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Charité Universitätsmedizin Berlin

Vorschau auf Charité Universitätsmedizin Berlin

Die Charité zählt zu den größten Universitätskliniken Europas. Hier forschen, heilen und lehren Ärzte und Wissenschaftler auf internationalem Spitzenniveau. Über die Hälfte der deutschen Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie stammen aus der Charité.

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Kategorie : Linkbuch > Gesundheit und Medizin

Tiefer Einblick in Tumore

- 17-06-2021

Pressemitteilung der Charité und des BIH gemeinsam mit dem MDC Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und des Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité haben Methoden entwickelt, um Proteine in fixierten Proben von Krebsgeweben umfassend zu analysieren. Wie das Team jetzt im Fachjournal Nature Communications* berichtet, lassen sich damit neue Erkenntnisse über die Krankheitsabläufe bei verschiedenen Krebsarten gewinnen. Um eine Krebserkrankung zu diagnostizieren, entnehmen Ärztinnen und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten Gewebeproben, die sie – meist fixiert in Formalin – mikroskopisch untersuchen. In den vergangenen 20 Jahren wurden zudem genetische Verfahren etabliert, die es erlauben, Mutationen in den Tumoren näher zu charakterisieren, und Hinweise auf die beste Behandlungsstrategie liefern. Jetzt ist es einem Forschungsteam der Charité, des MDC und des BIH zusammen mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) gelungen, in fixierten Proben von Lungenkrebsgewebe mehr als 8.000 Proteine mit Massenspektrometern im Detail zu analysieren. „Mit den von uns entwickelten Methoden ist es möglich geworden, molekulare Prozesse in Krebszellen auf der Proteinebene tiefgreifend zu untersuchen – und zwar in bereits vorhandenen Patientenproben, die im Klinikalltag in großer Zahl anfallen und eingelagert werden“, sagt Dr. Philipp Mertins, der Leiter der Technologieplattform „Proteomics“ am MDC und BIH. „Selbst kleinste Gewebemengen, wie sie bei Nadelbiopsien gewonnen werden, sind für unsere Experimente ausreichend.“ Die Studie gilt als ein wichtiger Erfolg für das Forschungsprojekt MSTARS (Multimodal Clinical Mass Spectrometry to Target Treatment Resistance), das seit dem Jahr 2020 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 5,7 Millionen Euro finanziert wird. Das Team um Dr. Mertins und Prof. Dr. Frederick Klauschen vom Institut für Pathologie der Charité hat zum einen zeigen können, dass die Proteine – anders als die häufig untersuchten, aber recht empfindlichen RNA-Moleküle – in den Proben viele Jahre lang stabil bleiben und präzise quantifiziert werden können. „Zum anderen bilden die in dem Tumorgewebe vorhandenen Proteine das Krankheitsgeschehen besonders gut ab“, sagt die Erstautorin Corinna Friedrich, Doktorandin in den Arbeitsgruppen von Dr. Mertins und Prof. Klauschen. „Denn sie geben zum Beispiel Aufschluss darüber, welche der Gene, die das Wachstum eines Tumors fördern oder hemmen, in den Zellen besonders aktiv sind.“ Das Bild, das die Forschenden mit ihrer Analyse von Adeno- und Plattenepithelkarzinomen – zwei Formen von Lungenkrebs – gewonnen haben, ist auch deshalb so detailliert geworden, weil sie nicht nur eine sehr große Zahl von den in der Zelle vorhandenen Proteinen haben aufspüren können, sondern darüber hinaus mehr als 14.000 Phosphorylierungsstellen ermittelt haben. Mithilfe der Phosphorylierung, dem reversiblen Anhängen von Phosphatgruppen an Proteine, kontrolliert die Zelle fast alle biologischen Prozesse, indem sie bestimmte Signalwege auf diese Weise ein- oder ausschaltet. „Unsere Publikation bildet somit eine wichtige Grundlage, um zu einem besseren Verständnis des Krankheitsgeschehens bei Lungenkrebs und auch bei anderen Krebsarten zu gelangen“, sagt Prof. Klauschen, der zusammen mit Dr. Mertins korrespondierender Autor der Studie ist. Inzwischen hat Klauschen die Leitung des Pathologischen Instituts an der Ludwig-Maximilians-Universität München übernommen, forscht aber auch weiterhin an der Charité. „Darüber hinaus werden wir mit den von uns entwickelten Methoden künftig besser erklären können, warum eine ganz bestimmte Therapie bei manchen Erkrankten wirkt, während sie bei anderen versagt“, ergänzt der Pathologe. Somit werde man leichter für alle Patientinnen und Patienten die jeweils beste Behandlungsoption finden. Dr. Mertins hofft zudem, dass sich mit der massenspektrometrischen Analyse des Proteoms in Gewebeproben nicht nur neue Biomarker für die Therapieentscheidung und die Überlebensprognose der Patientinnen und Patienten finden lassen, sondern auch weitere molekulare Zielstrukturen entdeckt werden, an denen potenzielle Medikamente künftig angreifen könnten. Und noch einen Pluspunkt der geleisteten Arbeit kann der Forscher benennen: „Unsere Methode ist nicht nur für die Erforschung von Krebs geeignet, sondern sehr breit einsetzbar.“ Unter anderem hat die Arbeitsgruppe „Proteomics“ bereits das Proteom fixierter Immunzellen von COVID-19-Patientinnen und -Patienten erfolgreich analysiert. Zudem können die Autoren Empfehlungen geben, welche Massenspektrometrie-Methoden für verschiedene Arten von klinischen Studien besonders zu empfehlen sind. Als Nächstes sollen am MDC sowohl weitere fixierte Immunzellen als auch fixiertes kardiovaskuläres Gewebe auf vorhandene Proteine und Phosphorylierungsstellen untersucht werden. „Auf diese Weise wollen wir zu einem besseren Verständnis für Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen“, erläutert Dr. Mertins. „Denn dann würden sich auch diese Krankheiten eines Tages vermutlich sehr viel besser behandeln lassen, als es bislang der Fall ist.“

Start des Einstein-Zentrums 3R für alternative Methoden in der biomedizinischen Forschung

- 15-06-2021

Die Einstein Stiftung Berlin hat das Einstein-Zentrum 3R für alternative Methoden in der biomedizinischen Forschung bewilligt. Das Zentrum startet nach einjähriger Vorbereitungsphase am 1. Juli und wird bis Ende 2026 mit rund 5,3 Millionen Euro von der Einstein Stiftung gefördert. Voraussetzung ist eine erfolgreiche Zwischenevaluation durch die Wissenschaftliche Kommission der Stiftung im Jahr 2024. Ziel des neuen Zentrums ist es, dazu beizutragen, dass Tierversuche in bestimmten Bereichen der biomedizinischen Forschung durch 3D-Gewebekulturen reduziert oder ersetzt werden können.    Mit dem Einsatz von 3D-Gewebekulturen soll die Entwicklung von Therapiemethoden für menschliche Erkrankungen sowie die Übertragbarkeit von Laborergebnissen auf die Patienten verbessert und gleichzeitig der Tierschutz gestärkt werden. Die Gründung des Einstein-Zentrums 3R wurde von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Freien Universität Berlin (FU), der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) sowie der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) initiiert. Es entsteht in enger Kooperation mit dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und dem Robert Koch-Institut (RKI).   Das 3R-Prinzip wurde von den Wissenschaftlern William Russell und Rex Burch entwickelt: Tierversuche sollen ersetzt (Replace), die Anzahl der Versuchstiere reduziert (Reduce) und die Belastung für Versuchstiere gemindert werden (Refine).   „Tierversuche sind für die Weiterentwicklung der medizinischen Behandlungsmöglichkeiten derzeit noch unersetzbar. Umso wichtiger ist es, gezielt an Alternativen zu forschen, diese zu entwickeln und in Forschung, Diagnostik und Therapie zunehmend zu nutzen“, betont Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité. Er fügt hinzu: „Innerhalb der Charité fördern wir über Charité 3R seit 2018 vielfältige Projekte in jedem der drei Bereiche Replace, Reduce und Refine und freuen uns deshalb sehr, dass mit dem Einstein-Zentrum 3R nun eine institutionenübergreifende Struktur geschaffen wird, die die Umsetzung des 3R-Prinzips und die Entwicklung von Alternativmethoden weiter verbessert und die berlinweite Vernetzung der Forschungsprojekte strukturell befördert. Charité 3R war an der Initiierung und Durchführung der Antragstellung maßgeblich beteiligt. Beide Initiativen ergänzen sich dabei hervorragend, um das 3R-Prinzip gemeinsam schneller und gezielter voranzubringen.“   Die Forschungsaktivitäten des Einstein-Zentrum 3R konzentrieren sich auf 3D-Modelle aus menschlichen Gewebekulturen als Alternativen zu Tiermodellen. Es lassen sich sogenannte Organoide züchten, deren Strukturen und Funktionen den jeweiligen Organen ähneln. Auch 3D-Gewebedruck wird eingesetzt. Insgesamt werden im Einstein-Zentrum 3R sechs Forschungsprojekte zu den Organen Darm, Lunge, Herz, Hirn, Leber und der neuromuskulären Verbindung angesiedelt. Sie alle arbeiten mit menschlichen Zellen, wodurch artspezifische Unterschiede – die in der biomedizinischen Forschung häufig die Übertragbarkeit von Tierversuchen auf den Menschen beeinträchtigen – vermieden werden. Darüber hinaus zielen zwei Querschnittsprojekte auf eine Verbesserung der Forschungsqualität ab. Das Zentrum plant zudem die Ausbildungsinitiativen zu 3R in Berlin zu erweitern und die Öffentlichkeit über Alternativmethoden zu informieren. 

Auf Fusionskurs: Land Berlin, Charité und DHZB unterzeichnen Vereinbarung zur Errichtung des „Deutschen Herzzentrums der Charité“

- 14-06-2021

Gemeinsame PM der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Deutschen Herzzentrums Berlin und der Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) planen, ihre Herz-Kreislaufeinrichtungen zusammenzuführen, um das gemeinsame Zentrum „Deutsches Herzzentrum der Charité“ (DHZC) zu etablieren. Dazu haben das Land Berlin, die Charité und das DHZB jetzt eine Rahmenvereinbarung über die Grundlagen und die Bedingungen dieses Zusammenschlusses unterzeichnet.     Vorgesehen ist, dass das DHZB als Stiftung des bürgerlichen Rechts seinen Krankenhausbetrieb auf die Charité und dort in das neu zu gründende DHZC überträgt. Aus den bisherigen Strukturen der Charité werden die herzmedizinischen Einrichtungen eingebracht. Die Stiftung DHZB bleibt erhalten.   Das DHZC entsteht als sogenanntes „Gemeinsames Zentrum“ als Organisationseinheit innerhalb der Charité mit weitgehender strategischer und operativer Eigenständigkeit. So erhält das DHZC als satzungsgemäße Organe innerhalb der Charité    - einen DHZC-Bereichsvorstand, bestehend aus der oder dem Ärztlichen Direktor*in, dessen oder deren Stellvertreter*in, dem oder der Kaufmännischen Direktor*in und dem oder der Pflegedirektor*in und  - einen DHZC-Verwaltungsrat. Zu diesem Kontrollgremium gehören die oder der Vorstandsvorsitzende der Charité (Vorsitz), die oder der Präsident*in des DHZB-Stiftungsrats sowie vier Mitglieder, von denen jeweils zwei vom DHZB-Stiftungsrat und vom Aufsichtsrat der Charité entsandt werden.    Diesen Organen sollen Zuständigkeiten des Aufsichtsrats, des Vorstands und der Klinikumsleitung der Charité in Bezug auf das „Gemeinsame Zentrum“ übertragen werden. Die Stiftung DHZB erhält einen Sitz im Aufsichtsrat der Charité.   Die gesetzliche Grundlage für die Errichtung des DHZC hat das Berliner Abgeordnetenhaus mit dem „Zweiten Gesetz zur Änderung des Berliner Universitätsmedizingesetzes“ bereits geschaffen. Der Senat von Berlin, der Aufsichtsrat der Charité sowie der DHZB-Stiftungsrat hatten der Rahmenvereinbarung zugestimmt. Auch das Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss genehmigt.   Im nächsten Schritt sind nun die Details der Ausgestaltung des Zusammenschlusses, einschließlich der genauen Zuständigkeiten der neuen Organe, in einer „Besonderen Beteiligungsvereinbarung“ zwischen Charité und DHZB festzulegen. Sie bedarf der Zustimmung der Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung sowie der Senatsverwaltung für Finanzen.    Für das DHZC wird ein zukunftsweisender Neubau mit einem Mittelvolumen in Höhe von 386,9 Millionen Euro am Campus Virchow-Klinikum der Charité in Berlin-Wedding entstehen. Das Gebäude mit rund 28.000 Quadratmetern Nutzfläche soll bis 2028 fertig gestellt werden. Es bietet modernste OP-Säle, Labore und Hybrid-Eingriffsräume zur Behandlung sämtlicher Herz-Kreislauferkrankungen, zudem werden dort die zentralisierte Notaufnahme und ein Hubschrauberlandeplatz verortet sein. Das Land stellt dafür in seiner Investitionsplanung 286,9 Millionen Euro bereit, der Bund beteiligt sich mit 100 Millionen Euro.    Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung Michael Müller: „Heute beginnt ein neues Kapitel für die Berliner Herzmedizin. Auf diesen Tag haben wir gemeinsam lange hingearbeitet und Schritt für Schritt die notwendigen Grundlagen dafür geschaffen, dass auf dem Virchow-Campus in Berlin-Wedding das modernste Herzzentrum Europas entstehen kann. Wir vereinen dafür das Beste, was unsere Stadt in der Herzmedizin zu bieten hat. So wird aus der Vision nun Realität, und das heißt vor allem herzmedizinische Forschung und Versorgung auf internationalem Spitzenniveau für die Patientinnen und Patienten in unserer Stadt und in ganz Deutschland.“    Prof. Dr. Hans Maier, Präsident des DHZB-Stiftungsrats: „Mit der Errichtung des ‚Deutschen Herzzentrums der Charité‘ werden wir den Zweck der Stiftung DHZB – die Förderung des Gesundheitswesens, der Wissenschaft und Forschung im Bereich der kardiovaskulären Medizin – langfristig und nachhaltig erfüllen: durch erstklassige medizinische Versorgung der Bevölkerung, Forschung und Entwicklung auf Spitzenniveau und durch die zukunftssichere Aus- und Weiterbildung aller Berufsbilder in der kardiovaskulären Medizin.“    Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, ergänzt: „Mit der Unterzeichnung der Errichtungsvereinbarung haben wir einen weiteren wesentlichen Meilenstein zur gemeinsamen Herzmedizin und dem dazugehörigen Neubauprojekt erreicht. Gemeinsam wollen wir für die Patientinnen und Patienten eine der modernsten Kardiologien Europas aufbauen und mit dem DHZC national sowie international neue Maßstäbe in Versorgung, Forschung und Lehre setzen.“     Prof. Dr. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des DHZB und Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstands: „Die Vereinigung und der weitere Ausbau unserer gemeinsamen Kapazitäten im ‚Deutschen Herzzentrum der Charité‘ sichert die Zukunft einer modernen Herzmedizin, mit fachübergreifend zusammengesetzten und hochspezialisierten Teams, die dank hoher Fallzahlen und entsprechender Routine für höchste Behandlungsqualität und -sicherheit stehen.“    Astrid Lurati, Vorstand Finanzen und Infrastruktur der Charité, äußert sich zum dazugehörigen Bauprojekt: „Der Neubau des DHZC stellt den ersten großen Zukunftsbaustein der baulichen Entwicklung am Campus Virchow-Klinikum dar. Er wird sowohl funktionell hochmodern als auch infrastrukturell auf die Herzmedizin der Zukunft in nachhaltiger Bauweise errichtet. ‚Healing architecture‘ prägt den entstehenden Neubau, in dem das DHZC als digitale Modellklinik der Herzmedizin Anfang 2028 seinen Betrieb aufnehmen soll. Die Charité und das DHZB danken dem Land Berlin und dem Bund für das großzügige finanzielle Engagement für die Herzmedizin Berlins.“  

Universitätsmedizin übernimmt Verantwortung in Europa

- 10-06-2021

Im fünften Jahr ihres Bestehens ist die European University Hospital Alliance (EUHA), deren Mitglied die Charité – Universitätsmedizin Berlin neben acht weiteren führenden europäischen Einrichtungen ist, eine internationale gemeinnützige Organisation geworden. Mit dem neuen Status verbunden sind beratende Aufgaben auf europäischer Ebene, wie auch neue Ziele. Getreu dem EUHA-Leitgedanken „Leading by Doing“ haben die Partnerinstitutionen bei ihrer achten Mitgliederversammlung weitere richtungweisende Vorhaben angestoßen: So soll ein europaweites Pflegenetzwerk, unter Koordination der Charité, zu einer stetigen Verbesserung der Versorgungsqualität von Patientinnen und Patienten führen. Auf Forschungsebene verständigten sich die Mitglieder auf einen gemeinsamen Wertekanon und unterzeichneten die internationale Sorbonne Declaration für einen freien Zugang zu Forschungsdaten und einhergehender Förderung von Innovation. Das noch junge Netzwerk EUHA ist mit seiner offiziellen Registrierung als internationale Non-Profit-Organisation nun in der Lage, rechtswirksame Verträge zu schließen, gemeinsam EU-Förderungen einzuwerben und als eigenständige Organisation aufzutreten. Die CEOs der neun EUHA-Gründungsmitglieder haben sich heute zur Mitgliederversammlung digital zusammengefunden, ausgehend vom schwedischen Karolinska University Hospital, Stockholm. „Die Partnerschaft der EUHA-Universitätskliniken hat sich in den vergangenen Jahren als sehr wertvoll erwiesen. Gerade im Rahmen des Pandemiemanagements, war es unheimlich hilfreich, die Kolleginnen und Kollegen in anderen europäischen Ländern kurzfristig und vertrauensvoll kontaktieren zu können, sich auszutauschen und in der akuten Krisensituation kritische Informationen zu teilen“, sagt Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité. Nicht nur untereinander profitierten die Einrichtungen vom gegenseitigen Wissensaustausch, auch die EU-Kommission hat den Verbund als Berater in der Pandemie herangezogen. Beispielhaft vorangehen will die Allianz der europäischen Universitätsklinika auf dem Gebiet Forschung und Lehre. Hier bietet die Kooperation der EUHA-Partner großes Potenzial, betont Prof. Dr. Axel R. Pries, Dekan der Charité: „Gemeinsam wollen wir in den kommenden Jahren wichtige Zukunftsbereiche weiterentwickeln, beispielsweise auf dem Gebiet der Zell- und Gentherapie durch die Gründung eines europäischen Instituts für die Entwicklung von Zelltherapien, durch die Ausgestaltung einer Plattform für Gesundheitsdaten, den European Health Data Space, und die Förderung europäischer Referenznetzwerke für seltene Erkrankungen. In Planung sind ebenfalls gemeinsame Curricula und Weiterbildungsangebote mit den EUHA-Partnereinrichtungen.“ Auch der Berufsstand der Pflegenden vernetzt sich im Rahmen der EUHA, ganz im Sinne des verbindenden Leitgedankens: „Leading by Doing“ – mit gutem Beispiel voran gehen. Als europäisches Netzwerk mit Fokus auf die besonderen Anforderungen der Universitätsmedizin haben die neun Partnereinrichtungen heute das EUHA Nursing Network ins Leben gerufen. Koordiniert wird dieses an der Charité. Führungskräfte des Pflegeberufs der EUHA-Krankenhäuser werden sich künftig regelmäßig austauschen und kommen zusammen, um die Entwicklung der Profession nachhaltig voranzubringen. Neben Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung spielt interkulturelle Kompetenzentwicklung eine wichtige Rolle. „Dieser Austausch ist extrem hilfreich und wichtig, denn wir stehen alle vor den gleichen Herausforderungen. Wir können viel von unseren europäischen Partnern lernen, unter anderem im Bereich der Qualifizierungswege, der Akademisierung in der Pflege und der Entwicklung von Strategien, um das Berufsbild attraktiver zu gestalten“, sagt Judith Heepe, Koordinatorin des EUHA Nursing Network und Pflegedirektorin der Charité. Europaweit ist der demografische Wandel und damit verbunden der Fachkräftemangel ein drängendes Thema. „Die Pandemie hat noch einmal verdeutlicht, dass wir in den Unikliniken alle Berufsgruppen benötigen, um die Klinik am Laufen zu halten“, sagt Prof. Kroemer. „An der Charité streben wir eine interprofessionelle Arbeit an, und die Pflegenden spielen dabei eine entscheidende Rolle.“ Personalaustauschprogramme und Pflegeforschung sollen weiterhin dazu beitragen, die Pflegesituation europaweit auf ein stabiles Fundament zu stellen. Weiterer wegweisender Beschluss der heutigen EUHA-Zusammenkunft ist die Unterzeichnung der internationalen Sorbonne Declaration – ein Bekenntnis zu freiem Zugang zu Forschungsdaten mit dem Ziel, eine Kultur verantwortungsvoller Forschung und Innovation zu schaffen. Vor etwa einem Jahr war die Sorbonne-Erklärung ins Leben gerufen worden. Auf Initiative der Charité und der EUHA Forschungsdekane schließt sich nun die Allianz den inzwischen neun Hochschulnetzwerken an, unter ihnen die Association of American Universities, die League of European Research Universities und die German U15. Insgesamt bekennen sich rund 200 forschungsstarke Universitäten weltweit dazu, Forschungsdaten zum Zwecke des Erkenntnisgewinns – soweit möglich – auszutauschen, sodass gewonnenes Wissen der gesamten Gesellschaft zugutekommen kann. „Die gemeinsame Nutzung von Forschungsdaten, die auf einer strukturierten Verwaltung dieser Daten basiert, hat eine hohe Bedeutung für Transparenz und Vertrauenswürdigkeit, und sie hat einen enormen Wert für die Wiederverwendung und Wissensgenerierung. Dies gilt insbesondere in der medizinischen Forschung, in der viele Fragen, beispielsweise zu seltenen Erkrankungen und in der personalisierten Medizin, nur durch die Zusammenführung von Daten zwischen Institutionen angegangen werden können“, sagt Prof. Dr. Ulrich Dirnagl, Co-Leiter der entsprechenden EUHA-Arbeitsgruppe, Gründer des QUEST Center am Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité und Leiter der Abteilung Experimentelle Neurologie der Charité. Bislang ist es in den meisten Bereichen der medizinischen Forschung unüblich, die den Forschungspublikationen zugrunde liegenden Datensätze breit verfügbar zu machen. Durch den Beitritt zur Erklärung verpflichten sich die EUHA-Unikliniken, den Datenaustausch auf politischer und institutioneller Ebene zu vertreten und bei ihrer Unternehmensentwicklung zu berücksichtigen. Mit diesem Schritt wollen sich die Institutionen auf ein zunehmend digitales, kooperatives und transparentes Forschungsumfeld vorbereiten, wie es in Großprojekten wie der European Open Science Cloud und der Züricher Open-Science-Kommission bereits besteht. Auf nationaler Ebene orientiert sich die Initiative zudem an den Zielen der Medizininformatik-Initiative des Bundes (MII) und der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Mit Abschluss des heutigen Treffens ist die Präsidentschaft der EUHA vom Karolinska University Hospital, Stockholm, an das spanische Vall d’Hebron Barcelona Hospital übergegangen. Im halbjährlichen Rhythmus wechselt die Leitung des Netzwerkes unter den beteiligten Universitätsklinika.

Warum es in Pflegeheimen weiter zu SARS-CoV-2-Ausbrüchen kommt

- 09-06-2021

Deutschlandweit gibt es Berichte von SARS-CoV-2-Ausbrüchen in Pflegeheimen trotz vollständiger Impfung der Bewohner. Um dieses Phänomen besser zu verstehen, hat ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin einen solchen Ausbruch in einer Berliner Einrichtung virologisch analysiert und die Immunreaktion älterer Menschen auf die Impfung untersucht. Die im Fachblatt Emerging Infectious Diseases* veröffentlichten Ergebnisse belegen die Wirksamkeit der Impfung, deuten aber auch auf eine verzögerte und leicht reduzierte Immunantwort bei Älteren hin. Auf Basis dieser Daten betonen die Forschenden, wie wichtig der Impfschutz der Kontaktpersonen ist, um diese besonders gefährdete Risikogruppe besser zu schützen. Die Wirksamkeit der COVID-19-Impfung mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer gilt als sehr hoch: Eine Woche nach der zweiten Dosis verhinderte sie in den Zulassungsstudien mehr als 90 Prozent der symptomatischen Infektionen mit SARS-CoV-2. Auch in großen Beobachtungsstudien in der Bevölkerung hat sich die hohe Wirksamkeit der Impfung bestätigt. Dennoch kann es nach der Impfung in Einzelfällen noch zu Infektionen kommen. Aber wie erklärt sich, dass es trotz vollständiger Impfung der Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen noch größere Ausbrüche gibt? In zwei zusammenhängenden Arbeiten bestätigt ein interdisziplinäres Forschungsteam der Charité jetzt, was Medizinerinnen und Mediziner anhand ihrer Erfahrung mit anderen Impfstoffen vermutet hatten: Das Immunsystem von alten Menschen reagiert nicht ganz so effizient auf die Impfung wie das von jüngeren. Für die Untersuchung arbeiteten die Forschenden zunächst einen Ausbruch in einer Berliner Pflegeeinrichtung auf, der im Februar bemerkt worden war. Dabei hatten sich – neben 11 Pflegekräften ohne vollständigen Impfschutz – auch 20 Bewohnerinnen und Bewohner mit SARS-CoV-2 angesteckt. Bis auf vier von ihnen waren alle vollständig mit dem BioNTech/Pfizer-Vakzin geimpft. Während die vier Ungeimpften so schwer erkrankten, dass sie in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, zeigte nur rund ein Drittel der Geimpften Krankheitszeichen wie Husten oder Atemnot. Durch eine Bestimmung der Virusmenge in den Abstrich-Proben stellte das Team fest, dass Geimpfte tendenziell weniger Virus im Rachen aufwiesen als Ungeimpfte. Bei ihnen wurde das Virus zudem über einen deutlich kürzeren Zeitraum nachgewiesen, im Schnitt über knapp 8 statt 31 Tage. Vier weitere geimpfte Heimbewohner steckten sich trotz Exposition während des Ausbruchs nicht mit SARS-CoV-2 an. Weitere Übertragungen in andere Bereiche der Einrichtung wurden durch Hygienemaßnahmen verhindert. Dennoch mussten zwei der 16 geimpften COVID-19-Patientinnen und -Patienten in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Dort starb eine Patientin nach einem starken Anstieg des Blutdrucks an einer Hirnblutung. Eine zweite Patientin starb im Heim, nachdem sie über zwei Wochen schon kein Virus mehr ausgeschieden hatte. Die beiden Verstorbenen hatten keine Atemwegssymptome entwickelt. Die Forschenden gehen deshalb nicht von einem ursächlichen Zusammenhang mit der SARS-CoV-2-Infektion aus. „Auf der einen Seite sehen wir an diesem Ausbruch, dass die Impfung die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims insgesamt geschützt hat, denn ihre Krankheitsverläufe waren deutlich milder“, sagt Dr. Victor Corman, Stellvertretender Leiter des Konsiliarlabors für Coronaviren am Institut für Virologie der Charité und einer der drei leitenden Autoren der Studie. Der Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) ergänzt: „Die kürzere Virusausscheidung hat außerdem vermutlich weitere Übertragungen verhindert. Gleichzeitig wird durch die Häufung der Infektionen klar, dass die hohe Wirksamkeit der Impfung bei alten Menschen manchmal nicht voll zum Tragen kommt.“ Einen der möglichen Gründe dafür sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darin, dass der Ausbruch von der jetzt Alpha genannten Virusvariante B.1.1.7 ausgelöst worden war, die mit einer höheren Virusmenge im Rachen und einer größeren Übertragbarkeit einhergeht. Einen zweiten Grund fanden sie in der Immunantwort der Betroffenen auf die Impfung selbst. Dazu verglich das Forschungsteam die Immunreaktion auf die BioNTech/Pfizer-Vakzine bei über 70-jährigen Patientinnen und Patienten einer Hausarztpraxis mit der von Charité-Beschäftigten, die im Schnitt 34 Jahre alt waren. Dabei zeigten Blutanalysen, dass schon drei Wochen nach der ersten Dosis etwa 87 Prozent der Jüngeren Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet hatten, unter den Älteren waren es nur rund 31 Prozent. Einen Monat nach der zweiten Dosis hatten fast alle jungen Impflinge (99 Prozent) SARS-CoV-2-spezifische Antikörper im Blut, unter den älteren waren es rund 91 Prozent. Zusätzlich reiften die Antikörper bei den Älteren langsamer, sie konnten das Virus also schlechter binden. Und auch der zweite wichtige Arm der Immunreaktion, die T-Zell-Antwort, fiel schwächer aus.  „Unsere Studie zeigt also, dass bei älteren Menschen die Immunantwort nach der Impfung deutlich verzögert ist und nicht das Niveau von jungen Impflingen erreicht“, resümiert Prof. Dr. Leif Erik Sander, Impfstoffforscher von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité und ebenfalls leitender Autor der Studie. „Man kann die Wirksamkeit der Impfung nicht anhand eines einzelnen Ausbruchs berechnen. Insgesamt sind die Infektionszahlen in den Pflegeheimen seit Beginn der Impfkampagne dramatisch gesunken. Aber es gibt einzelne Ausbrüche und dann scheinen ältere Menschen empfänglicher zu sein als jüngere, da bei manchen die Immunantwort etwas schwächer ausfällt.“ Privatdozent Dr. Florian Kurth, der dritte leitende Autor der Studie von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité, betont: „Zwar hat nach der vollständigen Impfung nur knapp jeder Zehnte der über 70-Jährigen keine Antikörper im Blut. Da wir aber derzeit keine Möglichkeit haben, die Personen mit geringem Impfschutz anhand einzelner Messwerte zu erkennen, können wir uns für den Schutz dieser besonders gefährdeten Risikogruppe nicht allein auf die Impfung verlassen. Stattdessen spielen zum jetzigen Zeitpunkt, wo große Teile der Bevölkerung noch nicht immun sind, Hygienemaßnahmen und Testungen noch eine wichtige Rolle. Insbesondere die Impfung des pflegerischen Personals sowie der Besucherinnen und Besucher ist immens wichtig, um Ausbrüche in Pflegeheimen zu verhindern. Mittelfristig kommt sicherlich auch eine weitere Auffrischimpfung für ältere Menschen infrage, um deren Impfschutz zu verbessern.“

Neue Muskeln für die Blase: Klinische Studie prüft Stammzelltherapie gegen angeborene Inkontinenz

- 28-05-2021

Pressemitteilung des BIH und der Charité gemeinsam mit dem MDC Etwa sieben Jungen werden jedes Jahr in Deutschland geboren, deren Harnröhre und Blasenschließmuskel unvollständig ausgebildet sind. Trotz komplizierter Operation bleiben die sonst gesunden Kinder oft ihr Leben lang inkontinent. In einer klinischen Studie wollen Forschende vom ECRC, dem gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), nun prüfen, ob den Kindern mithilfe einer Transplantation ihrer eigenen Muskelstammzellen in den Schließmuskel geholfen werden kann. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert die Studie mit rund 3,3 Millionen Euro. Das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité hat das Vorhaben mit seinem Spark-BIH-Programm auf dem Weg vom Labor in die Klinik mit einer Million Euro unterstützt. Über 8.000 verschiedene Seltene Erkrankungen sind bekannt, über 30 Millionen Menschen sind allein in Europa betroffen. Therapien für diese meist noch nicht behandelbaren Krankheiten zu entwickeln, ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und damit Herausforderung für die Forschung. Die Epispadie ist eine davon. Hier führt eine vorgeburtliche Entwicklungsstörung zu einer abnormalen Lage und Spaltbildung der Harnröhre und einem unvollständig ausgebildeten Blasenschließmuskel. Nur etwa sieben Jungen und noch weniger Mädchen werden jedes Jahr in Deutschland mit dieser Besonderheit geboren. Sie ist mit einem hohen Leidensdruck verbunden: denn die von außen sichtbare Fehlbildung kann man mit einer Operation beheben, das gelingt aber leider beim Blasenschließmuskel nicht so einfach. „Daher sind diese Kinder oft lebenslang inkontinent, was mit einer hohen psychologischen Belastung für die Betroffenen und deren Familien einhergeht“, erklärt Prof. Dr. Simone Spuler vom ECRC, Spezialistin für Stammzell- und Muskelforschung. „Wir haben deshalb überlegt, wie wir ihnen mit unserer Expertise helfen können.“ Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Spuler hatten eine Methode entwickelt, mit der sie regenerationsfähige Muskelstammzellen aus Muskelgewebe isolieren können. „Wir nehmen eine Gewebeprobe, eine Biopsie, aus dem Oberschenkel und isolieren daraus Muskelstammzellen. Diese vermehren wir anschließend auf ein Vielfaches und spritzen sie direkt in die Defektstelle des Blasenschließmuskels.“ Bei Ratten führte das tatsächlich dazu, dass sich ein neuer Schließmuskel bildete, der auch funktionstüchtig war. Da deren verändertes Immunsystem menschliche Zellen tolerierte, gelang dies auch mit menschlichen Muskelstammzellen. „Doch trotz dieser ermutigenden Ergebnisse konnten wir nicht sofort eine klinische Studie mit Betroffenen beginnen“, erklärt die Medizinerin. „Denn die Vorschriften sind streng. Nur Zellen, die in einem pharmazeutischen Herstellungsverfahren, der sogennanten „good manufacturing practice“ – kurz GMP – produziert werden, dürfen im Menschen angewandt werden. Dieses Verfahren aufzusetzen ist sehr anspruchsvoll.“ Die unter GMP-Bedingungen hergestellten Zellen werden für die präklinischen Sicherheitsprüfungen zunächst im Tiermodell eingesetzt. Die Auflagen der Zulassungsbehörden, in Deutschland des Paul-Ehrlich-Instituts, verlangen, dass nur speziell dafür akkreditierte Labore die Tierversuche für eine klinische Studie durchführen dürfen. Der Fachbegriff ist „good laboratory practice“ – GLP-Bedingungen. Auf der Suche nach einem GLP-Labor, das gleichzeitig über mikrochirurgische Fähigkeiten verfügte, mit denen sich die Muskelstammzellen in den Blasenschließmuskel von Ratten übertragen lassen, wurden die Forschenden in den USA fündig: „Ungefähr 300 Kilometer östlich von Chicago, mitten in Michigan, gab es ein solches Labor“, berichtet Prof. Spuler. „Um den dortigen Kollegen genau zu erklären, was wir planen, mussten wir mehrmals in die USA reisen. Die Vorbereitungen, die erforderliche Einarbeitungszeit und die Durchführung der Versuche waren unglaublich zeit- und kostenintensiv. Das hätten wir ohne die Unterstützung durch das BIH-Spark-Programm nicht geschafft!“ Eine Million Euro stellte das BIH dem Forschungsteam um Prof. Spuler zur Verfügung. „Genau dies ist unser Anliegen“, erklärt Prof. Dr. Christopher Baum, Vorsitzender des BIH-Direktoriums und Vorstand für den Translationsforschungsbereich der Charité. „Wir wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützen, ihre Ergebnisse aus dem Labor zu den Patientinnen und Patienten zu bringen und damit die medizinische Translation fördern. Damit erreichen wir, dass aus Forschung Gesundheit wird.“ Dr. Tanja Rosenmund, die Leiterin des BIH-Spark-Programms freut sich ebenfalls. „Das Projekt für die Epispadie ist deshalb so spannend, weil es – falls es gelingt – viele weitere Möglichkeiten eröffnet: Inkontinenz ist ja ein weit verbreitetes Problem und Muskelschwäche ohnehin. Wir hoffen deshalb, mit dieser Förderung möglichst vielen weiteren Studien den Weg zu ebnen.“ Nachdem die Ergebnisse in den USA gezeigt hatten, dass die transplantierten Muskelstammzellen die Inkontinenz bei den Ratten beheben konnte und die Sicherheit des Zellproduktes bestmöglich bestätigt werden konnte, steht nun der klinischen Studie nichts mehr im Weg: 21 betroffene Jungen im Alter zwischen drei und siebzehn Jahren sollen an den Universitätskliniken Ulm und Regensburg behandelt werden. Dort leiten Prof. Dr. Anne-Karoline Ebert und Prof. Dr. Wolfgang Rösch Zentren für Kinderurologie. Die Studie ist Placebo-kontrolliert, randomisiert und doppelt verblindet geplant. Das bedeutet, dass zufällig ausgewählte fünf der 21 Jungen ein Placebo (Kochsalzlösung) statt ihrer eigenen Muskelstammzellen erhalten. Weder Behandelnde noch Patientinnen und Patienten wissen bis zum Ende der Studie, wer diese fünf waren. „Das müssen wir tun, um wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse zu erhalten“, erklärt Prof. Spuler. „Wenn sich nach der Datenanalyse zeigt, dass es den Kindern nach der Zellinjektion besser geht als denen, die das Placebo erhalten haben, besteht natürlich die Möglichkeit, die Zellinjektion nachzuholen. Das ist möglich, da sich die isolierten Muskelstammzellen problemlos tiefgekühlt aufbewahren lassen.“ In wenigen Monaten soll der erste Patient behandelt werden.  

SARS-CoV-2: Welche Personengruppen potenziell am ansteckendsten sind

- 25-05-2021

Was im letzten Jahr als vorläufige Auswertung von Labordaten begann, ist zu der bisher größten Untersuchung von Viruslasten bei SARS-CoV-2 geworden: Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin um Prof. Dr. Christian Drosten hat für mehr als 25.000 COVID-19-Fälle die Menge des Viruserbguts in der PCR-Probe bestimmt und daraus die Ansteckungsfähigkeit der positiv getesteten Personen abgeschätzt. Die im Fachmagazin Science* veröffentlichte Arbeit vermittelt eine Vorstellung zur Infektiosität von Patientinnen und Patienten verschiedenen Alters und unterschiedlicher Symptomschwere. Sie liefert außerdem neue Erkenntnisse zur Variante B.1.1.7.  Dem R-Wert zufolge steckt eine mit SARS-CoV-2 infizierte Person im Schnitt etwa drei bis fünf andere Menschen an. Aus dieser epidemiologischen Beobachtung lässt sich allerdings kaum ableiten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung im individuellen Fall oder in bestimmten Gruppen der Bevölkerung ist: Abseits von räumlichen und sozialen Gegebenheiten können verschiedene Menschen beispielsweise unterschiedlich stark ansteckend sein oder Viruspartikel über einen kurzen oder langen Zeitraum ausscheiden. Um besser abschätzen zu können, ob bestimmte Personengruppen potenziell mehr oder weniger ansteckend sind, hat ein Team unter Leitung von Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), für mehr als 25.000 COVID-19-Fälle die sogenannte Viruslast ermittelt – also die Anzahl der Erbgutkopien von SARS-CoV-2 in der PCR-Probe. Die Erbgutkopien repräsentieren näherungsweise die Virusmenge im Rachen der Patienten und lassen daher Voraussagen über deren potenzielle Infektiosität zu. Um diese Abschätzung weiter zu verbessern, stellten die Forschenden die Viruslast in Zusammenhang mit Erkenntnissen darüber, ab welcher Viruslast typischerweise eine Anzucht von SARS-CoV-2 im Labor gelingt, also vermehrungsfähiges Virus in der Probe nachweisbar ist. Für mehr als 4.300 Fälle lagen mehrere Proben vor, die es dem Team erstmals in großem Umfang ermöglichten, die Entwicklung der Viruslast im Rachen nachzuzeichnen und so einen typischen Verlauf statistisch zu beschreiben. Die Forschungsgruppe analysierte anschließend, ob sich die Daten für verschiedene Altersgruppen, Patientinnen und Patienten mit unterschiedlich starken Symptomen oder zwischen verschiedenen Virusvarianten statistisch signifikant unterschieden.  Die Analyse nach Altersgruppen zeigte dabei keine nennenswerten Unterschiede in der Viruslast bei SARS-CoV-2-Infizierten zwischen 20 und 65 Jahren: Im Schnitt enthielten deren Rachen-Abstriche rund 2,5 Millionen Kopien des SARS-CoV-2-Erbguts. In den Proben der jüngsten Kinder zwischen 0 und 5 Jahren fand das Forschungsteam mit etwa 800.000 Erbgutkopien die niedrigsten Viruslasten, bei älteren Kindern und Jugendlichen glichen sich die Werte mit steigendem Alter denen der Erwachsenen an.  „Diese Zahlen sehen erst einmal unterschiedlich aus, wir betrachten Viruslasten aber auf einer logarithmischen Skala“, sagt Prof. Drosten. „Die Viruslast-Unterschiede bei den jüngsten Kindern liegen gerade noch unterhalb der Grenze dessen, was man als klinisch relevant betrachten würde. Darüber hinaus muss man verstehen, wie die Werte zustande kommen und dies korrigierend mit einbeziehen.“ Der Virologe weist auf die unterschiedliche Probennahme bei Kindern und Erwachsenen hin: „Bei Kindern werden deutlich kleinere Abstrichtupfer eingesetzt, die weniger als halb so viel Probenmaterial in die PCR-Testung einbringen. Außerdem werden bei ihnen statt der schmerzhaften tiefen Nasenrachen-Abstriche oft einfache Rachenabstriche gemacht, in denen sich noch mal weniger Virus findet. Deshalb erwarten wir bei Kindern mit gleicher Virusvermehrung von vornherein geringere Viruslast-Messwerte in der PCR.“ Die Abschätzung der Infektiositätsrate in Laborproben ergab für die jüngsten Kinder (0 bis 5 Jahre) etwa 80 Prozent des Wertes von Erwachsenen, jeweils bezogen auf den Spitzenwert im Viruslastverlauf. Auch hier lagen die Werte bei Schülern und Heranwachsenden näher an den Werten von Erwachsenen. „Dies verdeutlicht, dass man Viruslasten nicht einfach proportional in Infektiosität umrechnen kann“, erklärt Prof. Drosten. „Und auch diese datenbasierten Schätzungen der Infektiosität muss man noch mal nach oben korrigieren wegen der unterschiedlichen Probennahme bei Kindern. All dies fließt in eine klinisch-virologische Bewertung ein. Mein anfänglicher Eindruck einer ungefähr gleich großen Infektiosität aller Altersgruppen hat sich bestätigt, nicht nur hier, sondern auch in anderen Studien.“ Die Analyse der COVID-19-Fälle im Hinblick auf eine unterschiedliche Symptomatik bestätigte frühere Beobachtungen, dass Betroffene auch ohne Krankheitszeichen sehr hohe Viruslasten aufweisen können. Bei Personen, die ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten, war die Viruslast über den gesamten Verlauf höher als bei anderen Getesteten. Anhand ihrer neuen Verlaufsmodelle schätzen die Forschenden, dass alle SARS-CoV-2-Infizierten schon ein bis drei Tage vor Symptombeginn die höchste Viruslast im Rachen haben. Etwa 9 Prozent der untersuchten COVID-19-Fälle fielen durch eine außergewöhnlich hohe Viruslast von einer Milliarde Erbgutkopien oder mehr auf. Mehr als ein Drittel dieser potenziell hochinfektiösen Personen hatte keine oder nur milde Symptome. „Diese Daten liefern eine virologische Grundlage für die Beobachtung, dass nur eine Minderheit der Infizierten den größten Teil aller Übertragungen verursacht“, erklärt Prof. Drosten. „Dass sich hierunter so viele Menschen ohne relevante Krankheitssymptome finden, macht klar, warum Maßnahmen wie Abstandsregeln und die Maskenpflicht für die Kontrolle der Pandemie so wichtig sind.“ In den Proben von Personen, die mit der sogenannten britischen Virusvariante B.1.1.7 infiziert waren, wies das Forschungsteam eine im Schnitt zehnfach höhere Viruslast nach und schätzte die Infektiosität im Labor auf das 2,6-Fache. Hierzu untersuchten die Forschenden Viruslasten von fast 1.500 Fällen mit B.1.1.7-Infektion, denen sie knapp 1.000 Personen mit anderen Viren gegenüberstellten, die zur selben Zeit in denselben Abstrichstellen, Ambulanzen oder Stationen untersucht wurden. Prof. Drosten: „Auch wenn Laborversuche es bisher noch nicht abschließend erklären können: Das B.1.1.7-Virus ist infektiöser als andere Varianten.“ Das Forschungsteam plant, die Auswertungen der Viruslast im Verlauf der Pandemie kontinuierlich fortzusetzen. Es erhofft sich so Erkenntnisse über die Veränderungen, die auftreten, wenn das Virus durch die Bildung von Varianten auf die zunehmende Immunisierung der Bevölkerung reagiert.

PRO B: Neue Versorgungsform für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs

- 19-05-2021

Gemeinsame Pressemitteilung von Charité, DKG, BARMER, DAK-Gesundheit und BKK·VBU Brustkrebs ist die weltweit häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Es stehen zahlreiche moderne Behandlungskonzepte zur Verfügung, jedoch entwickeln noch immer rund 30 Prozent der betroffenen Patientinnen Metastasen, die die Erkrankung unheilbar machen. Mit dem Forschungsprojekt PRO B unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin wird eine neue Form der Versorgung für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs entwickelt und ihre Wirksamkeit in einer Studie überprüft. Das Projekt in Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG), der OnkoZert GmbH, der BARMER, der DAK-Gesundheit sowie der BKK·VBU wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss über drei Jahre mit insgesamt rund 4,8 Millionen Euro gefördert.    Im metastasierten Stadium stellt die Behandlung von Brustkrebs vor allem für die Patientinnen, aber auch für die Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal eine große Herausforderung dar. Im Vordergrund der Therapie steht nun nicht mehr die Heilung, sondern die Kontrolle des Tumors unter Erhalt der bestmöglichen Lebensqualität. Das Forschungsprojekt PRO B zielt darauf ab, die Versorgung in dieser Situation kontinuierlich zu verbessern. Dafür nutzt das Projekt mit der Messung sogenannter Patient-Reported Outcomes (PRO) ein in klinischen Studien bereits etabliertes Verfahren. PRO sind direkt von Patienten über Fragebögen berichtete Aspekte zum Behandlungsergebnis, wie beispielsweise die Lebensqualität oder krankheitsbezogene Beschwerden. In PRO B wird ein App-basiertes intensiviertes PRO-Monitoring im Rahmen der Routineversorgung erprobt, das den Behandelnden helfen soll, Symptome oder funktionelle Einschränkungen und damit beispielsweise auch ein Fortschreiten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen.    Dr. Maria Margarete Karsten von der Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum am Campus Charité Mitte und Leiterin des Projekts skizziert das Konzept der Studie: „PRO-Messungen helfen den Behandelnden, sich innerhalb kürzester Zeit ein sehr differenziertes Bild vom Gesundheitszustand ihrer Patientin zu verschaffen und die individuell bestmögliche Therapieentscheidung für die einzelne Frau zu treffen. Vor allem die Bewertung gesundheitsbezogener Aspekte, wie beispielsweise Krankheitssymptome oder psychosoziale Belastungen, erhalten wir direkt. Verschiedene Studien haben gezeigt, wie wichtig die Perspektive der Patientinnen ist, denn die Bewertung des Schweregrads bestimmter Krankheitssymptome oder Nebenwirkungen von Medikamenten werden von den betreuenden Ärztinnen und Ärzten häufig anders eingeschätzt oder auch unterschätzt.“      Über eine Smartphone-App werden die Studienteilnehmerinnen regelmäßig zu ihrem Befinden und ihrer Lebensqualität befragt. So können Verschlechterungen des Allgemeinzustands etwa aufgrund eines möglichen Krankheitsfortschritts oder durch Nebenwirkungen der Tumortherapie quasi in Echtzeit erfasst werden.   PRO B nutzt für die Erhebung und Weiterleitung der Daten unter anderem die IT-Infrastruktur der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der OnkoZert GmbH, an die zahlreiche deutsche Brustkrebszentren im Rahmen des DKG-Zertifizierungssystems bereits angebunden sind.     „Studien zeigen, dass ein regelmäßiges Monitoring mit PRO die Lebensqualität der Patientinnen verbessern und sogar das Überleben verlängern kann, da PRO bei der Behandlungsplanung unterstützen und frühzeitig anzeigen, wenn die Erkrankung fortschreitet. Mit PRO B können wir nun testen, ob sich diese Ergebnisse auch in flächendeckenden Strukturen der Brustkrebsversorgung – in zertifizierten Brustkrebszentren – bestätigen lassen“, sagt Dr. Christoph Kowalski, Forschungskoordinator der DKG.    An der prospektiven, multizentrischen und randomisierten Interventionsstudie können rund 1.000 Patientinnen teilnehmen, die in einem der 40 teilnehmenden zertifizierten Brustkrebszentren behandelt werden und bei einer der genannten Krankenkassen gesetzlich versichert sind.     „Mit der Digitalisierung erschließen sich neue Behandlungsmöglichkeiten, die wir unseren Versicherten möglichst schnell zugänglich machen wollen. Mit PRO-B beziehen wir die Patientinnen aktiv in das Behandlungsgeschehen ein und stärken sie in ihrem Kampf gegen den Brustkrebs“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER Berlin/Brandenburg.   Nach Aufklärung und schriftlicher Einwilligung in die Studie werden die Teilnehmerinnen per Zufall einer der beiden Studiengruppen (Interventions- oder Kontrollgruppe) zugeordnet. Je nach Gruppenzugehörigkeit erhalten sie dann wöchentlich (Interventionsgruppe) oder dreimonatlich (Kontrollgruppe) eine PRO-Befragung auf ihr Smartphone. Bei Verschlechterung ihrer Werte werden die Patientinnen der Interventionsgruppe durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte kontaktiert.      „Das regelmäßige Feedback über die PRO-Befragungen ermöglicht es den behandelnden Fachkräften, Therapiemaßnahmen frühzeitig an sich ändernde Situationen anzupassen. Ziel ist eine optimierte und individuellere Behandlung der Patientinnen“, erklärt Volker Röttsches, Leiter der Landesvertretung der DAK-Gesundheit in Berlin. „Wir unterstützen diese neue Versorgungsform, weil wir die Chance sehen, dass sich die Situation der schwer an Brustkrebs erkrankten Frauen entscheidend verbessert.”    Geplant ist eine Studienteilnahme über mindestens 12 und höchstens 24 Monate.   „Mit dem gemeinsamen Forschungsprojekt bündeln wir unsere Kräfte, die Patientinnen noch stärker in den Mittelpunkt der Behandlung zu rücken. Wer, wenn nicht die Erkrankte selbst, kann am besten über ihr Befinden Auskunft geben? Dank digitaler Unterstützung, die das Herzstück von PRO B ist, ist es den Behandelnden möglich, individuelle Therapieentscheidungen innerhalb kürzester Zeit zu treffen und den Krankheitsverlauf damit gegebenenfalls positiv zu beeinflussen“, sagt Andrea Galle, Vorständin der BKK·VBU.     Studienteilnahme für Patientinnen An PRO B können Patientinnen ab 18 Jahren mit metastasiertem Brustkrebs teilnehmen, die in einem Brustkrebszentrum behandelt werden, das Teil der Studie ist. Studienteilnehmerinnen müssen bei der BARMER, der DAK Gesundheit oder der BKK·VBU versichert sein. Darüber hinaus sind eine medikamentöse Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms und eine Lebenserwartung bei Aufnahme in die Studie von mehr als drei Monaten erforderlich. Die Probandinnen benötigen einen Zugang zum Internet (Smartphone oder Tablet) und müssen bereit sein, an einer wöchentlichen, online-basierten PRO-Befragung zur Lebensqualität teilzunehmen. Weitere Informationen dazu auf der Projekt-Website PRO B.

Zu wenig Zucker bei schwerer Multipler Sklerose?

- 12-05-2021

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des MDC Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind gemeinsam mit einem Team aus den USA und Kanada auf ein Zuckermolekül gestoßen, dessen Konzentration im Blut von Patientinnen und Patienten mit besonders schwerer Multipler Sklerose verringert ist. Wie sie im Fachblatt JAMA Neurology* berichten, könnte ihre Entdeckung eine neue Therapieoption eröffnen. Die Multiple Sklerose, kurz MS, äußert sich bei jedem Menschen etwas anders. Man nennt sie daher auch die Krankheit der tausend Gesichter. Ein besonders düsteres Gesicht trägt die MS bei Patientinnen und Patienten, die an der chronisch fortschreitenden Verlaufsform erkrankt sind. Denn anders als bei der häufigeren schubförmigen Variante, bei der die Betroffenen oft monate- oder gar jahrelang beschwerdefrei sind, verschlechtert sich der Zustand der Patienten bei der auch als progredient bezeichneten Form der MS kontinuierlich. Heutige Therapieansätze gehen davon aus, dass ein fehlgesteuertes Immunsystem irrtümlich die Myelinschicht der Nervenzellen angreift. Dabei handelt es sich um eine isolierende Schutzhülle, die die langen Ausläufer der Zellen, die Axone, umgibt. „Bei der progredienten MS kommt es zu vermehrten neurodegenerativen Prozessen. Dadurch sterben immer mehr Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark ab“, erläutert Dr. Alexander Brandt, Erstautor der jetzt veröffentlichten Studie. „Die genauen Ursachen für diese Variante der Erkrankung sind jedoch noch immer unbekannt.“ Nun hofft Dr. Brandt zusammen mit Prof. Dr. Friedemann Paul vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité und des MDC, sowie elf weiteren Forschenden aus Berlin, Irvine und Toronto, etwas mehr Licht ins Dunkel gebracht zu haben. Wie das Team in seiner Studie berichtet, könnte der Einfachzucker N-Acetylglucosamin, kurz GlcNAc genannt, eine wichtige Rolle bei der Entstehung der progredienten MS spielen. Im Organismus ist GlcNAc gemeinsam mit anderen Zuckermolekülen kettenartig an Proteine auf der Zelloberfläche gebunden. Dieser als Glykosylierung bekannte Mechanismus kontrolliert über eine Verzweigung dieser Zuckerketten diverse Zellfunktionen. „Wir haben 120 Probandinnen und Probanden aus Irvine untersucht und konnten zeigen, dass bei dieser besonders schweren Form der Erkrankung deutlich geringere Konzentrationen an N-Acetylglucosamin im Blutserum vorliegen als bei gesunden Menschen oder Patientinnen und Patienten mit schubförmiger MS“, sagt Dr. Brandt. Zum Zeitpunkt der Untersuchungen leitete der Mediziner das „Translational Neuroimaging Laboratory“ in der Arbeitsgruppe für Klinische Neuroimmunologie von Prof. Paul an der Charité. Inzwischen ist Dr. Brandt als Dozent für Neurologie zur School of Medicine der University of California in Irvine (UCI) gewechselt, bleibt der Charité aber weiterhin als Gastwissenschaftler erhalten. „In einer weiteren Untersuchung von 180 Patientinnen und Patienten mit schubförmiger oder progredienter MS aus Berlin haben wir zudem festgestellt, dass niedrige Serumspiegel von GlcNAc mit einem progressiven Krankheitsverlauf, klinischer Behinderung und Neurodegeneration assoziiert sind“, ergänzt der Letztautor der Studie, Prof. Dr. Michael Demetriou von der UCI. „Dies eröffnet neue potenzielle Wege, um Erkrankte mit einem erhöhten Risiko für einen progredienten Verlauf frühzeitig zu identifizieren und ihre Therapie entsprechend anzupassen.“ Die Forschenden hoffen, dass sich GlcNAc nicht nur als Biomarker für die progrediente MS eignet, sondern darüber hinaus eine neue Therapieoption eröffnen könnte. „Unsere Hoffnung ist es, dass wir mit GlcNAc und der verbundenen Glykosylierung die Myelinreparatur fördern und so die Neurodegeneration verringern“, sagt Dr. Brandt. In einer ersten gerade abgeschlossenen, aber noch unveröffentlichten Phase-I-Studie mit rund 30 Probanden haben die Wissenschaftler untersucht, ob eine Einnahme von GlcNAc in bestimmten Dosierungen sicher ist. Sollte sich dieses bestätigen, hofft das Forschungsteam, in weiteren Studien mögliche Effekte als MS-Therapie untersuchen zu können.

E-Health-Strategie: Charité und Vivantes starten digitalen Austausch von Behandlungsdokumenten

- 06-05-2021

Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und Vivantes Startschuss für die Gesundheitsversorgung der Zukunft: Im Rahmen einer Pilotphase haben die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH die digitale Behandlungsakte eingeführt. Für gemeinsam behandelte Patienten lassen sich damit Dokumente wie Arztbriefe, Röntgenbefunde oder Laborwerte direkt elektronisch zwischen den Kliniken austauschen und in Diagnose und Therapie unmittelbar einbeziehen. Dies ist ein entscheidender Schritt zur Steigerung der Behandlungsqualität.    An der Behandlung beteiligte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der jeweiligen Kliniken können relevante Behandlungsdaten wie Befundberichte, Arztbriefe, Laborergebnisse und Medikationspläne im jeweils erforderlichen Umfang und damit unter Sicherstellung der Datenschutzanforderungen digital einsehen. Ziel ist es unter anderem, überflüssige Doppeluntersuchungen und langwierige Dokumentanforderungen zu vermeiden sowie die Wartezeit für Patientinnen und Patienten deutlich zu verkürzen. Voraussetzung für den digitalen Datenaustausch ist das ausdrückliche schriftliche Einverständnis der Patienten, das zunächst für drei Jahre gilt und jederzeit widerrufbar ist.   Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité: „Gerade die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig Vernetzung ist und wie wesentlich es ist, ad hoc auf Ergebnisberichte und Behandlungsdokumente digital zugreifen zu können, auch wenn sie in anderen Einrichtungen erhoben wurden. Mit der innovativen Kooperation der beiden größten Leistungserbringer in Berlin haben wir einen ersten großen Schritt zur digitalen Behandlungsakte gemacht und sind sicher, dass sich zeitnah auch weitere Häuser anschließen werden. So kann für die Patienten schrittweise eine übergreifende und digital vernetzte und damit auch zukunftsorientierte Versorgung in der Gesundheitsstadt Berlin entstehen.“   Dr. Eibo Krahmer, Vivantes Geschäftsführer für Finanzmanagement, Infrastruktur und Digitalisierung: „Lückenlose Versorgungsketten, smarte Prozesse – Innovative Gesundheitsversorgung stellt die Patientinnen und Patienten sowie deren Bedürfnisse konsequent in den Mittelpunkt. Mit der Einführung der digitalen Behandlungsakte leisten wir einen Beitrag dazu, die Versorgungsqualität in der Hauptstadtregion weiter zu entwickeln und zukunftsfähig aufzustellen. Ich freue mich, gemeinsam mit der Charité künftig weitere E-Health-Lösungen voran zu bringen und die Gesundheitsstadt Berlin 2030 gemeinsam zu gestalten.“    Angeschlossen an die neue IT-Infrastruktur sind zunächst die Klinken für Orthopädie/ Traumatologie, Neurochirurgie und die Onkologie der Charité sowie die Klinik für Geriatrie des Vivantes Klinikums im Friedrichshain. Seit dem Start der Pilotphase Mitte März dieses Jahres steigt die Zahl der Patientinnen und Patienten, die in den digitalen Datenaustausch einwilligen, kontinuierlich an. Nach der Evaluation des Projekts werden weitere Klinikbereiche in die Infrastruktur eingebunden. Maßgeblich unterstützt wurden Vivantes und Charité bei der Umsetzung der smarten Infrastruktur vom Beratungsunternehmen „eHealth.Business“ sowie den IT-Dienstleistern „März“ und „Nexus Marabu“.  

Senat beschließt Rahmenvereinbarung für das Deutsche Herzzentrum der Charité

- 05-05-2021

Gemeinsame Pressemitteilung von Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung, Charité und DHZB     Der Senat hat in seiner Sitzung am Dienstag, den 4. Mai 2021 auf Vorlage des Regierenden Bürgermeisters von Berlin und Senators für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, der Vereinbarung über die Errichtung des „Deutschen Herzzentrums der Charité – DHZC“ als Gemeinsames Zentrum der Charité mit besonderer Beteiligung des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) zugestimmt. Im DHZC werden die herzmedizinischen Bereiche beider Partner vereint.   Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Deutsche Herzzentrum Berlin planen, ihre Herz-Kreislaufeinrichtungen zusammenzuführen, um das Gemeinsame Zentrum „Deutsches Herzzentrum der Charité“ zu etablieren. Das DHZC soll eine international führende und zukunftsweisende herzmedizinische Einrichtung in Berlin werden. Vorgesehen ist, dass das DHZB als Stiftung des bürgerlichen Rechts seinen Krankenhausbetrieb auf die Charité und dort in das neu zu gründende DHZC zum 1. Januar 2022 überträgt. Aus den bisherigen Strukturen der Charité werden die herzmedizinischen Einrichtungen eingebracht. Das neue Zentrum erhält eine besondere Governance, die es der DHZB-Stiftung ermöglicht, bei der strategischen und operativen Steuerung des DHZC aktiv mitzuwirken.  Die gesetzliche Grundlage hierfür hat das Berliner Abgeordnetenhaus mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Berliner Universitätsmedizingesetzes vom 4. März 2021 bereits geschaffen. Nach dem heutigen Senatsbeschluss und der bereits erfolgten Zustimmung des Aufsichtsrats der Charité bedarf es vor der Unterzeichnung der trilateralen Rahmenerrichtungsvereinbarung noch der Zustimmung des Stiftungsrats des DHZB in dessen nächster Sitzung. Im nächsten Schritt sind dann die Details der Ausgestaltung von Charité und DHZB in einer „Besonderen Beteiligungsvereinbarung“ festzulegen, die der Zustimmung der Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung sowie der Senatsverwaltung für Finanzen bedarf.  Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung Michael Müller dazu: „Mit der Rahmenerrichtungsvereinbarung schaffen wir eine wichtige Grundlage für Europas modernstes Herzzentrum, das die medizinische und wissenschaftliche Kompetenz der Charité und des DHZB bündeln wird. Wir setzen dieses Leuchtturmprojekt der Gesundheitsstadt Berlin gemeinsam Schritt für Schritt um, mit dem Ziel, Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen Behandlungsmöglichkeiten auf höchstem Niveau anzubieten.“   Prof. Dr. Hans Maier, Präsident des DHZB-Stiftungsrats: „Mit der Integration des DHZB-Krankenhausbetriebs entsteht das ‚Deutsche Herzzentrum der Charité‘ mit einem hohen Maß an Eigenständigkeit innerhalb der Charité. Der zukunftsweisende Neubau ermöglicht als digitales Modellkrankenhaus die Weiterentwicklung der Herzmedizin in Berlin auf Weltniveau. Der Zweck der Stiftung DHZB – die Förderung des Gesundheitswesens, der Wissenschaft und Forschung im Bereich der kardiovaskulären Medizin – bleibt gewahrt.“   Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, ergänzt: „Ich begrüße diesen weiteren wichtigen Schritt, um die rechtlichen Rahmenbedingungen für ein gemeinsames Deutsches Herzzentrum der Charité zu schaffen. Ich bin überzeugt davon, dass aus dieser Verbindung eine national und international sichtbare Versorgungs-, Forschungs- und Ausbildungsstruktur entstehen wird, die zudem auch baulich abgebildet wird. Dieser einmalige Integrationsprozess ist eine große Chance für die Gesundheitsstadt Berlin, europaweit Maßstäbe in der Herzmedizin zu setzen.“   Für das DHZC wird ein zukunftsweisender Neubau mit einem Mittelvolumen in Höhe von 386,9 Millionen Euro auf dem Campus Virchow-Klinikum der Charité in Berlin-Wedding entstehen. Das Gebäude wird modernste OP-Säle, Labore und Hybrid-Eingriffsräume zur Behandlung sämtlicher Herz-Kreislauferkrankungen bieten und soll bis 2028 fertig gestellt werden. Das Land stellt dafür in seiner Investitionsplanung 286,9 Millionen Euro bereit, der Bund beteiligt sich mit 100 Millionen Euro. Das DHZC wird künftig auch im Bereich der medizinischen Versorgung mit der Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH zusammenarbeiten.  

„Schuld, Tradition und Verantwortung“: Symposium zur Rolle der Frauenheilkunde im Nationalsozialismus

- 05-05-2021

Wie haben sich Berliner Ärzte für Frauenheilkunde im Nationalsozialismus verhalten? Welche Rolle spielten die Charité als Institution und die Fachgesellschaften? In einem Online-Symposium der Charité-Klinik für Gynäkologie gehen Expertinnen und Experten der Medizingeschichte, Fachärzte für Gynäkologie und für Psychiatrie den Fragen zu Schuld, Tradition und Verantwortung nach. Im Namen der Wissenschaft wurden zwischen 1933 und 1945 Grenzen der Ethik und Menschlichkeit überschritten. Wie haben Angehörige der Charité und der Universitätsfrauenklinik die nationalsozialistische Gesundheitspolitik unterstützt und beeinflusst? Und welche Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft entsteht aus dieser Vergangenheit? Am Beispiel der Gynäkologen Percival Treite, Walter Stoeckel und Georg August Wagner werden Fragen von persönlicher sowie institutioneller Täterschaft und Verantwortung beleuchtet. Gedanken zu ethischem Handeln und gesellschaftlicher Verantwortung von Medizinerinnen und Medizinern schließen das Symposium ab. Das Grußwort spricht Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie Campus Virchow-Klinikum, führt durch das Symposium. Das Symposium mit begleitendem Tagungsband versteht sich als Beitrag zum Projekt „GeDenkOrt.Charité – Wissenschaft in Verantwortung“. Mit diesem Projekt setzt sich die Charité öffentlich mit ihrer Geschichte auseinander und will so auch den Dialog über die Verantwortung der Medizin und der Wissenschaft in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft anregen. Die digitale Veranstaltung findet am Montag, den 10. Mai, von 16:30 bis 21:00 statt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich. Die Zugangsdaten werden nach der Registrierung verschickt. Von der Veranstaltung wird zudem ein Audio-Mitschnitt online auf der Webseite  zur Verfügung gestellt.

Der Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Robert Habeck besucht Charité

- 04-05-2021

Der Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Robert Habeck hat gestern die Charité – Universitätsmedizin Berlin besucht. Er verschaffte sich in der Charité Campus-Klinik am Campus Charité Mitte einen Eindruck von der Situation auf einer COVID-Station.  Im Rahmen des Besuchs zeigten Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, und Prof. Dr. Martin E. Kreis, Vorstand Krankenversorgung, Robert Habeck eine Intensivstation, auf der seit Beginn der Pandemie an COVID-19-erkrankte Patientinnen und Patienten behandelt werden und erläuterten ihm die Abläufe sowie die medizinischen Behandlungsmethoden. Diese Intensivstation wird von Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt, Direktor der Klinik für Nephrologie und Internistische Intensivmedizin sowie Koordinator der COVID-19-Intensivversorgung, geleitet. Robert Habeck zeigte sich nach seinem Besuch beeindruckt: „Mich haben die Schilderungen der Ärztinnen, Ärzte und der Pflegekräfte über ihre Arbeit im letzten Jahr sehr bewegt. Ich habe vor ihrem Engagement großen Respekt und bin betroffen von den vielen traurigen Schicksalen von denen sie mir berichtet haben. Die Charité und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spielen bei der Bewältigung der Pandemie eine herausragende Rolle. Jetzt gibt es auch dank des Einsatzes der vielen Helferinnen und Helfer die Hoffnung, dass wir die Spitze der dritten Welle hinter uns lassen.“ Prof. Kroemer dankte Robert Habeck für sein Interesse: „Gerade in der Pandemie, in der regelmäßig politische Entscheidungen von großer Tragweite getroffen werden müssen, ist es wichtig, dass sich Politikerinnen und Politiker mit den Akteuren in Wissenschaft und Krankenversorgung austauschen. Für unsere pflegerischen und ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war dieser Besuch eine besondere Wertschätzung für den außerordentlichen Einsatz, den sie jeden Tag erbringen.“

Charité-Jahresabschluss im Pandemiejahr 2020 mit leichtem Minus

- 30-04-2021

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat 2020 mit einem leichten Minus von rund 1,3 Millionen Euro abgeschlossen. Das Jahr war für die Charité sowohl bei der medizinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten als auch wirtschaftlich maßgeblich durch die Pandemie bestimmt. Dank der Unterstützung des Landes Berlin konnte die Deckungslücke aus den coronabedingten Belastungen nahezu geschlossen werden. Zudem unterstreicht die Bilanz das solide wirtschaftliche Fundament von Klinikum und Fakultät. Der Aufsichtsrat der Charité hat den Jahresabschluss in seiner heutigen Sitzung festgestellt. Das vergangene Jahr war für die Charité im Wesentlichen durch die Pandemie geprägt. Mitte März begann hier mit der Bestätigung und der stationären Aufnahme des ersten COVID-19-Patienten Berlins die Corona-Pandemie in der Krankenversorgung. Mit dem frühzeitig entwickelten SAVE-Konzept stellt die Charité die akute intensivmedizinische Versorgung in der Metropolregion Berlin sicher und bringt ihre Expertise ein. Dabei versorgt die Berliner Universitätsmedizin als Level-1-Zentrum die schwersten Fälle und koordiniert zentral die Belegung der Intensivstationen in den Berlin-Brandenburger Level-2-Häusern. Mit insgesamt 2.600 stationär versorgten COVID-19-Patienten – 1.255 von ihnen auf Intensivstationen – nimmt die Charité eine Führungsrolle in der Pandemiebekämpfung ein. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, Wissenschaftssenator und Aufsichtsratsvorsitzender der Charité, erklärt: „Die Charité hat in der Vergangenheit ihre herausragende Leistung in Lehre, Forschung und Versorgung immer wieder unter Beweis gestellt, aber im Pandemiejahr 2020 hat sie sich selbst noch übertroffen. Unter schwierigsten Bedingungen hat die Charité erfolgreich Kurs gehalten und eine zentrale Rolle in der Bewältigung der Pandemie in Berlin und bundesweit übernommen. Das verdient nicht nur große Anerkennung, sondern auch die notwendige finanzielle Rückendeckung. Das Land Berlin hat zusätzlich gut 50 Millionen Euro bereitgestellt und auch Lehre und Forschung mit weiteren Mitteln unterstützt, weil die Ausgleichszahlungen des Bundes bei weitem nicht ausreichen, um die pandemiebedingten Sonderbelastungen und Mehrkosten der Universitätsmedizin zu kompensieren. Als Aufsichtsratsvorsitzender und auch im Namen unserer Stadt möchte ich allen Beschäftigten der Charité für ihren großen Einsatz herzlich danken.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, betont: „Durch die Corona-Pandemie haben sich die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen fundamental geändert und wir wussten schnell, dass dies Auswirkungen auf das wirtschaftliche Ergebnis 2020 haben und die Charité nach neun positiven Jahresergebnissen voraussichtlich mit einem Minus abschließen würde.“ Er ergänzt: „In einer der schwersten Gesundheitskrisen der letzten Jahrzehnte mussten Klinik und Fakultät ihre Prozesse umgehend an die Bedingungen einer dynamischen Pandemie anpassen.“  Die Fakultät hat im Berichtsjahr mit Drittmitteleinnahmen in Höhe von rund 196 Millionen Euro erneut einen Maximalwert für die Charité erreicht, der die Exzellenz der Forschung dokumentiert und auch einen erheblichen Beitrag zur wissenschaftlichen Entwicklung Berlins leistet. Die herausragende Forschungsstärke der Berliner Universitätsmedizin spiegelt sich beispielsweise auf nationaler Ebene in der Beteiligung an 28 DFG-Sonderforschungsbereichen und international in 23 EU-Projekten wider. Astrid Lurati, Vorstand Finanzen und Infrastruktur der Charité, erläutert: „Das Jahr 2020 hat die Charité – menschlich wie wirtschaftlich – auf eine außerordentliche Belastungsprobe gestellt. Angesichts der Krisensituation hat der Charité-Vorstand das Erreichen der wirtschaftlichen Ziele hintenangestellt und alle Kräfte für die Versorgung der Patienten und die Bewältigung der Pandemiesituation gebündelt. Wir haben das getan, was in einer solchen Lage zu tun war und im Schulterschluss mit dem Land Berlin weit über unseren Versorgungsauftrag hinaus dazu beigetragen, die Gesundheitskrise zu managen. Die Einschränkung des klinischen Normalbetriebes und die Bereitstellung zusätzlicher Intensivkapazitäten hat zu einer nie dagewesenen wirtschaftlichen Belastung geführt, die nicht vollständig durch die bundesgesetzlichen Kompensationsleistungen gedeckt wurde. Mit Unterstützung des Landes Berlin in Höhe eines Beitrages von 49,4 Millionen Euro zum Ausgleich der Corona-Verluste ist es gelungen, ein Ausnahmejahr mit Gesamteinnahmen von über 2 Milliarden Euro und einem nahezu ausgeglichenen Ergebnis von minus 1,3 Millionen Euro sowie einem positiven Konzernergebnis von 5,6 Millionen Euro abzuschließen.“ Prof. Kroemer ergänzt: „Der große Dank des Vorstands gilt allen voran den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Charité und allen Beschäftigten unserer Konzerngesellschaften für ihr herausragendes Engagement. Mit beispielhaftem Zusammenhalt und Organisationstalent setzen sich unsere konzernweit rund 19.400 Beschäftigten mit ganzer Kraft gemeinsam für die bestmögliche Versorgung der COVID-19-Patienten und die Forschung zur Bewältigung der Pandemie ein. Wir sind außerordentlich stolz, dass unser Motto ‚Zusammen ein Ganzes‘ von allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelebt wird.“ Neben den Anforderungen der Corona-Pandemie konnte die Charité 2020 weitere Meilensteine für strukturelle Projekte erreichen: So ist Berlin dank des erfolgreichen BMBF-Antrags von Charité, BIH und MDC sowie der Unterstützung des Landes einer von vier neuen Standorten für das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), für das auch ein innovativer Neubau geplant ist. Zudem wurden die Pläne für ein gemeinsames Herzzentrum von Charité und Deutschem Herzzentrum Berlin (DHZB) in ein tragfähiges Unternehmensmodell für den Zusammenschluss der Kardiologien und Herzchirurgien beider Partner im Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) entwickelt. Darüber hinaus wurde zum 1. Januar 2021 das Berlin Institute of Health (BIH) zum Translationsforschungsbereich der Charité und bildet nun neben Klinikum und Medizinischer Fakultät die dritte Säule der Berliner Universitätsmedizin. Als einen der ersten Schritte im Amt als neuer Vorstandsvorsitzender hatte Prof. Kroemer den Strategieprozess 2030 initiiert, um gemeinsam mit den Beschäftigten und Studierenden eine wegweisende Strategie für die nächsten zehn Jahre in Forschung, Lehre und Krankenversorgung zu erarbeiten. Mit der Strategie „Gesundheit neu denken – Rethinking Health“ hat die Charité aktiv ihren Strategieprozess gestartet. Das Konzept für die innovative und wegweisende Weiterentwicklung von Forschung, Lehre, Gesundheitsversorgung und Digitalisierung wurde im Herbst öffentlich vorgestellt und zielt darauf ab, auch während der Pandemie den Blick nach vorn zu bewahren. Zudem konnten im vergangenen Jahr einige entscheidende Bauprojekte vorangebracht und fertiggestellt werden: Dazu gehören beispielsweise am Campus Charité Mitte das Richtfest des kombinierten Ambulanz-, Translations- und Innovationszentrums (ATIZ) für die Charité und das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH), der Beginn der substanziellen Modernisierung des 1899 eröffneten Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité sowie die Fertigstellung des generalsanierten und umgebauten Forschungs- und Laborgebäudes für Charité und BIH in der Hessischen Straße. Am Campus Benjamin Franklin konnte der neue Hubschrauber-Sonderlandeplatz in Betrieb genommen werden, der aufgrund geänderter luftrechtlicher EU-Vorschriften erforderlich geworden war. Zudem sind die ersten Pflegestationen in die 2019 errichtete Charité Campus-Klinik Süd (CCKS) eingezogen. Das viergeschossige Modulgebäude beherbergt während der Modernisierungsmaßnahmen im Hauptgebäude einen Großteil der Stationen.  Abschließend unterstreicht Prof. Kroemer: „Eine Organisation muss in der Lage sein, mit gänzlich unerwarteten Anforderungen schnell und agil umgehen zu können – und sie darf dabei zugleich den Blick nach vorne nicht verlieren. Bereits jetzt sollten wir gemeinsam die Zukunft in den Fokus rücken und aus den Erfahrungen und dem Wissen der Corona-Zeit Lehren für die Bewältigung zukünftiger Pandemien und Gesundheitskrisen ziehen, damit wir zusammen gestärkt aus dieser Zeit hervorgehen.“

CAEHR – Herz-Kreislauf-Erkrankungen optimal behandeln

- 16-04-2021

Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und Vivantes Digitalisierung in der Medizin führt bereits jetzt zu Versorgungserfolgen im Alltag. Das Modellprojekt CAEHR möchte sich hier einreihen. Es zeigt am Beispiel von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie die einzelnen Bereiche der Gesundheitsversorgung von Vernetzung und Austausch medizinischer Daten profitieren und die Versorgung von Patientinnen und Patienten verbessern können. Charité – Universitätsmedizin Berlin mit dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité und das kommunale Krankenhausunternehmen Vivantes bauen gemeinsam mit den Universitätskliniken Göttingen, Hannover und Würzburg sowie zahlreichen weiteren Partnern einen Digitalen FortschrittsHub Gesundheit auf. Das Vorhaben ist Teil des Förderkonzepts Medizininformatik der Bundesregierung und wird mit rund 10 Millionen Euro unterstützt. Werden Herz-Kreislauferkrankungen rechtzeitig erkannt, können sie meist gut behandelt werden. Gleichzeitig zählen diese Erkrankungen zu den führenden Todesursachen hierzulande, mit etwa 40 Prozent aller Todesfälle. In den verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens – von der Notfallversorgung bis hin zur Rehabilitation und der ambulanten Versorgung beim Haus- oder Facharzt – entstehen zahlreiche wertvolle Informationen rund um den Verlauf einer Erkrankung. Der Austausch dieser Daten zwischen den unterschiedlichen Einrichtungen ist für eine optimale Behandlung und Nachsorge wichtig – allerdings noch längst keine Routine. Im Fokus des kardiologischen Großprojektes CAEHR steht daher die Verbesserung des Informationsflusses zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitssystems, um eine optimale Betreuung von Patientinnen und Patienten zu erreichen. CAEHR steht für „CArdiovascular Diseases – Enhancing Healthcare through cross-Sectoral Routine data integration“. Zentrales Anliegen ist es, die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten weiterzuentwickeln, beispielsweise im Fall von koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall. So verschieden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind, eines haben sie gemeinsam: Ihre Folgen sind oft chronisch und erfordern eine dauerhafte Begleitung. Die strikte Trennung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung ist eines der größten Hindernisse für eine optimale Behandlung von Patientinnen und Patienten. Das Vorhaben CAEHR strebt daher eine verbesserte regionale Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankten durch eine intersektorale Vernetzung – eine Verknüpfung von Notfallversorgung, stationärer Versorgung, Rehabilitation und Nachsorge – an. In drei Regionen Deutschlands – Hannover/Göttingen, Berlin und Würzburg/Mainfranken – werden nun digitale Lösungen für eine bessere sektorenübergreifende Versorgung erprobt und für einen späteren bundesweiten Einsatz vorbereitet. „Mit dem digitalen FortschrittsHub CAEHR komplementieren wir die bisherigen Arbeiten der Medizininformatik-Initiative, insbesondere des HiGHmed Konsortiums. Anhand des Behandlungspfads von Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden wir digitale Lösungen zur Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten entwickeln, die künftig in weitere Regionen ausgerollt und auf weitere Krankheitsfelder angewendet werden können“, so Prof. Dr. Roland Eils, Gründungsdirektor des Zentrums für Digitale Gesundheit am Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité und Koordinator des Vorhabens an der Charité und in der Region Berlin. Seit 2016 leitet Prof. Eils zudem das HiGHmed-Konsortium, das sich zusammen mit weiteren Universitätskliniken und außeruniversitären Partnern zur Aufgabe gemacht hat, innovative Informationsinfrastrukturen zu entwickeln und in die Praxis zu bringen. Unterstützt wird das Vorhaben CAEHR an der Charité maßgeblich durch die Teams um Prof. Dr. Ulf Landmesser, Direktor der Medizinischen Klinik für Kardiologie am Campus Benjamin Franklin der Charité, und Prof. Dr. David M. Leistner, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik. Die Projektkonzeption wurde gleichfalls unterstützt von Prof. Dr. Harald Darius, seinerzeit Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und konservative Intensivmedizin des Vivantes Klinikum Neukölln. Im Schulterschluss mit Vivantes wird die Charité den Use Case ambulante Versorgung im Projekt CAEHR leiten. Gemeinsam beteiligen sie sich darüber hinaus am Use Case Rehabilitation und an den grundlegenden IT-Forschungsprojekten zur technischen Umsetzung des Gesamtvorhabens. Das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité bringt in diesen FortschrittsHub ausgewiesene Expertise in den Bereichen Digitale Gesundheit und Medizininformatik ein. Prof. Dr. Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité: „Der Digitale FortschrittsHub CAEHR wird am Beispiel von Herz-Kreislauf-Erkrankungen die bereits bestehende enge Zusammenarbeit zwischen Charité und Vivantes fortsetzen, um Hand in Hand an einer optimalen Krankenversorgung zu arbeiten.“ Dr. Johannes Danckert, Geschäftsführer Klinikmanagement von Vivantes fügt hinzu: „Unser Ziel ist es, die Versorgung der Patientinnen und Patienten über die Sektorengrenzen hinweg zu verbessern. Wir leisten hier Pionierarbeit und bauen technologische Strukturen auf, die künftig dafür sorgen, dass Forschungsergebnisse schneller in den Kliniken umgesetzt werden können. Wir beginnen in der Kardiologie, aber die jetzt entstehenden Strukturen der Translation werden später Patientinnen und Patienten unterschiedlicher Fachbereiche zugutekommen.“ Um Menschen in der Metropolregion Berlin bestmöglich zu versorgen, arbeiten Charité und Vivantes zunehmend enger zusammen. Das Vorhaben CAEHR ist dabei ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Gesundheitsstadt 2030 – einem internationalen Gesundheitsstandort Berlin.

Ein magnetischer Blick durch die Schädeldecke

- 15-04-2021

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und der PTB Das Gehirn verarbeitet Informationen über langsame und schnelle Hirnströme. Um Letztere zu untersuchen, mussten bisher allerdings Elektroden in das Gehirn eingeführt werden. Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), Institut Berlin, haben diese schnellen Hirnsignale jetzt erstmals von außen sichtbar gemacht – und eine erstaunliche Variabilität festgestellt. Wie das Team in der Fachzeitschrift PNAS* berichtet, verwendete es dazu einen besonders empfindlichen Magnet-Enzephalographen. Die Informationsverarbeitung im Gehirn ist einer der komplexesten Prozesse des Körpers; Störungen wirken sich nicht selten als schwerwiegende neurologische Erkrankungen aus. Die Erforschung der Signalweitergabe im Gehirn ist deshalb der Schlüssel zum Verständnis verschiedenster Krankheiten – methodisch aber stellt sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor große Herausforderungen. Um die Nervenzellen bei ihrer „gedankenschnellen“ Arbeit beobachten zu können, ohne Elektroden direkt ins Gehirn zu legen, haben sich zwei Technologien mit hoher Zeitauflösung etabliert: die Elektro-Enzephalographie (EEG) und die Magnet-Enzephalographie (MEG). Mit beiden Methoden lassen sich Hirnströme durch die Schädeldecke sichtbar machen – zuverlässig allerdings nur die langsamen, nicht die schnellen. Langsame Ströme – sogenannte postsynaptische Potenziale – entstehen, wenn Nervenzellen Signale von anderen Nervenzellen empfangen. Feuern sie dagegen selbst und geben damit Informationen an nachgeschaltete Neuronen oder auch Muskeln weiter, verursacht das schnelle Ströme mit einer Dauer von nur einer Tausendstelsekunde: die sogenannten Aktionspotenziale. „Von außen konnten wir Nervenzellen bisher also nur beim Empfangen, nicht aber beim Weiterleiten von Informationen nach einem einzelnen Sinnesreiz beobachten“, erläutert Dr. Gunnar Waterstraat von der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie am Charité Campus Benjamin Franklin. „Man könnte sagen: Wir waren gewissermaßen auf einem Auge blind.“ Ein Team um Dr. Waterstraat und Dr. Rainer Körber von der PTB hat jetzt die Grundlage dafür gelegt, dass sich das ändert. Der interdisziplinären Forschungsgruppe ist es gelungen, die MEG-Technologie so empfindlich zu machen, dass sie auch schnelle Hirnströme als Antwort auf einzelne Sinnesreize erkennen kann. Das erreichte das Team, indem es das Eigenrauschen des MEG-Geräts deutlich reduzierte. „Die Magnetfeld-Sensoren in einem MEG-Gerät werden in flüssiges Helium getaucht, um sie auf -269°C zu kühlen“, erklärt Dr. Körber. „Dazu ist das Kühlgefäß sehr aufwendig isoliert. Diese Superisolierung besteht allerdings aus mit Aluminium bedampften Folien, die selbst ein magnetisches Rauschen verursachen und deshalb kleine Magnetfelder beispielsweise von Nervenzellen überlagern. Wir haben die Superisolierung des Kühlgefäßes jetzt so konstruiert, dass dessen Rauschen nicht mehr messbar ist. So ist es uns gelungen, die MEG-Technologie um das Zehnfache empfindlicher zu machen.“ Dass das neue Instrument tatsächlich in der Lage ist, schnelle Hirnströme zu erfassen, zeigte das Forschungsteam am Beispiel der Reizung eines Armnervs. Dazu wurde ein Nerv am Handgelenk bei vier gesunden Probanden elektrisch stimuliert und der MEG-Sensor unmittelbar über dem Hirnareal positioniert, das für die Verarbeitung von Sinnesreizen der Hand verantwortlich ist. Um Störquellen wie Stromnetze oder elektronische Bauteile auszuschließen, fanden die Messungen in einer elektromagnetisch abgeschirmten Messkammer der PTB statt. Wie die Forschenden feststellten, ließen sich so Aktionspotenziale einer kleinen Gruppe synchron aktivierter Neurone messen, die in der Hirnrinde in Antwort auf einzelne Stimulationsreize entstanden. „Wir haben also das erste Mal nichtinvasiv den Nervenzellen im Gehirn beim Senden von Informationen nach einem Berührungsreiz zugeschaut“, betont Dr. Waterstraat. „Interessanterweise konnten wir dabei beobachten, dass diese schnellen Hirnströme trotz konstanter Stimulation nicht gleichförmig sind, sondern sich von Reiz zu Reiz verändern. Diese Veränderungen waren zudem unabhängig von den langsamen Hirnsignalen. Die Information über eine Berührung der Hand wird vom Gehirn also erstaunlich variabel verarbeitet, obwohl alle Nervenreize gleichartig waren.“ Dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt einzelne Reizantworten miteinander vergleichen können, eröffnet der neurologischen Forschung die Möglichkeit, bisher ungeklärte Fragen zu untersuchen: Welchen Einfluss haben Faktoren wie Aufmerksamkeit oder Müdigkeit auf die Informationsverarbeitung im Gehirn? Oder das zeitgleiche Auftreten weiterer Reize? Auch zu einem tieferen Verständnis und einer besseren Therapie neurologischer Erkrankungen könnte das hochempfindliche MEG-System beitragen. Beispielsweise sind die Epilepsie und das Parkinson-Syndrom unter anderem mit Störungen der schnellen Hirnsignale verbunden. „Mit der optimierten MEG-Technologie haben wir jetzt ein grundlegendes Instrument mehr in unserem neurowissenschaftlichen Werkzeugkasten, um all diese Fragen nichtinvasiv zu adressieren“, sagt Dr. Waterstraat.

"CHARITÉ INTENSIV": Vierteilige Doku zeigt intensivmedizinische Versorgung von Covid-19-Patienten

- 01-04-2021

Das Team einer Intensivstation der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat dem Regisseur Carl Gierstorfer von Weihnachten bis Mitte März Einblicke in ihren Arbeitsalltag und die Herausforderungen der Intensivmedizin während der zweiten Pandemie-Welle gewährt. Auf der Station werden Patientinnen und Patienten mit COVID-19 behandelt, die besonders schwer erkrankt sind – viele von ihnen wurden aufgrund ihres schweren Krankheitsverlaufs aus anderen Kliniken an die Charité verlegt. Die Doku-Serie „CHARITÉ INTENSIV: Station 43“ zeigt den täglichen Einsatz des gesamten Stationsteams für das Leben jedes einzelnen Patienten. Die vier jeweils 30-minütigen Kapitel sind jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen.  „Die Dokumentation zeigt den lebensbedrohlichen Kern der Pandemie, mit dem wir seit mittlerweile mehr als einem Jahr täglich konfrontiert sind. Viele Patientinnen und Patienten können wir trotz aller Möglichkeiten der modernen Intensivmedizin nicht retten. Der Film beschönigt dies nicht und zeigt eindrucksvoll die Arbeit des Intensiv-Teams zwischen High-Tech Medizin und tiefer Menschlichkeit“, sagt Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt, Direktor der Klinik für Nephrologie und Internistische Intensivmedizin sowie Koordinator der COVID-19-Intensivversorgung.  Als Level-1-Klinik steuert die Charité berlinweit die Belegung der Intensivbetten und versorgt die schwersten Fälle. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie 2.846 Patientinnen und Patienten mit COVID-19 stationär an der Charité behandelt, davon 1.387 teilweise oder ausschließlich im Intensivbereich. Von den intensivmedizinisch betreuten Patientinnen und Patienten sind 480 (35 Prozent) während ihres stationären Aufenthaltes verstorben. „Wir befürchten, dass die dritte Welle noch schlimmer wird, als wir es im Januar erlebt haben. Damals waren wir bereits in der Nähe unserer Kapazitätsgrenze“, sagt Prof. Eckardt.   „Der Ausbau der Intensivversorgung erfordert erheblichen Einsatz, Umorganisation und Personalverschiebungen innerhalb der gesamten Charité. Ich bin optimistisch, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür erneut die nötige Flexibilität und Kraft aufbringen“, erklärt Prof. Dr. Martin Kreis, Vorstand Krankenversorgung der Charité. Er ergänzt: „Die Dokumentation zeigt aber auch unsere Grenzen auf und sollte allen eine Warnung sein, die Gefährlichkeit der Pandemie nicht zu unterschätzen. Die aktuelle Infektionsdynamik muss dringend gebremst werden, um eine Überforderung zu verhindern.“

Telemedizinische Versorgung bei schwerer Herzschwäche mit künstlicher Intelligenz und 5G-Netz

- 30-03-2021

Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz benötigen im Verlauf der Erkrankung häufig eine dauerhafte Therapieoption. Diese kann beispielsweise durch ein permanentes Herzunterstützungssystem (LVAD) erreicht werden. Im Projekt 5GMedCamp forschen die Charité – Universitätsmedizin Berlin als Konsortialführerin, das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) und das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) sowie zwei Technologieunternehmen gemeinsam. Ziel ist es, die Nachsorge von Patientinnen und Patienten mit implantiertem LVAD per moderner Telemedizin und 5G-Mobilfunkstandard zu verbessern. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert dieses strategische Einzelprojekt für drei Jahre mit rund 2,1 Millionen Euro.  Ursprünglich waren Herzunterstützungssysteme als vorübergehende Unterstützung des Kreislaufs bis zur Herztransplantation konzipiert. Inzwischen werden sie jährlich bei mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz als dauerhafte Versorgung angewandt. Dabei stellen das kardiologische Grundleiden, die möglichen auftretenden Komplikationen des Implantats sowie die Begleiterkrankungen große Herausforderungen bei der Behandlung von LVAD-Patienten dar. Aufgrund fehlender Technologien gibt es bisher nur sehr eingeschränkte Lösungsansätze für eine telemedizinische Fernbetreuung.  „Dabei bietet die Telemedizin ein großes Potenzial, um eventuell auftretende Komplikationen wie Blutungen, Infektionen oder technische Probleme des Implantats frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Daher ist eine 24-stündige telemedizinische Mitbetreuung an allen Wochentagen für diese Patientengruppe medizinisch sehr relevant, erfordert aber eine kontinuierliche Übertragung und Überwachung der Daten“, erklärt Prof. Dr. Friedrich Köhler, Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin der Charité und Konsortialführer des Projekts.  Am DHZB wird etwa jedes sechste LVAD-System in Deutschland implantiert. Damit verfügt der Projektpartner über die langjährigste und umfangreichste Erfahrung bei der Nachsorge dieser Patientengruppe in Deutschland. „Wir müssen die Entwicklung neuer Kunstherzsysteme vorantreiben, aber auch den Einsatz der bestehenden Systeme im Sinne unserer Patientinnen und Patienten fortlaufend verbessern. Die Telemedizin hat hier großes Potenzial, das wir aber nur gemeinsam schnell und effizient nutzen können“, sagt Prof. Dr. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin.  Systeme der künstlichen Intelligenz, die auf 5G-basieren, können große Datenmengen schnell empfangen und in Echtzeit übermitteln. Bisher waren entsprechende Modelle jedoch nur auf wenige Einzelparameter beschränkt. Im Projekt 5GMedCamp sollen die Integration von 5G-Campusnetzwerken, öffentlichen Netzen sowie Heimnetzwerken zum kontinuierlichen Monitoring von Vitaldaten erprobt werden. Zudem werden Methoden der künstlichen Intelligenz zur Analyse der LVAD-Streamingdaten entwickelt. Die technologischen Ansätze sollen die multidimensionalen hochfrequenten Daten in Modelle der künstlichen Intelligenz überführt werden. Anschließend sollen die neuen Ansätze praktisch erprobt werden. Darüber hinaus sollen 5G-fähige nicht-invasive Messgeräte zur Erfassung des sogenannten Mittleren arteriellen Blutdrucks und des Elektrokardiogramms (EKG) entwickelt werden.  Prof. Dr. Slawomir Stanczak, Leiter der Abteilung Drahtlose Kommunikation und Netze am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) ergänzt dazu: „Für das kontinuierliche Streaming von medizinischen Daten in Echtzeit ist eine 5G-basierte Übertragung mit den höchsten Standards für Sicherheit, Datenschutz und Zuverlässigkeit erforderlich. Um die anfallenden Datenmassen zeitnah auszuwerten, bedarf es der Methoden der künstlichen Intelligenz, wodurch eine Vorverarbeitung direkt vor Ort notwendig werden kann. Neben diesen technischen Herausforderungen ist es daher zwingend notwendig, Datenschutz und Sicherheit in die Datenübertagung zu integrieren.“ Der neue 5G-Funkstandard und die Campusnetze ermöglichen erstmals das permanente Streaming von Echtzeitdaten der Betroffenen in Verbindung mit den hohen Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz im medizinischen Bereich. 

Kontrollierte Narbenbildung im Gehirn

- 26-03-2021

Bei Verletzungen und Infektionen im Gehirn sorgen die umgebenden Gliazellen dafür, dass die empfindlichen Nervenzellen erhalten und ausufernde Nervenschäden verhindert werden. Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnte nun aufzeigen, wie wichtig bei diesem Vorgang die Umorganisation von Gerüst- und Membranstrukturen in den Gliazellen ist. Die jetzt im Fachmagazin Nature Communications* beschriebenen Erkenntnisse werfen Licht auf einen neuen zellulären Schutzmechanismus, durch den das Gehirn aktiv schweren Verläufen von neurologischen Erkrankungen entgegenwirken könnte. Das Nervensystem ist besonders empfindlich gegenüber Schädigungen, da einmal abgestorbene Nervenzellen nicht erneuert werden können. Daher müssen gerade im Gehirn verschiedene Zellen koordiniert zusammenarbeiten, um etwa nach Verletzungen und Infektionen die Schäden zu begrenzen und eine Heilung zu ermöglichen. Sogenannte Astrozyten, die häufigsten Gliazellen im zentralen Nervensystem, nehmen eine zentrale Rolle beim Schutz des umliegenden Gewebes ein. Ihr Schutzprogramm – die sogenannte reaktive Astrogliose – unterstützt die Narbenbildung und hilft so, die Verbreitung von Entzündungen zu verhindern und Gewebeschäden einzudämmen. Gleichzeitig können Astrozyten das Überleben von Nervenzellen in unmittelbarer Nähe zu Gewebsverletzungen sichern und die Neuausrichtung neuronaler Netzwerke unterstützen. Einen neuen Mechanismus, wie diese Prozesse in den Astrozyten ablaufen und koordiniert werden, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité nun aufgeklärt. „Wir konnten erstmals zeigen, dass das Protein Drebrin bei Hirnverletzungen die Astrogliose steuert“, sagt Prof. Dr. Britta Eickholt, Direktorin des Instituts für Biochemie und Molekularbiologie der Charité und Leiterin der Studie. „Drebrin wird benötigt, damit Astrozyten als Kollektiv Narben bilden und das umliegende Gewebe schützen können.“ Die Forschenden konnten Drebrin in Astrozyten ausschalten – und dessen Rolle bei Hirnverletzungen im Tiermodell nachempfinden. Die zellulären Veränderungen untersuchten sie mittels Elektronenmikroskopie und hochauflösender Lichtmikroskopie am Gehirn – sowie in Echtzeit an isolierten Astrozyten in Zellkultur. „Der Verlust von Drebrin führt zu einer Unterdrückung der normalen Astrozyten-Aktivierung“, erklärt Prof. Eickholt. „Anstatt schützend zu reagieren, verlieren diese Astrozyten im Gegenteil sogar gänzlich ihre Funktion und geben ihre zelluläre Identität auf.“ Eigentlich harmlose Verletzungen breiten sich somit ohne die schützende Narbenbildung aus und immer mehr Nervenzellen sterben ab. Um diese Narbenbildung zu ermöglichen, kontrolliert Drebrin die Umorganisation des Aktin-Zellskeletts, eines Gerüsts zur mechanischen Stabilisierung, in Astrozyten. Auf diese Weise wird auch die Entstehung langer Membranröhren – sogenannter tubulärer Endosome – beeinflusst, die der Aufnahme, Sortierung und Umverteilung von Oberflächenrezeptoren dienen und für die schützenden Gegenmaßnahmen der Astrozyten notwendig sind. „Unsere Erkenntnisse zeigen also, wie Drebrin über das dynamisch-veränderliche Zellskelett und Membranstrukturen grundlegende Funktionen von Astrozyten bei der Abwehr schädlicher Einflüsse steuert“, resümiert Prof. Eickholt. „Insbesondere die dabei entstehenden Membranröhren wurden in dieser Form bisher weder in kultivierten Astrozyten noch im Gehirn beschrieben.“ „Seine Rolle als Regulator des Zellskeletts deutet darauf hin, dass Drebrin ein möglicher Risikofaktor für schwere Verläufe von neurologischen sowie anderen Erkrankungen sein könnte, weil ein Verlust des Proteins in Astrozyten ganz ähnliche Veränderungen bewirken kann“, ergänzt Prof. Eickholt. „Es ist auch möglich, dass Betroffene mit Drebrin-Gendefekten – vergleichbar mit dem Tiermodell – völlig unauffällig sind, bis zellulärer Stress, Umweltgifte oder Krankheiten deren Ausprägung auslösen.“ Untersuchungen an Proben von Patientinnen und Patienten sollen nun klären, inwiefern Drebrin auch bei weiteren Erkrankungen – etwa der Alzheimer-Krankheit – eine Rolle spielt.  

Protein-Fingerabdruck in Minuten

- 25-03-2021

Schneller und günstiger als ein gewöhnliches Blutbild: Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Francis Crick Institute haben die Technologie der Massenspektrometrie so weiterentwickelt, dass sich Tausende von Proteinen in einer Probe innerhalb weniger Minuten vermessen lassen. Das Potenzial der Technik demonstriert das Forschungsteam anhand der Analyse des Blutplasmas von COVID-19-Betroffenen: Mit der neuen Technologie identifizierte es elf bisher unbekannte Proteine, die den Schweregrad der Erkrankung anzeigen. Die Studie ist im Fachmagazin Nature Biotechnology* veröffentlicht. Zu jedem Zeitpunkt sind im menschlichen Körper Tausende verschiedener Proteine aktiv: Sie geben ihm seine Struktur und ermöglichen lebenswichtige Reaktionen. Auch wenn der Körper auf äußere Einwirkungen wie Erreger oder Medikamente reagiert, steigert oder senkt er die Aktivität unterschiedlicher Proteine. Das detaillierte Muster von Proteinen in Zellen, Geweben oder Blutproben – das sogenannte Proteom – kann Forschenden deshalb dabei helfen, Erkrankungen besser zu verstehen oder Aussagen über Diagnosen und Krankheitsverläufe zu machen. Um einen solchen „Protein-Fingerabdruck“ zu erhalten, nutzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Massenspektrometrie, die bisher jedoch sehr zeit- und kostenintensiv ist. Abhilfe verspricht jetzt die neue massenspektrometrische Technologie „Scanning SWATH“: Entwickelt von einem Team um Prof. Dr. Markus Ralser, Direktor des Instituts für Biochemie der Charité, ist sie wesentlich schneller und kostengünstiger als frühere Methoden und erlaubt die Messung von mehreren Hundert Proben pro Tag. „Um die Technologie zu beschleunigen, haben wir die elektrischen Felder im Massenspektrometer verändert. Das erzeugt äußerst komplexe Daten, die ein Mensch nicht mehr analysieren kann“, erklärt Prof. Ralser, der auch Einstein-Professor und Gruppenleiter am Francis Crick Institute in London ist. „Deshalb haben wir Computeralgorithmen entwickelt, die auf neuronalen Netzwerken basieren und aus den Daten die nötige biologische Information extrahieren. Das erlaubt uns, Tausende Proteine parallel zu bestimmen, und reduziert die Messzeit um ein Vielfaches. Erfreulicherweise ist die Methode darüber hinaus auch genauer.“  Die Anwendungsmöglichkeiten für diese Hochdurchsatz-Technologie sind vielfältig: Von der Grundlagenforschung über die groß angelegte Suche nach wirksamen Arzneimitteln bis zur Identifizierung von biologischen Merkmalen (Biomarkern), die sich für die Einschätzung des individuellen Risikos von Patientinnen und Patienten nutzen lassen. Dass sich die Technik für Letzteres eignet, zeigte die Forschungsgruppe in ihrer Studie am Beispiel von COVID-19. Dazu analysierte das Team das Blutplasma von 30 Patientinnen und Patienten mit unterschiedlich stark ausgeprägten COVID-19-Symptomen, die an der Charité stationär behandelt wurden, und verglich die Proteinmuster mit dem von 15 gesunden Personen. Die Messung einer einzelnen Probe dauerte dabei nur wenige Minuten. Auf diese Weise identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insgesamt 54 Proteine, deren Konzentration im Blut abhängig vom Schweregrad der COVID-19-Erkrankung erhöht oder verringert war. 43 davon waren in früheren Studien bereits mit der Schwere der Erkrankung in Verbindung gebracht worden; für elf der Proteine war dieser Zusammenhang jedoch bisher nicht bekannt gewesen. Mehrere dieser bisher unbekannten Proteine sind Teil der Reaktion des Immunsystems auf Erreger, die auch die Gerinnungsneigung erhöht. „Wir haben mit unserer neuen Methode also in kürzester Zeit Protein-Fingerabdrücke in Blutproben entdeckt, anhand derer wir jetzt COVID-19-Betroffene entsprechend der Schwere ihrer Erkrankung einteilen können“, sagt Dr. Christoph Messner, einer der Erstautoren der Studie und Wissenschaftler am Institut für Biochemie der Charité sowie am Francis Crick Institute. „Eine solche objektive Einschätzung kann sehr wertvoll sein, da die Patientinnen und Patienten ihren Gesundheitszustand zum Teil überschätzen. Um eine massenspektrometrische Analyse aber standardmäßig für die Klassifizierung von COVID-19-Betroffenen nutzen zu können, muss die Technik zu einem diagnostischen Test weiterentwickelt werden. In Zukunft könnte es darüber hinaus möglich sein, mit einer schnellen Analyse des Proteinmusters auch Aussagen über den voraussichtlichen Verlauf von COVID-19 zu treffen. Hierzu haben wir bereits erste vielversprechende Ergebnisse gesammelt, bis zu einem routinemäßigen Einsatz sind aber noch weitere Studien nötig.“ Prof. Ralser ist überzeugt, dass die massenspektrometrische Untersuchung des Blutes in Zukunft das klassische Blutbild ergänzen könnte: „Das Proteom zu bestimmen, kostet jetzt weniger als ein großes Blutbild. Durch die Bestimmung vieler Tausend Proteine gleichzeitig liefert eine Proteom-Analyse zusätzlich viel mehr Informationen. Ich sehe in einer flächendeckenden Anwendung deshalb großes Potenzial, beispielsweise für die frühzeitige Erkennung von Krankheiten. In unseren Studien werden wir daher weiter auf einen solchen Einsatz der Proteom-Technologie hinarbeiten.“

Müssen COVID-19-Impfstoffe zukünftig regelmäßig neu angepasst werden?

- 25-03-2021

Grippe-Impfstoffe müssen jedes Jahr aktualisiert werden, um vor neuen Influenzaviren zu schützen. Wird das auch für COVID-19-Impfstoffe nötig sein? Um dies abschätzen zu können, hat ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin die Evolution von landläufigen Erkältungscoronaviren mit der von Grippeviren verglichen. Die Prognose der Forschenden: Während der Pandemie werden regelmäßige Impfstoff-Updates nötig sein, nach einigen Jahren ist jedoch eine längere Haltbarkeit der Impfstoffe zu erwarten. Die Studie ist im Fachmagazin Virus Evolution* erschienen. Influenzaviren sind Meister darin, sich der Immunreaktion des Menschen zu entziehen: Sie verändern sich so schnell, dass die Antikörper, die das Immunsystem nach einer früheren Infektion oder Impfung hergestellt hat, sie nicht mehr gut erkennen können. Das macht eine aufwendige Anpassung des Impfstoffs in praktisch jeder Grippe-Saison nötig. Auch SARS-CoV-2 hat bereits verschiedene Mutanten hervorgebracht, von denen einige, wie die sogenannte südafrikanische Variante, die Immunreaktion teilweise unterläuft. Erste Impfstoff-Hersteller entwickeln daher schon neue Versionen ihres Vakzins. Was bedeutet das für die Zukunft? Werden COVID-19-Impfstoffe wie die Grippe-Impfstoffe regelmäßig aktualisiert werden müssen? Um einschätzen zu können, ob SARS-CoV-2 langfristig eine ebenso stark ausgeprägte „Flucht“ vor dem Immunsystem zeigen wird wie Influenzaviren, haben Virologinnen und Virologen der Charité die genetische Entwicklung von Erkältungscoronaviren untersucht. Bekannt sind vier solcher vergleichsweise harmlosen Coronaviren, die rund 10 Prozent der Erkältungen weltweit verursachen und schon wesentlich länger im Menschen zirkulieren als SARS-CoV-2. Auch sie entern menschliche Zellen über das sogenannte Spike-Protein, das die namensgebende „Krone“ auf der Virus-Oberfläche bildet und gegen das alle bisherigen COVID-19-Impfstoffe gerichtet sind.  Für die Studie verfolgte das Forschungsteam nach, wie sich das Spike-Gen der beiden am längsten bekannten Coronaviren 229E und OC43 über die vergangenen rund 40 Jahre verändert hat. Dazu verglichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Sequenzen aus unterschiedlich alten Proben, die in einer Gendatenbank hinterlegt worden waren, und entwickelten anhand der über die Zeit entstandenen Mutationen einen Stammbaum für beide Coronaviren. Zum Vergleich betrachteten die Forschenden den Influenza-Stamm H3N2, der sich besonders effizient der menschlichen Immunreaktion entzieht. Die berechneten Stammbäume sowohl der Coronaviren als auch des Influenzavirus hatten eines gemeinsam: Sie zeigten eine ausgeprägte Treppenform. „Ein solch asymmetrischer Stammbaum bedeutet, dass eine zirkulierende Viruslinie regelmäßig durch eine andere ersetzt wird, weil diese einen Überlebensvorteil hat“, erklärt Dr. Wendy K. Jó, Erstautorin der Studie vom Institut für Virologie der Charité. „Das ist ein Hinweis auf eine sogenannte Antigen-Drift, also eine kontinuierliche Veränderung der Oberflächenstrukturen, durch die Viren sich der menschlichen Immunreaktion entziehen. Die heimischen Coronaviren entfliehen dem Immunsystem also ebenso wie das Grippevirus. Allerdings muss man sich zusätzlich die Geschwindigkeit anschauen, mit der diese Evolution vonstattengeht.“ Dazu ermittelte das Forschungsteam die Evolutionsraten der drei Viren. Während sich in der Influenza-Sequenz pro Jahr 25 Mutationen pro 10.000 Erbgut-Bausteinen ansammelten, waren es bei den Coronaviren nur etwa sechs Mutationen. Damit veränderten sich die landläufigen Coronaviren um das Vierfache langsamer als das Grippevirus. „Das ist mit Blick auf SARS-CoV-2 eine gute Nachricht“, resümiert Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Denn die Evolutionsgeschwindigkeit von SARS-CoV-2 liegt derzeit mit geschätzt rund zehn Mutationen pro 10.000 Erbgut-Bausteinen im Jahr noch deutlich über der landläufiger Coronaviren. „Diese schnelle genetische Veränderung von SARS-CoV-2 spiegelt sich in dem Aufkommen vieler verschiedener Virusvarianten weltweit wider“, erklärt Prof. Dr. Jan Felix Drexler, Leiter der Studie vom Institut für Virologie und DZIF-Forscher. „Der Grund dafür liegt aber hauptsächlich in dem hohen Infektionsgeschehen während der Pandemie: Wo es viele Infektionen gibt, kann sich ein Virus auch schneller weiterentwickeln. Auf Basis der Evolutionsraten der heimischen Erkältungscoronaviren gehen wir davon aus, dass sich auch SARS-CoV-2 langsamer verändern wird, sobald das Infektionsgeschehen abebbt – also nachdem ein Großteil der weltweiten Bevölkerung entweder durch die Erkrankung selbst oder durch eine Impfung einen Immunschutz aufgebaut hat. Deshalb nehmen wir an, dass die COVID-19-Impfungen während der Pandemie regelmäßig überprüft und wenn nötig angepasst werden müssen. Sobald sich die Situation stabilisiert hat, werden die Impfungen aber voraussichtlich länger nutzbar sein.“

Neue Immuntherapie gegen Krebs in der klinischen Prüfung

- 18-03-2021

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des MDC Damit das Immunsystem Krebszellen wirksam erkennen und bekämpfen kann, haben Forschende des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin eine neue Gentherapie auf Basis eines speziellen T-Zell-Rezeptors entwickelt. Sie wird nun in einer Phase-I-Studie bei Patientinnen und Patienten mit Knochenmarkkrebs auf ihre Sicherheit hin überprüft. Nach 20 Jahren Vorarbeit in den Laboren des MDC und der Charité, aus der unter anderem die Biotech-Ausgründung T-knife entstanden ist, kommt nun die Idee von einer neuen Gentherapie gegen Krebs erstmals in der Klinik zum Einsatz. Vor einigen Wochen hat die erste Patientin mit Multiplem Myelom eine Infusion mit ihren T-Zellen bekommen. Die körpereigenen Immunzellen waren zuvor gentechnisch so verändert worden, dass ihre Rezeptoren den Krebs erkennen und bekämpfen können. Das Multiple Myelom ist eine der häufigsten Tumorerkrankungen der Knochen und des Knochenmarks. Zwölf Patientinnen und Patienten sollen in der auf zwei Jahre angelegten Phase-I-Studie behandelt werden. „Primär geht es jetzt darum nachzuweisen, wie sicher diese neue Form der Immun- und Gentherapie für die Patientinnen und Patienten ist“, sagt Prof. Dr. Antonio Pezzutto, der die Studie an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am Campus Benjamin Franklin der Charité leitet. „Zwar glauben wir, Hinweise auf die Wirksamkeit des Therapieprinzips zu bekommen, und hoffen auch, dass die Patientinnen und Patienten davon profitieren. Aber erst in der nächsten klinischen Phase kann gezielt die Wirksamkeit der Therapie an einer größeren Zahl von Betroffenen untersucht werden.“ Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Kooperationsprojekt mit vier Millionen Euro. T-Zellen überwachen unseren Körper und schützen ihn vor Krankheiten, beispielsweise durch Infektionen mit Viren. Infizierte Zellen verraten sich durch virale Antigene, die als typische Merkmale auf ihrer Oberfläche auftreten. Spürt eine T-Zelle ein Antigen mithilfe ihres Rezeptors auf, zerstört sie die befallene Zelle oder mobilisiert weitere Kräfte gegen sie. Auch bei Krebszellen sitzen spezielle Antigene auf der Oberfläche. Das Problem: Das Immunsystem erkennt diese oft nicht als entartet und bekämpft die Zelle nicht. Das könnte sich mit der T-Zell-Gentherapie nun ändern, die Prof. Dr. Thomas Blankenstein, Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Immunologie und Gentherapie“ am MDC und ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie an der Charité, gemeinsam mit seinem Team entwickelt hat. Die Forschenden wollen den T-Zellen der Studienteilnehmenden nun beibringen, Krebszellen als Eindringlinge zu identifizieren. „Unsere präklinischen Versuche deuten darauf hin, dass dies geschehen sollte, ohne dabei gesundes Gewebe der Patientinnen und Patienten zu schädigen“, sagt Prof. Blankenstein. Als ersten Kandidaten für die Behandlung des Multiplen Myeloms nahm das Forschungsteam das Antigen MAGE-A1 ins Fadenkreuz – ein typisches Erkennungsmerkmal auf der Oberfläche von Krebszellen, das bei Multiplen Myelomen häufiger auftritt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dafür einen spezifischen T-Zell-Rezeptor hergestellt. Er schafft es, das Antigen und somit die Krebszelle als entartet und gefährlich einzustufen. Möglich war dies mit einer einzigartigen Technologieplattform, die das Team um Prof. Blankenstein für die Gentherapie entwickelt hat: eine transgene Maus mit ausschließlich humanem T-Zell-Repertoire. „Wird die transgene Maus mit einem menschlichen Antigen immunisiert, vermehren sich nur T-Zellen mit passgenauen Rezeptoren und können leicht isoliert werden“, sagt Prof. Blankenstein. „Auf diese Weise konnten wir den genetischen Bauplan von Rezeptoren menschlichen Ursprungs gewinnen, wie sie aus Menschen in der Regel nicht zu gewinnen sind. Die T-Zell-Rezeptoren werden dann zunächst einer Serie von Sicherheits- und Wirksamkeitstests unterzogen. Das ist für eine sichere Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Knochenmarkkrebs wichtig.“ Die Herstellung der Zellprodukte für die gesamte Studie erfolgt in der GMP-Facility für zelluläre Therapien am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer Einrichtung, die auf die Produktion von Zell- und Gentherapeutika in Reinräumen spezialisiert ist. Das ECRC ist ein gemeinsames Institut von Charité und MDC. Zunächst entnahmen Ärztinnen und Ärzte der ersten Patientin T-Zellen, die dann den Spezialistinnen und Spezialisten des ECRC übergeben wurden. Diese brachten die Erbinformationen des spezifischen Rezeptors in die körpereigenen T-Zellen ein, aktivierten und vermehrten sie. Wenige Tage vor der Behandlung erhielt die Patientin eine Chemotherapie, um andere Immunzellen im Körper zu eliminieren. Der Angriff auf die Krebszellen ist dann besonders effektiv. Nach der Behandlung mit ihren gentechnisch veränderten T-Zellen wurde die Patientin für zwei Wochen stationär an der Charité überwacht und muss sich seither und auch in Zukunft regelmäßig für Untersuchungen vorstellen. Behandelnder Arzt ist unter anderem Matthias Obenaus, der diesen T-Zell-Rezeptor isoliert und charakterisiert hat. Neben MAGE-A1 hat das Team weitere vielversprechende Antigene entdeckt, die bei anderen Krebserkrankungen auftreten. T-knife wird nun passende Rezeptoren herstellen und testen. So sollen zukünftig immer mehr Patientinnen und Patienten von der Gentherapie von MDC und Charité profitieren können. „Wir schauen mit Spannung auf die Studienergebnisse und hoffen, dass wir mit dieser Gentherapie eine neue und vielversprechende Möglichkeit gewinnen, Krebserkrankungen künftig besser zu bekämpfen“, sagt Prof. Blankenstein.

Keine Gefahr einer Depression durch Betablocker

- 15-03-2021

Medikamente wie Beta-Rezeptor-Blocker sind unter anderem mit Depressionen in Zusammenhang gebracht worden. Doch wie verlässlich sind diese Daten, und welche psychiatrischen Nebenwirkungen könnten diese Medikamente wirklich verursachen? Diese Fragen konnte ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin nun in einer umfangreichen Meta-Analyse beantworten, die im Fachmagazin Hypertension* veröffentlicht ist. Depressionen treten nach Behandlung mit Betablockern nicht häufiger auf, wohingegen Schlafstörungen in einigen Studien häufiger beobachtet wurden. Inhibitoren der Beta-Adrenorezeptoren – kurz: Betablocker – wie Metoprolol oder Propranolol gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie bewirken eine Absenkung der Herzfrequenz und des Blutdrucks und werden daher bei Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck eingesetzt. Ein Zusammenhang von Betablockern und einem erhöhten Risiko für Depressionen, aber auch anderen Nebenwirkungen wie Angstzuständen, Schlafstörungen und Halluzinationen, ist wiederholt hergestellt, aber bisher nicht systematisch untersucht worden. „Wir haben keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Betablockern und Depressionen gefunden. Gleiches gilt für die meisten anderen psychischen Symptome, die in den Studien beschrieben wurden, auf die sich unsere Analysen stützen“, sagt Prof. Dr. Reinhold Kreutz, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité, über die Meta-Analyse seines Forschungsteams, die als erste ihrer Art das gesamte Spektrum psychiatrischer Nebenwirkungen untersucht hat. „Bei einigen Patientinnen und Patienten traten jedoch während einer Betablocker-Therapie schlafbezogene Symptome auf.“ Die Forschenden bezogen die Daten von mehr als 53.000 Personen aus 285 Einzelstudien zu 24 verschiedenen Betablockern ein. Ausschließlich doppelblinde, randomisierte und kontrollierte Studien wurden berücksichtigt, ein Großteil davon solche zu Bluthochdruck, die vor mehr als 20 Jahren durchgeführt worden waren. Obwohl es sich um die am häufigsten gemeldete psychiatrische Nebenwirkung handelt, trat eine Depression während der Behandlung mit Betablockern nicht häufiger auf als während einer Placebo-Behandlung. Prof. Kreutz, derzeitiger Präsident der European Society of Hypertension, erklärt: „Patientinnen und Patienten mit kardiovaskulären Problemen in der Vorgeschichte,  wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, neigten dazu, psychische Komplikationen zu entwickeln. Obwohl wir festgestellt haben, dass Betablocker nicht ursächlich damit verbunden sind, sollten diese Menschen daher ärztlich überwacht werden.“ Auch setzten Patienten, die mit Betablockern behandelt wurden, ihre Medikamente nicht häufiger aufgrund von Depressionen ab als bei anderen Behandlungen. Erschöpfung und Müdigkeit waren hingegen der häufigste Grund für das Absetzen. Unter den anderen untersuchten Nebenwirkungen – wie Angst sowie Störungen von Appetit, Gedächtnis oder Libido – standen lediglich Schlafstörungen und ungewöhnliche Träume im Zusammenhang mit der Betablocker-Behandlung. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Bedenken hinsichtlich unerwünschter psychischer Auswirkungen, insbesondere Depressionen, die Entscheidung über Betablocker nicht beeinflussen sollten. Betablocker sind in Bezug auf die psychische Gesundheit größtenteils sicher“, resümiert Prof. Kreutz. Ihre Verwendung in der klinischen Praxis sollte demnach nicht beeinträchtigt werden.

Im Fokus der Forschung: Psychische Gesundheit und Kinder- und Jugendgesundheit

- 10-03-2021

Besonders häufige Krankheiten, genannt auch Volkskrankheiten, wirksamer bekämpfen zu können, ist das Ziel der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern geförderten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Zu den bestehenden sechs Zentren kommen nun zwei weitere hinzu: Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZP) sowie das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ). Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben sich in den kompetitiven, wissenschaftsgeleiteten Verfahren exzellent behauptet und werden als Partner der neuen Zentren maßgeblich am Aufbau der neuen Standorte mitwirken. In einem Jahr sollen DZP und DZKJ bereit zur Gründung sein.  Das Übertragen gesundheitsrelevanter Forschungserkenntnisse in die Praxis, die Translation, wird im dynamischen Feld der Gesundheitsforschung immer wesentlicher. Die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung bündeln daher vorhandene Kompetenzen und richten sie auf gemeinsame Ziele aus. „Vor etwa zwei Jahren hat die Bundesregierung angekündigt, dass zwei neue Zentren für Gesundheitsforschung etabliert werden. Heute sind die teilnehmenden Institutionen für das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit sowie das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit vom BMBF benannt worden. Die Charité ist in beiden Fällen als Partnerin ausgewählt worden. Das freut uns sehr, die Wahl wird Forschung und Versorgung am Standort Berlin in diesen wichtigen Fächern nochmals verbessern. Wir gratulieren den Kolleginnen und Kollegen herzlich“, sagt Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité. Ziel der Zentren der Gesundheitsforschung ist es, optimale Voraussetzungen für Forschung zu schaffen. Jedes Zentrum besteht aus mehreren Partnerstandorten, die über ganz Deutschland verteilt sind. An drei der bestehenden sechs Konsortien ist die Charité bereits beteiligt. So koordiniert sie die Berliner Standorte des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) sowie des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) und ist Partnereinrichtung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Prof. Dr. Axel R. Pries, Dekan der Charité, unterstreicht die Bedeutung der nun neu entstehenden Zentren: „Sowohl die Kinder- und Jugendgesundheit als auch die Psychische Gesundheit sind zentral wichtige Bereiche einer verantwortungsvollen universitären Medizin. In beiden Bereichen wird zunehmend Forschung und Translation benötigt, um die Möglichkeiten der modernen Medizin in eine bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten umzusetzen. Daher sind beide Themen auch von hoher Relevanz für die zukünftige strategische Entwicklung der Charité und wir freuen uns, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte der Charité beim Aufbau der neuen Gesundheitszentren beteiligt sein werden.“ Die benannten Partner der neuen Zentren treten nun in die Phase der gemeinsamen Konzeptentwicklung ein, die zur Etablierung der Forschungsverbünde führt. Die wissenschaftliche Gesamtstrategie wird zum jeweiligen Forschungskonzept die für die Umsetzung notwendigen Infrastrukturen kartieren und die künftige Zusammenarbeit darstellen. Ein Fokus wird dabei auf der gezielten Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses liegen. Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZP) Die Bewerbung als Standort für das DZP hat ein Team um Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz und Prof. Dr. Isabella Heuser-Collier, Direktoren der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte und am Campus Benjamin Franklin, sowie Prof. Dr. Matthias Rose, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik der Charité, koordiniert. In diesem Standort wird es mit Expertinnen und Experten der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), dem Robert Koch-Institut, der Universität Potsdam, dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) sowie Partnern in Freiburg und London zusammenarbeiten. Basis des DZP-Standortes, mit Satellitenstandort Freiburg, ist die Plattform Charité Mental Health (CMH), ein bereits bestehender Zusammenschluss aller Kliniken und Institute an der Charité sowie weiterer universitärerer und außeruniversitärerer Einrichtungen, die im Bereich psychischer Gesundheit in der Region Berlin und Brandenburg in Forschung, Lehre, Prävention und Krankenversorgung aktiv sind. Schwerpunkte der Arbeiten werden die Diversität menschlicher Lebensbedingungen und Lebensweisen bei Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen sein. Betrachtet werden individuell unterschiedliche Entwicklungen in der körperlichen und psychischen Gesundheit über die Lebensspanne hinweg, die Vielfalt in sozialen Lebensbedingungen und Teilhabemöglichkeiten und die darauf basierende gezielte Intervention. Ein International Board und ein sogenannter trialogischer Beirat mit Vertretern der Bundesorganisationen der Angehörigen, Betroffenen, der Bundesärztekammer und der Bundespsychotherapeutenkammer unterstützt die partizipative Forschung. Sie werden die Entwicklung des neuen Zentrums begleiten. Eine schnelle Umsetzung von Erkenntnissen in Anwendung und Praxis unterstützt ein Beirat mit Vertretern der Regulationsbehörden, aus Industrie und Start-ups. Weitere Informationen: https://mentalhealth.charite.de Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) Der Berliner DZKJ-Standort umfasst ein Netzwerk von klinisch und wissenschaftlich tätigen Expertinnen und Experten der Charité, des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), des MDC sowie des Deutschen Rheumaforschungszentrums Berlin, einem Institut der Leibniz-Gemeinschaft (DRFZ). Koordiniert wird der Berliner DZKJ-Standort von Prof. Dr. Marcus Mall, Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin der Charité. Klinisches Rückgrat ist das Otto-Heubner-Centrum, das die neun Kinderkliniken der Charité zum deutschlandweit größten Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin bündelt. Hier arbeiten Spezialistinnen und Spezialisten unterschiedlichster Fachbereiche zusammen, um akut und chronisch kranke Kinder und Jugendliche ganzheitlich und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu versorgen. Gemeinsam mit den Partnern am Standort verfolgen sie das Ziel, die Prävention, Diagnostik und Therapie von schweren Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter zu verbessern. Im DZKJ wird Berlin insbesondere seine Expertise in schweren seltenen genetischen Erkrankungen wie Mukoviszidose, chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Allergien und Autoimmunkrankheiten sowie kindlichen Entwicklungsstörungen des Gehirns und anderer Organe einbringen. Darüber hinaus sollen mithilfe von neuen organ- und krankheitsübergreifenden sogenannten systemmedizinischen Forschungsansätzen neue Wege zur Entschlüsselung von Krankheitsmechanismen gefunden und diese Erkenntnisse zeitnah in neue Therapien übersetzt werden. Weitere Informationen: https://kinderkliniken.charite.de/

Künstliche Intelligenz in der Medizin muss erklärbar sein

- 09-03-2021

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und der TU Berlin Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der TU Berlin haben ein neues Analyse-System für die Brustkrebsdiagnostik anhand von Gewebeschnitten entwickelt, das Künstliche Intelligenz (KI) nutzt. Zwei Weiterentwicklungen machen das System einzigartig: Zum einen integriert es erstmals morphologische, molekulare und histologische Daten in einer Auswertung. Zum zweiten liefert es eine Erklärung des KI-Entscheidungsprozesses in Form von Heatmaps mit. Dadurch können Ärztinnen und Ärzte das Ergebnis der KI-Analyse nachvollziehen und auf Plausibilität prüfen. Künstliche Intelligenz wird damit erklärbar – ein entscheidender und unabdingbarer Schritt nach vorn, will man KI-Systeme künftig im Klinik-Alltag zur Unterstützung der Medizin einsetzen. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in Nature Machine Intelligence* veröffentlicht. Krebsmedizin beschäftigt sich zunehmend mit der molekularen Charakterisierung von Tumorgewebeproben. Ermittelt wird dabei unter anderem der Methylierungszustand der DNA, die Genexpression, somatische Mutationen oder auch die Protein-Expression in den pathologischen Präparaten. Gleichzeitig setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Krebsprogression eng mit der Verbindung von Krebszellen untereinander und der Interaktion mit dem umgebenden Gewebe – einschließlich des Immunsystems – zusammenhängt. Während mikroskopische Techniken die Untersuchung biologischer Prozesse mit hoher räumlicher Auflösung erlauben, können molekulare Marker mikroskopisch nur begrenzt erhoben werden. Sie werden vielmehr anhand von aus Gewebeproben extrahierten Proteinen oder DNA ermittelt. Als Folge erlauben sie meist keine räumliche Auflösung, und daher ist ihr Zusammenhang mit den mikroskopischen Strukturen typischerweise unklar. Diese Probleme konnte ein interdisziplinäres Forschungsteam jetzt mithilfe von KI lösen.  „Bei Brustkrebs ist bekannt, dass die Zahl eingewanderter Immunzellen, der sogenannten Lymphozyten, im Tumorgewebe einen Einfluss auf die Prognose der Patientin hat. Zusätzlich wird diskutiert, ob diese Zahl auch einen prädiktiven Wert hat – also Aussagen darüber ermöglicht, wie gut welche Therapie anschlägt“, sagt Prof. Dr. Frederick Klauschen vom Institut für Pathologie der Charité.  „Das Problem: Wir haben gute und belastbare molekulare Daten und gute, räumlich hochaufgelöste histologische Daten. Aber es fehlte bislang die entscheidende Brücke zwischen den Bildgebungsdaten und den hochdimensionalen molekularen Daten“, ergänzt Prof. Dr. Klaus-Robert Müller, Professor für Maschinelles Lernen an der TU Berlin. Die beiden Wissenschaftler kooperieren bereits seit mehreren Jahren unter dem Dach des nationalen KI-Kompetenzzentrums Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD), das an der TU Berlin beheimatet ist. In dem jetzt veröffentlichten Ansatz gelang genau diese Symbiose. „Unser System ermöglicht die robuste Erkennung von pathologischen Veränderungen in mikroskopischen Bildern. Parallel dazu liefern wir eine präzise Heatmap-Visualisierung, die zeigt, welcher Pixel auf dem mikroskopischen Bild in welchem Maße zu der Diagnose des Algorithmus beigetragen hat“, erläutert Prof. Müller. Zusätzlich haben die Forschenden das Verfahren noch einen großen Schritt weiterentwickelt: „Unser Analysesystem wurde mithilfe von maschinellen Lernverfahren so trainiert, dass es auch verschiedene molekulare Merkmale, wie zum Beispiel die DNA-Methylierung, die Genexpression oder auch die Protein-Expression in bestimmten Bereichen des Gewebes aus den histologischen Bildern vorhersagen kann.“  Als nächstes stehen die Zertifizierung und weitere klinische Validierungen – inklusive Tests in der pathologischen Routinediagnostik – auf der Agenda. Doch Prof. Klauschen ist überzeugt: „Die von uns entwickelte Methode erlaubt es in Zukunft, die histopathologische Tumordiagnostik präziser, standardisierter und damit auch qualitativ besser zu machen.“

Suche nach Angriffspunkten für neuartige Antibiotika

- 01-03-2021

Der Entstehungsprozess von Ribosomen gilt als vielversprechende Zielscheibe für mögliche neue antibakterielle Wirkstoffe. Forschenden der Charité – Universitätsmedizin Berlin sind nun weitere Einblicke in diesen facettenreichen Prozess gelungen. Wie in einem Orchester interagieren mehrere Helferproteine beim Entstehen der Ribosomen-Bausteine miteinander. Unter ihnen findet sich eines, das den gesamten Prozess anleitet wie ein Dirigent, das Protein ObgE. Dies abzubilden, ist dem Team erstmals gelungen. Die Arbeit ist jetzt im Fachmagazin Molecular Cell* erschienen. Ribosomen sind wesentliche Bestandteile einer jeden Zelle. Häufig werden sie als Proteinfabriken bezeichnet, denn sie übersetzen genetische Informationen aus dem Erbgut in Ketten miteinander verknüpfter Aminosäuren, die Proteine. Auch in Bakterien, wie beispielsweise dem gut bekannten Darmbakterium Escherichia coli, findet die Eiweißproduktion innerhalb der Zelle – die Proteinbiosynthese – auf diese Weise statt. Bleibt der Prozess aus, stirbt die Zelle. Einzeller wie E. coli oder andere Bakterien können nicht weiter existieren. Diese Tatsache soll in der Entwicklung von Antibiotika nutzbar gemacht werden. Denn Antibiotika-Resistenzen nehmen zu, neue multiresistente Keime entstehen und verbreiten sich. Gleichzeitig sind seit Langem keine neuen Stoffklassen von Antibiotika entwickelt worden. Ziel neuartiger Ansätze könnte es beispielsweise sein, in den Entstehungsprozess der Ribosomen einzugreifen und ihren Zusammenbau zu blockieren. „Wir haben es derzeit zufällig mit einer viralen Pandemie zu tun. Die nächste Pandemie kann durchaus bakteriellen Ursprungs sein, weil sich Antibiotika-Resistenzen und sogar multiple Resistenzen rasch über Speziesgrenzen hinweg im Reich der Bakterien ausbreiten“, erklärt Prof. Dr. Christian Spahn, Direktor des Instituts für Medizinische Physik und Biophysik der Charité und Letztautor der aktuellen Studie. „Ziel unserer Grundlagenforschung ist es daher, langfristig zur Entwicklung neuer Antibiotika beizutragen.“ Gemeinsam mit Forschenden am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und an der Universität Konstanz sind die Charité-Wissenschaftler der Frage nachgegangen, wo genau sich in frühen Prozessen der Ribosomen-Entstehung potentielle Angriffspunkte für neue antibakterielle und antimikrobielle Wirkstoffe finden lassen. Ribosomen bestehen aus zwei Untereinheiten, einer kleineren und einer größeren. Im Fokus der aktuellen Arbeit des Teams um Dr. Rainer Nikolay, Institut für Medizinische Physik und Biophysik der Charité, stand die große ribosomale Untereinheit des Bakteriums E. coli und ihr Entstehungsprozess. Als mögliches Ziel neuartiger Antibiotika wollten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Vorstufen dieser großen Untereinheit – sogenannte Vorläufer – möglichst nativ, also unverändert, isolieren und abbilden. Es ist ihnen erstmals gelungen, einen solchen Vorläufer aus bakteriellen Zellen, in diesem Fall E. coli, zu entnehmen und die Molekülstruktur mithilfe kryo-elektronenmikroskopischer Aufnahmen in nahezu atomarer Auflösung darzustellen. „Wir verstehen nun auf molekularer Ebene besser, wenn auch bei Weitem noch nicht vollständig, wie sich die große ribosomale Untereinheit in einer bakteriellen Zelle formiert“, so Erstautor Dr. Nikolay. Um die Bakterienzelle für ihre Beobachtungen so wenig wie möglich zu manipulieren, ist das Forschungsteam quasi minimalinvasiv vorgegangen. Einem Schlüsselspieler im gesamten Prozess der Ribosomen-Entstehung, dem Protein ObgE, wurde eine Markierung angeheftet, ein sogenannter Strep-Tag. Dies geschieht durch einen Eingriff in das Erbgut des Bakteriums, man bezeichnet den Vorgang als Knock-in. In der Folge produziert das Bakterium ausschließlich markiertes ObgE, das nach rascher Aufbereitung der Zellen elektronenmikroskopisch dargestellt werden kann. So war es erstmals möglich, den gesamten Komplex zu untersuchen, denn das Helferprotein ObgE hat den Vorläufer der großen ribosomalen Untereinheit sozusagen Huckepack dabei. Mit überraschendem Ergebnis, wie Dr. Nikolay erklärt: „Es stellte sich heraus, dass dieser Vorläufer von zahlreichen Helferproteinen bedeckt ist, die miteinander wechselwirken oder regelrecht kommunizieren. Das Protein ObgE nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein, indem es den ganzen Prozess anleitet und orchestriert.“ Genau hier könnten neue Wirkstoffe ansetzen, den Zusammenbau funktionstüchtiger Ribosomen blockieren und somit Bakterienwachstum verhindern. Mit ähnlichen Strategien will das Team nun weitere Einblicke in den Entstehungsprozess bakterieller ribosomaler Untereinheiten erhalten und die molekularbiologischen Abläufe noch besser verstehen. Bereits abgeschlossene Arbeiten an der Charité und am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik hatten wertvolle Informationen über den grundsätzlichen Aufbau und unterschiedliche Reifegrade der zellulären Proteinfabriken geliefert. Allerdings basierten diese Einblicke bislang auf Studien im Reagenzglas, während nun die Bildung der großen ribosomalen Untereinheit in einer lebenden Zelle nachvollzogen werden konnte. Dieser Schritt ist entscheidend, denn um zelluläre Angriffspunkte gänzlich neuer pharmazeutischer Stoffe zu ermitteln, müssen die Forschenden Unterschiede im Prozess der Ribosomen-Entstehung in Bakterien und in menschlichen Zellen ausfindig machen. „Dem sind wir jetzt ein Stück nähergekommen“, so Dr. Nikolay. „Wir konnten sowohl konservierte als auch sich unterscheidende evolutionäre Merkmale zwischen Prokaryoten – wie es Bakterien sind – und Eukaryoten – Lebewesen, bei denen das Erbgut in Zellkernen vorliegt – aufzeigen.“ Diese Erkenntnisse sind wichtig, um bakterienspezifische Merkmale ins Visier zu nehmen und gleichzeitig menschliche Zellen vor unerwünschten Nebenwirkungen zu schützen.

Grundlage für robustere dentale Biomaterialien

- 26-02-2021

Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und TU Berlin Zahnärztliche Restaurationen, etwa Füllungen oder Kronen, beständiger machen – das wollen Forschende an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Technischen Universität (TU) Berlin erreichen und hierfür Ansätze aus Materialwissenschaften und Zahnmedizin nutzen. Ziel ist es, die Zusammensetzung, Struktur und Belastung der Grenzzonen zwischen Zahngewebe und Werkstoffen besser zu verstehen und so einer Schädigung entgegenzuwirken. Die interdisziplinäre Forschungsgruppe „InterDent“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 2,1 Millionen Euro zunächst für drei Jahre gefördert.  Künstliche Biomaterialien wie Keramiken, Metalllegierungen oder Komposite auf Kunststoffbasis werden für die Wiederherstellung – die sogenannte Restauration – beschädigter Zähne eingesetzt. Solche Materialien müssen über viele Jahre hinweg unter wiederholten, hohen Beanspruchungen funktionieren. Zur Verankerung ist ein enger Kontakt zum verbleibenden gesunden Zahngewebe durch die Bildung sogenannter Grenzzonen notwendig. Diese dreidimensionalen Strukturen, die Zwischenschichten mit unterschiedlicher Zusammensetzung, Mikrostruktur und Eigenschaften beinhalten, sind allerdings nie so beständig wie ihre natürlichen Vorbilder. Das ist ein Grund, warum Restaurationen zu oft frühzeitig versagen und sich ablösen können. Die Forschenden der neuen medizinisch-materialwissenschaftlichen DFG-Forschungsgruppe FOR2804 „InterDent“, an der auch das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) und das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPI-KG) in Potsdam beteiligt sind, möchten verstehen, wodurch diese Schwächen verursacht werden und so den Weg zu widerstandsfähigeren Grenzzonen ebnen. „Die Forschungsgruppe vereint vier wissenschaftliche Teilprojekte und ein übergreifendes Koordinationsprojekt, welche als Basis für eine enge Interaktion zwischen Werkstoffwissenschaften und Zahnmedizin dienen. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit sollen die Schlüsselparameter bestimmt werden, die eine Vorhersage möglicher Degradation erlauben und sich auch auf die klinische Anwendung übertragen lassen“, erklärt der Sprecher der Forschungsgruppe, Dr. Paul Zaslansky, der Projektleiter am Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité ist. Er ergänzt: „Berlin und Umgebung, wo hochmoderne Werkstofflabore und ein exzellentes zahnmedizinisches Umfeld nahe beieinander sind, bieten einen idealen Nährboden für eine inspirierende Kooperation und neuartige Erkenntnisse.“ Mit dem Ziel, verbesserte Werkstoffe für die Zahnmedizin zu schaffen, werden die Wechselwirkungen verschiedener Materialien mit den umgebenden Geweben beleuchtet. In einem Teilprojekt soll die Vorhersage der Alterung harter Zahnbestandteile – der sogenannten Zahnhartsubstanz – in der Nähe von Zahnfüllungen in Abhängigkeit vom verwendeten Füllungsmaterial ermöglicht werden. Dazu werden die mikrostrukturellen und chemischen Eigenschaften des Dentins – also Zahnbeins –, die sich im Zuge der – als Sklerosierung bezeichneten – Verhärtung zunehmend verändern, zerstörungsfrei und mit hoher Empfindlichkeit und Auflösung untersucht. „Auf diese Weise wollen wir ein Modellsystem für die Dentinsklerose schaffen, das uns ein besseres Verständnis der Veränderungen von Struktur und Element-Zusammensetzung ermöglichen soll“, sagt Dr. Ioanna Mantouvalou vom HZB, die das Teilprojekt gemeinsam mit Dr. Zaslansky leitet. Die Struktur und Mechanik der besonders stark belasteten natürlichen Grenzzone zwischen dem Dentin und dem umgebenden Zahnzement im Wurzelbereich steht im Fokus eines anderen Teilprojekts. Obwohl diese Struktur bemerkenswert robust und ermüdungsfrei ist, sind ihre Mikrostruktur und mechanischen Eigenschaften bisher nur wenig untersucht. „Wir wollen den Aufbau und die Funktion der Grenzzonen in verschiedenen Spezies und Zahnarten, Wurzelbereichen sowie bei veränderter Belastung im Alter besser verstehen. Dadurch können wir allgemeine Prinzipien ableiten, die zur langanhaltenden Ermüdungsresistenz der Zement-Dentin-Grenze beitragen und die wir für bioinspirierte Ansätze der Materialentwicklung nutzen können“, sagt Prof. Dr. Claudia Fleck, Leiterin des Fachgebiets Werkstofftechnik an der TU Berlin und stellvertretende Sprecherin der Forschungsgruppe. Bei der bakteriellen Besiedlung der Zahnoberflächen wie auch der Biomaterialien, die zur Wiederherstellung eingesetzt werden, entsteht ein Biofilm – ein zusammenhängender Verbund von Mikroorganismen in einer von ihnen gebildeten Schleimschicht. „Unser Ziel ist die Bildung und das Wachstum von Biofilmen wissenschaftlich nachzuvollziehen, indem wir gezielt deren Zusammensetzung, Mikrostruktur und Grenzflächen mit dentalen Materialien erforschen“, sagt Dr. Cécile Bidan von der Abteilung Biomaterialien am MPI-KG, die dieses dritte Teilprojekt gemeinsam mit Prof. Dr. Sebastian Paris, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité, leitet. „Dazu untersuchen wir quantitativ und systematisch, wie sich Biofilme auf verschiedenen Oberflächen von dentalen Materialien räumlich und zeitlich entwickeln.“ Wie sich der Wurzelkanal des Zahns bei der Restauration gegenüber Bakterien versiegeln lässt, damit beschäftigt sich ein weiteres Teilprojekt. „Durch eine Kombination hochauflösender bildgebender Verfahren, digitaler Bildanalyse und mechanischer Testmethoden wollen wir Parameter, die für die Abdichtung der Grenzzone zwischen Biomaterialien und Zahnwurzel wesentlich sind, bestimmen und so die Grundlage für eine dauerhafte Versorgung am Wurzelkanal behandelter Zähne legen“, beschreibt Privatdozentin Dr. Kerstin Bitter von der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin an der Charité das gemeinsame Projekt mit Prof. Fleck. Um die bestehenden Mängel und Limitierungen von zahnmedizinischen Biomaterialien zukünftig zu überwinden, ist eine abgestimmte Nutzung von Ressourcen und Proben sowie eine Integration der Erkenntnisse aus allen Teilprojekten notwendig. Ein Hauptziel des Koordinationsprojekts ist es daher, eine Kultur der Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen zu schaffen – zum Vorteil eines besseren Verständnisses der Grenzzonen und schließlich einer besseren zahnmedizinischen Behandlung.

Vivantes, Charité und Labor Berlin setzen auf Transparenz bei Infektionszahlen

- 17-02-2021

Virusvarianten wie B.1.1.7 und B.1.351 könnten sich auf das Infektionsgeschehen auswirken und stehen deshalb besonders im Fokus. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und Vivantes - Netzwerk für Gesundheit GmbH haben frühzeitig durch Typisierung alle positiven SARS-CoV-2-PCR-Proben gezielt auf diese Mutationen getestet. Die Untersuchungen wurden in der gemeinsamen Tochter Labor Berlin – Charité Vivantes GmbH durchgeführt. Auf der Webseite des Labors werden nun die Infektionszahlen von Vivantes, Charité und externen Einsendern veröffentlicht. Ziel ist es, einen besseren Gesamtüberblick über das Corona-Infektionsgeschehen in Berlin zu schaffen. Zusammen versorgen die Charité und Vivantes rund 40 Prozent der stationären Patientinnen und Patienten in Berlin. Die vom gemeinsamen Tochterunternehmen Labor Berlin erhobenen Daten sind damit bereits ein wichtiger Indikator für die Verbreitung von Virusvarianten (VOC, Variants of Concern) in der Region. Dr. Johannes Danckert, Geschäftsführer Klinikmanagement von Vivantes: „Ein solider Überblick über das Infektionsgeschehen ist die beste Voraussetzung dafür, die weitere Verbreitung der neuen Mutationsformen des Virus einzudämmen. Wir wollen hier mehr Transparenz schaffen und werden daher die Daten unserer Infektionszahlen mit den neuen Virusvarianten auf der Webseite von Labor Berlin veröffentlichen. Um einen bestmöglichen Überblick über das dynamische Mutationsgeschehen in der Region zu erreichen, wäre es gut, wenn andere Krankenhausträger und Labore diesem Beispiel folgen.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité: „Labor Berlin hat früh begonnen, routinemäßig große Mengen an SARS-CoV-2-Proben, die in der Patientenversorgung der beiden Häuser anfallen und auch von externen Einrichtungen eingesandt werden, zusätzlich auf Mutationen zu testen. Die Testung wurde zunächst im Institut für Virologie der Charité unter Leitung von Prof. Dr. Christian Drosten aufgebaut und dann von Labor Berlin in den Routinebetrieb übernommen. Proben, die per PCR erstmals positiv auf SARS-CoV-2 getestet werden, werden mithilfe zusätzlicher ‚Mutations-PCRs‘ auf das Vorliegen der aktuell im Fokus stehenden Virusvarianten untersucht. Das hilft enorm, um das Infektionsgeschehen in Berlin im Blick zu behalten.“ Die Infektionszahlen der identifizierten Virusvarianten werden hier einmal wöchentlich aktualisiert: https://www.laborberlin.com/ Labor Berlin erbringt mit über 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 13 Standorten jährlich mehr als 65 Millionen Laboranalysen und versorgt so über 23.000 Krankenhausbetten. Es wurde 2011 als erstes gemeinsames Tochterunternehmen von Charité – Universitätsmedizin Berlin und Vivantes – Netzwerk für Gesundheit gegründet und ist Europas größtes Krankenhauslabor.

Wie das Immunsystem SARS-CoV-2 den Weg ebnet

- 15-02-2021

Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und MDC Mit antiviralen Botenstoffen will das Immunsystem SARS-CoV-2 eigentlich bekämpfen. Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) hat nun gezeigt, wie ein solcher Botenstoff die Vermehrung des Virus begünstigen kann. Die Ergebnisse sind im Fachjournal EMBO Molecular Medicine* veröffentlicht. Die meisten Menschen, die SARS-CoV-2 infiziert, können die Erkrankung zu Hause auskurieren – auch wenn es bei ihnen sehr belastende Krankheitsverläufe gibt. Ein Teil hat gar keine Symptome. Doch etwa zehn Prozent der Betroffenen sind so schwer erkrankt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Annahme, dass hinter einem schweren Verlauf ein schwaches Immunsystem steckt, greift zu kurz. Denn gerade bei kritischen Verläufen arbeitet das Immunsystem unter Hochdruck, schafft es aber nicht, das Virus zu kontrollieren. Eine Berliner Forschungsgruppe konnte nun beobachten, wie SARS-CoV-2 einen Verteidigungsmechanismus des Immunsystems nutzt, um verstärkt Schleimhautzellen des Körpers zu entern und sich dort zu vermehren. „Damit können wir möglicherweise einen Teil der Erklärung dafür liefern, warum bei manchen Menschen das Immunsystem Schwierigkeiten hat, die Infektion zu regulieren oder gar zu besiegen“, sagt Dr. Julian Heuberger, Wissenschaftler an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité. Er ist Erstautor der Studie und Mitglied der Emmy-Noether-Arbeitsgruppe von Privatdozent Dr. Michael Sigal an der Charité und dem Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum MDC gehört. Für die Untersuchung kooperierte die Arbeitsgruppe mit Forschenden des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie, der Freien Universität Berlin und der Universität Hongkong. Eigentlich läuft im menschlichen Körper ein sehr effektives Verteidigungsprogramm gegen Eindringlinge ab, das auf dem Zusammenspiel verschiedener Immunzellen basiert. Eine wichtige Rolle spielen dabei die T-Zellen: Stoßen Sie im Organismus auf Viren, zerstören sie die befallenen Zellen. Außerdem schütten sie den Botenstoff Interferon-gamma (IFN-γ) aus. IFN-γ bekämpft einerseits Infektionskeime. Andererseits ruft es weitere Immunzellen auf den Plan. Dr. Heuberger und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben nun gezeigt, wie SARS-CoV-2 diesen IFN-γ-vermittelten Schutzmechanismus in sein Gegenteil verkehren kann. Denn neben den Immunzellen reagieren auch die Schleimhautzellen (Epithelzellen) des Körpers auf IFN-γ, indem sie mehr ACE2-Rezeptoren ausbilden. SARS-CoV-2 benötigt diese ACE2-Rezeptoren als Einstiegspforte in die Zellen. Infizierte Zellen wiederum bilden mehr ACE2. Sowohl die IFN-γ-Antwort der Epithelzellen als auch das Virus selbst bewirken also eine verstärkte SARS-CoV-2-Infektion. SARS-CoV-2-infizierte Patientinnen und Patienten zeigen teilweise gastrointestinale Beschwerden. Um die Immunkaskade in den Darmzellen beobachten zu können, hat Dr. Heuberger Organoide des menschlichen Dickdarms kultiviert. Ein Organoid ist eine Art Mini-Organ in der Petrischale, kaum so groß wie ein Stecknadelkopf. Die Dickdarm-Organoide basieren auf Zellen, die aus Darmbiopsien stammen. Sie wachsen in dreidimensional angeordneten Einheiten und bilden die Physiologie der Schleimhautzellen des menschlichen Darmtraktes ab. „Diese Dickdarm-Organoide sind ein sehr hilfreiches Werkzeug“, unterstreicht Dr. Heuberger, „wir können damit das komplexe Zusammenspiel verschiedener Signalwege erforschen, die die Zelldifferenzierung von der Stammzelle bis zur spezialisierten Epithelzelle kontrollieren.“ Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler behandelten die gezüchteten Darmzellen zunächst mit IFN-γ, um die Immunreaktion des Körpers zu simulieren. Dann infizierten sie die Organoide mit SARS-CoV-2. Mithilfe eines Laser-Scanning-Mikroskops – das ist ein spezielles Lichtmikroskop, das eine Probe Punkt für Punkt scannt – und Genexpressionsanalysen konnten sie in den Organoiden eine vermehrte ACE2-Expression messen. Daneben wies eine quantitative PCR eine gesteigerte Virusproduktion nach. Das heißt: Mehr IFN-γ bedeutet mehr ACE2. Mehr ACE2 bedeutet, dass mehr Viren in die Zellen eindringen können. Je mehr Viren in die Zellen gelangen, umso mehr Viren werden gebildet. So ebnen die Immunantwort und die Reaktion der Schleimhautzellen auf die Infektion SARS-CoV-2 den Weg. „Wir nehmen an, dass eine starke Immunantwort die Anfälligkeit von Schleimhautzellen für SARS-CoV-2 erhöhen kann“, sagt der Leiter der Studie Privatdozent Dr. Sigal. Er leitet an der Charité und am MDC eine Arbeitsgruppe und ist als Gastroenterologe an der Charité tätig. „Wenn die IFN-γ-Konzentration von vornherein höher ist oder die Infektion eine sehr überschießende Produktion von IFN-γ triggert, haben es die Viren vermutlich leichter, in die Zellen einzudringen.“ Unter welchen Bedingungen das tatsächlich passiert, muss allerdings erst in klinischen Studien untersucht werden. Die Ergebnisse der Studie tragen die Idee eines Behandlungsansatzes bei schweren COVID-19-Verläufen in sich, sagt Dr. Heuberger: „Eine mögliche Strategie könnte darin bestehen, die IFN-γ-Antwort medikamentös auszubalancieren.“ Allerdings müssten dafür zunächst die Mechanismen, die der IFN-γ-Antwort zugrunde liegen, sehr genau analysiert werden.

Zwischen den Zeilen des Genoms

- 10-02-2021

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik Ein internationales Forschungsteam hat eine seltene genetische Erkrankung entdeckt, die sich in schweren Fehlbildungen der Gliedmaßen äußert. Wie Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in der Fachzeitschrift Nature* beschreiben, liegt der Krankheit ein epigenetischer Mechanismus zugrunde, an dem Teile des Erbguts mit bis dato unbekannter Funktion beteiligt sind. Der Prozess könnte auch die Ursache anderer angeborener Krankheiten sein. Nachdem vor 20 Jahren das erste menschliche Genom sequenziert wurde, gab es zunächst eine große Überraschung. Man konnte lediglich 20.000 Gene identifizieren, die Baupläne für Proteine kodieren. Außerdem machten diese Gene weniger als zwei Prozent des Genoms aus, was die Frage nach der Funktion des viel größeren, nichtkodierenden Teils aufwarf. Tatsächlich bezeichnete man die nichtkodierende DNA ohne erkennbaren Nutzen zwischen den Genen lange als „Schrott“ (junk DNA). Heute ist klar, dass sich dort – zwischen den „Zeilen des Genoms“ – wichtige Informationen befinden, um genetische Aktivität zur rechten Zeit am rechten Ort an- oder abzuschalten. Ein internationales Forschungsteam aus Berlin und dem schweizerischen Lausanne hat nun einen neuen Krankheitsmechanismus für eine genetische Erkrankung entdeckt, verursacht durch genau solche nichtkodierenden Sequenzen. Wie das Team erklärt, leistet das Ablesen eines DNA-Abschnitts in der Nähe des Entwicklungsgens „engrailed-1“ (En1) einen wesentlichen Beitrag für die Aktivierung dieses Gens. Das Gen En1 ist seit Langem für seine zentralen Funktionen bei der Entwicklung der Extremitäten, des Gehirns, des Brustbeins und der Rippen bekannt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten nun, wie die Aktivierung von En1 in den Gliedmaßen durch den neu identifizierten DNA-Abschnitt gesteuert wird und warum es bei einer Störung des Vorgangs zu schweren Fehlbildungen der Gliedmaßen kommt. „Ich erwarte, dass es noch mehr genetische Krankheiten mit vergleichbarer Ursache gibt, die sich nur bisher unserer Aufmerksamkeit entzogen haben“, sagt Prof. Dr. Stefan Mundlos, Direktor des Instituts für Medizinische Genetik und Humangenetik an der Charité und Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin. „Die Ursachen für mehr als die Hälfte der genetisch bedingten Krankheiten sind immer noch unbekannt, hier gibt es also noch viel Potenzial für weitere Forschung.“ Die Art der Fehlbildungen der drei in der Studie untersuchten Patienten ist außergewöhnlich. So sind die Knie beispielsweise nicht nach vorne gerichtet, einige Finger miteinander verschmolzen und es wachsen Nägel auf der Innenseite der Finger. „Offenbar ist während der Entwicklung der Gliedmaßen die Unterscheidung zwischen ventraler und dorsaler Seite – also der Handfläche beziehungsweise Fußsohle und der Rückseite – bei den Extremitäten verloren gegangen“, sagt Prof. Mundlos. Die Patienten fielen zunächst Ärztinnen und Ärzten in Brasilien und Indien auf, die daraufhin DNA-Proben zur genetischen Untersuchung an den Humangenetiker Prof. Dr. Andrea Superti-Furga von der Universität Lausanne schickten. Dessen Team entdeckte, dass bei allen Betroffenen ein ähnliches Stückchen nichtkodierender DNA fehlte. Um der Sache auf den Grund zu gehen, taten sie sich mit der Arbeitsgruppe von Prof. Mundlos in Berlin zusammen. Am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik machte sich die Wissenschaftlerin Dr. Lila Allou daran, die molekulare Ursache der Krankheit zu ergründen. „Anfangs wussten wir nur, dass bei den drei Patienten ein ähnliches kleines Stück Erbgut fehlte“, sagt sie. „Aber die Sequenz befand sich in einer großen genetischen Wüste – einem Abschnitt nichtkodierender DNA, über den wir nichts wussten – weit entfernt von den nächsten zwei Genen.“ Der Nachweis, dass dieses fehlende Stück mit unklarer Funktion tatsächlich die Ursache für die Erkrankung war, gelang Dr. Allou mithilfe eines Mausmodells. Mit der CRISPR-Cas-Technologie entfernte sie die entsprechende DNA-Sequenz aus dem Genom. „Mäuse mit der Deletion bildeten die Krankheit in großem Maße nach“, sagt Dr. Allou. „Die Ergebnisse bestätigten, dass der fehlende DNA-Abschnitt die Ursache der Erkrankung war.“ Weitere Untersuchungen zeigten dann, dass die genetisch veränderten Tiere keine Aktivität des En1-Gens mehr in den Gliedmaßen aufwiesen, in ihnen das Gen also nicht angeschaltet wurde. En1 ist schon seit Jahrzehnten als besonders wichtiges Gen bekannt; seine Fehlregulation führte im vorliegenden Fall offenbar zu der Entwicklungsstörung. Auf welche Weise das fehlende Erbgutstückchen zum Verlust der En1-Aktivität führte, blieb jedoch vorerst noch im Dunkeln. Die Forschenden stellten fest, dass ein RNA-Molekül in jener Region abgeschrieben wurde, die den Betroffenen fehlte. Dieser nichtkodierende DNA-Abschnitt stellte sich als des Rätsels Lösung heraus und wurde „Maenli“ (für Master regulator of En1 in the Limb) getauft. RNA fungiert meistens als Bote für Informationen und enthält den Bauplan für ein Eiweiß – doch in diesem Fall blieb die Information auf dem Molekül unübersetzt. „Diese Art von transkribierten Schnipseln findet sich in großer Zahl im Genom, welche davon wichtig sind und welche nicht, ist häufig schwer zu sagen“, sagt Dr. Allou. „Viele Wissenschaftler halten diese Moleküle für funktionslos, aber in diesem Fall hat es unser Interesse geweckt und wir wollten der Sache nachgehen.“ Die Wissenschaftlerin untersuchte die Funktion der Maenli-RNA, indem sie eine Mutation erzeugte, die die Transkription vorzeitig unterbrach. Mäuse mit einem inaktivierten Maenli zeigten dieselben Fehlbildungen wie die Tiere mit der Deletion – der Beleg, dass wirklich die fehlende RNA das Krankheitsbild in den Patienten hervorrief. Außerdem schien es, als sei Aufbau und Sequenz des RNA-Moleküls nur zweitrangig. Wichtiger ist wohl die Aktivität selbst, also das Ablesen an dem jeweiligen Ort auf dem Erbgutstrang. Denn nachdem Dr. Allou die Sequenz durch einen völlig verschiedenen Abschnitt ersetzt hatte, zeigten die Tiere zwar immer noch Anzeichen der Krankheit, aber weniger stark also durch die vollständige Inaktivierung von Maenli. Das Ablesen einer ganz anderen Sequenz an dieser Stelle reichte also offenbar aus, um das En1-Gen zu aktivieren – wenn auch in geringerem Maße als die ursprüngliche, natürliche Sequenz es vermochte. Wie der abgelesene Schnipsel das En1-Gen genau aktiviert, ist noch unklar und Gegenstand der laufenden Forschung im Labor von Prof. Mundlos. Dennoch ist absehbar, dass die neuen Erkenntnisse weitreichende Folgen haben, sagt der Forscher: „Unsere Ergebnisse berühren die Fachgebiete der Humangenetik, RNA-Forschung, Genregulation und Entwicklungsbiologie.“ Dr. Allou ergänzt: „Aus der Sicht der Entwicklungsbiologie haben wir einen neuen genetischen Mechanismus identifiziert, der während der frühen Embryonalentwicklung Zellen determiniert, zum ventralen Teil der Gliedmaßen zu werden. Ich glaube, dass unsere Ergebnisse auch die zukünftige Diagnostik genetischer Erkrankungen beeinflussen werden und helfen können, die Ursachen anderer seltener genetischer Krankheiten aufzuklären.“ „Über 90 Prozent der Genvarianten befinden sich im nichtkodierenden Teil des Genoms, aber es ist sehr schwierig, sie zu deuten und für diagnostische Zwecke zu nutzen“, sagt die Wissenschaftlerin. „Unsere Arbeit führt uns klar vor Augen, dass genetische Varianten, die bisher ignoriert wurden, essentiell für das Verständnis der molekularen Ursachen von Krankheiten sein können.“ Um weitere solche ungeklärten Fälle zu lösen, müssten alle verfügbaren genetischen und epigenetischen Daten berücksichtigt werden – auch jene, die zuvor nicht so wichtig erschienen, sagt die Forscherin. „Wovon wir annehmen, dass es unwichtig ist, das könnte tatsächlich den Schlüssel für wesentliche Erkenntnisse bereithalten.“

Versorgung kontinuierlich verbessern

- 09-02-2021

Neue Konzepte für die Gesundheitsversorgung in Deutschland: Sieben weitere Forschungsprojekte sind im Zuge der sechsten Förderwelle des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin angesiedelt. Drei Projekte unter Charité-Leitung widmen sich der Entwicklung und Erprobung innovativer Versorgungsformen im Gesundheitssektor, vier weitere beschäftigen sich mit neuen Ideen im Bereich der Versorgungsforschung. Im Verlauf des Jahres 2021 nehmen die Projekte ihre Tätigkeit auf. Nach einer Laufzeit von drei bis vier Jahren werden die Vorhaben evaluiert und erfolgreiche Ansätze gegebenenfalls in die Regelversorgung übertragen. Die Charité ist darüber hinaus als Konsortialpartnerin an vier weiteren Projekten im Modul Neue Versorgungsformen beteiligt. Mit den neuen Förderungen des Innovationsfonds erfährt die Versorgungsforschung an der Charité einen weiteren Zugewinn. Insgesamt 28 Projekte mit Konsortialführung gibt es seit Start der Förderlinien durch den G-BA 2016 nun an der Berliner Universitätsmedizin, davon entfallen 13 Vorhaben auf den Bereich Neue Versorgungsformen und 15 auf den Bereich Versorgungsforschung. Während sieben neue Vorhaben in diesem Jahr ihre Arbeiten aufnehmen können, nähern sich Projekte der ersten Förderwelle bereits dem Abschluss und werden zu einer weiteren Verbesserung der deutschen Krankenversorgung beitragen. „Wie wichtig und notwendig innovative Konzepte und Wissen aus Versorgungsprojekten sind, hat uns die COVID-19-Pandemie eindrücklich vor Augen geführt“, sagt Prof. Dr. Martin Möckel, Ärztlicher Leiter der Notfall- und Akutmedizin am Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum sowie Sprecher der Plattform – Charité Versorgungsforschung. „Auch das Voranschreiten der Digitalisierung im Gesundheitssektor schafft beständig neue Notwendigkeiten wie auch Möglichkeiten, die Versorgungslandschaft zu gestalten, intelligente Versorgungsformen zu entwickeln oder bestehende Konzepte weiterzuentwickeln.“ Diese Projekte unter Federführung der Charité erhalten Förderung aus Mitteln des Innovationsfonds: Neue Versorgungsformen CFS_CARE – Versorgungsmodell für Patientinnen und Patienten mit Chronischem Fatigue Syndrom (CFS) Das CFS ist eine komplexe Erkrankung, die typischerweise nach einem Infekt auftritt und zu schwerer Erschöpfung führt, einhergehend mit ausgeprägten körperlichen und kognitiven Symptomen. Auch in der Folge von COVID-19-Erkrankungen sind Fatigue und das CFS beobachtet worden. In Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten vieler Fachbereiche, wie Neurologie, Kardiologie, Schlafmedizin, Sportmedizin, Regenerative Therapie, Physikalische Therapie, Psychosomatik und Sozialmedizin, sowie Partnern wie der Deutschen Rentenversicherung und der BKK entwickelt ein Team des Instituts für Medizinische Immunologie der Charité und des Charité Fatigue Centrums ein interdisziplinäres Versorgungskonzept für Patientinnen und Patienten mit CFS nach Infektionen. Ziel des Vorhabens ist es, die Versorgung und den Gesundheitszustand in dieser Patientengruppe zu verbessern und berufliche Teilhabe zu ermöglichen. Unterschiedliche Bereiche des Gesundheitssystems – ambulante Versorgung, Krankenhaus-Sektor sowie ambulante und stationäre Rehabilitation – werden dabei einbezogen und übergreifend betrachtet. Projektleitung: Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen und Dr. Claudia Kedor, Institut für Medizinische Immunologie, Charité Campus Virchow-Klinikum. dVP_FAM – Digitale Versorgungsplattform für Menschen mit familiärem Krebsrisiko Frühzeitiges Wissen um ein erhöhtes familiäres Krebsrisiko birgt eine große Chance. Heute stehen individualisierte Maßnahmen zur Verfügung, mit denen Krebserkrankungen früher erkannt und im Idealfall sogar verhindert werden können. Dafür müssen Betroffene und Akteure aller Sektoren – von der Allgemeinarztpraxis bis hin zur spezialisierten Sprechstunde – eng zusammenarbeiten. Ziel des Projekts ist deshalb eine nachhaltige Stärkung der Versorgung über Sektorengrenzen hinweg durch ein Einbinden in die elektronische Patientenakte (ePA). Modellhaft soll eine digitale Versorgungsplattform für Informationsaustausch und Wissensvermittlung entwickelt und evaluiert werden. Beteiligt sind an dem Vorhaben, neben Expertinnen und Experten aus Gynäkologie und Psychologie der Charité und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., auch Arbeits- und Rechtswissenschaftler von TU und HU Berlin, Softwareentwickler sowie Krankenkassen. Projektleitung: PD Dr. Dorothee Speiser, Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs (FBREK) und Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum, Charité Campus Mitte. PräVaNet – Multiprofessionelles, digitalisiertes Programm zur Optimierung der kardiovaskulären Prävention von Hochrisikopatientinnen und -patienten Kardiovaskuläre Hochrisikopatienten wie Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus bedürfen einer intensivierten Präventionsstrategie, die Lebensstilanpassung, Fähigkeit zum Erkrankungs-Selbstmanagement und eine optimale personalisierte Pharmakotherapie einschließt. PräVaNet wird mit einem strukturierten, intersektoral verNetzten, multiprofessionellen, digitalisierten Programm zu einer verbesserten kardioVaskulären Prävention beitragen. Hierfür werden Expertinnen und Experten der Charité mit 50 kardiologischen und diabetologischen Schwerpunktpraxen in Berlin und Brandenburg zusammenarbeiten – unterstützt durch ein breites, sektorenübergreifendes Konsortium aus Fachverbänden der Herz- und Gefäßmedizin, sowie der Diabetologie. Nach interdisziplinärer Abstimmung einer personalisierten vaskulären Präventionsstrategie übernimmt eine qualifizierte medizinische Fachangestellte, eine „PräVaNet-Nurse“, in den jeweiligen Praxen die weitere Begleitung der Patientinnen und Patienten. Im Mittelpunkt des intensivierten Versorgungsansatzes steht „ePrävention“: Dabei kommen digitalisierte Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte sowie EKG-fähige Pulsuhren zum Einsatz und sorgen für ein kontinuierliches Risikofaktorenmonitoring. Begleitet wird dies von einer individualisiert angeleiteten Umstellung von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, die am jeweiligen Risikoprofil orientierte Präventionsziele und Risikofaktoreneinstellung anstrebt. Methoden der künstlichen Intelligenz passen die entsprechend eingeschlagene Präventionsstrategie zusätzlich individualisiert an. Der neue Versorgungsansatz wird zusammen mit der AOK Nordost und der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin und Brandenburg erprobt und mit der Standardversorgung verglichen. Projektleitung: Prof. Dr. David M. Leistner, Leitender Arzt und Prof. Dr. Ulf Landmesser, Direktor, Medizinische Klinik für Kardiologie, Campus Benjamin Franklin. Versorgungsforschung CareTrans – Care in Transition: Pflegeteams in Krankenhaus und Pflegeheim im Spannungsfeld von Migration und Akademisierung Durch Zuwanderung, Akademisierung und Teil-Akademisierung nimmt die Diversität der Pflegeteams in Deutschland zu. Die damit verbundenen Herausforderungen beeinflussen nicht nur das unmittelbare Teamgeschehen, sondern nachweislich auch die Pflegequalität. CareTrans untersucht daher sich wandelnde Prozesse, Strukturen und Organisationskulturen in diesem Kontext vergleichend in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Übergreifendes Ziel ist es, gemeinsam mit Forschenden der Organisations- und Verwaltungssoziologie der Universität Potsdam, Lernprozesse im Umgang mit Diversität in Krankenhäusern und Heimen weiterzuentwickeln. So werden beispielsweise Kooperationsstrukturen in diversen Pflegeteams und deren organisationale Rahmenbedingungen analysiert, um auf dieser Basis in einem partizipativen Prozess Instrumente zur Organisations- und Personalentwicklung zu erarbeiten. Im weiteren Verlauf sollen diese auch für andere Institutionen adaptierbar und damit breit anwendbar gemacht werden. Projektleitung: Prof. Dr. Liane Schenk, Insitut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charite. CASSANDRA – Clinical ASSist aND aleRt Algorithm zum frühzeitigen Erkennen von postoperativen Komplikationen Ziel des Projekts „Clinical ASSist aND aleRt Algorithm“, kurz: CASSANDRA, ist ein möglichst frühzeitiges Erkennen schwerwiegender Komplikationen nach Operationen im Bauchraum auf Basis künstlicher Intelligenz. Als Datengrundlage hierfür dienen die während eines stationären Aufenthaltes erhobenen Verlaufsparameter der Patientinnen und Patienten sowie eine kontinuierliche Erhebung von Vitalparametern auf der Normalstation mittels sogenannter Wearables, also intelligenter elektronischer Geräte, die auf der Hautoberfläche getragen werden und beispielsweise Informationen über Vitalfunktionen liefen. Diese deutlich engmaschigere Überwachung der Patientinnen und Patienten soll ein möglichst frühes Erkennen von Komplikationen oder unerwünschten klinischen Verläufen, insbesondere auch auf der Normalstation, ermöglichen. Die Studie ist als diagnostische Genauigkeitsstudie konzipiert und auf drei Jahre angelegt, Partner ist das Hasso Plattner Institut (HPI) in Potsdam. Projektleitung: Prof. Dr. Igor M. Sauer, Axel Winter, Dr. Max Maurer und Prof. Dr. Johann Pratschke, Chirurgische Klinik, Charité Campus Mitte und Campus Virchow-Klinikum. Embryotox – Digitale Informationsplattform für Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit in der Versorgungspraxis Das Internetportal embryotox.de informiert zur Sicherheit von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit. Im aktuellen Projekt soll die Nutzung und Funktion von embryotox.de in der Versorgungspraxis und die Rolle des Internetportals bei der partizipativen Entscheidungsfindung untersucht werden. Nutzerinnen und Nutzer werden in die Auswertung einbezogen. Übergeordnetes Ziel ist die Konzeptionierung einer bedarfsgerechten und praxisnahen Online-Informationsvermittlung, die Entscheidungsfindungen hinsichtlich einer rationalen und möglichst risikoarmen Arzneimitteltherapie in Schwangerschaft und Stillzeit bestmöglich unterstützt. Projektleiterin: PD Dr. Katarina Dathe, Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité. GUIDEAGE CKD – Versorgungssituation älterer Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung Menschen in Deutschland werden zunehmend älter – chronische Erkrankungen, wie auch die chronische Nierenerkrankung, gewinnen dabei an Bedeutung. In der ambulanten Versorgung hat die nicht-dialysepflichtige chronische Nierenerkrankung (CKD) dennoch bislang wenig Aufmerksamkeit erfahren. Konkrete Empfehlungen für die hausärztliche Behandlung älterer Patientinnen und Patienten, die oft gleichzeitig an mehreren Erkrankungen leiden, fehlen noch, mit dem Risiko einer inadäquaten Versorgung der Betroffenen. Ziel des Vorhabens GUIDEAGE CKD ist es daher, die leitliniengerechte hausärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten mit CKD im höheren Lebensalter umfassend zu untersuchen. Unterstützt durch ein Expertenpanel entwickeln die Forscherinnen und Forscher hierfür zunächst Qualitätsindikatoren, die anschließend eingehend überprüft werden. Dafür nutzt das Projekt Primärdaten einer epidemiologischen Alterskohorte, in der sämtliche Lebensstilparameter mit besonderem Fokus auf CKD erfasst sind. Diese werden mit ambulanten Krankenkassen-Daten derselben Personen verknüpft. Gemessen an den so definierten Qualitätsindikatoren wollen die Forschenden schließlich die ambulante Versorgung nierenkranker Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren abbilden. Qualitative Interviews mit Hausärztinnen und Hausärzten ergänzen die Studie, um mögliche Hürden einer leitliniengerechten Versorgung aus Anwendersicht zu erfassen. Auf diese Weise soll in Zusammenarbeit mit der Universität Greifswald und der AOK-Nordost ein besseres Verständnis zur Unter- oder Überversorgung älterer Personen mit CKD entstehen, verbunden mit der Chance, die Qualität der Versorgung zu verbessern. Projektleitung: Prof. Dr. Elke Schäffner, stellvertretende Institutsleitung, Institut für Public Health der Charité.

Schlaganfall: Bessere Prognose bei Einsatz von Stroke-Einsatz-Mobilen

- 08-02-2021

Sie sind seit 10 Jahren in Berlin unterwegs: die Stroke-Einsatz-Mobile (STEMO). Die speziell ausgestatteten Rettungsfahrzeuge erlauben es, Menschen bei einem Schlaganfall schon am Einsatzort zu behandeln. Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat jetzt erstmals gezeigt, dass die Betroffenen beim Einsatz der STEMO eine bessere Prognose haben: Sie überleben häufiger ohne bleibende Behinderung. Die Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin JAMA* veröffentlicht. „Time is brain“: Dieser Merksatz aus der Notfallmedizin formuliert sehr treffend, dass es bei der Behandlung eines Schlaganfalls auf jede Minute ankommt: Unbehandelt sterben pro Minute sonst knapp 2 Millionen Nervenzellen ab. Ist der Schlaganfall auf ein Blutgerinnsel zurückzuführen, das ein Blutgefäß im Gehirn verstopft, sollte das Gerinnsel deshalb schnellstmöglich mittels einer sogenannten Lyse-Therapie medikamentös aufgelöst werden. Um Schlaganfälle noch schneller behandeln zu können, hat sich ein Team um Prof. Dr. Heinrich Audebert vom Centrum für Schlaganfallforschung Berlin und der Klinik für Neurologie und Experimentelle Neurologie der Charité deshalb vor mehr als 10 Jahren zum Ziel gesetzt, die nötige Diagnostik und Therapie zu den Patientinnen und Patienten zu bringen anstatt andersherum. Mit Erfolg: Ein zusammen mit der Berliner Feuerwehr und der MEYTEC GmbH entwickeltes Spezial-Rettungsfahrzeug, das STEMO, ging im Februar 2011 in Berlin in Betrieb. Jahre der Evaluierung zeigten anschließend, dass die Schlaganfallbehandlung im STEMO sicher ist und tatsächlich deutlich früher begonnen werden kann. Mittlerweile sind in einer Kooperation zwischen Charité, der Vivantes - Netzwerk für Gesundheit GmbH und dem Unfallkrankenhaus Berlin drei STEMO der Berliner Feuerwehr im Einsatz, die die Einsatzfläche Berlins weitgehend abdecken. Die jetzt veröffentlichte, groß angelegte Studie B_PROUD zeigt, dass der Einsatz der STEMO für die betroffenen Patienten mit einem besseren Behandlungsergebnis verbunden ist. „In unserer Studie konnten wir belegen, dass Schlaganfall-Betroffene, zu deren Rettung das STEMO losgeschickt wurde, häufiger überlebten und seltener eine Behinderung davontrugen“, sagt Prof. Audebert. „Bei ihnen war – im Vergleich zu den im normalen Rettungsdienst behandelten Patientinnen und Patienten – das relative Risiko, nach drei Monaten durch schwerere Behinderungen eingeschränkt zu sein, um 29 Prozent geringer. Wird ein STEMO eingesetzt, können also deutlich mehr Betroffene ihr Leben selbstbestimmt weiterführen.“ Weitere Stimmen zum STEMO von Michael Müller, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, dem Vorstandsvorsitzenden der Charité, den Kooperationspartnern und weiteren Unterstützern sind hier zusammengestellt. Für die Studie untersuchte das Team um Projektleiter Prof. Audebert und den Erstautor Prof. Dr. Dr. Martin Ebinger, Ärztlicher Direktor der Medical Park Humboldtmühle, Schlaganfall-Notfälle, die sich zwischen Februar 2017 und Mai 2019 in Berlin ereigneten und auf ein Blutgerinnsel zurückzuführen waren. Ob ein STEMO bei einem Notruf zum Patienten geschickt wurde, entschied dabei quasi der Zufall: War im Einsatzgebiet ein STEMO verfügbar, wurde es zusätzlich zum Rettungsdienst alarmiert und ermöglichte eine Behandlung vor Ort. Die STEMO-Entsendung erfolgte bei 749 der insgesamt 1.543 Patientinnen und Patienten, deren Daten in der Studie ausgewertet wurden (49 Prozent). War zum Zeitpunkt des Notrufs kein STEMO abkömmlich, schickte die Einsatzzentrale ausschließlich den konventionellen Rettungsdienst, der die betroffene Person in ein spezialisiertes Krankenhaus brachte. Das war bei 794 Patientinnen und Patienten (51 Prozent) der Fall. Drei Monate nach dem Notfall untersuchte die Forschungsgruppe in einem standardisierten Verfahren, ob und mit welchen neurologischen Einschränkungen die Betroffenen überlebt hatten. Der Vergleich der STEMO- und der Kontrollgruppe lieferte ein eindeutiges Ergebnis: In der STEMO-Gruppe erhielten mehr Patienten eine Lyse-Therapie (60 statt 48 Prozent), diese Behandlung wurde zudem durchschnittlich 20 Minuten früher verabreicht. Rückte ein STEMO aus, verstarben rund 7 Prozent der Patientinnen und Patienten, bei konventioneller Rettungsdienstversorgung waren es rund 9 Prozent. Gleichzeitig berichteten in der STEMO-Gruppe rund 51 Prozent der Patientinnen und Patienten, von ihrem Schlaganfall keine Alltagseinschränkungen davongetragen zu haben. In der Kontrollgruppe waren dies nur rund 42 Prozent. Auch bei der Erhebung der Lebensqualität schnitt die STEMO-Gruppe signifikant besser ab.

Medical Data Science: An der Schnittstelle von Medizin und Informationstechnologie

- 20-01-2021

Mit Jahresbeginn hat Prof. Dr. Dr. Felix Balzer eine W3-Professur auf Lebenszeit für Medical Data Science an der Charité – Universitätsmedizin Berlin übernommen. Der Facharzt für Anästhesiologie ist nicht nur Mediziner, sondern auch Informatiker. An der Charité vermittelt der Wahlberliner unter anderem in der Funktion des Chief Medical Information Officer (CMIO) zwischen den Anforderungen im medizinischen Bereich und der Informationstechnologie. Künftig wird er das Institut für Medizinische Informatik leiten, den Digitalisierungsprozess in der Krankenversorgung an der Charité koordinieren und auf dem Gebiet der Datenmedizin lehren und forschen. Informatik in Medizin übersetzen. Anforderungen aus der Klinik – sowohl von Ärztinnen, Ärzten und Pflegenden als auch von Patientinnen und Patienten – mit passenden IT-Lösungen beantworten. Daten aus Medizin und Gesundheitsversorgung für eine zugeschnittene Diagnostik und individuelle Therapien nutzbar machen. Darum geht es bei Medical Data Science, einem starken und sich schnell entwickelnden Zweig der digitalen Transformation. „In der Digitalisierung des Gesundheitswesens liegen viele ungenutzte Potenziale. Die derzeitige Pandemie hat das sehr deutlich gezeigt. Für Digitalisierungsprozesse in der Medizin müssen aber nicht nur technische Hürden bewältigt, sondern auch gesellschaftliche Akzeptanz erarbeitet und ethische Fragen beantwortet werden“, sagt Charité-Dekan Prof. Dr. Axel R. Pries. Er ist wie Prof. Balzer Vorstandsmitglied des Berliner Einstein Centers Digital Future (ECDF), das gegründet wurde, um Meilensteine in der Digitalisierungsforschung zu setzen und die dafür notwendige interdisziplinäre Expertise zu bündeln. Im ECDF vertritt Prof. Balzer den Bereich Digitale Gesundheit, seit 2018 hatte er hier und an der Charité eine Stiftungsprofessur für E-Health and Shared Decision Allocation inne. In diesem Rahmen arbeitet er interdisziplinär mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik, Soziologie und Designforschung zusammen. „Wir bieten jungen Professorinnen und Professoren die Plattform und den Freiraum, um ihre Forschung innovativ und kreativ zu entwickeln. Die exzellente Arbeit von Prof. Balzer wurde sowohl national als auch international wahrgenommen. Umso mehr freue ich mich, dass er Berlin verbunden bleibt und auch zukünftig wesentliche Beiträge für eine nachhaltige Entwicklung des Bereichs E-Health leisten wird“, sagt Prof. Dr. Odej Kao, Vorstandsvorsitzender des ECDF. Somit bringt Prof. Balzer weiterhin in der Berliner Universitätsmedizin seine Expertise an zentraler Stelle ein, um digitale Lösungen zu entwickeln, die neue Optionen für Diagnostik und Therapie, mehr Patientensicherheit, mehr Behandlungsqualität und weniger bürokratisches Arbeiten für medizinisches Personal eröffnen. „Ganz wichtig ist dabei, dass er diese Ansätze und Kenntnisse zunehmend an neue Medizinergenerationen vermitteln wird“, ergänzt Prof. Pries. Als Arzt und Informatiker kennt Prof. Balzer beide Perspektiven: Den medizinischen Bedarf wie auch die technologischen Möglichkeiten und Hürden in der Umsetzung digitaler Lösungen. „Durch den technologischen Fortschritt hat sich innerhalb weniger Jahre das Verständnis der Medizin erheblich verändert“, sagt der neue Direktor des Instituts für Medizinische Informatik. „Es entstehen große Datenmengen in bisher ungekannter Granularität. Diese werden nun verfügbar, sodass sich ganz neue Möglichkeiten ergeben, mit denen sich Patienten und Krankheiten auf neuartige Weise charakterisieren lassen.“ Die interdisziplinär ausgerichtete Arbeit am Institut für Medizinische Informatik hat zum Ziel, diese medizinischen Daten effektiv und effizient in der Forschung und Patientenversorgung nutzbar zu machen. So sollen beispielsweise das Langzeit-Outcome für Patientinnen und Patienten weiter verbessert und medizinische Ressourcen bestmöglich eingesetzt werden. Nur ein Beispiel hierfür ist die kontinuierliche Überwachung von Vitalfunktionen und weiterer klinischer Parameter durch Monitoringsysteme im Krankenhaus wie auch in der ambulanten Vor- oder Nachsorge. Mithilfe telemedizinischer Anwendungen lässt sich der Gesundheitszustand von Patientinnen und Patienten über lange Zeiträume hinweg beobachten. So können Rückschlüsse auf Behandlungen und Therapieergebnis im Sinne einer „High-Definition Medicine“ gezogen werden. „Die daraus resultierende dynamische Sicht auf den Patienten und seine Krankheit steht dabei im Gegensatz zur traditionellen Sichtweise der Medizin, bei der therapeutische Entscheidungen häufig auf isolierten Momentaufnahmen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte beruhen“, sagt Prof. Balzer. Ein Schwerpunkt in den Forschungsarbeiten von Prof. Balzer liegt auf dem Thema Patientensicherheit an der Schnittstelle zwischen Intensivstation und perioperativer Versorgung, also der Versorgung im Umfeld eines chirurgischen Eingriffs. „Es geht darum, in den im Krankenhaus erhobenen Routinedaten neue Indikatoren zu finden, die die weitere Behandlung und Genesung der Patientinnen und Patienten beeinflussen könnten“, erklärt Prof. Balzer. „Gleichzeitig sollen Patientinnen und Patienten im Sinne von Shared Decision Allocation, also geteilter Entscheidungsverantwortung, stärker in Behandlungsentscheidungen eingebunden werden. Denn über intelligente Apps stehen ihnen künftig immer mehr Daten zum eigenen Gesundheitsstatus zur Verfügung. Dabei entstehen neben technischen Problemen auch wichtige Fragen im Bereich Datensicherheit und Selbstbestimmungsrecht.“ Medizinische Prozesse im Zuge der weiteren Digitalisierung an der Charité und im Verbund mit anderen Krankenhäusern, Gesundheitseinrichtungen, regionalen und überregionalen Partnern zu begleiten und zu harmonisieren, wird eine zentrale Aufgabe Prof. Balzers sein. Hierzu ist an der Charité Mitte 2020 die Funktion des Chief Medical Information Officer (CMIO) geschaffen worden – der Medizininformatiker agiert hierbei als Bindeglied zwischen IT und Klinik. Um die Translation von Ergebnissen aus der Forschung in die Krankenversorgung zu unterstützen, ist die Professur zu einer Hälfte im Geschäftsbereich IT der Charité verortet. „Diese Verknüpfung von Medizininformatik und Krankenhaus-IT gewährleistet eine konstruktive Rückkopplung zwischen Wissenschaft und Tagesgeschehen, was Elfenbeinturmdenken und das Scheitern guter Ideen an der Umsetzbarkeit verhindert“, sagt Martin Peuker, Chief Information Officer (CIO) und Leiter des Geschäftsbereichs IT. Die Medizininformatiker der Charité und des Berlin Institute of Health (BIH) werden darüber hinaus künftig noch stärker die Ziele der Medizininformatikinitiative (MII) des Bundes und den Aufbau des HiGHmed-Standorts Berlin unterstützen.

Blasenkrebs: Wann eine Chemotherapie sinnvoll ist

- 14-01-2021

Pressemitteilung der Charité und des Berlin Institute of Health Bei Patientinnen und Patienten mit Blasenkrebs trägt die körpereigene Bekämpfung des Tumors durch das Immunsystem zur Wirksamkeit einer Chemotherapie bei. Das berichtet ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Berlin Institute of Health (BIH) jetzt im Fachmagazin Science Translational Medicine*. Diese Erkenntnis lässt sich für eine Vorhersage des Therapieerfolgs nutzen und könnte die Überlebenschancen von Betroffenen in Zukunft erhöhen. Blasenkrebs gehört zu den zehn, bei Männern zu den fünf häufigsten Tumorerkrankungen in Deutschland. Jedes Jahr erkranken hierzulande etwa 30.000 Menschen daran. Insbesondere, wenn der Blasenkrebs bereits in die Muskelschicht der Blasenwand eingewachsen ist, steigt die Gefahr, dass er „streut“, also Metastasen bildet. Bei Patientinnen und Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs, der noch nicht gestreut hat, wird die Blase deshalb in der Regel operativ entfernt. Vorab sollen die Erkrankten laut Leitlinie zusätzlich eine Chemotherapie erhalten, also einen Wirkstoff, der schnell wachsende Zellen angreift. Ziel dieser Vorbehandlung ist es, den Tumor bereits vor der Operation zu verkleinern und so das Rückfallrisiko sowie die Metastasen-Bildung zu mindern. Allerdings nimmt bei etwas mehr als der Hälfte der Betroffenen die Größe des Tumors durch die Chemotherapie nicht ab. Diese Patienten profitieren also nicht von der Vorbehandlung, sondern verlieren im Gegenteil wertvolle Zeit, in der der Blasenkrebs weiter wachsen und Metastasen bilden kann. Ein internationales Forschungsteam um Dr. Michael Schmück-Henneresse, Wissenschaftler am Berlin Institute of Health Centrum für Regenerative Therapien (BCRT), am Institut für Medizinische Immunologie und am Berlin Center for Advanced Therapies (BeCAT) der Charité, hat nun einen Weg gefunden zu unterscheiden, welche Patientinnen und Patienten von einer Chemotherapie profitieren und welche nicht. Der Schlüssel dazu fand sich im Immunsystem der Betroffenen noch vor Beginn der Behandlung: Nur wenn das Tumorgewebe zwei spezifische immunologische Komponenten, CXCL11 und CXCR3alt, in großen Mengen aufwies, zeigte die anschließende Chemotherapie Wirkung. „Diese beiden Komponenten lassen sich im Labor vergleichsweise unkompliziert messen, als Probe reicht die Biopsie aus, die für die Diagnostik des Tumors entnommen wird“, sagt Dr. Schmück-Henneresse. „Mit dieser technisch einfachen Methode ist es grundsätzlich also bereits zum Zeitpunkt der Diagnose möglich, den Erfolg einer Chemotherapie bei dem oder der Betroffenen abzuschätzen. Ist es unwahrscheinlich, dass die Vorbehandlung anschlägt, könnte man auf die Chemotherapie verzichten und den Blasenkrebs direkt operativ entfernen. Ein solches personalisiertes Vorgehen würde den Patientinnen und Patienten nicht nur die Nebenwirkungen einer unwirksamen Behandlung ersparen, sondern voraussichtlich auch ihre Überlebenschancen erhöhen. Bevor der Nachweis von CXCL11 und CXCR3alt bei Patientinnen und Patienten mit Blasenkrebs routinemäßig eingesetzt werden kann, sind aber noch weitere Studien nötig, die unsere Ergebnisse unabhängig bestätigen." Für die Studie untersuchten die Forschenden nach Abschluss der Chemotherapie Tumorproben von 20 Patientinnen und Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs, die an der schwedischen Umeå University in Behandlung waren. Die Biopsien hatte das Team um Dr. Amir Sherif schon vor der Therapie im Rahmen einer Blasenspiegelung für die Diagnose entnommen. Die Forschungsgruppe analysierte, welche immunologischen Botenstoffe sich in dem Gewebe fanden und welche Rezeptoren, also „Empfänger“ für diese Botenstoffe, die Immunzellen im Tumor produzierten. Für alle gefundenen Komponenten prüften die Forschenden anschließend, ob deren Menge mit dem Therapieerfolg zusammenhing. Das war sowohl für den Botenstoff CXCL11 als auch den Rezeptor CXCR3alt der Fall: Nur wenn sich im Tumorgewebe besonders viel CXCL11, ein Lockstoff für Immunzellen, fand und bestimmte Zellen des Immunsystems, die T-Zellen, den dafür passenden Rezeptor CXCR3alt herstellten, zeigte die Chemotherapie Wirkung. Das Team überprüfte seine Beobachtungen anschließend anhand bereits existierender Daten aus dem „Cancer Genome Atlas“. Auch hier zeigte sich, dass von 68 Blasenkrebs-Patienten, die eine Chemotherapie erhielten, diejenigen mit großen Mengen CXCL11 im Tumorgewebe häufiger überlebt hatten. „Wir interpretieren unsere Ergebnisse so, dass das Signalmolekül CXCL11 spezifische T-Zellen in den Tumor lockt und sie stimuliert, sich zu vermehren und so verstärkt gegen den Krebs vorzugehen“, erklärt der Erstautor der Studie Tino Vollmer, Doktorand am Institut für Medizinische Immunologie der Charité und Wissenschaftler am BCRT und BeCAT. „Die Chemotherapie scheint diese körpereigene Bekämpfung des Tumors dann zu unterstützen, etwa weil die T-Zellen durch den Zerfall des Krebsgewebes einfacher einwandern können.“ Der Einfluss des Immunsystems auf den Ausgang der Therapie widerspricht dabei der langjährigen Lehrmeinung, dass die Wirkung chemotherapeutischer Medikamente allein auf der hohen Teilungsfähigkeit der Krebszellen beruht. „Zusammen mit anderen Studien betont unsere aktuelle Arbeit, wie wichtig hierbei auch die aktive Bekämpfung des Tumors durch das Immunsystem ist“, sagt Vollmer. Die Forschungsgruppe will deshalb als nächstes untersuchen, ob sich die T-Zellen von Patienten, deren eigenes Immunsystem weniger stark gegen den Blasenkrebs vorgeht, mithilfe eines zelltherapeutischen Ansatzes aktivieren lassen: Dazu möchte das Team die T-Zellen der Betroffenen außerhalb des Körpers mit einem künstlichen CXCR3alt-Rezeptor ausstatten und anschließend wieder in den Körper einschleusen. Diesen Therapieansatz werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch für andere Krebsarten erforschen. Zusätzlich wollen sie die personalisierte Gabe der Chemotherapie bei Blasenkrebs voranbringen. Dazu soll die Vorhersagekraft der beiden Immunkomponenten CXCL11 und CXCR3alt mithilfe einer sogenannten prospektiven Validierung überprüft werden, die unabhängige Gruppen von Patientinnen und Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs an verschiedenen europäischen Krankenhäusern untersucht. „Sollte sich die Verlässlichkeit der Vorhersage bestätigen, könnte die Analyse des Immunstatus in Zukunft regulär als Entscheidungsgrundlage für die Blasenkrebs-Behandlung genutzt werden“, sagt Dr. Schmück-Henneresse.

Simulationsplattform unterstützt Entwicklung medizinischer Implantate

- 14-01-2021

Das Horizon-2020-Projekt SIMCor (In-silico testing and validation of cardiovascular implantable devices), das von der Charité – Universitätsmedizin Berlin koordiniert wird, startet mit einer digitalen Kick-off-Veranstaltung am 14. und 15. Januar. Ziel des Vorhabens ist es, eine Plattform für die Testung, Entwicklung und Zulassung von Herz-Kreislauf-Implantaten zu schaffen. Dabei kommen neue Verfahren wie Computersimulationen und virtuelle Tiermodelle zum Einsatz, die zu noch besserer Qualität und Sicherheit solcher Implantate beitragen. Das Verbundprojekt wird von der Europäischen Union (EU) über drei Jahre mit insgesamt 7,2 Millionen Euro gefördert, wovon knapp 1 Millionen Euro auf die Charité entfallen. Implantierbare medizinische Herz-Kreislauf-Geräte gehören zu den fortschrittlichsten, am häufigsten verwendeten und lebenserhaltenden Implantaten. Ihre Entwicklung stellt jedoch eine große Herausforderung dar. Computerbasierte In-silico-Methoden zur Testung und Validierung – wie virtuelle Tiermodelle oder Computermodelle – können helfen, die Qualität solcher medizinischer Implantate zu verbessern, ihre Wirksamkeit und Sicherheit zu erhöhen und zugleich die Kosten und Entwicklungszeit zu verringern. Das kann letztlich den Zugang zu Behandlungen erleichtern und den Bedarf an Untersuchungen am lebenden Organismus minimieren. An dem Verbundprojekt, das im Rahmen von Horizon 2020 ab Jahresbeginn 2021 gefördert wird, sind 12 Partner aus acht Ländern – aus Klinik, Wissenschaft und Industrie – beteiligt. „Wir sind fest davon überzeugt, dass SIMCor die Entwicklung, Validierung und Zulassung von kardiovaskulären Medizinprodukten durch den Einsatz von Computersimulationen und virtuellen Studien beschleunigen wird", sagt Projektkoordinator Prof. Dr. Titus Kühne, Leiter des Instituts für kardiovaskuläre Computer-assistierte Medizin (ICM) an der Charité und Arbeitsgruppenleiter am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB). „Unser Institut für kardiovaskuläre Computer-assistierte Medizin ist einer der Innovationstreiber im Bereich der digitalen Transformation“, ergänzt Prof. Kühne. Hier werden – interdisziplinär und mit einem direkten klinischen Bezug – moderne Methoden der Bildgebung, Datenwissenschaft und Modellierung kombiniert, um die Grundlagen für verbesserte Diagnostik, Therapieplanung sowie Entscheidungsunterstützungssysteme zu entwickeln. Das jetzt geförderte SIMCor-Projekt soll eine Computerplattform etablieren, die als offene Ressource für eine gemeinsame Forschung und Entwicklung von Geräteherstellern, medizinischen Instituten und Aufsichtsbehörden dient. Entlang des gesamten Entwicklungsprozesses – von der In-silico-Modellierung bis hin zu virtuellen Tier- und klinischen Studien – sollen so Gerätetests unterstützt werden. Beispielhaft werden diese Prozesse auf zwei repräsentative Herz-Kreislauf-Implantate angewendet: Transkatheter-Aortenklappen-Implantate (TAVI) und Drucksensoren für die Lungenarterien (PAPS), anhand derer dann Erfolgsmethoden erarbeitet und in Standardarbeitsanweisungen (SOP) umgesetzt werden. Das Projekt wird zudem eine Methodik für die Erstellung virtueller Patientengruppen – sogenannter Kohorten – entwickeln, um neue Implantate mit einer Vielzahl von Geometrien, krankhaft veränderten Zuständen und klinischen Merkmalen zu testen, die sowohl für Erwachsene als auch für Kinder relevant sind. Auf diese Weise sollen medizinische Implantate zukünftig auch für junge Patientinnen und Patienten nutzbar gemacht werden. Darüber hinaus wird SIMCor gerätespezifische Modelle liefern, um die Sicherheit, Wirksamkeit und Benutzerfreundlichkeit von Medizinprodukten vorherzusagen.

Zusätzliche Prüfung positiver Corona-Proben auf Mutationen

- 13-01-2021

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und Vivantes - Netzwerk für Gesundheit GmbH lassen Proben mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis zusätzlich auf die englische und südafrikanische Virusvariante prüfen. Die Diagnostik erfolgt aktuell im Institut für Virologie der Charité. In Kürze wird sie von Labor Berlin, dem gemeinsamen Tochterunternehmen von Charité und Vivantes, weitergeführt. Ziel der zusätzlichen Analysen ist es, einen fortlaufenden Überblick über das Vorkommen von SARS-CoV-2-Mutationen in Proben von Labor Berlin zu erhalten.  Derzeit stehen insbesondere die in England verbreitete Variante B.1.1.7 sowie die in Südafrika nachgewiesene Mutation B.1.351 im Fokus. Beide Varianten tragen Mutationen unter anderem im Haupt-Oberflächenprotein, das sich an den menschlichen Rezeptor anheftet. Dies könnte dem Virus den Zugang zu den Zellen erleichtern und es potenziell ansteckender machen.  Mit der zusätzlich angelegten Überprüfung von positiv getesteten Proben auf die bekannten Mutationen wird Labor Berlin gemeinsam mit der Charité noch in dieser Woche beginnen.  Ziel der zusätzlichen Testung ist grundsätzlich die Erfassung der Quote vorliegender bekannter Mutationen innerhalb einer Testkohorte. Daraus kann abgeleitet werden, ob sich die mutierten Viren im Vergleich zu anderen Viren effizienter verbreiten. Die Zusatztestung dient dem allgemeinen Überblick und wird erst nach der schnellen Befundübermittlung des eigentlichen PCR-Testergebnisses durchgeführt.  Darüber hinaus wird bei Labor Berlin die Überprüfung positiver Proben auf weitere Virusmutationen mittels Sequenzierung der Virusgenome etabliert, die derzeit im Institut für Virologie der Charité erfolgt. Damit soll sichergestellt werden, dass auch andere Veränderungen des neuartigen Coronavirus frühzeitig entdeckt werden. 

Zahnmedizin der Zukunft

- 13-01-2021

Prof. Dr. Falk Schwendicke hat zum Jahresbeginn die W3-Professur für Orale Diagnostik, Digitale Zahnheilkunde und Versorgungsforschung an der Charité – Universitätsmedizin Berlin übernommen. Die Professur ist mit der Leitung einer neu geschaffenen Abteilung am CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (CC3) verbunden. Sie hat zum Ziel, Instrumente der Künstlichen Intelligenz (KI), wie beispielsweise Maschinelles Sehen, in den Dienst der Zahnmedizin zu stellen und auf diesem Weg die zahnmedizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern. Prof. Schwendicke ist Experte für KI in der Zahnmedizin und integrative Versorgungsforschung. Er ist seit 2013 an der Charité tätig, zunächst als Oberarzt und seit 2015 als stellvertretender Leiter der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin am CC3. In dieser Position konnte er die sogenannte Datenzahnmedizin als eine neue Form der datengeleiteten und evidenzbasierten Zahnmedizin an der Charité etablieren. Mit der neu geschaffenen Professur übernimmt der 38-Jährige nun als Direktor der Abteilung Orale Diagnostik, Digitale Zahnheilkunde und Versorgungsforschung die Ausgestaltung der neuen Abteilung in Forschung und Lehre. Die zahnmedizinische Ausbildung fasst diese zentralen Themenfelder mit weiteren zusammen – von Therapieplanung über Schmerz- und Akutzahnmedizin, Röntgenologie, zahnärztliche Traumatologie, Epidemiologie bis hin zu evidenzbasierter Medizin und Gesundheitsökonomie. Die Bündelung dieser Themenfelder in einer eigenständigen Abteilung ist ebenso einzigartig in Deutschland wie der Forschungsschwerpunkt, der auf den Bereichen KI in der Zahnmedizin, datengestützte Präzisionszahnmedizin und integrative Versorgungsforschung liegt. Insbesondere das Maschinelle Sehen hat das Potenzial, die medizinische Bildauswertung grundlegend zu verändern. Dadurch soll es – zum Wohl der Patientinnen und Patienten – ermöglicht werden, zahnmedizinische Daten besser zu verstehen, diese zu analysieren und darauf aufbauend Vorhersagemodelle zu entwickeln. Prof. Schwendicke arbeitet in internationalen Projekten unter anderem mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen, um Anwendungen von KI in Diagnose und Behandlung von Erkrankungen zu etablieren. Auch mit seinen zahlreichen Publikationen ist er in Fachkreisen sehr einflussreich: So ist er laut aktuellem Zitations-Ranking der Stanford University im vergangenen Jahr einer der am meisten zitierten Zahnmediziner weltweit und der meistzitierte aus Deutschland. „Ich freue mich auf die Herausforderung, an der Charité ganz neue Wege für die Zahnmedizin beschreiten zu können. Die Chancen, in Lehre und Krankenversorgung durch die neue Strukturierung und Schwerpunktlegung Impulse zu setzen, sind meines Erachtens groß“, sagt Prof. Schwendicke. Er ergänzt: „In der Forschung sind wir bereits auf einem guten Weg. Der Einsatz von KI und Big Data für Diagnostik und Versorgungsforschung sowie die internationale Zusammenarbeit stimmen mich hier optimistisch: Wir arbeiten an der Zahnmedizin der Zukunft!“

Garant für Qualität und Zugang zu Bioproben in der Forschung

- 07-01-2021

Gemeinsame Pressemitteilung des German Biobank Node (GBN), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Berlin Institute of Health (BIH) Biobanken spielen eine wichtige Rolle für die biomedizinische Forschung: Sie stellen menschliche Bioproben in hoher und vergleichbarer Qualität sowie die zugehörigen Daten schnell zur Verfügung. An der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist die Dachorganisation der deutschen Biobanken angesiedelt: der German Biobank Node (GBN). Seit der Gründung im Jahr 2017 ist unter seiner Ägide ein leistungsfähiger Verbund aus 20 akademischen Partner-Biobanken entstanden: die German Biobank Alliance (GBA). Koordiniert durch den GBN harmonisieren die Partner ihr Qualitätsmanagement und vernetzen sich über eine gemeinsame IT-Infrastruktur. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Arbeiten des GBN nun für weitere drei Jahre mit rund 3,5 Millionen Euro, davon entfallen circa 2,4 Millionen Euro auf die Charité und etwa 1,1 Millionen Euro auf die Partner-Standorte in Heidelberg und Jena. Ab 2024 wird der German Biobank Node im Berlin Institute of Health (BIH) verstetigt. Blut, Gewebeproben, isolierte Zellen oder extrahierte DNA: Rund 22 Millionen menschliche Bioproben lagern in den Biobanken der German Biobank Alliance (GBA) und beständig kommen neue hinzu. Die Biobanken verarbeiten diese Proben und stellen sie für die Grundlagenforschung, für alle Phasen der Arzneimittel- und Therapieentwicklung sowie für die Entwicklung und Prüfung von Diagnostika bereit. Die Sammlungen bieten für zahlreiche Forschungsdisziplinen eine Grundlage – auch für die Covid-19-Forschung spielen Biobanken und ihre Leistungen eine zentrale Rolle. Für verlässliche Forschungsergebnisse ist die Qualität von Bioproben und ihrer zugehörigen Daten von größter Bedeutung. Deshalb hat der GBN innerhalb der Biobanken-Allianz gemeinsame Qualitätsstandards etabliert und bildet Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Biobanken weiter. Mit dem sogenannten Sample Locator hat der GBN außerdem ein Online-Tool geschaffen, das eine Suche von zentraler Stelle nach Proben und Daten über zahlreiche Biobanken hinweg erlaubt. „In der neuen Förderphase engagieren wir uns weiterhin für Qualität und den verstärkten Ausbau der IT-Vernetzung von Biobanken“, sagt Prof. Dr. Michael Hummel, Leiter des GBN und der Zentralen Biobank von Charité und BIH (ZeBanC). „Außerdem werden wir weitere Partner in die GBA aufnehmen, um den Pool von qualitativ hochwertigen Proben und Daten zu vergrößern und für die Forschung leichter zugänglich zu machen. Unser Ziel ist es, mittelfristig alle Biobanken an Standorten der Universitätsmedizin als Allianz-Partner zu gewinnen.“ Der GBN und die Medizininformatik-Initiative (MII), ebenfalls gefördert durch das BMBF, planen für die kommenden Jahre eine enge Kooperation. In einem gemeinsamen Projekt führen die Partner die IT-Strukturen von GBN und MII dichter zusammen und schaffen eine bundesweit einheitliche, datenschutzkonforme Plattform, die Forschungsdatensätze speichert und bereitstellt. Diese werden sowohl klinische Daten, Bilddaten, als auch Daten zu Bioproben beinhalten und sie multizentrisch, patientenbezogen und pseudonymisiert vereinen. „Daneben arbeiten wir auf europäischer Ebene mit der Biobanken-Organisation BBMRI-ERIC zusammen, deren nationaler Knoten der GBN bereits seit 2013 ist. Wir vertreten dort die Interessen der deutschen Biobanken und setzen uns für europäische Forschungskooperationen ein“, sagt Dr. Cornelia Specht, GBN-Geschäftsführerin. Um die Position des GBN in der Forschungslandschaft weiter zu festigen und eine nachhaltige Infrastruktur zu schaffen, wird die Dachorganisation der deutschen akademischen Biobanken im Jahr 2024 im Berlin Institute of Health (BIH) verstetigt. „Mit dem German Biobank Node gewinnt das BIH einen starken Partner, mit dem wichtige nationale und internationale Aufgaben wahrgenommen werden können. Seine Ausrichtung passt hervorragend zum Gesamtkonzept des BIH, so dass wir uns zukünftig gemeinsam für die Steigerung der Qualität der Forschung einsetzen können“, sagt Prof. Dr. Christopher Baum, Vorstandsvorsitzender des BIH, der seit Jahresbeginn auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des GBN ist.

ARD-Serie „Charité“: TV-Ausstrahlung startet am 12. Januar

- 07-01-2021

Die sechs neuen Folgen der Charité-Serie spielen in den Tagen des Mauerbaus: In der Nacht zum 13. August 1961 wird die Charité zum unmittelbaren Grenzgebiet und wasserseitig werden die Gebäude zugemauert. Die dritte Staffel thematisiert im Mikrokosmos Charité eine weitere historische Umbruchphase, in der die Menschen nicht nur medizinisch gefordert sind, sondern auch politisch, moralisch und persönlich Haltung zeigen müssen. Fiktive Hauptfigur ist die junge Ärztin Ella Wendt (Nina Gummich), die aufgrund des Weggangs zahlreicher Ärzte und Pflegekräfte an die Charité beordert wird. Sie hofft, an der Charité ihre Forschung zur Krebsfrüherkennung anhand bestimmter Blutgruppenmerkmale voranzubringen und sucht Kontakt zu Prof. Dr. Otto Prokop (Philipp Hochmair), der einen herausragenden Ruf als Serologe genießt. Prokops eigentliches Arbeitsfeld ist die Gerichtsmedizin. Seine Obduktionen haben schon zur Klärung zahlreicher Kriminalfälle beigetragen und bald liegen auch die ersten „Mauertoten“ auf seinem Tisch. Eine weitere historische Figur ist die Kinderärztin Dr. Ingeborg Rapoport (Nina Kunzendorf), die als Spezialistin der Säuglingsmedizin einen visionären Ansatz entwickelt, um die Säuglingssterblichkeit zu senken. Damit eckt sie immer wieder bei dem konservativ denkenden Gynäkologen Prof. Dr. Helmut Kraatz (Uwe Ochsenknecht) an. Die ARD zeigt die sechs Folgen der Fernsehserie ab dem 12. Januar in drei Doppelfolgen jeweils dienstags um 20:15 Uhr. Im Anschluss an die erste Doppelfolge zeigt die ARD um 21:50 Uhr die begleitende Dokumentation „Die Charité – Ein Krankenhaus im Kalten Krieg“, ein Film von Dagmar Wittmers. Die komplette dritte Staffel ist jetzt schon online first in der ARD-Mediathek zu sehen. Mehr über die Charité in dieser Zeit und die historischen Figuren Prof. Dr. Ingeborg Rapoport, Prof. Dr. Otto Prokop und Prof. Dr. Helmut Kraatz: Digitale Charité-Broschüre zur Serie "Grenzerfahrungen. Die Charité im Sommer 1961" Videoclips

Neu im Vorstandsteam: Prof. Dr. Kreis und Prof. Dr. Baum komplettieren Charité-Spitze

- 04-01-2021

Prof. Dr. Martin E. Kreis und Prof. Dr. Christopher Baum sind zum 1. Januar neue Mitglieder des Vorstands der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Prof. Kreis ist Vorstand Krankenversorgung und Prof. Baum hat die neu geschaffene Position des Vorstands Translationsforschungsbereich übernommen. Damit ist der Prozess der Weiterentwicklung des nun sechsköpfigen Charité-Vorstands abgeschlossen.  Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, heißt die beiden in ihren neuen Positionen willkommen: „Im Namen des gesamten Vorstands wünsche ich Prof. Kreis und Prof. Baum einen guten Start in dieser herausfordernden Zeit. Wir freuen uns sehr darauf, mit allen Vorstandsmitgliedern die Zukunftsthemen und die strategische Weiterentwicklung der Charité 2030 zu gestalten. Gemeinsam werden wir Gesundheitsversorgung neu denken und die exzellente Position der Berliner Universitätsmedizin in Forschung, Lehre und Krankenversorgung weiter ausbauen.“ Vorstand Krankenversorgung: Prof. Dr. Martin Kreis In seiner neuen Position ist Prof. Kreis für die Krankenversorgung an der Charité zuständig. Er verantwortet die Entwicklung der Krankenversorgung sowie deren Integration in die Gesamtentwicklung der Charité. Der Viszeralchirurg folgt auf Prof. Dr. Ulrich Frei, der nach insgesamt 27 Jahren an der Charité im Dezember in den Ruhestand gegangen ist. Prof. Kreis ist seit Oktober 2012 als Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Campus Benjamin Franklin an der Charité tätig. Im Jahr 2018 wurde er zudem Ärztlicher Leiter des CharitéCentrums für Chirurgische Medizin.  „Ich freue mich auf die neuen Aufgaben im Vorstand und die Zusammenarbeit mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Charité“, betont Prof. Kreis, Vorstand Krankenversorgung der Charité. Er fügt hinzu: „Neben der gemeinsamen Bewältigung der COVID-19-Pandemie ist es mir ein Anliegen, die Aspekte der Krankenversorgung im Sinne unserer ‚Strategie 2030 – Gesundheit neu denken‘ weiterzuentwickeln.“ Prof. Kroemer beglückwünscht Prof. Kreis zur neuen Funktion und unterstreicht, dass die Nachfolge von Prof. Frei als Vorstand Krankenversorgung zu jeder Zeit wichtig gewesen wäre, es aber in der jetzigen Zeit der Pandemie überlebenswichtig für die Charité ist, wer dieses Amt übernimmt: „Die Krankenversorgung ist der größte Bereich der Charité und es ist auch der Bereich, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Beginn der Pandemie eine Zeit der maximalen Anspannung erleben. Wir sind froh und dankbar, dass wir Martin Kreis für diese Schlüsselposition gewinnen konnten. Er genießt im Haus ein hohes Ansehen, er ist ein guter Zuhörer und handelt ruhig, überlegt und konsequent.“ Vorstand Translationsforschungsbereich: Prof. Dr. Christopher Baum Prof. Dr. Christopher Baum verantwortet im Charité-Vorstand den Translationsforschungsbereich. Die Position wurde im Zuge der Integration des Berlin Institute of Health (BIH) eingerichtet. Seit 1. Januar bildet das BIH zusätzlich zum Universitätsklinikum und der Medizinischen Fakultät die dritte Säule „Translationsforschungsbereich“ der Charité. Mit der Leitungsfunktion des BIH, die Prof. Baum seit Oktober 2020 innehat, ist zugleich die Position des Charité-Vorstands Translationsforschungsbereich verbunden. Mit der Integration rücken BIH und die Kliniken und Einrichtungen der Charité enger zusammen, so dass die Mission der medizinischen Translation noch zielgerichteter erfüllt werden kann. „Im Vorstand der Charité werde ich primär die Interessen des BIH und des Bundes vertreten, um im Sinne der Widmung des BIH neue Wege der translationalen Forschung zu gestalten. Forschung in Gesundheit zu verwandeln und aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Anwendungen zu schaffen, die Menschen helfen, ist mir ein Kernanliegen“, erklärt Prof. Baum, Vorstand Translationsforschungsbereich der Charité und Vorsitzender des BIH-Direktoriums. Er fügt hinzu: „Ich bringe mich auch gern gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern in der Entwicklung und Umsetzung der Strategie 2030 der Charité mit ein.“  Der gebürtige Marburger ist Wissenschaftsmanager und Experte für Translation, Molekulare Medizin und Gentherapie. Zuletzt war er erster hauptamtlicher Vizepräsident Medizin der Universität Lübeck und Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Prof. Kroemer begrüßt das neue Vorstandsmitglied: „Wir sind froh, Christopher Baum für diese neu eingerichtete Vorstandsposition gewinnen zu können. Er vereint zwei wichtige Anforderungen für dieses Amt: Er ist sowohl erfahrener Wissenschaftsmanager als auch ein ausgewiesener Experte für Translation. Ich bin mir sicher, dass er im eigenständigen BIH die Übertragung von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung stark fördern und dabei die Synergieeffekte mit der Charité zum Wohl der Patientinnen und Patienten maximal nutzen wird.“ 

Erste Impfungen bei Charité und Vivantes

- 29-12-2020

Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und Vivantes Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Krankenhauskonzern Vivantes haben gemeinsam von der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung kurzfristig insgesamt knapp 1000 Impfstoffdosen erhalten. Damit werden seit heute Vormittag erste Beschäftigte gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft. Die Impfungen erfolgen zunächst bis einschließlich 31. Dezember 2020. Am Vivantes Klinikum Neukölln und am Vivantes Humboldt-Klinikum in Reinickendorf werden heute seit 11 Uhr Krankenhausbeschäftigte gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 vom Betriebsärztlichen Dienst geimpft. Zuerst erhalten Mitarbeitende der COVID-19-Intensivstationen und von weiteren Stationen, die COVID-19-Patientinnen und -Patienten behandeln, den Impfstoff. Die Impfungen bei Vivantes werden in den eingerichteten Personalimpfstellen der Standorte durchgeführt.  An der Charité begannen die Impfungen ab 10 Uhr an den drei klinischen Standorten Campus Charité Mitte, Campus Benjamin Franklin und Campus Virchow-Klinikum parallel. Dabei wird auch hier Personal berücksichtigt, das basierend auf der Impfverordnung zur Gruppe mit höchster Priorität gehört, also direkt in der medizinischen Betreuung und Pflege von COVID-19-Patientinnen und -Patienten eingesetzt wird. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender Charité: „Wir freuen uns sehr und sind dankbar, dass es der Senatsverwaltung gelungen ist, Impfungen in einem ersten Schritt auch für diejenigen möglich zu machen, die seit Monaten besonders gefordert sind in der Bekämpfung der Pandemie. Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte arbeiten anhaltend an der absoluten Belastungsgrenze in dieser nie da gewesenen Krisensituation. Eine Impfung kann hier zumindest für mehr Sicherheit sorgen.“ Dr. Johannes Danckert, Vivantes Geschäftsführer Klinikmanagement: „Impfungen stimmen uns hoffnungsvoll. Wir sind sehr froh, dass wir bald alle impfbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser schützen können, die in unseren Kliniken Tag und Nacht im Einsatz sind, um COVID-19-Erkrankte zu versorgen. Die Gesundheit der Krankenhausbeschäftigten ist Voraussetzung dafür, dass wir die Gesundheitsversorgung der Berliner Bevölkerung in der Pandemie dauerhaft und bestmöglich sicherstellen können. Vivantes hat sich daher schon seit Wochen auf die Impfungen der eigenen Beschäftigten vorbereitet und ein Konzept erarbeitet. Eine interne Umfrage hatte gezeigt, dass die Impfbereitschaft unserer Beschäftigten erfreulich hoch ist.“

„Wir gehören zusammen!“

- 28-12-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des Berlin Institute of Health Zum 1. Januar 2021 wird das Berlin Institute of Health (BIH) zum Translationsforschungsbereich der Charité – Universitätsmedizin Berlin und bildet neben Klinikum und Medizinischer Fakultät deren dritte Säule. Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wird Privilegierter Partner des BIH. Damit vollziehen die drei Einrichtungen den letzten Schritt in der Umsetzung der Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Land Berlin, die die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator von Berlin Michael Müller bereits im Juli 2019 unterzeichnet hatten. Der Bund engagiert sich über diese wissenschaftspolitisch neuartige Initiative erstmals strukturell in einer Einrichtung der Universitätsmedizin und erhält einen Sitz im Aufsichtsrat der Charité. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek erklärt: „Zum Jahreswechsel wird die Integration des BIH in die Charité nun endlich Wirklichkeit. Wir setzen große Hoffnung auf diese neue Struktur, die Forschung und Klinik eng miteinander verzahnt. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement bei der Umsetzung während der vergangenen Monate. Wir sind alle sehr gespannt auf die Forschungsaktivitäten. Ich wünsche dem BIH mit der Charité und dem Max-Delbrück-Centrum viel Erfolg für die gemeinsame Zusammenarbeit. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Bündnis national und international eine Strahlkraft für die translationale biomedizinische Forschung entwickeln wird.“ Der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator von Berlin Michael Müller sagt: „Die Integration des BIH in die Charité ist ein großer Gewinn für die medizinische Forschung, für den Gesundheitsstandort Berlin und vor allem für die Patientinnen und Patienten in ganz Deutschland. Der Weg dahin war nicht immer einfach, aber das Ziel immer richtig. Deswegen möchte ich allen herzlich danken, die diesen Prozess in den vergangenen Monaten zum erfolgreichen Abschluss gebracht haben. Dass der Bund sich so stark in einer Landeseinrichtung dauerhaft engagiert und wir gemeinsam an einem Strang ziehen, ist keine Selbstverständlichkeit und ein Vertrauensbeweis für die herausragende Arbeit, die an der Charité, dem BIH und MDC geleistet wird.“ Prof. Dr. Christopher Baum wird das BIH zukünftig als Vorstand des Translationsforschungsbereichs im Vorstand der Charité vertreten. Er begrüßt die Integration, denn er ist davon überzeugt, dass die translationale Medizin vom engen Austausch zwischen Krankenversorgung und Forschung lebt. „Wir gehören zusammen und bewahren zugleich unsere besondere Identität und Bestimmung. Gemeinsam handeln wir für die Patientinnen und Patienten, die neue medizinische Ansätze dringend benötigen. Beide Perspektiven, die der aktuellen Versorgungsrealität und die der Medizin der Zukunft, stimulieren unsere wissenschaftlichen Arbeiten.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, heißt das BIH als dritte Säule für translationale Forschung in der Charité willkommen: „Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem BIH die Translation von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung bei unseren Patientinnen und Patienten weiter voranzubringen und die nun möglichen Synergien zwischen Charité und BIH gewinnbringend zu nutzen. Aber nicht nur für uns ist die Integration von großer Bedeutung. Vielmehr kann diese als Blaupause für die zukünftige Kooperation von Bund und Ländern in der Forschungsförderung dienen. Ein besonderer Dank gilt Axel Pries, der dieses Projekt in den vergangenen Jahren maßgeblich und mit viel Engagement vorangebracht hat.“ Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité, hatte das Amt des Vorstandsvorsitzenden des BIH bis Anfang Oktober 2020 zwei Jahre lang kommissarisch inne. Er blickt mit Freude auf die zurückliegende Zeit und mit vielen Erwartungen auf die kommende Phase: „Die Integration des BIH in die Charité mit der Privilegierten Partnerschaft des MDC hat umfangreiche Abstimmungen zwischen unseren Einrichtungen erfordert. Jetzt kann die Umsetzung der Verwaltungsvereinbarung wie geplant vollzogen werden. Parallel hat das BIH neue Strukturen aufgebaut, sich wissenschaftlich sehr dynamisch entwickelt und erfolgreich herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Berlin geholt. Ich habe deshalb keinen Zweifel am zukünftigen Erfolg des BIH als dritter Säule der Charité.“ Die zweite Gründungsinstitution des BIH, das MDC, wird ab 2021 Privilegierter Partner des BIH. Prof. Dr. Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.), sagt: „Ich freue mich sehr auf die enge Zusammenarbeit. Das BIH als Brücke zwischen Grundlagenforschung und Klinik ist für uns der ideale Partner in Berlin. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bringen ihre Innovationskraft in der vaskulären Biomedizin, in der Einzelzellanalyse und bei den Technologieplattformen ein. MDC, BIH und Charité werden die Idee eines gemeinsamen Forschungsraumes für die Translation zum Wohl der Patientinnen und Patienten voranbringen. Unsere enge Verbindung bedeutet einen Schub für den Gesundheitsstandort Berlin.“ Das 2013 gegründete BIH hat die Mission, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die Anwendung am Krankenbett zu übertragen und umgekehrt Beobachtungen aus dem Klinikalltag in Forschungsideen zu verwandeln. Dazu war die enge Zusammenarbeit zwischen BIH, Charité und MDC auch in der Vergangenheit schon unerlässlich. Beispielsweise betreiben Charité und BIH gemeinsam das Clinical Study Center (CSC), um die Qualität aller klinischen Studien maßgeblich zu verbessern, und haben zusammen mit anderen Partnern das BIH Charité Clinician Scientist Program aufgelegt, um eine neue Generation translational geschulter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auszubilden. Auch der Technologietransfer BIH Innovations wird gemeinsam unterhalten. In der Corona-Pandemie haben BIH-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler gemeinsam mit Forschenden sowie Ärztinnen und Ärzten der Charité wertvolle Ergebnisse zum SARS-CoV-2-Virus und zur COVID-19-Erkrankung erzielt und hochrangig veröffentlicht. „Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Charité und BIH sowie auch dem MDC ist nicht nur erprobt, sondern funktioniert auch exzellent“, sagt Prof. Kroemer. „Der erfolgreiche Antrag unserer drei Häuser für einen Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Berlin ist Ausdruck dessen. Jetzt geht es darum, die Rahmenbedingungen noch weiter zu optimieren, um beste Voraussetzungen für die translationale Forschung zu schaffen.“ Mit der Integration in die Charité verbindet der Bund den Auftrag an das BIH, auch bundesweit erfolgversprechende Translationsprojekte zu unterstützen. „Diesen Auftrag nehmen wir gerne an“, sagt Prof. Baum. „Hier sehe ich insbesondere unseren Beitrag bei den seltenen und komplexen Erkrankungen, für die wir die Möglichkeiten der Universitätsmedizin gezielt erweitern wollen.“ Außerdem will Baum die Translation zu einer exakten Wissenschaft weiterentwickeln, deren Erfolge quantitativ, reproduzierbar und objektiv messbar sind. „Das wird notwendig sein, um diejenigen Projekte zu identifizieren, die am vielversprechendsten sind, und die jeweils bestmöglichen nächsten Schritte einzuleiten.“ Das BIH Quest Center hat hier bereits entscheidende Vorarbeiten geleistet, um die Qualität der Biomedizinischen Forschung zu erhöhen. Das BIH hat gemeinsam mit Charité und MDC drei Fokusbereiche ins Leben gerufen, in denen sich exzellente Forschungsansätze mit klinischer Expertise verbinden. Im Bereich Single Cell Technologien für die Personalisierte Medizin sollen innovative Einzelzelltechnologien für klinische Fragestellungen genutzt werden. Im Fokusbereich Translationale Vaskuläre Biomedizin geht es um die kleinsten Blutgefäße, deren Fehlfunktion für viele Volkskrankheiten verantwortlich ist. Mit der vollständigen Übernahme des BCRT, des BIH-Centrums für Regenerative Medizin, ab 2021 sowie der Kooperation mit dem Deutschen Stammzellnetzwerk GSCN wird das BIH insbesondere auf dem Gebiet der Stammzellforschung und der ATMPs, innovativer Medikamente und Medizinprodukte, forschen und erzielte Ergebnisse in die Anwendung überführen. Mit der Integration des BIH in die Charité wird sich die Anzahl der wissenschaftlichen Gruppen, die zum BIH gehören, von derzeit 43 auf 58 erhöhen, bis Ende 2021 sollen es 71 Gruppen werden. Die dann rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BIH werden sich auf mehrere Standorte verteilen: Ab März sollen die Gruppen, die sich mit der Vaskulären Biomedizin beschäftigen, ins Käthe-Beutler-Haus in Berlin-Buch einziehen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Privilegierten Partner MDC. Im dem nach einer jüdischen Kinderärztin und Forscherin benannten Gebäude arbeiten BIH- und MDC-Gruppen gemeinsam unter einem Dach. Im Ambulanz-, Translations- und Innovationszentrum ATIZ in Berlin-Mitte, das im Juli 2020 Richtfest feierte und Anfang 2022 fertig gestellt werden soll, werden die Gruppen zur Digitalen Medizin, etwa das BIH-Digital Health Center, und weitere Forschungsteams mit Expertinnen und Experten der Charité zusammenarbeiten und das gemeinsame Clinical Study Center untergebracht sein. Ebenfalls in Berlin-Mitte, im Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC, ist der Fokusbereich Single Cells angesiedelt. Die wissenschaftlichen Gruppen in der Regenerativen Medizin werden vorrangig am Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK) in Berlin-Wedding in den Räumen des BCRT forschen. Der Digital Health Accelerator des BIH wird zu Beginn des Jahres 2021 neue Büros am Zirkus in Berlin-Mitte beziehen.

Achtes und abschließendes Statement der Charité: Einzelheiten zur Behandlung von Alexei Nawalny in Fachzeitschrift veröffentlicht

- 23-12-2020

Ärztinnen und Ärzte der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben den russischen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny behandelt. Ein wissenschaftlicher Fallbericht zum Krankheitsverlauf ist jetzt auf Anfrage der Fachzeitschrift The Lancet* publiziert worden. Alexei Nawalny wurde am 22. August 2020 zur medizinischen Behandlung nach Berlin geflogen. Zwei Tage zuvor war er auf einem russischen Inlandsflug akut erkrankt. In der Charité wurde eine schwere Vergiftung mit einem Cholinesterase-Hemmstoff diagnostiziert. Am 2. September 2020 teilte die Bundesregierung mit, dass eine durch die Charité veranlasste Untersuchung in einem Labor der Bundeswehr den Nachweis des Nervengiftes Nowitschok erbracht hatte. Dieser Befund wurde von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bestätigt. Mit Einverständnis Alexei Nawalnys ist das Ärzteteam einer Anfrage der Fachzeitschrift The Lancet gefolgt und veröffentlicht jetzt einen Behandlungsbericht.

Proteinfabriken bei der Arbeit

- 22-12-2020

Die fein regulierte Proteinproduktion der Zelle findet an den Ribosomen statt. Welche Regulatoren steuern diese Abläufe in bestimmten Geweben und auf welche Weise? Das hat jetzt ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin anhand der detaillierten Struktur des Ribosomenkomplexes untersucht. Auf diese Weise konnte das Team einen neuen Regulationsfaktor für die Entwicklung des Gehirns identifizieren, wie jetzt im Fachmagazin Molecular Cell* beschrieben ist. Eine fein ausbalancierte Herstellung von Proteinen – die sogenannte Proteostase – ist vor allem für Nervenzellen von großer Bedeutung. Eine irreguläre Proteinproduktion ist daher ein Kennzeichen vieler Erkrankungen des Gehirns. Insbesondere die frühe Entwicklung der komplexen Großhirnrinde – des Neocortex – erfordert eine örtlich und zeitlich genau regulierte Produktion von Proteinen, insbesondere von Membranproteinen, die bei Zellkontakten und der Verknüpfung von Nervenzellen durch Synapsen eine wichtige Rolle spielen. Das Ribosom steht als molekulare Proteinfabrik im Mittelpunkt dieser Steuerung. Verschiedene Faktoren regulieren während der Entwicklung die spezifische Proteinproduktion in unterschiedlichen Geweben und zu bestimmten Zeitpunkten. Das dynamische Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren am Ribosom ist weitgehend unverstanden. Einer Forschungsgruppe der Charité ist es nun jedoch gelungen, die Proteinproduktion an den Ribosomen im Gehirn nachzuverfolgen. „Erstmals konnten wir die Ribosomenstruktur im Gehirn mit nahezu atomarer Auflösung in Aktion darstellen“, sagt Prof. Dr. Christian Spahn, Direktor des Instituts für Medizinische Physik und Biophysik an der Charité. „Die Gesamtstruktur des Ribosoms wurde zwar bereits in anderen Geweben oder anderen Organismen aufgeklärt, nur auf diese Weise konnten wir jedoch Ebp1 als neuen zentralen Faktor identifizieren, der die Ribosomenfunktion und die Herstellung bestimmter Proteine während der Hirnentwicklung kontrolliert.“ Das Regulatorprotein Ebp1 – das ErbB3-Bindeprotein 1 – kontaktiert das Ribosom an dessen Tunnelausgang, wo ein neu entstehendes Protein das Ribosom verlässt. Auf diese Weise beeinflusst der Regulator insbesondere die Produktion von Membranproteinen, die für Zellkontakte von Bedeutung sind, und hält damit die neuronale Proteostase aufrecht. In einem multidisziplinären Projekt verbanden die Forschenden Strukturbiologie mit Neurowissenschaften und kombinierten Kryo-Elektronenmikroskopie (Kryo-EM) als zentrale Technik mit Massenspektrometrie, RNA-Sequenzierung und genetischen Methoden. Mithilfe der Kryo-EM-Technik lassen sich Proteinstrukturen – insbesondere große Anordnungen mehrerer Moleküle – bei sehr niedrigen Temperaturen unter nahezu physiologischen Bedingungen bestimmen. Der Neurowissenschaftler Dr. Dr. Matthew L. Kraushar vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG) in Berlin, Erstautor der Publikation und zuvor Wissenschaftler im Labor von Prof. Spahn, erklärt: „Uns war es so möglich, die Molekülarchitektur des Ribosoms hochaufgelöst und so zu betrachten, wie sie in den Nervenzellen vorliegt. Dabei konnten wir Schnappschüsse von verschiedenen Funktionsmechanismen des Ribosoms einfangen.“ „Die Proteinproduktion der verschiedenen Zelltypen im Gehirn ist präzise reguliert, kleine Veränderungen können zu folgenschweren Konsequenzen wie neurodegenerativen Erkrankungen und Entwicklungsstörungen führen. Mit unseren Erkenntnissen zur Rolle der Ribosomen während der normalen Hirnentwicklung können wir zukünftig auch die krankhaften Veränderungen des Gehirns besser verstehen“, sagt Prof. Spahn. Als nächstes wollen die Forschenden durch groß angelegte Analysen genau verstehen, wie das Ribosom während der Entwicklung des Gehirns die Produktion der verschiedenen benötigten Proteine kontrolliert.

Am Biotech-Spitzenstandort Wedding entstehen zwei hochinnovative Gebäude für die medizinische Forschung

- 22-12-2020

Gemeinsame Pressemitteilung von Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung, Charité und TU Berlin Miniatur-Organe aus dem 3D-Drucker oder lebende Medikamente – was wie Zukunftsmusik klingt, soll in Berlin-Wedding Realität werden. Dafür entstehen an der Seestraße direkt nebeneinander zwei Forschungszentren für knapp 68 Millionen Euro. Hier erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künftig Biotechnologien und völlig neue medizinische Ansätze. Am „Berlin Center for Advanced Therapies“ (BeCAT) werden Forscherinnen und Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin die Arzneimittel der nächsten Generation entwickeln. Direkt vis-à-vis arbeiten ihre Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Forschenden der Technischen Universität Berlin künftig daran, humane Zell- und Organfunktionen mithilfe von Technologien wie 3D-Kultivierung, Multi-Organ-Chips oder 3D-Bioprinting zu modellieren. Dafür entsteht das Forschungszentrum „Der Simulierte Mensch“ (Si-M) mit insgesamt 3.770 Quadratmetern Nutzungsfläche, rund ein Drittel davon für Labore. Die Weiterentwicklung menschlicher Organmodelle kann auch einen wichtigen Beitrag zur weiteren Reduzierung von Tierversuchen leisten. Die Fertigstellung der beiden Gebäude ist für 2023 geplant.  Der Biotech- und Medizinstandort im Berliner Nordwesten verdichtet sich zunehmend. Die zwei neuen Forschungszentren entstehen auf dem neu erschlossenen nördlichen Teil des Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK). In der direkten Umgebung wird auch das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) an der Südseite des CVK für rund 400 Mio. Euro errichtet, sowie ein hochmodernes Laborgebäude für die lebenswissenschaftliche Lehre und Forschung der Beuth Hochschule für Technik im Umfang von 86 Mio. Euro. Zudem plant die Charité in direkter Nachbarschaft ein neues Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT). Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Charité, hierzu: „Berlin-Wedding wird immer mehr zum Biotech-Spitzenstandort. Die Forschungszentren, die hier mit Landes- und Bundesmitteln entstehen, haben das Potenzial, die Zukunft der Medizin ganz entscheidend zu prägen. Von dieser Zusammenarbeit unserer Forscherinnen und Forscher profitiert der ganze Innovationsstandort Berlin und vor allem natürlich Patientinnen und Patienten.“   Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité: „Der Forschungscampus Seestraße wächst und entwickelt sich dynamisch zu einem Spitzenstandort für Medizin und Biotechnologie in Berlin mit einem Fokus auf zellbasierten Therapien. Der hier verfolgte Forschungsansatz leistet zudem einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung von Alternativmethoden zu Tierversuchen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die hier fachübergreifend, translational und gemeinsam forschen, werden räumlich beste Bedingungen für ihre Projekte vorfinden. Die Neubauten sind dabei so konzipiert, dass sie die Forschungsarbeiten optimal unterstützen, denn wissenschaftliche und architektonische Komponenten sind gleichermaßen in die Planungen eingeflossen. Das ist echter ‚State of the Art‘ – und wir sind fest davon überzeugt, dass mit dem neuen Forschungscampus ein entscheidender Beitrag für die medizinische Forschung auf exzellentem Niveau geleistet wird. Für das Land Berlin und darüber hinaus möchten wir die Gesunderhaltung auf ein neues Level bringen.“  „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Forschungszentrum „Der Simulierte Mensch“ forschen unmittelbar an der Schnittfläche von Biotechnologie und Medizin und können so ganz neue Impulse liefern. Nur die enge, interdisziplinäre Kooperation der Expertinnen und Experten der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der TU Berlin an einem gemeinsamen Ort macht diese innovative Art der Forschung überhaupt möglich. Ich bin überzeugt, dass davon am Ende die gesamte Wissenschaftslandschaft in Berlin profitiert“, sagt Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität Berlin.  Forschung am „Simulierten Menschen“  Seit über 100 Jahren setzt die Medizin zur Erforschung neuer Medikamente und Therapien auf Tiere als Modell für den menschlichen Körper und hat dadurch wichtige Fortschritte erzielt. Jetzt haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des  Si-M zum Ziel gesetzt, neue Technologien zu entwickeln, die es in vielen Bereichen ermöglichen könnten, Tierversuche durch sogenannte humane Modellsysteme zu ersetzen. Mit ihrer Hilfe sollen die komplexen Mechanismen der menschlichen Gesundheit und die Entstehung von Krankheiten simuliert werden. Die Charité und Technische Universität Berlin forschen dafür gemeinsam an der Schnittstelle von Ingenieurwissenschaften und Medizin und entwickeln neue Methoden und technologische Ansätze. So können Gewebe, Organe, Zellen oder Zellbestandteile mit innovativen Methoden wie „Organ-on-a-chip“, 3D-Bioprinting oder Einzelzellanalyse simuliert werden.  Forschung des "Berlin Center for Adanced Therapies" Die Entwicklung von Arzneimitteln war bisher häufig darauf ausgerichtet, die Symptome einer Krankheit zu bekämpfen, nicht aber die eigentliche Ursache. Zellbasierte neuartige Therapien, auch „Advanced Therapies“ genannt, sind mit herkömmlichen Medikamenten nicht zu vergleichen, denn es geht nicht mehr um synthetische Substanzen zur Linderung von Symptomen, sondern um gezielte Zellpräparate zur Wiederherstellung der Gesundheit von Patientinnen und Patienten. Häufig auch als „lebende Medikamente“ bezeichnet, eröffnen sie völlig neue Möglichkeiten der Behandlung von bisher nicht heilbaren Erkrankungen. Am BeCAT wird die Berliner Expertise in der Technologie- und klinischen Entwicklung von Advanced Therapies zusammengeführt und auf ein international führendes Niveau gebracht.  Si-M und BeCAT sind zwei von derzeit sechs Forschungsbauten in Berlin, die nach Artikel 91b GG finanziert werden. Die Gesamtkosten von insgesamt 34 Millionen Euro für das Si-M und von 30 Millionen Euro für das BeCAT werden demnach jeweils zur Hälfte von Bund und Land getragen. Mit zusätzlichen Mitteln des Programms „Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt“ (SIWANA) in Höhe von 3,8 Millionen Euro werden vorab grundlegende Infrastrukturen und die Anbindung der Bauten an den Charité Campus Virchow-Klinikum errichtet. In einem ersten Bauabschnitt wird derzeit ein unterirdischer Technikbau errichtet, der die zwei Forschungsbauten miteinander verbindet und unter anderem die Strom-, Wärme- und Wasserversorgung beinhalten soll. 

ARD-Serie „Charité“: Dritte Staffel startet im Januar

- 17-12-2020

Die sechs neuen Folgen der historischen Charité-Serie spielen in den Tagen des Mauerbaus: Die Charité wird in der Nacht zum 13. August 1961 zum unmittelbaren Grenzgebiet – wasserseitig werden die Gebäude zugemauert. Die dritte Staffel thematisiert im Mikrokosmos Charité eine weitere historische Umbruchphase, in der die Menschen nicht nur medizinisch gefordert sind, sondern auch politisch, moralisch und persönlich Haltung zeigen müssen.  Fiktive Hauptfigur ist die junge Ärztin Ella Wendt (Nina Gummich), die aufgrund des Weggangs zahlreicher Ärzte und Pflegekräfte an die Charité beordert wird. Sie hofft, an der Charité ihre Forschung zur Krebsfrüherkennung anhand bestimmter Blutgruppenmerkmale voranzubringen und sucht Kontakt zu Prof. Dr. Otto Prokop (Philipp Hochmair), der einen herausragenden Ruf als Serologe genießt. Prokops eigentliches Arbeitsfeld ist jedoch die Gerichtsmedizin. Seine Obduktionen tragen zur Klärung von Kriminalfällen bei, bald liegen auch die ersten „Mauertoten“ auf seinem Tisch. Eine weitere historische Figur ist die Kinderärztin Dr. Ingeborg Rapoport (Nina Kunzendorf), die als Spezialistin der Säuglingsmedizin einen visionären Ansatz entwickelt, um die Säuglingssterblichkeit zu senken. Damit eckt sie immer wieder bei dem konservativ denkenden Gynäkologen Prof. Dr. Helmut Kraatz (Uwe Ochsenknecht) an. Die ARD zeigt die sechs Folgen der Fernsehserie ab 12. Januar 2021 jeweils dienstags in Doppelfolgen um 20:15 Uhr. Ab 5. Januar ist die komplette Staffel in der Mediathek abrufbar. Im Anschluss an die Ausstrahlung der ersten beiden Folgen zeigt die ARD die begleitende Dokumentation „Die Charité – Ein Krankenhaus im Kalten Krieg“, ein Film von Dagmar Wittmers. Regie führte Christine Hartmann nach den Drehbüchern von Stefan Dähnert, Regine Bielefeldt und John-Hendrik Karsten, nach einer Konzeption von Sabine Thor-Wiedemann, Christine Otto und Jakob Hein. Als Fachberater standen den Serienmachern die Charité-Experten Prof. Dr. Thomas Schnalke, Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité, Dr. Sven Hartwig, Abteilungsleiter Forensische Toxikologie, Dr. Rainer Herrn vom Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, sowie Prof. Dr. Michael Tsokos, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin, zur Seite und sorgten für eine inhaltliche Konsistenz und größtmögliche Authentizität der Handlung. 

Die menschlichen Helfer von SARS-CoV-2

- 16-12-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Berlin Institute of Health (BIH) Wie alle Viren ist auch das neue Coronavirus auf die Hilfe der menschlichen Wirtszelle angewiesen. Die Funktionsträger der Zelle, die Proteine, ermöglichen als Rezeptoren dem Virus den Eintritt in die Wirtszelle oder helfen ihm bei seiner Vermehrung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und vom Berlin Institute of Health (BIH) haben nun gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Großbritannien, Deutschland und den USA in einer großen Studie die entsprechenden Gene der Helferproteine untersucht. Dabei stießen sie auf eine Vielzahl an Varianten, die die Menge oder die Funktion der Proteine beeinflussen und damit auch ihre Fähigkeit, das Virus zu unterstützen. Sie verraten somit mögliche Zielstrukturen für neue Medikamente. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden nun in der Zeitschrift Nature Communications* veröffentlicht. Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 verläuft – wie jede Virusinfektion – nach einem bestimmten Schema ab: Zunächst binden die Viren an Rezeptor-Proteine auf der Oberfläche der menschlichen Wirtszellen in Rachen, Nase oder Lunge, anschließend gelangen sie in die Zelle hinein, wo sie sich mithilfe der Wirtszellmaschinerie vermehren. Die neu gebildeten Viruspartikel bringen die befallene Zelle zum Platzen und infizieren weitere Zellen. Sobald das Immunsystem das Geschehen bemerkt, kommt ein Abwehrmechanismus in Gang, mit dem Ziel, sowohl die Viren als auch virusbefallene Zellen zu zerstören und zu entfernen. Läuft alles seinen geregelten Gang, ist die Infektion normalerweise nach zwei Wochen ausgestanden. Für all diese Prozesse ist das Virus allerdings auf Proteine des Menschen bzw. Wirtes angewiesen. „Bei schweren COVID-19-Verläufen ist dieser geregelte Gang außer Kontrolle geraten und das Immunsystem verursacht eine überschießende Entzündungsreaktion, die nicht nur virusbefallene Zellen angreift, sondern auch gesundes Gewebe“, sagt Prof. Dr. Claudia Langenberg, BIH-Professorin für Computational Medicine und Leiterin der jetzt publizierten Untersuchung. „Natürlich vorkommende Variationen der Gene, die den Bauplan für diese menschlichen Eiweiße beeinflussen, können ihre Konzentration oder Funktion verändern und somit eine Ursache für den unterschiedlichen Verlauf der Erkrankung sein“, sagt Prof. Langenberg. Das Team kennt sich aus mit genetischen Varianten, die die Konzentration oder Struktur von Proteinen und anderen Molekülen im menschlichen Blut beeinflussen. „Als molekulare Epidemiologen untersuchen wir die Vielfalt in den Genen, also den Bauanleitungen der Proteine ganzer Bevölkerungsgruppen, um so Anfälligkeiten für Krankheiten aufzudecken, deren Ursache im Zusammenspiel vieler kleiner Abweichungen liegt“, erklärt die Wissenschaftlerin, die erst im September von der Medical Research Council Epidemiology Unit an der University of Cambridge ans BIH wechselte. „Diese Erfahrungen und Datensätze wollten wir nun für die COVID-19-Epidemie nutzen und der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung stellen.“ „Wir haben 179 Proteine, von denen bekannt war, dass sie bei einer SARS-CoV-2-Infektion beteiligt sind, auf ihre natürlich vorkommenden Varianten untersucht“, berichtet Dr. Maik Pietzner, Erstautor der Studie und Wissenschaftler bei Prof. Langenberg im Labor. „Wir konnten dabei schon auf Ergebnisse zurückgreifen, die auf Proben von den ersten COVID-19-Patientinnen und -Patienten der Charité beruhten.“ Das war möglich durch die enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Markus Ralser, Direktor des Instituts für Biochemie der Charité, die dazu schon zuvor Ergebnisse publizieren konnte. Das Team von Prof. Langenberg konnte Daten einer umfangreichen Bevölkerungsstudie nutzen, die MRC-Fenland-Kohorte, die Informationen von mehr als 10.000 Studienteilnehmenden enthält. Dabei entdeckten sie 38 Zielstrukturen für bereits verfügbare Medikamente sowie Hinweise darauf, dass bestimmte Proteine, die mit dem Virus interagieren, auch das Immunsystem beeinflussen. „Unsere Ergebnisse helfen zudem, Risikofaktoren für mitunter schwere Verläufe von COVID-19 besser zu verstehen, so konnten wir zeigen, dass Proteine der Blutgerinnung von der gleichen genetischen Variante beeinflusst werden, die auch das Risiko, an COVID-19 zu erkranken, erhöht und die ursächlich die Blutgruppe 0 bestimmt“, berichtet Dr. Pietzner.  Die Ergebnisse hat das Team sofort auf einem Webserver, der mit Kolleginnen und Kollegen des Helmholtz Zentrum München entwickelt wurde, öffentlich zur Verfügung gestellt (https://omicscience.org/apps/covidpgwas/). Seither nutzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in aller Welt die Daten, um Zielstrukturen für neue Medikamente zu identifizieren oder um den Verlauf von COVID-19 besser zu verstehen. „Noch bevor unsere Arbeit offiziell veröffentlicht wurde, sind bereits Artikel erschienen, die unsere Erkenntnisse nutzen“, freut sich Prof. Langenberg. „Genau das haben wir uns erhofft!“

Antigentests: Wären Selbstabstriche zuverlässig?

- 11-12-2020

Unter bestimmten Bedingungen kann für einen Antigen-Schnelltest ein Selbstabstrich aus der vorderen Nase eine verlässliche Alternative zu einem professionellen Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum sein. Das konnte ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Universitätsklinikums Heidelberg jetzt zeigen. Die Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin European Respiratory Journal* erschienen. Antigen-Schnelltests sind zwar weniger genau als PCR-Tests, können aber durch ihre Schnelligkeit und einfache Durchführung einen wichtigen ergänzenden Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten und den Alltag in bestimmten Situationen risikoärmer gestalten. Antigen-Schnelltests können innerhalb von weniger als 30 Minuten direkt vor Ort Aufschluss darüber geben, ob eine Person zum Testzeitpunkt mit SARS-CoV-2 infiziert ist und andere Menschen anstecken könnte. Die Tests könnten so beispielsweise den Besuch eines Familienmitglieds im Pflegeheim oder Krankenhaus sicherer machen. Dennoch werden sie bisher noch nicht weitflächig eingesetzt. Einer der Gründe: Ihr Einsatz ist in den meisten Fällen bisher nur möglich, wenn die Probe von medizinischem Personal aus dem Nasen-Rachen-Raum entnommen wurde. „Ein solcher professioneller Nasen-Rachen-Abstrich ist aus zwei Gründen eine Hürde für den breiten Einsatz von Antigen-Schnelltests“, sagt Prof. Dr. Frank Mockenhaupt, kommissarischer Direktor des Instituts für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit der Charité. „Erstens ist ein tiefer Nasenabstrich für viele Menschen unangenehm, sie werden eine regelmäßige Testung deshalb vielleicht eher meiden. Zweitens bindet der Abstrich medizinisches Personal, ist organisatorisch aufwendig und benötigt eine Schutzausrüstung.“ Zusammen mit Privatdozentin Dr. Claudia Denkinger, Leiterin der Sektion Klinische Tropenmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg, hat Prof. Mockenhaupt deshalb eine Studie aufgesetzt, um einen Selbstabstrich aus der vorderen Nase unter medizinischer Anleitung als mögliche Alternative zu einem professionellen tiefen Nasenabstrich zu prüfen. Die Untersuchung fand zwischen Ende September und Mitte Oktober in der Coronavirus-Untersuchungsstelle der Charité statt. Menschen mit SARS-CoV-2-typischen Symptomen, die an der Studie teilnehmen wollten, erhielten vom medizinischen Personal zunächst Instruktionen für den Selbstabstrich. Danach sollten die Studienteilnehmenden einen Tupfer in 2 bis 3 Zentimeter Tiefe für 15 Sekunden in kreisenden Bewegungen an den Innenwänden ihrer Nase entlangführen. Anschließend entnahm das Personal von den Erkrankten einen tiefen Nasenabstrich (nasopharyngeal). Beide Proben wurden vor Ort auf einen in Deutschland zugelassenen Antigen-Schnelltest aufgetragen und die Ergebnisse miteinander verglichen. Zusätzlich nahm das Personal einen kombinierten Abstrich aus dem Mund- und Nasen-Rachen-Raum, um per PCR eine Referenz-Diagnose auf SARS-CoV-2-Infektion stellen zu können. 39 der 289 Studienteilnehmer (13,5 Prozent) erwiesen sich auf Basis der PCR-Testung als infiziert mit SARS-CoV-2. Bei 31 von ihnen (knapp 80 Prozent) schlug auch der Antigen-Schnelltest an, wenn die Probe professionell tief aus der Nase entnommen wurde. Der Selbstabstrich aus der vorderen Nase lieferte bei 29 von den Infizierten (rund 74 Prozent) das korrekte Ergebnis. „Dass Antigen-Schnelltests nicht so sensitiv sind wie die PCR, hatten wir natürlich erwartet“, sagt Privatdozentin Dr. Denkinger. „Bei genauerem Hinsehen hatten die Antigentests insbesondere in den Fällen eine Infektion übersehen, in denen die Patienten nur eine geringe Viruslast hatten.“ Betrachtete das Forschungsteam dagegen nur die Erkrankten mit einer hohen Viruslast, schlugen die Antigentests bei tiefen Nasenabstrichen jedes Mal an, bei den Selbstabstrichen in knapp 96 Prozent der Fälle. „Die Studie zeigt uns, dass die angeleiteten Selbstabstriche für den untersuchten Antigentest nicht schlechter als professionelle Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum sind“, erklärt Privatdozentin Dr. Denkinger. „Festere Tupfer, die sich besser für den Abstrich im Nasenvorhof eignen, könnten die Genauigkeit des Tests noch erhöhen.“ Im November machte der Bund rechtlich den Weg frei für den erweiterten Einsatz von Antigen-Schnelltests – sie können nun grundsätzlich auch durch geschultes Personal an Kitas und Schulen eingesetzt werden**. „Mit den neuen rechtlichen Möglichkeiten fällt die Abhängigkeit von medizinischem Personal weg“, sagt Privatdozentin Dr. Denkinger. „Das macht die Antigen-Schnelltests skalierbarer. Wissenschaftliche Daten zu Selbstabstrichen wie in dieser Studie dürften den Entscheidungsträgern helfen, neue Konzepte zu implementieren.“ Prof. Mockenhaupt ergänzt: „Die Schnelltests sind eine wichtige Ergänzung der angespannten PCR-Testkapazitäten. Allerdings sind Selbstabstriche und Selbsttestungen nicht unkritisch: Eine fehlerhafte Durchführung oder ein falsches Ablesen kann eine falsche Sicherheit nach sich ziehen. Andererseits sollte ein positiver Schnelltest durch eine PCR bestätigt werden.“ Im nächsten Schritt wird das Forschungsteam deshalb untersuchen, ob Antigen-Schnelltests auch dann zuverlässige Ergebnisse liefern, wenn sie von Laien komplett ohne professionelle Unterstützung durchgeführt werden.

Einstein Award for Promoting Quality in Research

- 08-12-2020

Es ist ein neuer und bislang einzigartiger Preis, den die Einstein Stiftung Berlin zum ersten Mal auslobt: Der internationale Award for Promoting Quality in Research widmet sich dem Thema Qualitätssicherung in der Forschung. Es sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Institutionen ausgezeichnet werden, die grundlegend zur Verbesserung der Qualität von Forschung und Belastbarkeit von Forschungsergebnissen beitragen. Das Preisbüro leitet Prof. Dr. Ulrich Dirnagl, Gründer des QUEST Center am BIH und Leiter der Abteilung für Experimentelle Neurologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Der Preis ist mit insgesamt 500.000 Euro pro Jahr dotiert und wird durch die Damp Stiftung zur Verfügung gestellt. Der Verlag Nature Research unterstützt die Ausschreibung und Etablierung des Preises, der erstmalig im November 2021 in Berlin verliehen wird. Evidenzbasierte Forschung, verlässliche Standards für Qualitätssicherung und der ungehinderte Zugang zu neuen Erkenntnissen sind in den Wissenschaften heute wichtiger denn je. Dies ist insbesondere während der Corona-Pandemie einmal mehr deutlich geworden. Welche Hypothesen, Methoden und Datensätze ausgewählt, wie sie eingesetzt werden, und ob eine Studie die Möglichkeit bietet, auf ihr aufzubauen – all dies muss nachvollziehbar und belastbar sein. In der Öffentlichkeit wachsen Interesse und Bewusstsein für das Thema Qualität in der Forschung gleichfalls. Der Einstein Foundation Award for Promoting Quality in Research will dem Rechnung tragen und honoriert Maßnahmen und Vorhaben in allen wissenschaftlichen Disziplinen, die allgemein zur Qualitätsverbesserung in der Forschung beitragen. „Der Award soll ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig es gerade in einer Wissensgesellschaft mit einem beschleunigten Forschungsbetrieb ist, wissenschaftliche Standards nachvollziehbar zu halten und so das Vertrauen in Wissenschaft und Forschung weiter zu stärken“, sagt Günter Stock, Vorstandsvorsitzender der Einstein Stiftung Berlin. Der Preis kann in drei Kategorien, an Einzelpersonen, Institutionen und Nachwuchsforschende, vergeben werden. Der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Dirnagl wird das Preisbüro des internationalen Awards leiten. Er ist Gründungsdirektor des QUEST Center for Transforming Biomedical Research am Berlin Institute of Health (BIH), das sich dem Ziel verschrieben hat, den Wert und Nutzen biomedizinischer Forschung zu steigern. „Dieser hoch dotierte Preis ist eine großartige Gelegenheit, Wissenschaftler, Initiativen und Institutionen hervorzuheben, die dazu beitragen, Wissenschaft vertrauenswürdiger, nützlicher und ethischer zu machen. Das ist weltweit einmalig und wird hoffentlich andere stimulieren, sich mit qualitätsverbessernden Maßnahmen in der Wissenschaft zu befassen“, sagt Prof. Dirnagl. Der Preis wird im November 2021 in Berlin im Rahmen einer Festveranstaltung verliehen. Nominierungen und Bewerbungen sind ab sofort bis zum 31. März 2021 unter www.einsteinfoundation.de/award möglich.

Eine Glaskugel für Erkältungsviren

- 03-12-2020

Lässt sich der Verlauf einer viralen Atemwegserkrankung – beispielsweise verursacht durch Coronaviren – anhand individueller Merkmale der Patientinnen und Patienten vorhersagen? Dieser Frage wird eine Nachwuchsgruppe um Dr. Victor Corman an der Charité – Universitätsmedizin Berlin jetzt nachgehen. Das bereits im vergangenen Jahr beantragte Forschungsvorhaben gewinnt im Zuge der aktuellen Pandemie eine ganz neue Bedeutung. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über fünf Jahre mit knapp zwei Millionen Euro gefördert. Virusinfektionen der Atemwege sind die häufigsten Infektionskrankheiten beim Menschen: Im Schnitt erkranken Erwachsene dreimal, Kinder sechsmal im Jahr. In den meisten Fällen verlaufen die Infektionen mild – hin und wieder führen sie aber zu einer schweren Lungenentzündung, die tödlich sein kann. Eine Frage, die sich seit der COVID-19-Pandemie nicht nur Experten stellen, lautet: Warum sind die Verläufe so unterschiedlich? Und gibt es individuelle Eigenschaften bei den Patientinnen und Patienten, die sich für eine Vorhersage des Krankheitsverlaufs nutzen lassen? Dr. Victor Corman, Wissenschaftler und Arzt am Institut für Virologie am Campus Charité Mitte, setzte sich schon 2019 das Ziel, dieses Thema langfristig zu erforschen – und zwar anhand der landläufigen Corona- und sogenannten Picornaviren. Das Vorhaben mit dem Titel „VARIPath“ reichte er für eine Förderung im BMBF-Programm „Nachwuchsgruppen in der Infektionsforschung“ ein – mit Erfolg. Inzwischen hat sich gezeigt, dass Dr. Corman mit seinem Antrag Weitblick bewiesen hat. Denn der Bedarf, den Krankheitsverlauf bei Infektionen mit Atemwegsviren wie SARS-CoV-2 vorauszusagen, ist heute offensichtlich. Zwei Ansatzpunkte will der Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und stellvertretende Leiter des Konsiliarlabors für Coronaviren an der Charité in seiner neuen Forschungsgruppe verfolgen, um einer Vorhersage des Krankheitsverlaufs näher zu kommen: Die Analyse von Eigenschaften des Virus einerseits und des individuellen Immunsystems andererseits. „Wenn sich ein Atemwegsvirus im Menschen vermehrt, kommt es immer zu geringfügigen Mutationen in der Viruspopulation“, erklärt Dr. Corman. „Wir wollen herausfinden, ob sich aus den Merkmalen der Viruspopulationen eine Prognose für die Erkrankten ableiten lässt.“ Der Mediziner wird modernste Methoden der Hochdurchsatz-Sequenzierung nutzen, um eine solche Evolution des Virus im Patienten im Detail analysieren zu können. Dabei wird er sich insbesondere auf Picornaviren und Coronaviren konzentrieren. Beide Virusarten speichern ihre Erbinformation in Form von RNA, zeigen aber sehr unterschiedliche Mutationsraten. Während Coronaviren nur langsam mutieren, verändert sich das Erbgut von Picornaviren deutlich schneller. Zusätzlich zur ursprünglich vorgesehenen Untersuchung bislang bekannter und verbreiteter Coronaviren wie HCoV-NL63 oder HCoV-OC43 wird Dr. Corman auch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 in seine Studien aufnehmen. Parallel plant der Forscher, individuelle Eigenschaften der Immunreaktion bei verschiedenen Patientinnen und Patienten zu analysieren. Dazu will er beispielsweise per Genanalyse kartieren, gegen welche Oberflächenstrukturen des Virus sich einzelne Immunzellen, die sogenannten B- und T-Zellen, richten. Ebenso untersucht werden soll die Antikörper-Antwort sowie die Ausschüttung verschiedener Immun-Botenstoffe, der Zytokine. „Für all diese Parameter werden wir dann überprüfen, ob sie beispielsweise Voraussagen über eine Arbeitsunfähigkeit, eine zusätzliche bakterielle Infektion oder einen Aufenthalt auf der Intensivstation zulassen“, erläutert Dr. Corman.  „Solche prognostischen Parameter könnten anschließend dabei helfen, Behandlungsstrategien frühzeitig anzupassen und Krankheitsverläufe positiv zu beeinflussen.“

Charité 2030: Innovation und konsequente Weiterentwicklung

- 30-11-2020

Mit der „Strategie 2030 – Gesundheit neu denken“ startet die Charité – Universitätsmedizin Berlin aktiv in die kommenden Jahre. Das Konzept für die innovative und wegweisende Weiterentwicklung von Forschung, Lehre und Gesundheitsversorgung wurde heute vorgestellt. Ziel ist die aktive Positionierung der Charité als führende Institution in ihren Kernbereichen Ausbildung, Forschung, Translation und Gesundheitsversorgung. Die Charité möchte die Entwicklungen in der Biomedizin und im Gesundheitssystem im Interesse der Menschen in Berlin und in Deutschland weiterhin aktiv mitgestalten. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, Senator für Wissenschaft und Forschung sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Charité, betonte: „Die Charité ist eine zentrale Partnerin für unser Vorhaben, Berlin zu einer führenden Gesundheitsmetropole zu entwickeln, die für medizinischen Fortschritt, hervorragende Fachkräfte und eine zukunftsorientierte Versorgung steht. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits viel gemeinsam erreicht und wollen diesen Weg konsequent weitergehen. Die Strategie Charité 2030 ist dafür ein wichtiger Kompass und ich danke allen, die heute und künftig daran arbeiten, diese Vision Schritt für Schritt umzusetzen.“ Der Strategieprozess für dieses Jahrzehnt wurde von Prof. Dr. Heyo K. Kroemer gemeinsam mit dem gesamten Vorstand im letzten Herbst initiiert. Aus einer gründlichen Analyse der Ausgangslage und der Trends im Gesundheitswesen sowie internen Interviews und Befragungen wurden Schwerpunkte identifiziert und priorisiert. Dabei geht es insbesondere um eine werteorientierte Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung, die Entwicklung zielgerichteter Therapie- und Präventionskonzepte sowie tragfähige und relevante Forschungsergebnisse. Wesentlich ist zudem die Konzeptionierung einer dazugehörigen Digitalisierungsstrategie. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, bekräftigte, dass es gerade jetzt in der Pandemiezeit darum geht, die Zukunft fest im Blick zu behalten: „Auch die kommenden Monate werden von den Herausforderungen der COVID-19-Pandemie geprägt und die Charité stark eingebunden sein – sowohl in der medizinischen Versorgung als auch in der Forschung. Doch gerade in Zeiten einer herausfordernden Pandemie zeigt sich, wie wichtig und unabdingbar eine zukunftsfähige Strategie ist. Zusätzlich hat die Pandemie gezeigt, dass eine Organisation in der Lage sein muss, mit gänzlich unerwarteten Anforderungen schnell und agil umzugehen und dabei zugleich den Blick nach vorne nicht verlieren darf.“ Entstanden sind ein neues Zielbild und die Vision für die Charité. Der Leitgedanke des Strategiekonzepts Charité 2030 ist „Gesundheit neu denken – Rethinking Health“. Folgende sechs Strategiefelder sind die Basis für die strategische Festlegung und Umsetzung in den kommenden Jahren. Das Strategiefeld… •    …Medizin der Zukunft steht im Zentrum der strategischen Ausrichtung. Im Fokus sind dabei die Translation von wissenschaftlicher Erkenntnis in die klinische Versorgung und der Transfer von gesundheitsförderndem Wissen in die Gesellschaft. •    …Gesundheitsversorgung steht für die menschlich zugewandte und wissenschaftsbasierte Form der Gesundwerdung und Gesunderhaltung. Die Charité setzt auf ein komplementäres Schwerpunktkonzept aus universitärer Spitzenmedizin und wohnortnaher Maximalversorgung. •    … Innovation und Forschung steht für die Translation als zentrales Merkmal sowie die strategischen Forschungsfelder zur weiteren Profilbildung. •    … Menschen und Bildung steht für Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten an der Charité. •    … Standorte, Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit steht für ein eigenes, differenzierendes Profil für jeden klinischen Campus sowie die gezielte bauliche Weiterentwicklung. •    … Interne Transformation steht für die neue Ausgestaltung der Organisations- und Steuerungsmechanismen sowie den Ausbau der Rolle der Charité als Gesprächspartnerin und Expertin. Konkreter Anlass für die Weiterentwicklung der strategischen Ausrichtung der Charité ist der Änderungsbedarf im Gesundheitssystem, der sich aus den Folgen der demografischen Entwicklung und dem Umgang mit den Fortschritten in der Biomedizin sowie der Digitalisierung als zentraler Herausforderung dieser Dekade ergeben hat. Zudem wird erwartet, dass sich aus der steigenden globalen Mobilität und den klimatischen Veränderungen weitere gesundheitliche Konsequenzen ergeben, die zu grundlegend neuen Aufgabenstellungen führen werden. Prof. Kroemer ergänzte seine Vision für die Berliner Universitätsmedizin: „Die Charité wird eine führende Institution in den Kernbereichen Ausbildung, Forschung, Translation und Gesundheitsversorgung sein. Zudem wird sie gemeinsam mit den Partnereinrichtungen eine Triebfeder der Entwicklung der regionalen und bundesweiten Gesundheitsversorgung sowie zugleich eine innovative und wirtschaftlich gesunde Organisation sein.“   Der wichtigste und erste Schritt für Prof. Kroemer ist: „Wir müssen zusammen Gesundheit neu denken, denn nur zusammen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können wir den Weg nach vorn antreten, um langfristig etwas zu bewirken. Daher wird die interne Kommunikation in den nächsten Wochen und Monaten den größten Raum im Strategieprozess einnehmen.“

Wie SARS-CoV-2 in das Gehirn gelangt

- 30-11-2020

Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat anhand von Gewebeproben verstorbener COVID-19-Patienten analysiert, auf welche Weise das neuartige Coronavirus ins Gehirn eindringen kann und wie das Immunsystem dort auf das Virus reagiert. Die jetzt in Nature Neuroscience* veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass SARS-CoV-2 über die Nervenzellen der Riechschleimhaut in das Gehirn übertritt. Den Forschenden ist es dabei erstmals gelungen, elektronenmikroskopische Aufnahmen intakter Coronaviruspartikel in der Riechschleimhaut anzufertigen. Dass COVID-19 nicht allein eine Atemwegserkrankung ist, gilt mittlerweile als gesichert. Nicht nur die Lunge, das Herz-Kreislauf-System oder den Magen-Darm-Trakt, sondern auch das zentrale Nervensystem kann SARS-CoV-2 beeinträchtigen: Mehr als ein Drittel der COVID-19-Betroffenen berichten über neurologische Symptome wie Geruchs- und Geschmacksverlust, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schwindel und Übelkeit. Vereinzelt kommt es auch zu Schlaganfällen und anderen schwerwiegenden Erkrankungen. Forschende haben die Ursache dafür darin vermutet, dass das Virus in das Gehirn eindringt und dort bestimmte Zellen befällt. Doch wie gelangt SARS-CoV-2 dorthin? Unter Leitung von Dr. Helena Radbruch vom Institut für Neuropathologie der Charité und Prof. Dr. Frank Heppner, Direktor desselben Instituts, hat ein multidisziplinäres Forschungsteam den Eintritt des Virus in das Nervensystem und seinen weiteren Weg im Gehirn jetzt nachgezeichnet. Dazu untersuchten Experten aus Neuropathologie, Pathologie, Rechtsmedizin, Virologie und der klinischen Versorgung die Gewebeproben von 33 Menschen, die an der Charité oder der Universitätsmedizin Göttingen infolge einer COVID-19-Infektion verstorben waren – im Schnitt in einem Alter von knapp 72 Jahren. Mit modernsten Methoden analysierten die Forschenden Proben aus der Riechschleimhaut sowie vier verschiedenen Hirnregionen: Sowohl im Gewebeverbund als auch in einzelnen Zellen fahndeten sie nach dem Erbgut von SARS-CoV-2 sowie einem Protein der Virushülle – dem sogenannten Spike-Protein. Dem Team gelang es so, das Virus in verschiedenen neuroanatomischen Strukturen nachzuweisen, die Auge, Mund und Nase mit dem Hirnstamm verbinden. Die höchste Viruslast zeigte sich dabei in der Riechschleimhaut. Dort konnte das Forschungsteam mithilfe von Spezialfärbungen und elektronenmikroskopischen Aufnahmen auch erstmals intakte Coronaviruspartikel sichtbar machen: Sie fanden sich sowohl im Inneren von Nervenzellen als auch auf den Fortsätzen der dort ansässigen Deckzellen. Für diese Analysen elementar war eine ausgezeichnete Gewebequalität, die die Forschungsgruppe durch eine enge Abstimmung zwischen krankenversorgenden und pathologischen Bereichen und eine ausgefeilte Infrastruktur erreichte. „Auf Basis dieser Daten gehen wir davon aus, dass SARS-CoV-2 die Riechschleimhaut als Eintrittspforte ins Gehirn benutzen kann“, sagt Prof. Heppner. Das ist anatomisch auch naheliegend: Hier befinden sich Schleimhautzellen, Blutgefäße und Nervenzellen sehr nah beieinander. „Von der Riechschleimhaut aus nutzt das Virus offenbar neuroanatomische Verbindungen wie beispielsweise den Riechnerv, um das Gehirn zu erreichen“, ergänzt der Neuropathologe. „Wichtig zu betonen ist aber, dass die von uns untersuchten COVID-19-Betroffenen per Definition – sie gehören zu der kleinen Gruppe von Patientinnen und Patienten, die letztlich daran versterben – einen schweren Verlauf gezeigt hatten. Die Ergebnisse unserer Studie können deshalb nicht zwangsläufig auf leichte oder mittelschwere Fälle übertragen werden.“ Noch nicht abschließend geklärt ist, wie exakt das Virus sich von den Nervenzellen weiterbewegt. „Unsere Daten sprechen dafür, dass das Virus von Nervenzelle zu Nervenzelle wandert, um das Gehirn zu erreichen“, erklärt Dr. Radbruch. „Vermutlich wird das Virus aber gleichzeitig auch über das Blutgefäßsystem transportiert, da sich auch in den Gefäßwänden im Gehirn Virus nachweisen ließ.“ SARS-CoV-2 ist dabei nicht das einzige Virus, das über bestimmte Bahnen ins Gehirn gelangen kann. „Andere Beispiele hierfür sind Herpes-simplex-Viren und das Rabiesvirus, das Tollwut verursacht“, erklärt die Wissenschaftlerin. Die Forschenden untersuchten außerdem, wie das Immunsystem auf den Befall mit SARS-CoV-2 reagiert: So wiesen sie aktivierte Immunzellen im Gehirn und in der Riechschleimhaut nach und entdeckten deren Immun-Signaturen im Hirnwasser. In einigen der untersuchten Fälle stellten sie auch Gewebeschädigungen durch Schlaganfälle fest, die als Folge von Thrombembolien, also Verstopfungen der Gefäße durch Blutpfröpfe, entstanden waren. „In unseren Augen liefert der SARS-CoV-2-Befall der Nervenzellen in der Riechschleimhaut eine gute Erklärung für die typischen neurologischen Symptome von COVID-19-Erkrankten, wie Geruchs- und Geschmacksstörungen“, erklärt Prof. Heppner. „Außerdem haben wir SARS-CoV-2 in Hirnregionen gefunden, die lebenswichtige Funktionen wie zum Beispiel die Atemtätigkeit steuern. Es ist nicht auszuschließen, dass bei schweren COVID-19-Verläufen der Virusbefall in diesen Hirnarealen die Atmung übergeordnet erschwert – zusätzlich zu der Beeinträchtigung der Atemfunktion durch den Virusbefall der Lungen. Ähnliches kann für Herz und Kreislauf gelten.“

Die Faktoren einer erfolgreichen Heilung

- 27-11-2020

Die Knochenregeneration wird als Blaupause für die narbenlose Heilung verstanden. Welche Faktoren und Mechanismen dabei von Bedeutung sind, wie diese zusammenspielen und wie sie sich während des Alterns verändern, untersucht jetzt der neue Sonderforschungsbereich (SFB) „Gesteuerte zelluläre Selbstorganisation zur Verbesserung der Knochenregeneration“, der von der Charité – Universitätsmedizin Berlin getragen wird. Die Erkenntnisse sollen helfen, eine Regeneration bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Das Verbundprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zunächst für vier Jahre mit mehr als 12 Millionen Euro gefördert. Knochengewebe ist eines der wenigen, das zu narbenloser Heilung und damit kompletter Wiederherstellung von Struktur und Funktion fähig ist. Damit ist Knochen auch ein ideales Modellsystem, um generelle Prinzipien körpereigener Heilung und zellulärer Selbstorganisation zu verstehen. Während diese Prozesse bei Jungen und Gesunden grundsätzlich gut funktionieren, verändern sie sich bei älteren oder vorerkrankten Menschen: Mit zunehmendem Alter, Mangel an Bewegung, chronischen Entzündungen und metabolischen Erkrankungen kommt es auch zu einer Veränderung der Knochenheilung. Muskuloskeletale Erkrankungen treten daher bei Älteren häufiger auf. Grundsätzlich werden jedoch alle diese Patienten ähnlich versorgt, obwohl das Heilungspotenzial von Mensch zu Mensch stark variieren kann. Ein tiefergehendes Verständnis der Veränderungen körpereigener Heilungsprozesse aufgrund von Alterung, Stoffwechselerkrankungen oder veränderter Immunantwort – sogenanntes „Immunoaging“ – fehlt weitestgehend. Ein solches Verständnis ist aber Voraussetzung für eine individuelle Behandlung dieser Patientinnen und Patienten. „Der Beginn der Heilung ist für den langfristigen Erfolg ausschlaggebend“, erläutert Prof. Dr. Georg N. Duda, Sprecher des neuen Forschungsverbundes, Direktor des Julius Wolff Instituts für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration an der Charité und BIH-Chair for Engineering Regenerative Therapies. „Wenn die Heilung zu Beginn entgleist, wird dies immer auch dazu führen, dass sie sich verzögert oder ganz ausbleibt. Zentral für eine erfolgreiche Heilung ist eine gut kontrollierte Immunantwort, eine ausreichende Versorgung sowie eine gut strukturierte Gewebegrundsubstanz.“ Bisher wurden diese drei Aspekte – Entzündung, Metabolismus und Mechanik – nur einzeln betrachtet. Der neue SFB 1444 „Gesteuerte zelluläre Selbstorganisation zur Verbesserung der Knochenregeneration – Directed Cellular Self-Organisation for Advancing Bone Regeneration“ soll zu einem besseren Verständnis der beteiligten Mechanismen und ihres koordinierten Zusammenspiels beitragen. Die grundlegenden Mechanismen, die zum Erfolg oder aber zum Scheitern körpereigener Regenerationsprozesse führen, werden hier – am Beispiel der Knochenregeneration – genauer untersucht. So soll entschlüsselt werden, wie die Wechselwirkungen kontrolliert und reguliert werden und wie sie sich während normaler Alterungsprozesse anpassen können, damit Regeneration bis ins hohe Alter möglich bleibt. Das Verbundprojekt bringt führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Grundlagenforschung und Klinik der Charité, des Berlin Institute of Health (BIH), des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), der Freien Universität Berlin, des Zuse-Instituts Berlin (ZIB) sowie des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam zusammen. Insgesamt kooperieren 28 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 16 Projekten. Start des Verbundes ist der 1. Januar 2021. Stellvertretender Sprecher ist Prof. Dr. Hans-Dieter Volk, Direktor des Instituts für Medizinische Immunologie und Sprecher des Regenerativen Schwerpunktes an BIH und Charité (BCRT). „Unser langfristiges Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Entzündung, Metabolismus und Mechanik so zu beeinflussen, dass körpereigene Regeneration selbst in schwierigen Heilungssituationen ermöglicht wird“, sagt Privatdozentin Dr. Katharina Schmidt-Bleek, wissenschaftliche Koordinatorin des SFB. So soll die Voraussetzung für eine verbesserte Risikoabschätzung sowie für personalisierte Therapieansätze für Patientinnen und Patienten geschaffen werden.

Personalisierte Medizin bei Mukoviszidose

- 24-11-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Christiane Herzog Stiftung, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Berlin Institute of Health (BIH) Seltene Mutationen als Ursache einer Mukoviszidose-Erkrankung stehen im Fokus der Arbeiten von Dr. Simon Gräber, Assistenzarzt an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Der Fellow des von der Stiftung Charité geförderten BIH Charité Clinician Scientist Programms erhält den diesjährigen Christiane Herzog Preis der gleichnamigen Stiftung. Mit der Auszeichnung verbunden ist eine Förderung von 50.000 Euro. Der Nachwuchswissenschaftler will sie nutzen, um an der Charité eine Versorgungs- und Forschungsinfrastruktur aufzubauen. Sein Ziel ist es, auch für Patientinnen und Patienten mit seltenen Varianten der Erkrankung eine wirksame Therapie zu finden. Bereits zugelassene, aber auch in der Entwicklung befindliche Substanzen sollen im Labor individuell getestet werden und somit personalisierte Therapien in der Versorgung der Mukoviszidose, auch Cystische Fibrose (CF) genannt, ermöglicht werden. Mukoviszidose ist eine seltene Erbkrankheit, die durch genetische Veränderungen im sogenannten CFTR-Gen, das für einen Ionenkanal in der Zellmembran kodiert, hervorgerufen wird. Allerdings variieren diese Veränderungen. Je nachdem, welcher Abschnitt des Gens betroffen ist, sind die hervorgerufenen Symptome mehr oder weniger stark ausgeprägt. Kürzlich konnte eine internationale klinische Studie unter der Ko-Leitung von BIH-Professor Marcus Mall, Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin der Charité, die Wirksamkeit einer neuen Dreifachtherapie belegen, die etwa 90 Prozent aller Mukoviszidose-Patientinnen und -Patienten hilft. Für die verbliebenen rund zehn Prozent setzt sich nun Dr. Simon Gräber ein. „Wir planen, insgesamt mindestens 50 Mukoviszidose-Patientinnen und -Patienten mit seltenen Mutationen in unser Projekt aufzunehmen“, sagt Dr. Gräber, der am Christiane Herzog Zentrum der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin der Charité forscht. Die Patientinnen und Patienten sollen an der Charité und aus umliegenden Zentren rekrutiert und umfassend untersucht werden: So wollen die Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler etwa die Lungenfunktion messen oder die Lunge mit modernen bildgebenden Verfahren darstellen und die Aktivität des CFTR-Kanals labormedizinisch messen. „Zusätzlich setzen wir vor allem auf die „ex-vivo“-Tests an winzigen Organoiden, die wir individuell aus Zellproben der Patientinnen und Patienten züchten“, so Dr. Gräber. „Diese bieten uns die Möglichkeit, Medikamente auf ihre Wirksamkeit für jeden Betroffenen individuell zu testen.“ Als Substanzen kommen dabei bereits zugelassene Medikamente in Frage, aber auch in Entwicklung befindliche Modulatoren stehen der Arbeitsgruppe durch Kooperationspartner zur Verfügung. Mit seiner Promotionsarbeit startete Dr. Gräber 2008 seine Karriere als CF-Forscher, die er immer neben seiner Tätigkeit als Arzt in der Mukoviszidose-Versorgung fortsetzte. Er zeigt durch seine Tätigkeit, dass „bench to bedside“ in der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Cystischer Fibrose möglich ist: Von Beginn an richtete er seine Forschung an dem Bedarf in der CF-Versorgung aus und generiert umgekehrt aus seiner täglichen Arbeit in der Klinik neue Forschungsfragen. Seit September 2018 wird Gräber im Rahmen des BIH Charité Clinician Scientist Programms gefördert, das von der Stiftung Charité ebenfalls finanziert wird. Prof. Dr. Duska Dragun, Direktorin des BIH Charité Clinician Scientist Programms und Direktorin der BIH Biomedical Innovation Academy, freut sich über den erfolgreichen Teilnehmer: „Herr Gräber deckt durch seine wissenschaftlichen und klinischen Tätigkeiten die gesamte Translationskette ab und er arbeitet in seinem beruflichen Alltag extrem integrativ – dadurch verkörpert er für mich einen beispielhaften Clinician Scientist.“

Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) zu Covid-19: Zahl der Schwerstkranken weiterhin auf sehr hohem Niveau

- 23-11-2020

Gemeinsame Pressemitteilung des VUD und des NUM zu Covid-19 Seit einigen Tagen ist in vielen Universitätskliniken Deutschlands ein etwas verlangsamter Anstieg der Zahlen von stationär behandelten und beatmeten Patientinnen und Patienten zu beobachten. VUD und NUM warnen jedoch weiterhin: Die Zahl der Neuinfektionen muss deutlich sinken. Das ist bisher nicht der Fall. Die Zahlen steigen nach wie vor und die stationären Behandlungszahlen erreichen schon jetzt ein Belastungsniveau in den Kliniken. Das muss dringend wieder reduziert werden. Insbesondere in den Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg, Frankfurt und Köln bleibt die Lage angespannt. In vielen Universitätsklinika stellt sich die Lage wie folgt dar: Erhebliche Teile der Intensivkapazitäten werden für die Versorgung schwer an Covid-19 Erkrankter benötigt. Elektive Behandlungen, die medizinisch nicht dringend sind, werden reduziert. Die betroffenen Patientinnen und Patienten müssen auf unbestimmte Zeit auf ihre Behandlung warten, was für sie in vielen Fällen sehr belastend ist. Hierzu berichtet Prof. Dr. Burkhard Göke, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE): „Wir versuchen intensiv, die generelle medizinische Versorgung im UKE bestmöglich aufrechtzuerhalten. Dennoch müssen bei uns weniger dringliche Operationen und auch ambulante Termine verschoben werden. Wir reagieren damit auf die dynamische und ernstzunehmende Lage.“ Die Arbeit auf den entsprechenden Intensivstationen ist für das Personal besonders fordernd. Um hier die notwendige Entlastung zu schaffen, bedarf es eines hohen Personaleinsatzes. Der Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Frankfurt, Prof. Dr. Jürgen Graf, erklärt: „Die Versorgung intensivmedizinischer Covid-19-Patientinnen und -Patienten ist für die Mitarbeitenden aller Berufsgruppen deutlich belastender als die übliche intensivmedizinische Versorgung. Es wird deshalb darauf ankommen, dass die benötigten qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund, motiviert und einsatzfähig bleiben. Nur dann erscheint es möglich, der noch einige Monate andauernden erheblichen Belastung gewachsen zu sein. Hierfür werden wir auch ungewöhnliche Maßnahmen erwägen müssen.“ Die Behandlung schwerstkranker Patientinnen und Patienten erfolgt mit besonders aufwendigen Verfahren wie einer künstlichen Membranoxygenierung (ECMO). Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, berichtet: „In den vergangen zwei Wochen ist die Zahl der Behandlung schwerstkranker Patientinnen und Patienten mit besonders aufwendigen Verfahren wie der ECMO erheblich angestiegen und hat mit 26 gleichzeitigen Behandlungen ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Das dafür geschulte Pflegepersonal kann einer solchen Belastung nicht dauerhaft standhalten." Die Zahl Covid-19-erkrankter Mitarbeitender steigt. Es droht, dass Behandlungskapazitäten aus der Versorgung abgemeldet werden müssen, weil das für den Betrieb notwendige Personal nicht zur Verfügung steht. Dazu Prof. Dr. Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Köln: „In dieser bereits bedrohlichen Situation stellt die Verbreitung des Virus unter den Beschäftigten eine weitere enorme Gefahr dar. Schon jetzt zeichnet sich für den Fall eines unverminderten Infektionsgeschehens ab, dass selbst der enorme Aufwand in Kürze nicht mehr ausreichen wird, den wir aktuell im Infektionsschutz leisten. Das Universitätsklinikum Köln hält für die eigenen Mitarbeiter*innen erhebliche Test- und Beratungskapazitäten vor und hat eine eigene Arbeitsgruppe für die interne Verfolgung von Infektionsketten.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité und Leiter des BMBF-geförderte Netzwerks Universitätsmedizin (NUM), fasst die aktuelle Lage wie folgt zusammen: „Insgesamt ist die Versorgung von Patientinnen und Patienten derzeit gesichert. Die Situation ist noch unter Kontrolle, bleibt aber fragil. Um die Kliniken zu entlasten und länger anhaltende Einschränkungen zu Lasten von Nicht-Covid-19-Patientinnen und -patienten zu verhindern, muss die Zahl der Neuinfektionen unbedingt sinken.“ Prof. Dr. Michael Albrecht, Medizinscher Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden und Vorstandsvorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD), bekräftigt: „Keinesfalls darf die Zahl der Neuinfektionen weiter steigen. Sonst droht auch in Deutschland eine Situation wie in vielen unserer Nachbarländer. Dort sind die Intensivkapazitäten am Limit angelangt, Schwerkranke können nicht mehr behandelt werden. Davon sind wir in Deutschland noch ein gutes Stück entfernt. Allerdings haben die letzten Wochen gezeigt, wie schnell die Lage sich zuspitzen kann. Vor diesem Hintergrund bleibt jeder und jede Einzelne gefordert, weiterhin mit aller Kraft an der Eindämmung von Covid-19 zu arbeiten."

Markus Heggen neuer Pressesprecher der Charité

- 23-11-2020

Markus Heggen ist seit dem 1. November neuer Pressesprecher der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Der 40-jährige Journalist kommt von der RTL Mediengruppe Deutschland und verstärkt jetzt das Team der Charité-Unternehmenskommunikation. Markus Heggen hatte Politikwissenschaft sowie Friedens- und Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg und der Freien Universität Berlin studiert. Nach seiner Ausbildung an der RTL-Journalistenschule für TV und Multimedia war der Diplom-Politologe zwölf Jahre lang im Hauptstadtstudio von RTL und ntv tätig, zunächst als Redakteur und Reporter. Zuletzt fungierte er dort als Chef vom Dienst im Ressort „Politik und Gesellschaft“. Zudem lehrte er als freier Dozent an Journalistenschulen. In seiner Funktion als Pressesprecher berichtet er an die Leiterin des Geschäftsbereichs Unternehmenskommunikation und Unternehmenssprecherin, Manuela Zingl, sowie an den Vorstandsvorsitzenden der Charité, Prof. Dr. Heyo K. Kroemer. Er ist Ansprechpartner für die Medien und übernimmt die Koordination der Presse- und Medienarbeit sowie die Vermittlung von Expertinnen und Experten der Charité zu tagesaktuellen Themen. Herr Heggen und Frau Zingl werden künftig gemeinsam die Sprecherfunktion wahrnehmen.

Ehrung für Forschung zu erblich bedingter Adipositas

- 20-11-2020

Genetische Störungen, die zu schwer behandelbarem, starkem Übergewicht führen, sind im Zentrum der Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Peter Kühnen, Arzt und Wissenschaftler an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Für seine Studien zur Normalisierung des Körpergewichts ist er nun mit dem Paul-Martini-Preis ausgezeichnet worden. Der Preis wird jährlich von der gleichnamigen Stiftung mit Sitz in Berlin für herausragende Leistungen in der klinisch-therapeutischen Arzneimittelforschung verliehen. Er ist mit 50.000 Euro dotiert. Noch immer ist nur in Teilen verstanden, wie Hunger und Körpergewicht reguliert werden. Bekannt ist jedoch die Bedeutung verschiedener Botenstoffe und Rezeptoren, die eine Rolle bei der zentralen Gewichtsregulation spielen. Mutationen in den entsprechenden Genen für diese Botenstoffe und Rezeptoren können zu massiver Fettleibigkeit, sogenannter Adipositas, führen. Auch mit einer Operation zur Magenverkleinerung ist diese nicht erfolgreich behandelbar, denn das gesteigerte Hungergefühl bleibt bestehen. „Unser Ziel war daher, Menschen mit unterschiedlichen Gendefekten, die zu einer eingeschränkten Funktion der Signalkaskade und somit einer unzureichenden Übermittlung des Sättigungsgefühls führen, medikamentös zu unterstützen. Ein bereits in der Zulassung befindlicher Wirkstoff ersetzt hierbei einen fehlenden Botenstoff und hat bei ersten Patientinnen und Patienten zum Erfolg geführt – einer Gewichtsreduktion um bis zu 40 Kilogramm innerhalb eines knappen Jahres“, sagt Prof. Kühnen, Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie der Charité. „Gleichzeitig haben wir dabei weitere Signalwege identifiziert, die nicht nur bei diesen Seltenen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen, sondern auch für häufigere Erkrankungen von Bedeutung sein können.“ Prof. Kühnen hat die Studien selbst initiiert und nachgewiesen, dass eine Behandlung mit dem Wirkstoff Setmelanotide zu einer Normalisierung des Hungergefühls und zu substanzieller Gewichtsreduktion führen kann. Schwere Nebenwirkungen sind dabei bisher ausgeblieben, abgesehen von einer stärkeren Pigmentierung von Haut und Haaren bei einigen der Behandelten. Im Namen der sechsköpfigen Jury der Paul-Martini-Stiftung, Berlin würdigte Prof. Dr. Stefan Endres, Direktor der Abteilung für Klinische Pharmakologie und Forschungsdekan der Medizinischen Fakultät der Universität München, die Arbeiten: „Der Preisträger hat beispielhaft neue molekulare Mechanismen der Adipositas identifiziert und diese Erkenntnisse in eine Therapie für Patienten umgesetzt. Seine Arbeit ist ein Musterbeispiel für eine zielgerichtete translationale Entwicklung.“ Die Behandlungserfolge waren für Prof. Kühnen Anlass, die Rolle eines bisher wenig beachteten Signalwegs im Körper stärker herauszuarbeiten und weitere Mutationen zu identifizieren, die durch Störungen in der Signalübermittlung zu Übergewicht und Fettleibigkeit führen. Ein Ansatz, dem der DFG-Heisenberg-Professor Kühnen in den kommenden Jahren weiter nachgehen möchte. Seine Arbeiten verbinden klinische Studien mit grundlagenwissenschaftlichen Analysen und sollen dazu beitragen, die menschliche Gewichtsregulation besser zu verstehen und neue Therapiestrategien zu etablieren.

Mehr als 70 Prozent der Berliner COVID-19-Patientinnen und -Patienten bei Vivantes und Charité behandelt

- 20-11-2020

Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und Vivantes Verantwortung für Berlin: Fast drei von vier COVID-19-Erkrankten, die in Berliner Krankenhäusern versorgt werden, behandeln bislang die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das kommunale Krankenhausunternehmen Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH. Zwischen März 2020 bis Mitte November 2020 haben die beiden landeseigenen Berliner Gesundheitseinrichtungen von insgesamt 3.791 stationären COVID-19-Patientinnen und Patienten 2.702 (Stand: 16. November 2020) versorgt, das sind mehr als 70 Prozent aller Corona-Fälle in Berliner Krankenhäusern. Davon behandelte die Charité 1.024 Fälle und Vivantes 1.678 Fälle. Vivantes und Charité versorgen somit überproportional viele Fälle, denn sie verfügen gemeinsam nur über rund 40 Prozent der ordnungsbehördlich genehmigten Krankenhausbetten im Land Berlin (Charité 3.001 Betten, Vivantes 5.856 Betten). Aktuell werden in der Charité 100 Erkrankte intensivmedizinisch behandelt, 89 Menschen auf der Normalstation versorgt. Bei Vivantes befinden sich 59 mit dem Coronavirus Infizierte auf der Intensivstation, 266 Menschen auf der Normalstation. Dr. Johannes Danckert, Geschäftsführer Klinikmanagement von Vivantes: „Unser gemeinsames Ziel ist es, auch in der Coronakrise jeden Tag Verantwortung für die Berlinerinnen und Berliner zu übernehmen und alles dafür zu tun, die Bevölkerung bestmöglich zu versorgen. Für uns ist es deshalb selbstverständlich, dass wir den Löwenanteil der Berliner COVID-19-Patientinnen und -Patienten in den Kliniken von Vivantes und Charité aufnehmen. Möglich machen wir dies unter anderem, in dem wir unsere Betten zeitweise bei Vivantes nur noch zu 50 bis 60 Prozent belegt haben. So konnten sich auch mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Betreuung der COVID-19-Erkrankten kümmern.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité: „Wir haben in Berlin etwas geschafft, was nur an wenigen anderen Stellen in Deutschland gelungen ist, nämlich für das gesamte Land die Versorgung von COVID-19-Patientinnen und Patienten zentral zu steuern. Dieses Konzept ist nur partnerschaftlich möglich und wurde von Charité und Vivantes maßgeblich mit entwickelt. Für die Patientinnen und Patienten ist das optimal. Diese Zusammenarbeit kann ein Vorbild sein für weitere Kooperationen dieser beiden großen landeseigenen Unternehmen zum Wohle der Berliner Bevölkerung.“ „SAVE Berlin@COVID-19“-Konzept mitentwickelt Im Sinne der „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ engagieren sich beide Gesundheitseinrichtungen beim Corona-Krisenmanagement für Berlin: Neben der Behandlung von Patientinnen und Patienten werden Intensivpflichtige durch die Charité so gelenkt, dass jeder erkrankte Mensch bestmöglich versorgt wird. Dazu haben Vivantes und Charité gemeinsam mit der Senatsverwaltung das „SAVE Berlin@COVID-19“-Konzept verfasst und umgesetzt. Digitale Lösungen für Corona Auch in der Pandemie wurden neue digitale Lösungen vorangetrieben. Ein Beispiel dafür ist die telemedizinische Betreuung intensivpflichtiger Patientinnen und Patienten in Level-2-Kliniken durch die Charité im Innovationsprojekt „ERIC“. Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße als Reserve aufgebaut Den Aufbau und Betrieb des Corona-Behandlungszentrums Jafféstraße hat Vivantes im Auftrag der Senatsgesundheitsverwaltung übernommen. Die Reserveklinik wird erst dann eröffnet, wenn nicht nur die Notfallkrankenhäuser, sondern alle Berliner Krankenhäuser mit der Behandlung von COVID-19-Erkrankten sowie Notfällen vollständig ausgelastet sind. Dann erfolgt eine Verlegung von Patientinnen und Patienten mit leichter bis mittelschwerer COVID-19-Erkrankung in das Behandlungszentrum.

Ein Atlas der menschlichen Bauchspeicheldrüse

- 17-11-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Berlin Institute of Health (BIH) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Berlin Institute of Health (BIH) haben in einem internationalen Projekt alle Zellen der menschlichen Bauchspeicheldrüse genetisch untersucht, ihre genaue Lage innerhalb des Organs bestimmt und die Verbindungen zwischen den einzelnen Zellen aufgeklärt. Dabei stießen sie auf bisher unbekannte, neue Zelltypen, die erklären können, wie dieses wichtige Organ funktioniert und wie darin Krankheiten entstehen. Das Projekt ist Teil des weltweiten Human-Cell-Atlas-Projektes, dessen Ziel die Analyse sämtlicher Zellen des menschlichen Körpers ist. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden nun in der Fachzeitschrift Gastroenterology* veröffentlicht. „Wir wollten eine Ressource für alle Forschenden schaffen, die sich für die Bauchspeicheldrüse interessieren“, erklärt Prof. Dr. Roland Eils, Leiter des internationalen Pankreasprojekts und als BIH Chair Gründungsdirektor des Digital Health Center am BIH und an der Charité. „Unsere Ergebnisse helfen sowohl denjenigen, die den endokrinen Teil der Bauchspeicheldrüse untersuchen, der Insulin produziert und beispielsweise für die Entwicklung von Diabetes verantwortlich ist. Aber unsere Ergebnisse sind auch relevant für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit dem exokrinen Teil der Drüse beschäftigen, der die Verdauungsenzyme herstellt und in den Dünndarm abgibt und bei Pankreatitis oder Pankreaskrebs betroffen ist.“ Pankreasgewebe zu gewinnen und zu untersuchen erweist sich jedoch als äußerst schwierig: Die Verdauungsenzyme sind sehr aktiv und das Organ läuft Gefahr, sich selbst verdauen. Daher war es wichtig, das Gewebe möglichst schonend und schnell aufzubereiten. Das Team um Prof. Eils stützte sich dabei auf internationale Kooperationen. „Von unseren Kolleginnen und Kollegen in Stanford und München haben wir qualitativ hochwertige Proben erhalten. Anschließend haben wir in unserem Labor neue Protokolle speziell für das Pankreasgewebe entwickelt, mit denen wir diese Art von Daten zum ersten Mal gewinnen konnten“, berichtet Dr. Christian Conrad, in dessen Labor die Untersuchungen stattfanden und der gemeinsam mit Prof. Eils Letztautor der Veröffentlichung ist. Dr. Luca Tosti, Wissenschaftler im Labor von Dr. Conrad und Erstautor der Arbeit, setzte bei diesem Mammutprojekt verschiedene Einzelzelltechnologien ein. „Einerseits haben wir Zellkerne aus tiefgefrorenen Biopsien isoliert und in jedem Kern einzeln die Genaktivität gemessen. Insgesamt haben wir so mehr als 120.000 Zellkerne analysiert. Außerdem haben wir die sogenannte In-situ-Sequenzierung im gefrorenen Gewebe durchgeführt. Dieser Ansatz verrät uns nicht nur, welche Gene in den verschiedenen Zellen aktiv sind, sondern auch, wie sich die Zellen räumlich organisieren und welche Beziehungen zwischen den verschiedenen Zellen bestehen“, erklärt Dr. Tosti. Bei seinen Untersuchungen konnte das Team exokrine Pankreaszellen in drei Subtypen unterteilen. Im Vergleich von erwachsenem Gewebe mit dem von Neugeborenen zeigte sich ein erstaunlicher Umbau der Zellzusammensetzung im Verlauf der Entwicklung. „Wir waren überrascht, dass ein Organ, das bisher als relativ homogen angesehen wurde, einen so komplexen Aufbau aufweist“, berichtet Prof. Eils. „Indem wir verschiedene biologische und rechnergestützte Verfahren kombiniert haben, haben wir Einblicke in die Kommunikation zwischen den Zellen erhalten, die zuvor in der menschlichen Bauchspeicheldrüse nicht möglich waren.“ Als nächstes wollen die Forschenden Proben von Patientinnen und Patienten mit Diabetes oder Pankreastumoren analysieren, um die Ursachen von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse besser zu verstehen und darauf aufbauend neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Die Europäische Union fördert das Horizon-2020-Projekt ESPACE zur zellulären Analyse der Bauchspeicheldrüse mit insgesamt fünf Millionen Euro, davon geht eine Million nach Berlin ans Digital Health Center, von wo aus das Projekt koordiniert wird. Start war im Januar 2020. Das Bauchspeicheldrüsenprojekt ist ein Teilprojekt der Human Cell Atlas Initiative. Hier haben sich Forschenden weltweit zusammengetan, um jede einzelne Zelle des menschlichen Körpers zu beschreiben. Ziel ist es, die Vorgänge im gesunden Körper zu verstehen, um auf dieser Basis Krankheiten besser diagnostizieren, behandeln und vorbeugen zu können. „Das Human-Cell-Atlas-Projekt ist sicher eines der zukunftsträchtigsten Projekte im Bereich der Lebenswissenschaften“, ist Prof. Eils überzeugt. „Unsere Vision ist es, hier einen entscheidenden Beitrag für das Verständnis des menschlichen Lebens zu leisten.“ Das Bauchspeicheldrüsenprojekt ist das einzige Projekt von insgesamt sechs europäischen Human-Cell-Atlas-Initiativen, das von Deutschland aus koordiniert wird.

Weltweite Lichtaktion für Frühgeborene

- 17-11-2020

Anlässlich des Welt-Frühgeborenen-Tages beteiligt sich die Charité an der weltweiten Lichtaktion „Light it up purple!“. Am heutigen Dienstag, den 17. November wird die Südseite am Charité Bettenhaus Mitte in der Luisenstraße ab 16.30 Uhr lilafarben angestrahlt. Zusätzlich erstrahlt auch das Gasometer am EUREF-Campus im lila Licht. Ziel der Kampagne ist es, auf die Herausforderungen und Bedürfnisse von Frühgeborenen und ihren Familien aufmerksam zu machen.  In Berlin kommen fast neun Prozent aller Neugeborenen zu früh auf die Welt – mehr als ein Prozent aller Kinder wiegt bei der Geburt weniger als 1.500 Gramm. Vor allem Frühgeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht benötigen über lange Zeit hinweg eine interdisziplinäre medizinische Betreuung sowie eine spezielle Förderung. Mit bundesweit rund 60.000 Neugeborenen pro Jahr bilden die Frühgeborenen die größte Patientengruppe in der Kinder- und Jugendmedizin.  „Mit der Lichtaktion wollen wir auf die Situation von Frühgeborenen und ihren Familien aufmerksam machen. Trotz aller medizinischen Fortschritte gehört eine zu frühe Geburt zu den größten Bedrohungen für das Leben und die Gesundheit von Kindern – auch in Deutschland und Europa“, betont Dr. Monika Berns von der Klinik für Neonatologie am Campus Charité Mitte und am Campus Virchow-Klinikum sowie Vorsitzende des Fördervereins für frühgeborene Kinder an der Charité e.V. Sie ergänzt: „Entscheidend für die spätere Entwicklung der früh geborenen Kinder ist die Erstversorgung nach der Geburt. Dafür braucht es ein eingespieltes und interprofessionelles Team.“  Nicht nur die Kinder benötigen eine spezielle Versorgung, auch die Eltern brauchen medizinische, soziale und psychologische Unterstützung für den frühen Start ins Elterndasein. Dafür gibt es an der Charité beispielsweise eine Elternberatung, zudem unterstützen Babylotsen die Familien bei allen relevanten Fragen und vermitteln weitergehende Unterstützungsangebote in Wohnortnähe.

Auch Ratten können Hantaviren übertragen

- 12-11-2020

Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnte erstmals in Deutschland die Übertragung einer bestimmten Virusspezies – des Seoulvirus – von einem Tier auf den Menschen belegen. In Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Loeffler-Institut wurde der Krankheitserreger bei einer jungen Patientin und ihrer Heimratte nachgewiesen. Das könnte Auswirkungen auf den Umgang mit Wild- und Heimratten haben, wie jetzt im Fachmagazin Emerging Infectious Diseases* beschrieben ist. Nach mehreren Ausbrüchen im 21. Jahrhundert stehen Hantavirus-Erkrankungen stärker im öffentlichen Fokus und sind in Deutschland seit 2001 meldepflichtig. Durch verschiedene Mausarten können beispielsweise die in Mitteleuropa verbreiteten Puumala- und Dobrava-Belgrad-Viren übertragen werden. Diese führen meist zu fiebrigen Erkrankungen, in einigen Fällen jedoch auch zu einem HFRS-Syndrom, das mit Fieber, Blutdruckabfall und akutem Nierenversagen einhergeht. Hingegen kommt das hauptsächlich in Asien verbreitete Seoulvirus, welches weit häufiger zu schweren Verläufen führt, ausschließlich in Ratten vor. Übertragungen des hochvirulenten Seoulvirus von Ratten auf Menschen sind bereits in mehreren Fällen auch außerhalb Asiens dokumentiert worden. Das Team um Prof. Dr. Jörg Hofmann, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Hantaviren am Institut für Virologie der Charité, konnte nun erstmals eine sogenannte autochthone – also in Deutschland erworbene – Infektion durch das Seoulvirus aufzeigen, deren Ursprung eine Ratte war. In enger Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Rainer G. Ulrich am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald sowie lokalen und regionalen Gesundheitsbehörden haben die Forschenden das Virus bei einer jungen Patientin aus Niedersachsen und einer ihrer Heimratten nachgewiesen. „Dieses Virus kommt ursprünglich aus Asien und ist wahrscheinlich durch infizierte Wildratten auf Schiffen nach Europa gelangt, konnte in Deutschland bisher aber noch nie beobachtet werden“, sagt Prof. Hofmann, Erstautor der Studie. Die infizierte Zuchtratte der Patientin ist vermutlich aus einem anderen Land nach Deutschland importiert worden. Die junge Patientin musste mehrere Tage intensivmedizinisch versorgt werden, nachdem sie Symptome eines akuten Nierenversagens zeigte. Serologische Laboruntersuchungen konnten schnell den Verdacht einer Hantavirus-Infektion bestätigen – um welchen Virustyp es sich handelte, war allerdings nicht klar. Das Team um Prof. Hofmann an der Charité hat eine molekulare Spezialdiagnostik entwickelt, mit deren Hilfe das Seoulvirus bei der Patientin identifiziert werden konnte. Bei der betroffenen Heimratte konnten die Experten am Friedrich-Loeffler-Institut mit dem Test dasselbe Virus nachweisen. Prof. Hofmann erklärt: „Beide Virussequenzen, die der Patientin und die der Ratte, waren identisch. Dies bestätigt eine Erkrankung durch Übertragung des Erregers vom Tier auf den Menschen – eine sogenannte Zoonose.“ „Bislang dachte man nur bei Mäusekontakt an Hantavirus-Infektionen. Jetzt muss man die Möglichkeit einer Infektion auch bei Kontakt zu Wild- oder Heimratten in Betracht ziehen“, warnen die Autoren. „Der Nachweis in einer Heimratte bedeutet außerdem, dass über den Verkauf dieser Tiere das Virus praktisch überallhin exportiert werden kann.“ Vorsicht ist daher bei der Rattenhaltung geboten.

KV-COVID-Notdienstpraxis am Campus Charité Mitte eröffnet

- 10-11-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und der KV Berlin Für Patienten mit schweren Erkältungssymptomen und Verdacht auf SARS-CoV-2 steht ab heute eine KV-COVID-Notdienstpraxis am Campus Charité Mitte zur Verfügung. Mit diesem gemeinsamen Projekt wollen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin und die Charité – Universitätsmedizin Berlin die dortige Zentrale Notaufnahme und die Praxen im Einzugsbereich entlasten. „Mit der Eröffnung dieser temporären KV-COVID-Notdienstpraxis möchten wir Patienten mit schweren erkältungsbedingten Symptomen eine zusätzliche Anlaufstelle in Berlin anbieten, um COVID-19 ausschließen zu können, aber wir möchten damit auch die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen unterstützen, die zurzeit neben dem normalen Praxisalltag durch die Themen Corona und Impfungen einen enormen Zulauf von Patienten auffangen müssen“, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Berlin Burkhard Ruppert. Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, ergänzt: „Gerade in dieser dynamischen Pandemiesituation ist es wichtig, Patienten mit infektiösen Krankheitssymptomen eine niedrigschwellige Anlaufstelle zum Ausschluss von COVID-19 anzubieten. Dabei gilt es, auch mithilfe spezieller Abläufe und entsprechender Räumlichkeiten, das Infektionsrisiko für alle so gering wie möglich zu halten. Denn insbesondere in der Notaufnahme ist die strikte Trennung zwischen infektiösen Patienten und Patienten, die mit anderen akuten Beschwerden und Verletzungen in die Notaufnahme kommen, wichtiger denn je. Ziel unserer Kooperation ist es daher, sowohl die niedergelassenen Kollegen im Umkreis als auch unsere Notaufnahme zu entlasten und Patienten mit Corona-assoziierten Symptomen separiert zu behandeln.“ Die KV-COVID-Notdienstpraxis in der Philippstraße 10 in 10117 Berlin befindet sich an der Zentralen Notaufnahme. Sie besteht aus einem Behandlungsraum, der separat von der Notaufnahme erreichbar ist, einem gesonderten Anmeldezelt gegenüber der Notaufnahme sowie einem eigenen Wartebereich in einem beheizbaren Zelt. Zuerst melden sich die Patienten im Anmeldezelt an und nehmen bis zum Behandlungsbeginn im Wartebereich Platz.   Die Ärztinnen und Ärzte der KV-COVID-Notdienstpraxis werden von der KV Berlin gestellt. Im Anmeldebereich nehmen Medizinische Fachangestellte der Charité die Patienten auf und entscheiden gemäß den aktuellen Kriterien des RKI, ob ein Abstrich vorgenommen wird. Wichtig: Die KV-COVID-Notdienstpraxis wurde eigens für infektiöse Patienten, d.h. für Patienten mit schweren Erkältungssymptomen bzw. mit Corona zu vereinbarenden Symptomen, eingerichtet. Patienten ohne Symptome sowie Ein- und Rückreisende aus Risikogebieten, die einen Test wünschen oder benötigen, gehören nicht in die KV-COVID-Notdienstpraxis. Sie erhalten dort keinen Abstrich.  Die aktuellen Öffnungszeiten finden Sie auf der Website der KV unter https://www.kvberlin.de/fuer-patienten/corona/kv-covid-notdienstpraxis. Update Juni 2021: Bitte beachten Sie, dass die KV-COVID-Notdienstpraxis Campus Charité Mitte ab 1. Juni 2021 geschlossen ist.

Den Herzinfarktauslösern auf der Spur

- 10-11-2020

Herzinfarkte treten plötzlich auf und werden durch verschiedene Auslöser verursacht. Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) konnten nun eine weitere Ursache für Herzinfarkte aufdecken. Ein Teil der bei Betroffenen untersuchten Gefäßablagerungen ist durch aktivierte Immunzellen charakterisiert, die sich unter verändertem Blutfluss an der Gefäßinnenwand ansammeln und dort zu einer Schädigung der gefäßauskleidenden Zellen beitragen. Dieser immunologisch bedingte Erkrankungsmechanismus ist jetzt im Fachjournal European Heart Journal* beschrieben.  Ein akutes Koronarsyndrom – auch als Herzinfarkt bezeichnet – ist eine lebensgefährliche Durchblutungsstörung des Herzmuskels, die durch eine Verengung der Herzkranzgefäße verursacht wird. Dazu tragen Gefäßablagerungen – sogenannte Plaques – bei, an denen sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden können, die sich dann ablösen und Herzkranzgefäße verstopfen. Die Auslöser dieser Blutgerinnselbildung und damit des Herzinfarkts sind bisher nur unzureichend geklärt. Lange vermutete man, dass diese Blutgerinnsel ausschließlich durch einen Einriss (Ruptur) der Bindegewebshülle um die Ablagerung und die Freisetzung des darunterliegenden Materials entstehen. Neuere Befunde legen allerdings nahe, dass sie auch an intakten Gefäßablagerungen gebildet werden können. Wie diese Form der sogenannten Plaque-Erosion zum Herzinfarkt beitragen kann, haben nun Forschende der Medizinischen Klinik für Kardiologie am Charité Campus Benjamin Franklin und am DZHK erstmals gezeigt. In der OPTICO-ACS-Studie hat das Team um die beiden Studienleiter Prof. Dr. David M. Leistner und Klinikdirektor Prof. Dr. Ulf Landmesser 170 Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom untersucht. Bei etwa 25 Prozent der Betroffenen konnten sie statt einer Ruptur eine Erosion der Gefäßablagerung als Ursache feststellen. „Unsere Studie liefert erstmals eine Erklärung, warum solche Plaque-Erosionen einen Herzinfarkt auslösen können: Es zeigte sich, dass die Plaque-Erosions-Stellen durch spezielle aktivierte Immunzellen – sogenannte T-Lymphozyten – charakterisiert sind, die sich unter veränderten Blutflussbedingungen in der Wand von Herzkranzgefäßen ansammeln und dort zu einer Schädigung der Gefäßinnenwand beitragen können“, sagt Prof. Leistner, Erstautor der Studie. Durch eine spezielle Bildgebungstechnik – die sogenannte optische Kohärenztomographie (OCT) – gelang es den Forschenden, die infarktauslösenden Plaques hochauflösend darzustellen und zuverlässig in Ruptur oder Erosion als Herzinfarktauslöser zu unterteilen. Daraufhin wurde an der infarktauslösenden Stelle mit einem Absaugkatheter das Blutgerinnsel entfernt und zusätzlich Blut zur Untersuchung von Immunzellen und Entzündungsmarkern gewonnen. Bei den in etwa einem Viertel der Fälle durch eine Erosion verursachten Blutgerinnseln fand das Team eine veränderte Zusammensetzung von Immunzellen. Vermehrte CD4- und CD8-positive Lymphozyten sowie deren zytotoxische Effektormoleküle deuteten auf eine Entzündungsreaktion hin, durch die Endothelzellen der Gefäßinnenwand geschädigt werden. Die Blutgerinnsel fanden sich in diesen Fällen zudem häufiger in der Nähe von Gefäßverzweigungen, die durch spezielle Strömungsverhältnisse gekennzeichnet sind. Prof. Leistner ergänzt: „Um die Beobachtungen aus den Patientinnen und Patienten nochmals zu unterstreichen, konnten wir – entsprechend dem translationalen Ansatz unserer Studie – diese Erkenntnisse auch durch Zellkulturexperimente bestätigen.“ Somit können einem Herzinfarkt unterschiedliche pathophysiologische Ursachen zugrunde liegen. Der neu beschriebene Mechanismus umfasst vor allem ein fehlgeleitetes adaptives Immunsystem. „Nachdem sich das Konzept von immunmodulierenden Therapien in der kardiovaskulären Medizin als sicher und als effektiv erwiesen hat, liegt hier sicher ein interessanter Forschungsansatz, um bestimmte Ausprägungen des akuten Koronarsyndroms gezielter behandeln und so eventuell auch Folgeereignisse vermeiden zu können“, resümiert Prof. Landmesser, der auch Berlin Institute of Health (BIH)-Professor ist. Um eine gezielte Beeinflussung des Immunsystems zu ermöglichen, wird künftig genauer untersucht, welche Rolle die involvierten T-Lymphozyten spielen und wie sie sich in den Gefäßen ansammeln.  

ERC Synergy Projekt zur Arzneimitteltoleranz bei unbehandelbaren Pilzinfektionen

- 05-11-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und der Universität Tel Aviv Arbeitsgruppen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Universität Tel Aviv gehen in den kommenden sechs Jahren der Frage nach, auf welche Weise invasive Pilzerreger einer Behandlung entgehen und eine Toleranz gegenüber antimykotischen Substanzen entwickeln können. Grundlegendes Wissen über krankheitserregende Pilze einerseits und Entdeckungen auf Ebene des Zellstoffwechsels andererseits kommen in diesem gemeinsam geleiteten Projekt zusammen. Ein Synergy Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) unterstützt das umfangreiche Vorhaben mit insgesamt 9,7 Millionen Euro. Pilzinfektionen sind weit verbreitet und in vielen Fällen nicht lebensbedrohlich. Eine Ausnahme bilden jedoch invasive Pilzinfektionen, die zur Sepsis – eine schwerwiegende, systematische Reaktion des Organismus auf eine unkontrollierte Infektion – beitragen können. Pilzerkrankungen dieser Art erreichen eine Sterblichkeitsrate von bis zu 50 Prozent, sind meist schwer zu behandeln und stehen im Zusammenhang mit mindestens 1,6 Millionen Todesfällen jährlich. Im Gegensatz zu bakteriellen Infektionen, für die mehrere antimikrobielle Medikamente zur Verfügung stehen, haben sich bisher nur drei spezielle Wirkstoffklassen als klinisch wirksam gegen invasive Pilzinfektionen erwiesen. Dass nur so wenige wirksame Medikamente verfügbar sind, liegt unter anderem an der Ähnlichkeit der Zellen von Mensch und Säugetier und von Pilzzellen. Dementsprechend bestehen nur wenige pilzspezifische Angriffspunkte für Medikamente. Hinzu kommt: Es sind nicht nur sehr wenige Anti-Pilz-Medikamente verfügbar, auch die Wirksamkeit dieser Präparate nimmt ab. Beispielsweise lassen sich etwa die Hälfte der invasiven Infektionen durch Candida albicans, den sogenannten Soorpilz und häufigsten menschlichen Krankheitserreger, durch Fluconazol, das in dieser Situation am häufigsten verwendete Antimykotikum, nicht wirksam bekämpfen. Therapieversagen wie dieses lassen sich teilweise durch eine Toleranz oder auch Resistenz der Pilzerreger gegenüber Anti-Pilz-Medikamenten erklären. Diese erlaubt es Pilzzellen, trotz einer Behandlung weiterzuwachsen. Was genau für ein Versagen der Behandlung von Pilzerkrankungen sorgt, das wollen die Teams um Prof. Dr. Markus Ralser, Direktor des Instituts für Biochemie und Arbeitsgruppenleiter Biochemie und Systembiologie des Stoffwechsels an der Charité, und Prof. Dr. Judith Berman, Arbeitsgruppenleiterin an der Shmunis School of Biomedical and Cancer Research, George S. Wise Faculty of Life Sciences der Universität Tel Aviv, nun herausfinden. Eine der zentralen Hypothesen hierbei: Die Ursache ist möglicherweise im Stoffwechselgeschehen zu finden. „Wir konnten bereits in Studien beobachten, dass unterschiedliche Zelltypen zusammenarbeiten, indem sie Metaboliten, wie beispielsweise Nährstoffe, austauschen und dadurch gemeinsam eine Toleranz entwickeln", erklärt Prof. Ralser. „Diese metabolische Kooperation führt zu einer Angleichung der Zellen. Wir haben Hinweise darauf, dass diese stoffwechselbasierte Heterogenität ein Schlüssel für Prozesse wie Arzneimittelresistenzen oder aber -toleranzen sein könnte. Inhibitoren von Stoffwechselwegen scheinen zudem das Stressüberleben einiger Zellen zu beeinflussen.“ Die zugrundeliegenden biologischen Mechanismen werden die Forschungsteams in Berlin und Tel Aviv nun im Detail untersuchen. „Die Situation bei invasiven Pilzerregern unterscheidet sich grundlegend von der Situation bei antibiotika-resistenten Bakterien", wie Prof. Berman beschreibt. „Bei problematischen bakteriellen Infektionen erwerben Erreger oft Mutationen, die sie gegen die Antibiotika resistent machen. Resistenzen bei krankheitserregenden Pilzen sind jedoch nicht so häufig und verbreiten sich nicht so schnell. Hier stellen wir fest, dass Pilzzellen heterogen werden und sich ihrem Umfeld angleichen, wobei ein Teil der Zellen auch unter Einfluss eines Anti-Pilz-Medikamentes weiterhin langsam wächst. Untersucht man diese wachsenden Zellen, so zeigt sich, dass arzneimittelresistente und nicht-resistente Zellen ähnlich wachsen wie die ursprünglichen Pilzstämme. Resilienz oder auch Resistenz ist demnach in den Zellen selbst angelegt und wird nicht durch ähnliche Arten von Mutationen verursacht, wie dies bei bakteriellen Infektionen der Fall ist.“ In einem hochgradig interaktiven Arbeitsprogramm werden Prof. Berman und Prof. Ralser nun Tausende von Pilzstämmen auf ihre Medikamentenresistenz testen und ihre Eigenschaften auf Stoffwechselebene vergleichen. Zu diesem Zweck werden sie mit Klinikern und Biologen in ganz Europa, Kanada und den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten. Gemeinsames Ziel ist es, die molekularen Wege zu entschlüsseln, die Arzneimittelresistenzen bei Pilzerkrankungen erklären. Außerdem wollen sie neue Konzepte und Leitsubstanzen entwickeln, die verhindern, dass krankmachende Pilzzellen die Toleranz oder auch Resilienz gegenüber Medikamenten erhöhen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen dazu beitragen, dass künftig neue Antimykotika und Kombinationstherapien entwickelt werden können, die gegen tödliche invasive Pilzinfektionen wirksam sind.

Neu im Vorstandsteam: Carla Eysel verantwortet die Bereiche Personal und Pflege

- 02-11-2020

Carla Eysel hat zum 1. November die neu geschaffene Position des Vorstands Personal und Pflege an der Charité übernommen. Die Juristin war zuletzt CEO von Alba Europe und verantwortete insbesondere die Bereiche Business Development und Organisation. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, heißt Carla Eysel willkommen: „Das Vorstandsteam begrüßt Carla Eysel ganz herzlich an der Charité und wünscht ihr einen guten Start in ihrer neuen Position. Wir freuen uns außerordentlich auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit und gemeinsame Weiterentwicklung der Universitätsmedizin.“ Die gebürtige Reutlingerin verstärkt den Vorstand als fünftes Mitglied und vertritt insbesondere die Themen Gewinnung und Sicherung von Fachkräften. Prof. Kroemer fügt hinzu: „Carla Eysel wird in enger Zusammenarbeit mit Pflegedirektorin Judith Heepe die entscheidenden Impulse liefern, die Charité als attraktiven und innovativen Ort für den Pflegeberuf weiter zu profilieren.“ Mit mehr als 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stellt die Pflege die größte Berufsgruppe der Universitätsmedizin. Carla Eysel, Vorstand Personal und Pflege, freut sich auf ihre neuen Aufgaben: „Die Charité hat einen hervorragenden Ruf, der getragen wird durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Medizin, Pflege, Forschung und Lehre. Um diese Position der Charité weiter auszubauen, braucht es zielgruppenorientierte Maßnahmen.“ Sie ergänzt: „Ich freue mich auf die Herausforderung, meine Erfahrungen und kreativen Ansätze in die strategische Weiterentwicklung der Universitätsmedizin einzubringen und als Teil des Vorstandsteams insbesondere die Arbeitgebermarke und die Personalgewinnung berufsgruppenübergreifend mitzugestalten.“ Die neu eingerichtete Vorstandsposition für Personal und Pflege basiert auf dem im Oktober 2019 novellierten Berliner Universitätsmedizingesetz, das neue Strukturen und Amtsbezeichnungen für Vorstands- und Leitungspositionen an der Charité geschaffen hat.

Charité beruft Benjamin O’Brien als Professor für Anästhesiologie mit Schwerpunkt Kardioanästhesie

- 02-11-2020

Prof. Dr. Benjamin O’Brien hat zum 1. November die W3-Professur für Anästhesiologie mit Schwerpunkt Kardioanästhesie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin übernommen. Damit verbunden ist die Leitung der zukünftigen Klinik für Kardioanästhesiologie und Intensivmedizin der Charité. Zugleich ist Prof. O’Brien Leitender Arzt der Klinik für Kardioanästhesiologie und Intensivmedizin am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB). Der gebürtige Bonner mit irischer, deutscher und britischer Staatsangehörigkeit wechselt von der Themse an die Spree: Zuletzt war er in London Direktor der Klinik für Perioperative Medizin des St Bartholomew’s Hospital und Stellvertretender Direktor des Barts Heart Centre. Zudem war er in der ersten Phase der Covid19-Epidemie in der britischen Hauptstadt als Clinical Director maßgeblich am Aufbau des Nightingale Hospital, einer 1.500 Betten umfassenden Intensivstation in einer Messehalle, beteiligt. Mit der Charité-Professur übernimmt der 47-Jährige die Ausgestaltung des Fachbereichs Kardioanästhesiologie und Intensivmedizin in Forschung und Lehre. Seine klinische Expertise bringt er in die medizinische Versorgung und als Direktor der Klinik für Kardioanästhesiologie und Intensivmedizin mit ein. Diese versorgt in Partnerschaft mit den Kliniken für Herz- Thorax- und Gefäßchirurgie sowie den kardiologischen Kliniken die Patientinnen und Patienten vor, während und nach Operationen und interventionellen Eingriffen sowie bei akuten Notfällen. Die Berufung von Prof. O’Brien ist zudem ein weiterer Schritt zum gemeinsamen Herzzentrum von Charité und DHZB, das die universitäre Herz-Kreislaufmedizin in Berlin im Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) bündeln wird. Mit dem DHZC wird ein europaweit führendes Herzzentrum geschaffen, das in Versorgung, Forschung und Lehre international Maßstäbe setzen wird. Ab 2021 soll dafür auch ein Neubau am Campus Virchow-Klinikum mit rund 350 Patientenbetten, modernsten OP-Sälen, Laboratorien und Hybrid-Eingriffsräumen entstehen. Prof. O’Brien hat 2013 an der Charité habilitiert und freut sich auf die Rückkehr nach Deutschland und die neuen Aufgaben in Berlin: „Die Gestaltung des Deutschen Herzzentrums der Charité birgt große Chancen, die wir gemeinsam nutzen wollen – zum Vorteil der Patientinnen und Patienten, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und aller beteiligten klinischen und akademischen Institutionen. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Charité, des DHZB und allen weiteren klinischen und wissenschaftlichen Institutionen.“

Neuer Bachelorstudiengang Pflege startet an der Charité

- 30-10-2020

An der Charité – Universitätsmedizin Berlin beginnt pünktlich zum Wintersemester der neue Studiengang Bachelor of Science in Pflege. Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey und der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung im Land Berlin, Steffen Krach, begrüßten heute die Erstsemester im Rahmen einer digitalen Eröffnungsfeier. Mit dem neuen Studiengang will die Charité dem steigenden Bedarf an hochschulisch qualifiziertem Personal begegnen und die Qualität der Pflege weiter verbessern. Studierende erwerben innerhalb von sieben Semestern eine Berufszulassung als Pflegefachperson sowie den akademischen Bachelorgrad.  Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey: „Die Bundesregierung arbeitet seit fast drei Jahren in der Konzertierten Aktion Pflege und setzt damit einen wichtigen politischen Schwerpunkt, um das Berufsfeld Pflege aufzuwerten und attraktiver zu machen. Ein Handlungsfeld dabei ist die Ausbildungsoffensive. Damit wollen wir bis 2023 die Ausbildungszahlen um 10 Prozent steigern. Mit der Einführung eines Pflegestudiums – zusätzlich zur beruflichen Ausbildung – werden neue Zielgruppen für eine Ausbildung in der Pflege angesprochen und neue Qualifizierungswege eröffnet. Die wissenschaftliche Kompetenz, die Pflegerinnen und Pfleger an der Hochschule vermittelt bekommen, werden sie in ihre tägliche Arbeit einbringen. Das führt dazu, dass die Qualität in der Pflege gestärkt und stets verbessert wird. Bundesweit sind derzeit etwa 30 Studiengänge nach dem Pflegeberufegesetz bereits gestartet oder geplant. Ich hoffe, dass der neue Pflegestudiengang großen Anklang findet.“ Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung im Land Berlin: „Unser gemeinsames Ziel ist, mehr Menschen für Pflegeberufe zu gewinnen. Dafür bauen wir in Berlin die Ausbildung von Pflegefachkräften konsequent aus, errichten einen modernen Ausbildungscampus und etablieren auch neue, praxisnahe Studiengänge. Der Pflege-Bachelor an der Charité ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Er leistet einen wichtigen Beitrag, um den steigenden Bedarf an Fachkräften für unsere Gesundheitsstadt Berlin zu sichern.“ Der Bachelor Pflege ist generalistisch ausgerichtet und qualifiziert für die allgemeine Pflege von Menschen aller Altersgruppen in verschiedenen pflegerischen Versorgungssettings. Dabei soll sich die Pflegepraxis auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité: „Die aktuellen Zeiten unterstreichen noch deutlicher, wie wichtig gut ausgebildetes Fachpersonal im Gesundheitswesen ist. Daher sind wir glücklich, mit dem neuen Studiengang einen wesentlichen Beitrag bei der Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssystems liefern zu können.“ Im Rahmen der speziellen Ausbildung sollen die Studierenden mit den Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens vertraut werden. Zu ihren Aufgabenfeldern gehören sowohl die direkte Versorgung als auch die Beratung und Anleitung von Patientinnen und Patienten sowie von deren Angehörigen. Zudem koordinieren und steuern sie Versorgungsabläufe. Der Fokus des Studiengangs liegt auf dem interprofessionellen und diversitätssensiblen Lernen. Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité: „Unser Ziel als Charité ist es, hochqualifizierte Kolleginnen und Kollegen auszubilden und bestmöglich auf den anspruchsvollen Berufsalltag, beispielsweise im Krankenhaus, vorzubereiten. Mit dem neuen Studiengang wollen wir das evidenzbasierte Arbeiten in der Pflege weiter stärken.“ Die Charité bietet pro Jahr 60 Studierenden die Möglichkeit, den Bachelorstudiengang zu absolvieren. Studienstart ist jeweils zum Wintersemester. Bilder der Veranstaltung folgen später.

Charité-Forschende bei der Berlin Science Week

- 27-10-2020

Zehn Tage im Zeichen von Forschung, Innovation und internationalem Austausch – Berlin Science Week und Falling Walls laden in diesem Jahr zu einem Remote World Science Summit. Mit mehr als 200 virtuellen Diskussionsveranstaltungen, Workshops, Ausstellungen und Performances trotzen die Veranstalter der Pandemie und wollen ein tieferes Verständnis für die Welt fördern. Neurowissenschaftlerinnen der Charité – Universitätsmedizin Berlin diskutieren dabei beispielsweise über den Umgang mit Demenz. Außerdem stellen sich Medizinerinnen und Mediziner der Charité und der Universität Zürich der Frage: Gesundheits-Apps – Fluch oder Segen? Dem Thema Demenz nähert sich die Berliner Stückwerkstatt auf der Theaterbühne und damit den Fragen: Was ist, wenn die gemeinsame Zeit knapp wird, wenn Erinnerungen schwinden, ein Mensch in die Demenz abdriftet? Die Neurowissenschaftlerinnen Dr. Miranka Wirth und Dr. Susanne Wegmann des Exzellenzclusters NeuroCure, des Einstein-Zentrums für Neurowissenschaften und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) an der Charité beantworten Fragen des Publikums und der virtuellen Zuschauerrunde im Anschluss an die Aufführung. Unter den aktuellen Themen, die diskutiert und der Öffentlichkeit vorgestellt werden, sind auch zentrale Themen aus dem Bereich der Gesundheitsversorgung. Mobile Anwendungen wie Gesundheits-Apps beispielsweise sind ein expandierendes Feld, das sich schnell entwickelt. Manche dieser digitalen Begleiter sind schon fester Bestandteil des täglichen Lebens geworden. Zeit also, sich mit diesen Innovationen auch einmal kritisch auseinanderzusetzen. Charité und Universität Zürich nehmen sich dem Für und Wider von Mobilsoftware im Gesundheitsbereich an. Es ist eine überwiegend digitale Plattform, in deren Rahmen die internationale Wissenschaftsgemeinschaft zwischen 1. November und 10. November zusammenkommt. Die Mehrzahl der Veranstaltungen ist kostenfrei digital zugänglich. Für verbleibende physische Veranstaltungen gelten entsprechende Abstands- und Hygieneregeln.

Das Patientenzimmer der Zukunft

- 26-10-2020

Krankenhausinfektionen mit multiresistenten Erregern sind weltweit zunehmend eine Herausforderung: Jährlich erkranken rund 500.000 Patientinnen und Patienten allein in Deutschland daran, etwa 10.000 bis 15.000 von ihnen sterben. Doch wie können solche Infektionen verhindert werden? Und kann eine neue Raumplanung die Übertragung der Erreger verringern? Dazu forscht ein interdisziplinäres Team im Verbundprojekt KARMIN. Architektinnen und Architekten der Technischen Universität Braunschweig, Medizinerinnen und Mediziner des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie Molekularbiologinnen und Molekularbiologen des Universitätsklinikums Jena entwickelten gemeinsam mit Unternehmenspartnern ein infektionspräventives Patientenzimmer. Der Demonstrator wurde heute vorgestellt. Die Expertinnen und Experten des KARMIN-Projekts haben sich sowohl mit hygienischen als auch mit den architektonischen Herausforderungen bei der Planung von Patientenzimmern beschäftigt. In zwei Studien hat das Team um Prof. Dr. Petra Gastmeier und Dr. Rasmus Leistner vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité zunächst untersucht, wie sich das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Mikroorganismen, auf den Oberflächen im Krankenhaus aufbaut und wie verschiedene Reinigungsmaßnahmen Einfluss auf das Mikrobiom im Krankenhaus nehmen können. „Wir freuen uns, dass wir im Rahmen dieses gemeinsamen Projektes einen weiteren Beitrag zur Infektionsprävention leisten können. Das Krankenhaus soll auch zukünftig ein sicherer Ort für Patientinnen und Patienten sein. Mit diesem Projekt wollen wir eine Alternative darstellen“, erklärt Prof. Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité. Eine kluge Raumplanung kann hier helfen, die Übertragung gefährlicher Keime in Krankenhäusern zu verhindern. Das konnte das Team aus Architektinnen und Architekten um KARMIN-Projektleiter Dr. Wolfgang Sunder vom Institut für Konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE) der TU Braunschweig zeigen. Gemeinsam mit Industriepartnern haben sie einen Prototypen für ein neuartiges Patientenzimmer gebaut. Grundlage für den Entwurf des infektionspräventiven Zweibettzimmers bildeten unter anderem Workshops mit Pflegepersonal und Reinigungskräften. „Die Expertise von Fachexperten und einzelnen Nutzern des Patientenzimmers wurde gezielt abgefragt und dokumentiert. Auf Grundlage der Erkenntnisse dieser Analysen wurden dann Anforderungen erstellt, die als Grundlage für den Entwurf des infektionssicheren Patientenzimmers dienten“, beschreibt Dr. Sunder die methodische Herangehensweise.  Einer der Hauptübertragungsfaktoren von multiresistenten Erregern ist das Bad. Deshalb sind im KARMIN-Prototypen zwei Nasszellen im Zwei-Bett-Zimmer vorgesehen. Wichtig war es den Planerinnen und Planern, leicht zu reinigende Materialien und Oberflächen zu wählen. Außerdem sollten hohe Hygienestandards und sinnvolle Pflegeabläufe besser miteinander verbunden werden. So verfügt das KARMIN-Patientenzimmer beispielsweise über einen Eingangsbereich mit Bedienpanel zur Raumbeleuchtung und Pflege-Arbeitsbereiche in der Nähe der Patientenbetten. Der Prototyp hat insgesamt vier Desinfektionsmittelspender entlang der Arbeitsrouten und in der Nähe der Patientenbetten, mobile und fugenlos aufgebaute Nachttische. Ein spezielles Lichtsystem führt Patientinnen und Patienten auch in der Nacht sicher zu ihrer Nasszelle. „Das KARMIN Patientenzimmer zeigt, dass sich die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Architekten, Designern und Medizinern unter der Einbindung von Praxispartnern lohnt. Dadurch konnte eine Reihe von innovativen Lösungen vom Detail bis zum Raum entstehen“, berichtet Dr. Sunder. Aufbauend auf den KARMIN-Empfehlungen soll im Rahmen eines Folgeprojekts an der Charité ein infektionspräventives Patientenzimmer unter Berücksichtigung der dortigen baulichen Gegebenheiten entwickelt werden. Die Ergebnisse sollen in konkrete Bauvorhaben, wie beispielsweise das Deutsche Herzzentrum der Charité, einfließen. Fachkräfte aus den Bereichen Medizin, Pflege und Gebäudereinigung sind vom 27. Oktober bis 22. November 2020 zur Besichtigung und Teilnahme an der Befragung des KARMIN-Patientenzimmers eingeladen. Über die Website https://karmin.info/ können Termine zum Besuch des Demonstrators auf dem Campus Charité Mitte, Virchowweg 10, in Berlin gebucht werden. Das Patientenzimmer befindet sich auf dem Platz zwischen dem Forschungsgebäude CharitéCrossOver und dem Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie.

World Health Summit 2020 digital mitverfolgen

- 22-10-2020

Was kann gegen die COVID-19-Pandemie unternommen werden? Führende Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft kommen vom 25. bis 27. Oktober digital zusammen, um aktuelle Erkenntnisse, neue globale Strategien für die Pandemie-Bekämpfung und Prävention zu diskutieren. Jeder kann die Vorträge und Diskussionen digital mitverfolgen. „Ein Virus, Infektionskrankheiten oder andere Gesundheitsbedrohungen kennen keine Grenzen – deshalb ist internationale, multilaterale Zusammenarbeit so wichtig“, sagt Prof. Dr. Detlev Ganten, Präsident und Gründer des World Health Summit. Zu den großen Themen gehören zudem auch in diesem Jahr Klimawandel und Gesundheit sowie die Rolle Europas und der World Health Organization (WHO) in der globalen Gesundheit. Sprecher des World Health Summit 2020 sind unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, EU-Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen, WHO-Generaldirektor Dr. Tedros A. Ghebreyesus und UN-Generalsekretär Dr. António Guterres. Der World Health Summit 2020 findet vom 25. bis 27. Oktober ausschließlich digital statt, es wird keine Vor-Ort-Veranstaltungen geben. Alle insgesamt 50 Keynote-Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops in Englisch sind online kostenfrei verfügbar, jede Session ist ohne Anmeldung über einen Link im Programm abrufbar. Auch für Journalisten ist die Teilnahme am World Health Summit 2020 ausschließlich digital möglich, eine Akkreditierung ist nicht erforderlich.

Neues interdisziplinäres Zentrum für Amyloidose-Patienten

- 14-10-2020

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das biopharmazeutische Unternehmen Alnylam etablieren das Amyloidosis Center Charité Berlin (ACCB) zur Behandlung der Stoffwechselerkrankung Amyloidose. Ziel ist die bestmögliche und interdisziplinäre Versorgung von Amyloidose-Patienten. Weltweit sind schätzungsweise 50.000 Menschen von Amyloidose betroffen. Weil das Krankheitsbild so komplex und auch selten ist, bleibt es oft unerkannt. Hereditäre Transthyretin (TTR)-vermittelte Amyloidose (hATTR) ist eine erbliche, fortschreitend beeinträchtigende und oft tödlich verlaufende Erkrankung, die durch Mutationen im sogenannten TTR-Gen ausgelöst wird. Das TTR-Protein wird hauptsächlich in der Leber gebildet und ist normalerweise Transportprotein von unter anderem Vitamin A. Mutationen im TTR-Gen führen zur Ablagerung von abnormen Amyloid-Proteinen. Dadurch kann es zu Schädigungen von Körperorganen und Geweben kommen, beispielsweise in den peripheren Nerven und im Herzen, die entsprechende Folgen mit sich bringen. Privatdozentin Dr. Katrin Hahn, Fachärztin für Neurologie an der Charité und Sprecherin des ACCB: „Die Einrichtung des ACCB ist ein wichtiger Schritt für die Amyloidose-Patientenversorgung in Deutschland. Die Kooperation mit Alnylam hilft uns dabei, die Charité als führendes Zentrum zur Behandlung und Erforschung von Amyloidose zu etablieren. Voraussetzung dafür ist die starke Vernetzung mit der Forschung sowie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten. Unser Ziel ist, Patienten, die an dieser zerstörerischen Erkrankung leiden, bestmöglich zu behandeln und das ACCB langfristig als Exzellenzzentrum zu etablieren.“ Durch die Kooperation sollen Patienten am ACCB zukünftig noch direkter von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und innovativen Patienten-Management-Infrastrukturen profitieren. Die Kooperation umfasst dabei auch gemeinsame wissenschaftliche Studien und Publikationen. Außerdem plant das ACCB, Fachkonferenzen auszurichten und eine interdisziplinäre Datenbank bzw. ein Register aufzubauen, um Patientendaten kontinuierlich zu erfassen und auszuwerten. Zudem ist geplant, eine Patienten-fokussierte App zu entwickeln sowie Fortbildungs- und Aufklärungsveranstaltungen für Patienten, Ärzte und klinische Einrichtungen zu organisieren. Mit Hilfe dieser Maßnahmen will das ACCB sicherstellen, dass Amyloidose-Patienten gemäß dem aktuellen Stand der Medizin behandelt und therapeutische Leitlinien kontinuierlich weiterentwickelt werden. Prof. Dr. Fabian Knebel, Leitender Oberarzt Kardiologie und Angiologie an der Charité und Sprecher des ACCB: „Bisher ist die Versorgung von Amyloidose-Patienten in Deutschland sehr dezentral organisiert. Es existieren nur wenige auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Strukturen. Mit dem ACCB bündeln wir Expertisen, um verstärkt gemeinsam an dem besten Outcome für Amyloidose-Patienten zu arbeiten. Sei es in der Neurologie, Hämatologie, Nephrologie, Gastroenterologie, Schmerzmedizin, Ophthalmologie, Chirurgie oder eben auch in der Kardiologie – die bestmögliche Versorgung von Amyloidose-Patienten bietet immer der multidisziplinäre Ansatz.“ In den letzten Jahren hat sich die Ausgangslage zur Behandlung der Erkrankung durch neue therapeutische Möglichkeiten weiterentwickelt. Dazu zählt auch die von Alnylam zur Anwendungsreife entwickelte Technologie der RNA-Interferenz (RNAi) zur Behandlung der genetisch-bedingten Amyloidose. Hannes Schmeil, Geschäftsführer von Alnylam Germany: „Für Alnylam ist es eine inspirierende Herausforderung, die Charité beim Aufbau eines Exzellenzzentrums zur Behandlung und Erforschung der Amyloidose zu unterstützen. Die Amyloidose wird auch heute noch häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Das ist vielfach zu spät bei einer Krankheit, deren Behandlung sehr herausfordernd ist. In letzter Zeit hat es bei der Behandlung von vielen seltenen und komplexen Erkrankungen große Fortschritte gegeben, wie auch bei der hereditären ATTR-Amyloidose. Damit Patienten von medizinischen Fortschritten profitieren können, müssen auch die Versorgungsstrukturen mit diesen Entwicklungen Schritt halten. Spezialisierte Zentren wie das ACCB sind hierfür der richtige Ansatz. Nur so lässt sich gewährleisten, dass Patientinnen und Patienten vom medizinischen Fortschritt profitieren können.“

Maulwürfe: intersexuell und genetisch gedopt

- 08-10-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin Weibliche Maulwürfe besitzen neben Eierstock- auch Hodengewebe, das männliche Geschlechtshormone produziert – was sie von der Kategorisierung in zwei Geschlechter abweichen lässt. Welche Erbgut-Umbauten zu dieser einzigartigen Entwicklung beitragen, beschreibt ein Team um die Berliner Forscher Prof. Dr. Stefan Mundlos und Dr. Darío Lupiáñez in Science*. Maulwürfe sind besondere Geschöpfe, die sich in einem extremen Lebensraum tummeln. Als Bergarbeiter tief in der Erde besitzen sie einen zusätzlichen Finger an jeder Vorderpfote und eine außergewöhnlich starke Muskulatur. Zudem sind Maulwurf-Weibchen zweigeschlechtlich, die Tiere bleiben jedoch fruchtbar. Wie es für Säugetiere typisch ist, sind sie mit zwei X-Chromosomen ausgestattet, besitzen aber sowohl funktionierendes Eierstock- als auch Hodengewebe. Beide Gewebetypen sind bei Maulwürfen in einem Organ, den Ovotestes, vereint – und das ist einzigartig unter Säugetieren. Das Hodengewebe der Maulwurf-Weibchen produziert zwar keine Spermien, wohl aber große Mengen des Geschlechtshormons Testosteron, sodass die Weibchen ähnlich hohe Werte wie die Männchen aufweisen. Vermutlich macht dieses natürliche „Doping“ die Maulwurf-Weibchen aggressiv und muskulös, was für ein Leben unter der Erde von Vorteil ist, wo sie Höhlen graben und um Ressourcen kämpfen müssen. In einer Studie im Fachjournal Science berichten Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun von den genetischen Besonderheiten, die zu der charakteristischen sexuellen Entwicklung bei Maulwürfen führen. Demnach sind es vor allem Veränderungen in der Struktur des Genoms, die zu einer veränderten Steuerung der Gen-Aktivität führen. Dies kurbelt in den Weibchen neben dem genetischen Programm für die Hodenentwicklung auch die Enzyme für die Produktion männlicher Hormone an. Die Studie eines internationalen Teams entstand unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Mundlos, Direktor des Instituts für Medizinische Genetik und Humangenetik der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG), sowie Dr. Darío Lupiáñez, Forschungsgruppenleiter am Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB), das zum Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehört. „Seit Darwin gilt, dass die unterschiedlichen Erscheinungsbilder von Lebewesen durch graduelle Veränderungen im Erbgut entstanden, die an die nächsten Generationen weitergegeben wurden“, sagt Prof. Mundlos. „Aber wie hängen DNA-Veränderungen und Ausprägung konkret zusammen und wie findet man sie?“ Um dieser Frage nachzugehen, sequenzierten die Forscherinnen und Forscher das Genom des Iberischen Maulwurfs (Talpa occidentalis) erstmals komplett. Auch die dreidimensionale Struktur des Erbgutes in der Zelle untersuchten sie. Denn im Zellkern bilden Gene und zugehörige Steuersequenzen regulatorische Domänen – das sind relativ isolierte „Nachbarschaften“, in denen DNA-Abschnitte besonders häufig miteinander interagieren. „Unsere Hypothese war, dass beim Maulwurf nicht nur Veränderungen in den Genen, sondern vor allem auch in der Regulation dieser Gene existieren“, sagt Prof. Mundlos. Im Laufe der Maulwurf-Evolution hätten sich demnach nicht nur einzelne DNA-Buchstaben geändert, sondern sich auch größere Teilstücke des Genoms verlagert, sagt der Forscher. Gelangen DNA-Abschnitte von einer Stelle an die nächste, können ganz neue regulatorische Domänen entstehen und damit neue Gene aktivieren oder vorhandene verstärken oder abschwächen. „Die sexuelle Entwicklung von Säugetieren ist komplex, aber wir haben eine recht gute Vorstellung davon, wie der Prozess abläuft“, sagt Dr. Lupiáñez. „Ab einem bestimmten Zeitpunkt geht die Entwicklung in die eine oder andere Richtung weiter, männlich oder weiblich. Wir wollten wissen, wie die Evolution diesen eigentlich festgelegten Ablauf moduliert und die intersexuellen Eigenschaften von Maulwürfen ermöglicht.“ Tatsächlich entdeckte das Team beim Vergleich mit dem Genom anderer Tiere und des Menschen eine Inversion – also einen umgedrehten Erbgutabschnitt – in einem Bereich, der an der Bildung der Hoden beteiligt ist. Durch die Drehung geraten zusätzliche DNA-Abschnitte in die regulatorische Domäne des Gens FGF9, was die Steuerung und Regulation des Gens neu organisiert. „Diese Veränderung führt dazu, dass sich in weiblichen Maulwürfen neben Eierstock- auch Hodengewebe entwickeln kann“, erklärt die Erstautorin der Studie Dr. Francisca Martinez Real, Wissenschaftlerin am MPIMG und am Institut für Medizinische Genetik und Humangenetik der Charité. Zusätzlich stieß das Team auf eine Verdreifachung eines Genom-Abschnitts um das Gen CYP17A1, das für die Produktion männlicher Sexualhormone (Androgene) zuständig ist. „Durch die Triplikation entstehen zusätzliche Steuersequenzen für das Gen – und in den Ovotestes der Maulwurf-Weibchen werden verstärkt männliche Geschlechtshormone hergestellt, vor allem mehr Testosteron“, sagt Dr. Real. Eine Herausforderung der Studie war es, dass sich die sehr territorialen Maulwürfe nicht im Labor halten lassen. „Wir mussten sämtliche Untersuchungen an wildlebenden Maulwürfen vornehmen“, sagt Dr. Lupiáñez. Er und Dr. Real waren monatelang in Südspanien unterwegs und sammelten Proben für ihre Experimente. „Diese Schwierigkeit war allerdings zugleich eine Stärke unserer Studie. Unsere Ergebnisse gelten nicht nur für Labortiere, sondern auch für freilebende Tiere.“ Die beiden Genomveränderungen tragen tatsächlich zur besonderen Sexualität von Maulwurf-Weibchen bei. Dies wies die Forschungsgruppe nach, indem sie die genetischen Veränderungen aus den Maulwürfen im Mausmodell nachahmte. Die weiblichen Mäuse hatten erhöhte Androgenspiegel, die so hoch waren wie bei normalen Mäuse-Männchen. Sie waren außerdem deutlich kräftiger als unveränderte Artgenossinnen. Bei Maulwürfen sind die Geschlechter nicht klar voneinander abgegrenzt, vielmehr bewegen sich die Weibchen auf einem Spektrum zwischen typisch weiblicher und typisch männlicher Ausprägung, sie sind also intersexuell. „Unsere Befunde sind ein gutes Beispiel dafür, wie bedeutend die dreidimensionale Organisation des Genoms für die Evolution ist“, sagt Dr. Lupiáñez. „Die Natur bedient sich aus dem vorhandenen Werkzeugkasten der Entwicklungsgene und ordnet sie nur neu an, um ein Merkmal wie die Intersexualität zu erzeugen. Andere Organsysteme und die Entwicklung werden dabei nicht beeinträchtigt.“ „Historisch gesehen hat der Begriff Intersexualität erhebliche Kontroversen ausgelöst“, sagt Prof. Mundlos. „Es gab und gibt die Tendenz, intersexuelle Phänotypen als krankhafte Zustände zu charakterisieren. Unsere Studie zeigt, wie komplex die sexuelle Entwicklung ist und dass die Natur ein großes Spektrum an Zwischentypen hervorbringen kann.“

TALKING SCIENCE – wenn Wissenschaft auf Gesellschaft trifft

- 06-10-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin Gestern Pest, heute Covid-19, morgen Klimakollaps? Alte Krankheiten werden besiegt, neue tauchen auf. Was macht krank und wie bleiben wir gesund? Der neue Wissenschaftspodcast TALKING SCIENCE gibt Antworten – ab 6. Oktober 2020 in sieben Folgen, immer dienstags ab 8:00 Uhr auf rbbkultur.de und rbb-online.de/talkingscience. Der Podcast ist eine Produktion des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb). Die erste Staffel beschäftigt sich mit Themen rund um die interdisziplinäre Gesundheitsforschung in globaler Perspektive und ist entstanden in Zusammenarbeit mit der Berlin University Alliance, dem Exzellenzverbund der drei Berliner Universitäten Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin und Technische Universität Berlin sowie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und mit besonderer Unterstützung der Stabsstelle für Global Health an der Charité. Julia Vismann trifft in jeder Folge Forschende aus Berlin und Brandenburg, einer der lebendigsten Wissenschaftsregionen Deutschlands. Sie besucht die Forscherinnen und Forscher in ihren Instituten, lädt sie ins rbb-Studio ein oder verabredet sich mit ihnen vor Ort auf dem Acker, im Labor, an der Straßenkreuzung. In jeder Folge sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zwei Einrichtungen der Berlin University Alliance vertreten – mit jeweils einem unterschiedlichen fachlichen Hintergrund von der Globalgeschichte bis hin zur Psychologie, von der Politikwissenschaft bis hin zur Biotechnologie. Live-Podcast mit Christian Drosten zu Klimawandel und Pandemien Eine besondere Folge ist ein Live-Podcast am 27. Oktober 2020 um 16 Uhr: Die rbb-Wissenschaftsjournalistin Julia Vismann spricht mit Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor am Institut für Virologie der Charité, und Prof. Dr. Jörg Niewöhner, Professor für Stadtanthropologie am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Anlässlich des World Health Summit geht es um das Thema „Extremer als es uns guttut – Was Klimawandel mit Pandemien zu tun hat und Umweltschutz mit Kultur“. Weitere Themen von TALKING SCIENCE vom 6. Oktober bis 17. November 2020, dienstags um 8:00 Uhr, sind: – „Stadt, Land, Stress – Gesundes Leben in der City“ mit Prof. Dr. Mazda Adli, Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Prof. Dr. Philipp Misselwitz, Technische Universität Berlin – „Der kleine Unterschied – Männer und Frauen in der Welt der Gesundheit“ mit Prof. Dr. Gertraud Stadler, Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Prof. Dr. Gülay Caglar, Freie Universität Berlin – „Viele Gesichter – Der Einfluss von Kulturen und Migration auf die Gesundheit“ mit Dr. Valeska Huber, Freie Universität Berlin, und Prof. Dr. Ulrike Kluge, Charité – Universitätsmedizin Berlin – „Wir sind immer für Sie da – Über die gesunde Balance aus Arbeit, Familie, Freizeit und Handy“ mit Prof. Dr. Annekatrin Hoppe, Humboldt-Universität zu Berlin, und Prof. Dr. Andreas Eckert, Humboldt-Universität zu Berlin – „Heißer als es gekocht wird – Warum der Klimawandel eine Gefahr für unsere Ernährung und die Gesundheit ist“ mit Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer, Technische Universität Berlin, und Prof. Dr. Dr. Sabine Gabrysch, Charité – Universitätsmedizin Berlin – „Mensch, Maus, Maschine – Innovationen für eine gesündere Welt“ mit Dr. Julius Emmrich, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Dr. Samuel Knauß, Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Prof. Dr. Jens Kurreck, Technische Universität Berlin

Neuer OP-Roboter für die Kinderneurochirurgie

- 05-10-2020

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat jetzt einen OP-Roboter der neuesten Generation in Betrieb genommen, um komplexe Tumorerkrankungen des Nervensystems bei den kleinsten Patienten operativ versorgen zu können. Damit ist die Charité eine von wenigen Kliniken, die über diese innovative operative Technik verfügt. „In unserer Klinik behandeln wir ein großes Spektrum von Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, die operativ versorgt werden müssen. Die meisten davon betreffen das Gehirn oder das Rückenmark“, erklärt Prof. Dr. Ulrich-Wilhelm Thomale, Leiter der Pädiatrischen Neurochirurgie am Campus Virchow-Klinikum. „Um diese Tumoren zu erreichen, brauchen wir sehr fortgeschrittene Technik, damit wir mit höchster Präzision an sie rankommen, um unsere Patienten noch optimaler versorgen zu können“, fügt er hinzu. Das neue System ist noch minimalinvasiver, schonender und ermöglicht eine deutlich kürzere Operationszeit. Doch wo genau findet der Roboter Anwendung? Der Assistenzroboter kommt beispielsweise bei neurologischen Erkrankungen zum Einsatz, die ein Vordringen in tiefere Gehirnstrukturen nötig machen. So kann beispielsweise zur Diagnose von Hirntumoren mit der Entnahme einer Gewebeprobe festgestellt werden, ob eine Geschwulst gut- oder bösartig ist. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Elektroden im Gehirn zu platzieren, um bei einer Epilepsie zu messen, in welcher Hirnregion die Erkrankung genau ihren Ursprung hat. „Wir sind sehr froh, dass wir mit dem neuen Roboter unseren Patienten, schon jetzt eine noch bessere und schonendere Behandlungsmöglichkeit anbieten können. Das System wird darüber hinaus für kommende neuartige Therapien bei Kindern weiterentwickelt werden können. Wir danken allen Spenderinnen und Spendern für ihre Unterstützung“, sagt Prof. Thomale.

Christian Drosten nimmt Bundesverdienstkreuz 1. Klasse entgegen

- 01-10-2020

Prof. Dr. Christian Drosten ist für seine außergewöhnlichen Leistungen mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Der Direktor des Instituts für Virologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin bekam die Auszeichnung Bundesverdienstkreuz 1. Klasse heute vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Schloss Bellevue überreicht. Unter dem Motto „Vereint und füreinander da“ würdigte der Bundespräsident 15 Bürgerinnen und Bürger für ihre außergewöhnlichen Leistungen. Er lobte Prof. Drosten für die herausragende Rolle, die ihm bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie zukommt. Ihm sei es sehr schnell gelungen, den Erreger als SARS-Virus zu identifizieren und schon im Januar einen Nachweis zu entwickeln. Darüber hinaus habe er wichtige und weltweit anerkannte Erkenntnisse zum Infektionsgeschehen geliefert und diese mit seinem wöchentlichen Podcast auch der Öffentlichkeit vermittelt. Prof. Drosten hatte bereits 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande für die Identifizierung des ursprünglichen SARS-Coronavirus erhalten. Der Charité-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Heyo K. Kroemer gratulierte dem Virologen zu der nun zweiten Verdienstauszeichnung: „Prof. Drosten gehört ohne Zweifel national wie international zu den führenden wissenschaftlichen Köpfen bei der Bekämpfung der größten Gesundheitskrise unserer Zeit. Ich freue mich sehr, dass sein unermüdliches Engagement für die Forschung, die Wissenschaftskommunikation und die wissenschaftliche Beratung prominent gewürdigt wird.“ Der NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ mit Prof. Drosten wurde inzwischen über 60 Millionen Mal abgerufen und hat zwei Grimme Online Awards erhalten. Das verdeutlicht das große Bedürfnis der Öffentlichkeit nach verständlicher Aufklärung und Einordnung der komplexen Zusammenhänge und Entwicklungen während der Pandemie. Für seine herausragenden kommunikativen Fähigkeiten wurde Prof. Drosten bereits mit dem Sonderpreis der Deutsches Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Stifterverbandes sowie mit dem Sonderpreis des Deutschen Radiopreises geehrt. Darüber hinaus erhielt er kürzlich den Ehrenpreis des Berufsverbands der Kommunikatoren (BdKom) und den KlarText-Sonderpreis für Wissenschaftskommunikation der Klaus Tschira Stiftung.

Meilenstein für die Berlin University Alliance: Abgeordnetenhaus beschließt Kooperationsplattform

- 01-10-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie der Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung Der Exzellenzverbund der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin sowie der Charité – Universitätsmedizin Berlin richtet eine Kooperationsplattform in Form einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (KöR) ein. Mit der zentralen Verwaltungseinheit bietet die Berlin University Alliance (BUA) den Verbundprojekten einen effizienten, stabilen und rechtssicheren Rahmen. Das Berliner Abgeordnetenhaus hatte dem entsprechenden Gesetz am Donnerstag mehrheitlich zugestimmt. Für die Erforschung komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen braucht der Exzellenzverbund stabile gemeinsame Unterstützungsstrukturen. Die Kooperationsplattform erleichtert die Bereitstellung, den Betrieb und die Nutzung von Forschungsinfrastrukturen über die Grenzen der Verbundpartner hinweg und schafft dadurch die administrativen Voraussetzungen für die Schaffung eines gemeinsamen Berliner Forschungsraumes. Mit Beginn eines Kooperationsprojekts, an dem mehrere Partner beteiligt sind, erhalten die Forschenden einen Angehörigenstatus. Dieser Status erlaubt es zum Beispiel, wissenschaftliche Großgeräte, Sammlungen, Dienstleistungen, soziale und informationstechnische Infrastrukturen der Verbundpartnerinnen zu nutzen, als wäre man Mitglied der jeweils anderen Organisation. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, unterstreicht die Bedeutung des Gesetzes für den Innovationsstandort Berlin: „Das heute beschlossene Gesetz ist bundesweit einmalig und wegweisend für alle innovativen Wissenschaftsstandorte, die auf Kooperation und Nutzung von Synergien setzen. Die Kooperationsplattform wird nicht nur die Zusammenarbeit der Berlin University Alliance entscheidend voranbringen, sie ist auch ein Quantensprung auf unserem gemeinsamen Weg zu einem integrierten Berliner Forschungsraum.“ Prof. Dr. Günter M. Ziegler, Sprecher der Berlin University Alliance und Präsident der Freien Universität Berlin, bewertet den Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses als „wichtigen Meilenstein“ für den Verbund: „Das Gesetz schafft eine Struktur, die die Arbeitsabläufe vereinfachen und die Zusammenarbeit der Verbundpartnerinnen künftig enorm befördern wird.“ Mit Blick auf die Mitwirkung auch des Akademischen Senats und der übrigen Gremien der Freien Universität an dem Prozess im Vorfeld des Votums fügt Ziegler hinzu: „Die intensiven Diskussionen haben dazu beigetragen, den ursprünglichen Entwurf deutlich zu verbessern. Damit ist die künftige Rolle der neuen Körperschaft als Geschäftsstellenstruktur der Berlin University Alliance klargestellt, und die Struktur des Verbunds insgesamt ist dadurch geschärft worden.“ „Eine der wichtigsten Aufgaben der Plattform ist die Schaffung von Durchlässigkeit zwischen den Institutionen. Wir wollen gemeinsam als Partner vorhandene Infrastrukturen für die Forschung nutzen und neue Strukturen zusammen betreiben. Das ermöglicht uns am Wissenschaftsstandort Berlin eine völlig neue Qualität von Zusammenarbeit. Und genau dieser Ansatz war ein wichtiger Bestandteil und Schwerpunkt im gemeinsamen Antrag zum Exzellenzstrategie-Wettbewerb. Unser Ziel ist die Minimierung der administrativen Aufwände für unsere Forscherinnen und Forscher. Mit dem verabschiedeten Gesetz wird uns das gelingen“, ist Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin, zuversichtlich. „Mit der Körperschaft haben wir einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der die Ausgestaltung einzelner Maßnahmen im Rahmen der Berlin University Alliance erleichtert. Sie stärkt die gemeinsame Vision der Partnerinnen, indem sie Kooperation erleichtert und zukünftige Vorhaben unterstützt“, freut sich Prof. Dr. Angela Ittel, Vizepräsidentin für Strategische Entwicklung, Nachwuchs und Lehrkräftebildung der TU Berlin und Mitglied des Executive Boards der BUA. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin, unterstreicht: „Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Verbundpartnerinnen werden in hohem Maße von der Körperschaft öffentlichen Rechts profitieren, unter anderem, weil sie neue und unbürokratische Möglichkeiten zur gemeinsamen Ressourcennutzung schafft. Die Bereitstellung gemeinsamer Infrastrukturen und Serviceleistungen erleichtert nicht nur den Forschungsalltag unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutlich, sie trägt außerdem dazu bei, den Berliner Forschungsstandort für renommierte Köpfe aus dem In- und Ausland noch attraktiver zu gestalten.“

Covid-19 mit vereinten Kräften begegnen

- 01-10-2020

Initiiert und koordiniert von der Charité – Universitätsmedizin Berlin bündelt das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19 bestehende Kräfte. Das Ziel: In möglichst kurzer Zeit Erkenntnisse über die neuartige Erkrankung verfügbar zu machen. Die Strukturen für eine bundesweit abgestimmte Covid-19-Forschung sind jetzt geschaffen. 13 umfängliche Verbundprojekte mit Leitungen an den verschiedenen Standorten der Universitätsmedizin wurden konzipiert. Die Charité leitet zwei der Großvorhaben, bei drei Projekten ist sie in Co-Leitung vertreten. Darüber hinaus tragen Forschende der Charité zu weiteren sieben Verbünden maßgeblich bei. Insgesamt stehen dem Forschungsnetzwerk rund 150 Millionen Euro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für ein Jahr zur Verfügung. Infektionen verhindern, Patienten optimal versorgen, Gesundheitsversorgung erhalten – die Covid-19-Pandemie erfordert innerhalb kurzer Zeit ganz neue Handlungsstrategien. Um Forschungsaktivitäten zu bündeln und zu stärken, haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an 36 Standorten der Universitätsmedizin zusammengeschlossen. Zentral koordiniert wird das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19, kurz: Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), an der Charité. Mitinitiator des Vorhabens und Vorstandsvorsitzender der Charité Prof. Dr. Heyo K. Kroemer: „Unter diesem Dach, unter Beteiligung nahezu aller deutschen Universitätsklinika und weiterer Netzwerke, arbeiten Forschende jetzt standortübergreifend an Lösungen für bestmögliche Versorgung von Patientinnen und Patienten, an Fragen der Versorgungsforschung, der Pandemiebekämpfung und zu evidenzbasiertem Vorgehen. Neu ist die leitende Idee: Kooperation möglichst vieler Akteure statt Wettbewerb Einzelner, denn wir brauchen jetzt Wissen, das schnell zugänglich ist.“ Das Netzwerk Universitätsmedizin fördert den systematischen, flächendeckenden Austausch zwischen den Kooperationspartnern. Aus mehr als 280 eingereichten Ideenskizzen haben sich im engen Austausch mit der Nationalen Task Force und koordiniert über die Charité 13 Großprojekte formiert. Die Umsetzungskonzepte berücksichtigen Forschungsschwerpunkte an den jeweiligen Standorten und bündeln herausragende Kompetenzen bundesweit. Die so konzipierten Verbünde stehen unter der Leitung von einem oder mehreren Standorten. Fünf der Vorhaben betreut die Charité federführend oder in Kooperation mit weiteren Universitätsklinika. An sieben Vorhaben sind Forschende der Berliner Universitätsmedizin darüber hinaus beteiligt, darunter die Erstellung eines Notaufnahmeregisters, die Erarbeitung von Teststrategien unter Berücksichtigung des Pandemiegeschehens oder das Voranbringen spezifischer App-Entwicklungen. Nachfolgende Verbundprojekte stehen unter Federführung oder Co-Leitung der Charité: Nationale Forschungsdatenplattform Covid-19 (FoDaPla) Für die Covid-19-Forschung wird eine umfangreiche, standardisierte Datenbasis als Grundlage für die vielfältigen Forschungsfragen benötigt. Ziel des Projektes ist es daher, eine bundesweit einheitliche, datenschutzkonforme Infrastruktur zur Speicherung von Covid-19-Forschungsdatensätzen aufzubauen. Vorgesehen sind unter anderem eine zentrale Datenplattform, Datenerfassungsinstrumente, Use- und Access-Verfahren sowie eine Treuhandstelle. Koordinierender Projektleiter Prof. Dr. Roland Eils, Gründungsdirektor des Zentrums für Digitale Gesundheit des Berlin Institute of Health (BIH) und der Charité: „Wir wollen eine Infrastruktur schaffen, die in der Lage ist, komplexe Covid-19-Forschungsdatensätze, darunter klinische Daten, Daten von Biomaterialien und Bilddaten, multizentrisch, patientenbezogen und pseudonymisiert abzubilden. Diese werden der Forschung zentral zur Verfügung stehen und Universitätskliniken untereinander verbinden.“ Die Infrastruktur für die Forschungsdatenplattform stellen das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung und die Medizininformatik-Initiative zur Verfügung. Die Plattform soll erweiterbar sein und ist auf die nachhaltige Nutzung auch für zukünftige Pandemien ausgerichtet. Gesamtkoordination: Charité – Universitätsmedizin Berlin. Mitarbeit im Projekt: Medizinische Hochschule Hannover, Universitätsmedizin Greifwald, Universitätsklinikum Köln, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Universitätsmedizin Göttingen, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Universitätsklinikum Erlangen, Universitätsmedizin Dresden, Universitätsmedizin Mannheim, Universitätsklinikum Leipzig, Universitätsklinikum Aachen, Universitätsklinikum Ulm, Universitätsklinikum Frankfurt, Universitätsklinikum Bonn, Ludwigs-Maximilian-Universität München, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Technische Universität München, Eberhard Karls Universität Tübingen. Außeruniversitäre Partner: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), TMF e.V., Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen GmbH (GWDG), Hochschule Heilbronn. Nationales Pandemie Kohorten Netz (NAPKON) Das umfassende Projekt hat sich zur Aufgabe gemacht, ein Netzwerk zur Erfassung qualitativ hochwertiger klinischer Daten, einschließlich Daten zu Bioproben und Bildgebung, zu schaffen. Es soll die Grundlage wissenschaftlicher Studien sichern und ist eng verzahnt mit dem Aufbau der Nationalen Forschungsdatenplattform Covid-19, die unter anderem zur Zusammenführung der aus NAPKON generierten Daten dient. Prof. Dr. Martin Witzenrath, Mitkoordinator des Verbundes und Stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité: „Wir ermöglichen der Covid-19-Forschung einen zentral koordinierten, schnellen und effizienten Zugang zu vielfältigem Daten- und Biomaterial von hoher Qualität. Damit werden valide Forschungsarbeiten auf breiter, aktueller Datenbasis möglich. Beispielsweise können anhand geeigneter Kohorten Langzeitfolgen infolge einer Covid-19-Erkrankung systematisch und unter Einbeziehung aller Gesundheitssektoren analysiert werden.“ Das Netzwerk wird aus grundlegenden Infrastrukturen und Kohortenplattformen bestehen, die neben deutschen Universitätsklinika weitere Akteure wie nichtuniversitäre Krankenhäuser, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und andere Versorgungseinrichtungen integrieren. Projektleitung: Charité – Universitätsmedizin Berlin, Universitätsklinikum Frankfurt, Universitätsklinikum Hannover, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Universitätsklinikum Würzburg. Mitarbeit im Projekt: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Universitätsklinikum Köln. Des Weiteren sind alle deutschen Universitätsklinika aufgerufen, sich NAPKON anzuschließen. Außeruniversitäre Partner: Nichtuniversitäre Krankenhäuser, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und andere Versorgungseinrichtungen. Bestimmung und Nutzung von SARS-CoV-2 Immunität (COVIM) Die Ausbildung von schützender Immunität kann Infektionen verhindern und die SARS-CoV-2-Pandemie entscheidend beeinflussen. Daher ist die Identifikation von Merkmalen für Immunität und die sichere Beurteilung von Immunität sowohl auf individueller als auch auf Bevölkerungsebene von zentraler Bedeutung. Das COVIM-Konsortium befasst sich daher mit den Fragen: Wer ist wodurch und wie lange vor einer SARS-CoV-2-Infektion immunologisch geschützt? Und wie kann immunologischer Schutz von wenigen immunen Personen auf viele nichtimmune Personen übertragen werden? Co-Projektleiter Prof. Dr. Leif Erik Sander, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité: „Um Antworten zu finden, bündeln wir immunologische, virologische, bioinformatische, epidemiologische und klinisch-infektiologische Expertise aus ganz Deutschland. Wir werden Analysen zur kollektiven und individuellen Immunität durchführen, um so ein möglichst komplettes Bild der Anti-SARS-CoV-2-Immunität in der deutschen Bevölkerung zu erlangen.“ Mit einem interdisziplinären ‚ImmunoHub‘ sollen alle in COVIM erhobenen Daten integriert und durch computerunterstütztes Lernen ausgewertet werden. In Kooperation mit dem NAPKON-Projekt soll das Forschungsprojekt maßgeblich zu Lösungen zum Schutz der Bevölkerung vor Covid-19 beitragen. Projektleitung: Charité – Universitätsmedizin Berlin, Universitätsklinikum Köln. Mitarbeit im Projekt: Universitätsklinikum Düsseldorf, Universitätsklinikum Erlangen, Universitätsklinikum Freiburg, Ludwig-Maximilians-Universität München, Technische Universität München, Medizinische Hochschule Hannover, Universitätsklinikum Köln, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Universitätsklinikum Frankfurt, Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Organspezifische Stratifikation bei Covid-19 (Organo-Strat) Organo-Strat steht für Organstratifikation, denn bei Covid-19 handelt es sich nicht ausschließlich um eine Atemwegserkrankung – weitere Organsysteme wie Herz, Gehirn, Nieren, Magen-Darm-Trakt oder das Gefäßsystem können mit betroffen sein. Art und Umfang dieser Organbeteiligungen sind bislang nur unvollständig verstanden und haben direkten Einfluss auf die individuelle klinische Prognose sowie auf therapeutische Möglichkeiten. Was derzeit fehlt, sind aussagekräftige, klinisch relevante Informationen zu Krankheitsentstehung, Krankheitsverlauf und organspezifischer Krankheitsbeteiligung. Es fehlen ebenso belastbare Modelle zur Testung möglicher Wirkstoffe in der präklinischen Phase. Koordinierender Projektleiter Prof. Dr. Andreas C. Hocke, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité: „Unser Ziel ist daher die Etablierung eines Netzwerks von Universitätsklinika sowie universitären und außeruniversitären Partnern, um Standards für humane Organmodelle und deren gezielte Infektion sowie vergleichende Analysen an nativen Gewebe- und Autopsieproben aufzubauen. Mithilfe eines strukturierten Qualitäts- und Datenmanagements wird somit eine vereinbarte Prozesskette etabliert, die unmittelbar dem Krankheitsverständnis von Covid-19 dient.“ Organo-Strat wird anhand von COVID-19 eine modulare und flexible Netzwerkstruktur ins Leben rufen, die zukünftig bei Auftreten neuer Erreger, im Sinne einer Pandemic Preparedness, Informationen zur organspezifischen Beteiligung erbringen und schnelle Wirkstoffanalysen durchführen kann. Projektleitung: Charité – Universitätsmedizin Berlin. Mitarbeit im Projekt: Neun initiale Standorte der Universitätsklinika Aachen, Berlin, Hamburg, Heidelberg, Jena, Gießen/ Marburg, Münster, Tübingen und Würzburg. (Außer)universitäre Partner: Freie Universität Berlin, Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, Robert Koch-Institut. Radiological Cooperative Network zur Covid-19 Pandemie (RACOON) Schon frühzeitig im Verlauf der Covid-19-Pandemie hat sich gezeigt, dass der Radiologie eine Schlüsselrolle beim Management dieser neuartigen Erkrankung zukommt. Gerade die CT-Bildgebung der Lunge war und ist einer der Grundsteine der Diagnostik und vor allem der Beurteilung des Verlaufs der Erkrankung. Daher ist die Analyse der radiologischen Erkenntnisse zu Covid-19 eines der entscheidenden Ziele bei der Pandemiebewältigung. Eine Hürde für die systematische und quantitative Auswertung der radiologischen Daten ist jedoch die standardisierte Erfassung der Befunde der Bildgebung. Insbesondere der klassische Freitextbefund ist der maschinellen Auswertung in großen Stückzahlen nicht zugänglich. Seit einigen Jahren hat sich in der Radiologie daher die Vorgehensweise der sogenannten strukturierten Befundung etabliert. Dabei wird jeder Befund und Messwert zu jeder Zeit mit Metainformationen verknüpft, die eindeutig und reproduzierbar definieren, wie ein Befund erhoben wurde, quantifiziert oder aus anderen Daten abgeleitet worden ist. Als erstes Projekt dieser Größenordnung wird das Netzwerk RACOON nun eine deutschlandweite Infrastruktur zur genormten Erfassung radiologischer Daten von Covid-19-Fällen errichten und diese für die Pandemiebekämpfung einsetzen. Co-Projektleiter Prof. Dr. Bernd Hamm, Direktor der Klinik für Radiologie der Charité: „Mit RACOON können wir gesammelte Befunde und Analysen Covid-19-verdächtiger Fälle von Lungenentzündungen für die Forschung nutzbar machen. Es werden erstmals hochstrukturierte Daten in dieser Größenordnung zur Verfügung stehen, die als wertvolle Entscheidungsgrundlage zu epidemiologischen Studien, Lageeinschätzungen und Frühwarnmechanismen beitragen können.“ Darüber hinaus sollen die Daten für epidemiologische Frühwarnsysteme oder medizinische Assistenzsysteme unter anderem auf Basis künstlicher Intelligenz bereitstehen. Projektleitung: Charité – Universitätsmedizin Berlin, Universitätsklinikum Frankfurt. Mitarbeit im Projekt: Alle deutschen Universitätsklinika. (Außer)universitäre Partner: Technische Universität Darmstadt, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg, Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS, Bremen.

Verstehen, was Gesellschaften zusammenhält, und für die Zukunft nutzbar machen

- 28-09-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin Sozialer Zusammenhalt ist eine globale Herausforderung. Das Verständnis gesellschaftlicher Transformationen ist ein Schlüssel für ein gelingendes Zusammenleben in einer komplexen, heterogenen Welt. Die Berlin University Alliance hat nach einem zweistufigen Auswahlverfahren sechs sogenannte „Exploration Projects“ identifiziert. Diese Projekte forschen in unterschiedlichen Disziplinen und wissenschaftlichen Einrichtungen zu den Dynamiken, Perspektiven und Grenzen dessen, was unsere Gesellschaften im Kern zusammenhält. Sie werden ab Oktober 2020 mit einem Gesamtvolumen von insgesamt 7,1 Millionen Euro über die nächsten drei Jahre gefördert. Die ausgewählten Projekte „Museen als Räume der sozialen Kohäsion“: Ziel des Projekts ist es, mit Blick auf soziale Kohäsion die soziale Rolle von Museen, die im Verbund mit Universitäten zentrale Orte der Wissensvermittlung und Gemeinschaftsbildung sind, neu zu befragen. „Transforming Solidarities. Praktiken und Infrastrukturen in der Migrationsgesellschaft“: In Berlin als „Labor“ der Migrationsgesellschaft untersucht das Projekt in den Feldern Arbeit, Wohnen und Gesundheit, was Solidarität ist sowie unter welchen Bedingungen sie wo und in welcher Form entsteht „The Laws of Social Cohesion (LSC) – Zur Bedeutung des Rechts für die demokratische Gestaltung sozialen Zusammenhalts“: LSC untersucht, wie genau das Recht das Zusammenleben aktiv formt, gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert, wo dessen integrative Grenzen liegen oder inwiefern es gesellschaftlichen Zusammenhalt möglicherweise sogar gefährdet. „Social Cohesion and Civil Society. Interaction Dynamics in Times of Disruption“: Sozialer Zusammenhalt ist ein wesentlicher Gestaltungsfaktor unserer Gesellschaft und entfaltet sich im Austausch untereinander immer wieder neu. Das Projekt untersucht, wie sich unter den Beschränkungen der aktuellen Krise diese Interaktionen anders organisieren und was das für unseren sozialen Zusammenhalt bedeutet. „Social cohesion, food and health. Inclusive food system transitions“: Fragen des sozialen Zusammenhalts sind untrennbar mit unseren Ernährungssystemen und ernährungsbezogener Gesundheit verbunden und stehen in enger Wechselwirkung. Das Projekt untersucht diesen Zusammenhang erstmals systematisch. „Beyond social cohesion – Global repertoires of living together (RePLITO)“: Das Projekt hat das Ziel, ein digitales Archiv der marginalisierten, oft vernachlässigten oder unsichtbaren Formen des Zusammenlebens zu schaffen, um unser Verständnis für andere Formen des Zusammenlebens zu erweitern und sozialen Zusammenhalt aus einer transregionalen Perspektive neu zu überdenken. Zur Auswahl der Projekte äußert sich Prof. Dr. Martina Löw, Mitglied des Steuerungskomitees für die Grand Challenge Initiatives erfreut: „Die Projekte decken ein breites Spektrum der für Social Cohesion höchst relevanten Themenfelder ab: angefangen bei kultureller Inklusion, über die Probleme in Zivilgesellschaften, aktuelle Fragen von Gesundheit und Ernährung sowie von Migration bis hin zu Rechtsfragen. Sie ergänzen sich in ihren Fragestellungen und ermöglichen so eine umfassende Analyse der großen Herausforderung Social Cohesion.“ Was sind die Grand Challenge Initiatives und ihre „Exploration Projects“? Die Grand Challenge Initiatives der Berlin University Alliance werden größere interdisziplinäre Forschungsverbünde in Berlin etablieren, die drängende gesellschaftliche Zukunftsfragen in den Blick nehmen. Die erste Grand Challenge Initiative widmet sich Fragestellungen zu Social Cohesion. Die geförderten „Exploration Projects“ sollen hier einen spezifisch Berliner Ansatz zu diesen Fragen bilden. Dieser Ansatz vernetzt die Forschung der Partnereinrichtungen in der Berlin University Alliance untereinander, überbrückt die Distanz der Fachrichtungen zueinander und bezieht auch nichtakademische Akteure aus Gesellschaft und Politik ein. Mit diesem transdisziplinären Ansatz tragen die „Exploration Projects“ wesentlich zur Weiterentwicklung der Grand Challenge Initiatives des Verbunds bei und stärken den Forschungsstandort Berlin auch im globalen Vergleich. Dass sich die erste Grand Challenge dem Thema sozialen Zusammenhalts widmet, kommentiert Prof. Löw: „Viele Menschen nehmen ein Schwinden sozialen Zusammenhalts wahr. Diesen Eindruck muss man ernst nehmen. Gerade in Zeiten radikalen sozialen Wandelns müssen die Formen von Zusammenhalt neu überprüft werden.“ Der Verbund legt mit den „Exploration Projects“ auch einen besonderen Zuschnitt an Fördermaßnahmen vor. Prof. Dr. Rainer Haag, Sprecher des Steuerungskomitees unterstreicht: „Die meisten öffentlichen Fördermaßnahmen in der Wissenschaft erlauben nur ein geringes Maß an Transdisziplinarität und Langfristigkeit. Das soll mit der Grand Challenge Initiative der Berlin University Alliance nun überwunden werden. Die ausgewählten Konsortien greifen gesellschaftlich Probleme auf, sollen neue Lösungen erforschen und innovative Wege der Wissensvermittlung aufzeigen. Die besten zwei Konsortien haben nach Abschluss der dreijährigen Förderung die Möglichkeit eine sogenannte Einstein Research Unit zu beantragen, um im Erfolgsfall eine gewisse Nachhaltigkeit des Forschungsverbundes zu ermöglichen.“ Einstein Research Units werden im Rahmen einer neuen Förderlinie der Einstein Stiftung Berlin unterstützt. Institutsübergreifende Kooperation von Wissenschaft und Gesellschaft Anträge konnten alle promovierten wissenschaftlichen Mitglieder einer der Partnereinrichtungen der Berlin University Alliance stellen. An jedem antragstellenden Konsortium sollten mindestens zwei Häuser des Verbunds beteiligt sein. Forschungsgegenstand und Methoden der sechs „Exploration Projects“ sollen eine besondere Strahlkraft entfalten. Ausschlaggebende Auswahlkriterien waren neben einem neuartigen und innovativen Ansatz die interdisziplinäre beziehungsweise transdisziplinäre Kooperation, eine vielfältige und hochkarätige Gruppenzusammensetzung, Konzepte zur Nachwuchsförderung und Wissenschaftskommunikation, Beteiligung gesellschaftlicher Akteure in Berlin sowie die langfristige Ausrichtung. Prof. Haag erläutert das Verfahren: „Die Aufgabe des Steuerungskreises für die Grand Challenges war es, innerhalb der kurzen Startphase einen effizienten und transparenten Prozess für die Auswahl der Explorationsprojekte zu etablieren. Wir haben viele intensive Diskussionen hinter uns, aber sind mit dem Ergebnis der ersten Auswahlrunde sehr zufrieden.“

Vorstand der Charité neu aufgestellt

- 25-09-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Senatskanzlei für Wissenschaft und Forschung Der Aufsichtsrat der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat mit den Personalentscheidungen in seiner heutigen Sitzung die Weichen für die zukünftige Ausrichtung der Universitätsmedizin gestellt: Astrid Lurati ist in ihrer derzeitigen Funktion als Vorstand Finanzen und Infrastruktur bestätigt worden. Prof. Dr. Martin E. Kreis übernimmt zum 1. Januar 2021 die Funktion des Vorstands Krankenversorgung von Prof. Dr. Ulrich Frei, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht. Carla Eysel besetzt zum 1. November 2020 die neu eingerichtete Position des Vorstands Personal und Pflege. Zudem soll mit der Integration des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung in die Charité dessen Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christopher Baum zum 1. Januar 2021 Mitglied des Vorstands der Berliner Universitätsmedizin werden. Die Personalien komplettieren den Prozess der Neugestaltung des sechsköpfigen Vorstandes der Charité. Die Neuerungen basieren auf dem im Oktober 2019 novellierten Berliner Universitätsmedizingesetz, das neue Strukturen und Amtsbezeichnungen für Vorstands- und Leitungspositionen an der Charité geschaffen hat. Michael Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Charité und Regierender Bürgermeister von Berlin, zur Bedeutung der Personalentscheidungen: „Wir haben in der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats gemeinsam wegweisende Personalentscheidungen für die Charité verabschiedet. Ich freue mich besonders, dass wir mit der neu eingerichteten Position des Vorstands Personal und Pflege den Themen Fachkräftegewinnung und Fachkräftesicherung sowie der Pflege als größte an der Charité vertretene Berufsgruppe ein entsprechendes Gewicht im Vorstandsgremium geben. Der neue Vorstand ist damit fast komplett. Mit der geplanten Integration des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung in die Charité zum 1. Januar 2021 soll er dann insgesamt sechs Vorstandsmitglieder umfassen und kann gestärkt und interdisziplinär besetzt die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Universitätsmedizin angehen. Damit schließen wir auch einen wichtigen Prozess erfolgreich ab, der eine Weiterentwicklung der Governancestrukturen der Charité zum Ziel hatte. Mit einem neu zusammengesetzten Aufsichtsrat mit exzellenten externen Sachverständigen und dem neuen Vorstand ist die Charité hervorragend für die Zukunft aufgestellt und ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, begrüßt die Neuerungen: „Mit den heutigen Personalentscheidungen ist das neue sechsköpfige Vorstandsteam der Charité komplett. Ich freue mich persönlich sehr darauf, mit den Vorstandsmitgliedern, die ausgewiesene Expertinnen und Experten in ihren jeweiligen Bereichen sind, die Zukunftsthemen und die strategische Weiterentwicklung der Charité 2030 zu gestalten. Gemeinsam werden wir Gesundheitsversorgung neu denken, um die exzellente Position der Berliner Universitätsmedizin in Forschung, Lehre und Krankenversorgung weiter auszubauen.“ Kontinuität und Neuanfang: Die Personalien im Charité-Vorstand im Überblick Astrid Lurati ist als Vorstand Finanzen und Infrastruktur bestätigt worden. Sie trägt in dieser Funktion die Finanz- und Investitionsverantwortung für die Berliner Universitätsmedizin. Zuvor war sie seit Mai 2016 als Direktorin des Klinikums der Charité und seit Oktober 2019 als Vorstand Infrastruktur und Finanzen tätig. Astrid Lurati kann auf eine mehr als zehnjährige erfolgreiche Tätigkeit als Leiterin des Geschäftsbereichs Finanzen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zurückblicken. Sie hat einen Master in Pharmazeutischer Medizin und verfügt als Diplom-Kauffrau über vielfältige Berufserfahrungen und eine umfassende Branchenkenntnis im Gesundheitssektor. Prof. Dr. Martin E. Kreis ist zum neuen Vorstand Krankenversorgung bestellt worden. Die vormals als Ärztliche Direktion bezeichnete Position, die ein kooptiertes Mitglied des Vorstands war, ist durch das novellierte Berliner Universitätsmedizingesetz fest im Vorstand verankert worden. Prof. Kreis ist in dieser Funktion zuständig für die Krankenversorgung an der Charité, zu der sowohl die ärztliche Kompetenz als auch die Leitung des Klinikums gehören. An der Charité ist Prof. Kreis seit Oktober 2012 als Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Campus Benjamin Franklin tätig sowie seit April 2018 als Ärztlicher Centrumsleiter des CharitéCentrums für Chirurgische Medizin. Der langjährige Viszeralchirurg folgt in der Vorstandsposition auf Prof. Dr. Ulrich Frei, der das Amt des Ärztlichen Direktors seit 2004 innehatte – zunächst nebenamtlich, ab 2008 hauptamtlich und seit 2019 die Funktion Vorstand Krankenversorgung wahrgenommen hatte. Prof. Frei wird sich Ende des Jahres in den Ruhestand verabschieden. Carla Eysel verstärkt das Vorstandsteam und besetzt die neu eingerichtete hauptamtliche Position des Vorstands Personal und Pflege an der Charité. Aktuell ist sie CEO der Alba Europe Holding plc. & Co KG in Berlin und verantwortet zudem seit 2007 die Bereiche Business Development & Organisation bei der Alba Group in Berlin. Carla Eysel hat in Regensburg und Tübingen Rechtswissenschaften und an der University of East London International Management studiert. Prof. Dr. Christopher Baum ist bereits im August zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung/Berlin Institute Institute of Health (BIH) bestellt worden. In dieser Funktion soll er nach der Integration des BIH in die Charité Anfang 2021 ebenfalls Mitglied des Vorstands der Universitätsmedizin werden. Das entsprechende Integrationsgesetz befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren. Prof. Baum ist derzeit Vizepräsident Medizin an der Universität Lübeck und Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Der ausgewiesene Wissenschaftsmanager und Experte für Translation, Molekulare Medizin und Gentherapie wird sein Amt als Vorstandsvorsitzender des BIH zum 1. Oktober 2020 antreten.

Ein Childhood-Haus für die Hauptstadt

- 24-09-2020

Die Räume des Childhood-Hauses Berlin wurden jetzt im Rahmen einer virtuellen Eröffnungsveranstaltung unter Teilnahme Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden feierlich eingeweiht. Das Childhood-Haus ist eine interdisziplinär arbeitende Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die sexuellen Missbrauch oder schwere körperliche Gewalt erlebt haben. Die neue Einrichtung läuft unter der Trägerschaft der Charité – Universitätsmedizin Berlin und wurde initiiert durch die World Childhood Foundation. Die Zahlen in Berlin Im vergangenen Jahr wurden laut „Polizeilicher Kriminalstatistik Berlin 2019“ im Durchschnitt jede Woche 15 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern in Berlin bekannt. Die Zahlen von Gewalt an Kindern sind um einiges höher. Deutschlandweit wird von rund einer Million Kinder ausgegangen, die sexuellen Missbrauch erlebt haben. Ein Childhood-Haus für Berlin Um den betroffenen Kindern eine möglichst kinderfreundliche Unterstützung im Rahmen des Ermittlungsverfahrens zu ermöglichen, werden zukünftig verschiedene Professionen in den Räumen des Childhood-Hauses zusammenarbeiten: Medizinerinnen und Mediziner, Psychologinnen und Psychologen, Jugendamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die Polizei, die Staatsanwaltschaft, die Familiengerichte und das Amtsgericht Tiergarten. In Berlin kann das Childhood-Haus-Projekt bereits an eine gut funktionierende Vernetzung der Kinderschutz- und der Trauma-Ambulanz mit der Jugendhilfe anknüpfen. Vor Ort im Childhood-Haus sollen betroffene Kinder und Jugendliche zukünftig die Möglichkeit erhalten in kinderfreundlichen Räumen und durch geschultes Personal untersucht, befragt und beraten zu werden. Ziel ist es, das Beste für das Wohl betroffener Kinder zu erreichen. Nach zwei Jahren der Planung und einer Corona-bedingten Verlagerung der Einweihungsfeier in eine digitale Veranstaltung, können die Räume des Childhood-Hauses von den beteiligten Behörden und Institutionen ab sofort genutzt werden. Bis zum Jahresende sollen die entwickelten Konzepte sukzessive umgesetzt sowie Technik und Abläufe erprobt werden. Starke Kooperation mit den Berliner Senatsverwaltungen Das Childhood-Haus Berlin konnte vor allem durch die starken Kooperationspartner der Charité in dieser Form umgesetzt werden: Die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sowie die Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Digitale Eröffnung in Zeiten von Corona In einem Broadcast-Format konnten hunderte Gäste einer Veranstaltung im Zeichen des Kinderschutzes und dem Thema der sexuellen Gewalt an Kindern teilnehmen. Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden sprach von einem Leuchtturm-Projekt für den Kinderschutz: „Noch sind die Childhood-Häuser Leuchttürme im Kinderschutz. Mit dem heutigen Tag und dem Childhood-Haus Berlin ist nun ein weiterer heller Leuchtturm hinzugekommen, der zeigt: Veränderung ist möglich!“. Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, betonte im Kontext des Schutzes von Kindern auch noch einmal ganz stark, wie wichtig es sei, dass die Menschen, die mit betroffenen Kindern in Kontakt sind, speziell geschult werden: „Als Juristin muss ich sagen: das Thema Kindesmissbrauch gehört auf jeden Fall in die juristische Ausbildung! Und natürlich ist auch die Fortbildung im richterlichen Bereich wichtig und notwendig.“ Als Schirmherrin von UNICEF setzt sie sich seit mehreren Jahren für die Rechte von Kindern im In- und Ausland ein. Als Vertreterin des Trägers des Childhood-Hauses richtete auch Astrid Lurati, Vorstand Finanzen und Infrastruktur der Charité, direkte Worte an die Gäste: „Kinder sind eine der sensibelsten Gruppen, vielleicht die sensibelste Gruppe in der Bevölkerung – ihr Wohlergehen ist uns ein besonderes Anliegen. Mit dem Childhood-Haus Berlin leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von betroffenen Kindern und Jugendlichen." Das Projekt in Berlin wurde im Besonderen realisiert durch die starke Kooperation mit den Senatsverwaltungen. Justizsenator Dr. Dirk Behrendt betonte in seiner Live-Rede noch einmal ganz deutlich, wie sehr das Wohl der betroffenen Kinder im Childhood-Haus im Mittelpunkt steht: „Wenn Kinder Opfer von Straftaten werden, dann muss das Kindeswohl bei den Ermittlungen und auch im späteren Prozess in besonderer Weise berücksichtigt werden. Im Childhood-Haus wird genau das ermöglicht. Damit setzt das Berliner Childhood-Haus neue Maßstäbe.“ Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, sprach von einem „Meilenstein in Berlin und für Berlin, der unser Berliner Netzwerk Kinderschutz weiter stärkt“. Auch ein Grußwort von Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, wurde in die digitale Veranstaltung eingespielt. „Als Bundesfamilienministerin sind mir die Kinderrechte und auch eine kindgerechte Justiz sehr wichtig. Wir arbeiten deshalb gemeinsam mit dem Justizministerium daran, dass Richterinnen und Richter im Umgang mit Kindern geschult werden. Auch in unserem nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern setze ich mich für eine kindgerechte Justiz ein, bei der die Interessen und speziellen Bedürfnisse der Kinder stärker berücksichtigt werden.“ Das Childhood-Haus Berlin konnte unter anderem durch die finanzielle Unterstützung der PNB Paribas, Inceptua GmbH, Soundception GmbH, der Wilhelm-Höffner-Stiftung sowie dem Allianz Kinderhilfsfonds Berlin/Leipzig e.V. realisiert werden. Die virtuelle Veranstaltung wurde von der Agentur Bright Media und Pictet unterstützt.

COVID-19: Berliner Forschende legen Grundstein für eine passive Impfung

- 24-09-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben hochwirksame Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 identifiziert. Sie verfolgen nun die Entwicklung einer passiven Impfung. Gleichzeitig entdeckten sie dabei, dass manche SARS-CoV-2-Antikörper auch an Gewebeproben verschiedener Organe binden, was möglicherweise unerwünschte Nebenwirkungen auslösen könnte. Sie berichten über diese Erkenntnisse jetzt im Fachmagazin Cell*. Aus dem Blut von Menschen, die eine durch SARS-CoV-2 ausgelöste COVID-19-Erkrankung überstanden hatten, isolierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst fast 600 verschiedene Antikörper. Durch Labortests konnten sie diese Zahl auf einige besonders wirksame Exemplare eingrenzen und diese dann mittels Zellkulturen – quasi in der Petrischale – künstlich nachbilden. Die identifizierten sogenannten neutralisierenden Antikörper binden, wie Strukturanalysen belegen, an das Virus und verhindern damit, dass es in Zellen eindringen und sich vermehren kann. Überdies trägt die Virus-Erkennung durch Antikörper dazu bei, dass der Erreger von Immunzellen beseitigt wird. Untersuchungen an Hamstern – diese sind ähnlich wie Menschen anfällig für eine Infektion durch SARS-CoV-2 – belegen die hohe Wirksamkeit der letztlich ausgewählten Antikörper: „Wurden die Antikörper nach einer Infektion verabreicht, entwickelten die Hamster allenfalls milde Krankheitssymptome. Erfolgte die Gabe der Antikörper präventiv – vor einer Infektion –, dann erkrankten die Tiere nicht“, sagt Dr. Jakob Kreye, Koordinator des aktuellen Forschungsprojektes. Der DZNE-Wissenschaftler ist einer der beiden Erstautoren der aktuellen Veröffentlichung. Die Behandlung von Infektionserkrankungen mit Antikörpern hat eine lange Geschichte. Für COVID-19 wird dieser Ansatz auch im Zusammenhang mit der Verabreichung von Plasma aus dem Blut genesener Patientinnen und Patienten untersucht. Mit dem Plasma werden Antikörper der Spender übertragen. „Idealerweise produziert man gezielt den wirksamsten Antikörper im industriellen Maßstab und in gleichbleibender Qualität. Das ist das Ziel, das wir verfolgen“, sagt Dr. Momsen Reincke, ebenfalls Erstautor der aktuellen Arbeit. „Drei der bisher identifizierten Antikörper sind für eine klinische Entwicklung besonders vielversprechend“, sagt Prof. Dr. Harald Prüß, Forschungsgruppenleiter am DZNE und Oberarzt an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité. „Anhand dieser Antikörper haben wir nun begonnen, eine passive Impfung gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln.“ Das geht nur in Kooperation mit einem Partner aus der Industrie. Deshalb arbeiten die Forschenden mit dem Unternehmen Miltenyi Biotec zusammen. Neben der Behandlung von Erkrankten ist auch der vorsorgliche Schutz von gesunden Personen, die Kontakt zu Infizierten hatten, eine mögliche Anwendung. Wie lange der Schutz besteht, muss im Rahmen klinischer Studien untersucht werden: „Denn im Unterschied zur aktiven Impfung werden bei der passiven Impfung fertige Antikörper verabreicht, die nach einer gewissen Zeit abgebaut werden“, so Prof. Prüß. In der Regel ist der Schutz durch eine passive Impfung weniger beständig, als durch eine aktive. Dafür ist die Wirkung einer passiven Impfung quasi sofort vorhanden, bei einer aktiven Impfung muss diese sich erst aufbauen. „Es wäre ideal, wenn es beide Möglichkeiten der Impfung gäbe, um je nach Situation flexibel reagieren zu können.“ Das Team um Dr. Kreye, Dr. Reincke und Prof. Prüß befasst sich für gewöhnlich mit Erkrankungen des Gehirns und mit Antikörpern, die irrtümlicherweise Nervenzellen attackieren. „Angesichts der COVID-19-Pandemie lag es jedoch auf der Hand, unsere Ressourcen auch anderweitig zu nutzen“, sagt Prof. Prüß. Für das aktuelle Vorhaben profitieren die Forschenden von einem Förderprojekt der Helmholtz-Gemeinschaft, dem „BaoBab Innovation Lab“. In dessen Rahmen entwickeln und verfeinern sie Technologien zur Charakterisierung und Herstellung von Antikörpern, die sie nun anwenden. „Jetzt geht es darum, gemeinsam mit unserem Industriepartner die Voraussetzungen zu schaffen, um die von uns identifizierten Antikörper am effektivsten in großen Mengen herzustellen“, so Prof. Prüß. „Der darauf folgende Schritt sind klinische Studien, also die Erprobung am Menschen. Zu rechnen ist damit frühestens Ende dieses Jahres. Die Planungen dafür haben schon begonnen.“ Im Rahmen der Untersuchungen machten die Forschenden eine zusätzliche Entdeckung: Manche der besonders wirksamen Antikörper gegen das Coronavirus hefteten sich spezifisch an Proteine des Gehirns, Herzmuskels und der Blutgefäße. In Tests mit Gewebeproben von Mäusen zeigten mehrere der neutralisierenden Antikörper eine solche Kreuzreaktivität. Sie wurden daher von der Entwicklung einer passiven Impfung ausgeschlossen. „Diese Antikörper binden nicht nur an das Virus, sondern auch an Proteine im Körper, die mit dem Virus nichts zu tun haben. Weitere Forschungen werden nun prüfen müssen, ob die zugehörigen Gewebe damit möglicherweise Ziele von Angriffen des eigenen Immunsystems werden könnten“, erklärt Prof. Prüß. Ob diese Laborbefunde für den Menschen von Bedeutung sind, ist derzeit nicht absehbar: „Auf der einen Seite müssen wir wachsam sein, um eventuell auftretende Autoimmunreaktionen im Rahmen von COVID-19 und von Impfungen früh zu erkennen. Auf der anderen Seite können diese Erkenntnisse dazu beitragen, die Entwicklung eines Impfstoffs noch sicherer zu machen“, so der Wissenschaftler. Für die aktuellen Untersuchungen kooperierte die DZNE-Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Prüß eng mit der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité sowie dem Institut für Virologie am Campus Charité Mitte. Maßgeblich beteiligt waren zudem die Institute für Virologie und Veterinärpathologie der Freien Universität Berlin und das Scripps Research Institute in den USA.

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen in Berlin

- 23-09-2020

Gemeinsame Pressemitteilung von Charité, BIH und MDC Die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek hat heute bekannt gegeben, dass Berlin einer von vier neuen Standorten für das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) zusätzlich zu Heidelberg und Dresden werden soll. Damit bestätigt sie der Charité – Universitätsmedizin Berlin zusammen mit ihren Partnern, dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in der Helmholtz-Gemeinschaft, ein hohes Potenzial für Krebsbehandlung und Krebsforschung auf Spitzen-Niveau. Dieses Potenzial soll nun verstärkt genutzt werden. Das Land Berlin hat die Bewerbung stark unterstützt und plant unter anderem einen innovativen Neubau für das NCT, der voraussichtlich in Berlin-Wedding entstehen soll. Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs, mit dem Ziel, Ergebnisse der Krebsforschung schneller zu Patientinnen und Patienten zu bringen, fördert das BMBF den Ausbau von vier weiteren Standorten des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen. Hierfür kooperiert das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit herausragenden Standorten der Universitätsmedizin. Im NCT arbeiten Ärztinnen und Ärzte mit Forscherinnen und Forschern eng zusammen, um jeder Patientin und jedem Patienten eine auf die eigene Erkrankung zugeschnittene Krebstherapie anzubieten. Nun fördert das BMBF den Ausbau weiterer Standorte, neben den bestehenden in Heidelberg und Dresden. Die vier neuen NCT-Standorte sollen zukünftig noch mehr onkologischen Patientinnen und Patienten den Zugang zu Innovationen der personalisierten Onkologie ermöglichen. Neben Berlin gingen die Standorte Köln/Essen, Tübingen/Ulm/Stuttgart und Würzburg/Erlangen/Regensburg erfolgreich aus dem kompetitiven Bewerbungsverfahren hervor. Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung Michael Müller gratuliert dem Team von Charité, BIH und MDC und betont: „Die Entscheidung, in Berlin ein Nationales Centrum für Tumorerkrankungen aufzubauen, ist ein großartiger Erfolg für unsere ganze Gesundheitsstadt. Sie unterstreicht die hohe Innovationskraft unserer Forschungseinrichtungen und zeigt, wie richtig unsere Strategie ist, den Wissenschafts- und Medizinstandort konsequent weiterzuentwickeln. Berlin nimmt damit eine Schlüsselstellung ein, um die Krebsforschung entscheidend voranzubringen und neue Ansätze in der Früherkennung und Behandlung von Krebsleiden zu entwickeln.“ Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, sieht die Auswahl Berlins als NCT-Standort als große Chance für alle Beteiligten. „Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung, die uns enorm unterstützt, die Krebsforschung und Krebsbehandlung in Berlin weiter zu stärken. Forschung und Klinik unter einem Dach zu vereinen, ist das übergeordnete Ziel aller Fachbereiche einer Universitätsmedizin. Denn hiervon profitieren Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, aber vor allem die Patientinnen und Patienten.“ Drei leistungsfähige Kooperationspartner haben den NCT-Standort Berlin entwickelt: die Charité, das BIH und das MDC. Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Leiter des Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC) und Koordinator des Berliner NCT-Antrags, freut sich über die Auszeichnung: „Die Charité gewährleistet bereits heute mit seinem CCCC die umfassende Versorgung von Patientinnen und Patienten und führt klinische und translationale Krebsforschung durch. Jeder Patient und jede Patientin erhält einen individuellen Behandlungsplan, der in einem interdisziplinären Team optimiert entwickelt wird. Zusätzlich ermöglichen wir die Teilnahme an klinischen Studien. Als künftiger NCT-Standort Berlin werden wir noch erfolgreicher forschen und behandeln können und unsere Expertise weiter ausbauen. Mitkoordinatorin Prof. Dr. Angelika Eggert leitet die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie an der Charité, ist Berliner Standortsprecherin im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) und gleichzeitig Mitglied im Forschungsrat des BIH. Sie erforscht mit ihrem Team neue molekular gezielte Therapien und Immuntherapien speziell für krebskranke Kinder. „Das körpereigene Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Krebs. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen hier vor Ort in Berlin konnten wir entscheidende Fortschritte erzielen. Gerade bei den doch eher seltenen Krebsfällen im Kindesalter werden wir sehr von der deutschlandweiten Zusammenarbeit mit den anderen NCT-Standorten profitieren." BIH-Chair für Klinisch Translationale Medizin Prof. Dr. Christof von Kalle leitet das Klinische Studienzentrum von BIH und Charité. Bevor er nach Berlin kam, hatte er in Heidelberg das dortige NCT mitgegründet und über zehn Jahre geleitet. Auch er hat das Konzept für den NCT-Standort Berlin mitentwickelt. „Aus meiner langjährigen NCT-Erfahrung in Heidelberg weiß ich, wie entscheidend die enge Verzahnung von Forschung und Klinik, aber auch die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen im Kampf gegen den Krebs sind. Gleichzeitig müssen wir auch die Digitalisierung noch weiter vorantreiben, damit die vielen Daten, die in der Forschung und bei der Behandlung von tausenden Krebspatienten anfallen, den größtmöglichen Nutzen entfalten können. Als NCT-Standort Berlin können wir diese Herausforderungen meistern.“ Prof. Dr. Axel R. Pries, Dekan der Charité und Vorstandsvorsitzender (interim) des BIH ergänzt: „Die medizinische Translation lebt vom stetigen Austausch zwischen Forschung und Klinik. Dies gilt insbesondere in der Onkologie: Krebs stellt uns vor eine der größten medizinischen Herausforderungen mit immer noch dramatischen Verläufen, nur die Hälfte der Krebspatientinnen und Krebspatienten überleben ihre Krankheit. Hier brauchen wir auch dringend neue Konzepte, die wir hier am Berliner NCT-Standort mit Hochdruck entwickeln wollen.“ Das MDC hat seinen Schwerpunkt in der biomedizinischen Grundlagenforschung. Seine Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen grundlegende Mechanismen des Lebens und von Erkrankungen. Ihr Ziel ist, diese Erkenntnisse schnellstmöglich in medizinische Anwendungen zu übersetzen. In der Krebsmedizin entwickeln sie u.a. neue Immuntherapien und innovative Schlüsseltechnologien wie die 3D-Einzelzell-Analyse, Proteomik und Metabolomik, die sie mit Hilfe künstlicher Intelligenz in neue medizinische Konzepte umsetzen. Prof. Dr. Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des MDC freut sich ebenfalls sehr über die Förderung. „Berlin wird ein exzellenter Standort für das erweiterte Nationale Centrum für Tumorerkrankungen: Hier kommt alles perfekt zusammen. Für uns am MDC bedeutet das, dass wir unsere Forschung und Expertise auf dem Gebiet der Immuntherapie,  der Krebsentstehung und der zellbasierten Krebsmedizin weiter vorantreiben können. Und durch die enge Zusammenarbeit mit der Charité und dem BIH möchten wir unsere Erkenntnisse möglichst schnell zu den Patientinnen und Patienten bringen. Es geht um die personalisierte Onkologie der Zukunft.“ Die einzigartige Expertise der drei Kooperationspartner macht Berlin vor allem zu einem international herausragenden Standort für Systembiologie und klinisch angewandte Einzelzell-Technologien. Das NCT-Berlin Team entwickelt hieraus unter Federführung von Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky (MDC) ein wegweisendes Konzept zellbasierter Krebsmedizin. Dieses umfasst neben den klinischen NCT Programmen drei wesentliche Themen. 1: Präzisionsonkologie: Um die Patientinnen und Patienten bestmöglich behandeln zu können, müssen die Tumoren exakt diagnostiziert und in ihrer Entwicklung verstanden werden. Dazu setzen die Partner systematisch umfangreiche Methoden der Präzisionsonkologie ein: Neben Multi-Omics-Technologien finden auch umfassende Patienten-abgeleitete präklinische Modelle sowie Maschinelles Lernen (ML) und innovative Einzelzelll-Technologien mit einzigartiger räumlicher Auflösung Anwendung, die es auch ermöglichen, herauszufinden, gegen welche Behandlungen der Tumor empfindlich oder resistent reagiert. 2: Immuntherapie: Die NCT-Kooperationspartner nutzen die umfassende Berliner Expertise in der Immuntherapie, um neue adoptive T-Zell-Therapien (TCR- und CAR-T-Zellen) auf präklinischer und klinischer Ebene zu entwickeln. Vorhandene ausgedehnte GMP-Flächen erlauben es, die neuen Immuntherapien vor Ort herzustellen. Neue Zielstrukturen für die Immuntherapie können über Einzelzell-Technologien identifiziert werden. Gemeinsam mit den anderen NCT-Standorten entsteht so ein umfassendes nationales Netzwerk der Krebsimmuntherapie. 3: Big Data: Die ausgezeichnete IT-Infrastruktur des Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC), aktuelle Programme des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)/Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) und das BIH Digital Health Programm verfolgen gemeinsam das Ziel, klinische Daten mit molekularer Diagnostik und präklinischen Modellen zu verbinden, um für jeden Patienten und für jede Patientin individualisierte Therapieansätze zu entwickeln und digitale Gesundheitslösungen voranzubringen. Das CCCC koordiniert die Planung des NCT-Partnerstandortes Berlin und wird selbst zukünftig in das NCT Berlin überführt. Im Lenkungsausschuss des NCT Berlin sind alle relevanten Fachgebiete und Patientensprecherinnen und -sprecher vertreten. Ein eigenes NCT-Gebäude ist auf dem neuen klinischen Forschungscampus am Charité Campus Virchow-Klinikum geplant. Auf 10.000 Quadratmetern sollen modernste Forschungslabore, eine Ambulanz sowie ein Informationszentrum für Krebspatientinnen und -patienten entstehen. Das BIH/Charité Clinician Scientist Programm sowie zahlreiche andere Weiterbildungsmöglichkeiten machen Berlin zu einem attraktiven Standort für die Rekrutierung junger Talente in der Krebsforschung. Neben der Hauptstadt wird sich der Einzugsbereich des NCT Berlin mit der Bevölkerung Berlins, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts von insgesamt 8,6 Millionen Einwohnern auf etwa ein Zehntel Deutschlands erstrecken, mit mehr als 55.000 neu diagnostizierten Krebsfällen pro Jahr. --------------------------- Hintergrund: Mit der Gründung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg als gemeinsame Einrichtung schufen das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und die Deutsche Krebshilfe im Jahre 2003 das erste Comprehensive Cancer Center Deutschlands. Ziel des NCT ist es, vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung möglichst schnell in die Klinik zu übertragen und damit den Patienten zugutekommen zu lassen. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch die Behandlung, in der Nachsorge oder der Prävention. Die Tumorambulanz ist das Herzstück des NCT. Hier profitieren die Patienten von einem individuellen Therapieplan, den die fachübergreifenden Expertenrunden, die sogenannten Tumorboards, erstellen. Die Teilnahme an klinischen Studien eröffnet den Zugang zu innovativen Therapien. Das NCT ist somit eine richtungsweisende Plattform zur Übertragung neuer Forschungsergebnisse aus dem Labor in die Klinik. Das NCT kooperiert mit Selbsthilfegruppen und unterstützt diese in ihrer Arbeit. 

Siebtes Statement der Charité: Stationäre Behandlung von Alexei Nawalny abgeschlossen

- 23-09-2020

Alexei Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wurde, ist gestern aus der stationären Behandlung entlassen worden. Der Gesundheitszustand des Patienten hat sich soweit gebessert, dass die akutmedizinische Behandlung beendet werden konnte. Alexei Nawalny wurde insgesamt 32 Tage in der Charité behandelt, davon 24 Tage auf einer Intensivstation. Die behandelnden Ärzte halten auf Grund des bisherigen Verlaufs und des aktuellen Zustandes des Patienten eine vollständige Genesung für möglich. Eventuelle Langzeitfolgen der schweren Vergiftung können aber erst im weiteren Verlauf beurteilt werden. Die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand von Herrn Nawalny erfolgt im Einvernehmen mit ihm und seiner Ehefrau.

Autoimmunerkrankungen gezielt behandeln

- 22-09-2020

Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Rheumaforschungszentrums Berlin, ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft (DRFZ), konnte die Autoimmunerkrankung systemischer Lupus erythematodes bei zwei Patientinnen erfolgreich behandeln. Mit dem gegen spezielle Immunzellen – sogenannte Plasmazellen – gerichteten Antikörper Daratumumab gelang es, das krankhaft veränderte Immungedächtnis nachhaltig zu beeinflussen und dadurch die Entzündungsprozesse im gesamten Körper zu verringern. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin New England Journal of Medicine* erschienen. Das immunologische Gedächtnis gewährleistet einen Schutz vor Krankheitserregern, die nach überstandenen Infektionen oder Impfungen schnell wiedererkannt und unschädlich gemacht werden. Diese Immunantwort wird vermittelt durch Gedächtnis-T-Lymphozyten sowie durch Antikörper, die von sogenannten Plasmazellen produziert werden. Ausgereifte Gedächtnis-Plasmazellen nisten in spezialisierten Nischen im Knochenmark, wo sie ein ganzes Leben lang große Mengen Antikörper produzieren können. Bei Autoimmunerkrankungen hingegen erkennt das Immunsystem Bestandteile des eigenen Körpers fälschlicherweise als Gefahr und entwickelt – auch mit Hilfe des immunologischen Gedächtnisses – eine Abwehr durch sogenannte Autoantikörper. Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine solche Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen körpereigene Zellkernbestandteile gebildet werden. Dies geht mit einer Entzündung von Haut, Gelenken oder inneren Organsystemen – wie Niere, Herz oder Nervensystem – einher. Herkömmliche Therapieansätze zielen auf eine dauerhafte Unterdrückung von Immunreaktionen, richten sich bislang jedoch nicht gegen ausgereifte Gedächtnis-Plasmazellen. Ein Team der Charité um Dr. Tobias Alexander hat nun – in Zusammenarbeit mit Forschenden vom DRFZ um Prof. Dr. Andreas Radbruch – erstmals die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Plasmazell-gerichteten Therapie bei zwei Lupus-Patientinnen untersucht, die nicht gut auf herkömmliche Therapien angesprochen hatten. „Bei einem gewissen Teil der Betroffenen ist die Krankheit mit den verfügbaren Therapiemöglichkeiten nicht in den Griff zu bekommen. Deshalb ist es dringend nötig, neue Therapieansätze zu entwickeln“, erläutert Studienleiter Dr. Alexander, Leiter der rheumatologischen Fachambulanz an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und klinische Immunologie der Charité, der auch am DRFZ forscht. Für die neuartige Therapie griffen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf den monoklonalen anti-CD38-Antikörper Daratumumab zurück, der bereits seit Jahren erfolgreich als Medikament für Plasmazell-Krebserkrankungen eingesetzt wird. Die Rolle von Plasmazellen bei Autoimmunerkrankungen steht schon seit vielen Jahren im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Dr. Alexander und Ko-Autor Prof. Dr. Falk Hiepe. „Zwar gilt das Oberflächenprotein CD38 als klassischer Plasmazellmarker, unsere Voruntersuchungen zeigten jedoch, dass dieser Marker bei Lupus-Patientinnen und -Patienten auch vermehrt bei anderen aktivierten Immunzellen – etwa Gedächtnis-T-Lymphozyten – im Blut oder im Urin nachweisbar war“, erklärt Dr. Alexander. Das macht CD38 zu einem geeigneten Ziel der Behandlung, um die krankhaft veränderten Immunzellen auszuschalten.  Bei beiden Lupus-Patientinnen hatte die Autoimmunerkrankung einen lebensbedrohlichen Verlauf genommen. Sie litten unter anderem unter Entzündung von Herz und Nieren sowie durch Antikörper verursachte Blutarmut. Durch die Gabe von Daratumumab einmal wöchentlich über vier Wochen verbesserten sich die Krankheitssymptome innerhalb kürzester Zeit deutlich und blieben über mehrere Monate stabil. Darüber hinaus ging die Zahl der Autoantikörper stark zurück. Mit Hilfe modernster immunologischer Methoden – einschließlich Einzelzell-Sequenzierung – konnte das Team zudem einen günstigen Effekt von Daratumumab auf aktivierte T-Lymphozyten nachweisen, denen eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentwicklung zugeschrieben wird. Relevante Nebenwirkungen wiederum traten nicht auf. Zwar kam es zu einem Abfall schützender Antikörper im Blut, dies war jedoch nicht mit erhöhter Infektanfälligkeit verbunden. „Die erfolgversprechenden Ergebnisse bei SLE sind möglicherweise auch auf andere Autoimmunerkrankungen übertragbar, bei denen Autoantikörper eine Rolle spielen“, erklärt Lennard Ostendorf, Nachwuchswissenschaftler am DRFZ und Erstautor der Veröffentlichung. Zunächst soll jedoch die Sicherheit und Effizienz von Daratumumab bei einer größeren Anzahl von Lupus-Patientinnen und -Patienten untersucht werden. Hierfür ist an der Charité eine Pilotstudie unter Leitung von Dr. Alexander geplant.

Perspektiven für die Zoonosenforschung in Deutschland – Schubladendenken überwinden

- 18-09-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Universität Münster und des Friedrich-Loeffler-Instituts Rund 75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen haben ihren Ursprung im Tierreich*. Die aktuelle Coronavirus-Pandemie zeigt auf eindrückliche Art und Weise die Konsequenzen für die Gesellschaft, wenn ein Erreger aus dem Tierreich auf den Menschen übergeht. Eine gezielte Investition in die Erforschung von Zoonosen erscheint vor diesem Hintergrund folgerichtig, um für die Prävention und die Bekämpfung von Zoonosen bestmöglich aufgestellt zu sein. Vor diesem Hintergrund hat die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen, kurz Zoonosenplattform, zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, um die zukünftige Ausrichtung der Forschung in Deutschland zu diskutieren. Die wissenschaftliche Expertise brachte Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologe der Charité – Universitätsmedizin Berlin, in die Runde ein. Er erklärte, auf Nachfrage von Prof. Dr. Karl Lauterbach, dass die zunehmende Vernetzung in unserer Welt und die anwachsende Populationsdichte das pandemische Gefahrenpotential einer Zoonose erhöht. Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte den Zusammenhang der menschlichen Gesundheit mit der Umwelt, was durch die Corona-Pandemie in der Gesellschaft nun offensichtlich besser verstanden würde. Der Erhalt der Biodiversität und naturbelassener Rückzugsräume seien wichtige Komponenten, die es in Hinblick auf Zoonosenprävention zu beachten gelte. Um dieser komplexen Problematik begegnen zu können, bedürfe es interdisziplinärer Zoonosenforschung und einer nachhaltigen Förderung junger Forschender, bekräftigte Sybille Benning, stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages. Prof. Dr. Veronika von Messling, Abteilungsleiterin der Abteilung 6 „Lebenswissenschaften“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), verdeutlichte, dass Investitionen in die Forschung immer eine Investition in die Zukunft seien. Geschützte Räume wie die Zoonosenplattform böten die Möglichkeit, interdisziplinäre Ansätze zu erforschen, für die es sonst keine Förderquelle gebe. Eine starke Forschungsgemeinschaft und Strukturen wie die Zoonosenplattform hätten in Deutschland die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, dass man in der Forschung schnell, durch rasche Bereitstellung von Mitteln, auf die Krise reagieren konnte. Dr. Kirsten Tackmann, Agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, appellierte daran, das Denken in Schubladen in der Forschung zu überwinden und warb für mehr Kooperation statt Wettbewerb in der Wissenschaft. Zudem müsse man zurück zur präventiven Forschung, statt erst dann zu handeln, wenn es zu spät sei. Eine institutionalisierte Zusammenarbeit sei hier wichtige Voraussetzung, um die notwendigen Räume für interdisziplinäre Forschung zu schaffen. Die Diskussionsrunde bestärkte die Bedeutung interdisziplinärer Zoonosenforschung, um die komplexen Zusammenhänge der menschlichen Gesundheit erfassen zu können. Dies kann nur mit einer Vernetzung der beteiligten Disziplinen und starker Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erreicht werden. Im internationalen Vergleich habe sich in der aktuellen Coronavirus-Pandemie gezeigt, dass Deutschland mit seinen bestehenden Strukturen bereits sehr gut aufgestellt ist. Diese Strukturen müssen in Zukunft erhalten und weiter ausgebaut werden, damit durch sie der Dialog zwischen Forschungsdisziplinen, Öffentlichem Gesundheitsdienst und Politik gestärkt und ausgeweitet wird. Nur so könne man zukünftig präventiv agieren und nicht, wie bisher erst „aus dem Schmerz heraus lernen“, wie Dr. Tackmann es formulierte.

Plattform für KI in der Diagnostik

- 17-09-2020

Das Projekt EMPAIA unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat sich im Innovationswettbewerb Künstliche Intelligenz (KI) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) durchgesetzt. Jetzt geht es in die Umsetzung. Ziel des Vorhabens ist es, eine Plattform für KI-unterstützte Anwendungen in der bildbasierten medizinischen Diagnostik aufzubauen. Das Konsortium wird über drei Jahre mit insgesamt 11,4 Millionen Euro gefördert, davon gehen rund 4,6 Millionen Euro an die Charité. Um Patientinnen und Patienten noch individueller behandeln zu können, wird bei vielen Erkrankungen – insbesondere bei Krebs – eine immer aufwändigere Diagnostik durchgeführt. Vor allem die Auswertung von Bilddaten, wie MRT-Aufnahmen oder Gewebeschnitten, ist zeitintensiv und komplex. Methoden der Künstlichen Intelligenz können dabei helfen, die Bilder schneller auf relevante Informationen hin zu analysieren – beispielsweise auf das Vorliegen von Metastasen. „Die Künstliche Intelligenz hat großes Potenzial, in den kommenden Jahren alle Bereiche der bildbasierten medizinischen Diagnostik zu revolutionieren“, sagt Prof. Dr. Peter Hufnagl vom Institut für Pathologie der Charité. Der Koordinator des EMPAIA-Konsortiums („Ecosystem for Pathology Diagnostics with AI Assistance“) erklärt: „Dieses Potenzial lässt sich derzeit jedoch kaum nutzen, weil die Infrastruktur fehlt, es keine Standards gibt und die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht geklärt sind.“ Zusammen mit dem DAI-Labor der Technischen Universität Berlin, dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS, der vitagroup AG und der Qualitätssicherungs-Initiative Pathologie QuIP GmbH möchte Prof. Hufnagl deshalb eine Plattform aufbauen, die Ärztinnen und Ärzten einen leichten Zugang zu zertifizierten und validierten KI-basierten Apps ermöglicht. Die Nutzer sollen beispielsweise vergleichen können, wie verschiedene Programme ein bestimmtes Problem lösen. Gleichzeitig sollen Entwickler von KI-basierten Algorithmen für die Validierung ihrer Software auf Bilddaten zugreifen können. Um die Zertifizierung von Algorithmen für den Einsatz in der Diagnostik zu beschleunigen, wird die Plattform außerdem Entwickler, Referenzinstitute und Zertifizierer zusammenbringen. „Die Spielregeln auf diesem Marktplatz werden sich natürlich nach den geltenden Gesetzen zu Datenschutz und der Zulassung von Medizinprodukten richten“, betont Prof. Hufnagl. „Durch Schaffung dieses Marktplatzes unter klaren rechtlichen Bedingungen möchten wir dazu beitragen, dass Medizinerinnen und Mediziner zugelassene KI-unterstützte Programme in Zukunft routinemäßig für die bildbasierte Diagnostik einsetzen können.“ Das Konsortium plant, die Plattform zunächst auf die Analyse von Gewebeschnitten auszurichten, bevor radiologische Bilddaten in den Fokus genommen werden. Das EMPAIA-Konsortium stellt sich in einem Kick-off-Meeting am Freitag, den 25. September von 10 bis 17 Uhr vor. Medienvertreter sind eingeladen, an der digitalen Veranstaltung teilzunehmen. Sie werden gebeten, sich unter empaia(at)charite.de anzumelden.

150. Geburtstag von Prof. Dr. Rahel Hirsch: Charité gedenkt erster Medizinprofessorin in Preußen

- 15-09-2020

Anlässlich ihres 150. Geburtstags hat die Charité – Universitätsmedizin Berlin Prof. Dr. Rahel Hirsch mit einer Fest- und Gedenkveranstaltung geehrt. Rahel Hirsch zählt zu den Pionierinnen der Medizin in Deutschland und war 1913 die erste Frau, die im Königreich Preußen zur Professorin für Medizin ernannt wurde. Rahel Hirsch war von 1903 bis 1919 in der Charité tätig und leitete ab 1908 die Poliklinik der II. Medizinischen Klinik. Ihre Forschungen zur Durchlässigkeit der Darmschleimhaut stießen bei ihren Kollegen zunächst auf Ablehnung und Unverständnis. Ein halbes Jahrhundert später wurden die von ihr entdeckten Phänomene unter der Bezeichnung „Hirsch-Effekt“ in die Fachliteratur aufgenommen. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, begrüßte die Gäste auf dem Vorplatz der Charité Campus-Klinik, nahe der Bronzebüste von Rahel Hirsch, die anlässlich ihres 125. Geburtstags aufgestellt worden war und betonte: „Als Rahel Hirsch mit 28 Jahren ihr Medizinstudium in Zürich beginnt, hat sie bereits ein Pädagogik-Studium abgeschlossen und einige Jahre als Lehrerin gearbeitet. Nach dem Studienabschluss in Medizin kommt sie 1903 als eine der ersten Ärztinnen an die Charité und wird Assistentin von Friedrich Kraus. Zehn Jahre später wird der Internistin als erster Ärztin in Preußen das Prädikat ‚Professor‘ verliehen. Dies war damals die höchste Anerkennung, die Wissenschaftlerinnen erlangen konnten. Heute erinnern der Rahel-Hirsch-Weg sowie eine Bronzebüste am Campus Charité Mitte an die herausragende Medizinerin. Zudem ist unser sehr erfolgreiches Habilitationsstipendium, das Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen auf dem Weg zur Berufungsfähigkeit fördert, nach Rahel Hirsch benannt.“ Den abschließenden Vortrag „Rahel Hirsch und ihre Bedeutung für heutige Studierende“ hat die Charité-Studentin Cand. med. Friederike Speckmann gehalten. Sie betonte: „Rahel Hirsch war eine Frau, die aufgrund ihrer Forschungsergebnisse nicht nur wegweisend für die Medizin war. Mit ihrer starken Persönlichkeit beschritt sie als Pionierin den Weg der Frau in der Medizin und ebnete ihn für ihre Nachfolgerinnen und somit auch für mich. Für ihre Motivation und Leidenschaft zur Medizin, und ihre Durchhaltekraft neues Denken anzustoßen, empfinde ich Bewunderung und Dankbarkeit. Diese Anerkennung gebührt aber auch den Frauen, die diesen Weg bis heute fortsetzen.“

Sechstes Statement der Charité: Gesundheitszustand von Alexei Nawalny weiter verbessert

- 14-09-2020

Der Gesundheitszustand von Alexei Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wird, hat sich weiter verbessert. Der Patient konnte vollständig von der maschinellen Beatmung entwöhnt werden. Er wird zunehmend mobilisiert und kann das Krankenbett bereits zeitweise verlassen. Die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand von Herrn Nawalny erfolgt im Einvernehmen mit ihm und seiner Ehefrau.

Gelassen durch die Schwangerschaft

- 11-09-2020

Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnte nachweisen, dass sich das psychische Wohlergehen werdender Mütter während der Schwangerschaft positiv auf die neugeborenen Kinder auswirkt. Längere Telomere – Schutzkappen an den Enden der Chromosomen – weisen darauf hin, dass ihre Zellalterung verringert ist, was sich auf die zukünftige Gesundheit der Kinder auswirken könnte. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin American Journal of Psychiatry* veröffentlicht. Verschiedene Aspekte während der Schwangerschaft können sich auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Bisher wurden vor allem negative Einflüsse von Stress, Übergewicht oder schlechter Ernährung untersucht – etwa auf die Funktion der Plazenta, Frühgeburten oder die allgemeine Kindesgesundheit. Auf zellulärer Ebene können sich verschiedene Einflüsse während der Schwangerschaft direkt auf die Telomere auswirken – spezielle Strukturen, die die Enden von Chromosomen bei der Zellteilung schützen und die durch das Enzym Telomerase verlängert werden können. Die Telomerlänge ist ein molekularbiologischer Marker der Zellalterung, der mit der Lebensdauer und einer Reihe altersbedingter Erkrankungen in Zusammenhang steht. Obwohl der Einfluss von mütterlichem Stress gut untersucht ist, gibt es bisher nur sehr wenige Befunde zu protektiven mütterlichen Faktoren und ihren positiven Effekten auf die Kindesentwicklung. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Sonja Entringer am Institut für Medizinische Psychologie der Charité konnte nun zeigen, dass die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress – die sogenannte Resilienz – während der Schwangerschaft mit der Telomerlänge zusammenhängt. Je positiver die werdenden Mütter eingestellt sind, desto länger sind auch die Telomere in Zellen der Kinder. „Positive mütterliche psychologische Charakteristika werden also biologisch beim Fötus eingebettet und wirken sich protektiv aus“, sagt Prof. Entringer. Bereits in einer vorhergehenden Studie hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersucht, wie sich mütterlicher Stress während der Schwangerschaft auf die Telomerlänge der Nachkommen auswirkt. Für die aktuelle Arbeit konnte das Team um Prof. Entringer – zusammen mit Forschenden um Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn von der University of California sowie einem Team in Finnland – auf eine große Probandengruppe mit über 650 Mutter-Kind-Paaren zurückgreifen. Die Telomerlänge wurde bereits bei Geburt in Zellen des Nabelschnurblutes bestimmt. Die positive Einstellung von Schwangeren trotz Stressbelastung bestimmten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch einen Index der Resilienz, in den auch das psychische Wohlergehen und die wahrgenommene soziale Unterstützung einflossen. „Die Studie unterstreicht die Wichtigkeit des psychischen Wohlergehens der Mutter während der Schwangerschaft für die Programmierung von Krankheit und Gesundheit des Kindes während des gesamten Lebens, sowie die Bedeutung verbesserter Maßnahmen zur psychosozialen Betreuung während der Schwangerschaft“, erklärt Prof. Entringer, die auch Associate Professor an der University of California in Irvine ist. Bereits 2016 war sie mit einem „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats (ERC) ausgezeichnet worden, durch dessen Finanzierung sie eine eigene Forschungsgruppe aufbauen konnte. Aktuell widmet sich die Gruppe molekularen Mechanismen, die bei der Verankerung der psychosozialen Effekte in den Zellen des ungeborenen Kindes zugrunde liegen. In einem weiteren Schritt ist eine Interventionsstudie zur Stressreduktion im Alltag von Schwangeren geplant.

Fünftes Statement der Charité: Gesundheitszustand von Alexei Nawalny gebessert

- 07-09-2020

Der Gesundheitszustand von Alexei Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wird, hat sich verbessert. Das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten konnte beendet werden. Der Patient wird schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt. Er reagiert auf Ansprache. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung sind weiterhin nicht auszuschließen. Die behandelnden Ärzte sind mit der Ehefrau von Alexei Nawalny in engem Austausch. Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charité davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist.

Dem Ursprung und Wirken zirkulärer DNA auf der Spur

- 03-09-2020

Die Mechanismen der Krebsentstehung und des Voranschreitens der Krankheit noch besser zu verstehen, das hat sich ein Team um den Kinderonkologen Privatdozent Dr. Anton G. Henssen vorgenommen. Der Wissenschaftler am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), vermutet treibende Kräfte auf Ebene der genomischen Anpassung. Ziel des Vorhabens CancerCirculome ist es, mehr über zirkuläre DNA – ringförmige Erbgutteile, die außerhalb der Chromosomen in Zellen vorliegen – herauszufinden, um deren krebszellenspezifische Merkmale für Therapie, Diagnose oder klinische Prognosen zu nutzen. Für den Aufbau der Arbeitsgruppe stehen jetzt rund 1,5 Millionen Euro des Europäischen Forschungsrates (ERC) zur Verfügung. Die Rolle extrachromosomalen Erbmaterials bei der Krebsentstehung rückt zunehmend in den Fokus der Forschung. Offenbar besitzen Krebszellen entsprechend neuesten Untersuchungen die Fähigkeit, kleine Erbgutringe außerhalb der Chromosomen – die sogenannte zirkuläre DNA – selbst zu erzeugen und in das bestehende Erbgut wieder einzugliedern. Wird die ursprüngliche Abfolge der DNA dabei durcheinandergebracht, kann das Zellwachstum außer Kontrolle geraten und Krebs entstehen. „Wir konnten bereits zeigen, dass diese Phänomene bei primären Neuroblastomen, einem vorrangig im Kindesalter auftretenden Tumor, häufiger zu beobachten sind als zunächst angenommen“, bestätigt Privatdozent Dr. Henssen, der als Arzt auch an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité tätig ist. „Die Beobachtung ist ein Hinweis dafür, dass DNA-Zirkularisierung eine wichtige Triebkraft für die Umgestaltung der Krebs-DNA darstellt.“ Mit dem Start von CancerCirculome wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um den Kinderonkologen und Leiter einer Emmy Noether-Nachwuchsgruppe die zugrunde liegenden Prinzipien der Veränderungen in der Krebs-DNA bei kindlichen Tumoren aufdecken. In den kommenden fünf Jahren werden die Mechanismen und Folgen der DNA-Zirkularisierung und Re-Integration von Erbgutteilen in Chromosomen im Zentrum der Arbeiten stehen. „Wie es zur Erzeugung und Vermehrung der zirkulären DNA kommt, ist im Detail noch nicht bekannt. Dem Ursprung der kleinen Ringe wollen wir näherkommen, indem wir die Sequenzinhalte dieser Erbgutteile genau rekonstruieren“, erklärt Privatdozent Dr. Henssen. „Dazu werden wir auf Einzelzellebene molekulare Faktoren bestimmen, die dazu führen, dass zirkuläre DNA überhaupt entstehen kann und vervielfältigt wird.“ Das Team hofft, auf komplett neue Mechanismen zu treffen, die dafür verantwortlich sind, dass Zellen die Kontrolle über ihr Wachstum verlieren. „Diese Mechanismen könnten Angriffspunkt für neue Therapie- und Diagnoseansätze sein – nicht nur für Tumorerkrankungen bei Kindern, sondern als Grundprinzip für Krebserkrankungen insgesamt“, sagt Privatdozent Dr. Henssen, der auch BIH Charité Clinician Scientist und Wissenschaftler des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) ist. Auf Einzelzell-CRISPR basierende Methoden, ein gezieltes Verändern und Stören zirkulärer DNA, sollen ermöglichen, die biologischen Auswirkungen der DNA-Zirkularisierung und Re-Integration aufzuzeigen. Die Forscherinnen und Forscher planen, zirkuläre DNA in menschlichen Zellen gezielt genetisch zu manipulieren, um ihren funktionellen Einfluss auf die Fitness von Krebszellen zu bewerten. Außerdem soll ihr Verhalten, das Vorhandensein und ihre chromosomale Integration während der Krebstherapie auf Einzelzellebene verfolgt werden. Ziel ist es, die krebsauslösenden Funktionen der ringförmigen Erbgutteile aufzudecken und zu ermitteln, was genau zur Re-Integration zirkulärer DNA in Chromosomen führt. Dieses Wissen soll anschließend klinisch nutzbar gemacht werden: „Anhand der aufgedeckten Prinzipien wollen wir neue diagnostische und vorhersagende Marker definieren, die der personalisierten Diagnose, Risikoabschätzung und Behandlung von Tumoren dienen können“, schließt Privatdozent Dr. Henssen. Langfristiges Ziel ist es, das Verständnis über Tumoren nachhaltig zu beeinflussen und klinische Studien mit personalisierten Behandlungen für Kinder mit schwer zu behandelnden Krebsarten zu unterstützen.

Viertes Statement der Charité: Gesundheitszustand von Alexei Nawalny weiterhin ernst

- 02-09-2020

Der Gesundheitszustand von Alexei Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wird, ist weiterhin ernst. Die Symptomatik der durch eine nachgewiesene Vergiftung ausgelösten Cholinesterase-Hemmung ist zunehmend rückläufig. Grund dafür ist eine schrittweise Regeneration der Cholinesterase-Aktivität. Alexei Nawalny wird weiterhin auf einer Intensivstation behandelt und maschinell beatmet. Mit einem längeren Krankheitsverlauf ist zu rechnen. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung sind weiterhin nicht auszuschließen. Die behandelnden Ärzte sind mit der Ehefrau von Alexei Nawalny in engem Austausch. Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charité davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist.

COVID-19-Risikogruppen: Warum das Immunsystem schlechter gegen das Virus ankommt

- 02-09-2020

Ältere Menschen und Personen mit Grunderkrankungen haben ein besonders hohes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat jetzt herausgefunden, was einer der Gründe dafür sein könnte: Bei diesen Risikogruppen werden wichtige Zellen des Immunsystems, die T-Helferzellen, zwar besonders häufig gebildet, sie sind aber in ihrer Funktion eingeschränkt. Diese „Immunbremse“ zu lösen, könnte ein Therapieansatz beispielsweise bei schweren COVID-19-Verläufen sein. Veröffentlicht ist die Studie im Journal of Clinical Investigation*. Schon früh nach dem ersten Auftreten von COVID-19 wurde flächendeckend dieselbe Beobachtung gemacht: Die Erkrankung verläuft häufig besonders schwer bei älteren Personen und bei Menschen mit Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Wahrscheinlich gibt es eine Reihe medizinischer Gründe dafür, dass der Körper im Alter oder bei bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen schlechter mit einer SARS-CoV-2-Infektion fertig wird. Ein wichtiger Faktor, so wurde vermutet, könnte das Immunsystem sein. Ein interdisziplinäres Team der Charité hat jetzt Erkenntnisse gesammelt, die diese Vermutung unterstützen. Für ihre Studie untersuchte die Forschungsgruppe das Blut von 39 Patientinnen und Patienten, die mit SARS-CoV-2-Infektion in die Charité aufgenommen worden waren. Aus diesen Blutproben gewannen die Forschenden Immunzellen, die sie mit kleinen, künstlich hergestellten Bruchstücken des SARS-CoV-2-Erregers stimulierten. Anschließend machten sie die T-Helferzellen, die auf die Virus-Bruchstücke reagierten, mithilfe von spezifischen Farbstoffen sichtbar und bestimmten ihre Anzahl. Schließlich überprüfte das Forschungsteam, ob es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der aktivierten T-Helferzellen und den Risikofaktoren der Patienten gab. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler belegen konnten, wiesen die COVID-19-Betroffenen umso mehr Virus-spezifische T-Helferzellen in ihrem Blut auf, je älter sie waren. Derselbe Zusammenhang fand sich auch für den sogenannten Komorbiditätsindex – eine Maßzahl für die Schwere von 19 verschiedenen Grunderkrankungen: Je höher der Komorbiditätsindex lag, desto mehr SARS-CoV-2-spezifische T-Helferzellen zirkulierten im Blut der Patientinnen und Patienten. Wie das Team jedoch beobachtete, produzierten mit fortschreitendem Alter der Betroffenen und Gesamtlast ihrer Grunderkrankungen immer weniger dieser Zellen den Botenstoff Interferon gamma (IFNγ). Diesen Botenstoff geben die Zellen normalerweise ab, wenn sie ein Virus erkannt haben, um andere Komponenten der Immunabwehr gegen den Erreger zu stimulieren. „Die übermäßig vielen gegen das neue Coronavirus gerichteten T-Helferzellen, die wir im Blut von COVID-19-Betroffenen mit Risikofaktoren gefunden haben, sind also teilweise nicht mehr richtig funktionstüchtig“, erklärt Dr. Arne Sattler, leitender Erstautor der Studie von der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie der Charité. Der Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Translationale Immunologie resümiert: „Die T-Helferzellen werden bei Menschen mit Risikofaktoren also gewissermaßen ausgebremst. Wir gehen davon aus, dass das hinderlich für eine effiziente Bekämpfung des Erregers sein könnte.“ Eine bekannte molekulare „Bremse“ des Immunsystems ist das Protein PD-1. Es sorgt auf der Oberfläche von T-Zellen normalerweise dafür, dass eine Immunantwort nicht überschießt und sich beispielsweise gegen den eigenen Körper richtet. Tatsächlich konnte die Charité-Forschungsgruppe nachweisen, dass die Virus-spezifischen T-Helferzellen während einer akuten SARS-CoV-2-Infektion deutlich mehr PD-1 bilden als nach einer Infektion mit vergleichsweise milden Symptomen. „Zusammen mit Beobachtungen anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen unsere Daten darauf hin, dass PD-1 mitverantwortlich dafür sein könnte, dass das Immunsystem bei einigen COVID-19-Betroffenen zu wenig Botenstoffe zur Erregerabwehr ausschüttet“, sagt Dr. Sattler. „Möglicherweise könnten COVID-19-Patientinnen und -Patienten von Therapien profitieren, die darauf abzielen, eine solche ‚Immunbremse‘ wieder zu lösen. Um das zu klären, sind aber noch zahlreiche Studien nötig.“

Drittes Statement der Charité: Gesundheitszustand von Alexei Nawalny stabil

- 28-08-2020

Der Gesundheitszustand von Alexei Nawalny, der seit dem letzten Wochenende in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt wird, ist stabil. Die Symptomatik der durch eine Cholinesterase-Hemmung ausgelösten cholinergen Krise ist rückläufig. Der Patient befindet sich weiterhin auf einer Intensivstation im künstlichen Koma und wird maschinell beatmet. Sein Gesundheitszustand ist unverändert ernst, ohne das akute Lebensgefahr besteht. Nach wie vor sind eventuelle Langzeitfolgen der schweren Vergiftung des Patienten nicht absehbar. Die behandelnden Ärzte sind mit der Ehefrau von Alexei Nawalny in engem Austausch. Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charité davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist.

Zweites Statement der Charité: Klinische Befunde weisen auf Vergiftung von Alexei Nawalny hin

- 24-08-2020

Seit dem Wochenende behandeln Ärztinnen und Ärzte der Charité – Universitätsmedizin Berlin Alexei Nawalny. Der Patient befindet sich auf einer Intensivstation und ist weiterhin im künstlichen Koma. Sein Gesundheitszustand ist ernst, derzeit besteht jedoch keine akute Lebensgefahr. Das Ärzte-Team hat den Patienten nach seiner Ankunft eingehend untersucht. Die klinischen Befunde weisen auf eine Intoxikation durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hin. Die konkrete Substanz ist bislang nicht bekannt und es wurde eine weitere breitgefächerte Analytik initiiert. Die Wirkung des Giftstoffes, d.h. die Cholinesterase-Hemmung im Organismus, ist mehrfach und in unabhängigen Laboren nachgewiesen. Entsprechend der Diagnose wird der Patient mit dem Gegenmittel Atropin behandelt. Der Ausgang der Erkrankung bleibt unsicher und Spätfolgen, insbesondere im Bereich des Nervensystems, können zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Die behandelnden Ärzte sind mit der Ehefrau von Alexei Nawalny in engem Austausch. Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charité davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist.

Erstes Statement der Charité: Charité-Ärzte behandeln Alexei Anatoljewitsch Nawalny

- 22-08-2020

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin bestätigt, Alexei Anatoljewitsch Nawalny zur ärztlichen Behandlung aufgenommen zu haben. Derzeit erfolgt eine umfangreiche medizinische Diagnostik. Nach Abschluss der Untersuchungen und nach Rücksprache mit der Familie werden sich die behandelnden Ärzte zu der Erkrankung und weiteren Behandlungsschritten äußern. Die Untersuchungen werden einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher bitten wir um Geduld; wir informieren Sie, sobald Erkenntnisse vorliegen.

Erweiterte Öffnungszeiten an den Flughafenteststellen

- 19-08-2020

Grundsätzlich sind Reiserückkehrende aus Corona-Risikogebieten zu einer 14-tägigen häuslichen Quarantäne verpflichtet. Um diese zu verkürzen, gibt es die Möglichkeit, sich auf COVID-19 testen zu lassen. Seit 8. August besteht für Reiserückkehrende aus Risikogebieten eine Testpflicht – Flugreisende können dieser am Flughafen Tegel und am Flughafen Schönefeld nachkommen. Ab morgen sind beide Teststellen von Charité und Vivantes bis 22 Uhr geöffnet. Das Testangebot richtet sich ausschließlich an Reiserückkehrende, die keine Corona-Symptome zeigen. Mit den verpflichtenden Tests und der Erweiterung der Risikogebiete durch das RKI haben sich die Testzahlen vervielfacht. „Seit Beginn der Pandemie haben wir Maßnahmen und Prozesse regelmäßig neu bewertet und an das dynamische Infektionsgeschehen angepasst. Mit dem Aufbau der Teststellen ist es uns in kürzester Zeit gelungen, gut funktionierende Strukturen zu etablieren, um das Infektionsgeschehen bestmöglich einschätzen zu können“, sagt Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité. Seit dem Start der Flughafentestungen Ende Juli wurden rund 18.000 Personen getestet, davon waren rund 250 positiv. Allein in der Vorwoche wurden circa 8.000 Personen getestet, davon waren 90 positiv. Das erhöhte Testaufkommen erfordert entsprechende Bearbeitungszeiten. Sollte ein Test positiv ausfallen, wird automatisch – wie bei der Testung in anderen Teststellen oder beim Hausarzt auch – das zuständige Gesundheitsamt informiert, das wiederum die betreffende Person benachrichtigt. An den von Charité und Vivantes betriebenen Teststellen für Reiserückkehrende aus Risikogebieten werden die Testwilligen digital erfasst und die Testergebnisse elektronisch an die getestete Person übermittelt. Diesen Weg haben die Betreiber bewusst gewählt, um die Fehleranfälligkeit einer manuellen Erfassung zu vermeiden. Prof. Frei ordnet ein: „Aufgrund des gestiegenen Testaufkommens wurde eine Systemoptimierung notwendig. Die Anpassung hatte keinerlei Auswirkung auf die Abläufe in der Teststelle. Vereinzelt wurden negative Ergebnisse leicht verzögert an die Getesteten übermittelt. Dies betraf nicht die Positivbefunde. Hier war zu jeder Zeit sichergestellt, dass positive Befunde direkt an das zuständige Gesundheitsamt übermittelt wurden.“ Die Flughafentestung ist Teil der breit angelegten Corona-Teststrategie, die die Charité im Auftrag des Berliner Senats entwickelt hat.

Langzeitrisiken von Implantaten

- 11-08-2020

Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnte mit Hilfe hochkomplexer Analysemethoden detailliert nachverfolgen, wie verschiedene Metalle aus Endoprothesen freigesetzt werden und sich im umliegenden Knochengewebe anreichern. Auch unabhängig von mechanischer Belastung kann es – anders als bisher angenommen – aus verschiedenen Prothesenteilen zu einer ständigen Freisetzung von Metallen kommen. Die im Fachmagazin Advanced Science* veröffentlichen Erkenntnisse sollen helfen, die Materialien von Implantaten zu optimieren und ihre Sicherheit zu erhöhen. Moderne Endoprothesen sollen Patienten mit chronisch degenerativen Gelenkerkrankungen eine schmerzfreie Beweglichkeit ermöglichen und so ihre Lebensqualität deutlich verbessern. Für solchen künstlichen Gelenkersatz werden Materialien mit verschiedenen Metallverbindungen verwendet, um eine mechanische Stabilität des Implantats möglichst lange zu gewährleisten. Entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Endoprothese ist jedoch eine stabile Integration in das umliegende Knochengewebe. Frühere Arbeiten zur Implantatstabilität belegten, dass es an den Reibungsflächen, so genannte Gleitpaarungen, zu einem Abrieb von Metallen kommen kann. Diese Metallrückstände können zu einer Rückbildung des umliegenden Knochens, der sogenannten Osteolyse, und somit zu einer frühzeitigen Lockerung der Implantate führen. Allerdings wurde eine mögliche ständige Freisetzung von Metallen aus anderen Teilen der Prothese bisher außer Acht gelassen. Die Forschungsgruppe um Dr. Sven Geißler am Julius-Wolff-Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration der Charité und BIH Center for Regenerative Therapies hat nun die räumliche Verteilung und lokale Toxikokinetik von freigesetzten metallischen Verschleiß- und Korrosionsprodukten im umliegenden Knochengewebe unter Verwendung eines einzigartigen Synchrotron-basierten Röntgenfluoreszenz-Bildgebungssystems detailliert untersucht. „Mit unserer Arbeit zeigen wir zum ersten Mal, dass sowohl partikuläre als auch gelöste Metalle, die aus Endoprothesen stammen, im umliegenden Knochen und im Knochenmark in überphysiologischen Konzentrationen vorhanden sind“, sagt Dr. Geißler. „Die kollagenhaltige Schicht, die nach der Operation das Implantat verkapselt, isoliert dieses somit nicht in dem Ausmaß vom menschlichen Gewebe wie bisher angenommen.“ Die Forschenden untersuchten hierfür winzige Knochenproben von 14 Patienten, bei denen ein Hüft- oder Kniegelenk ersetzt werden musste. Sie nutzten hierfür die Röntgenfluoreszenzanalyse, um die elementare Zusammensetzung der Proben qualitativ und quantitativ zu bestimmen. Diese Technik gestattet einzigartige Einblicke hinsichtlich Konzentration, Verteilung, Lokalisierung und Anreicherung von metallischen Abbauprodukten wie Kobalt, Chrom oder Titan im angrenzenden Knochen und im Knochenmark. Die notwendige sehr reine und fokussierte Röntgenstrahlung hoher Intensität wurde durch die Synchrotronstrahlungsquelle des Teilchenbeschleunigers der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) im französischen Grenoble erreicht und erlaubt eine weltweit einmalige Ortsauflösung von bis zu 30 Nanometer. „Im Rahmen unserer Arbeit bringen wir also eine klinisch hochrelevante Fragestellung und einen hochkomplexen experimentellen Aufbau zusammen“, erklärt Dr. Janosch Schoon, Erstautor der Studie. „Unsere Studie leistet einen wesentlichen Betrag zur Verbesserung der Risiko-Nutzen-Bewertung von Medizinprodukten und zeigt, dass diese nicht nur Biokompatibilitätstests von Ausgangsmaterialien, sondern auch von deren späteren Verschleiß- und Korrosionsprodukten umfassen sollte. Auf diese Weise tragen die aktuellen Daten entscheidend dazu bei, die Implantatsicherheit auf dem höchstmöglichen Niveau zu halten“, resümiert Dr. Geißler. Basierend auf den Erkenntnissen sollen in nachfolgenden Untersuchungen die biologischen Konsequenzen der Metallfreisetzung im Knochen und Knochenmark erforscht werden. Zugleich werden neue Ansätze entwickelt, die eine zuverlässige präklinische Testung von Implantatmaterialien in humanen Zellen und im Labor gezüchteten Geweben erlauben. 

COVID-19: Immunsystem auf Irrwegen

- 06-08-2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité - Universitätsmedizin Berlin, der Universität Bonn, des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen, des Helmoltz-Zentrums für Infektionsforschung und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung Bei schweren Krankheitsverläufen von COVID-19 kommt es, anders als bislang allgemein angenommen, nicht allein zu einer starken Immunreaktion – vielmehr ist die Immunantwort in einer Dauerschleife aus Aktivierung und Hemmung gefangen. Fachleute der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Universität Bonn, des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) präsentieren diese Befunde gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eines bundesweiten Forschungsverbundes im Wissenschaftsjournal Cell*. Die meisten Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 verlaufen milde oder gar ohne Symptome. Jedoch entwickeln 10 bis 20 Prozent der Betroffenen im Verlauf der COVID-19-Erkrankung eine Lungenentzündung mit zum Teil lebensbedrohlichen Auswirkungen. „Man weiß noch immer wenig über die Ursachen dieser schweren Verläufe. Die hohen Entzündungswerte, die man bei den Betroffenen misst, sprechen eigentlich für eine starke Immunantwort. Klinische Befunde sprechen aber eher für eine ineffektive Immunantwort. Hier gibt es einen Widerspruch“, sagt Prof. Dr. Joachim Schultze von der Universität Bonn, der auch Forschungsgruppenleiter am DZNE ist. „Wir vermuteten daher, dass Immunzellen zwar in großer Menge produziert werden, sie jedoch in ihrer Funktion gestört sind. Deshalb haben wir das Blut von Patientinnen und Patienten mit unterschiedlicher Krankheitsschwere von COVID-19 untersucht“, berichtet Prof. Dr. Leif Erik Sander von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité. Die Studie erfolgte im Rahmen eines bundesweiten Konsortiums – der „Deutschen COVID-19 OMICS Initiative“ (DeCOI) –, sodass sich die Analyse und Interpretation der Daten auf diverse Teams und Standorte verteilten. Prof. Schultze war als Koordinator in die Umsetzung des Projektes maßgeblich eingebunden. Die Blutproben stammten von insgesamt 53 Männern und Frauen mit COVID-19 aus Berlin und Bonn, deren Krankheitsverlauf gemäß der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation in mild oder schwer eingeteilt wurde. Als wichtige Vergleichsgröße dienten Blutproben von Personen mit anderen viralen Atemwegsinfekten sowie von gesunden Personen. Für die Untersuchungen kamen unter anderem Single-Cell-OMICs-Technologien zum Einsatz: ein Sammelbegriff für moderne Messverfahren, mit denen sich beispielsweise die Genaktivität und das Aufkommen von Eiweißstoffen für einzelne Zellen – und somit sehr präzise – bestimmen lassen. Anhand dieser Daten charakterisierten die Forschenden die Eigenschaften von im Blut zirkulierenden Immunzellen – sogenannten weißen Blutkörperchen. „Diese äußerst umfangreiche Datenerhebung der Genaktivität jeder einzelnen Zelle ermöglichte es uns, mit bioinformatischen Methoden einen umfassenden Blick auf die laufenden Prozesse in den weißen Blutkörperchen zu gewinnen“, erklärt Prof. Dr. Yang Li vom Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin (CiiM) und vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Hannover. „In Kombination mit der Betrachtung von wichtigen Eiweißmolekülen auf der Oberfläche von Immunzellen konnten wir so die Veränderungen im Immunsystem von Patientinnen und Patienten mit COVID-19 entschlüsseln“, ergänzt Prof. Dr. Birgit Sawitzki vom Institut für Medizinische Immunologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité. Das menschliche Immunsystem umfasst ein breites Arsenal von Zellen und anderen Verteidigungsmechanismen, die sich gegenseitig beeinflussen. In der aktuellen Studie lag der Fokus auf sogenannten myeloiden Zellen, zu denen auch Neutrophile und Monozyten gehören. Das sind Immunzellen, die in der Reaktionskette der Immunantwort recht weit vorne stehen, also sehr früh zur Abwehr von Infektionen mobilisiert werden. Sie beeinflussen zudem die spätere Bildung von Antikörpern und anderen Zellen, die zur Immunität beitragen. Dadurch kommt den myeloiden Zellen eine Schlüsselposition zu. „Wir haben bei den sogenannten Neutrophilen und den Monozyten festgestellt, dass diese Immunzellen bei milden Krankheitsverläufen von COVID-19 aktiviert, also abwehrbereit sind. Sie sind auch so programmiert, dass sie den Rest des Immunsystems in Gang setzen. So kommt es letztlich zu einer ausreichenden Immunantwort gegen das Virus“, erklärt Dr. Antoine-Emmanuel Saliba vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg. Anders ist die Situation bei den schweren Fällen von COVID-19, wie Prof. Sawitzki erläutert: „Hier sind Neutrophile und Monozyten zwar zum Teil aktiviert, aber auch in ihrer Funktion gestört. Wir finden deutlich mehr unreife Zellen, die eher hemmend auf die Immunreaktion wirken.“ Prof. Sander ergänzt: „Das Phänomen lässt sich auch bei anderen schweren Infektionen beobachten, der Grund dafür ist jedoch unklar. Es spricht vieles dafür, dass sich das Immunsystem bei schweren COVID-19-Verläufen gewissermaßen selbst im Wege steht. Dadurch kommt es womöglich zu einer unzureichenden Immunantwort gegen das Coronavirus, bei gleichzeitiger starker Entzündung im Lungengewebe.“ Die aktuellen Befunde könnten auf neue Therapiemöglichkeiten hindeuten, meint Dr. Anna Aschenbrenner vom LIMES Institut der Universität Bonn: „Unsere Daten legen nahe, dass man bei schweren Krankheitsverläufen von COVID-19 Strategien erwägen sollte, die über die Behandlung anderer Viruserkrankungen hinausgehen.“ Eigentlich wolle man bei viralen Infekten das Immunsystem nicht unterdrücken, meint die Bonner Forscherin. „Wenn jedoch zu viele dysfunktionale Immunzellen auftreten, wie es unsere Studie zeigt, dann möchte man solche Zellen sehr wohl unterdrücken oder umprogrammieren.“ Prof. Dr. Jacob Nattermann von der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Bonn, der auch Arbeitsgruppenleiter im DZIF ist, erläutert weiter: „Medikamente, die auf das Immunsystem einwirken, könnten vielleicht weiterhelfen. Das ist allerdings ein Balance-Akt. Denn es geht darum, das Immunsystem nicht gänzlich herunterzufahren, sondern nur jene Bereiche, die sich sozusagen selbst ausbremsen. Das sind in diesem Fall die unreifen Zellen. Möglicherweise können wir von der Krebsforschung lernen. Hier gibt es Erfahrung mit Therapien, die bei solchen Zellen ansetzen.“ Angesichts der vielen Beteiligten betont Prof. Schultze die Zusammenarbeit innerhalb des Forschungskonsortiums: „Diese Studie ist nach unserem Wissen eine der bislang umfangreichsten zur Immunantwort bei COVID-19 auf der Grundlage von Einzelzell-Daten. Die parallele Auswertung zweier unabhängiger Patientenkohorten ist eine der Stärken unserer Studie. Wir haben Patientengruppen von zwei unterschiedlichen Standorten mit verschiedenen Methoden analysiert und konnten so unsere Befunde direkt validieren. Das ist nur möglich, wenn Forschungsdaten offen geteilt werden und man vertrauensvoll kooperiert. Dies ist gerade in der aktuellen Krisensituation enorm wichtig.“

Charité begrüßt Bestellung von Prof. Dr. Christopher Baum als neuen BIH-Vorstandsvorsitzenden

- 05-08-2020

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin freut sich auf die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christopher Baum, der heute vom Aufsichtsrat des Berlin Institute of Health (BIH) zum neuen Vorstandsvorsitzenden des BIH bestellt worden ist. Als Leiter des BIH wird er nach dessen Integration in die Charité Mitglied des Vorstands der Berliner Universitätsmedizin werden. Prof. Baum folgt auf Prof. Dr. Axel Radlach Pries, der das Amt des Vorstandsvorsitzenden des BIH zwei Jahre kommissarisch innehatte und sich nun wieder ganz seiner Aufgabe als Dekan der Charité widmen wird. Prof. Baum ist derzeit Vizepräsident Medizin an der Universität Lübeck und Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Der ausgewiesene Wissenschaftsmanager und Experte für Translation, Molekulare Medizin und Gentherapie wird sein Amt als Vorstandsvorsitzender des BIH zum 1. Oktober 2020 antreten. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, begrüßt die heutige Entscheidung des BIH-Aufsichtsrats: „Christopher Baum verfügt über ein großes Maß an Leitungserfahrung in Universitätskliniken. Ich bin mir sicher, dass er im eigenständigen BIH die Übertragung von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung stark fördern und dabei die Synergieeffekte mit der Charité maximal nutzen wird. Für die Zukunft freue ich mich auf eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit im Charité-Vorstand, sobald das BIH zur dritten Säule der Charité geworden ist.“ Seit der Unterzeichnung der Verwaltungsvereinbarung zur Integration des BIH in die Charité im Juli 2019 steht fest: Das BIH wird neben dem Klinikum und der Medizinischen Fakultät dritte Säule der Charité. Gleichzeitig wird das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) Privilegierter Partner des BIH. Im Zuge der Integration wird das BIH einen Sitz im Vorstand der Charité erhalten. Mit der Integration rückt das BIH noch näher an die Kliniken und Einrichtungen der Charité heran und kann seine Mission der medizinischen Translation noch besser erfüllen: Forschungsergebnisse aus dem Labor in die Anwendung zur Patientin und zum Patienten zu bringen und hierfür durch Beobachtungen aus dem Klinikalltag neue Forschungsansätze im Labor zu stimulieren. Zusammen sollen die gemeinsamen Ziele von Charité und BIH beim Aufbau eines effektiven und erfolgreichen translationalen Ökosystems weiter vorangetrieben werden. Hierbei sollen auch wegweisende Modelle für die Zusammenarbeit von bundesgeförderten Strukturen mit landesgeförderten universitären Einrichtungen etabliert werden.