlin konnten in Zusammenarbeit mit Kollegen in Mainz, Bern, Hannover und Bonn aufzeigen, wie das Mikrobiom dazu beiträgt, das Immunsystem in einen Zustand zu versetzen, der es ihm ermöglicht, schnell auf Krankheitserreger zu reagieren. Ist es abwesend, bleibt eine Freisetzung entscheidender Botenstoffe aus und der Stoffwechsel in bestimmten Zellen des Immunsystems wird nicht angeworfen. Wie das Team in der Fachzeitschrift Cell* beschreibt, fehlt dann sozusagen der Treibstoff für eine Immunantwort in den zuständigen Zellen. Grenzflächen des Körpers zu seiner Umwelt sind Einfallstore für Krankheitserreger. Gleichzeitig sind solche Epithelien von Natur aus dicht besiedelt durch eine komplexe Ansammlung von Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten – das sogenannte Mikrobiom. Die permanente Interaktion mit diesen Mikroorganismen hat vermutlich im Laufe der Evolution zur Ausbildung robuster Signalnetzwerke geführt, die den Organismus schützen. Welche Rolle das Mikrobiom beim Auslösen einer Immunantwort auf schädliche Erreger einnimmt und auf welche Weise es dabei Signalwege beeinflusst, damit haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Diefenbach, Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie der Charité, jetzt eingehend beschäftigt. Wird bei einer Infektion eine Immunantwort ausgelöst, spielen sogenannte konventionelle dendritische Zellen (cDC) eine Schlüsselrolle. Sie gehören dem angeborenen Immunsystem an und sind mit einer Reihe von Mustererkennungs-Rezeptoren ausgestattet, die es ihnen ermöglichen, eindringende Erreger schnell zu erkennen. Die Zellen reagieren zunächst mit der Ausschüttung von Zytokinen – diese Botenstoffe sorgen dafür, weitere Immunzellen an die Stelle der Infektion zu locken. Gleichzeitig phagozytieren sie Krankheitserreger, das heißt, sie nehmen diese auf, zerlegen sie und präsentieren anschließend einzelne Bruchstücke als Antigene an der Zelloberfläche. Das wiederum führt zur Aktivierung von T-Zellen des adaptiven Immunsystems und somit einer gezielten Immunantwort. Eine Aktivierung von T-Zellen durch cDC, die körpereigene Antigene präsentieren, führt dagegen zu einer fehlgeleiteten, unerwünschten Immunantwort, mit der Folge von Autoimmunerkrankungen. Das Team um Prof. Diefenbach hat jetzt herausgefunden, dass cDC unter keimfreien Bedingungen nicht in der Lage sind, Immunantworten zu starten. Die Forschenden folgern daraus, dass sie Signale im Basiszustand, also einem Zustand, in dem keine Infektion vorliegt, erhalten, die vom Mikrobiom ausgehen. Diese Signale versetzen cDC in einen Zustand der Antwortbereitschaft. „Wir wollten verstehen, welchen Einfluss das Mikrobiom kontinuierlich auf die cDC-Funktion nimmt“, sagt Prof. Diefenbach, der auch Einstein-Professor für Mikrobiologie ist sowie Leiter der Arbeitsgruppe Mukosale Immunologie am DRFZ. „In der aktuellen Untersuchung konnten wir nun nachweisen, dass diese speziellen Immunzellen im Basiszustand ein permanentes Typ-I-Interferon-Signal (IFN-I) erhalten, das von der Mikrobiota reguliert wird.“ Interferone sind Zytokine, also spezielle Botenstoffe, von denen bekannt ist, dass sie vor allem in der antiviralen Abwehr eine Rolle spielen. „Über die Rolle von IFN-I im Basiszustand wusste man bisher wenig. cDC, die ein solches IFN-I-Signal im Basiszustand nicht erhalten, können ihre physiologischen Funktionen in der Abwehr von Krankheitserregern nicht wahrnehmen“, erklärt der Mikrobiologe. Die Studienergebnisse legen nahe, dass das Mikrobiom die Fitness unseres Immunsystems reguliert, indem es dieses in einem „bereiten“ Zustand hält, um schnellstmöglich auf Krankheitserreger reagieren zu können. Um der Frage näher zu kommen, auf welche Weise das vom Mikrobiom kontrollierte IFN-I im Basiszustand für die Bereitschaft von cCD sorgt, haben die Forschenden verschiedene Tiermodelle eingesetzt. Mittels RNA-Sequenzierung konnten sie das Transkriptom und Epigenom von cDC aus keimfreien Tieren, Kontrolltieren und solchen, die genetisch kein IFN-I Signal wahrnehmen konnten, vergleichen. Was also passiert auf molekularer Ebene in cDC, wenn sie dem IFN-I entzogen werden? „Interessanterweise konnten wir in den cDC von keimfreien Tieren und solchen ohne IFN-I-Signal eine geringere Expression von Genen feststellen, die an der mitochondrialen Atmungskette beteiligt sind“, beschreibt Laura Schaupp, Charité-Wissenschaftlerin und Erstautorin der Studie, die Beobachtungen. „Weitere Analysen zeigten, dass die cDC von keimfreien Tieren einen gestörten Zellstoffwechsel aufweisen und somit nicht in der Lage sind, Immunantworten zu initiieren. Den Zellen fehlte gewissermaßen der Treibstoff für eine Reaktion auf Krankheitserreger.“ Das Mikrobiom ist demnach für das Funktionieren von cDC essentiell notwendig und zwar für eine wirksame Reaktion auf bakterielle oder virale Infektionen, einschließlich der Aktivierung von T-Zell-Antworten. Die gewonnen Erkenntnisse können Denkanstöße für die Entwicklung neuer Therapieansätze liefern. Viele Autoimmunerkrankungen, beispielsweise der Systemische Lupus Erythematosus, resultieren aus einer verstärkten IFN-I-Produktion. Andere Studien zeigten, dass die Effektivität von Checkpoint-Inhibitoren bei Krebs-Immuntherapien durch das Mikrobiom beeinflusst wird. „Diese Phänomene werden uns weiter interessieren“, sagt Prof. Diefenbach. „Lässt sich beispielsweise die Zusammensetzung des Mikrobioms so verändern, dass wir die Verfügbarkeit von IFN-I reduzieren und damit Autoimmunerkrankungen günstig beeinflussen können? Oder könnte eine positive Beeinflussung der grundlegenden IFN-I-Produktion zu einem besseren Ansprechen auf Immuntherapien gegen Krebs führen?“ Diese Fragen wird das Team in anschließenden Arbeiten beschäftigen.

  • Schlüsselprozesse bei der Entstehung von Lungenfibrose identifiziert - 27-04-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Berlin Institute of Health und des Deutschen Zentrums für Lungenforschung Forschungsgruppen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und in Heidelberg ist es gelungen, die Entstehung von Lungenfibrose im Detail nachzuverfolgen. Sie konnten zeigen, dass dem Protein NEDD4-2 eine Schlüsselfunktion für die gesunde Lunge zukommt, und ein Fehlen dieses zentralen Regulators für verschiedene Prozesse bei der Krankheitsentstehung von Bedeutung ist. Wie genau sich die Lungenfibrose entwickelt und wie sie verläuft, lässt sich nun noch besser untersuchen. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse können neue Therapieansätze entwickelt werden, wie jetzt im Fachmagazin Nature Communications* beschrieben ist. Eine Fibrose der Lunge ist eine schwerwiegende Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft und für die es kaum Behandlungsmöglichkeiten gibt. Das Lungengewebe verändert sich zunehmend und vernarbt. Die Ursachen einer Lungenfibrose sind jedoch weitgehend unbekannt und der Mechanismus auf zellulärer Ebene kaum verstanden. Mit einem als „mukoziliäre Clearance“ bezeichneten Selbstreinigungsmechanismus transportieren die auskleidenden Epithelzellen der Lungenschleimhaut mit ihren Flimmerhärchen Bronchialschleim zusammen mit eingeatmeten Erregern und Schadstoffen aus den Atemwegen heraus. Es ist bekannt, dass eine übermäßige Produktion oder ein gestörter Abtransport von Schleim und dessen Bestandteilen, so genannten Mucinen, mit einer Veränderung dieser Epithelzellen einhergeht. Das Protein NEDD4-2 ist am Abbau verschiedener anderer Proteine beteiligt, die durch solche Prozesse die Funktion von Epithelzellen der Lunge regulieren. Das macht NEDD4-2 zu einem zentralen Schlüsselprotein beim Entstehen der Lungenfibrose. Dem Team um Prof. Dr. Marcus Mall, Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin der Charité, Einstein-Professor und Professor des Berlin Institute of Health (BIH), ist es zusammen mit Forschenden des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL), des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums nun erstmals gelungen, ein Tiermodell zu entwickeln, das die sogenannte idiopathische pulmonale Fibrose (IPF) detailliert widerspiegelt. Da NEDD4-2 für die frühe Entwicklung unverzichtbar ist, wurde das kodierende Gen erst bei erwachsenen Tieren gezielt in der Lunge entfernt. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchten diese dann zu einem späten Zeitpunkt, der etwa der Diagnosestellung beim Patienten entspricht. Dabei zeigten Messungen der Sauerstoffsättigung eine für die Erkrankung typische Verschlechterung der Lungenfunktion. Durch Gewebeschnitte und Bildgebung der Lunge mittels Computertomographie ließen sich außerdem die strukturellen Kennzeichen einer Fibrose wie eine fleckige Vernarbung nachweisen. Die Bedeutung von NEDD4-2 bei der Krankheitsentstehung von IPF zeigt sich auch daran, dass sowohl die Transkript- als auch die Proteinmenge in Lungenbiopsien von Patienten stark reduziert ist. Außerdem ergab eine Untersuchung des Proteomprofils, also der Gesamtheit aller Proteine, mittels Massenspektrometrie eine hohe Übereinstimmung an Proteinen, die sowohl bei Patienten mit IPF als auch im Tiermodell eine veränderte Expression aufweisen. „Unsere Erkenntnisse können dazu beitragen, die Entstehung und den Verlauf der Lungenerkrankung weiter zu untersuchen und neue Therapien zu entwickeln, beispielsweise können Substanzen, die für eine Therapie infrage kommen, in einem präklinischen Stadium erprobt oder eine Früherkennung der Erkrankung ermöglicht werden“, sagt Prof. Mall. Die Forschenden konnten bei der Untersuchung der zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen feststellen, dass durch das Fehlen des Proteins NEDD4-2 Epithelzellen in den Atemwegen umgestaltet werden: Der Anteil der verschiedenen Zelltypen ist verändert und die Zellen produzieren zudem größere Mengen bestimmter Mucine. Zusammen mit veränderten Natriumströmen in Epithelzellen und einem dadurch verringerten Volumen des Flüssigkeitsfilms führt dies zu einem gestörten Abtransport – der Selbstreinigungsprozess der Atemwege ist eingeschränkt. Darüber hinaus verursacht das Fehlen von NEDD4-2 eine verstärkte Aktivität des pro-fibrotischen TGFβ-Signalwegs. „Wir konnten somit einen direkten Zusammenhang zwischen dem Fehlen von NEDD4-2 und einer gestörten mukoziliären Clearance sowie der Fehlregulierung des TGFβ-Signalwegs herstellen, zwei Störungen, die nach aktuellen Erkenntnissen in der Pathogenese von IPF eine Rolle spielen“, resümiert Dr. Julia Dürr, Erstautorin der Studie. In der Behandlung der Lungenfibrose werden bereits seit einigen Jahren anti-fibrotische Therapien eingesetzt. Diese führen zwar meist zu einer Verlangsamung des Vernarbungsprozesses, können eine Lungentransplantation als letzte Behandlungsoption jedoch nicht gänzlich ersetzen. „Eine solche Verlangsamung des Krankheitsverlaufs, aber keine vollständige Heilung konnten wir in der Anwendung eines bereits zugelassenen anti-fibrotischen Medikament in unserem Modell bestätigen." Prof. Mall fügt hinzu: „Wir hoffen nun durch eine verbesserte präklinische Testung dazu beizutragen, dass Therapieansätze schneller entwickelt werden können.“ In weiteren Schritten sollen Biomarker zur Früherkennung getestet sowie potenzielle neue Substanzen zur Behandlung der Lungenfibrose auf ihre Wirksamkeit hin untersucht werden.

  • Berlin University Alliance tritt Deutschem Klima-Konsortium bei - 24-04-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin Die Berlin University Alliance wird Mitglied im Deutschen Klima-Konsortium (DKK). Das Konsortium repräsentiert die wesentlichen Akteure der deutschen Klimaforschung und Klimafolgenforschung. Unter dem Leitmotiv „Forschung für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt" führt das DKK renommierte Forschungseinrichtungen zusammen, die mit ihrer Arbeit dazu beitragen, klimatische Veränderungen zu erkennen und Handlungsmöglichkeiten der Vermeidung und Anpassung aufzuzeigen. Die Berlin University Alliance ist der gemeinsame Verbund von Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technischer Universität Berlin sowie Charité – Universitätsmedizin Berlin. Getragen von herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Partnereinrichtungen, ist die Forschung zu Klimawandel und dessen Auswirkungen seit Jahren ein wichtiger Schwerpunkt der Verbundpartnerinnen, ausgewiesen durch eine besondere interdisziplinäre Breite. „Wir sehen eine Mitgliedschaft der Berlin University Alliance im Deutschen Klima-Konsortium als einen wichtigen Baustein, um die Sichtbarkeit der Berliner Expertise zu erhöhen und das bereits bestehende Netzwerk zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Verbundpartnerinnen und den Partnern im Deutschen Klima-Konsortium auszubauen. Zudem ist es uns ein großes Anliegen, wissenschaftliche Erkenntnisse auch jenseits des akademischen Rahmens vorzustellen und darüber in den offenen Austausch mit Politik und Gesellschaft zu treten“, so der derzeitige Sprecher der Berlin University Alliance, Prof. Dr. Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin. „Als Wissenschaftsverband mit Sitz in der Hauptstadt freuen wir uns sehr, die gesammelte Expertise der Berliner Klimaforscherinnen und -forscher im Deutschen Klima-Konsortium begrüßen zu dürfen. Die Dringlichkeit und die großen Herausforderungen des Klimawandels fordern eine intensive und übergreifende Zusammenarbeit in der Forschung wie bei der Wissenschaftskommunikation. Nur so können wir Politik und Gesellschaft vertrauenswürdige Lösungen und Orientierung bieten“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands, Prof. Dr. Mojib Latif, bei der Mitgliederversammlung am Freitag.

  • Prof. Dr. Christian Drosten für herausragende Wissenschaftskommunikation ausgezeichnet - 20-04-2020
    Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, hat den „Sonderpreis für herausragende Kommunikation der Wissenschaft in der Covid19-Pandemie“ erhalten. Der Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Stifterverbandes ist mit 50.000 Euro dotiert. Die DFG und der Stifterverband würdigen Prof. Drosten mit dem Preis für seine außerordentlichen Leistungen für Wissenschaft und Gesellschaft angesichts einer dramatischen Pandemieentwicklung. Zur Begründung heißt es, er stehe wie kein anderer Wissenschaftler derzeit für die besondere Rolle, die der Wissenschaft während der COVID-19-Pandemie zukommt. Prof. Drosten habe es geschafft, dass die Wissenschaft in der Öffentlichkeit innerhalb sehr kurzer Zeit als verlässlichste Orientierung für das Management der Krise wahrgenommen wird. Er erkläre den Menschen auf anschauliche, transparente und faktenbasierte Weise, was die Wissenschaft weiß, wie sie arbeitet und welche Unsicherheiten bestehen. Prof. Drosten korrigiere aber auch wissenschaftlich nicht belegte Thesen, kommuniziere die Grenzen seines eigenen Wissens und weise immer wieder darauf hin, dass zur Wissenschaft auch gehört, diese Grenzen ständig neu auszuloten und Gewissheiten zu revidieren. Mit diesem Ansatz erreiche der Sonderpreisträger Akzeptanz und Vertrauen bei einer großen Zahl an Menschen und auch in der Politik, für die er derzeit einer der wichtigsten Berater ist. Der DFG und dem Stifterverband zufolge zeigt seine Kommunikation exemplarisch, welchen Beitrag die Wissenschaft für Politik und Gesellschaft durch gute Kommunikation auch im akuten Fall einer Krise leisten kann. Prof. Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie am Campus Charité Mitte, Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie Professor am Berlin Institute of Health (BIH). Er freut sich über die Auszeichnung und erklärt: „Diese Pandemie ist eine absolute Ausnahmesituation für die ganze Gesellschaft. Wie gut wir diese Herausforderung meistern, hängt in meinen Augen auch davon ab, ob die Bevölkerung gut über das Infektionsgeschehen und die biologischen Hintergründe informiert ist. Mir ist es daher ein persönliches Anliegen, das aktuelle Wissen – und auch seine Grenzen – über das SARS-2-Virus so schnell und umfassend wie möglich mit der Öffentlichkeit zu teilen. Nur so können die Menschen selbst Urteile fällen, Ängste abbauen und infektionsrelevante Entscheidungen in ihrem eigenen Alltag treffen." Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, sagt: „Die Charité freut sich sehr über die Anerkennung der Kommunikationsleistung von Prof. Drosten. Eine solche proaktive Wissensvermittlung bedeutet einen enormen zusätzlichen Aufwand, der einem Wissenschaftler nicht hoch genug angerechnet werden kann. Der Preis macht zudem einmal mehr deutlich, dass die Charité nicht nur eine wichtige Rolle bei der Versorgung der COVID-19-Erkrankten und der Erforschung des neuen Coronavirus spielt, sondern auch in hohem Maße zur Information der Gesellschaft beiträgt.“ Den Sonderpreis haben DFG und Stifterverband einmalig eingerichtet. Er wird zusätzlich zum Communicator-Preis 2020 für Wissenschaftskommunikation vergeben.

  • Parodontitis gezielter behandeln - 15-04-2020
    Forschenden an der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es erstmals gelungen nachzuweisen, dass ein im Mund häufig vorkommender einzelliger Parasit bei Gewebezerstörungen und starken Entzündungsreaktionen beteiligt ist. Die Amöbe Entamoeba gingivalis besiedelt in hoher Anzahl die Mundhöhle der meisten Patienten mit schweren, mitunter wiederkehrenden Zahnfleischentzündungen. Sie ist eine Verwandte der im Darm die Amöbenruhr auslösenden Entamoeba histolytica und verhält sich ähnlich. Der Parasit dringt in das Zahnfleischgewebe ein, ernährt sich dort von Zellen – das Gewebe wird zerstört. Wie im Fachmagazin Journal of Dental Research* jetzt beschrieben, ist nicht nur die Invasionsstrategie beider Amöben vergleichbar, sondern auch die Immunantwort des Körpers. Die Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparates und zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. In Deutschland leiden etwa 15 Prozent der Menschen an einer besonders schweren Form dieser Volkskrankheit. Unbehandelt führt Parodontitis zum Zahnverlust, sie begünstigt aber auch Arthritis, Kreislauf- und Krebserkrankungen. Während die bakterielle Vielfalt der Mundhöhle abnimmt, steigt die Häufigkeit von Entamoeba gingivalis (E. gingivalis) bei einer schweren Parodontitis sehr stark an. Nun konnte das Team um Prof. Dr. Arne Schäfer, Leiter der Forschungsabteilung für Parodontologie am Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité, zeigen, wie die orale Entzündung mit einer Kolonisierung der mundspezifischen Amöbe E. gingivalis einhergeht. Das krankheitserregende Potenzial dieser Amöbengattung ist bereits durch die Darmamöbe E. histolytica gut bekannt. Diese verursacht die sogenannte Amöbenruhr, eine der weltweit häufigsten Todesursachen durch Parasiten. „Wir haben nachgewiesen, dass auch eine die Mundhöhle besiedelnde Amöbe wie E. gingivalis in die Schleimhaut eindringt und dort das Gewebe zerstört. In der Folge können vermehrt Bakterien eintreten und die Entzündung und Gewebezerstörung weiter verstärken“, sagt Prof. Schäfer. Wie genau die Amöbe E. gingivalis zum Entzündungsgeschehen beiträgt, hat das internationale Forschungsteam nun erstmals beschrieben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten entzündete Zahnfleischtaschen und fanden die Amöben bei etwa 80 Prozent der Patienten, aber nur bei 15 Prozent der gesunden Probanden. Sie konnten beobachten, dass die Parasiten in das Zahnfleisch eindringen, sich dort fortbewegen und die Wirtszellen töten, indem sie den Inhalt der Zellen in sich aufnehmen. Zellkulturexperimente zeigten zudem, dass eine Infektion mit E. gingivalis das Wachstum von Zellen verlangsamt und schließlich zum Zelltod führt. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass die Rolle der Amöben während des Entzündungsprozesses deutliche Parallelen zur Entstehung einer Amöbenruhr aufweist. „E. gingivalis trägt im Zahnfleisch aktiv zur Gewebszerstörung bei und aktiviert dieselben Abwehrmechanismen des menschlichen Wirtes wie E. histolytica während der Invasion in die Darmschleimhaut“, erklärt Prof. Schäfer. „Der durch einfache Tröpfcheninfektion übertragbare Parasit ist somit ein möglicher Verursacher schwerwiegender oraler Entzündungskrankheiten.“ Oft sind die Heilungserfolge der Parodontitis nur von geringer Dauer. Ursache könnte das hohe krankheitserregende Potenzial dieser bisher unbeachtet gebliebenen, aber äußerst häufigen Amöbe sein. „Wir haben einen infektiösen Parasiten identifiziert, dessen Beseitigung die Behandlung schwerer Entzündungen des Zahnfleisches gezielt und möglicherweise langfristig verbessern könnte“, resümiert Prof. Schäfer. „Bislang werden weder die Infektion noch die erfolgreiche Eliminierung dieses Parasiten in der Therapie einer Parodontitis berücksichtigt.“ Aktuell soll eine klinische Studie klären, in welchem Umfang die Parodontitis durch eine Beseitigung der Amöben besser behandelt werden kann.

  • Neuer CRISPR-Diagnostiktest - 14-04-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und MDC Ein neuer Diagnostiktest für Patientinnen und Patienten nach einer Nierentransplantation weist Infektionen und Abstoßungen mithilfe einer einfachen Urinprobe und der CRISPR-Technologie nach. Entwickelt hat ihn Dr. Michael Kaminski, Leiter einer neuen Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz Gemeinschaft (MDC). Die Studie ist im Journal Nature Biomedical Engineering* veröffentlicht. Der neue Test weist zwei Viren nach, die Patientinnen und Patienten nach einer Nierentransplantation häufig infizieren: Cytomegalievirus (CMV) und BK-Polyomavirus (BKV). Das Verfahren detektiert auch CXCL9-mRNA, deren Expression während der akuten zellulären Abstoßung von Nierentransplantaten ansteigt. „Die meisten Menschen denken an Gen-Editierung, wenn sie an CRISPR denken, aber dieses Tool ist auch für andere Anwendungen, speziell für günstigere und schnellere Diagnostik, geeignet“, sagt Dr. Kaminski, Leiter der neuen Arbeitsgruppe „Kidney Cell Engineering and CRISPR Diagnostics“, die am MDC und an der Charité angesiedelt ist. Der Wissenschaftler, der als Arzt in der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin am Campus Charité Mitte tätig ist, leitete die Testentwicklung während seiner Zeit am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. James Collins. 2020 gründete er ein Labor am Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) am MDC. Nierentransplantierte Menschen nehmen Medikamente zur Unterdrückung ihres Immunsystems, um das Risiko einer Organabstoßung zu reduzieren. Dies wiederum erhöht das Risiko, an Infektionen zu erkranken. Es ist daher wichtig, Betroffene sowohl auf mögliche Infektionen als auch auf Abstoßung des transplantierten Organs hin zu überprüfen. Üblicherweise werden Bluttests und invasive Nierenbiopsien durchgeführt, die zeitintensiv und teuer sind. Es gibt zwar erschwingliche diagnostische Urintests für eine Vielzahl von Biomarkern, die unter anderem bei Diabetes oder Schwangerschaft eingesetzt werden, diese sind jedoch für den Nachweis von Nukleinsäuren, wie DNA oder RNA, meist nicht geeignet. Hier kommt CRISPR ins Spiel. Die CRISPR-Technologie kann sehr kleine Segmente einer DNA- oder RNA-Sequenz mithilfe eines komplementären RNA-Stücks aufspüren. Bestimmte Arten von Cas-Proteinen schneiden nicht nur die Zielsequenz, sondern auch ein Reportermolekül. Die bei diesem Schneiden entstehende Fluoreszenz zeigt an, ob die Zielsequenz vorhanden ist. Viele Labore haben das diagnostische Potential von CRISPR an synthetischem Material untersucht, aber nur wenige haben echte klinische Proben getestet. „Die Herausforderung besteht darin, klinisch relevante Konzentrationen zu erfassen“, sagt Dr. Kaminski. „Es ist ein großer Unterschied, ob man hohe Konzentrationen synthetischer Zielmoleküle im Reagenzglas oder ein einzelnes Molekül in einer Patientenprobe detektiert.“ Der Test, formal Assay genannt, läuft zweistufig ab: Zuerst wird die virale Ziel-DNA in einer Urinprobe vermehrt. Sie wird so oft kopiert, bis CRISPR sie erkennen kann, auch wenn nur ein einzelnes Zielmolekül vorliegt. Das Team verwendet ein spezifisches, als SHERLOCK bekanntes CRISPR-Cas13-Protokoll, um das Verfahren für virale DNA zu optimieren. Die Ergebnisse ähneln denen eines Schwangerschaftstests für zu Hause. Ein Teststreifen wird in die vorbereitete Probe getaucht; wenn nur eine Bande auf dem Streifen erscheint, ist die Probe negativ, zwei Banden zeigen an, dass das Virus vorhanden ist. „Es ist spannend zu beobachten, wie die Ergebnisse auf den Teststreifen erscheinen", sagt Robert Greensmith, Doktorand im Labor von Dr. Kaminski und Mitautor der Veröffentlichung. Für den Abstoßungsmarker CXCL9 verwendeten die Forscher ein ähnliches Verfahren. Dazu wird mRNA isoliert und vermehrt und dann durch CRISPR-Cas13 nachgewiesen. Bei sehr geringen Viruskonzentrationen erscheint die zweite Bande auf dem Teststreifen schwach, was eine klare Interpretation erschwert. Daher entwickelte das Team eine Smartphone-App, die Bilder des Teststreifens analysiert und basierend auf der Bandenintensität eine endgültige Entscheidung trifft. Nach der aufwändigen Optimierung des Verfahrens verwendeten die Forschenden ihren Assay zur Analyse von mehr als 100 Proben von Patientinnen und Patienten nach einer Nierentransplantation. Der Assay erwies sich als präzise und konnte selbst bei geringer Viruslast BKV oder CMV detektieren und eine akute zelluläre Transplantatabstoßung korrekt anzeigen. Um das diagnostische Potenzial des Tests besser einzuschätzen, interessiert sich Dr. Kaminski als Arzt und klinischer Forscher für Studien, die den Test mit herkömmlichen Verfahren vergleichen. Außerdem möchte er den Assay noch einfacher machen. Im Augenblick umfasst der Test mehrere Schritte. Während er im Krankenhausumfeld eingesetzt werden könnte, ist er für eine Testung zu Hause noch nicht geeignet. Das schlussendliche Ziel ist ein einstufiges Verfahren, das mehrere Parameter quantitativ messen kann. So könnten Betroffene Änderungen im Vergleich zu ihren individuellen Normalwerten feststellen.

  • Bei Kälte Hautausschlag: Neue Erbkrankheit entdeckt - 07-04-2020
    Hautausschläge, Kopf- und Gelenkschmerzen, sobald die Temperaturen unter 15 Grad sinken: An diesen Symptomen leiden Patientinnen und Patienten mit angeborener Kälte-Urtikaria. Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat jetzt eine bisher unbekannte Form dieser entzündlichen Hauterkrankung entdeckt. Ihre Erkenntnisse erklären, warum herkömmliche Wirkstoffe bei manchen Betroffenen nicht helfen, und zeigen, was stattdessen wirksam sein könnte. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Nature Communications* veröffentlicht. Wenn niedrige Temperaturen juckende Quaddeln auf der Haut entstehen lassen, spricht man von Kälte-induzierter Nesselsucht (Kälte-Urtikaria). Bei vielen Patienten tritt die Erkrankung – aus bisher ungeklärten Gründen – spontan auf und ebbt nach einigen Jahren auch wieder ab. Einige wenige Betroffene jedoch erben die Krankheit von ihren Eltern. Bei ihnen sorgt ein Gendefekt dafür, dass das Immunsystem auf kalte Temperaturen reagiert. Die Folge sind nicht nur Hautausschläge, sondern auch Zeichen einer körperweiten Entzündungsreaktion, beispielsweise Fieber oder Gelenkschmerzen. Unter Leitung von Privatdozentin Dr. Karoline Krause von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Campus Charité Mitte haben Forschende jetzt eine neue erbliche Form der Kälte-Urtikaria entdeckt, die auf einer bisher unbekannten Mutation des sogenannten Faktor-XII-Gens beruht. Für die neue Erbkrankheit schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Namen „FACAS“ (Faktor-XII-assoziiertes Kälte-induziertes autoinflammatorisches Syndrom) vor. „Bei uns in der Klinik hat sich eine Familie vorgestellt, in der mindestens eine Person in jeder Generation von Geburt an über dieselben Symptome klagte“, erklärt Privatdozentin Dr. Krause: „Wenn die Betroffenen eine halbe Stunde lang einer Temperatur von unter 15 Grad ausgesetzt waren, entwickelte sich ein brennender Hautausschlag, der besonders stark bei windigem und feuchtem Wetter ausgeprägt war und erst Stunden nach der Rückkehr in wärmere Räume zurückging.“ Zusätzlich beschrieben die Patientinnen und Patienten Symptome wie Schüttelfrost, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Abgeschlagenheit. Im Gegensatz zu Menschen, die eine Kälte-Urtikaria spontan entwickeln, reagierten diese Patienten jedoch nicht auf den sogenannten Eiswürfel-Test. Ihre Symptome ließen sich außerdem nicht mit Antihistaminika behandeln, die bei spontaner Kälte-Urtikaria normalerweise helfen. „Die Symptome dieser Familie wiesen eindeutig auf eine angeborene Form der Kälte-Urtikaria hin“, sagt die Dermatologin. „Wir suchten daher in der Erbinformation der betroffenen Familienmitglieder nach Mutationen, die wir bereits als Ursache für die erbliche Variante der Erkrankung kennen – allerdings vergeblich. Stattdessen fanden wir einen bisher nicht beschriebenen Defekt im Faktor-XII-Gen.“ Die Forschungsgruppe konnte zeigen, dass dieser Defekt über eine Aktivierung des sogenannten Kontaktsystems zur Freisetzung entzündlicher Botenstoffe führt – und so schließlich die Nesselsucht auslöst. „Interessanterweise kennen wir Fehler im Faktor-XII-Gen eigentlich als Ursache für eine ganz andere Erkrankung, nämlich das hereditäre Angioödem“, erklärt Privatdozentin Dr. Krause. Beim hereditären Angioödem kommt es zu anfallsartigen und sehr schmerzhaften Hautschwellungen in tiefliegendem Gewebe. „Während die FACAS-Betroffenen also über Symptome einer angeborenen Kälte-Urtikaria klagen, sind die zugrunde liegenden Mechanismen ganz andere. Deshalb kommen für diese Patientinnen und Patienten Medikamente infrage, die wir normalerweise beim hereditären Angioödem verwenden.“ Tatsächlich verschwanden bei einer FACAS-Patientin die Kälte-induzierten Symptome weitgehend, sobald ihr der Wirkstoff Icatibant verabreicht wurde, der beim hereditären Angioödem im Akutfall eingesetzt wird. Die aktuellen Studienergebnisse könnten dazu beitragen, die Krankheitsursache in bisher ungeklärten Fällen aufzudecken: Menschen mit angeborener Kälte-induzierter Urtikaria, bei denen bisher keine Ursache für die Erkrankung gefunden werden konnte und denen herkömmliche Medikamente wie Antihistaminika nicht helfen, können sich auf FACAS genetisch untersuchen lassen. „Zusätzlich planen wir eine kleine klinische Studie, um zu untersuchen, ob der Wirkstoff Lanadelumab den uns bekannten erwachsenen FACAS-Betroffenen nachhaltig Linderung verschafft“, erläutert die Studienleiterin. Lanadelumab ist ein Antikörper, der nicht nur im Akutfall, sondern auch über einen längeren Zeitraum beim hereditären Angioödem verabreicht werden kann.

  • Intensivgebäude für Covid-19-Patienten vorgestellt - 03-04-2020
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat heute das neue Intensivgebäude für Patienten mit Covid-19 vorgestellt: Die umfunktionierte Charité Campus-Klinik (CCK) wird künftig über 135 Intensivbetten inklusive Beatmungsgeräten verfügen. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Aufsichtsratsvorsitzender der Charité, hat sich bei einem Besuch über die Vorbereitungen auf die steigende Zahl von Covid-19-Patienten informiert. Mit der schrittweisen Erhöhung der intensivmedizinischen Kapazitäten in der CCK stellt die Charité sowohl die räumliche Trennung von Nicht-Infizierten als auch die intensivmedizinische Versorgung von Covid-19-Patienten bei steigenden Fallzahlen sicher. Insgesamt verfügt die Charité heute über 364 intensivmedizinische Betten, mit den zusätzlichen Betten der CCK steigt die Anzahl auf 499 Intensivbetten. Die Charité engagiert sich von Anfang an aktiv an der Eindämmung der Pandemie. So startete die erste Berliner Corona-Untersuchungsstelle Anfang März am Campus Virchow-Klinikum als Modellprojekt. Seitdem werden dort pro Tag zwischen 120 und 150 Personen beraten und gemäß den Kriterien getestet. Die CovApp und eine Corona-Videosprechstunde ergänzen das Angebot. Zusätzlich wurde an allen drei klinischen Campi eine Untersuchungsstelle für Mitarbeiter eingerichtet. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Aufsichtsratsvorsitzender der Charité, erklärte: „Es hat mich heute sehr beeindruckt zu sehen, wie schnell und sachgerecht die Charité hier die Kapazitäten für Corona-Patienten innerhalb kürzester Zeit hochgefahren hat. Es wurde rechtzeitig reagiert, die Technik und Ausstattung für Corona-Patienten, die intensivmedizinisch betreut und beatmet werden müssen, ist vorhanden.  Mein großer Dank gilt dem ganzen Team der Charité, auch denen, die im Hintergrund agieren und das möglich gemacht haben.“ „Eine wichtige Rolle, die wir als Charité übernommen haben, ist die berlinweite Steuerung der Intensivbetten nach dem sogenannten SAVE-Konzept. In diesem ist außerdem geregelt, dass die intensivpflichtigen Patienten in anderen Krankenhäusern von uns telemedizinisch mitbetreut werden“, sagte Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité. Die Telemedizinanwendung basiert auf dem Innovationsfondsprojekt ERIC (Enhanced Recovery after Intensive Care). Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung, fügte hinzu: „Die Behandlung von schwer kranken und beatmeten Covid-19-Patienten ist medizinisch sehr anspruchsvoll. Mit dem telemedizinischen Angebot können unsere Intensivmediziner und Fachpflegekräfte andere Krankenhäuser per Tele-Visite unterstützen und sich mit ihnen austauschen.“ Derzeit wird das bestehende Netzwerk aus elf Krankenhäusern in der Region Berlin-Brandenburg ausgebaut, sodass kurzfristig 30 Krankenhäuser der Region mit der Charité vernetzt werden können.

  • Neue Verbundforschung zum Coronavirus - 02-04-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin Mit einem neuen Verbundprojekt in Berlin wird die Grundlage für eine umfangreiche Forschung zum neuen Coronavirus SARS-CoV-2 gelegt. Die Berlin University Alliance fördert das Vorhaben mit dem Titel „Corona Virus Pre Exploration Projekt“ über ein Jahr mit rund 1,8 Millionen Euro. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin werden sich unter anderem mit potenziellen Wirkstoffen, der Entwicklung von Impfstoffansätzen und möglichen gesundheitsökonomischen Folgen befassen. Das Pre Exploration-Projekt ist ein Pilotvorhaben zu der im Sommer startenden Ausschreibung für Forschungsprojekte der Berlin University Alliance im Bereich „Global Health“. Die Berlin University Alliance leistet ihren Beitrag zur Bewältigung großer Herausforderungen der globalen Gesellschaft. Die aktuell weltumspannende Corona-Krise ist hierfür ein klarer Auftrag für den exzellenten Forschungsverbund der drei großen Berliner Universitäten und der Charité. Die Reaktionen verschiedener Länder zur Eindämmung der Pandemie durch das Coronavirus SARS-CoV-2 haben zu starken Einschränkungen im öffentlichen Leben geführt und stellen die Gesundheits- und Wirtschaftssysteme aller betroffenen Staaten vor große Herausforderungen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Verbundpartnerinnen der Berlin University Alliance sowie des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie und des Robert Koch-Instituts wollen gemeinsam zu einer nachhaltigen Kontrolle und Vorbeugung von durch SARS-CoV-2 verursachten Infektionen beitragen. Das Projekt ist gegliedert in sechs Themenbereiche, die in kleinen Forschungsteams bearbeitet werden. Die Teams befassen sich mit der Synthese und Erprobung von antiviralen Therapie- und Präventionskonzepten, mit zwei- und dreidimensionalen menschlichen Gewebemodellen sowie mit Tier- und Surrogatmodellen der SARS-CoV-2-Infektion. Ferner geht es um die Entwicklung nachhaltiger Impfstoffe, die Untersuchung des Krankheitsverlaufs und sogenannter prädiktiver Marker sowie um eine Darstellung der Verbreitung und Folgen der SARS-CoV-2-Pandemie. „Ziel ist es, nach einem Jahr die gemeinsamen Vorarbeiten in einen weiterführenden Verbundantrag einzubringen und die Förderung erfolgreicher Ansätze durch öffentliche und private Mittelgeber umzusetzen, um dieses weltweit relevante Gesundheitsthema nachhaltig erforschen zu können“, sagt Prof. Dr. Rainer Haag, Projektleiter an der Freien Universität Berlin. Das "Corona Virus Pre Exploration Projekt" wird als Pilotprojekt von der Berlin University Alliance im Rahmen ihrer Grand Challenge Initiatives gefördert. Die Verbundpartnerinnen haben sich als eines ihrer übergeordneten Ziele gesetzt, globale Herausforderungen (Grand Challenges) gemeinsam anzugehen. In einem ersten Schritt dieser Initiative widmet sich der Berliner Verbund derzeit der Diskussion um gesellschaftlichen Zusammenhalt (Social Cohesion). Im Sommer startet die zweite Grand Challenge Initiative zum Thema Global Health – die aktuelle Initiative steht in diesem Rahmen. Projektleiter sind Prof. Dr. Rainer Haag (Freie Universität Berlin), Prof. Dr. Christian Hackenberger (Humboldt-Universität zu Berlin und Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie), Prof. Dr. Jens Kurreck (Technische Universität Berlin) und Prof. Dr. Christian Drosten (Charité – Universitätsmedizin Berlin).

  • Coronavirus: Virologische Details zur Münchner Fallgruppe - 01-04-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité, der München Klinik Schwabing und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr Anfang Februar haben Forschungsgruppen der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der München Klinik Schwabing und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr ihre Erkenntnisse zur leichten Übertragbarkeit von SARS-CoV-2 in die Öffentlichkeit getragen. Ihre detaillierten Beobachtungen des Infektionsverlaufs bei der ersten Gruppe von COVID-19-Patienten in Deutschland sind jetzt in der Fachzeitschrift Nature* erschienen. Auf Basis dieser Erkenntnisse lassen sich Kriterien erarbeiten, nach denen COVID-19-Patienten bei begrenzten Bettenkapazitäten frühestens aus dem Krankenhaus entlassen werden könnten. Ende Januar wurden im Landkreis Starnberg bei München die ersten miteinander zusammenhängenden COVID-19-Fälle in Deutschland bekannt. Neun Patientinnen und Patienten dieser sogenannten Münchner Fallgruppe wurden anschließend in der München Klinik Schwabing medizinisch betreut. „Zu diesem Zeitpunkt wussten wir wirklich nur sehr wenig über das neuartige Coronavirus, das wir jetzt als SARS-CoV-2 kennen“, sagt Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie am Campus Charité Mitte und einer der beiden leitenden Autoren der Studie. „Wir haben diese neun Fälle über ihren Krankheitsverlauf hinweg deshalb sehr engmaschig virologisch untersucht – und so viele wichtige Details über das neue Virus erfahren.“ „Die bei uns betreuten Patientinnen und Patienten waren jüngeren bis mittleren Alters. Sie zeigten insgesamt eher milde Symptome und grippeähnliche Symptome wie Husten und Fieber sowie ein gestörtes Geruchs- und Geschmacksempfinden“, erläutert der zweite leitende Autor der Publikation Prof. Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität. „Für die wissenschaftliche Aussagekraft unserer Studie war dabei von Vorteil, dass die Fälle alle mit einer Indexpatientin in Verbindung standen und nicht nur aufgrund bestimmter Symptome untersucht wurden. So konnten wir uns ein gutes Bild vom virologischen Geschehen machen und wichtige Erkenntnisse, beispielsweise zur Übertragbarkeit des Virus, gewinnen.“ Dazu wurden bei den Patientinnen und Patienten über den gesamten Verlauf der Infektion täglich Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum und Proben des Husten-Auswurfs entnommen – bis zu 28 Tage nach Beginn der Symptome. Zusätzlich sammelten die Forschenden, wann immer möglich und sinnvoll, Stuhl-, Blut- und Urin-Proben. Alle Proben wurden anschließend unabhängig voneinander in zwei Labors auf SARS-CoV-2 hin analysiert: im Institut für Virologie am Campus Charité Mitte in Berlin und im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, einer Einrichtung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Wie die Forschungsgruppe beobachten konnte, war die Virusausscheidung im Rachen der COVID-19-Erkrankten in der ersten Woche nach Beginn der Symptome sehr hoch. Auch im Husten-Auswurf konnten große Mengen Virus-Erbgut nachgewiesen werden. Sowohl aus den Rachen-Abstrichen als auch aus dem Husten-Auswurf ließen sich infektiöse Virus-Partikel isolieren. „Das bedeutet, dass sich das neue Coronavirus nicht erst in der Lunge, sondern bereits im Rachen vermehren kann und damit sehr leicht übertragbar ist“, erklärt Prof. Drosten, der auch DZIF-Wissenschaftler und Professor des Berlin Institute of Health (BIH) ist. Aufgrund der genetischen Ähnlichkeit zum ursprünglichen SARS-Virus war die Forschungsgruppe zunächst davon ausgegangen, dass das neue Coronavirus, wie das alte SARS-Virus auch, nur die Lunge befällt und dadurch nicht so leicht von einem Menschen an einen anderen weitergegeben werden kann. „Unsere Untersuchungen der Münchner Fallgruppe haben stattdessen gezeigt, dass sich das neue SARS-Coronavirus von dem alten in Bezug auf das befallene Gewebe stark unterscheidet“, sagt der Virologe. „Das hat natürlich enorme Konsequenzen für die Ausbreitung der Infektion, weshalb wir unsere Erkenntnisse bereits Anfang Februar bekannt gemacht haben.“ In den meisten Fällen nahm die Viruslast im Rachen über die erste Krankheitswoche deutlich ab. Die Virusausscheidung in der Lunge fiel ebenfalls, jedoch später als im Rachen. Ab Tag 8 nach Symptombeginn gelang es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht mehr, infektiöse Viruspartikel zu isolieren – obwohl weiterhin noch Virus-Erbgut im Rachen und in der Lunge nachzuweisen war. Dabei zeigte sich: Enthielten die Proben weniger als 100.000 Kopien des Virus-Erbguts, ließen sich keine infektiösen Viren mehr nachweisen. Das lässt zweierlei Schlussfolgerungen zu: „Die hohe Viruslast im Rachen gleich zu Beginn der Symptome deutet darauf hin, dass COVID-19-Erkrankte bereits sehr früh infektiös sind, möglicherweise sogar bevor sie überhaupt bemerken, dass sie krank sind“, erklärt Oberstarzt Privatdozent Dr. Roman Wölfel, Direktor des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr und einer der Erstautoren der Studie. „Gleichzeitig scheint die Infektiosität der COVID-19-Patienten von der Viruslast im Rachen bzw. der Lunge abzuhängen. Das ist ein wichtiger Faktor für die Entscheidung, wann ein Patient bei knappen Bettenkapazitäten und entsprechendem Zeitdruck frühestens aus dem Krankenhaus entlassen werden kann.“ Auf Basis dieser Daten schlagen die Autorinnen und Autoren der Studie vor, dass COVID-19-Patienten in die häusliche Quarantäne entlassen werden können, wenn sich nach dem 10. Tag der Erkrankung weniger als 100.000 Kopien des Viren-Erbguts im Husten-Auswurf nachweisen lassen. Wie die Forschenden außerdem zeigen konnten, vermehrt sich SARS-CoV-2 vermutlich auch im Magen-Darm-Trakt. Allerdings ließen sich im Stuhl der Patienten keine infektiösen Viren nachweisen. In Blut und Urin fand sich das Virus nicht. Die Blutseren der Patientinnen und Patienten wurden zusätzlich darauf untersucht, ob sie Antikörper gegen SARS-CoV-2 enthielten. Die Hälfte der Patientengruppe entwickelte bis zum 7. Tag nach Symptombeginn Antikörper gegen das Virus, nach zwei Wochen hatten alle Patientinnen und Patienten Antikörper produziert. Mit der einsetzenden Antikörperproduktion ging ein langsamer Abfall der Viruslast einher. Die Forschungsgruppen aus München und Berlin planen, bei der ersten deutschen Fallgruppe und auch bei weiteren Patientinnen und Patienten zu untersuchen, wie genau sich die langfristige Immunität gegen SARS-CoV-2 entwickelt. Diese Analysen werden auch für die Entwicklung von Impfstoffen von großer Bedeutung sein.

  • Konstituierende Sitzung des neuen Charité-Aufsichtsrats - 30-03-2020
    Der fünfte Aufsichtsrat der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat sich am vergangenen Freitag konstituiert. Die Sitzung fand aufgrund der aktuellen Lage als Videokonferenz statt. Die Aufsichtsräte informierten sich ausführlich über die Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise und würdigten den Einsatz der Charité-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  Der neue Aufsichtsrat der Charité wurde für die nächsten fünf Jahre gebildet. Das Gremium besteht nunmehr aus dreizehn stimmberechtigten und vier beratenden Mitgliedern. Hintergrund der Erweiterung des Gremiums ist die Novellierung des Berliner Universitätsmedizingesetzes vom Oktober 2019. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und als Senator für Wissenschaft und Forschung Vorsitzender des Aufsichtsrats, betonte bei der Sitzung: „Mit ihrer vielfältigen medizinischen Expertise nimmt die Charité am Wissenschafts- und Gesundheitsstandort Berlin und auch bundesweit eine herausragende Rolle ein. Das wird uns allen gerade in der Corona-Krise jeden Tag sehr deutlich vor Augen geführt. Erst kürzlich hat die Bundesregierung unsere Charité damit betraut, das neue Nationale Forschungsbündnis zur Bekämpfung von COVID-19 zu koordinieren. Diese Entscheidung unterstreicht wiederholt die besondere Bedeutung der Charité für ganz Deutschland. Umso mehr danke ich allen Mitgliedern des neuen Aufsichtsrates für ihre Bereitschaft, diese wirklich einzigartige Einrichtung auf ihrem Weg zu einer in Lehre, Forschung und Gesundheitsversorgung international führenden Uniklinik zu begleiten und freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“ Zur stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats wählten die Mitglieder am Freitag die langjährige Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg und versierte Kennerin der deutschen Universitätsmedizin Irmtraut Gürkan: „Die Charité übernimmt als führende Einrichtung der deutschen Universitätsmedizin eine über die Grenzen Berlins und Deutschlands hinweg sichtbare Rolle – so aktuell auch beim Umgang mit der Pandemie. Die zahlreichen Initiativen der Charité zur Bekämpfung des Corona-Virus und der in der Sitzung deutlich gewordene unermüdliche Einsatz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind beeindruckend. Als Aufsichtsräte wollen wir unseren Teil dazu leisten, die Charité, wo es geht zu unterstützen.“ In seiner konstituierenden Sitzung hat der Aufsichtsrat wichtige Beschlüsse zur Sicherstellung der organisatorischen und wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit der Charité getroffen. Mitglieder des Aufsichtsrats Berliner Senatsmitglieder: Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Vorsitzender des Aufsichtsrats Dr. Matthias Kollatz, Finanzsenator von Berlin Externe Sachverständige, vom Berliner Senat benannt: Prof. Dr. Michael Baumann, Professor an der Technischen Universität Dresden, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Stiftungsvorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Irmtraut Gürkan, Diplom-Volkswirtin, zuletzt Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, Universitätsprofessorin an der Medizinischen Hochschule Hannover und Forschungsdekanin, Mitglied im Wissenschaftsrat Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer, Universitätsprofessor an der Technischen Universität Chemnitz, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft e. V. Stefan Oelrich, Mitglied des Vorstands der Bayer AG, Leiter der Division Pharmaceuticals mit Sitz in Berlin, Mitglied im Aufsichtsrat des Berlin Institute of Health (BIH) Mit der Gesetzesänderung gehören jetzt auch zwei vom Fakultätsrat benannte Hochschullehrende der Charité sowie ein von den Hochschulleitungen der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin gemeinsam benanntes Mitglied zum Aufsichtsrat: Prof. Dr. Martin E. Kreis, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Campus Benjamin Franklin Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Wissenschaftliche Leiterin des CharitéCentrums für Human- und Gesundheitswissenschaften, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft Prof. Dr.-Ing. Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin Darüber hinaus hat der Aufsichtsrat drei Mitglieder, die in unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl von den hauptberuflich Beschäftigten der Charité gewählt wurden. Die gewählten Vertreterinnen und Vertreter sind: Ulla Hedemann, Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie Prof. Dr. Jörg-Wilhelm Oestmann, Klinik für Radiologie am Campus Virchow-Klinikum Dr. Paul Ritschl, Chirurgische Klinik am Campus Virchow-Klinikum Mit beratender Stimme gehören außerdem die Zentrale Frauenbeauftragte der Charité, ein Mitglied des Gesamtpersonalrats und jetzt erstmals die Vertrauensperson der Gesamtschwerbehindertenvertretung sowie ein Mitglied der Gruppe der Studierenden im Fakultätsrat dem Aufsichtsrat an: Dr. Christine Kurmeyer, Zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Bernd Marquardt, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats Dr. Ulrike Pohling, Vertrauensperson der Gesamtschwerbehindertenvertretung Raphael Raspe, Mitglied der Gruppe der Studierenden im Fakultätsrat 

  • Schlaganfall und Herzinfarkt: Charité appelliert an Berlinerinnen und Berliner bei Symptomen dringend eine Klinik aufzusuchen - 29-03-2020
    Auch zu Zeiten der COVID-19 Pandemie sind Frauen und Männer von Schlaganfällen und Herzinfarkten betroffen. Mehr als 12.000 Schlaganfälle und etwa 10.000 Herzinfarkte ereignen sich in Berlin pro Jahr. Durch die modernen Therapieverfahren hat sich die Prognose dieser Erkrankungen in den letzten Jahren erheblich verbessert. Weil dabei jede Minute zählt, ruft die Charité – Universitätsmedizin Berlin die Bevölkerung auf, mögliche Symptome ernst zu nehmen und unmittelbar den Notruf 112 zu kontaktieren. Bei diesen Krankheitsbildern handelt es sich um Akut- und Notfallerkrankungen, sodass die Versorgung von Betroffenen trotz COVID-19-Pandemie sichergestellt ist. Die Behandlung von COVID-Patienten erfolgt auf getrennten Stationen.  Die Charité verzeichnet seit Beginn der Pandemie einen Rückgang von Schlaganfall-  und Herzinfarktpatienten. Diese Beobachtung wird auch in anderen deutschen Bundesländern und weiteren europäischen Regionen gemacht. Die Vermutung liegt nahe, dass bei den betroffenen Personen eine Verunsicherung herrscht, ob sie in der aktuellen Situation eine Klinik aufsuchen sollten. Insbesondere diese Patientinnen und Patienten gehören zur COVID-19-Riskogruppe, sodass oft auch Angst vor Ansteckung mitschwingt. Festzuhalten ist jedoch, dass Schlaganfall- und Herzinfarkterkrankungen unverzüglich im Krankenhaus behandelt werden müssen, da sie sonst mitunter schwere Folgen wie beispielsweise Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, oder Lähmungen mit sich bringen und auch zum Tod führen können.

  • Charité Campus-Klinik bereitet sich auf COVID-19-Intensivpatienten vor - 26-03-2020
    Um sich auf die zu erwartende steigende Fallzahl von intensivpflichtigen COVID-19-Patienten vorzubereiten, sieht der Pandemieplan der Charité die Umwidmung von Räumen, Stationen, Krankenbetten oder Ambulanzbereichen zur Reserve für die Pandemieversorgung vor. Im Zuge dessen wird die Charité Campus-Klinik (CCK) schrittweise in ein Intensivgebäude mit zusätzlich 135 Intensivbetten umfunktioniert. Die erste Station kann morgen in Betrieb genommen werden. Um die Kapazitäten für Patientinnen und Patienten, die akut intensivmedizinisch versorgt werden müssen, weiterhin sicherzustellen, werden mit der Inbetriebnahme der ersten Station, 24 zusätzliche Intensivbetten für COVID-19-Patienten in der 3. Ebene der CCK eingerichtet. Sie ergänzen damit die 364 intensivmedizinischen Betten, über die die Charité bereits verfügt. Alle Betten sind mit den notwendigen Beatmungsgeräten ausgestattet. Mit der Schaffung der zusätzlichen Kapazitäten soll sichergestellt werden, dass die räumliche Trennung und Versorgung von Nicht-Infizierten weiterhin gewährleistet ist und die Versorgung bei steigender Fallzahl von intensivmedizinischen Patienten gewährleistet ist. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Aufnahme von intensivmedizinischen Patienten in diesem Bereich jedoch noch nicht notwendig.

  • Einstein Student Support for Corona Medical Emergency - 23-03-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Einstein Stiftung Berlin Die Einstein Stiftung Berlin fördert in einem Soforthilfeprogramm Studierende, die vorübergehend in der medizinischen Grundversorgung der Charité – Universitätsmedizin Berlin zum Einsatz kommen sollen. Hierfür stellt die Einstein Stiftung der Charité 300.000 Euro im Rahmen des Soforthilfeprogramms „Einstein Student Support for Corona Medical Emergency“ zur Verfügung. Während der kommenden drei Monate können bis zu 100 Studierende jeweils mit 1.000 Euro pro Monat vergütet werden. Hintergrund ist der durch die Corona-Pandemie prognostizierte Mangel an Pflegekräften. „Mit dieser Initiative will die Einstein Stiftung einen Beitrag dazu leisten, dass die Charité den bevorstehenden medizinischen und pflegerischen Herausforderungen möglichst gut gerecht werden kann. Durch die Unterstützung von Studierenden soll zudem das wichtige gesellschaftliche Engagement junger Menschen honoriert und gefördert werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Einstein Stiftung, Günter Stock. „Wir begrüßen diese Initiative außerordentlich. Denn in den nächsten Tagen und Wochen werden wir eine große Anzahl von Patientinnen und Patienten behandeln müssen. Hier können Studierende der Medizin oder der Pflege einen wichtigen Beitrag leisten. Viele von ihnen haben vor dem Studium bereits pflegerische Erfahrungen gesammelt oder eine entsprechende Ausbildung absolviert“, sagt Heyo K. Kroemer, der Vorstandsvorsitzende der Charité. Am Soforthilfeprogramm interessierte Studierende der Charité oder der Alice Salomon Hochschule können sich direkt an die Charité wenden. Für die Kurzbewerbung ist es ausreichend, das Freiwilligen-Formular auszufüllen und – bei Studierenden, die nicht der Charité angehören – zusammen mit der aktuellen Immatrikulationsbescheinigung an stud-freiwillige(at)charite.de zu senden. Lebensläufe, Zeugnisse und andere Dokumente sind nicht nötig. Die Studierenden werden nach Eignung ausgewählt und eingesetzt. Sie können die Dauer ihres Einsatzes und die tägliche Arbeitszeit nach Verfügbarkeit selbst bestimmen.

  • Coronavirus: Charité startet Corona-App (CovApp) - 18-03-2020
    Das Corona-Virus breitet sich auch in Berlin weiter aus. Immer mehr Menschen benötigen Untersuchungen und der Bedarf an SARS-CoV-2-Testungen steigt. Um die Abläufe in der eigenen Charité-Untersuchungsstelle weiter zu verbessern, startet die Charité – Universitätsmedizin Berlin die CovApp. Um auch in derart dynamischen Zeiten die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten zu ermöglichen, hat die Charité in Kooperation mit der gemeinnützigen Potsdamer Organisation Data4Life die CovApp entwickelt. Mit der CovApp und dem dahinterstehenden Fragebogen bekommen Berlinerinnen und Berliner bereits zu Hause eine Entscheidungshilfe, ob sie die Untersuchungsstelle aufsuchen sollten und ob ein COVID-19-Test sinnvoll ist. Die Antworten aus dem Fragebogen können mittels QR-Code effizient an die Charité übermittelt werden. Dieser ist anonym und wird direkt auf dem Endgerät der Nutzer bearbeitet und gespeichert. Darüber hinaus gibt die CovApp Informationen, wie sich das eigene Infektionsrisiko reduzieren lässt. „Mit dem Einsatz der CovApp leisten wir einen Beitrag zum Schutz unserer Patienten und Beschäftigen. Aufgrund der hohen Nachfrage in unserer Charité-Untersuchungsstelle ist es umso wichtiger, Menschen, deren Symptome nicht auf SARS-CoV-2 hindeuten, in der Untersuchungsstelle nicht zu gefährden und andersherum Patienten, die dringend eine Testung brauchen, schnellstmöglich abstreichen zu können“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité. Die CovApp ist eine browserbasierte App und für jeden über https://covapp.charite.de/ zu erreichen. „Als gemeinnützige Organisation haben wir das Privileg und die Pflicht in Zeiten wie diesen mit unserem Know-How und unseren Ressourcen zu helfen, die Situation, die aufgrund der Corona-Pandemie entstanden ist, zu verbessern und die Risiken zu mindern”, erklärt Christian Weiß, CEO von Data4Life, das Engagement der Organisation. „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit der Berliner Charité, eine der größten und relevantesten Universitätskliniken Europas", ergänzt Weiß.

  • Neuer Ansatz bei Entzündungsschmerz - 11-03-2020
    Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat einen neuen Mechanismus der langanhaltenden Schmerzbekämpfung entdeckt. Der Botenstoff Interleukin-4 veranlasst eine spezielle Klasse von Blutzellen am Entzündungsort, Opioide als körpereigene Schmerzstiller herzustellen. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation (JCI) Insight* erschienen. Eine Entzündung des peripheren Nervensystems kann zu chronischen Schmerzen führen. Verschiedene Immunzellen im Blut beeinflussen diese Entzündungsreaktionen durch hemmende oder fördernde Botenstoffe, sogenannte Zytokine. Hierzu zählt auch das Interleukin-4 (IL-4), das aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung bereits zur Schmerzlinderung therapeutisch eingesetzt wird. Das Team um Prof. Dr. Halina Machelska vom Arbeitsbereich Experimentelle Anästhesiologie am Campus Benjamin Franklin untersuchte anhand eines Tiermodells, das dem schmerzhaften Ischiassyndrom beim Menschen nachempfunden ist, die Wirkungsweise von IL-4. Eine Injektion von IL-4 am entzündeten Nerv verringerte das Schmerzempfinden zunächst nur für einen Zeitraum von einigen Minuten, die wiederholte tägliche Gabe führte jedoch zu einer Schmerzreduzierung von bis zu acht Tagen. Im entzündeten Gewebe sammelten sich durch IL-4 vor allem sogenannte M2-Makrophagen an, Fresszellen des Immunsystems, die Opioide produzieren und so das Schmerzempfinden verringern. Mit ihrem neuen Ansatz möchte Prof. Machelska gezielt die entzündungshemmenden Eigenschaften der M2-Makrophagen nutzen: „Unsere Erkenntnisse sind für verschiedene Erkrankungen relevant, denen eine Immunantwort zugrunde liegt: von Arthritis über neurodegenerative Erkrankungen bis hin zu Krebs.“ Wurden die M2-Makrophagen dann aus dem entzündeten Gewebe isoliert und auf ein weiteres Versuchstier übertragen, verringerte sich auch dessen Schmerzempfindlichkeit. Die Forschenden untersuchten die isolierten Zellen genauer und fanden heraus, dass sie verschiedene körpereigene Opioide wie Endorphin, Enkephalin und Dynorphin ausschütteten und so entsprechende Opioid-Rezeptoren direkt am Entzündungsort aktivierten. „Durch ihre periphere Wirkung außerhalb des Gehirns lassen sich unerwünschte Nebenwirkungen wie Betäubung, Übelkeit oder Abhängigkeit vermindern“, erklärt Prof. Machelska. Sie fügt hinzu: „Diese Erkenntnisse könnten ein neuer Ansatz sein, um zukünftig alternative Möglichkeiten der Schmerztherapie für die Patienten zu entwickeln.“

  • Rettungshubschrauber „Christoph 31“ fliegt wieder vom Campus Benjamin Franklin - 03-03-2020
    Der ADAC Rettungshubschrauber „Christoph 31“ ist wieder am Campus Benjamin Franklin der Charité – Universitätsmedizin Berlin stationiert. Die Hauptmaßnahme, der Neubau der Endanflug- und Startfläche (FATO) am Teltowkanal, sowie die Sanierungsarbeiten im Hangar sind abgeschlossen. In Kürze werden auch die beiden Parkpositionen – für „Christoph 31“ und einen Gäste-Hubschrauber – sowie die Außenanlagen fertig gestellt sein. Die FATO musste aufgrund der veränderten EU-Verwaltungsvorschriften verlagert werden und es ist ein neuer, größerer Landeplatz direkt am Teltowkanal entstanden. Für die Dauer der Baumaßnahme war der Rettungshubschrauber des Typs EC135 nach Schönefeld umgezogen. „Mit der kompletten Fertigstellung der Baumaßnahme kann der vollumfängliche Luftbetrieb voraussichtlich Mitte März starten“, erklärt Jochen Brinkmann, Leiter Baudienststelle und Strategische Zielplanung der Charité. Mit dem Rettungshubschrauber der gemeinnützigen ADAC Luftrettung, dem Rettungsfachpersonal sowie den Notärzten der Charité werden täglich Notfalleinsätze durchgeführt. „Christoph 31“ verzeichnete in den vergangenen Jahren teilweise mehr als 3.500 Einsätze pro Jahr – nachts wird nicht geflogen. Im Juni 2019 war er seinen 75.000 Einsatz seit Beginn der Luftrettung in Berlin im Jahr 1987 geflogen.

  • Krebstherapie: Hauptstadt-Urologie-Netzwerk geht an den Start - 28-02-2020
    Jede fünfte aller onkologischen Neuerkrankungen wird als urologischer Tumor lokalisiert. So ist beispielsweise das Prostatakarzinom noch immer der häufigste Tumor bei Männern. Doch wie lässt sich die Behandlung, insbesondere von fortgeschrittenen Erkrankungen, weiter verbessern? Und welche Rolle spielt der Wohnort der Patienten dabei? Um Betroffenen in Berlin-Brandenburg die bestmögliche Therapie bieten zu können, wurde auf Initiative der Charité – Universitätsmedizin Berlin die Plattform Hauptstadt Urologie gegründet. Heute wurde das Netzwerk vorgestellt. Das Projekt verbindet spezialisierte Ärztinnen und Ärzte aus der Region mit dem urologischen Tumorzentrum der Charité. Unabhängig davon, wo die Patienten in Behandlung sind, erhalten sie von ihrem Arzt im Netzwerk Empfehlungen für neueste Therapiemöglichkeiten. Prof. Dr. Thorsten Schlomm, Direktor der Klinik für Urologie der Charité: „Die Medizin soll zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt. Mit dem Projekt verfolgen wir das Ziel, Präzisionsmedizin auch in der Fläche verfügbar zu machen.“ Mit diesem innovativen Ansatz unterstützt die Charité Patienten und deren behandelnde Ärzte bei der gemeinsamen Suche nach der bestmöglichen Therapie und macht dabei das Wissen sowie die individuellen Erfahrungen der Patienten und der Ärzte als „Schwarmintelligenz“ für alle nutzbar. So wird ein großes, ständig wachsendes Netzwerk geschaffen. Frank Michalak, Geschäftsführer der gemeinnützigen Trägergesellschaft der Hauptstadt Urologie (PNCMed gGmbH): „Jeder Patient hat seine ganz besonderen Erfahrungen, etwa über Wirkung und Nebenwirkungen von Therapien, gemacht. Dieses individuelle Wissen steht der Gemeinschaft bisher jedoch nicht zur Verfügung. Das wollen wir ändern.“ Das Hauptstadt-Urologie-Netzwerk soll einen frühzeitigen Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden ermöglichen. Jürgen Graalmann, Geschäftsführer der BrückenKöpfe, Mitinitiatoren der Hauptstadt Urologie: „Nachdem viel und lange über Präzisionsmedizin gesprochen wurde, gibt es mit der Hauptstadt Urologie einen praktischen und patientenorientierten Piloten, der auch dazu beitragen wird, den Nutzen von Krebstherapien auf ein neues Niveau zu heben.“ Doch wie genau funktioniert die Plattform? Die beteiligten Ärzte laden ihre Patienten ein, am Netzwerk teilzunehmen und händigen ihnen einen Teilnahme-Code aus. Damit kennt nur der behandelnde Arzt die Identität. Mit diesem Code können die Patienten ihre eigenen Daten in das System eintragen und jederzeit aktualisieren. Die Daten werden kontinuierlich von einem Team des urologischen Tumorzentrums der Charité sowie durch Einsatz künstlicher Intelligenz analysiert und mit neuesten Therapiemöglichkeiten abgeglichen. Dabei hilft auch, dass jeder Patient alle für ihn relevanten Informationen zu seiner Erkrankung erhält und mit seinem Arzt besprechen kann. Nur mit dem Einverständnis des Patienten werden die Daten zu Symptomen und Lebensqualität systematisch erhoben. Rüdiger Bolze, Leiter des Regionalverbands Neue Bundesländer Prostatakrebs-Selbsthilfe e.V. (BPS): „Die regelmäßige Kontrolle durch Expertinnen und Experten ermöglicht das frühzeitige Erkennen und rechtzeitige Behandeln von lebensbedrohlichen Komplikationen. Hier steht die Patientenperspektive im Mittelpunkt.“ Hochspezialisierte Therapien für jeden und überall – die Charité forscht intensiv an der Entwicklung neuer digitaler Medizinansätze. Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité: „Das Hauptstadt-Urologie-Projekt ist ein erfolgreiches Beispiel für digitale Medizin. Das Netzwerk ermöglicht es uns als Universitätsmedizin, in einen engen Austausch mit den ambulanten Versorgern zu treten und neueste Forschungsansätze schnellstmöglich zum Patienten zu bringen. Damit können wir zu einer dauerhaften Verbesserung der Qualität der Patientenversorgung beitragen.“ Gottfried Ludewig, Abteilungsleiter Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium für Gesundheit, sagte: „Die Hauptstadt Urologie ist ein spannender Ansatz, den wir aufmerksam verfolgen.“ Die Verfügbarkeit der innovativsten Behandlungsangebote zu erhöhen, ist eines der Hauptanliegen des Projekts, das auch Prof. Dr. Jens Rassweiler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie, ergänzte: „Wir begrüßen diese Initiative, die im Zeitalter der Digitalisierung in der Medizin fast schon als ein obligater Schritt in der Optimierung unserer Behandlungsoptionen darstellt. Wir sind dabei stolz, dass gerade eine renommierte urologische Universitätsklinik, wie die Charité, sich dieser Aufgabe widmet. Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BvDU), fügte hinzu: „Der medizinische Fortschritt muss flächendeckend verfügbar sein, damit die milliardenschweren Investitionen in Forschung und Entwicklung auch tatsächlich beim Patienten ankommen. Darüber hinaus leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Zusammenarbeit zwischen Klinikern und ambulant tätigen Ärzten und trägt somit ein Stück zur Überwindung der Sektorengrenzen bei.“

  • Auf dem Weg zu Schmerzmitteln ohne Suchtgefahr - 20-02-2020
    Opioidhaltige Schmerzmittel sind im klinischen Alltag nahezu unverzichtbar, beispielsweise nach Operationen oder bei der Krebsbehandlung. Allerdings haben sie starke Nebenwirkungen. Zusätzlich ist es insbesondere in den USA zu massivem Substanzmissbrauch gekommen. Einem Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist jetzt ein wichtiger Schritt hin zu einer neuen Generation von Schmerzmitteln gelungen. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachmagazin Scientific Reports* berichten, kommt es bei der Entwicklung neuer Substanzen auf den Säurewert, den pH-Wert, des Schmerzherds an. Denn die Feinabstimmung der Säure-Dissoziations-Konstante, der sogenannte pKa-Wert, eines Opioidmoleküls bestimmt die Gefährlichkeit, darunter das Suchtpotenzial. Opioide haben eine starke schmerzstillende Wirkung, sie können jedoch schnell in eine Abhängigkeit führen. Lange ist vor allem in den USA sorglos mit den Präparaten umgegangen worden. Entsprechend hoch sind die Zahlen der Opioid-Abhängigkeiten, man spricht von der Opioid-Krise. Auch hierzulande werden opioidhaltige Schmerzmittel verschrieben, mit steigender Tendenz. Inzwischen kommen sie selbst bei chronischen Schmerzen ohne Krebserkrankung zum Einsatz. Was bis heute fehlt, sind Medikamente, die starke Schmerzen lindern, gleichzeitig jedoch weniger Gefahren bergen. Prof. Dr. Christoph Stein, Direktor des Arbeitsbereiches Experimentelle Anästhesiologie am Campus Benjamin Franklin, ist mit seinem Team einer nebenwirkungsarmen Alternative in der Schmerztherapie auf der Spur. Drei Opioidsubstanzen, sie tragen die Namen FF6, FF3 und NFEPP, hat die Forschungsgruppe bereits neu entwickelt und in Computersimulationen gemeinsam mit Kollegen am Zuse-Institut für angewandte Mathematik Berlin (ZIB) getestet. Jetzt konnten die Forschenden die Schmerzreduktion und typische Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Verstopfung und die Gefahr eines Atemstillstandes sowie das Suchtpotenzial in einem Tiermodell für Entzündungsschmerz genauer beobachten. „Im Vergleich zum Standard-Opioid Fentanyl sprechen die Ergebnisse der neuartigen Substanzklasse für sich“, sagt Prof. Stein, der auch Mitglied des Einstein-Zentrums für Neurowissenschaften ist. „Je näher der pKa-Wert des Bindungsmoleküles am Säurewert des entzündeten oder verletzten Gewebes liegt, um so selektiver werden ausschließlich Opioidrezeptoren am Schmerzherd selbst aktiviert und umso geringer ist die Gefahr von Sucht oder Nebenwirkungen. Im Fall von Fentanyl liegt der pKa-Wert über dem physiologischen pH-Wert, außerdem gelangt das Standard-Opioid nachweislich schneller ins Gehirn.“ Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verfolgen den Ansatz, Entzündungsschmerz und postoperativen Schmerz am Ort des Geschehens, direkt im verletzten Gewebe, zu beheben. Im Gegensatz zu konventionellen Opioiden aktivieren die neuartigen Substanzen ausschließlich in saurem Milieu Opioidrezeptoren, die Andockstellen für Schmerzmedikamente, und wirken somit nur in verletztem Gewebe. Schwerwiegende Nebenwirkungen bleiben auf diese Weise aus. „Mit dem Ziel, die für eine optimale Wirkung notwendigen chemischen Eigenschaften der neuen Substanzen abzuleiten, haben wir nun in kultivierten Zellen das Zusammenspiel von Opioid-Bindungsmolekülen mit Opioidrezeptoren bei verschiedenen pH-Werten untersucht. Einige der Rezeptoren sind zusätzlich genetisch verändert worden“, erklärt Studienleiter Prof. Stein. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Säure-Dissoziations-Konstante, der pKa-Wert, eines Opioidmoleküls seine Gefährlichkeit, also Nebenwirkungen wie Suchtentstehung oder Atemstillstand, bestimmt. Bislang war die Bedeutung von pH- und pKa-Werten für die Sicherheit von Opioiden völlig unbekannt.“ Eine richtungweisende Erkenntnis auf dem Gebiet der Rezeptorforschung. Die Feinabstimmung des pKa-Wertes und bestimmte chemische Brückenbildungen mit Opioidrezeptoren sind entsprechend der aktuellen Untersuchungen maßgeblich, wenn es um die Entwicklung neuartiger Medikamente geht. Wird die neue Generation von Schmerzmitteln Realität, könnten gefährliche Nebenwirkungen und Suchtgefahr der Vergangenheit angehören. „Wir haben bereits in zahlreichen klinischen Studien zeigen können, dass die selektive Aktivierung von peripheren Opioidrezeptoren in verletztem Gewebe, beispielsweise durch lokale Injektion konventioneller Opioide wie Morphin, eine potente Schmerzstillung beim Menschen bewirkt. Daher sind wir zuversichtlich, dass unsere neue Substanzklasse, die nun erstmals auch intravenös verabreicht werden kann, erfolgreich sein wird“, sagt Prof. Stein. Erste klinische Studien, bei denen die neuartigen Substanzen zur Anwendung kommen, sollen in zwei bis drei Jahren starten. Parallel arbeitet die Forschungsgruppe unter anderem im Rahmen des Förderprogramms SPARK am Berlin Institute of Health (BIH) an weiteren Substanzen der neuen Generation.

  • Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020 - 20-02-2020
    Telematik, eHealth und High Definition Medicine: Die Charité – Universitätsmedizin Berlin stellt sich in einem von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina geförderten Symposium Fragen, die die digitale Transformation auf dem Gebiet der Akutmedizin mit sich bringt. Wie kann klinischen, ethischen und technischen Herausforderungen begegnet werden? Wie lassen sich „Big Data“ optimal nutzen? Und wie können innovative Technologien bestmöglich im Sinne des Patienten eingesetzt werden? Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Krankenversorgung, Datenschutz, Ökonomie und Politik diskutieren am 28. und 29. Februar über die Zukunft in der patientenzentrierten Akutmedizin. Die digitale Transformation ist eine aktuelle gesellschaftliche Herausforderung. Dabei nehmen zuverlässige Erhebung und besseres Verständnis von individuellen gesundheitsbezogenen Daten sowie der sichere Umgang mit diesen Daten eine immer größere Bedeutung ein. Der Einsatz neuer Technologien wie auch die Anwendung von künstlicher Intelligenz ermöglichen die Nutzung wissensbasierter Daten und somit patientenzentrierte und infrastrukturelle Innovationen. Errungenschaften auf diesem Gebiet können die Patientenversorgung und die Patientensicherheit verbessern. Gleichzeitig muss neben der Anwendung von digitalen Systemen auch der Kontext des Einsatzes kritisch diskutiert werden. Wie also kann die Digitalisierung in der Medizin und speziell in der Akutmedizin gelingen? „Mission – Innovation“: Ziel des Leopoldina-Symposiums ist es, fachübergreifend Herausforderungen, Verantwortlichkeiten und das Innovationspotenzial in der Akutmedizin herauszuarbeiten. Die Tagung ist öffentlich und findet am Freitag, den 28. Februar von 9 bis 21 Uhr und am Samstag, den 29. Februar von 9 bis 16 Uhr im Kaiserin-Friedrich-Haus, Robert-Koch-Platz 7 in 10117 Berlin statt. Veranstaltungssprachen sind Englisch und Deutsch, ein Übersetzungsdienst wird angeboten. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten. Pressegespräch: Zum Auftakt des Symposiums findet am Freitag, den 28. Februar von 10 bis 11 Uhr ein wissenschaftliches Pressegespräch statt. Experten stehen für Fragen zur Verfügung, außerdem werden Erkenntnisse aus dem Innovationsfond-Projekt „Enhanced Recovery after Intensive Care“ (ERIC) vorgestellt. Ziel des Projektes ist es, mit telemedizinischer Unterstützung Langzeitfolgen einer Intensivbehandlung, wie das Post Intensive Care Syndrom (PICS), zu vermeiden. Etwa ein Drittel der Patienten leiden nach einer solchen Behandlung dauerhaft an deren Folgen – ein Patient berichtet über seine Erfahrungen. Wir bitten um verbindliche Anmeldung unter: presse(at)charite.de.

  • Neue KV-Notdienstpraxis: Weitere Kooperation zwischen Charité und KV Berlin - 17-02-2020
    GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG VON CHARITÉ UND KV BERLIN Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin ist seit letztem Freitag mit ihrer inzwischen fünften KV-Notdienstpraxis für Erwachsene auch am Campus Benjamin Franklin der Charité – Universitätsmedizin Berlin vertreten. Ab sofort können Patientinnen und Patienten mit dringenden Erkrankungen außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten, freitags von 15 bis 21 Uhr und an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 9 bis 21 Uhr, in der KV-Notdienstpraxis ambulant ärztlich versorgt werden. Die Patientinnen und Patienten werden an einem gemeinsamen Tresen der KV Berlin und der Charité von medizinischem Fachpersonal ersteingeschätzt. Dadurch erfolgt die Zuordnung einer Behandlung in der KV-Notdienstpraxis oder Zentralen Notaufnahme. „Die neue KV-Notdienstpraxis ist bereits die zweite Kooperation zwischen der KV Berlin und der Charité“, sagte der stellvertretende KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Burkhard Ruppert während der heutigen Pressekonferenz. Bereits seit November 2018 gibt es eine KV-Notdienstpraxis für Kinder und Jugendliche am Charité Campus Virchow-Klinikum. „Wir freuen uns, diese erfolgreiche Zusammenarbeit jetzt mit einer Notdienstpraxis für Erwachsene weiter auszubauen und sind zuversichtlich, dass unsere niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte auch am Campus Benjamin Franklin zur Entlastung der Notaufnahme beitragen werden“, so Ruppert. Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité, erklärte: „Damit jeder Patient genau die medizinische Versorgung bekommt, die er braucht, ist es sinnvoll, die ambulanten und stationären Strukturen gut miteinander zu vernetzen. Mit der Kooperation stärken wir die Zusammenarbeit zwischen der Charité und den niedergelassenen Kollegen.“ Er fügte hinzu: „Die KV-Notdienstpraxis ist direkt in der Zentralen Notaufnahme angesiedelt und wir erhoffen uns eine spürbare Unterstützung für die Zentrale Notaufnahme und insgesamt eine Verkürzung der Wartezeiten für alle Patientinnen und Patienten.“ Prof. Dr. Rajan Somasundaram, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Charité Campus Benjamin Franklin, ergänzte: „Die Patientinnen und Patienten wissen häufig nicht, wohin sie sich im ambulanten Notfall außerhalb der Praxisöffnungszeiten wenden können und kommen zu uns in die Notaufnahme. Die Kooperation ermöglicht es, den Patienten ein umfassendes Angebot aus ambulanter Notdienstpraxis und unserer Notaufnahme anzubieten.“ Mit der neuen KV-Notdienstpraxis am Charité Campus Benjamin Franklin betreibt die KV Berlin nun insgesamt fünf Notdienstpraxen für Erwachsene und vier für Kinder und Jugendliche. Im Sommer werden zwei weitere – je eine für Erwachsene und eine für Kinder und Jugendliche – am Vivantes Klinikum Neukölln ihren Betrieb aufnehmen.

  • Teilnehmerinnen gesucht: Bewegungsprogramm für Patientinnen mit Brustkrebs - 11-02-2020
    Welchen Einfluss hat Bewegung auf die Lebensqualität von Patientinnen mit Brustkrebs? Das untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und bieten Frauen, die derzeit eine Chemo- und/oder Strahlentherapie erhalten, ein zwölfwöchiges ausdauerbasiertes Walking-Programm an. Die Behandlung von Brustkrebs mit einer Chemo- oder Strahlentherapie führt bei der Mehrzahl der betroffenen Frauen zu einer großen Einschränkung der Lebensqualität. Diese äußert sich häufig in Form des sogenannten tumorspezifischen Fatigue-Syndroms. Die Betroffenen fühlen sich in ihrer Leistungsfähigkeit durch Erschöpfung, Schwäche sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen eingeschränkt. Zudem leiden sie häufig unter Depressivitäts-, Ängstlichkeits- und Stresssymptomen. Doch wie lassen sich diese Symptome durch sportliche Aktivität verringern? „Nach den positiven Erfahrungen der Pilotstudie haben wir unser Bewegungsprogramm weiterentwickelt, das den Patientinnen helfen soll, die Lebensqualität während einer onkologischen Therapie zu erhalten und zu verbessern“, sagt Studienleiter Yves Steininger. Das Walking-Programm wird drei Mal pro Woche für jeweils 60 Minuten durchgeführt – einmal wöchentlich unter Anleitung in der Gruppe im Volkspark Friedrichshain und an zwei weiteren Tagen selbstständig. Die Studie der Charité wird in Zusammenarbeit mit dem Sana Klinikum Lichtenberg, der Park-Klinik Weißensee sowie dem Vivantes Klinikum Am Urban durchgeführt. Für die Studie gibt es drei Untersuchungsgruppen: eine Walking-Gruppe, eine Walking-Gruppe mit zusätzlichen Audio-Anleitungen zu Achtsamkeit und Selbstmitgefühl sowie eine Kontrollgruppe. Die Zuteilung erfolgt per Zufallsprinzip, ein Einstieg ist jederzeit fortlaufend alle vier bis sechs Wochen möglich. Frauen, die zunächst der Kontrollgruppe zugeteilt wurden, bekommen nach den 16 Wochen die Möglichkeit, an einer der beiden aktiven Interventionsgruppen teilzunehmen. Die Studienteilnehmerinnen werden über die gesamte Studiendauer persönlich begleitet. Die Teilnahme ist kostenfrei, Interessierte können sich per E-Mail walking-studie(at)charite.de an die Studienkoordination wenden.

  • Massenspektrometrie für die Präzisionsmedizin: Berliner Spitzenforschung bündelt Expertise - 10-02-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des MDC Forschungsgruppen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) bündeln mit weiteren Berliner Partnern ihre herausragende Expertise in der Massenspektrometrie zu einem Forschungskern. Ziel des Konsortiums MSTARS ist es, die Technologie für den Einsatz in der Patientenversorgung weiterzuentwickeln und für die Analyse der Therapieresistenz zu nutzen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben für mindestens drei Jahre mit insgesamt rund 5,7 Millionen Euro. Viele Jahre lang galt die umfassende Analyse von Genen als Methode der Wahl, um komplexe Krankheiten wie Krebs besser zu verstehen und Patientinnen und Patienten immer individueller behandeln zu können. Der Ansatz zeigte Erfolg und mündete in zahlreichen neuen gezielten Behandlungsformen. „Man wusste jedoch schon sehr früh, dass der Verlauf einer Krankheit nicht nur von den Genen allein bestimmt wird“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Direktor des Charité Comprehensive Cancer Centers (CCCC) und einer der vier gleichberechtigten Koordinatoren des Projekts. „Stattdessen kommt es oft darauf an, in welchem Umfang diese Gene in Proteine übersetzt werden, wie die Proteine miteinander interagieren oder wie genau der Stoffwechsel bei der Erkrankung abläuft. Die Massenspektrometrie ermöglicht es, schnell und umfassend Biomoleküle zu identifizieren und zu quantifizieren. Diese Technologie werden wir deshalb nutzen, um das Zusammenspiel krankheitsrelevanter Zellkomponenten besser zu verstehen und dadurch die Präzisionsmedizin, also die individuelle Behandlung von Patientinnen und Patienten, weiter zu verbessern.“ Die drei weiteren Koordinatoren des MSTARS-Konsortiums sind Prof. Dr. Matthias Selbach, Leiter der Gruppe Proteom-Dynamik am MDC, Prof. Dr. Markus Ralser, Leiter des Instituts für Biochemie der Charité, sowie Prof. Dr. Frederick Klauschen vom Institut für Pathologie der Charité. Wissenschaftliche Partner des Projekts sind zahlreiche weitere Experten aus Charité und MDC sowie dem Berlin Institute of Health (BIH), der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik. „Mit der Gründung des neuen Forschungskerns vereinigen wir die Berliner Expertise im Bereich Massenspektrometrie, Patientenversorgung und Datenanalyse unter einem Dach“, sagt Prof. Selbach. „Indem wir das erstklassige Fachwissen der unterschiedlichen Institutionen und Disziplinen mit der breiten klinischen Expertise der Charité zusammenbringen, werden wir die Technologie der Massenspektrometrie weiterentwickeln und für die klinische Praxis nutzen können.“ „Ein wesentliches Ziel dabei ist es, massenspektrometrische Methoden noch robuster und reproduzierbarer zu machen“, ergänzt Prof. Ralser. „Um mit der Technologie die Patientenversorgung verbessern zu können, müssen wir außerdem in der Lage sein, große Probenmengen in kurzer Zeit zu analysieren. Dazu werden wir Kapazitäten aufbauen und standardisierte Arbeitsabläufe von der Probengewinnung bis zum Datenmanagement etablieren.“ Die Infrastruktur, die das Konsortium aufbauen wird, eignet sich grundsätzlich für die Analyse verschiedenster Krankheiten. Als erstes Anwendungsbeispiel werden sich die Forschungsgruppen auf die Untersuchung der Therapieresistenz bei Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen fokussieren. „Für diese Tumorerkrankungen gibt es moderne Behandlungsstrategien, die auf bestimmte genetische Fehlfunktionen in dem Krebsgewebe des jeweiligen Patienten abzielen“, erklärt Prof. Klauschen. „Aus bisher ungeklärten Gründen funktionieren diese Therapien bei einigen Patienten sehr gut, während sie bei anderen Personen mit derselben genetischen Ausstattung aber keine Wirkung zeigen. Wir möchten die Gewebeproben per Massenspektrometrie untersuchen, um diese Patientengruppen auseinanderzuhalten und so die Entscheidung für oder gegen eine solche Therapie im individuellen Fall zu vereinfachen.“ Dafür ist die Analyse großer Datenmengen nötig, für die auch Methoden der künstlichen Intelligenz zum Einsatz kommen. Gefördert wird das Projekt MSTARS (Multimodal Clinical Mass Spectrometry to Target Treatment Resistance) vom BMBF im Rahmen der Fördermaßnahme „Forschungskerne für Massenspektrometrie in der Systemmedizin“. MSTARS ist einer von vier Forschungskernen, die das BMBF ausgewählt hat. Weitere Forschungskerne entstehen in Heidelberg, Mainz und München. Bewilligt wurden die Mittel für zunächst drei Jahre. Nach zweieinhalb Jahren werden die geförderten Projekte einer Zwischenbegutachtung unterzogen, die über die Förderung für weitere drei Jahre entscheidet. Projektstart ist der 1. März 2020.

  • Neue Ebolavirus-Varianten schneller erkennen und bekämpfen - 06-02-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung des DZIF und der Charité Die Situation ist außergewöhnlich: Nur vier Mal wurde bisher ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen, nun bestehen zwei zur gleichen Zeit. Während die Gefährlichkeit des neuen Coronavirus noch unklar ist, kämpfen die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo weiter mit einem seit 2018 andauernden Ebolavirus-Ausbruch, der bereits über 2.000 Tote verursacht hat. Ein Problem ist die genaue Kenntnis des Erregers, denn das Ebolavirus kann wie so viele Viren in verschiedenen genetischen Varianten auftreten. Erst die Analyse seines Erbguts macht es möglich, spezifische Nachweisverfahren zu entwickeln und effiziente Maßnahmen zur Eindämmung zu beschließen. Ein Team des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat nun einen Test entwickelt, der eine schnellere Bestimmung des viralen Erbguts ermöglicht. Ebola-Ausbrüche gibt es seit vielen Jahren, seit 2013 waren mindestens acht Länder betroffen und über 30.000 Menschen sind infiziert worden. Der Ursprung dieser Ausbrüche ist oft unklar, zudem sind sie von verschiedenen Ebolavirus-Varianten verursacht worden. „Momentan vergehen oft Monate, bis das Erbgut des Ebolavirus aus einem Ausbruch charakterisiert ist und man genau weiß, welche Variante den Ausbruch ausgelöst hat“, erklärt Prof. Dr. Jan Felix Drexler, Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und an der Charité. „Diese Kenntnis ist aber entscheidend, um spezifische Nachweisverfahren zu entwickeln, Infektionsketten zu erkennen und eine Epidemie erfolgreich einzudämmen.“ Die Wissenschaftler um Prof. Drexler konnten nun einen Test entwickeln, der das Erbgut neu auftretender Ebolaviren beschreibt und dabei in einem Durchgang die verschiedenen genetischen Varianten erkennt. Der Test basiert auf der gängigen Polymerase-Kettenreaktion (PCR), mit der das Erbgut so vervielfältigt wird, dass eine genaue Sequenzierung möglich ist. Der neue Test ist mit verschiedenen technischen Verfahren zur Hoch-Durchsatz-Sequenzierung kompatibel. Er wurde mit vier verschiedenen Ebolavirus-Stämmen überprüft. „Insbesondere wenn verschiedene Regionen und Länder von derartigen Ausbrüchen betroffen sind, ist es notwendig zu ermitteln, ob es sich um die Ausbreitung einer bestimmten Virusvariante handelt oder um einen neuen Ausbruch“, erklärt der Virologe. Genau das lässt sich mit dem neuen Test nun in einem Durchgang bestimmen. „Sowohl im Kongo als auch in weiteren Ausbrüchen können wir nun vielleicht den Auslöser schneller identifizieren und entsprechende wirksame Maßnahmen ergreifen, die zum Ende des Ausbruchs führen“, sagt der Wissenschaftler. An der aktuellen Studie im Rahmen der DZIF-Arbeitsgruppe „Virusnachweis und Pandemieprävention“ sind neben den Wissenschaftlern der Charité auch die Marburger DZIF-Wissenschaftler beteiligt, die ein Hochsicherheitslabor zur Verfügung haben und für die Forschung mit hochansteckenden Viren gerüstet sind. Die Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit der schnell einsetzbaren Expertengruppe Gesundheit (SEEG) der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) umgesetzt und neben dem DZIF noch von der EU und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt. Die Etablierung der Methode in den weltweiten Partnerlaboren der GIZ wird bereits geprüft.

  • „Single Cells go Clinical“ – BIH, MDC und Charité gründen neuen Forschungsbereich - 05-02-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung von Charité, BIH und MDC Gleich drei Berliner Forschungseinrichtungen – das Berlin Institute of Health (BIH), das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und die Charité – Universitätsmedizin Berlin – starten eine gemeinsame Forschungsinitiative. Ziel ist es, innovative Einzelzelltechnologien für klinische Fragestellungen zu nutzen. 2018 waren sie der „Durchbruch des Jahres“: Das Wissenschaftsmagazin Science kürte die neuen Techniken, mit denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einzelne Körperzellen analysieren können, zur wichtigsten Errungenschaft. Erstmals war es möglich, ganze Organe, Tumoren oder gar ganze Insektenlarven in einzelne Zellen zu zerlegen, ihre Genaktivität zu messen und mithilfe von Hochleistungsrechnern und künstlicher Intelligenz die Einzelzellanalysen wieder zum ganzen Organ oder Organismus zusammen zu setzen. Arbeiten aus dem BIMSB waren mit verantwortlich für diesen „Durchbruch des Jahres“. „Das ist so, als ob wir ein Supermikroskop erfunden hätten, mit dem wir plötzlich in jede Zelle in einem Gewebe hineinschauen könnten, in alle Zellen gleichzeitig, und sehen könnten, was molekular in der Zelle vor sich geht – zum Beispiel wann und warum sie krank wird“, sagt Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky, Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und Sprecher des neuen BIH-Forschungsfokus „Einzelzelltechnologien für die Personalisierte Medizin“. Den Kern des neuen Forschungsfokus bilden drei neue, international berufene Nachwuchsforschungsgruppen. Sie werden verschiedene Krankheiten auf der Ebene einzelner Zellen erforschen, um diese systematisch auf molekularer Ebene zu charakterisieren und neue Methoden zu entwickeln, mit denen diese Krankheiten besser diagnostiziert und behandelt werden können. Die Nachwuchsgruppen werden am BIMSB und damit in unmittelbarer Nähe zum Campus Charité Mitte angesiedelt sein. Im BIMSB haben sie Zugang zu neuesten Einzelzellmethoden und systembiologischer Expertise. Gleichzeitig wird jede Nachwuchsgruppe eng mit einer Klinikerin oder einem Kliniker der Charité zusammenarbeiten, damit Einzelzelltechnologien für konkrete medizinische Fragestellungen und den klinischen Einsatz etabliert werden können. „Deswegen betrachte ich diese Initiative als den Beginn eines “Cell Hospitals”, in dem die Grundlagenforschung des MDC/BIMSB, die klinische Forschung an der Charité und die translationale Forschung des BIH zusammenkommen. Nicht nur, um die Mechanismen zu verstehen, warum Zellen krank werden, sondern auch, um diese Zellen so frühzeitig zu entdecken, dass man sie wieder auf den Pfad des Gesunden zurückbringen kann, bevor die Krankheiten so dramatisch werden, dass man sie nur sehr schwierig oder invasiv und teuer behandeln kann”, erklärt Prof. Rajewsky. Zwölf Bewerberinnen und Bewerber für die Leitung einer Nachwuchsgruppe wurden nach einem hochkompetitiven Bewerbungsverfahren zu einem öffentlichen Symposium am Donnerstag, den 6. Februar nach Berlin eingeladen, um ihre bisherige wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Einzelzellbiologie und ihre Ideen für deren Einsatz in der Klinik vorzustellen. Die eingeladenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen aus weltweit führenden Instituten in den USA, Israel, Schweden, England, der Schweiz und Deutschland. Zum Auswahlgremium gehören Arbeitsgruppenleiter am BIMSB sowie Klinikdirektorinnen und Klinikdirektoren der Charité, die Interesse am neuen Fokusbereich bekundet haben. Darunter sind Vertreterinnen und Vertreter der Onkologie, der Neurologie, der Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Seltenen Erkrankungen. Prof. Dr. Axel R. Pries, Dekan der Charité und Vorstandsvorsitzender (interim) des BIH erklärt: „Zu den Auswahlkriterien gehören neben der wissenschaftlichen Exzellenz unter anderem auch die Passfähigkeit zu einem Klinikbereich sowie das Potenzial, die Forschungsergebnisse tatsächlich in die klinische Anwendung zu übertragen. Wir sind gespannt auf das Symposium und freuen uns auf die gemeinsame Forschungsinitiative.“ Das Auswahl-Symposium stellt den wissenschaftlichen Auftakt für die Arbeit des neuen Forschungsfokus „Einzelzelltechnologien für die Personalisierte Medizin“ von BIH und MDC dar. Prof. Rajewsky blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Ich bin mir sicher, dass wir natürlich nicht für alle, aber für einige Krankheiten richtig signifikante Fortschritte machen werden. Der neue Forschungsfokus ermöglicht einen Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und der Klinik und damit die Translation, der durch die unmittelbare Nähe von BIMSB/ MDC, Charité und BIH viel Innovation und langfristig Fortschritt für die Patientinnen und Patienten ermöglichen wird.“

  • Neuartiges Coronavirus: Nachweis infektiöser Viren im Nasen-Rachen-Raum bei Personen mit schwachen Symptomen - 04-02-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité, der München Klinik Schwabing und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr Untersuchungen der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr und der München Klinik Schwabing belegen, dass einige der derzeit in der München Klinik Schwabing behandelten Patientinnen und Patienten mit Coronavirus-Infektion auch bei geringgradiger Symptomatik infektiöse Viren in ihrem Nasen-Rachen-Raum aufweisen. Die Forschungsgruppen schließen daraus, dass auch Infizierte mit schwachen Symptomen das Virus übertragen können. Das Institut für Virologie der Charité und das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr unterstützen seit dem Auftreten des ersten deutschen 2019-nCoV-Krankheitsfalls die Diagnostik dieser neuen Virusinfektion. Im Rahmen von Kontrolluntersuchungen überprüfen beide Labore regelmäßig und unabhängig voneinander die Virusausscheidungen bei den in der München Klinik Schwabing betreuten Patienten. Bei diesen Untersuchungen wurde in mehreren Fällen festgestellt, dass infektiöses Virus aus dem Nasen-Rachen-Raum von nur gering symptomatischen Patienten in Zellkulturen angezüchtet werden kann. Die Krankheitszeichen der untersuchten Patienten ähnelten dabei eher einer harmlosen Erkältungskrankheit als einer schwerwiegenden Lungenentzündung. Gleichzeitig fanden beide Labore Hinweise darauf, dass sich das neuartige Coronavirus bei den betroffenen Patienten unabhängig von der Lunge auch im Nasen-Rachen-Raum und im Verdauungstrakt vermehrt. Diese Beobachtungen sind deutliche Hinweise für eine Übertragbarkeit des Virus bereits bei milder oder beginnender Erkältungssymptomatik (Halsschmerz, Zeichen einer akuten Nasennebenhöhlen-Infektion, leichtes allgemeines Krankheitsgefühl ohne Fieber). Geleitet wurden die Untersuchungen von Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie am Campus Charité Mitte, Oberstarzt PD Dr. Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr sowie Prof. Dr. Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing.

  • E-Scooter: Charité veröffentlicht erste Ergebnisse zu Unfallursachen und Verletzungsmustern - 31-01-2020
    Mit dem Smartphone den Code scannen, mit dem Fuß anschieben, Gas geben und los: E‑Scooter erfreuen sich einer großen Beliebtheit in deutschen Großstädten. Sie sind leicht zugänglich, schnell und verleiten oft auch zu einem riskanten Fahrstil, sodass seit ihrer Einführung vermehrt Unfälle zu beobachten sind. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat die Gründe dafür analysiert und die Arten der Verletzungen untersucht. Die ersten Ergebnisse der Fallserie sind in der Fachzeitschrift Notfall + Rettungsmedizin* veröffentlicht. Im Berliner Stadtzentrum sind seit Mitte Juni letzten Jahres über 3.000 E-Scooter unterwegs. Bei den auch als elektrische Tretroller bekannten Fahrzeugen besteht derzeit keine Helmpflicht und ihre Benutzung ist bereits ab dem 14. Lebensjahr zugelassen. Da sie eine Geschwindigkeit von bis zu 20 Kilometer pro Stunde erreichen können, sind sie ausschließlich auf Straßen und Radwegen erlaubt. Doch worin liegen die größten Gefahren des Trendvehikels? Das Team um Prof. Dr. Martin Möckel, Ärztlicher Leiter Notfall- und Akutmedizin am Campus Charité Mitte und am Campus Virchow-Klinikum, untersuchte im Zeitraum von einem Monat alle Patienten, die nach E-Scooter-Unfällen in den Zentralen Notaufnahmen der Charité am Campus Charité Mitte und am Campus Virchow-Klinikum behandelt wurden. Dabei stellten sich die Patienten entweder selbstständig vor oder wurden mit dem Rettungsdienst eingeliefert. Die Untersuchungsergebnisse und die therapeutischen Maßnahmen wurden standardmäßig dokumentiert. Darüber hinaus wurden allen Verletzten Fragebögen ausgehändigt, in denen demografische Angaben, Erfahrung im Straßenverkehr sowie Führerscheinbesitz und Fahrverhalten abgefragt wurden. Die Expertinnen und Experten untersuchten im Monat Juli insgesamt 24 Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 12 und 62 Jahren. Sie stellten fest, dass über die Hälfte männlich waren. 14 Patienten waren jünger als 30 Jahre, 4 von ihnen waren unter 18. 10 Patienten gaben an, ihren Wohnsitz in Berlin zu haben, die anderen waren Touristen. Von den Untersuchten hatten weniger als die Hälfte einen Führerschein, rund ein Drittel hatte zuvor mindestens einmal einen E‑Scooter genutzt. Die Befragung ergab, dass die Unfallursachen häufig Unachtsamkeit, Verstöße gegen die Verkehrsregeln und Geschäftsbedingungen, aber auch eine eingeschränkte Verkehrstauglichkeit waren. Prof. Möckel zu den Ergebnissen: „Unsere Untersuchungen zeigen, dass das Fahren von E‑Scootern im Großstadtverkehr hinsichtlich der Häufigkeit und Schwere der Verletzungen mit dem Fahrradfahren mindestens vergleichbar ist.“ Die Erhebung verdeutlicht, dass zu den fahrzeugtypischen Verletzungen beispielsweise Risswunden am oberen Sprunggelenk, Frakturen der oberen Extremitäten und Kopfverletzungen gehören. So erlitten über 54 Prozent der Patienten Kopfverletzungen. Dabei handelte es sich meist um leichte Prellungen mit Schürfwunden. Vier der 24 Patienten wiesen leichte Schädel-Hirn-Traumata auf. Die gehäuften Weichteilverletzungen an den unteren Extremitäten im Bereich des oberen Sprunggelenks wurden durch das unachtsame Antreten des E‑Scooters verursacht. „Mit unserer ersten Fallserie wollten wir zeigen, was die für E‑Scooter typischen Verletzungsmuster sind, mit denen insbesondere Notärzte, Notfallmediziner und Chirurgen zukünftig konfrontiert sind“, fügt Prof. Möckel hinzu. Derzeit wird eine prospektive Fall-Kohorten-Studie an der Charité und am Bundeswehrkrankenhaus Berlin zur genaueren Analyse von Verletzungsmustern und deren Konsequenzen durchgeführt.

  • Neuer Ansatz für MERS-Therapie entdeckt - 29-01-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des DZIF Das im Jahr 2012 entdeckte MERS-Coronavirus kann eine schwere Lungenentzündung auslösen, die häufig tödlich verläuft. Eine wirksame Therapie gibt es bislang nicht. Jetzt haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin einen zelleigenen Recycling-Mechanismus, die Autophagie, als neuen Angriffspunkt für die Bekämpfung des Virus identifiziert. Autophagie-fördernde Wirkstoffe, darunter auch zugelassene Medikamente, konnten die Vermehrung des Virus in Zellen stark reduzieren. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Nature Communications* erschienen. Eine Infektion mit dem MERS-Erreger kann eine grippeähnliche Erkrankung verursachen („Middle East respiratory syndrome“), die häufig mit einer gefährlichen Lungenentzündung einhergeht. Seit der Entdeckung des Virus im Jahr 2012 wurden der Weltgesundheitsorganisation rund 2.500 MERS-Fälle in 27 Ländern gemeldet; etwa ein Drittel der Infizierten starben. Unter Co-Leitung von Privatdozent Dr. Marcel Müller vom Institut für Virologie am Campus Charité Mitte haben Forschende jetzt herausgefunden, dass das MERS-Virus den zellulären Prozess der Autophagie drosseln muss, um sich zu vermehren. Auf Basis dieser Erkenntnis identifizierte das Team Wirkstoffe, die die Autophagie ankurbeln und damit das Viruswachstum in den Zellen deutlich hemmen. Unter Autophagie versteht man einen körpereigenen Recycling-Mechanismus, den Zellen nutzen, um beschädigtes Material und Abfallprodukte abzubauen. Die übrigbleibenden Bausteine stehen dann wieder für den Aufbau neuer Zellstrukturen zur Verfügung. Auch Bestandteile von Krankheitserregern wie Viren werden durch diesen Prozess der „Selbstverdauung“ als Abfallprodukte erkannt und entsorgt. Eine Reihe von Viren hat verschiedene Strategien entwickelt, um dem Abbau zu entgehen. Das Team um Privatdozent Dr. Müller untersuchte daher, ob auch das MERS-Virus auf den Autophagie-Mechanismus Einfluss nimmt. Dazu infizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen Zellen mit dem Erreger. Tatsächlich konnten sie beobachten, dass der Recycling-Prozess in MERS-infizierten Zellen gestört war. „Dieses Ergebnis war ein deutlicher Hinweis darauf, dass der MERS-Erreger von einer Abschwächung des zellulären Recyclings profitiert“, erklärt Privatdozent Dr. Müller. Dem Forschungsteam gelang es zusätzlich, einen bisher unbekannten molekularen Schalter zu identifizieren, der den Ablauf der Autophagie regelt: das Protein SKP2. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler feststellten, aktiviert das MERS-Virus diesen molekularen Schalter, um die Recycling-Maschinerie zu drosseln und so dem eigenen Abbau zu entgehen. Diese Erkenntnisse nutzte die Arbeitsgruppe. Sie behandelte MERS-infizierte Zellen mit verschiedenen SKP2-Hemmern, um den Entsorgungsprozess anzukurbeln. Die Strategie zeigte Erfolg: Die Autophagie-fördernden Wirkstoffe reduzierten die Vermehrung des Virus um das bis zu 28.000-Fache**. Unter den getesteten Substanzen waren auch bereits zugelassene Wirkstoffe, wie das gegen Bandwurmerkrankungen eingesetzte Niclosamid, das ebenfalls als SKP2-Hemmer identifiziert wurde. Auch Niclosamid war in der Lage, die Vermehrung des MERS-Erregers in den Zellen deutlich zu verringern. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass SKP2 ein vielversprechender Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen das MERS-Virus – und möglicherweise auch gegen andere Autophagie-abhängige Viren – ist", erläutert Privatdozent Dr. Müller. Da SKP2-Hemmer nicht das Virus direkt angreifen, rechnet er bei ihrem Einsatz mit einer geringeren Gefahr der Resistenzbildung. „Für den Einsatz von SKP2-Hemmern als Medikamente fehlen allerdings noch Tests im Organismus. Außerdem ist eine klare Risiko-Nutzen-Abwägung nötig, da auch bereits zugelassene Medikamente Nebenwirkungen haben können“, sagt der Virologe. Zusätzlich werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler testen, ob SKP2-Hemmer auch gegen verwandte Coronaviren wie das SARS-Virus oder das in China derzeit zirkulierende Virus (2019-nCoV) aktiv sind.

  • Telemedizinische Mitbetreuung von Herzpatienten – Von der Forschung in die medizinische Versorgung - 23-01-2020
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die BARMER starten jetzt eine Kooperation zur telemedizinischen Mitbetreuung von Patienten mit chronischer Herzschwäche in der integrierten Versorgung. Das Konzept baut auf den positiven Ergebnissen der Fontane-Studie* der Charité auf, die erstmals nachgewiesen hatte, dass Telemedizin das Leben von Herzpatienten verlängern kann. Rund 2,5 Millionen Deutsche leiden an einer chronischen Herzinsuffizienz, jährlich kommen rund 300.000 Neuerkrankungen hinzu. In den vergangenen zehn Jahren war sie die häufigste Ursache für stationäre Aufnahmen. Die Fontane-Studie hatte gezeigt, dass Telemedizin hilft, Krankenhausaufenthalte zu reduzieren und Unterschiede in der Versorgung von Herzinsuffizienz-Patienten im ländlichen Raum und in Metropolregionen auszugleichen. Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesministerium für Bildung und Forschung: „Die Ergebnisse der vom Bundesforschungsministerium finanzierten Telemedizin-Studie Fontane zeigen: Telemedizin wirkt. Mehr noch: die Effekte bleiben. Das heißt Patientinnen und Patienten profitieren langfristig von der Telemedizin, und das ganz unabhängig davon, ob sie auf dem Land oder in der Stadt wohnen. Deshalb werden wir als Bundesforschungsministerium uns auch weiterhin zugunsten der Telemedizin engagieren und Forschung und Innovationen für die digitale Gesundheitsversorgung unterstützen.“ Zur telemedizinischen Versorgung erhalten die Patienten vier Messgeräte: ein Elektrokardiogramm (EKG), ein Blutdruckmessgerät, eine Waage sowie ein Tablet zur Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands. Die Technik ist leicht zu bedienen und alltagspraktikabel. Zudem werden die Patienten im Umgang mit den Geräten und ihrer Erkrankung durch speziell ausgebildete Pflegefachkräfte der Charité geschult. Über das Tablet werden die Vitalwerte via Mobilfunk automatisch an das Telemedizinzentrum der Charité übertragen. Ärzte und Pflegekräfte bewerten die übertragenen Messwerte 24 Stunden täglich an 7 Tagen in der Woche und reagieren bei einer Verschlechterung der Werte. So werden beispielsweise die Medikationen angepasst, Empfehlungen für einen ambulanten Arztbesuch oder eine Krankenhauseinweisung gegeben. Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité: „Die telemedizinische Mitbetreuung von Patientinnen und Patienten ist ein erfolgreiches Beispiel für den Nutzen von digitaler Medizin. Gleichzeitig wird dadurch die Verbindung ambulanter Versorgung und Einrichtungen der Maximalversorgung gestärkt. Damit trägt Telemedizin dazu bei, die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern – und das unabhängig vom Wohnort. Wir sind stolz, an der Charité das Konzept der telemedizinischen Mitbetreuung von Herzinsuffizienz-Patienten von der erfolgreichen Forschung konsequent für die medizinische Versorgung weiterzuentwickeln. Die Charité hat deshalb einen Arbeitsbereich Kardiovaskuläre Telemedizin eingerichtet. Für die Zukunft hoffen wir, dass wir diese Versorgungsmöglichkeit allen Patientinnen und Patienten zugutekommen lassen können.“ Die Charité und die BARMER arbeiten seit 2005 eng bei der telemedizinischen Forschung von Patienten mit Herzinsuffizienz zusammen. Sie haben zunächst im Projekt „Partnership for the Heart“ (gefördert vom damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie), gemeinsam mit den Konsortialpartnern, wichtige wissenschaftliche und technische Grundlagen für das anschließende Fontane-Projekt gelegt. Die Zusammenarbeit mit der BARMER wurde 2010 im Projekt „Gesundheitsregion der Zukunft Nordbrandenburg – Fontane“ und in der Fontane-Studie fortgesetzt. Die jetzige Kooperation ist ein Vertrag zur besonderen Versorgung nach §140a Sozialgesetzbuch V. Dr. Mani Rafii, Vorstandsmitglied der BARMER: „Die Digitalisierung ist ein Megathema im Gesundheitswesen. Ein ganz wesentliches Element davon ist die Telemedizin. Die Partnerschaft mit der Charité ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie digitale Angebote bereits heute die Versorgung verbessern können. Die Telemedizin wird die enge Mitbetreuung von Herzinsuffizienz-Patienten durch den behandelnden Arzt vor Ort nicht ersetzen, sie kann aber einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Versorgungslücken zu schließen, allem voran in ländlichen Regionen.“ Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Wissenschaftliche Leiterin des CharitéCentrums für Human- und Gesundheitswissenschaft sowie Sprecherin der „Plattform – Charité Versorgungsforschung“: „Die Charité hat in den letzten Jahren ihr Wissenschaftsprofil um den Bereich Versorgungsforschung ergänzt und gestärkt. Ein besonderes Profil der Charité in der Versorgungsforschung bildet die digitale Medizin. Mit der jetzt startenden regulären telemedizinischen Mitbetreuung haben wir ein Vorzeigeprojekt für die Translation wissenschaftlicher Studienergebnisse in die Versorgungspraxis. Erfolgreiche Versorgungsforschung ist nur in einer engen Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten vor Ort und den Kostenträgern möglich. Wir sind zuversichtlich, dass die gelungene Zusammenarbeit beispielgebend für andere Felder der Versorgungsforschung sein wird.“ Prof. Dr. Friedrich Köhler, Leiter der Kardiovaskulären Telemedizin und Studienleiter Fontane: „Wir sind sehr stolz, dass wir in weniger als anderthalb Jahren nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der Fontane-Studie dieses Versorgungskonzept nun den BARMER-Versicherten anbieten können. Dies ist ein großer Erfolg unserer 15-jährigen Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. Dabei haben die Einhaltung des Datenschutzes sowie die datenschutzkonforme Verarbeitung der Daten höchste Priorität, um zu jedem Zeitpunkt die Datenschutzgrundsätze zu gewährleisten und die Rechte der Personen zu schützen.“ Zwischen dem Kardiovaskulären Telemedizinzentrum der Charité und den regulär betreuenden Haus- und Fachärzten der Patienten gibt es eine feste Kooperation, die sowohl bei Veränderungen als auch bei regulären ambulanten Vorstellungen über den medizinischen Verlauf des Patienten durch das Telemedizinzentrum informiert werden. Dr. Anke Schwerecke, Fachärztin für Innere Medizin und Hausärztin, Templin: „Telemedizin für herzinsuffiziente Patienten bedeutet eine bessere Lebensqualität sowie mehr Sicherheit für die Patientinnen und Patienten auch im ländlichen Raum. Die Patienten werden so besonders in der kritischen Phase nach einem stationären Aufenthalt und außerhalb der Sprechzeiten ihrer niedergelassenen Ärzte fachärztlich mitbetreut. Die Versorgung durch den primär betreuenden Arzt vor Ort bleibt aber auch für telemedizinisch mitbetreute Patienten der Schlüssel für gute Versorgung vor Ort, die durch Telemedizin ergänzt, aber nicht ersetzt wird.“  

  • Erster Test für das neuartige Coronavirus in China entwickelt - 16-01-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des DZIF Ein Team des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat ein Nachweisverfahren für das derzeit in China kursierende Coronavirus entwickelt. Die WHO hat das Testprotokoll jetzt als bisher ersten diagnostischen Leitfaden veröffentlicht. Verdachtsfälle können nun schnell auf das Virus untersucht werden. Das Coronavirus, das in der chinesischen Metropole Wuhan aufgetreten ist und schwere Lungenentzündungen hervorgerufen hat, kann nun im Labor nachgewiesen werden. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie am Campus Charité Mitte, hat im Rahmen ihrer Tätigkeit im DZIF den weltweit ersten Diagnostiktest entwickelt und zur Verfügung gestellt. Die WHO hat das Testprotokoll als ersten Leitfaden für Labore online veröffentlicht. Derzeit führt ein internationales Konsortium eine Einführungserprobung des Tests durch. „Ich gehe davon aus, dass die breite Verfügbarkeit des Diagnostiktests nun in kurzer Zeit helfen wird, Verdachtsfälle zweifelsfrei aufzuklären und zu bestimmen, ob eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des neuen Virus möglich ist“, erklärt Prof. Drosten. „Damit ist ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des neuen Virus getan.“

  • Kostenfreier Eintritt im Berliner Medizinhistorischen Museum - 15-01-2020
    Das Berliner Medizinhistorische Museum (BMM) der Charité wird ab Februar mit einer substanziellen Baumaßnahme fit für die Zukunft gemacht. Vor dem Start der Modernisierungsmaßnahme lädt das BMM vom 30. Januar bis zum 2. Februar zu einer viertägigen Finissage mit verlängerten Öffnungszeiten und kostenfreiem Eintritt ein. Ab 3. Februar schließt das 1899 eröffnete Museum dann vorübergehend bis voraussichtlich Ende 2021. Das BMM ist an allen vier Tagen von 10.00 bis 22.00 Uhr geöffnet und die Besucherinnen und Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Programm. Konzentriert und fokussiert gibt es einstündige Führungen durch die Sonderausstellung „Auf Messers Schneide. Der Chirurg Ferdinand Sauerbruch zwischen Medizin und Mythos“ und die Dauerausstellung „Dem Leben auf der Spur“. Ein 3D-gedrucktes Architekturmodell des BMM und Pläne zum Umbau in der Hörsaalruine veranschaulichen das Bauprojekt. „Seit der Eröffnung des Museums sind inzwischen 120 Jahre vergangen und wir freuen uns umso mehr, dass unser Medizinhistorisches Museum jetzt grundlegend modernisiert und ausgebaut wird. So sind wir gut gerüstet für das 21. Jahrhundert“, erklärt Prof. Dr. Thomas Schnalke, Direktor des BMM. Er fügt hinzu: „Mit der kostenfreien Finissage wollen wir uns von unseren Besucherinnen und Besuchern gebührend in die Umbauphase verabschieden.“ Programm zum Museumsfinale Das BMM ist von Donnerstag, den 30. Januar bis Sonntag, den 2. Februar jeweils von 10.00 bis 22.00 Uhr durchgehend geöffnet. Die einstündigen Führungen durch die Sauerbruch-Sonderausstellung und die Dauerausstellung beginnen am Freitag und Samstag zwischen 15.00 und 20.00 Uhr jeweils zur vollen Stunde. Am Samstag und Sonntag starten die Führungen zwischen 12.00 und 19.00 Uhr jeweils zur vollen Stunde. Darüber hinaus können die Dauerausstellung, die Sauerbruch-Sonderausstellung sowie die Interventionsausstellung „Die Kunst des Heilens. Australische indigene Buschmedizin“ ganztägig auch ohne Führung besucht werden.

  • Abschluss-Symposium zum Projekt „Frauen 5.0“ - 13-01-2020
    Wie steht es um die medizinische Versorgung von Frauen über 49 Jahren im Nordosten Deutschlands? Nehmen die Frauen noch ambulante gynäkologische Leistungen in Anspruch? Welche Unterschiede gibt es zwischen Großstädten und ländlichem Raum? Wie müsste ein innovatives Modellprojekt für eine bessere regionale ambulante Versorgung dieser Zielgruppe konkret aussehen? Diese und weitere Fragen hat das von der Charité – Universitätsmedizin Berlin geleitete Innovationsfonds-Projekt „Frauen 5.0“ untersucht. Auf einem Abschluss-Symposium werden jetzt die Ergebnisse vorgestellt. Frauen ab 49 Jahren haben vielfältige gynäkologische Beratungs- und Behandlungsbedürfnisse, wie beispielsweise zu Auswirkungen der Wechseljahre oder Inkontinenz. Zudem haben sie ein höheres Risiko als jüngere Frauen, an Krebs zu erkranken. Zugleich wird für diese Patientengruppe ein zunehmend reduzierter Zugang zur gynäkologischen Versorgung prognostiziert. „Unsere Studie zeigt, dass viele Frauen jenseits des gebärfähigen Alters aufgrund persönlicher und gesundheitssystemischer Barrieren, wie beispielsweise längere Wartezeiten für Neupatientinnen, keine gynäkologischen Leistungen mehr in Anspruch nehmen. Sie suchen bei gesundheitlichen Problemen häufiger hausärztliche Praxen auf als Praxen für Gynäkologie. Daher ist die koordinierte und strukturierte Zusammenarbeit dieser beiden Fachrichtungen eine geeignete Möglichkeit, den Bedürfnissen von Frauen 50 plus besser gerecht zu werden und zum Erhalt ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden beizutragen“, erklärt Projektleiterin Dr. Lorena Dini vom Institut für Allgemeinmedizin der Charité. In den letzten zwei Jahren hat das Projekt die ambulante Schnittstelle der beiden Fachrichtungen untersucht und zusammen mit beteiligten Akteurinnen und Akteuren der Region Lösungsansätze für einen gerechten Zugang zu einer passgenauen und adäquaten medizinischen Versorgung von Frauen ab 50 für die Region Nordost erarbeitet. Eine fachübergreifende Zusammenarbeit der Grundversorgenden von Frauen jenseits der 50 soll die Versorgung dieser Zielgruppe in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verbessern. So soll ein Modellversorgungskonzept der vernetzten Kooperation von ambulant tätigen Fachärztinnen und Fachärzten für Gynäkologie und Allgemeinmedizin sowie weiterer Gesundheitsprofessionen – beispielsweise Apothekerinnen und Apothekern oder Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten – einbinden und einen niederschwelligen Zugang zur regional verfügbaren bedürfnisgerechten gynäkologischen Versorgung entwickelt werden. Im Symposium werden die bisherigen Projektergebnisse vorgestellt und die Bedeutung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Praxis diskutiert sowie konkrete Umsetzungsvorschläge der Beteiligten aufgenommen. Zu den bisher erarbeiteten Empfehlungen gehören beispielsweise die Einführung eines strukturierten Check-ups für Frauen über 50, der sowohl in der allgemeinmedizinischen als auch in der gynäkologischen Praxis durchgeführt werden kann. Zudem soll die Gesundheitskompetenz der Frauen 50 plus gestärkt werden. Das Konzept soll bis zum Projektende im Februar partizipativ mit regionalen Akteuren und der Zielgruppe weiterentwickelt werden. Darüber hinaus wird im Rahmen des Symposiums über die Möglichkeiten der Kooperation und die Beteiligung an der Umsetzung des Modellprojekts informiert. Das Abschluss-Symposium zu „Frauen 5.0“ findet am Mittwoch, den 15. Januar von 16:00 bis 19:30 Uhr im CharitéCrossOver (CCO), Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin (Geländeadresse Virchowweg 6), statt. Die vorherige Online-Anmeldung ist erwünscht. Medienvertreter werden gebeten, sich unter presse(at)charite.de anzumelden.

  • Komm vorbei und werde Teil vom C-Team! - 10-01-2020
    Welche Berufsgruppen arbeiten an der Charité? Wie sieht der Ausbildungsalltag aus? Und welche Angebote gibt es für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? An ihrem ersten Bewerbertag präsentiert die Berliner Universitätsmedizin ihr gesamtes Portfolio: Interessierte können Gespräche mit Expertinnen und Experten führen, sich direkt vor Ort bewerben und bei Führungen schon vorab den neuen Arbeitsplatz anschauen. Die Veranstaltung findet am Samstag, den 18. Januar von 10 bis 16 Uhr am Campus Charité Mitte statt. Die Charité ist eine der größten Arbeitgeberinnen Berlins. Natürlich, hier arbeiten Ärztinnen und Ärzte und auch Pflegende, die Tag für Tag für das Wohl der Patientinnen und Patienten sorgen. Doch der Charité-Kosmos ist größer als gedacht: Hier wird geforscht, gemanagt und auch gegärtnert. Potenzielle Bewerberinnen und Bewerber können an diesem Tag die Vielfalt der Charité interaktiv erleben: Bei Workshops erfahren sie, wie Reanimation richtig funktioniert und wie ein Cast-Verband angelegt wird. Wer bisher dachte, dass Krankenhausküche nichts mit Kulinarik zu tun hat, kann sich eines Besseren belehren lassen. Bei den zahlreichen Führungen können spannende Bereiche erkundet werden. Ob Schüler, Absolventen oder Berufserfahrene – jeder ist eingeladen vorbeizukommen. Es wird informiert, beraten und gepitcht. Der Bewerbertag findet am Samstag, den 18. Januar von 10 bis 16 Uhr im CharitéCrossOver, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin, Geländeadresse Virchowweg 6, statt. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Pressevertreter werden gebeten sich unter presse(at)charite.de anzumelden.

  • Hunderte neuer Viren in Insekten entdeckt - 08-01-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) Neue Viren, die Krankheiten auslösen, stammen oft von Tieren. Bekannte Beispiele sind das aus Mücken stammende Zika-Virus, die Vogelgrippe-Viren sowie das Kamel-assoziierte MERS-Virus. Um neu auftretende virale Erkrankungen schnell zu erkennen und mögliche Epidemien zu verhindern, suchen DZIF-Forschende an der Charité – Universitätsmedizin Berlin gezielt nach Viren im Tierreich. In einer aktuellen Studie entdeckten sie in Insekten nun hunderte neuer Viren aus über 20 Virusgattungen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift PLOS Pathogens* veröffentlicht. „Jedes neue Virus, das wir finden, könnte eine bisher unerkannte Ursache von Erkrankungen sein, sowohl beim Menschen als auch bei Nutztieren“, erklärt Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie am Campus Charité Mitte. Der Wissenschaftler hat sich im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) der gezielten Identifikation von Viren verschrieben. Sein Team hat unter anderem den internationalen Standard in der Diagnostik der MERS-Erkrankung gesetzt. Momentan widmet er sich der Erkennung seltener Virusdiagnosen durch neue Sequenziertechniken. „Je mehr Viren wir kennen und in unserer Datenbank speichern, umso leichter können wir die Ursache von neu auftretenden ungewöhnlichen Erkrankungen erkennen“, ist Prof. Drosten überzeugt. In der aktuellen Studie hat sich das Forschungsteam der größten internationalen Transkriptom-Datenbank, einer Art Verzeichnis der Genaktivität, zu Insekten bedient und darin die Datensätze auf Virusgenome untersucht. Während sich Wissenschaftler bislang vor allem auf Moskitos und andere blutsaugende Insekten konzentriert haben, umfasst diese Studie alle Ordnungen von Insekten. Systematisch untersucht wurden Viren mit sogenannter negativer einzelsträngiger Ribonukleinsäure (RNA). Diese Gruppe von RNA-Viren umfasst enorm wichtige krankheitsverursachende Viren; Ebola und Masern werden ebenso durch sie ausgelöst wie Tollwut und Lungeninfektionen. In Proben aus insgesamt 1.243 Insektenarten entdeckten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mindestens 20 neue Virusgattungen, bei einigen stehen noch die letzten Prüfungen aus. „Das ist wohl die bisher größte Einzelstudie in der Entdeckung neuer Viren“, schätzt Prof. Drosten. Die Arbeitsgruppe hat die neuen Insektenviren bereits in ihre Suchdatenbanken eingespeist. Mit ihrer Hilfe werden Fälle seltener und ungewöhnlicher Erkrankungen beim Menschen untersucht. Dazu gehören Patienten, bei denen alle Symptome auf eine Virusinfektion hinweisen, ein Virus jedoch nicht nachgewiesen werden kann. „Wir benutzen dann Hochdurchsatz-Sequenziermethoden, um nach allen Viren zu fahnden, die in den Patientenproben vorkommen“, erklärt der Virologe. „Wenn der Patient ein Virus hat, finden wir es – vorausgesetzt, es ist in unserer Datenbank hinterlegt oder es hat Ähnlichkeit mit einem dort verzeichneten Virus.“ Mit der Erweiterung um die neuen Insektenviren steigen die Erfolgschancen bei der Suche. Im Rahmen des DZIF-Projektes „Virusnachweis und Pandemieprävention“ werden sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Charité auch in den kommenden Jahren weiter auf neu auftretende Viren vorbereiten. Mit neuen Kenntnissen zur Virusdiversität können auch die Nachweisverfahren verbessert werden.

  • Pflegeausbildung für Berlin - 03-01-2020
    Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und Vivantes Zum 01. Januar 2020 hat die Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe gGmbH (BBG) offiziell den Betrieb aufgenommen. Die Ausbildungseinrichtungen von Vivantes und Charité gehen in der neuen gemeinnützigen Einrichtung auf. Zum Start besuchen etwa 1.700 Schülerinnen und Schüler, die Gesundheitsberufe erlernen, den Bildungscampus an drei Standorten in Berlin. Die Schulkapazitäten sollen schrittweise bis auf 3.000 Plätze erweitert werden. Daher wird ein passendes Grundstück für einen neuen, gemeinsamen Campus gesucht. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung: „Wir wollen die bestmögliche medizinische Versorgung für die Menschen in unserer Stadt. Dafür setzen wir unsere Strategie Gesundheitsstadt Berlin 2030 konsequent um. Der Start des gemeinsamen Bildungscampus für Gesundheitsberufe von Vivantes und Charité ist ein Meilenstein, um den wachsenden Bedarf an hervorragend ausgebildeten Fachkräften, insbesondere in der Pflege, zu sichern. Ich danke allen Beteiligten, die dieses Vorhaben engagiert umsetzen.“ Dilek Kalayci, Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung: „Der geplante Ausbildungscampus von Charité und Vivantes ist ein Leuchtturmprojekt für ganz Deutschland. Es geht dabei um viel mehr als um eine Pflegeschule, die beide Konzerne zusammenführen. Es wird ein echter Campus entstehen mit modernen Lernmethoden und vielseitiger Vernetzung. Ziel ist es, die Ausbildungskapazitäten weiterhin erheblich auszuweiten. Ich freue mich, dass viele Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen im Rahmen des „Berliner Paktes für die Pflege“ ihre Kapazitäten deutlich erweitern. Berlin stellt dafür erhebliche Investitionsmittel zur Verfügung und fördert die Ausweitung der Ausbildungskapazitäten. Fest steht: Wer heute nicht ausbildet, hat morgen keine Fachkräfte. Dem wirken wir entgegen.“ Dr. Andrea Grebe, Vorsitzende der Vivantes Geschäftsführung: „Vivantes und Charité gehörten bisher schon zu den größten Ausbildungsbetrieben im Gesundheitsbereich. Mit dem neuen gemeinsamen Aus- und Weiterbildungszentrum bündeln wir nicht nur unsere Kräfte und Kompetenzen, sondern stellen uns auch den kommenden Herausforderungen, beispielsweise durch das Pflegeberufe-Reformgesetz oder die zunehmende Akademisierung. Wir wollen junge Menschen auch künftig begeistern und sie auf hohem Niveau in Gesundheitsberufen ausbilden.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin: „Die Kooperation von Charité und Vivantes in der Aus- und Weiterbildung ist eine der elementaren Empfehlungen der Zukunftskommission ‚Gesundheitsstadt Berlin 2030‘ – mit dem Bildungscampus setzen wir diese Empfehlung um und intensivieren unsere Zusammenarbeit, um dem wachsenden Fachkräftebedarf im Gesundheitswesen nachhaltig zu begegnen. Darüber hinaus ist der gemeinsame Bildungscampus ein wichtiger Baustein, um Berlin zu einem international führenden Medizin-Standort weiterzuentwickeln.“ Christine Vogler, pädagogische Geschäftsführerin Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe (BBG): „Im Bildungscampus bringen wir auf besondere Art und Weise verschiedene Bildungsstandorte, Fachbereiche und Akteure des Gesundheitswesens zusammen. Dies ermöglicht uns eine ganz neue Dimension des Austauschs und ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung für Berlin.“ Möglich wird der Bildungscampus durch die Kooperation des größten kommunalen Klinikkonzerns Vivantes und der landeseigenen Universitätsklinik Charité: Vivantes hält 51 Prozent der Anteile, die Charité 49 Prozent. Die Charité-Gesundheitsakademie bildete bislang rund 600 junge Menschen in Pflegeberufen in Berlin-Mitte aus, das Vivantes Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen hatte etwa 1.100 Auszubildende an zwei Standorten, in Neukölln und in Reinickendorf. Im geplanten Aus- und Weiterbildungscampus sollen künftig Auszubildende aus acht verschiedenen Gesundheitsberufen an einem gemeinsamen Standort lernen: Anästhesietechnische Assistent*innen (ATA), Diätassistent*innen, Pflegefachfrauen/ Pflegefachmänner, Pflegehelfer*innen, Hebammen, Logopäd*innen, Operationstechnische Assistent*innen (OTA) und Physiotherapeut*innen. Hinzu kommen staatlich anerkannte Weiterbildungen und Qualifizierungen mit Zertifikat. Da die Nähe der Pflege zur Wissenschaft wichtig ist, werden drei duale Studiengänge zusammen mit drei kooperierenden Hochschulen angeboten: Midwifery an der Hochschule Osnabrück, Health Care Studies an der Hamburger Fern-Hochschule und Gesundheits- und Pflegemanagement an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin.

  • Save the date: Charité lädt zum ersten Bewerbertag - 18-12-2019
    An der Charité arbeiten nur Ärzte*innen und Pflegende? Mit diesem Klischee will die Charité an ihrem ersten Bewerbertag aufräumen und die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten vorstellen. Die Berufsfelder reichen dabei von Anlagenmechaniker*innen über OTAs und MTRAs bis hin zu Verwaltungsangestellten. Am Samstag, den 18. Januar stellt sich die Charité – Universitätsmedizin Berlin von 10 bis 16 Uhr vor. Ob Schüler*innen, Absolvent*innen oder Berufserfahrene – jeder ist eingeladen vorbeizukommen. Es wird informiert, beraten und gepitcht. In Führungen und interaktiven Workshops können bereits erste Handgriffe erlernt und der zukünftige Arbeitsplatz besichtigt werden. Wer sich direkt bewerben will, kann sich persönlich in einem Gespräch vorstellen. Der Bewerbertag findet am Samstag, den 18. Januar 2020 von 10 bis 16 Uhr im CharitéCrossOver, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin, Geländeadresse Virchowweg 6, statt.

  • Auftakt zur weiteren Modernisierung am Campus Benjamin Franklin - 18-12-2019
    Am Charité Campus Benjamin Franklin (CBF) ist jetzt aus 71 Modulen die Charité Campus-Klinik Süd entstanden. Nach dem Innenausbau wird das Modulgebäude ab Sommer 2020 die ersten Pflegestationen während der Modernisierungsmaßnahmen im Hauptgebäude beherbergen. Insgesamt sollen in einem geplanten Zeitraum von fünf Jahren zehn Stationen saniert werden. In der neuen Charité Campus-Klinik Süd werden die Patientinnen und Patienten weiterhin auf hohem Niveau versorgt, während auf den Stationsflächen größtmögliche Baufreiheit für die notwendigen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen geschaffen wird. „Der Campus Benjamin Franklin ist als Klinik und Wissenschaftseinrichtung von großer Bedeutung für die Charité und die Gesundheitsstadt Berlin und soll deshalb mit einem umfangreichen Investitionspaket des Landes grundlegend erneuert werden“, sagt Astrid Lurati, Vorstand Finanzen und Infrastruktur. Der viergeschossige Systembau ist über ein Brückenbauwerk mit dem Hauptgebäude verbunden. Er hat eine Nutzfläche von rund 2.700 Quadratmetern und bietet Platz für mehr als 170 Patientenbetten. Für die Errichtung der Charité Campus-Klinik Süd nutzt die Charité Mittel aus dem Landeshaushalt in Höhe von rund 16 Millionen Euro. Die Maßnahmen sind Teil der umfangreichen Bau- und Sanierungsprojekte am Campus Benjamin Franklin, für die im laufenden Haushalt und im Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (SIWANA) rund 100 Millionen Euro bereitstehen. Die Finanzierung weiterer Maßnahmen ist bereits über den nächsten Doppelhaushalt abgedeckt.

  • Glioblastome: Wie Wasser in Honig - 17-12-2019
    Einem Forschungsteam unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen, ein physikalisches Grundprinzip beim Wachstum von Tumoren im Gehirn zu entschlüsseln. Weiche Tumoren, wie Glioblastome es sind, durchdringen umgebendes Gewebe und breiten sich rasch aus. Solide Tumoren hingegen bestehen aus einem festen Gewebeverband und behalten bei ihrer Ausbreitung klar umrissene Grenzen. Ob sich ein Hirntumor verdrängend, mit eindeutigen Grenzflächen oder durchdringend ausbreitet, wird durch seine Fließeigenschaften bestimmt. Die zugrundeliegenden Mechanismen haben die Forschenden jetzt in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences* beschrieben. Tumoren im Gehirn sind vor allem dann gefährlich, wenn sie infiltrativ wachsen, das heißt, wenn sie sich ohne erkennbare Grenzen in ein gesundes Gewebe hinein ausbreiten. Im Gegensatz zu abgekapselten Tumoren sind Glioblastome nur schwer behandelbar. Operativ lassen sie sich aufgrund ihrer Eigenschaften selbst mit neuesten Techniken meist nicht vollständig entfernen. Nach Bestrahlung und Chemotherapie kehren sie in der Regel zurück. Wie aber kann es sein, dass derart weiche Tumoren, eingebettet in härteres Hirngewebe überhaupt wachsen können? Warum wachsen sie zudem so schnell und breiten sich so aggressiv aus? Nach den Gesetzmäßigkeiten der Physik weicher Festkörper scheint das zunächst nicht möglich. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Ingolf Sack von der Klinik für Radiologie der Charité und der Abteilung für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Leipzig haben in der aktuellen Studie die mechanischen Eigenschaften von Neurotumoren und deren Grenzverhalten untersucht. Solide, abgekapselte Tumoren weisen eine höhere mechanische Steifigkeit auf und können sich so im umliegenden Gewebe mit festen Grenzen ausbreiten. Um das ungewöhnliche Verhalten von Glioblastomen zu beschreiben, die in eine starrere Umgebung als sie selbst vordringen, ist das Forschungsteam einen Perspektivwechsel eingegangen: „Wir betrachten Gehirngewebe nicht mehr als bloßen Festkörper, sondern als hochviskose, also sehr zähe Flüssigkeit. Dann werden die physikalischen Mechanismen verständlich“, sagt Studienleiter Prof. Sack. „Das Gehirn reagiert auf langen Zeitskalen ähnlich wie Honig“, erklärt Prof. Dr. Josef A. Käs, von der Fakultät für Physik und Geowissenschaften an der Universität Leipzig. „Wie sich Tumoren darin ausbreiten, klar abgegrenzt oder infiltrativ, bestimmt wiederum deren Zähigkeit, die Viskosität. Ist sie gering, wie etwa bei Wasser, ergeben sich instabile Grenzflächen. Der quasi dünnflüssige Tumor sickert förmlich in den umschließenden Honig. Breitet sich der Tumor allerdings mit hoher Viskosität aus, ist also deutlich zäher, beispielsweise wie Tofu, dann ergeben sich glatte, fest umrissene Grenzflächen.“ Dieses Prinzip der viskosen Grenzflächen ist in der Physik bereits bekannt und beschreibt, wie an Grenzen zwischen Flüssigkeiten unterschiedlicher Viskosität Instabilitäten auftreten. Anhand von gewebsimitierenden Modellen wie Heparin-Gel oder Tofu konnte das Forschungsteam zeigen, wie ihre anomale Fließeigenschaft es weichen Hirntumoren ermöglicht, physisch in umliegendes Gewebe einzudringen. Hochauflösende Gehirn-Elastografie, eine bildgebende Methode auf Basis der Magnetresonanz Tomografie (MRT) – sie ist an der Charité entwickelt worden, um die Konsistenz von Tumoren sichtbar zu machen – ermöglichte es, diese neuen Erkenntnisse auf Gehirntumore anzuwenden. Invasiv wachsende Glioblastome weisen einen höheren Wassergehalt auf als das umliegende Gewebe, während beispielsweise gutartige Meningeome weniger Wasser enthalten als Hirngewebe. Dabei unterscheiden sich beide Tumorarten nicht hinsichtlich ihrer mechanischen Steifigkeit, beide Tumorarten sind weicher als umliegendes Gewebe. Die Forschenden schließen aus dieser Tatsache, dass vor allem die Fließeigenschaften, also wie dünnflüssig oder wie zähflüssig sich ein Tumor verhält, Aufschlüsse über sein Infiltrationspotential und somit seine Aggressivität geben können. „Für die diagnostische Radiologie ergeben sich damit völlig neue Möglichkeiten zur Abschätzung der Gefährlichkeit von Hirntumoren, denn die Viskosität von Gehirn und Tumoren lässt sich im Rahmen einer Gehirn-Elastografie ohne Kontrastmittel, Strahlung und invasive Operation bestimmen“, resümiert Prof. Sack. Weitere klinische Studien sind notwendig, um künftig eine Klassifizierung von Hirntumoren mittels der noch jungen bildgebenden Technik zu ermöglichen. Informationen zur Studie Die Studie wurde im Rahmen des Horizon-2020-Programms der Europäischen Union (ID 668039, EU FORCE – Imaging the Force of Cancer), des Graduiertenkollegs „BIOphysical Quantitative Imaging Towards Clinical Diagnosis (BIOQIC)“ sowie des Sonderforschungsbereichs „In vivo Darstellung pathologischer Veränderungen der Extrazellulärmatrix – Matrix in Vision“ durchgeführt. Die Charité ist Sprecherin dieses deutschlandweit ersten Sonderforschungsbereichs in der diagnostischen Radiologie.

  • Wie DNA-Ringe Krebs bei Kindern verursachen - 16-12-2019
    Beim Entstehen von Krebs sammeln sich über die Zeit Fehler im Erbgut an. Krebs gilt daher als Erkrankung des Alters. Warum aber gibt es dann Tumoren bei Kindern? Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Memorial Sloan Kettering Cancer Center hat jetzt gezeigt, wie kleine DNA-Ringe – sogenannte extrachromosomale zirkuläre DNA – zur Entstehung von Krebs bei Kindern beitragen können. Die Arbeit beschreibt erstmals das Ausmaß und die Vielfalt der noch immer weitgehend unbekannten zirkulären DNA. Die Studie ist im Fachmagazin Nature Genetics* erschienen. Fast eine halbe Million Menschen erkrankt in Deutschland pro Jahr an Krebs. Etwa 2.100 von ihnen sind Kinder unter 18 Jahren. Dass der Großteil der Betroffenen im Schnitt erst mit knapp 70 Jahren erkrankt, liegt an der Art und Weise, wie Krebs in den meisten Fällen entsteht: Verschiedene äußere Faktoren, zum Beispiel Tabakrauch oder Strahlung, können das Erbmaterial der Zellen schädigen. Sammeln sich solche Fehler im Erbgut über viele Jahre an, kommt es manchmal dazu, dass die betroffenen Zellen die Kontrolle über ihr Wachstum verlieren – ein Tumor entsteht. Kinder jedoch sind gar nicht alt genug für diese Art der Krebsentwicklung. Was also ist dann der Grund für Neuroblastome und andere Krebserkrankungen im Kindesalter? Eine Forschungsgruppe um Dr. Anton Henssen von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité und vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC), ist der Beantwortung dieser Frage nun einen großen Schritt nähergekommen. Zusammen mit dem Team um Dr. Richard Koche vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center und weiteren internationalen Partnern haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der jetzt veröffentlichten Studie nachgewiesen, dass kleine DNA-Ringe das Erbgut so durcheinanderbringen können, dass Krebs entstehen kann. Die Existenz dieser DNA-Ringe ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Weil sie zusätzlich zur normalen Erbinformation vorliegen, die die Zellen in Form von Chromosomen speichern, bezeichnet man sie als extrachromosomale zirkuläre DNA. Doch noch immer wissen Wissenschaftler sehr wenig über ihre Funktion – weil bisher die Methoden fehlten, sie genau zu untersuchen. Die Forschungsgruppe hat jetzt neueste Sequenziertechniken mit komplexen bioinformatischen Algorithmen kombiniert. So gelang ihr erstmals eine detaillierte Kartierung der zirkulären DNA in Neuroblastomen. Die Ergebnisse lassen wichtige Rückschlüsse auf die Entstehung dieser Tumoren zu. Für die Untersuchungen analysierte das Forschungsteam in einer Kooperation mit dem Barcelona Supercomputing Center die Neuroblastom-Gewebeproben von 93 Kindern. Dabei wurde klar: Zirkuläre DNA findet sich in den Tumorzellen deutlich häufiger und in größerer Komplexität als bisher angenommen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wiesen je Probe im Schnitt 5.000 Kopien kleiner DNA-Ringe nach. Zusätzlich konnten sie aus den Sequenzdaten ableiten, wie genau sich bestimmte Abschnitte der Erbinformation aus einem Chromosom herauslösen und eine Ringform einnehmen – um sich anschließend wieder an anderer Stelle des Chromosoms zu reintegrieren. „Ein solcher Vorgang kann zu Krebs führen, wenn dabei die ursprüngliche Abfolge der Erbinformation durcheinandergebracht wird“, erklärt Dr. Henssen, Leiter einer Emmy Noether-Nachwuchsgruppe und wissenschaftliches Mitglied des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) am Standort Berlin. Der Berlin Institute of Health (BIH) Clinician Scientist betont: „Diese detaillierten Abläufe waren so bisher nicht bekannt und liefern einen Hinweis darauf, auf welche Weise eine so junge Zelle wie die eines Kindes entarten kann.“ „Wir konnten zusätzlich zeigen, dass bestimmte DNA-Ringe das Wachstum eines Neuroblastoms beschleunigen“, ergänzt Dr. Koche. „Ihr Nachweis könnte in Zukunft also die Abschätzung des Krankheitsverlaufs erleichtern. Jüngste Studien deuten außerdem an, dass zirkuläre DNA auch bei anderen Krebsarten eine Rolle spielt. Vor diesem Hintergrund könnten unsere Erkenntnisse wichtige Implikationen nicht nur für Tumoren im Kindesalter, sondern für ein breites Spektrum an Krebserkrankungen haben.“ Die Forschungsgruppe plant, die diagnostische Aussagekraft der DNA-Ringe beim Neuroblastom in einer Folgestudie zu validieren. „Außerdem möchten wir den Ursprung der zirkulären DNA näher untersuchen, um besser zu verstehen, warum Tumoren bei Kindern entstehen“, sagt Dr. Henssen.

  • Aktuelle Behandlungskapazitäten in der Kinderonkologie - 11-12-2019
    Die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnte vorübergehend keine neuen Patienten aufnehmen. Alle bereits laufenden Patientenbehandlungen wurden gesichert. Zu keinem Zeitpunkt kam es zu einer Patientengefährdung. Die Charité wird spätestens ab der Weihnachtswoche wieder neue Patienten in der Kinderonkologie aufnehmen können. Alle universitären Kinderkliniken in der Bundesrepublik leiden unter dem Mangel an hochspezialisierten Pflegekräften. Auch die Charité ist davon betroffen. Dabei hat die Versorgung von Kindern und Jugendlichen insbesondere mit onkologischen Erkrankungen für die Berliner Universitätsmedizin höchste Priorität. Es wurden eine Reihe kurzfristiger Maßnahmen ergriffen, um den aktuellen Einschränkungen zu begegnen. Dazu gehört die Sicherstellung der bereits laufenden Patientenbehandlungen. Um die Therapien von neuen Patienten sicherzustellen, die aktuell nicht an der Charité behandelt werden konnten, wurde bereits vorab kollegialer Kontakt mit pädiatrisch-onkologischen Zentren aufgenommen. Im Rahmen dieser Absprachen wurden insgesamt zwei Patienten in der Kinderonkologie des Helios Klinikums Berlin-Buch aufgenommen.

  • Charité-Wissenschaftler erhalten Forschungspreis für Tierversuchsalternativen - 11-12-2019
    Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat heute den Preis des Landes Berlin zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche in Forschung und Lehre erhalten. Die Forschenden wurden für ihr Projekt „Das virtuelle Gelenk“ geehrt. Mit der diesjährigen Würdigung geht der Preis bereits zum dritten Mal an die Charité. Ausgezeichnet wurden Dr. Annemarie Lang von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité sowie Dr. Rainald Ehrig vom Julius Wolff Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration der Charité und vom Zuse-Institut Berlin. Zusammen mit ihrem Team ist es ihnen gelungen, Knorpelveränderungen sowohl in der Zellkultur als auch parallel in einem Computermodell nachzubilden. Die so simulierten Vorgänge spiegeln eine beginnende Arthrose beim Menschen wider. „Bislang wird für die Grundlagenforschung zu Arthrose und auch anderen Gelenksentzündungen noch häufig auf Versuchstiere zurückgegriffen“, erklärt Dr. Lang, die auch Mitglied des Sprecherrats von Charité 3R ist. „Diese Tierversuche haben zur Entwicklung neuer Medikamente und zum Verständnis der Erkrankungen einen wichtigen Beitrag geleistet, weisen aber auch immer wieder Limitationen auf. Wir sind davon überzeugt, dass die Kombination der beiden neuen Modelle in Zukunft dazu beitragen kann, die Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren und die Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse auf den Menschen zu verbessern.“ Die Preisträger wollen ihre Arbeit auch über das Krankheitsbild der Arthrose hinaus nutzbar machen. „Wir werden nun daran arbeiten, in unserem Zellkultur- und Computermodell das ganze Gelenk abzubilden“, sagt Dr. Ehrig. „Das soll uns ermöglichen, neben der Arthrose auch rheumatische Gelenkentzündungen zu simulieren und neue Therapieansätze zu testen.“ Verliehen wurde die Auszeichnung von Dr. Dirk Behrendt, Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, und Franz Allert, Präsident des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LAGeSo). In diesem Jahr wurden zwei Projekte zu gleichen Teilen prämiert. Weitere Preisträger sind Dr. Johanna Berg und Prof. Dr. Jens Kurreck vom Institut für Biotechnologie der Technischen Universität Berlin mit ihrem Projekt „3D-Biodruck von Organmodellen“. Initiiert und koordiniert wird der Preis des Landes Berlin zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche in Forschung und Lehre vom LAGeSo. Er ist mit insgesamt 40.000 Euro dotiert und wird seit 2011 alle zwei Jahre in Zusammenarbeit mit dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) ausgelobt. Gefördert werden Forschungsprojekte aus Berlin oder Brandenburg, die dazu beitragen, die Verwendung von Versuchstieren zu vermeiden oder zu verringern oder bei Tierversuchen die Belastung für die Tiere zu reduzieren.

  • Multiple Sklerose: Neue Standards für die Planung klinischer Studien erforderlich - 09-12-2019
    Wie können die Perspektiven der Patienten mit Multipler Sklerose (MS) bei klinischen Studien stärker berücksichtigt werden? Diese Frage hat eine Arbeitsgruppe der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht und entsprechende Empfehlungen entwickelt. Die Analyse ist jetzt im EPMA Journal* erschienen. Multiple Sklerose ist die häufigste Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems: In Deutschland sind mehr als 200.000 Menschen davon betroffen. Sie leiden an Seh- und Empfindungsstörungen sowie Einschränkungen der Koordinationsfähigkeit bis hin zu Lähmungen. Die Diagnose wird meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr gestellt – Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung verläuft chronisch-entzündlich und ist bislang nicht heilbar. Bei 85 bis 90 Prozent der Patienten verläuft die Erkrankung zu Beginn häufig mit schubweise auftretenden neurologischen Ausfällen, die sich in der Regel nach Wochen bis Monaten vollständig oder teilweise zurückbilden. Nach Jahren bis Jahrzehnten kommt es oft zum Übergang in einen chronisch-fortschreitenden Verlauf. Dabei verschlechtert sich der neurologische Zustand schleichend, vor allem die sogenannte Gehstrecke nimmt ab. Seit der Entwicklung der ersten Immuntherapie (Interferon beta-1b) im Jahr 1995 wurden zahlreiche Substanzen zur immunmodulierenden Behandlung der MS zugelassen mit dem Ziel, die Zahl der Schübe zu verringern. Seitdem hat sich die Therapielandschaft erheblich erweitert. Parallel zu der zunehmenden Anzahl verfügbarer Immuntherapien haben sich die Behandlungsstrategien von einem reinen „Ansatz zur Prävention von Schüben“ zu einer auf die individuelle Situation ausgerichteten medizinischen Versorgung verlagert. Die Arbeitsgruppe der AkdÄ, der Charité und des IQWiG analysierte systematisch 29 zulassungsrelevante Phase-III-Studien zu Arzneimitteln zur verlaufsmodifizierenden beziehungsweise immunmodulierenden Behandlung der MS. Die Auswertung zeigte, dass die Patientenperspektive und damit Symptome wie Fatigue, also Müdigkeit und erhöhte Erschöpfbarkeit, oder die gesundheitsbezogene Lebensqualität in der Regel nicht berücksichtigt wurden. Dagegen wurden biologische Indikatoren und Endpunkte zu bildgebenden Verfahren mit unklarer Bedeutung für die Krankheitsschwere der Betroffenen regelhaft untersucht. „Wenn wir die Studien in Zukunft so konzipieren, dass sie sich stärker an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren, erhalten wir Studienergebnisse, die uns eher in die Lage versetzen, die Patientinnen und Patienten zielgerichteter und individualisiert medizinisch zu versorgen“, betont Prof. Dr. Friedemann Paul, Wissenschaftlicher Direktor des Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung von Charité und Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC). Alle auf dem Markt befindlichen Arzneimittel wurden in überwiegend ein- bis zweijährigen Zulassungsstudien untersucht. Über diese Dauer hinaus liegen kaum methodisch fundierte Daten zum Nutzen oder zu Nebenwirkungen dieser Arzneimittel vor. „Zulassungsstudien sind aufgrund ihrer Dauer und meist kurzen Nachbeobachtung nicht geeignet, die mitunter auch sehr schweren Nebenwirkungen zu erfassen, die erst nach längerer Therapie auftreten“, erklärt Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der AkdÄ. Aufgrund dieser Mängel des Designs klinischer Studien entwickelte die Arbeitsgruppe Verbesserungsvorschläge. „Mit unseren Empfehlungen wollen wir einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit MS leisten“, sagt Sinje Gehr, Projektleiterin der Charité MS Initiative. Für die Betroffenen haben bestimmte Symptome und Krankheitsfolgen eine sehr hohe Bedeutung. Daher ist es wichtig, die Patientenperspektive auch in Studien mithilfe von Patienten berichteten Endpunkten (sogenannte „patient-reported outcomes“, PROs) zu erheben. „Wenn in Studien keine Daten zu Symptomen und zur Lebensqualität erhoben werden, dann ergibt sich aus diesen kein vollständiges Bild zum Nutzen eines Arzneimittels“, erklärt Dr. Thomas Kaiser, Ressortleiter Arzneimittel im IQWiG. Betroffene konzentrierten sich im Allgemeinen sehr darauf, ob Behinderungen fortschreiten und ob sich Symptome wie Fatigue, Depression, kognitive Beeinträchtigungen, Schmerzen, Spastik, Schlafstörungen oder der Verlust der Sehkraft verstärken. Dies wurde auch in den Diskussionsrunden der MS Initiative deutlich. Er fügt hinzu: „Viele dieser Symptome könnten und sollten zukünftig mit Hilfe international etablierter und validierter Patientenfragebögen erfasst werden.“ Zukünftige Studien bei MS sollten dem unmittelbaren Erleben der Betroffenen eine höhere Relevanz beimessen, indem patientenberichtete Endpunkte stärker in den Fokus gerückt werden. Die individualisierte Ausrichtung der medizinischen Behandlung erfordert es, dass Studien nicht nur für die Zulassung relevante klinische und radiologische Befunde berücksichtigen, sondern auch die Patientenperspektive. Dies gilt insbesondere für die sehr belastenden Symptome wie Fatigue, Schmerzen, Depressionen und kognitive Einschränkungen. Ebenso sollten, angesichts der oft über viele Jahre erforderlichen Behandlung mit immunmodulierenden Substanzen, die Studienteilnehmer länger beobachtet werden, um mehr Erkenntnisse über wesentliche Folgekomplikationen und Nebenwirkungen zu erhalten.

  • Symposium: 250 Jahre Kaiserschnitt an der Charité - 05-12-2019
    Im Jahr 1769 führte Professor Joachim Friedrich Henckel, Chirurg und Hofrat von König Friedrich II., den ersten Kaiserschnitt an der Charité durch. Danach folgten in den nächsten 40 Jahren noch vier weitere Eingriffe an lebenden Schwangeren. Anlässlich des „ersten Berliner Kaiserschnitts“ blickt ein Symposium auf die 250-jährige Geschichte der sogenannten Sectio caesarea an der Charité zurück. Noch bis weit ins 19. Jahrhundert blieb der Kaiserschnitt ein riskanter Eingriff, bei dem die Kinder überlebten, die Mütter hingegen meist nach kurzer Zeit verstarben. Heute gehört der Kaiserschnitt zu den sichersten Operationen. Auf dem Symposium sprechen die Expertinnen und Experten über die Geschichte des Kaiserschnitts und in welchen Fällen der operative Eingriff medizinisch notwendig oder vermeidbar ist. Prof. Dr. Wolfgang Henrich, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin, referiert über die Weiterentwicklung zur Kaisergeburt: Bei der von ihm 2012 an der Charité eingeführten Methode wird der Sichtschutz zwischen Mutter und Kind abgesenkt und den Eltern ermöglicht, die Geburt ihres Kindes trotz Kaiserschnitt direkt mitzuerleben. Darüber hinaus werden auf dem Symposium auch Nebenwirkungen und Komplikationen sowie psychische Aspekte des Kaiserschnitts diskutiert. Das Jubiläumssymposium „250 Jahre Kaiserschnitt an der Charité“ findet am Mittwoch, den 11. Dezember von 15:15 Uhr bis 19:30 Uhr in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin, Geländeadresse Virchowweg 17, statt. Medienvertreter sind herzlich eingeladen und werden gebeten, sich unter presse(at)charite.de anzumelden.

  • Wie sich extreme Umweltbedingungen auf das Gehirn auswirken - 05-12-2019
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des MPI für Bildungsforschung Am Beispiel einer Polarexpedition haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung die Effekte von sozialer Isolation und extremen Umweltbedingungen auf das Gehirn untersucht. Sie fanden Veränderungen im Gyrus dentatus, einem für das räumliche Denken und das Gedächtnis verantwortlichen Teilbereich des Hippokampus. Die Ergebnisse ihrer Studie sind in der Fachzeitschrift The New England Journal of Medicine* erschienen. Wer zu einer Antarktis-Expedition auf die deutsche Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), aufbricht, muss mit Temperaturen bis zu minus 50 Grad und nahezu vollständiger Dunkelheit im Winter rechnen. Das Leben auf der Station bietet wenig Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten. Kontakte zur Außenwelt sind auf ein Minimum reduziert. Den Aufenthalt abzubrechen, ist zumindest während der langen Wintermonate keine Option: Evakuierungen im Notfall oder Nachschub von Nahrungsmitteln und Equipment sind nur während des relativ kurzen Sommers möglich. „Dieses Szenario bietet uns die Gelegenheit zu untersuchen, wie sich das Leben unter extremen Bedingungen auf das menschliche Gehirn auswirkt“, sagt Dr. Alexander Stahn vom Institut für Physiologie der Charité, Leiter der Studie und Assistant Professor an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania. Gemeinsam mit Prof. Dr. Simone Kühn, Leiterin der Lise-Meitner-Gruppe Umweltneurowissenschaften am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, und mit Unterstützung des AWI erforschte er in der aktuellen Studie, ob sich die Struktur und die Funktion des menschlichen Gehirns im Verlaufe einer Antarktis-Expedition verändern. An der Studie nahmen fünf Männer und vier Frauen freiwillig teil, die insgesamt 14 Monate auf der Polarforschungsstation verbrachten. Davon waren sie neun Monate auf sich allein gestellt. Vor, während und nach der Mission absolvierten sie eine Reihe von computergestützten Kognitionstests. Diese prüften unter anderem die Konzentrationsfähigkeit, die Gedächtnisleistung und die Reaktionsfähigkeit sowie das räumliche Denken. Regelmäßige Bluttests sollten darüber hinaus Aufschluss über die Konzentration des sogenannten Wachstumsfaktors BDNF (brain-derived neurotrophic factor) geben – ein Protein, das sich stimulierend auf das Wachstum der Nervenzellen und Synapsen im Gehirn auswirkt. Um Veränderungen im Volumen insbesondere des Hippokampus, einer tief im Gehirn liegenden Region, feststellen zu können, bestimmte die Forschungsgruppe die Hirnstruktur der Probandinnen und Probanden vor sowie nach der Mission in einem Magnetresonanztomografen. „Dazu nutzten wir eine besonders hochauflösende Methodik, die es ermöglicht, die einzelnen Teilbereiche des Hippokampus exakt zu vermessen“, sagt Prof. Kühn. Eine neunköpfige Kontrollgruppe durchlief die gleichen Tests. Die Messungen ergaben, dass sich ein bestimmter Teilbereich des Hippokampus, der Gyrus dentatus, bei den Expeditionsteilnehmern nach Expeditionsende im Vergleich zur Kontrollgruppe verkleinert hatte. Der Gyrus dentatus spielt für die Festigung von Gedächtnisinhalten und das räumliche Denken eine wichtige Rolle. Die Veränderungen gingen dabei mit einer Verringerung des Wachstumsfaktors BDNF einher. Bereits nach dreimonatigem Aufenthalt in der Antarktis war die Konzentration des Wachstumsfaktors unter das vor der Expedition gemessene Niveau gesunken und hatte sich auch eineinhalb Monate nach der Expedition noch nicht normalisiert. In den Kognitionstests zeigten sich Effekte auf das räumliche Denken und die sogenannte selektive Aufmerksamkeit, die nötig ist, um nicht relevante Informationen zu ignorieren. Während sich Studienteilnehmer nach wiederholter Absolvierung der Tests normalerweise darin verbessern, fiel dieser Lerneffekt geringer aus, je stärker das Volumen des Gyrus dentatus abgenommen hatte. „Angesichts der geringen Anzahl an Probandinnen und Probanden sind die Ergebnisse unserer Studie vorsichtig zu interpretieren. Sie geben aber – wie auch erste Erkenntnisse bei Mäusen – einen wichtigen Hinweis darauf, dass sich extreme Umweltbedingungen negativ auf das Gehirn, insbesondere auf die Bildung neuer Nervenzellen im Gyrus dentatus des Hippokampus, auswirken können“, erklärt Dr. Stahn. Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun untersuchen, ob beispielsweise Sport den beobachteten Veränderungen des Gehirns entgegenwirken kann.

  • Kooperation zwischen Charité und King’s College London - 03-12-2019
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das King’s College London arbeiten noch intensiver zusammen. Sechs binationale Forschungsprojekte in den Schlüsselbereichen Immunonkologie, Kardiologie, Neurologie, Immunologie, Medizinische Soziologie und Genetik sind jetzt mit einem Startkapital ausgestattet und nehmen ihre Arbeit auf. Sie legen damit den Grundstein für eine langfristige Zusammenarbeit auf internationalem Niveau. Ziel der Kooperation ist es, Synergien an den beteiligten Partnerinstituten zu etablieren und weiterführende Forschungsvorhaben auf den Weg zu bringen. Nach der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages zwischen Charité und King’s gehen jetzt die ersten sechs Forschungsprojekte an den Start. Sie befassen sich unter anderem mit Fragen der Tumorimmunologie und der Forensik, mit innovativen Bildgebungsmethoden sowie gesundheitswissenschaftlichen Fragestellungen. Eine Anschubfinanzierung unterstützt erste gemeinsame Arbeiten, Workshops, Konferenzen und Reisen. Entscheidende Kriterien bei der Auswahl der Projekte waren die Langfristigkeit der Vorhaben sowie eine internationale Perspektive. Insbesondere vor dem Hintergrund einer nicht vorhersehbaren Entwicklung der europäischen Forschungslandschaft freut sich der Dekan der Charité Prof. Dr. Axel Radlach Pries, dass nun die ersten gemeinsamen Forschungsprojekte auf dem Weg sind: „Gerade heute sind solche zukunftsweisenden Partnerschaften ein Schlüssel für internationale Wissenschaft und Innovation. Sie sind zudem Zeichen dafür, dass auch politische Unsicherheiten bewältigt werden können, um ein bestmögliches gemeinsames Ergebnis zu erreichen. Ich wünsche allen Beteiligten viel Erfolg bei dieser richtunggebenden wissenschaftlichen Zusammenarbeit.“ Professor Sir Robert Lechler, King’s Senior Vice President/Provost (Health), fügt hinzu: „Wir freuen uns über die vielversprechenden Projekte, die aus der ersten gemeinsamen Ausschreibung von Charité und King’s hervorgegangen sind. Die Vorhaben decken ein breites Spektrum medizinischer Fachbereiche ab und spiegeln die Forschungsstärke beider Institutionen wider. Wir wollen damit einen wesentlichen Beitrag in der internationalen Forschungslandschaft leisten.“ Die sechs Pilotprojekte werden im Sommer 2020 abgeschlossen sein. Nach einer Auswertung sollen weiterführende Kooperationen daraus erwachsen.

  • Wellcome Trust fördert erstmals Translationspartnerschaft in Deutschland - 02-12-2019
    Gemeinsame Pressemitteilung der Charité, des BIH und des Wellcome Trust Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Berlin Institute of Health (BIH) sind die ersten Einrichtungen in Deutschland, die der britische Wellcome Trust im Rahmen einer Translationspartnerschaft fördert. Mit den Translationspartnerschaften unterstützt der Wellcome Trust Institutionen dabei, neue Wege zu finden, um biomedizinische Forschungsergebnisse in neue Technologien, medizinische Geräte oder Behandlungsmöglichkeiten zu übertragen. Die Berliner Partner erhalten 1,1 Millionen Euro. Der Wellcome Trust, eine politisch und finanziell unabhängige Stiftung, erweitert damit seine Zusammenarbeit mit verschiedenen universitären Partnern. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, zeigte sich erfreut über diese Partnerschaft: „Ich freue mich sehr, dass der Wellcome Trust eine Präsenz in Berlin aufgebaut hat und die Stiftung jetzt auch zu einem Partner für unsere Gesundheitsstadt wird. Dass das BIH und die Charité unter den ersten Einrichtungen auf dem europäischen Festland sind, die im Rahmen dieses Programms gefördert werden, unterstreicht ihre große Kompetenz und herausgehobene Stellung in der translationalen Forschung. Das Engagement der Stiftung ist nicht zuletzt ein wichtiges Zeichen für die internationale Zusammenarbeit, die in Berlin ganz großgeschrieben wird.“ Das übergeordnete Ziel der Translationspartnerschaft zwischen Wellcome Trust und Charité/BIH ist es, einen kulturellen Wandel der Forschungslandschaft herbeizuführen und damit die Möglichkeiten für die medizinische Translation zum Nutzen der Patienten und der Gesellschaft zu maximieren. Die Projektteams an Charité/BIH wollen die Förderung insbesondere dafür einsetzen, die Qualität der biomedizinischen Forschung zu verbessern, regulatorische Notwendigkeiten verständlich zu machen und Anreize für die translationale Forschung zu setzen. Projektleiter sind Prof. Dr. Ulrich Dirnagl, Leiter des BIH QUEST-Center, sowie Prof. Dr. Hans-Dieter Volk, Leiter des Instituts für Medizinische Immunologie an der Charité sowie Sprecher des BIH-Centrums für Regenerative Therapien (BCRT). Stephen Caddick, Direktor für Innovationen beim Wellcome Trust, zeigte sich überzeugt: „Wissenschaft ist international und gelingt nur dank Zusammenarbeit und Kooperation. Unsere Translationspartnerschaften wollen einige der Hürden beseitigen, denen Grundlagenforscher gegenüberstehen, wenn sie ihre Arbeit in die Anwendung übersetzen wollen: Dabei bieten wir institutionelle Hilfe – einschließlich finanzieller Unterstützung, Mentorship und regulatorischer Beratung. Wir freuen uns sehr auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem BIH und der Charité.“ Die Berliner Translationspartner haben bereits gezeigt, dass sie translationale Projekte gezielt fördern können: Zum Beispiel entwickelten Forscherinnen und Forscher beim BIH-Centrum für Regenerative Therapien aufbauend auf Forschungsergebnissen genetisch veränderte Immunzellen, sogenannte Treg-Zellen, mit denen sie die Akzeptanz von Organtransplantaten bei den Empfängern verlängerten. Eine erfolgreiche Phase-1-Studie zeigte vielversprechende Ergebnisse, die nun in neuen klinischen Studien weiterentwickelt werden, etwa durch den Einsatz der CRISPR/Cas9-Technologie. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité und BIH Vorstandsmitglied, zeigte sich ebenfalls hocherfreut über die Auszeichnung: „Der Wellcome Trust ist eine der renommiertesten Stiftungen für medizinische Forschung und fördert bereits zahlreiche exzellente Wissenschaftseinrichtungen. Dass die Charité und das BIH sich nun ebenfalls dazuzählen dürfen, zeigt, wie wichtig unsere translationale Spitzenforschung ist, um Innovationen den Weg zur personalisierten Gesundheitsversorgung zu ebnen. Das Ergebnis zeigt uns auch einmal mehr, dass die Entscheidung des Bundes, das BIH in die Charité zu integrieren, genau richtig war. Auch für Berlin ist die Förderung eine sehr große Auszeichnung, denn sie verleiht dem Wissenschaftsstandort als biomedizinischem Zentrum mit translationalem Fokus auch international mehr Sichtbarkeit.“ Als Dekan der Charité und Vorstandsvorsitzender des BIH war Prof. Dr. Axel Radlach Pries kürzlich bei der Jahrestagung der Translationalen Partner des Wellcome Trust in London dabei. „Das Kernanliegen des BIH ist die medizinische Translation. Unser Ansatz ‚Aus Forschung wird Gesundheit‘ hat den Wellcome Trust offensichtlich überzeugt. Denn das BIH fördert das Entstehen eines ‚Translationalen Ökosystems‘, indem es die gesamte Translationskette vom Labor bis in die Anwendung systematisch unterstützt. Gemeinsam werden das BIH und die Charité in Berlin starke Partner im internationalen Streben nach neuen und besseren Therapie- und Diagnoseverfahren für Patientinnen und Patienten sein.“ „Die Hürden für die Translation liegen oft schon in der Qualität der biomedizinischen Forschung selbst begründet. QUEST hat das Ziel, die Werthaltigkeit und den Nutzen medizinischer Forschung zu erhöhen. Daher beschäftigen wir uns schon länger mit genau den Fragen, die auch der Wellcome Trust nun aufwirft, um die Translation zu fördern“, sagt Prof. Dirnagl. „Die Translationspartnerschaft mit dem Wellcome Trust wird es uns erlauben, unsere Ansätze zur Förderung der Translation weiterzuentwickeln und auszuweiten.“ Und Prof. Volk ergänzt: „Das BCRT hat bereits viel Erfahrung beim Einführen neuer Diagnostik und Therapien bis hin zu neuen zellbasierten Verfahren gesammelt. Dabei konnten wir uns eine große Expertise auch in zulassungsrelevanten und regulatorischen Fragen aneignen. Dieses Wissen möchten wir nun allen an Translation interessierten Forscherinnen und Forschern weitergeben und projektspezifisch anpassen. Indem wir mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem QUEST-Center zusammenarbeiten, hoffen wir, eine umfassende Translationsstruktur zu entwickeln, die es erlaubt, robuste Forschungsergebnisse in innovative Lösungen zu überführen.“

  • Für zukunftsweisende Konzepte zur Krankenversorgung und Versorgungsforschung - 28-11-2019
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist in der neuen Förderperiode des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) wiederholt stark vertreten. Vier Projekte im Bereich Neue Versorgungsformen und zwei Projekte im Bereich Versorgungsforschung werden über eine Laufzeit von drei bis vier Jahren an der Charité gefördert. Zudem ist die Berliner Universitätsmedizin als Konsortialpartnerin an sechs weiteren Vorhaben beteiligt. Ziel ist es, neue Konzepte für die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu entwickeln und Ansätze zu erproben. Die Projekte starten im Jahr 2020. „Ich freue mich sehr, dass es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Charité erneut gelungen ist, eine Förderung des Innovationsfonds für innovative Versorgungsprojekte zu erhalten. Versorgungsforschung und die Entwicklung intelligenter Versorgungsformen sind der Schlüssel zur Zukunft des deutschen Gesundheitswesens“, konstatiert Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité. Die Förderprojekte des Innovationsfonds befassen sich mit Fragestellungen zur verbesserten Versorgung von älteren und pflegebedürftigen Menschen, zur Versorgung im ländlichen Raum, zu großen Volkskrankheiten, aber auch zu seltenen Erkrankungen, psychischen Erkrankungen und zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Dabei gewinnen telemedizinische Ansätze und eHealth-Lösungen an Bedeutung, beispielsweise um beteiligte Einrichtungen zu koordinieren und Patienten besser zu einzubinden. Der Charité sind mit den aktuell bewilligten Forschungsvorhaben seit Start des Innovationsfonds im Jahr 2016 insgesamt 21 Projekte mit Konsortialführung zugesprochen worden. Zehn Projekte widmen sich der Entwicklung neuer Versorgungsformen, elf Vorhaben sind im Bereich Versorgungsforschung angesiedelt. An weiteren 20 Forschungsprojekten ist die Charité beteiligt. „Mit den neuen Projekten des Innovationsfonds erfährt die Versorgungsforschung an der Charité einen weiteren Zugewinn. Wir werden auch diesen Schwung nutzen, um das Wissenschaftsprofil der Charité zukünftig mit einem Leuchtturm Versorgungsforschung zu ergänzen“, sagt Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft und Sprecherin der „Plattform – Charité Versorgungsforschung“. Das Fördervolumen der neuen Förderperiode beläuft sich an der Charité auf rund 25 Millionen Euro, Mittel der Konsortialpartner eingeschlossen. Im Verlauf des Jahres 2020 werden die Forschungsvorhaben ihre Arbeiten aufnehmen. APU Abdominal Pain Unit (Neue Versorgungsformen) Ziel des Projektes ist die Verbesserung der Versorgung von Patienten, die mit akuten Bauchschmerzen in eine Notaufnahme kommen, aber kein Trauma erlitten haben. Es handelt sich um etwa zehn Prozent aller Vorstellungen, rund fünf Prozent der Patienten mit diesem Leitsymptom versterben im Krankenhaus. Ein bereits entwickelter Versorgungspfad soll in Form einer App für den Einsatz in der Notaufnahme umgesetzt werden. Eine verbesserte Ressourcennutzung, schnellere Diagnostik und Therapie, Vermeidung von Schmerzen und letztlich eine höhere Patientenzufriedenheit sollen erreicht werden. Projektleitung: Prof. Dr. Martin Möckel, Ärztlicher Leiter Notfall- und Akutmedizin, Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum ConneCT CF (Neue Versorgungsformen) Bei diesem Ansatz geht es darum, die Langzeitbehandlung von Patienten mit Mukoviszidose zu verbessern. Weniger Phasen akuter Verschlechterung, weniger Krankenhausaufenthalte und somit eine Verbesserung der Lebensqualität sind das Ziel. Es soll erreicht werden, indem Patienten ihre Therapie konsequenter verfolgen. Hierzu sollen sie telemedizinisch angebunden werden. Sie erhalten einerseits ein Coaching, andererseits soll die Lungenfunktion regelmäßig überwacht werden. Bei Verschlechterung kann der Arzt dann kurzfristig eingreifen. Projektleitung: Prof. Dr. Marcus A. Mall, Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin, Campus Virchow-Klinikum PRO B – PROM (Neue Versorgungsformen) Das Vorhaben setzt einen international bereits weit entwickelten wissenschaftlichen Trend zur webbasierten, strukturierten, direkten Abfrage und Dokumentation krankheitsbezogener Beschwerden von Patientinnen zur Therapieverbesserung in Deutschland um. Die Nutzung der erhobenen Daten soll zur Verbesserung der Lebensqualität der an metastasiertem Brustkrebs erkrankten Patientinnen durch eine zielgerichtete Therapieumstellung durch frühzeitiges Erkennen von Symptomen aufgrund des intensivierten Monitorings der Patient Reported Outcomes (PRO) führen. Dies wird durch zwei Studienarme mit unterschiedlichen Monitoring-Interventionen begleitend evaluiert. Projektleitung: Dr. Maria Margarete Karsten, Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum der Charité, Campus Charité Mitte Survivorship Clinic (Neue Versorgungsformen) An der Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie am Campus Virchow-Klinikum wird die deutschlandweit erste Sprechstunde für Langzeitüberlebende mit und nach gynäkologischer Tumorerkrankung, darunter Eierstock-, Eileiter-, Bauchfell-, Gebärmutterhals- und Gebärmutterkörperkrebs, etabliert werden. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität und des Gesundheitszustandes durch möglichst frühzeitige Diagnostik und Therapie von Langzeitnebenwirkungen, beispielsweise Fatigue, sowie eine präventive Beratung zu Ernährung, Bewegung und Lebensstil. Projektleitung: Dr. Hannah Woopen, Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie, Campus Virchow-Klinikum SIMPATI (Versorgungsforschung) Mit diesem Projekt soll die Erfassung, Übermittlung, Auswertung und Berichterstattung von Krankenhausinfektionen im Bereich der außerklinischen Intensivpflege, wie beispielsweise der Pflege von Heimbeatmungspatienten, eingeführt werden. Pflegedienste sollen somit in die Lage versetzt werden, ihre Situation hinsichtlich Problemkeimen und Infektionshäufigkeiten zu erkennen, mit anderen Pflegediensten zu vergleichen, und darauf aufbauend ein modernes Hygienemanagement aufzubauen. Projektleitung: Prof. Dr. Christine Geffers, Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Campus Benjamin Franklin MOVEBASE (Versorgungsforschung) Patienten, die an neurologischen Bewegungsstörungen leiden, wie beispielsweise Morbus Parkinson, sollen über ein Handy sowohl wahrgenommene Symptome (PROs) eingeben, als auch Sensordaten. Damit sollen automatisiert Merkmale identifiziert werden, die für eine klinische Verschlechterung der Symptomatik sprechen. Die Studienteilnehmer sollen so deutlich bedarfsgerechter versorgt werden. Projektleitung: Prof. Dr. Andrea A. Kühn, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation, Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum

  • Zusammenarbeit zwischen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der AOK Nordost - 27-11-2019
    Gemeinsames Pressestatement der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der AOK Nordost: Pressemeldungen der vergangenen Tage könnten den Eindruck erwecken, dass es Ungereimtheiten zwischen den beiden großen Partnern des Berliner Gesundheitswesens geben würde. Der Vorstandsvorsitzende der Charité Prof. Dr. Heyo Kroemer und der Vorstand der AOK Nordost Frank Michalak betonen vor diesem Hintergrund ausdrücklich die hervorragende Zusammenarbeit. Zahlreiche gemeinsame Projekte, beispielsweise zum Ausbau innovativer, sektorenübergreifender Strukturen zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen, tragen dazu bei, das Profil des Landes Berlin als Gesundheitsstandort zu stärken und zu schärfen. Beiden Partnern gelingt es mit diesem Engagement darüber hinaus, Fördergelder aus dem von der Bundesregierung angelegten Innovationsfonds für die Region Berlin-Brandenburg zu generieren und damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung und Optimierung der gesundheitlichen, qualitätsgesicherten Versorgung der Menschen in der Region zu leisten.

  • Förderung für exzellenten Nachwuchs der klinischen Neurowissenschaften - 27-11-2019
    Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist einer von sechs Standorten, den die Hertie-Stiftung für das neu etablierte Hertie Network of Excellence in Clinical Neuroscience ausgewählt hat. Das strategische Netzwerk und Karriereförderprogramm für klinische Neurowissenschaften wird für zunächst drei Jahre mit insgesamt fünf Millionen Euro gefördert. Davon fließen 660.000 Euro an vier Nachwuchsforschende der Charité. Um den Prozess vom Labor in den Klinikalltag zu beschleunigen und zum Wohl der Patienten zu intensivieren, hat die Gemeinnützige Hertie-Stiftung das Hertie Network of Excellence in Clinical Neuroscience initiiert. Das Konsortium besteht aus sechs Standorten, die eine strategische Partnerschaft bilden. Neben der Charité als Standort Berlin haben sich die Standorte Bonn, Hamburg, Heidelberg/Mannheim, München und Tübingen in dem Auswahlverfahren durchgesetzt. „Die klinischen Neurowissenschaften an der Charité zeichnen sich durch eine enge Partnerschaft zwischen der Klinik für Neurologie mit der Abteilung für Experimentelle Neurologie und dem Neurowissenschaftlichen Forschungszentrum aus. Diese translationale Expertise und Infrastruktur, deren Erfolg sich beispielsweise im Exzellenzcluster NeuroCure widerspiegelt, bringt der Standort Berlin in das Netzwerk ein“, erklärt Prof. Dr. Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie und Experimentelle Neurologie der Charité und Sprecher des Standortes Berlin. „Das Hertie Network wird uns zusätzlich die Möglichkeit bieten, eine noch umfangreichere Vielfalt an Methoden anzuwenden und größere Patientenkohorten sowie multizentrische Studien schneller zu etablieren“, ergänzt Prof. Dr. Sarah Shoichet vom Neurowissenschaftlichen Forschungszentrum der Charité und stellvertretende Sprecherin des Berliner Standorts. Die von der Hertie-Stiftung zur Verfügung gestellten fünf Millionen Euro fließen größtenteils in die Hertie Academy of Clinical Neuroscience. Das Karriereförderprogramm soll exzellenten Nachwuchsforschenden Schlüsselqualifikationen für die nächsten Karriereschritte vermitteln und die wissenschaftliche Vernetzung zum Beispiel über gemeinsame Projekte fördern. Pro Standort nehmen vier exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler teil. An der Charité werden die folgenden Talente gefördert: Dr. Sarah-Christin Staroßom vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité und dem Experimental and Clinical Research Center (ECRC) der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC), Dr. Susanne Wegmann vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen – Standort Berlin sowie Dr. Wolf-Julian Neumann und Dr. Nikolaus Wenger von der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie am Campus Charité Mitte. Sie werden sich in ihren Projekten den Schwerpunktthemen Schlaganfallforschung und zerebrovaskuläre Erkrankungen, neuroinflammatorische Erkrankungen, Bewegungsstörungen sowie Demenzen und synaptische Pathologie widmen.

  • Infoveranstaltung zur Studie „Kontrolle bei Suchterkrankungen“ - 25-11-2019
    Warum schaffen es einige Menschen, ihren Suchtmittelkonsum zu kontrollieren, und andere nicht? Das untersuchen Experten der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer aktuellen Studie. In einer Infoveranstaltung stellen sie das Forschungsprojekt vor und laden zu einem gesellschaftlichen Austausch, insbesondere zum Thema Alkohol. Betroffene haben die Gelegenheit, sich über eine Teilnahme an der Studie zu informieren. In der Studie unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte, wird erforscht, wie und warum Menschen die Kontrolle über ihren Suchtmittelkonsum verlieren und wiedererlangen. Neben dem übermäßigen Gebrauch von Tabak, Cannabis und anderen Drogen steht insbesondere der Konsum von Alkohol im Fokus. Hierfür sollen Menschen untersucht werden, die eine riskante Menge Alkohol zu sich nehmen, ohne abhängig zu sein. Ein Jahr lang sollen die Teilnehmenden ihr Trinkverhalten, ihre Stimmungslage und ihr Stresserleben regelmäßig mithilfe einer App dokumentieren. Dies wird von medizinischen und neuropsychologischen Untersuchungen begleitet. Langfristiges Ziel des Projektes ist es, persönliche Stärken und Schwächen der Betroffenen identifizieren und auf dieser Basis individuelle Verhaltenstrainings erarbeiten zu können. Die Veranstaltung richtet sich an Betroffene und ihre Angehörigen, medizinisch Tätige sowie alle Interessierten. Nach der Vorstellung des Projekts wird es eine offene Fragerunde und die Möglichkeit zur Diskussion geben. Die Veranstaltung findet am Montag, den 2. Dezember von 18 bis 20 Uhr im großen Hörsaal der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin, Geländeadresse: Bonhoefferweg 3 statt. Um Anmeldung unter studie.recode(at)charite.de wird gebeten. Der Eintritt ist frei.

  • Erster Charité-Versorgungsforschungskongress - 21-11-2019
    Welche Auswirkungen hat der demografische Wandel auf die Gesundheit und die Gesundheitsversorgung? Werden immer mehr Patientinnen und Patienten an chronischen Erkrankungen leiden? Und welche Möglichkeiten für Diagnostik, Therapie, Rehabilitation und Pflege bieten digitale Technologien? Diese und weitere Fragen stehen im Fokus des 1. Charité-Versorgungsforschungskongresses der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die „Plattform – Charité Versorgungsforschung“ bündelt Forschungsvorhaben, Weiterentwicklungen sowie Maßnahmen der Nachwuchsförderung im Bereich Versorgungsforschung. Der Plattform gehören bisher 17 Einrichtungen der Charité sowie die drei Forschungsnetze EMANet, NAVICARE und Fontane an. Ziel der Vernetzung ist es, Ressourcen besser zu nutzen, neue Synergien zu schaffen, wissenschaftliche Methoden gemeinsam weiterzuentwickeln und den wissenschaftlichen Nachwuchs besser zu fördern. Neue Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung sollen so noch schneller für Patientinnen und Patienten zum Einsatz kommen. Im Fokus stehen dabei zunächst Forschungsaktivitäten zu den Themen ambulante und sektorenübergreifende Versorgung, vulnerable Gruppen und Personen mit chronischen Erkrankungen, Notfall- und Akutversorgung sowie Telemedizin und Digital Care. Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, sowie Sprecherin der neuen Plattform, erklärt: „Dank der einmaligen Interdisziplinarität der Versorgungsforschung an der Charité, der Einbeziehung Studierender unterschiedlicher Fachrichtungen sowie junger Nachwuchskräfte wird die neue Plattform einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Forschungsgebiet fachlich, inhaltlich aber auch methodisch weiter zu entwickeln und den benötigten wissenschaftlichen Nachwuchs dafür auszubilden.“ Prof. Dr. Martin Möckel, Ärztlicher Leiter der Notfall- und Akutmedizin am Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum sowie stellvertretender Sprecher der Plattform, betont: „Mit der Plattform und unseren klinischen Partnern innerhalb und außerhalb der Charité, den Krankenkassen und Verbänden haben wir eine produktive Vernetzung von Forschung, Versorgungspraxis und -gestaltung, die es ermöglicht, neue Versorgungsmodelle zu pilotieren, zu erforschen und für die Umsetzung vorzubereiten.“ Der 1. Charité-Versorgungsforschungskongress findet am Mittwoch, den 27. November von 15.00 bis 20.00 Uhr im CharitéCrossOver am Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin, Geländeadresse: Virchowweg 6 statt. Medienvertreter sind herzlich eingeladen und werden um Anmeldung unter presse(at)charite.de gebeten.

  • Im Alter gelten andere Regeln - 21-11-2019
    Seit zehn Jahren untersuchen Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin in der Berliner Initiative Studie (BIS), wie sich die Funktion der Nieren im Alter verändert. Das Resultat sind zwei Formeln, mit der Ärzte die Nierenfunktion bei Älteren heute präziser abschätzen können. So lässt sich zum Beispiel eine zu hohe Dosierung von Medikamenten vermeiden. Die Studienergebnisse haben außerdem verdeutlicht, dass eine Senkung des Blutdrucks bei bestimmten Hochbetagten sogar das Sterberisiko erhöhen kann. Dass die Leistungsfähigkeit der Nieren im Alter abnimmt, ist schon lange bekannt. Doch welche Nierenfunktion ist bei älteren Personen normal, bei wie vielen von ihnen ist sie eingeschränkt? Und wie rapide schreitet der Funktionsverlust normalerweise fort? Antworten auf diese Fragen sind insbesondere relevant für Menschen, die Medikamente einnehmen: Wenn die Nieren einen Wirkstoff nicht mehr schnell genug ausscheiden können, droht eine Überdosierung – mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen. Deshalb schätzen Ärzte die Nierenleistung ab, bevor sie die Dosis bestimmter Medikamente festsetzen. Das Problem: Dazu standen ihnen nur Formeln zur Verfügung, die anhand der Daten jüngerer Menschen entwickelt worden waren. Um das Wissen zur Nierenfunktion im Alter zu erweitern, startete das Team um Prof. Dr. Elke Schäffner, Stellvertretende Direktorin des Instituts für Public Health der Charité, 2009 die Berliner Initiative Studie. Ziel des Forschungsvorhabens war es, mehr als 2.000 Menschen ab 70 Jahren aus Berlin und Brandenburg über mehrere Jahre lang zu begleiten und in regelmäßigen Abständen eingehend zu untersuchen. „Angesichts eines durchschnittlichen Alters der Probanden von 80 Jahren, verbunden mit alterstypischen Begleiterkrankungen und häufig auch Gebrechlichkeit, war das kein leichtes Unterfangen“, betont Prof. Schäffner. Die Teilnehmenden wurden fünf Mal im Abstand von zwei Jahren zu ihren Gewohnheiten, Erkrankungen und Medikamenten befragt. Zusätzlich wurden ihr Blutdruck und ihre Nierenfunktion gemessen sowie Blut- und Urinproben untersucht. Der Aufwand zahlte sich aus: Die Forschungsgruppe erarbeitete einen bislang einmaligen Datenschatz zum Gesundheitszustand älterer Menschen – und ihrer Lebensgewohnheiten: Ein Fünftel der Studienteilnehmenden gab an, täglich Alkohol zu trinken. Die Hälfte der Befragten hatte in ihrem Leben geraucht oder rauchte noch immer. Je ein Viertel der Personen war übergewichtig, hatte Krebs und/oder Diabetes. Und knapp 80 Prozent der Probanden nahmen blutdrucksenkende Mittel ein. Diese Patienten nahm die Forschungsgruppe für eine Untersuchung zum Einfluss des Blutdrucks auf die Gesamtsterblichkeit besonders in den Fokus. Wie sie feststellte, ist es nicht für alle älteren Personen gesünder, wenn ihr Blutdruck auf unter 140/90 mmHg gesenkt wird. Im Gegenteil: Bei Menschen, die älter als 80 Jahre sind oder bereits einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt hatten, steigt das Sterberisiko sogar. Die neuen Daten zur Nierenfunktion, der sogenannten glomerulären Filtrationsrate, zeigten außerdem: Etwa bei der Hälfte der Probanden arbeiteten die Nieren nur eingeschränkt. Zusätzlich stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass die bisher genutzten Gleichungen zur Einschätzung der Filtrationsrate die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Nieren bei älteren Menschen überschätzen. „Das bedeutet, dass Ärzte aufgrund der ungenauen Schätzwerte möglicherweise eine Medikamentendosis festsetzen, die für die Patienten eigentlich zu hoch ist“, erläutert Prof. Schäffner. Um hier Abhilfe zu schaffen, entwickelte das Team um die Nephrologin und Epidemiologin 2012 eine Berechnungsmethode, mit der die Nierenfunktion bei Menschen ab 70 Jahren präziser als bisher abgeschätzt werden kann: die BIS1- bzw. BIS2-Formel. „Ärztinnen und Ärzte können beide Formeln heute ganz einfach und kostenfrei über einen Online-Rechner nutzen. Auch eine Reihe von Laborverbünden hat diese Methode mittlerweile in ihr Portfolio aufgenommen“, sagt Prof. Schäffner. Die Medizinerin freut sich über die vielen Ergebnisse der Studie: „Die Berliner Initiative Studie hat dazu beigetragen, dass wir mehr über den Gesundheitszustand älterer Menschen wissen und diese Altersklasse stärker in den Fokus rücken.“ Zusammen mit ihrem Team ist sie derzeit dabei, die Daten weiter zu analysieren, um beispielsweise herauszufinden, wie sich im Alter die Abnahme der Nierenfunktion über die Zeit verhält und wodurch sie beeinflusst wird.

  • In Memoriam Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker - 20-11-2019
    „Gestern Abend wurde Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker, Chefarzt an der Schlosspark-Klinik, ermordet. Die Tat geschah im Rahmen einer öffentlichen Fortbildung und damit in einer Situation, die auch in der Charité alltäglich ist. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist zutiefst erschüttert über den gewaltsamen Tod des geschätzten und befreundeten Kollegen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen der Schlosspark-Klinik.“ Der Vorstand der Charité

  • Charité Science Slam: Wer sprengt das Applausometer? - 20-11-2019
    Es wird wieder geslamt: Wie sieht die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Charité – Universitätsmedizin Berlin aus? Und wie unterscheiden sich die einzelnen Fachgebiete von A wie Allergologie bis Z wie Zahnheilkunde? Anlässlich des Life Science Day treten die Expertinnen und Experten gegeneinander an und bringen ihre Forschung kurz, anschaulich und packend auf die Bühne. Am Ende entscheidet das Publikum, wer auf dem Siegertreppchen steht. Am Campus Benjamin Franklin wird Forschung von A bis Z betrieben und jetzt auch laienverständlich erklärt. Das „wie“ ist den Vortragenden selbst überlassen. Hilfsmittel jeder Art von Power-Point-Präsentation bis zum Live-Experiment sind erlaubt. Interessierte haben die Möglichkeit, Einblicke in die aktuelle Forschung zu bekommen und mit den Spezialisten in den Dialog zu gehen. Der Science Slam findet am Samstag, den 23. November, von 10 bis 15 Uhr am Campus Benjamin Franklin, Hörsaal West, Hindenburgdamm 30 in 12203 Berlin statt. Der Eintritt ist frei. Medienvertreter werden gebeten, sich unter presse(at)charite.de anzumelden.

  • 20 Jahre Lernzentrum der Charité: Tag der offenen Tür - 15-11-2019
    Was genau passiert im Lernzentrum der Charité – Universitätsmedizin Berlin? Wie trainieren Medizinstudierende praktische Fertigkeiten wie Blutabnehmen oder Nähen? Und welche Rolle spielen Simulationspatienten beim Üben der ärztlichen Gesprächsführung? Dies und anderes erfahren die Besucherinnen und Besucher beim Tag der offenen Tür im Lernzentrum. Zum 20-jährigen Jubiläum sind alle Interessierten herzlich eingeladen, das Simulationspatienten-Programm und das Lernzentrum kennen zu lernen. Die Besucher können vor Ort beispielsweise Simulationspatientinnen und Simulationspatienten (SP) erleben, die Menschen mit bestimmten Krankheitsbildern inklusive ihrer Lebensgeschichte und Persönlichkeit realitätsnah darstellen. Am Tag der offenen Tür können Interessierte beobachten, welchen Herausforderungen sich die Schauspielpatienten stellen müssen und auch selber in diese Rolle schlüpfen. Eine kleine Ausstellung ermöglicht einen Rückblick auf 20 Jahre SP-Programm und beschreibt die Entwicklungen von damals bis heute. Darüber hinaus können Interessierte praktische medizinische Fertigkeiten wie beispielsweise Nähen, Blutabnehmen, kleine laparoskopische Operationen oder die Wiederbelebung trainieren. Mit einem Altersanzug können sich die Besucher in den Körper eines älteren Menschen und seine altersbedingten Beschwerden einfühlen. Die kleinen Besucherinnen und Besucher können in der Teddyklinik ihre Kuscheltiere professionell versorgen lassen. Zum Tag der offenen Tür „20 Jahre Lernzentrum und Simulationspatienten-Programm“ sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Die Veranstaltung findet am Freitag, den 22. November von 13.00 bis 16.00 Uhr in den Räumen des Lernzentrums am Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin (Geländeadresse Virchowweg 3 und 5) statt. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig. Medienvertreter werden um Anmeldung unter presse(at)charite.de gebeten. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Lernzentrum, Progress Test Medizin und Simulationspatienten-Programm findet ab 16 Uhr ein Symposium für geladene Gäste statt. Die Referentinnen und Referenten der Charité sprechen beispielsweise über Reformen im Medizinstudium und wie sich sowohl das Lernzentrum als auch das SP-Programm bis heute entwickelt haben. Medienvertreter sind herzlich eingeladen und werden um Anmeldung unter presse(at)charite.de gebeten.

  • Sonntagsvorlesung zu Erkrankungen der Wirbelsäule - 12-11-2019
    Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit – doch was hilft bei akuten und chronischen Problemen? Darüber sprechen die Expertinnen und Experten des Wirbelsäulenzentrums der Charité in der kommenden Sonntagsvorlesung. Thematisiert werden insbesondere die multimodale Schmerztherapie, der Zusammenhang zwischen Psyche und Rückenleiden sowie die Frage, wann eine Operation sinnvoll ist. Im Wirbelsäulenzentrum arbeiten die verschiedenen Fachbereiche interdisziplinär zusammen, um dem Volksleiden Nummer eins effektiver begegnen zu können. In der Sonntagsvorlesung präsentieren die Referenten drei dieser Bereiche: Die Schmerzmedizinerin Dr. Erika Schulte von der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin, Prof. Dr. Michael Putzier, Leiter des Wirbelsäulenzentrums und Sektionsleiter Wirbelsäulenchirurgie am Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, sowie Prof. Dr. Matthias Rose, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik. Die Experten stellen das Spektrum des klinik- und campusübergreifenden Wirbelsäulenzentrums vor und erläutern die Bandbreite des Zentrums in Diagnostik und Therapie. Darüber hinaus erklären sie, wie Konzepte mit ganzheitlichem Ansatz für die bestmögliche Behandlung der Patientinnen und Patienten kombiniert werden können. Die Sonntagsvorlesung „Das Wirbelsäulenzentrum der Charité: Interdisziplinäre Kompetenz für Patienten“ findet am 17. November um 14 Uhr im Hörsaal Innere Medizin am Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin, Geländeadresse: Sauerbruchweg 2, barrierefreier Zugang: Virchowweg 9, statt. Der Eintritt ist frei.